Gesundheitlich immer noch leicht angeschlagen, kommen wir derzeit nicht zum Ausreisen. Bei der Durchsicht alter Aufnahmen aus dem Jahre 2012 bin ich auf eine Serie nicht ganz geglückter Bilder gestossen, die ich damals auf die Wartebank geschoben hatte. Irgendwann wollte ich die Objekte nochmals neu aufnehmen. Dazu ist es nie gekommen, wie bei Allem, das man auf die Wartebank schiebt. Nun denn, ewig will ich die treuen Leser meiner Sonntagsrubrik nicht warten lassen. Raus damit.
Die Mühle Ramiswil liegt direkt an der Passwangstrasse hinter Mümliswil. Sie wurde im Jahr 1596 von Hans Gasser erbaut und von seinen Nachfolgern bis gegen Ende des letzten Jahrhunderts betrieben. Der letzte Müller verkaufte 1990 das historisch wertvolle und unter Schutz stehende Gebäude der Einwohnergemeinde des Dorfes. 1917 wurde die Mühleeinrichtung modernisiert und anstelle des Wasserrades eine Turbine eingebaut. Seit der Stillegung der Mühle wird die Turbine als Kleinkraftwerk weiterbetrieben und erzeugt jährlich ca. 30’000 kW Strom, der ins Netz der lokalen Elektrizitätsversorgung eingespiesen wird.
Das Turbinenrad der längst verschwundenen Firma O. Meyer, Solothurn, dreht immer noch
1953 stiess man bei Reparaturarbeiten an der Nordfassade unter dem Verputz auf Farbreste des ursprünglichen Renaissance-Fassadenschmuckes aus dem Erbauungsjahr der Mühle (1596), eine Malerei mit Caput mortuum, einem alten Pigment der Alchimisten des 15. Jahrhunderts. Die Renovationsarbeiten legten zudem ein perfekt gegliedertes Fenstersystem in gotischer Staffelung und mit Fenstersäulen, sowie das ursprüngliche Balkenwerk auf der Giebelseite frei.
Um in den Dachstuhl zu gelangen, müssen Besucher über mehrere alte Treppen hochsteigen.
Der Dachstock aus dem Jahre 1778Für uns eine Treppe, für den Holzwurm Nahrung
Dabei wäre eine Fahrt mit dem genialen Mühlenbremsfahrstuhl viel bequemer gewesen.
Selbst das Mahlgut darf Lift fahren. Hier mit dem Gurtbecherwerk (Elevator): Metallbechern, die an vertikal laufenden Ledergurten befestigt sind, und das Transportgut in die Höhe bringen.
Elevator, auf der Rückfahrtsseite
Reiz einer vergangenen Technik
Räder, Riemen und TransmissionenDer Rollgang dient zum Schälen von GetreideDas Herz jeder Mühle, der Mahlstein
Ein Plansichter dient in der Mühle zur Trennung der Kornbestandteile, die nach der Mahlung anfallen.
Detail eines Plansichters. Die Schläuche fehlen an den Stutzen.
Bei der Herstellung von hellen Mehlen ist es das Ziel des Müllers, möglichst viele Schalenteilchen (Kleie) vom Mehlkörper aus dem Inneren des Korns abzutrennen.
Auch wenn es sich heute ausgemahlen hat in der Mühle: Ausmahleten meint eines der Endprodukte
Das Zisterzienserkloster St. Urban wurde 1194 von Mönchen der Abtei Lützel (Abbaye de Lucelle) im Elsass mit Unterstützung oberaargauischer Freiherrengeschlechter gegründet. Das Kloster entwickelte sich im Verlaufe seines Bestehens zum religiösen und geistigen, herrschaftlichen und wirtschaftlichen Zentrum des Grenzraumes der Kantone Bern, Solothurn, Aargau und Luzern.
1195-1259 wurde der romanisch-gotische Vorgängerbau errichtet. Im 13. Jahrhundert erweiterte St. Urban seinen Besitz durch Schenkungen von Adligen der Umgebung und schuf sich durch Kauf und Tausch allmählich ein erhebliches, grundherrschaftliches Besitztum.
Blick vom Untertor auf Kirche und Konventgebäude
Ab Mitte des 13. Jahrhunderts verband sich das Kloster mit Solothurn, Bern und Luzern durch Burgrechte und erbaute in Städten der Umgebung Stadthöfe zur Verwaltung seiner Güter sowie Lagerhäuser für die Zehnten.
Kunst aus Ziegelsteinen
Mönche und Laienbrüder verwalteten und bewirtschafteten in der nahen und weiteren Umgebung die klostereigenen Höfe mit Wiesen- und Ackerbau. Daneben betrieb das Kloster auch Ziegelbauhütten. Ausser Ziegelsteinen und Bodenplatten wurden hier kunstvoll verzierte (Relief)-Backsteine hergestellt, die weit herum nachgefragt waren. Zudem wurde eine bedeutende Klosterbibliothek aufgebaut.
Blick auf Untertor und das heutige Pfarrhaus
Misswirtschaft und die Verwüstungen durch den Einfall der Gugler 1374/75 (ein Heer von rund 22’000 durch Mitteleuropa marodierender, englischer und französischer Söldner), markierten das Ende der mittelalterlichen Blütezeit. 1407 übernahm die Stadt Luzern mit der habsburgisch-österreichische Grafschaft Willisau die Kastvogtei (Schirmherrschaft gegen Geld) über das Kloster.
Pfarreigebäude
Nach der Reformationszeit, 1537, erhielt der Abt bischöfliche Rechte. Der kirchliche und kulturelle Aufschwung setzte erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts wieder ein und fand ihren Höhepunkt in der Barockkultur. Im 18. Jahrhundert versuchte das Kloster, eine fürstbischöfliche Territorialherrschaft aufzubauen. Das Eingreifen der eidgenössischen Orte setzten diesen Plänen jedoch ein Ende.
Die Kloster-Enten haben sich gegenüber den Fürsten der EU schon mal abgeschottet.
Da die mittelalterliche Klosteranlage mit der Zeit trotz mehrfachen Umbauten und Erweiterungen den Ansprüchen der Mönche nicht mehr genügte, wurde 1711 ein Vorarlberger Baumeister mit dem umfassenden Neubau von Kirche und Konventgebäuden im Barockstil beauftragt.
Eingang in das heutige Konventgebäude
Das Kloster St. Urban ist heute eines der eindrücklichsten Beispiele barocker und zisterziensischer Baukunst und Kultur in der Schweiz.
Das Innere, noch weihnächtlich dekoriert, ich hinke hinterher
Die Niederlage der katholischen Orte im Sonderbundskrieg 1847 und die allgemeine Klosterfeindlichkeit führten 1848 zur Aufhebung des Klosters und zum Verkauf der Klostergüter zur Tilgung von Kriegsschulden. Verramscht wurde auch das wertvolle Chorgestühl, das erst im 20. Jahrhundert wieder zurückgekauft und erneut aufgestellt wurde. Die Abteikirche ist seither die Pfarrkirche von St. Urban. 1873 eröffnete der Kanton Luzern in den zurückgekauften Klosterräumlichkeiten eine Kantonale „Irrenanstalt“. Inzwischen wird aber der grösste Teil der barocken Klosteranlage für kulturelle Zwecke genutzt.
Ausreisen beginnen bei uns mit einem guten Mittagessen. Leere Mägen und Kultur vertragen wir schlecht. Einmal mehr lag der Startpunkt in unserem derzeitigen Lieblings-Bistrot in Bern.
Brasserie Bärengraben. Im Spiegel: u.a. Pieds de Cochons, Bouillabaisse und Foie gras mi-cuit
Wenn dann noch das billigste Glas Rotwein (vom Offenen) ordentlich gut schmeckt, wie der Duche d’Uzes Rouge IGP La Garrigue d’Aureillac, umso besser.
Untertorbrücke, Bern
Ein erster Halt im Murifeld galt dem Landsitz Wittigkofen. Ursprünglich wurde das Bauerngut von den Zähringern als Lehen an ihre Ministerialen vergeben. Namensgeber und erster urkundlich erwähnter Lehnsherr war Mitte des 13. Jahrhunderts Heinricus de Wittenchoven. Unter den Besitzern taucht immer wieder das Kloster Interlaken auf, das sich mit einem günstigen Verkaufspreis ein Rückfallsrecht im Erbfall sicherte. Mittelalterliches Leasing. Nach der Reformation wurden die Klöster aufgehoben und deren Besitz verstaatlicht. Bern sicherte sich dadurch die einträglichen Getreidezehnten der Kirchengüter.
Schloss Wittigkofen
Wittigkofen wurde wiederum verkauft und durchlief mehrere Besitzerwechsel, die ihre baulichen Spuren zu einem verwinkelt an- und umgebauten Schloss hinterliessen. Trotzdem hat sich das Gut seinen spätgotischen Charakter bewahrt.
Schloss Wittigkofen, Turmseite
Früher stand das Schloss inmitten eines landwirtschaftlichen Gutes. 1973 klotzte die Stadt eine Betonwüste mit mehreren Hochhäusern in das Feld, das heute gegen 3000 Einwohnern in 1250 Wohnungen ein Dach über dem Kopf, fliessend kaltes und heisses Wasser, Zentralheizung sowie Fernsehanschluss bietet.
Betonburgen mit Schloss
Weiter zum Mettlengut in Muri. Eine noble Villa, deren heutiges Erscheinungsbild vor allem auf Graf Karl Friedrich von Pourtalès zurück geht. Heute gehört das Haus der Gemeine Muri, die darin eine Musikschule betreibt. Ein Glücksfall. Solche Häuser sind in Bern sonst von den diplomatischen Vertretungen zentralafrikanischer Kleinstaaten als repräsentative Botschaftsresidenzen heiss begehrt.
Mettlengut
An der Thunstrasse liegt das Schloss Muri.
Schloss Muri. Zutritt verboten, wie meist in Privatschlössern.
Johann Rudolf von Diesbach, Oberst in Frankreich und später Landvogt von Lenzburg, erwarb 1650 /1652 das bestehende, alte Schloss mit Treppenturm und liess es umbauen.
1695 wurde das Schloss von Albrecht von Mülinen erworben, bis 1758 blieb es in dessen Familie. Die kam in Geldnöte und musste es an einen reichen Metzger und Dorfkönig verkaufen. Dieser baute das Schloss um, was letztlich selbst die finanziellen Möglichkeiten eines Metzgers überstieg. Deshalb wurde es 1825 wieder verkauft. Nach einem weiteren Handwechsel gelangte das Schloss wieder in die Hand von Patriziern.
Die Kirche Muri, rechtsseitig der Aare gelegen, gehörte bis zur Reformation zum Dekanat Münsingen. Dieses war dem zum Erzbistum Mainz gehörenden Bistum Konstanz unterstellt. Archäologische Untersuchungen weisen auf einen früheren Bau aus dem 6./7. Jahrhundert hin. Darauf weist auch der Kirchenpatron hin, der heilige Martin, ein zu Zeiten der merowingischen Frankenkönige beliebter Kirchenheiliger.
1881 wurde der durch ein Erdbeben beschädigte, alte Kirchturm abgetragen. Graf Friedrich von Pourtalès stiftete einen neuen Turm im neugotischen Stil, damals als „Zierde der Landschaft“ gerühmt. Bald einmal wurde er als hässlich empfunden und anlässlich von Renovationsarbeiten 1967 teilweise abgetragen und mit einem neuen Oberbau versehen. Nun ist der Turm neu, im typischen Architekturmief der siebziger Jahre erstellt. Unsere Welt würde anders aussehen, wenn man das Bauen den alten Baumeistern und nicht den Architekten überlassen hätte.
Kirche Muri, mit abgeschnittenem Turm
Und da wir schon in Muri waren, folgte noch ein ein kleiner Abstecher zur Elfenau. Auf dem zur Aare abfallenden Gelände „zu Brunnadern“ befand sich im 13. Jahrhundert ein Frauenkloster, das aber infolge von Kriegswirren bald wieder aufgegeben wurde.
Campagne Elfenau
Das heutige Herrschaftshaus, eine typische Berner Campagne, wurde um 1780 erbaut. Der damalige Besitzer verkaufte es 1814 an die russische Grossfürstin Anna Feodorowna (1781-1860), eine gebürtige Prinzessin von Sachsen-Saalfeld-Coburg. Diese erfreute sich im Berner Exil mit wechselnden Liebschaften ihrer wieder gewonnenen ehelichen Freiheit. Die Anwesenheit der hohen Dame schmeichelte den biedern Berner Staatsmännern gewaltig. Fürsten, Staatsmänner und Musiker gingen hier ein und aus. „Ihro Kayserliche Hoheit“ gaben dem Gut den Namen Elfenau und 2 unehelichen Kindern das Leben. 1918 erwarb die Stadt Bern das Gut.
Elfenau: Brunnsäule mit angefaultem Apfel
Quellen:
Wolf Maync, Bernische Wohnschlösser, Verbandsdruckerei Bern, 1979 Gemeinde Muri, Porträt
Markthalle, als gebrochene Spiegelung im Glasbau gegenüber
Wozu für Weltwunder die Welt bereisen ? Alles haben wir im Kleinformat in der Schweiz auch zu bieten. Manchmal etwas weniger pittoresk, etwas weniger alt, etwas weniger gross, etwas bieder, manchmal verschweizert, dafür solide .
Heute über das Basler Pantheon:
Markthalle, Kuppel
Der 27 Meter hohe Kuppelbau mit seinen 60 Metern Durchmesser gehörte bei der Eröffnung im Jahr 1929 zu den drei grössten Massivkuppeln weltweit. Das Pantheon in Rom misst zum Vergleich mickrige 43.3 m im Durchmesser. Der Bau wurde als Grossmarkthalle in Stahlbeton (Schalendicke 8 cm) errichtet und bis ins Jahr 2004 genutzt.
Markthalle Basel
Ein paar Jahre stand die Halle leer, bis sie von einer Immobilienunternehmung umgebaut und mit dem üblichen, austauschbaren Standardangebot: Mode, Gastronomie und Elektronik bestückt wurde. Trotz (oder wegen) des Werbe-Engagements strammer, abgehalfterter Damen und weichgespülter Herren wie Dolly Buster, Pamela Anderson und Harald Glööckler, blieb die Halle leer. Nach einem Jahr gaben praktisch alle Erstmieter auf. Die periphere Lage nördlich des Bahnhofs der SBB mag am Ausbleiben der Laufkundschaft mit schuld sein.
Künftig sollen Essen, Trinken und Geniessen im Mittelpunkt stehen. Aus der Markthalle soll eine Fresshalle werden. Auf dem Weg zum Samstags-Markt in Luzern hab ich rasch hinein geschaut. Gähnende Leere. Das grosse Sitzplatzangebot weist auf bessere Auslastung an Wochentagen hin. Das Fressangebot am Samstag, 3-4 Marktstände, ist sehr bescheiden. Eine Trouvaille ist hingegen der Gemüsestand von Peter Berg.
Markthalle, an einem Samstag
Peter Berg, bekannt vom SWR-Fernsehen, u.a. der Gemüsegartensprechstunde, ist über den Winter mit seinem Demeter-Sortiment in die Markthalle eingezogen und mit ihm seine Stammkunden. Allein kann aber auch er keine volle Markthalle generieren.
Herr Berg (ganz rechts) mit seinem tollen Angebot
Hoffen wir, dass dieser wunderbare Raum von den Einheimischen mit der Zeit besser angenommen wird.
An einer engen Stelle der Aare, 4 km südwestlich von Olten, liegt die imposante Festung Aarburg auf einem steil aufragenden Felssporn, der bis an das Flussufer reicht und das Tal abriegelt. Darunter, eingeklemmt zwischen Fels und Aare, liegt das mittelalterliche Städtchen Aarburg.
Festung und Städtchen Aarburg
Die Burg ist erstmals 1123 als Besitz der Grafen von Frohburg erwähnt. Von hier aus wurde das Amt Aarburg verwaltet, das den westlich vom heutigen Bezirk Zofingen gelegenen Landstrich umfasste. 1299 verkauften die Frohburger Burg und Amt Aarburg an die Habsburger. Die am Fuss des Felsens liegende Siedlung dürfte um das Jahr 1312 entstanden sein. Ab 1330 wird sie als Stadt bezeichnet.
Erinnerung an die Berner Vergangenheit
Im April 1415 eroberten die Berner die Burg und übernahmen die zugehörigen Herrschaftsrechte. Ab 1419 residierte auf der Burg ein Berner Landvogt, der zu Beginn den gesamten Berner Aargau verwaltete.
Zwischen 1659 und 1673 liess die Stadt Bern die Burg zu einer 400 Meter langen, artilleriebewehrten Festungsanlage ausbauen, um die Verbindung zwischen den reformierten Städten Bern und Zürich an der engsten Stelle des bernischen Herrschaftsgebietes vor Angriffen der katholischen Nachbarn zu schützen.
Wer die Festung erobern will, muss klettern, oder den Lift benutzen
Am 10. März 1798 nahmen die Franzosen Stadt und Festung kampflos ein. Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahre 1803 gelangte sie in den Besitz des Staates und diente zeitweise als kantonales Zeughaus und Zuchthaus. Seit 1893 wird die Festung als Heim für straffällig gewordene, männliche Jugendliche genutzt.
Geschütze WohnlageBastion zur Verteidigung der Flanken
Zwischen den nahe gelegenen Städten Olten und Zofingen gelegen, konnte sich Aarburg wirtschaftlich nicht entfalten und blieb stets ein kleines Städtchen. Die Aarburger lebten hauptsächlich von den Zolleinnahmen, die der Handel auf der Gotthardroute einbrachte. 1361 wurde ein kleiner Hafen an der «Woog» errichtet. Die Flussschifffahrt erlangte im 17. und 18. Jahrhundert wirtschaftliche Bedeutung.
Durch den Einfluss eines Mühleteichs entgegen der Fliessrichtung der Aare, nahe der Stelle, wo sich der Fluss um den Felssporn herum zwängen muss, entstand ein grosser, langsam drehender Wirbel, die «Woog». Treibgut kann tagelang in diesem Wirbel verbleiben. Weil dadurch Holzstämme sehr einfach zu sammeln waren, war Aarburg ein bedeutender Startpunkt für die Flösserei.
Auf dem Felssporn, der Festung vorgelagert, entstand zwischen 1842 und 1845 eine neue Kirche.
Frau L. wollte vor dem Silvester wieder einmal die guten pommes allumettes in der Brasserie am Bärengraben essen. Gut. Fahren wir halt über Bern in den Jura. Wenn dort schon kein Schnee liegt, wollen wir doch wenigstens das Berner Kunsteis anschauen.
Schneeglätte vor dem Parlamentsgebäude (Bundeshaus)
Einen Tag vor Silvester ist die Stadt voller Menschen. Angst vor dem Verhungern treibt alle aus ihren Höhlen. Kaufwilliges Volk drängelt sich um Delikatessen und Sales wie die hungernden Arbeiter während der grossen Weltwirtschaftskrise nach 1928 in die Suppenküchen. Wir umgehen das Gewühle durch die parallelen, hinteren Gassen. Ziel: Brot. Nur Brot. Glatzbrot, das ehedem so Gute. Enttäuschung. Nur noch einmal, statt zweimal gebacken. Geschmack wie aus einer Grossbäckerei. Nein. Dieses Brot lohnt den Umweg nach Bern definitiv nicht mehr. Da kann ich es gleich selber backen.
Wasserspeier am Mosesbrunnen (Münsterplatz)Grünes Abendkleid blickt auf den Brunnen vor dem Holländerturm
Die Junkergasse befindet sich in der unteren Altstadt. Sie zweigt bei der Nydeggbrücke von der Gerechtigkeitsgasse ab und verläuft dann parallel zu dieser Richtung Münsterplatz. In dieser stillen Gasse steht der Erlacherhof. Geschichtlich und architektonisch das bedeutendste private Bauwerk der Stadt Bern. Gebaut nach 1747, beim Einmarsch der französischen Truppen 1798 Hauptquartier des Stadtkommandanten Général Brune, später Schulhaus und nach 1848 Sitz des Schweizerischen Bundesrats, heute Sitz des Gemeinderats (Exekutive) der Stadt Bern und des Stadtpräsidenten.
Junkerngasse, ErlacherhofJunkerngasse, Löwe auf dem BubenbergbrunnenDachlandschaften über der UntertorbrückeBern, von der Nydeggbrücke aus. Auch ohne Brot eine schöne Stadt
Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich in die nächste Stadt hinüber.
Seebrücke, morgens um 7 Uhr
Und als ich in der Stadt ankam,
Da sah ich in der Dunkelheit
Helle Lichter, ich glaube sogar
Die Brücke begann zu leuchten.
Schneepflotsch am Boden. Regen von unten und von oben
Aus dunkler Höh‘, mit wilder Macht,
Die Regengüsse träufen;
Es ist, als wollt die alte Nacht
Fluss und See ersäufen.
Geheimnisvolles Leuchten
Und als ich das Lauchgrün sah,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob der Magen
Schon recht angenehm knurre.
Es wächst hienieden Lauch genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Randen, Sellerie, Petersil und Kohl,
Und Fisch und Wild nicht minder.
Kürbisse für jedermann,
Lasst uns ruhig schmatzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.
Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen niemals darben;
Verschlemmen wollen wir,
Was wir uns zuvor erwarben.
Nach dem gemeinsamen Einkauf mit der kleinen Kochgruppe auf dem Luzerner Markt gings in die warme Backstube von Lucas Rosenblatt, erst zum Beratschlagen, was aus dem Einkauf gekocht werden soll, schliesslich ans Kochen. Auf den Tellern wich die Düsternis den Farben der Wintergemüse. Hier zwei Beispiele:
Wildentenbrust mit Leberspätzle, Lauch und OrangensauceDie Gemüseunterlage für den RehrückenGemüse, Quittenchutney und Rehrücken
Dichters Dank an Heinrich Heine. Ohne seine von mir schamlos abgekupferten Gedichte würde ich heute noch ideenlos an der Feder kauen bzw. Kaffee über die Tastatur schütten.
Manchmal sind es eigenartige Zufälle, die mich an einen Ort führen. Ausgangspunkt war eine (sehr) gute Flasche Pinot noir Kloster Sion. Das Kloster Sion darf man aber keineswegs in Sion (Sitten), der Hauptstadt des Wallis, vermuten. Das Kloster Sion stand einst in Klingnau, einem Kleinstädtchen an der Aare, nahe der Mündung der Aare in den Rhein. Der griechisch/lateinische Name Sion, hebräisch Zion, leitet sich seit salomonischen Zeiten von der Tempelstadt Jerusalem ab.
Ulrich II. von Klingen aus dem Thurgauischen Altenklingen gründete das Städtchen Klingnau 1239 auf Land, das er vom Kloster St. Blasien gegen die Aareinsel Beznau eingetauscht hatte. Die Freiherren von Klingen standen im Dienst Habsburgs. Ulrichs Sohn, der Minnesänger Walter von Klingen, ein Vetter und Vertrauter Rudolfs I. von Habsburg, gründete in Klingnau 1269 das Kloster Sion für den Wilhelmitenorden und baute eine Brücke über die Aare. Vorher schon, 1256, stiftete er das Dominikanerinnenkloster Klingental, das sich seit 1274 zu einem der bedeutendsten Klöster Basels entwickelte. Bis es dann im Zuge der Reformation aufgehoben wurde und mir heute freundlicherweise in einer Ecke des Areals Obdach gewährt.
Schloss Klingnau
Klingnau lag im Mittelalter verkehrstechnisch günstig. Der Warenverkehr in den süddeutschen Raum wurde über die Achse Klingnau / Zurzach auf dem Landweg abgewickelt. In Klingnau wurden die Aareschiffe entladen. Das brachte Zolleinnahmen.
1243 wurde Chlingenowe (Auen der Klingen) erstmal urkundlich als Stadt erwähnt.
Klingnau Ansicht 1642 (wiki)
1269 verkaufte Walter von Klingen u.a. das Städtchen und die Aarebrücke an den Bischof von Konstanz. Das Bistum, dauernd in Geldnot, trat laufend Rechte ab so dass u.a. die Habsburger, das Kloster Sankt Blasien, der Johanniterorden und das Chorherrenstift Zurzach Machtbefugnisse in Klingnau hatten.
Westseite des Städtchens
1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Klingnau gehörte nun zur Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Die Eidgenossen zogen bis 1712 praktisch alle Rechte des Bischofs und der anderen Herrscher an sich. Im 15. Jahrhundert wurde die Brücke über die Aare weggerissen, aber nicht mehr aufgebaut, 1586 zerstörte ein Brand die gesamte Oberstadt.
Altstadt Klingnau
Am westlichen Abhang zur Aare hin, steht die markante Propstei, der ehemalige Verwaltungssitz des Benediktinerklosters Sankt Blasien. Sie wurde zwischen 1745 und 1754 nach den Plänen des Baumeisters Johann Caspar Bagnato erbaut (den wir schon aus Hitzkirch und Bischofszell kennen). Der Klotz wird heute als Schulgebäude und Sitz der Gemeindeverwaltung genutzt.
ProbsteiProbstei, Fenstergitter
Im Jahr 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein. Die Helvetische Republik wurde ausgerufen. Klingnau gehörte nun zum kurzlebigen Kanton Baden. Während des Zweiten Koalitionskrieges im Jahr 1799 verlief die Frontlinie zwischen Frankreich und Österreich in unmittelbarer Nähe. Die Österreicher richteten 1814 in der Propstei und im Kloster Sion ein Spital ein.
Das Städtchen konnte sich wirtschaftlich kaum entwickeln, da es stets im Schatten der grösseren, nahegelegenen Orte Zurzach und Baden stand. Das Kloster Sion blieb bis 1725 selbständig, dann kam es zu St. Blasien. Die Gebäude wurden nach der Klosteraufhebung 1810 zunächst als Baumwollfabrik und ab 1837 als Seidenmanufaktur verwendet und im Laufe der Zeit zu Wohnblöcken umgebaut. Erhalten sind noch ein Mäuerchen und der alte gewölbte Klosterkeller.
Lediglich der Weinbau erlangte eine gewisse Bedeutung, so betrug die Anbaufläche im Jahr 1780 rund 115 Hektaren. Heute sind es noch 10 Hektaren, die sich auf verschiedene Besitzer verteilen. Dank des Stausees und der topographischen Lage weisen die Klingnauer Reblagen ein für Rebbau gut geeignetes Mikroklima auf.
Damit kommen wir zum Wein der Familie Meier. Die Familie, die im nahen Würenlingen auf dem Hof Widum seit Urzeiten (1462) Lehensleute (Meier) des Stiftes Zurzach waren, konnten 1730 den Hof und 1894 Reblagen des Klosters Sion erwerben. Das 11,3 Hektaren umfassende, in den Gemeinden Klingnau, Döttingen und Würenlingen liegende Weingut zum Sternen wird heute in der dritten Generation von Andreas Meier geführt. Daselbst führt Bruder Adrian Meier den Gasthof.
Weinberg Klingnau und Lage Sion, Ende August 2013
Hier, im Sternen Würenlingen, assen wir zu Mittag. Gute Landgasthofküche, hier wird unbeeinflusst von allen Modeströmungen im alten Stil gekocht. Frau L. war sehr zufrieden. Weine gibts ausschliesslich vom Weingut. Alle produzierten Weine werden auch offen ausgeschenkt.
Warten im Schatten der alten Trotte auf den Wein kaufenden EhegattenBlick vom Rebberg Sion im November 2012 auf Klingnau und AareSpäte Lese oder vergessen ?
Regenwochenende mit Sonne. Vor dem Bloggertreffen ein kurzer Rundgang ohne Stadtplan durch die Altstadt. Nachsehen ob alles noch an seinem Platz steht. Es steht.
Würzburg im Schatten seines goldenen Weinbergs, Lage SteinNoch mehr Weinberge am Fuss der Festung MarienburgFrankenkönig Pippin, Vater Karls des Großen, empfiehlt hingegen Hofbräu statt Wein
Rundgang auf dem Gemüse- und Häfelesmarkt.
Marienkapelle mit HäfelesmarktAdam und Eva am Marktportal der Kapelle (1498) von Tilman RiemenschneiderFrankengold„Ünique“ oder „Wunderlinge“: So gehts doch auchKollegiatstift Neumünster
Ziellose, assoziative Wanderung durch die Altstadt: Der Kiliansdom ist wieder eröffnet. Hier hat jemand mit viel Kunstverständnis renoviert. Frische Blumen auf dem Grabmal von Walther von der Vogelweide im Lusamgärtchen, dem kleinen Innenhof der Neumünsterkirche. Hier drängeln sich Touristen. Aus einer gelahrten Altherrengruppe rezitiert einer ein mittelalterliches Gedicht. Weiter. Durch die Domerschulstrasse Richtung Residenz laufend, entdecke ich einen frischen Trauerkranz mit Blumen an einer Betonwand. Aufdruck: zur Erinnerung an den 10. Nov. 1938. Exakt 75 Jahre. Hier ist es still. Bleibt es still.
Um 16 Uhr Rückkehr in die Gegenwart. Das Bloggertreffen beginnt: freudige Wiederbegegnung mit alten Bekannten. Einige schon zum vierten Mal. Quittensekt. Trüffelwurst. Olivenöl. Pecorino. Ein Bier im Stadtkeller. Danach ist es draussen dunkel. Vorbei an den Versuchungen der Eva am Portal der Marienkapelle. Äpfel hatten wir schon.
Die Eva lockt mit Rotlicht und Äpfeln. Keine Zeit zu verweilen.des Teufels Dämonen lachen mir hinterherDer heilige Kilian weist den Weg zur Osteria
Um 20 Uhr sind alle in der Osteria Trio versammelt. La Grande Bouffe beginnt.
Erst alles fotografieren, hier Uwe Spitzmüller mit der grossen KanoneDanach darf zugegriffen werden. Foodbloggergesetz.
Bis zu den Desserts habe ich es nicht mehr geschafft. Hier noch die Liste der Teilnehmer teils mit detaillierten Tellerberichten:
Wer morgens um halb Acht mit Lucas Rosenblatt über den Luzerner Markt schlendern will, muss früh aufstehen.
Der Aufbau der Marktstände ist noch in vollem Gange, bei Kunstlicht.
Herr Boog vom Buuregarte zeigt den Unterschied von Freiland und Treibhaus Nüssler. Den sieht man nicht nur, man schmeckt ihn auch.
Die bunte Pracht des herbstlichen Angebots in einem Bild zusammengefasst: Staubfänger zur Dekoration des Esszimmer-Büffets.
Mit den ersten Sonnenstrahlen erwacht der Markt zum Leben. Plötzlich steht man nicht mehr alleine vor den Markstständen.
Nach Marktende um 12 Uhr machen die Marktfahrer dem Boulevard Platz.
Ein, zwei Wochen noch, dann ist Schluss mit Blumenschmuck. Dann wird wieder grauer Nebel über Luzern hängen.
Nach dem Einkauf auf dem Markt gehts in der Backstube in Meggen gleich zur Sache: die eingekauften Schätze werden zu einem Sechs-Gang-Menu verarbeitet. Hier der Fleischgang: Gamsrücken, Ragout und Filet an Wachholderjus, Kohlgemüse mit mariniertem Kürbis, Feigensenf.
Um 14 Uhr sind die Kochvorbereitungen abgeschlossen. Bei einem kleinen Stadtrundgang am Nachmittag gesehen: Alpkäsemarkt auf dem Kapellplatz. Japanische Besucher in einer 20 Meter langen Warteschlange freuen sich kindlich an der dargebotenen 60 cm langen Gabel, mit der sie ihr Möckeli Brot ins Fondue tauchen dürfen.
Spät abends ist der Kochkurs (8 Teilnehmer kochen Marktküche für 8 Eingeladene) zu Ende. Bis der Zug eintrifft, noch ein müder, aber zufriedener Blick auf die Lozärner Määs vor dem Kongresshaus.
Nach einem eher verregneten Herbst zwischendurch ein ungewöhnlich schöner Tag. Nun ist Einsiedeln ein Wallfahrtsort, der eigenartigerweise auf gastronomischen Reisekarten nicht mehr zu finden ist. Die Abtei ist aber mit ihrer gewaltigen Barockanlage auch ohne gastronomische Zerstreuungen eine Reise wert. Für Pilger wie für Touristen.
Kaiser Otto der Grosse
Hätten die Limburger ihrem Fürstbischof Tebartz-van Elst ein paar Jährchen mehr Zeit und einige Milliönchen mehr Geld zugestanden, würde der fromme Mann mit seinem barocken Selbstverständnis den Limburger Bischofssitz gewiss zu einer mit Einsiedeln vergleichbaren Touristenattraktion umgebaut haben. Menschliche Ungeduld und Geiz haben das vereitelt. Nun muss halt die Badewanne von Philippe dem Starcken den Limburgern zu mehr Fremdenverkehr verhelfen.
Zurück zu Einsiedeln.
Galerie auf den halbkreisförmigen Arkaden
Gegründet wurde der Ort durch den heiligen Meinrad im Jahre 835 als Einsiedelei, bestehend aus einer Klause und einer Kapelle. Nach einer Sage wurde Meinrad 861 von zwei Räubern erschlagen. Daraufhin sollen zwei Raben die Mörder verfolgt und dem Gericht zugeführt haben. Deshalb haben es die zwei Raben auf das Einsiedler Wappen geschafft. Mein Rabe, den ich täglich vor dem Küchenfenster füttere, benimmt sich unheiliger und schafft es lediglich, meine Haselnüsse zu futtern.
GartenpforteDie Bank gegenüber wollte auch Barocksteingewordener Geist der jeweils entsprechenden Zeit
Die Gründung der Benediktinerabtei geht auf das Jahr 934 zurück. Durch Schenkungen des ostfränkischen Königs und nachmaligen deutschen Kaisers Kaiser Otto I. sowie später Kaiser Heinrich II. gelangte das Kloster in den Besitz grosser Ländereien. Das führte in der Folge zu andauernden Grenz- und Nutzungskonflikten mit Bauern aus der Talschaft Schwyz. 1314 wurde das Kloster von den Schwyzern erobert und geplündert. Herzog Leopold I. von Österreich, als Schirmherr des Einsiedler Klosters, griff danach die Innerschweizer an, unterlag aber 1315 in der Schlacht am Morgarten. Der Konflikt wurde 1350 beigelegt. Das Kloster verlor damals einen beträchtlichen Teil seines Landbesitzes. 1394 ging die hohe Gerichtsbarkeit an Schwyz, Einsiedeln wurde Landschaft des Standes Schwyz. Die niedere Gerichtsbarkeit lag beim Kloster. 1798 wurde die Landschaft Einsiedeln dem Land Schwyz politisch gleichgestellt und später als Bezirk dem Kantons Schwyz eingegliedert. Das Kloster behielt zunächst seinen starken Einfluss.
Fotografieren verboten
Das heutige, barocke Kloster entstand von 1674 bis 1735 als vollständiger Neubau in drei Etappen nach den Plänen von Caspar Moosbrugger, einem Einsiedler Mönch und Mitbegründer der Vorarlberger Barockbauschule. Gleich beim Eingang steht die Gnadenkapelle mit der schwarzen Madonna. Im Innern der Kirche gibt es das grösste Deckenfresko der Schweiz zu sehen. Barock. Seit der Renovation der Fresken sieht hier alles licht und hell aus. Nicht mein Fall, aber unbedingt sehenswert. Die Wallfahrt hat in Einsiedeln eine grosse Bedeutung. Kreuzgänge und Pilgerfahrten sind schon ab der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts dokumentiert.
Herbstlicher Gemüseteller
Mittagessen. Ich hatte mir, einer Pilgerfahrt angemessen, den Besuch in einer noblen Gaststätte im nahegelegenen Euthal vorgenommen, Frau L. wollte sich hingegen mit einem frugalen Käsebrot in einem Tea Room bescheiden. Nach einigem hin und her einigten wir uns auf einen Kompromiss: das Gasthaus Linde. Gut-bürgerlich, wie das hier so schön heisst.
Einsiedler Schafböcke
Im Klosterladen fand ich zwischen Bergen von Devotionalien zwei Fläschchen Klosterwein und Schafböcke. Das eine ein frischer, angenehmer Räuschling vom Zürichsee, das andere ein traditionelles Gebäck für Pilger, angeblich aus aromatischem Honigteig, Wer genau hinsieht, entdeckt ein im Gras liegendes Lamm (Agnus Dei). Falls er nicht schon vorher an dem trockenen Kuchen erstickt ist.
Dösen an der Etzelstrasse am SihlseeParacelsus-Gedenkstein vor der Sihlbrücke an der Egg
Der Heimweg führte uns über den enge Etzelstrasse an die Egg, dem Geburtsort des Paracelsus, Teophrast von Hohenheim, vorbei über den Seedamm nach Turbenthal stracks in den Fabrikladen der Firma mit den feinen Schlaf- und Badetextilien. Da mir beim Waschen unserer weissen Badetücher versehentlich meine schwarzen Trauersocken in die Maschine gerieten, mussten die Tücher ersetzt werden. Saudumm ? Schafdumm !
Guarda liegt im Unterengadin auf einer sonnigen Terrasse, nordseitig hoch über dem Inntal. 164 Einwohner. Hier stehen rund 70, teils prächtige, sgraffito-geschmückte Engadinerhäuser aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Der Ort ist nahezu autofrei, das Ortsbild gut erhalten, Guarda zählt zu den architektonisch wertvollsten Dörfern der Schweiz und steht unter nationalem Schutz. Heute ist Guarda jedoch zunehmend vom Aussterben bedroht; immer mehr Bewohner suchen ihr Auskommen in grösseren Ortschaften oder Städten. Von etwas Landwirtschaft und etwas Tourismus mögen nur noch Wenige zu überleben.
Das Dorf ist in der Schweiz vor allem bekannt durch die Bildergeschichte des „Schellenursli“. Hin und wieder sieht man Touristen, die verstohlen das Buch konsultieren, um die Häuser in der Geschichte mit der Realität zu vergleichen. Die Geschichte spielt im Dorf und handelt vom Brauch des „Chalandamarz“, der alljährlich am 1. März durchgeführt wird. In einem Umzug durchs Dorf vertreiben die Kinder mit Kuhglockengeläut den Winter. Ursli, die Hauptperson der Geschichte, erhält bei der Verteilung der Glocken nur ein kleines Geissenglöckchen und wird deshalb von den andern Buben gehänselt und darf nur am Ende des Zuges mitlaufen. Am Tag vor Chalandamarz erinnert er sich, dass in der sommerlichen Alphütte der Eltern noch eine grosse Kuhglocke hängt. Durch tiefen Schnee watet er in die verschneite Maiensäss hinauf. Indessen wird es dunkel, der kleine Ursli wird vermisst, das ganze Dorf sucht ihn besorgt, aber erfolglos. Am nächsten Tag kehrt er mit der schweren Glocke ins Dorf zurück, alle sind erleichtert. Da er nun die grösste Glocke hat, darf er den Umzug anführen.
Unter argwöhnischer Beobachtung
Kaffeepause im herrlich altmodischen Hotel Meisser.
Jugendstil-Speisesaal im „Meisser“ aus der Jahrhundertwende (1893)
Eine der Inschriften besagt auf deutsch übersetzt: Wir errichten schöne Häuser und wissen, dass wir nicht ewig bleiben; an den Ort, wo wir für immer zu bleiben hingehen, denken wir aber nur selten.
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