Von Dordrecht aus fuhren wir mit den Schiffen entlang der Oude Maas, einem starkbefahrenen Flussabschnitt auf der Strecke nach Rotterdam. In Bejerland zweigten wir in die Het Spui ab, einem kleinen Gezeitenfluss in Zuid-Holland, welche die Oude Maas mit der Haringvliet-Mündung verbindet. Mittags machten wir die Boote im Hafen von Hellevoetsluis fest. Mit dem Bus fuhren wir zur Exkursion mit dem BotanikerTheo in die Dünenlandschaft Oostvorne. Theo: ein Phänomen der Sinne, wie er mit den Augen Vögel und Insekten wahrnimmt, Pflanzen entdeckt, den Gesang der Vögel mit dem Gehör aufnimmt und alles aus dem Gedächtnis richtig benennen kann.
In dem Naturschutzgebiet, wo sich Sanddünen, bewaldete Täler und Feuchtgebiete abwechseln, haben viele Vögel- Insekten und Pflanzenarten eine geschütze Heimat gefunden. Bild: Igelschlauch, Baldellia ranunculoides L.
(Bildquelle: L.d.W.)
Gegenüber dem Naturschutzgebiet liegt der Europort Rotterdam. Zusammen mit den anderen Rotterdamer Häfen eines der grössten petrochemischen Industriegebiete der Welt. Hier werden unter anderem Rohöl zu verschiedenen Erdölprodukten verarbeitet und gelagert.
Gegen Abend fahren wir wieder in die Haringvliet, ankern die Boote nebeneinander. Wer wollte, stürzte sich ins Nass, warme Dusche am Bootsheck inklusive.
Danach Nachtessen, Dorschfilet in Rahm-Béchamel mit Salzkartoffeln und Sonnenuntergang. Nachherbild.
Anderntags fuhren wir im Morgengrauen auf eine kleine Insel vor Stellendam und besuchten das Vogelobservatorium Tij Haringvliet.
Unbeobachtete Beobachter
(Bildqulle: L.d.W.)
Rückkehr in den Heimathafen Willemstad. Räumen und Abgeben der Boote. Nachmittags Fahrt mit dem Bus nach Rotterdam, wo uns der Botaniker Remko Andeweg in einer Radexkursion am Ufer der Maas die Besonderheiten der Stadtflora zeigt.
Letztes gemeinsames Nachtessen im Zalmhuis Rotterdam. Übernachten im Hotel. Heimfahrt. Danke an die Organisatorin Lucienne (suf dem letzten Bild), die Skipper und die komptenten lokalen Exkursionsleiter. Eine intensive, interessante Auseinandersetztung mit dem Land, seiner Geschichte und seiner Botanik. Eine tolle Reise. Gerne wieder.
„Was murret ihr? Das ist ein schlechtes Volk, Zu nichts anstellig als das Vieh zu melken, Und faul herum zu schlendern auf den Bergen“ [Zitat: Wilhelm Tell. 3. Szene, Fronvogt].
Einem spontanen Einfall von Frau H. folgend, begaben wir uns nach Schwyz, schlenderten faul im Städtchen herum -zum Melken war es schon zu spät-, bewunderten die kolossalen Wandmalereien von Ferdinand Wagner (1847–1927), dem Hofbräu-Historienmaler aus München, der 1891 im Rahmen der 600-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft die Fassadenmalerei am Rathaus Schwyz anbrachte. Interessanter die Ital Reding Hofstatt, Landvogt und Bannerherr Ital Reding (1573–1651) liess das stattliche Haus 1609 errichten. Ital Reding stammte aus einer angesehenen Schwyzer Familie, welche in verschiedenen Generationen Heerführer, Landammänner und Diplomaten hervorbrachte und die durch das Soldunternehmertum reich wurde.
Um die Mittagszeit kehrten wir im Restaurant Magdalena ob Schwyz ein. Der Name bezieht sich auf die nahegelegene Magdalena-Kapelle, 1681 zu Ehren der fusswaschenden, fleischlichen Sünderin erbaut. Ihr Ruf war schlecht, Je nach Quelle wird sie als Prostituierte oder gar als Geliebte von Jesus bezeichnet. Wie immer auch, Jesus vergab ihr ihre Sünden (Lukas 7.36). Ein hübsches Gesicht bedeutet in unserer Welt seit jeher viel und öffnet Türen. (Bild der Maria Magdalena von Frederick Sandys, 1860, einem Maler des Präraffaelismus).
Auch uns verlangte nach Sündenvergebung. Wir versuchten, Läuterung durch lustvollen Verzicht zu erlangen. Das junge Team um den ambitionierten Küchenchef Dominik Hartmann (Ausbildung u. a. bei Andreas Caminada und Fabian Fuchs) begeistert mit einer lustvoll emanzipierten, vegetarischen Küche. Saisonal, regional, modern, anfänglich mit, seit 2 Jahren fleichlos, kochte er sich zackig in die höheren Sphären der Spitzengastronomie.
Aussicht vom modernen Speisesaal mit Panoramafenstern auf Tennisplatz, Talboden, Seen und Berge zum Himmel.
Die Speisekarte gibt in Form einer Klappbroschüre (Tomate! Aubergine! Gurke!…) rudimentäre Hinweise auf die Gemüse-Themen des servierten Überraschungsmenus.
Snacks und Amuse Bouches, in drei Gängen serviert, bilden einen gelungenen Auftakt: von Mais Tartelettes mit flüssigem Yuzukern, fermentierten Radieschen mit Zitronenthymian, Tacos mit Käse-Feigensenffüllung über Kohlrabi mit Meerrettich und Dill, dazu Kohlrabiröllchen mit Kräutern und Kalamansi bis zu Gurke in verschiedenen Aggregatszuständen. Im Bild: Gurke mit Kapuzinerkresse und rosa Pfeffer.
Köstlich auch das mit Albula-Bergkartoffeln und Sauerteig zubereitete Hausbrot (Rezept hier) und die mit Sauerrahm, Joghurt und Salz aufgeschlagene Butter.
Der erste Gang Spitzkabis mit Jalapeno in einer Kopfsalathülle und aromatischem Sud.
Artischocke an einem milden Salzzitronenjus und fritiertem Artischockenheu.
Eierstich mit Steinpilzen und Champignons an Kamillensud.
Eine confierte Tomate mit Himbeeren, Raps- und Zedernkernen und einem leichten Tomatenschaum. Ohne Bild, nachgekocht.
Sous-vide gegarte und dehydrierte Aubergine mit Aprikose in einem mit Miso-Lack überzogenen Peperonimantel an einem kräftigen Jus.
Als Pré-Dessert Mirabellen mit frittiertem Shisoblatt und Pumpernickelcreme. Ohne Bild.
schliesslich Brombeeren, Fenchel, Vanille und Mandel
Alles sehr ambitioniert und aufwändig zubereitet. Eine reine Freude, hier Busse zu tun und seine fleischlichen Sündenstrafen mit einer Indulgenz in Form der Restaurantrechnung abzuzahlen. Da nach kirchlicher Lehre nur die Strafe erlassen, nicht aber die Sünde selber vergeben wird, empfiehlt es sich, die Quittung des Restaurants aufzubewahren und im Bedarfsfall den Betreibern des Fegefeuers zu präsentieren.
Anderntags zuhause, versuchte ich den Tomatengang (vereinfacht) aus der Erinnerung nachzukochen, kein einfaches Unterfangen.
Tomate Magdalena
Vospeise für 2
2 sehr gut schmeckende Tomaten, Wir hatten aus eigenem Garten die seit dem 16. Jahrhundert bekannte Purple Calabash, eine Fleischtomatensorte. Sie liefert stark gerippte, rotbraun bis violett gefärbte Früchte mit einem süss-würzigen Aroma
einige Himbeeren (möglicherweise werden sie im Restaurant zuvor fermentiert. 2 dl eigene Tomatenpassata etwas Rahm Zedernkerne, leicht geröstet (L. die grössern Pinienkerne) Rapssamen, leicht geröstet (L.: weggelassen) kleine Blümchen und Blättchen aus dem Garten
(1) Tomaten anritzen, ein paar Sekunden in kochendes Wasser legen, sofort kalt abschrecken und Haut abziehen. Strunk ausschneiden. Würzen, eine Himbeere in den Wurzelansatz drücken und in einer Schale im Ofen ca. 2 h bei 105°C confieren. (2) Tomatenpassata mit etwas Rahm und 3 Himbeeren aufkochen, mixen und aufschäumen, abschmecken (3) Tomate in dem Schaum servieren. Mit den Kernen und Blüten garnieren.
Auf dem von Frachtschiffen stark befahrenen Hollandsdiep fuhren wir von Willemstad flussaufwärts in das Mündungsdelta des Merwede (Provincie Noord-Brabant).
Die Merwede ist der heutige Unterlauf der Waal, des südlichen Rheinarms im Rhein-Maas-Delta. Der Nationalpark De Biesbosch ist ein rund 8’000 Hektar grosses Süsswasserdelta -ein Gezeitengebiet- mit einem wahren Labyrinth aus kleinen Flüssen und Bächen.
Viele Wasservogelarten suchen hier nach Futter. Hier wanderten und fuhren wir mit Leihvelos um einen grossen See, der vor Jahren ehemaligem Kulturland wieder abgewonnen wurde. Meine erste Elektro-Velofahrt.
Danach mit dem Schiff über den Dordtsche Kil nach Dordrecht (Zuid-Holland), wo wir bei Sonnenuntergang ankerten. Von der Stadt sahen wir vom Hafen aus nicht viel: die Grote Kerk (Onze-Lieve-Vrouwekerk), die größte Kirche der Stadt in Backsteingotik sowie eine Bar im Hafenviertel. Anderntags fuhren wir mit dem Bus in die Universitätsstadt Leiden.
Der Hortus Botanicus in Leiden ist einer der ältesten botanischen Gärten in den Niederlanden. Hier der moderne Eingangsbereich mit Cafeteria und Shop.
Er wurde 1590 für die Ausbildung der Studenten der Universität Leiden gegründet. Auf einem 1400 m2 grossen Areal (auf dem vorher ein Kloster der Dominikanerinnen gestanden hatte). Als Leiter des Gartens wurde 1592 Carolus Clusius gewonnen. Hofbotaniker, Arzt, Gelehrter und Tulpenpionier.
1608 erfolgte eine Erweiterung, darauf wurde eine erste Orangerie. errichtet. Waren es zu Beginn die ersten Tulpen, kamen Ende des 17. Jahrhunderts Tomaten, Tabak, Mais und Kartoffeln dazu, welche den Ruf des Gartens in Nordeuropa erhöhten. Auch exotische Pflanzen aus den niederländischen Kolonien, beschafft durch die Niederländische Ostindien-Kompanie, fanden Eingang in den Garten.
Stellvertretend für viele andere Aufnahmen hier der Samenstand des Indischen Lotus, Nelumbo nucifera.
und die Amazonas-Riesenseerose, Victoria amazonica.
Erholung im Garten unter einer gewöhnlichen Rosskastanie, Aesculus hippocastanum.
Mittagessen im Museumscafe, wo wir uns im Museumsshop zwei solide Radtaschen kauften. Nun fehlen uns nur noch die zu den Taschen passenden Velos 🙂 Danach kleine Stadtwanderung. Vorbei an der Stadstimmerwerf am Kort Galgewater. Ein beeindruckender Treppengiebel.
vorbei am Morspoort, dem westlichen Stadttor von Leiden, 1669 im manieristischen Stil der Spätrenaissance erbaut.
Durch eine Strassenunterführung mit wunderschönen Graffiti. Siehe auch im Headerbild.
Zum Naturalis Biodiversity Center. Ein 1998 fertiggestellter Komplex, erbaut in pompös-postmodernem Kitsch. Darin ist das Nationale Naturgeschichtliche Museum untergebracht, in dem mit verschiedenen Methoden und Formaten versucht wird, dem Besucher die Natur näher zu bringen. Im selben Bau sind zudem das Reichsmuseum für Naturgeschichte, das Reichsmuseum für Geologie und Mineralogie, die Sammlungen des Zoologischen Museums Amsterdam sowie das Nationale Herbarium der Niederlande untergebracht. Zudem wird hier an der Biodiversität der Niederlande geforscht.
Als erstes wurden wir von der Leiterin des Nationalen Herbariums empfangen und durften uns in den heiligen Hallen die schwer gesicherten und angenehm klimatisierten Archivschachteln mit alten Herbarien und Belegmustern ansehen. Nicht sprechen. Nur soweit notwendig atmen. Nichts anfassen.
Hier der Ausschnitt eines uralten Herbarblatts, das der Arzt, Ethnologe, Japan- und Naturforscher Philipp Franz Balthasar (von) Siebold, anfangs des 19. Jahrhunderts in Japan sammelte.
Das Blatt zeigt den heute als invasiven Neophyten geächteten japanischen Staudenknöterich, Polygonum cuspidatum SIEBOLD et Zucc, aktuell als Reynoutria japonicaHoutt. neu klassifiziert. Eine ganze Abteilung befasst sich mit der Digitalisierung der alten Herbarblätter.
Für den Rest des Nachmittags bewegten wir uns frei im Naturkundemuseum. Ein didaktisch modern und barrierefrei gestalteter Parcours durch die Entstehung von Leben und seinem Verfall.
bis hin zum homo erectus (Bild), dem homo neanderthalensis und schliesslich zum Tiefpunkt der Evolution: dem homo sapiens. (ohne Bild)
Lukas (Rosenblatt) fehlt uns. Wie schön waren doch diese samstäglichen 6plus6-Treffen auf dem Luzerner Markt, der Einkauf, das Planen einer stimmigen Menufolge, das anschliessende Kochen und abends das Geniessen der Gerichte mit den PartnerInnen.
Vorbei!
Vorbei?
Daniel hatte vor Monaten die Idee, den Anlass bei sich zuhause zu dritt fortzuführen. Gelungenes, siehe hier, ruft nach Wiederholung. Diesmal bei uns im Jura. Leider ohne Lukas, dessen Gesundheit Anlass zu Sorge gibt. Andreas nahm als dritter Mann und bewährter Kochpartner teil. Da es bei uns im Jura, ausser einem Supermarkt in der Nähe, keine guten Einkaufsmöglichkeiten gibt, trafen wir uns auf dem Markt in Mulhouse (F). Ein Perlhuhn, sechs mittelkleine Rougets, Artischocken, Pfifferlinge, Käse und Früchte kauften wir ein. Anderes hatten wir zuhause.
Allein die Heimfahrt dauerte 80 Minuten -da hätten wir gleich in Luzern einkaufen können-. Auslegeordnung in unserer Bauernhausküche.
Während wir unser Menu planten, kochten unsere Damen eine Gazpacho aus eigenem Gemüse. Danach gings für uns in die Küche.
Menu
Parmesan-Grissini (Champagne Bernard Remy) Rouget mediterran (Knewitz, Chardonnay) Agnolotti al plin vegetariani (Fontodi, Flaccianello) Perlhuhnbrust auf Schenkelragout mit Artischocken, Bohnen und Pfifferlingen (St. Emilion, Petit Gravet-Ainée) Käseauswahl: Comté, Brie de Melun, Chèvre frais und Brin d’amour Mirabellentörtchen mit Zwetschgensorbet (E. Loosen, Riesling Auslese Prälat)
Rouget de souvenir
Zutaten und Zubereitung
Menugang für 6 Personen, von Andreas im Stil von Lukas Rosenblatt zubereitet
(2) Karkassen ca 1 Std. wässern (3) Ca 100 g Mirepoix (Karotten, Stangensellerie, Schalotten) in etwas Olivenöl anziehen, mit Weisswein und Noilly Prat ablöschen. Karkassen zugeben und mit Wasser bedecken. Mit Fenchelsamen und weissem Pfeffer würzen. Ca. 40 min köcheln, danach passieren.
Sauce
(4) Ca 100 g fein geschnittenes Mirepoix (Karotten, Stangensellerie, Schalotten) in etwas Olivenöl anziehen, mit ca 2 dl Weisswein und Noilly Prat ablöschen und um 50% reduzieren. Fischfond und ein paar Safranfäden zugeben und stark reduzieren. Mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft, Tabasco und etwas Pastis abschmecken. Mit kalter Butter montieren.
Gemüse
(5) Datterini Tomätchen, im Dampfgarer bei 100°C kurz vorgegarte Artischockenspalten und halbierte Taggiasca Oliven, ohne Kern, in Olivenöl anbraten, mit Weisswein und Noilly Prat ablöschen und etwas schmoren.
Rougets
(6) Rougetfilets salzen, pfeffern und auf der Hautseite leicht mehlen. Beschichtete Pfanne nicht zu heiss erhitzen. Auf der Hautseite in Olivenöl anbraten bis die Ränder leicht weiss sind (ca 1 min), für 20 s umdrehen und sofort aus der Pfanne nehmen.
Anrichten
Je zwei Filets auf einem Gemüsebett anrichten. Sauce angiessen. Mit Thymian dekorieren.
Eine schöne Erinnerung an vergangene Zeiten. Muss unbedingt wiederholt werden.
Von Brouwershaven fuhren wir mit dem Bus nach Zieriksee. Die Jachten folgten uns auf dem Seeweg.
Der dicke Turm Sint-Lievens Monstertoren dominiert die Stadtsilhouette von Zierikzee. 1454 begann der Bau, der freistehend neben der dazugehörigen gotischen Kirche errichtet wurde, Der Turm sollte eine Höhe von etwa 130 Metern erreichen, der Bau wurde aber auf der heutigen Höhe von 61 Metern aus Geldmangel gestoppt. Nach dem Brand der Kirche 1832, bei dem der Turm unbeschädigt blieb, wurde die spätgotische Kirche abgerissen und durch einen neoklassizistischen Neubau ersetzt, der heute als Kulturhaus dient.
Der Aufstieg erfolgt über eine Wendeltreppe mit gefühlten 979, tatsächlich aber nur 279 Stufen. Die Aussicht lohnt jedoch die Mühe.
Die Stadt war im 14. Jahrhundert in den Krieg der Holländer mit den Flamen verwickelt, wurde lange belagert, konnte sich aber behaupten. Erst 1576, zu Beginn des achzigjährigen Krieges, gelang den Spaniern nach neunmonatiger Belagerung die kurzzeitige Besetzung der wehrhaften Stadt. Zierikzee hat drei schöne mittelalterliche Stadttore: das Noordhavenpoort, das Zuidhavenpoort und das Nobelpoort. Alles ehemalige Verteidigungsanlagen. Das Zuidhavenpoort befindet sich an der Einfahrt zum alten Hafen.
Am Hafen steht die Mühle Den Hoop.
Danach mit dem Bus zum nach der Flutkatastrophe von 1953 neu geschaffenen Naturschutzgebiet De Schelphoek. Hier wurde fleissig botanisiert. Es fand sich sogar ein wilder Sellerie.
Interessant, wie in Zeeland die Ufer befestigt werden: ca. 50-60cm lange, unterschiedlich geformte Betonsteine mit Basaltzusatz werden maschinell nach einem geometrisch abgestimmten Muster in den Boden gerammt. Basalt deshalb, weil man entdeckt hat, dass dieses Gestein das Wachstum von Pflanzen in den Ritzen fördert.
Auf dem Heimweg ein kurzer Zwischenstopp bei den Deltawerken. Unser Skipper, im Hauptberuf leitender Ingenieur bei den Deltawerken, gab uns eine eindrückliche Übersicht auf die Anlage bei Neeltje Jans. Anlass zu deren Konstruktion war die Flutkatastrophe von 1953, bei der im Flussdelta im Süden der Niederlande 1835 Menschen und über 200’000 Tiere ums Leben kamen. Um das Land künftig gegen solche Sturmfluten zu schützen, liess die Regierung 1953 einen Plan mit Sturmflutsperren entwerfen, der eine drastische Verkürzung der Küstenlinien vorsah.
Im Jahr 1958 wurde die erste, bewegliche Sturmflutsperre in der Hollandse Ijssel in Betrieb genommen, 1961 bis 1987 folgten weitere Dammbauten. Das grosse Oosterscheldesperrwerk wurde 1986, die letzten Sperren 1997 in Betrieb genommen.
Zur Regulierung des Wasserabflusses aus den Rhein- und Maasmündungsarmen mussten die Dämme jeweils mit grossen Sielanlagen versehen werden. Das sind verschliessbare Gewässerdurchlässe in einem Deich. Gewissermassen Ventile zur passiven Entwässerung des hinter dem Deich gelegenen Binnenlandes. Bei Flut ist der Wasserstand bzw. Wasserdruck auf der Meerseite höher, dann werden die Siele geschlossen. Bei Ebbe ist der Wasserstand bzw. Wasserdruck auf der Binnenseite höher, dann werden die Siele geöffnet.
Die Kosten des Projekts waren gigantisch, betrugen damals rund 3 Milliarden Euro. Wie lange die Anlage bei der durch die Meereserwärmung steigenden Meerspiegel noch halten wird, ist offen. Die Deltawerke sind auf einen Meeresspiegelanstieg von 40 cm und frontalen Druck ausgelegt. Der bis Ende 21. Jahrhundert prognostizierte Anstieg ist jedoch wesentlich höher. Und was, wenn eine Sturmflut in schrägem Winkel auf die Sperren trifft?
Leichtes Abendessen im Kettenimbiss Lekkerbekker: Dorschfilet paniert mit Mayo und Pommes (und Jupiterbier). Keine Sterneküche, aber nicht schlecht.
Am nächsten Tag folgte eine spontan eingeschobene Fahrt nach Middelburg, der Hauptstadt von Zeeland. Im 17. Jahrhundert war Middelburg nach Amsterdam die zweitwichtigste Stadt der Niederlande. Diese Epoche hat deutliche Spuren hinterlassen: Alte Lagerhäuser, stattliche Herrenhäuser, enge Gassen und historische Plätze. Das historische Rathaus gehört zu den meistfotografierten Gebäuden der Stadt.
Die Abtei in Middelburg wurde um 1100 von Mönchen aus Flandern gegründet. Das Kloster erwarb enormen Reichtum und der Abt war einer der mächtigsten und einflussreichsten Personen in Zeeland. Nach der Eroberung der Stadt durch den Prinzen von Oranien 1574 wurden die Mönche gezwungen, die Abtei zu verlassen. Mit Ausnahme der Kirchen wurde der Komplex bis heute als Sitz der Staaten von Zeeland genutzt. Zum Abteikomplex gehören neben verschiedenen Kirchen das Zeeuws Museum.
De Gistpoort, das Blaue Tor, ist eines der früheren Zugangstore zur Abtei von Middelburg. Die im spätgotischen Stil erbaute Pforte stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Fassade ziert eine Statue von Graf Willem II., in dessen Auftrag die Abtei zwischen 1255 und 1256 erweitert wurde.
An der Seite der Abteianlage befindet sich der Abteiturm „Lange Jan“. Er ist 90,5 Meter hoch und gehört damit zu den höchsten Türmen der Niederlande.
Hübsch auch die engen Gassen der Altstadt, wenn man sich an dunkeln Orten auch irgendwie beobachtet fühlt.
Dieses ehemalige Lagerhaus, ein nationales Denkmal aus dem 17. Jahrhundert, wurde nach aufwendiger Restaurierung zum Wohnhaus.
Die „Vereenigde Oostindische Compagnie;“ abgekürzt VOC, war eine Ostindien-Kompanie, zu der sich 1602 niederländische Kaufmanns-innungen zusammenschlossen, um die Konkurrenz untereinander auszuschalten. Die VOC erhielt vom niederländischen Staat Handelsmonopole sowie Hoheitsrechte in Landerwerb, Kriegsführung und Festungsbau. Sie war eines der grössten Handelsunternehmen des 17. und 18. Jahrhunderts.
Die VOC hatte ihren Hauptsitz in Amsterdam und Middelburg. Davon zeugen heute noch die reichen Quartiere von Middelburg. Die wirtschaftliche Stärke der VOC beruhte vor allem auf der Kontrolle der Gewürzroute von Hinterindien nach Europa. Während zweier Jahrhunderte hatte die VOC circa 4700 Schiffe unter Segel. Nach dem Vierten Englisch-Niederländischen Krieg von 1780 bis 1784 kam die Kompanie in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1798 liquidiert.
Blick auf die Oostkerk (im Hintergrund), eine achteckige, barocke Kuppelkirche aus den Jahren 1664–1667. Sie wurde als erste grössere Kirche der Stadt nach der Reformation speziell für den reformierten Gottesdienst gebaut.
Mittagessen in der Seafarm, Nähe Neeltje Jans. Einem in der Spitzen-Gastronomie führenden „grünen“, nachhaltigen Züchter und Grosshändler von Steinbutt, Schwertmuscheln, Austern, Meeresfrüchten und Krustentieren mit integriertem Speiserestaurant. Auf meinem Teller ein Baby-Steinbutt.
Zurück über die Zeelandbrug nach Zieriksee. Danach einschiffen und Fahrt zu der zum Nationalpark Oosterschelde gehörenden Zeehondenbank. Einer Sandbank, auf der sich nachmittags die vereinigte Seehundkolonie ein Verdauungsschläfchen gönnt.
Weiter mit dem Schiff Richtung Willemstad. Wer müde war, blieb auf dem Schiff, die Unternehmungslustigen stiegen an den Krammersluizen aus, wurden vom Bus abgeholt und an das Ufer des Wattenmeers vor Sint Philipsland gefahren. Die drei beherzten Damen stiegen nackten Fusses in den Schlick, um kiloweise Herzmuscheln zu sammeln bis sie nach 2 Stunden, von der rasch steigenden Flut vertrieben, wieder zu uns stiessen.
Die am trockenen Ufer verbliebenen Herren hielten Mittagsschläfchen, beobachteten Wasservögel oder botanisierten derweil und fanden eine ergiebige Quelle von frischem Queller (Salicorne).
Abendstiummung am Wattenmeer vor Sint Philipsland.
Eintreffen abends gegen 21 Uhr in Willemstad. Kochen und Nachtessen auf dem Schiff. Herzmuscheln mit Salicornesalat. Dann Ratatouille. Aus der von mir heimlich erträumten Karriere als Smutje ist leider nichts geworden. Ich sehe ja auch nicht aus, als ob ich ein Spiegelei braten könnte. Immerhin wurde ich von der Salatgruppe mit dem Schneiden von Zwiebeln und dem Abzupfen der Salicornes betraut. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die ich ohne Beanstandungen meisterte.
9 Tage Ferien entlang der Küsten von Zeeland und Zuid-Holland. Organisiert durch Dr. L. de Witte (Botanikerin mit holländischen Wurzeln) von der Basler Botanischen Gesellschaft. Unterkunft in 2 Motorjachten mit je 3 Zweierkabinen, Küche und WW-Duschen. Zwei Skipper führten die Boote. Blaue Linien: Landreisen mit dem Kleinbus. Rote Linien: Bootsfahrten. Details auf google.
Vor dem Bezug der Boote wurde für eine Woche eingekauft und auf die Boote verladen. Der kleine Supermarkt freute sich über das Geschäft. Wir uns u.a. über die eingekauften „Lebensmittel“, siehe Kassa-screen.
Im Heimathafen Willemstad. Blick in den Stadthafen mit Windmühle.
Willemstad ist eine kleine historische Stadt mit einer weitgehend intakten, sternförmigen Festungsanlage in der Form eines Heptagons (Siebeneck). Sie liegt am Hollands Diep und erhielt 1585 die Stadtrechte. Die heute noch gut erhaltenen Befestigungsanlagen wurden im Jahr 1587 fertiggestellt, später ausgebaut und erst im Jahe 1926 ausser Betrieb genommen.
Das Gouvernementshuis wurde zwischen 1623 und 1625 für Maurits, Prinz von Oranien, errichtet. Nach seinem Tod im Jahr 1625 diente es bis 1795 als Residenz des Gouverneurs von Willemstad, später als Rathaus
Das Mauritshuis wurde 1623 im Auftrag und im Namen von Prinz Maurits als Jagdschloss und Landsitz gebaut. 1625 starb Prinz Maurits und das Gebäude wurde zur neuen Residenz des Gouverneurs von Willemstad, dem obersten militärischen Befehlshaber der Festung. In den folgenden Jahren wurde das Mauritshuis zu einem Militärkrankenhaus, einer Kaserne der Militärpolizei und einer nationalen Taubenstation. Im April 1967 wurde der gesamte Komplex vom Staat an die Gemeinde Willemstad verkauft. Seit 1973 dient es als Rathaus, das Touristoffice und für Hochzeiten.
Hergekommen waren wir aber weniger der Historie wegen, sondern um die Küstenpflanzen zu erkunden. Der erste See-Ausflug führte uns auf das unbewohnte Eiland Hompelvoet. Auf den ersten Blick kahl mit wenig Gebüsch und viel Wind. Hier führte uns der langjährige Insel-Ranger Kees de Kraaker über die Salzwiesen.
Beim genauer hinsehen, sehe sogar ich als Nichtbotaniker und Kurzsichtiger einige Blümchen, wie etwa das Sumpf-Herzblatt, Parnassia palustris L.
oder Herbst-Drehwurz, Spiranthes spiralis L.
Kees kennt jede Pflanze auf dem Eiland. (Bild L. de W.)
Frau L. versteht sich auch mit den einzigen, ständigen Inselbewohnern, norwegischen Fjordpferden, gut.
Zum Abendessen waren wir in Brouwershaven eingeladen von der niederländischen FLORON, einer Vereinigung, die sich mit der Erforschung und dem Schutz der niederländischen Wildflora befasst.
Köstlich der Nudelsalat aus Penne rigate, rohen Salicorne, Tomätchen, Oliven, Fetawürfeln und Peperoncino aus 20 Liter Töpfen.
Während sich wohlige Wärme wie eine warme Wolldecke auf uns hitzegeplagte Stadt-Menschen legt, das Hirn deshalb auf stand-by läuft, stellt sich uns das Problem, was mit den im Garten gedeihlich gedeihenden Zucchini anzustellen sei. Zu heiss für originelle oder neue Gerichte. Deshalb gerne wieder einmal Zucchiniröllchen, weil fast alles im Hause. Inmitten von erstickender Ruhe, unbewegter Trägheit und lähmender Schläfrigkeit kriegt man die irgendwie immer zusammen. Hauptsache, man muss das Haus nicht verlassen.
Zutaten und Rezept
Zahnstocherfreie vegetarische Vorspeise für 3 Personen
3-4 mittlere Zucchini, Farbe egal 1 Zwiebel, feinst gehackt 2 Knoblauchzehen, feinst gehackt 1 Ei (korr. 22.08.24: ungekocht) 1 Handvoll Haselnüsse, fein gehackt (anstelle gerösteter Pinienkerne) 40 g Feta, fein gehackt 4 EL getoastetes und fein geriebenes Toastbrot Piment d’Espelette 2 EL Thymian, gezupft schwarzer Pfeffer Kräutersalz
(1) Zucchini auf einer Mandoline längs in 2 mm dicke Scheiben hobeln. Abschnitte am Anfang und Ende des Hobelns für die Füllung reservieren. (2) Zucchinischeiben portionsweise in kochendem Salzwasser für 30 Sekunden blanchieren, anschliessend auf ein (sauberes) Geschirrtuch auslegen. (3) Für die Füllung die Zucchiniabschnite in feinste Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch in Olivenöl farblos andünsten, die Zucchinwürfel mitdünsten, dann abkühlen. Das Ei, Feta, Brotbrösel, (ergänzt. 22.08.24: Nüsse), Thymian und Gewürze zugeben, gut abschmecken und einen TL der Füllung auf jeden Zucchinstreifen geben, zusammenrollen und die Röllchen durch eine Schale mit Brotbröseln ziehen. (4) Röllchen eng nebeneinander in eine mit Backpapier ausgelegte Gratinform stellen. Mit Olivenöl besprenkeln. (5) Ab in den vorgeheizten Ofen bei 200°C UL für 20 Minuten. Lauwarm essen.
Saftig. Gut gewürzt. Vegetarisch. Sommerlich. Zuvor Melone/ Rohschinken. Oblomow hätte seine Freude daran.
Das Rezept erschien jüngst im Blog von Felix Kitchen. Einem der wenigen Blogs, die von Frau H. regelmässig gelesen werden. Alle Zutaten vorrätig, das Rezept las sich einfach, die Sonne schien wolkenlos, das neue Dach lieferte den für den Backofen benötigten Strom. Mittagessen auf der Terrasse. Endlich Sommer.
Das Ergebnis überraschte uns angenehm. Die Gemüse weich, saftig, aber keineswegs verkocht. Oliven, Rosmarin und Feta liefern viel mediterrane Würze. Würze, die manchen klassischen Ratatouilles fehlt.
Ofengemüse mediterran
Hauptmahlzeit für 2 oder als Gemüsebeilage
für die Marinade: 1 EL Rosmarinnadeln, fein gehackt 3 Sardellenfilets, gehackt 2-3 EL Lake der nachstehenden Oliven 40 ml Noilly Prat 50 ml Olivenöl schwarzer Pfeffer, Salz nach Bedarf
für das Gemüse: 250-300 g Auberginen 250-300 g Zucchini 200 g Tomaten 1 rote Peperoni 40 g Schalotten oder kleine Zwiebeln 3 Knoblauchzehen 25 g Kalamata-Oliven in Salzlake, entsteint 100 g Pilze nach Belieben, zB. Austern-Seitlinge (L.: Büschel-Raslinge, tiefgefroren, aufgetaut)
100 g Feta, gewürfelt
Gemüse im Rosmarinbeet
(1) Alle Zutaten der Marinade mit einem Stabmixer kurz mixen. (2) Auberginen, Zucchetti ca. 2 cm gross würfeln. Tomaten und Peperoni schälen, grob würfeln. Schalotten der Länge nach vierteln oder sechsteln, so dass sie beim Wurzelansatz noch zusammenhalten. Knoblauch in dünne Scheibchen schneiden. Oliven vierteln. Pilze mit kompakten Hüten vierteln, jene mit Lamellen (Austernpilze) in Streifen reissen, Stiele in Stücke schneiden.
(3) Alles, ausser dem Feta in einer grossen Schüssel mit der (nochmals aufgemixten) Marinade mischen, dabei die Pilze erst zum Schluss darunterheben.
(4) Ofen auf 180 °C , (O+U) vorheizen. Backpapier zerknüllen, wieder glattstreichen und auf ein Ofenblech legen. Das Gemüsegenisch darauf verteilen. Gemüse 20 Minuten auf mittlerer Rille garen. Blech aus dem Ofen nehmen. Backpapier an allen 4 Seiten alternierend anheben und dadurch das Ganze etwas mischen.
(5) Alles wieder flach verteilen, weitere 20 Minuten garen. Nach insgesamt 40 Minuten Garzeit ist die Flüssigkeit weitgehend verdampft. Fetawürfel darüber verteilen,weitere 10 Minuten backen, bis das Gemüse gar ist.
Samstag. Die Ziegel sind ausgelegt. Entsprechend zugelegt hat unsere Ausflugs- und Kochlust. Auf 9 Uhr ist grosser Regen angesagt. Doch mit Regenwasser allein kocht man keine Suppe. Also: Einkaufen. In aller Frühe über die Grenze ins nahe Elsass. Schauen was es dort gibt. In Altkirch findet samstags ein kleiner Bauernmarkt statt.
Etwa fünf Standler zählten wir: Biogemüse, Blumen, Eier, Fleisch. Und der Wagen von Käsemeister Anthony bzw. einer Gehilfin aus dem nahen Ferrette.
9 Uhr früh und wir haben ausser Käse noch nichts in der Tasche. Werweissen, gehen wir lieber in den Supermarché Leclerc in Altkirch oder riskieren wir weitere 30 Minuten Autofahrt samt Regen in Mulhouse? Da waren wir noch nie. Neugier besiegt Nässe.
Die Markthalle, der Marktplatz und die Autos sind alle auf dem überdeckten Flüsschen L’Ill angeordnet. Vom Parkplatz aus drchquert man erst den maghrebinisch dominierten Bazar mit Kleidern, Schuhen, Taschen, Teppichen und Geschirr. Danach folgt der offene Gemüse/Obst-Markt. Die kleinen Anbieter an den Rändern, in der Mitte die grossen.
Schliesslich die Beton-Holzkonstruktion der Markthalle. Der grösste Markt im Nordwesten Frankreichs.
Vielleicht etwas weniger stimmungsvoll als die gusseisernen Kathedralen von Dijon oder Colmar. Grösser, dafür weniger touristisch. Eine Markthalle für das Volk, das sie auch annimmt. Ein Markt, der lebt, der allen etwas bietet. Mir kommen die Tränen, wenn ich an Basel denke.
Eier für eine Stadt
Nicht mehr fliegendes Geflügel
Je grösser die Distanz zum Meer, desto kleiner das Angebot an ganzen Fischen. Aber immerhin.
Sehr süsse Süssigkeiten und sehr schöne Schönheiten
Neben einer Schachtel mit Baklava kauften wir uns einen Seebarschrücken und Gemüse. Kaum wieder im Auto, begann es zu schütten.
Wieder zuhause wurde der Dos de loup auf der Hautseite mehliert und langsam angebraten. Dazu Wildreis, Fenchel, dicke Bohnen und eine aus Schalotten, Kaffeerahmportionen, Pastis und Estragon improvisierte Sauce.
Lucas Rosenblatt ist zwar im verdienten Ruhestand angekommen, von Ruhestand kann aber keine Rede sein. Im kleinen, privaten Rahmen war ich von Daniel eingeladen, zusammen mit ihm und Lucas zu kochen. Ein Sechshänder als 3plus3-event, unsere Damen kamen später hinzu: 5 Gänge plus Käse und Dessert. Der Hauptgang: eine sizilianische Parmigiana, die auf das Rezept einer vor Jahren in die Schweiz immigrierten, sizilianischen Nonna zurückgeht. Lucas kombinierte die Parmigiana mit Pesto trapanese und einer Auberginencreme und machte daraus einen beeindruckenden Hauptgang, den ich die Woche darauf zuhause gleich nachkochte.
Die Hauptzutat der Parmigiana ist die Aubergine. Das Gemüse kam erst im 15. Jahrhundert nach Italien. Arabische Händler brachten sie aus Indien nach Sizilien. Später verbreitete sich die Frucht auch auf dem Festland. Parmigianarezepte gibt es so viele, wie es Regionen, Provinzen und Städte in Italien gibt. Wir Nichtitaliener dürfen uns mit 2 Versionen zufrieden geben: eine aus Kampanien mit Mozzarella (siehe hier), die andere aus Sizilien, mit Pecorino oder andern, lokalen Käsesorten, sowie gekochten Eiern.
Zutaten und Zubereitung
Parmigiana di Melanzane alla Siciliana
Rezept für ca. 8 Türmchen
2 Auberginen (vorzugsweise die Violetta lunga) 2 Zweige Basilikum 2 Eier gekocht, gehackt 50 g geriebener Pecorino siciliano oder Caciocavallo (L.: Pecorino di Pienza) 4 EL Semmelbrösel 1 dl Tomaten-Passata 5 Tomaten geriebener Parmesan
(1) Auberginen schälen und in ½-1cm dicke Scheiben schneiden. (für jede Form 3 Scheiben). Porzellanschale mit saugfähigem Küchenpapier (Krepp) auslegen. Auberginen beidseitig salzen und darauf legen. Mit Küchenpapier decken. 30 Minuten stehen lassen, um den Früchten Wasser zu entziehen. Abschnitte für Auberginencreme verwenden. (2) Tomaten mit kochendem Wasser schälen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. (Gleich viele wie Auberginenscheiben). Salzen, pfeffern und im Ofen während mind. 90 Minuten bei 95°C trocknen. Abschnitte für den Pesto verwenden. (3) Auberginenscheiben mit lauwarmem Wasser abspülen, gut auspressen und mit Küchenpapier trocknen. Anschliessend mit wenig Olivenöl einpinseln und in einer heissen Grillpfanne beidseitig grillieren. In Italien werden sie jedoch meist frittiert, oft auch paniert. Die Version von Lucas ist hingegen leichter bekömmlich.
(4) Porzellan Timbales oder hohe Muffinformen mit Olivenöl einölen, Papierstreifen in jede Form legen, so dass der Streifen auf jeder Seite 1 cm vorstehen. (5) Gehackte Eier, geriebener Pecorino und Semmelbrösel miteinander mischen. Würzen.
(6) Förmchen abwechselnd einschichten: Auberginen, Passata, Tomatenscheibe, Basilikumblatt, Eier-Käse-Gemisch. Mit 2-3 Schichten wiederholen. Die letzte Schicht mit Passata bestreichen und mit Parmesan bestreuen. (7) Im Ofen bei 180° 40 Minute backen.
Pesto trapanese
75 g Mandelkerne geschält 500 g Tomaten, vorzugweise Picadilly, inklusive die Tomaten-Abschnitte unter Punkt (2) 4 Knoblauchzehen Meersalz gemahlener schwarzer Pfeffer 40 g Minze gehackt ca ½ dl Mandarinen Öl (L.: Zitronenöl)
(1) Mandeln im Ofen bei 180° golden rösten, auskühlen lassen und hacken. (2) Tomaten schälen, halbieren, Kerne und Gelee entfernen und das Fruchtfleisch hacken. (3) Mandeln und Knoblauch im Cutter zu einer groben Paste hacken. (4) Tomaten, Salz, Pfeffer und die Minze darunter rühren. (5) Danach das Aromaöl einrühren.
Auberginencreme
1 Aubergine geschält, grob gewürfelt (oder Abschnitte der Parmigiana-Auberginen) 2 Knoblauchzehen, geschält, zerdrückt Das Weisse von 2-3 Bundzwiebeln gehackt Olivenöl oder Zitronenöl 2 EL Tahin Sesampaste 2-3 EL Zitronensaft 2-3 EL Zitronenöl Ras el Hanout zum Abschmecken (L.: Mekeleshagewürz) Kräutersalz, weisser Pfeffer aus der Mühle
(1) Auberginenstücke in Salzwasser weichkochen, circa 8 Minuten. Das Olivenöl leicht erwärmen, Knoblauch und Zwiebeln kurz dünsten. Die Aubergine dazugeben und abrühren bis das Ganze trocken ist. (2) Mit den übrigen Zutaten im Cutter zu einer feinen Paste mixen.
Bei Bedarf gehackte, flachblättrige Petersilie dazu geben.
Dazu noch ein paar Bilder von unserem Sechshänder:
Geeistes Melonensüppchen mit Aprikosen-Peperoni-Chutney
Crudi von der Seeforelle, geschmorte Ananastomaten, Sauerrahm mit Kräutern
…wäre das Wochenende der offenen Gärten im prognostizierten Regen untergegangen. Die Sintflut blieb jedoch aus. Das Gegenteil trat ein: Zwei Tage klares, schönes Wetter. Gegen Sonntagabend ein paar vorüberziehende, trockene Wolken.
Frau H. öffnete ihren Garten nach vier Jahren Pause wieder einmal. Ein ländlicher Sammlergarten, vorwiegend mit Stauden bepflanzt. Kein englischer Landschaftsgarten. Der viele Regen hat die Stauden ungestüm wachsen lassen. Manches ist bereits verblüht. Doch ist der Garten so angelegt, dass immer wieder etwas aufblüht. Wer das Stop-Schild nicht ignoriert, kann an den Blüten riechen…. mit abgestelltem Motor.
Der Besucher wird im Südgarten erst in einer Duftwolke des Gartenjasmins, Philadelphus „Belle étoile“, betäubt.
In der rostigen Gartenlaube konnte man unter den Rosen *Bobby James“ wieder zu sich kommen.
Wiewohl ich die Ankündigung im Blogtext etwas versteckt hatte, haben es doch eine Handvoll Blogleser geschafft, unsern Garten zu finden. Freunde, Staudenfreunde (helvetisch „Stüdeler“), Nachbarn und neugierige Besucher haben an unseren Bistrotischchen und Gartensitzplätzen Platz gefunden.
Jeder Gartenraum hat seine Sitzecke.
Das kulinarische Angebot im Bistro war reduziert: Kaffee, Hauswein, Biobier aus dem Jura in 3 Sorten und Sirup, den salzigen Toetchékuchen (Rezept siehe hier) und Schokoladekuchen. Ging alles aufs Haus. Auch wenn man mit einem grünen Garten nie auf einen grünen Zweig kommt. Für besondere Freunde hatte ich noch eine Sauerteig Focaccia und meine Gemüseterrinne vorbereitet. Als Test im Schockfroster eingefroren, liess sich beides wieder problemlos aufbereiten.
So unscheinbar das Helmkraut, Scutellaria altissima, wächst, so unverschämt verbreitet es sich in den Beeten.
Rose „Comte de Chambord“. Rosen: Hassliebe von Frau H.
Sitzecke mit Fusshochlagerung (willkommen nach der Gartenarbeit) und Quitte.
Pergola-Rose „Ghislaine de Féligonde“ in zartem Quitten-Rosa.
Purpurglöckchen, Heuchera „Spearmint“.
Frau H. im Terrassengarten im Gespräch mit langjährigen, lieben Staudenfreunden.
Tomatenvielfalt im Gewächshaus. Die Freilandtomaten vor dem Haus mussten umbaubedingt Gerüststangen weichen.
Blick zurück in den Südgarten.
Der Sonnengarten lädt zum Liegen ein. Doch lässt einen der Garten nur selten liegen. Heuer noch nie.
Die Kirschpflaume, Prunus cerasifera „Nigra“ , spendet nachmittags etwas Schatten.
Hinter dem Haus liegen West- und Ostgarten. Schattenreiche. Da wir unser Hausdach derzeit erneuern lassen, erschwerten die vielen Gerüststangen den Zugang in diese Gartenzimmer. Doch wer die Klettertour schaffte, durfte am Nussbaum oder am Boden schaukeln.
Idyll mit Gerüststange.
Die pfirsichblättrige Glockenblume, Campanula persicifolia grandiflora alba vor Pracht-Storchschnabel, Geranium magnificum.
Die chinesische Mauer am winzigen Teich wurde als Sitzplatz gerne angenommen. Am Sonntag lief die Kaffeemaschine heiss. Ich servierte Getränke und die Toetché.
Frau H. (nicht im Bild) führte durch den Garten.
Gegen Abend übernahmen die Hausschafe, Ovis aries, mit ihren Glöckchen die musikalische Untermalung.
Riso al salto, oder fritelle di riso, ist ein klassisches Rezept aus der Lombardei, das Gericht am Tag danach, zubereitet mit Resten von Risotto alla Milanese.
Da ich selten Reste produziere, koche ich den klassischen Safranrisotto gleich für 5 Personen. Nicht fliessend, all‘ onda, sondern eher standfest-cremig, wie er in den Ländern nördlich Italiens (leider) so gerne serviert wird. Standfest. Zudem 5 Minuten kürzere Kochzeit als bei einem normalen Risotto. Kurz abgekühlt wird er in 12 cm Ringe gefüllt, angedrückt, 1-2 Stunden zum Binden kühl gestellt, dann in Butterschmalz beidseitig knusprig gebraten. Serviert mit Burrata und confierten Tomaten. Dass ich Lavendelblüten darüber gestreut habe, ist auf das Fehlen von Basilikum in der Basler Wohnung zurückzuführen. Blau ist ausnahmsweise das neue Grün.
Statt sie direkt anzubraten, kann man die Reisscheiben auch tiefgefrieren, bei Bedarf in der MW auftauen und dann anbraten. Ein schnelles Essen, das vielfältig variierbar ist. Gut essen muss nicht kompliziert sein.
Zutaten und Zubereitung
Zutaten für 5 Personen
für den Risotto 400 g Carnaroli-Reis 30 g Schalotten, fein gehackt 1 dl Weisswein trocken 1.5 g Safranstempel ca. 1-1.2 L Gemüsebrühe, aus Bio-Brühpulver 40 g frische Butter 40 g Parmesan, 24 Monate, gerieben Spritzer heller Balsamessig Spritzer helle Sojasauce weisser Kampotpfefferr Ghee (Butterschmalz) zum Anbraten
zum Belegen: confierte Cherrytomätchen Burrata oder Burratine
(1) Safran in wenig warmem Wasser kurz einweichen
(2) Reis in etwas Olivenöl 2-3 Minuten andünsten, gegen Ende die gehackte Schalotte mitdünsten (das vermeidet angebrannte Zwiebeln). Ablöschen mit dem Weisswein und einkochen.
(3) Safran und Einweichwasser zugeben, portionsweise mit Gemüsebrühe angiessen. Dabei den Risotto mit Umrühren immer schön cremig halten. Nach 15 Minuten Kochzeit sollte er fest-cremig sein, überschüssige Brühe muss vom Reis vollständig aufgenommen sein.
(4) Butter und Parmesan unterrühren. Abschmecken mit Essig, Sojasauce, Pfeffer und Salz.
(5) Risotto in eine Platte geben und zugedeckt etwas abkühlen lassen.
(6) Je 180-200 g Risotto flach in eingefettete 12cm Metallringe drücken. Grössere Ringe sind nicht empfehlenswert, da sonst das Wenden schwierig wird. Die Ringe zum Aushärten 1-2 Stunden in den Kühlschrank stellen (oder die Reisplatten für die Vorratshaltung einfrieren).
(7) Die Reisplatten in Ghee beidseitig je etwa 5-7 Minuten knusprig anbraten. Flache Pfanne verwenden. Zum Wenden die Risottoscheibe vorsichtig in einen flachen Teller gleiten lassen. Zweiten Teller darauflegen, wenden und wieder in die Pfanne zurück. Vom Wenden in der Luft rate ich ab. Reisplatten sind keine Pfannkuchen.
Alternativen zum Anrichten:
Käsecreme (Parmesan oder Gorgonzola: 100 g Parmesan, fein gerieben oder zerbröselter Gorgonzola in 200 ml Rahm 20 Minuten bei 60°C erwärmen. Am Schluss eine Msp. Xanthan (Gelespessa zufügen) Mixen.
Inspiriert durch Ristorante Claudio Sadler, Milano.
Und nun ab in den Garten, unsere Gartentüre steht offen, wie vor 2 Wochen angekündigt. Mal sehen, ob bei dem angesagten Regen überhaupt jemand kommt. Teilen wir das Bier halt mit den Schnecken.
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