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Dijon IV: Abseits des Doubs (35)

Zweite Reise nach Dijon. 09.10.2020. Kurz vor dem erneuten confinement in Frankreich. Ohne Regen zu Besuch bei Johann Ohnefurcht. Dem gottesfürchtigen Herzog, der auf dem Headerbild neben seiner bayerischen Gattin das eigene Grabmal schmückt. Zuvor noch einmal in die Markthalle, auch diesmal wieder ein betörender Anblick.

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Welcher Jambon persillé darf mit in die Kühltasche? Letztlich hab ich mich für den Jambon einer boucherie entschieden, die dafür schon mehrere Preise gewonnen hat. Denn im Burgunds gibt es für alles und jedes eine Brüderschaft, für den Jambon die Confrèrie des Chevaliers de St. Antoine, die einem die Qual der Wahl mit einem jährlich verteilten Medaillensegen abnimmt.

Vor der Halle reges Treiben. Die billigsten klinischen Masken sind für 5 € pro 50 Stück zu haben. Die Schweizer Preise lassen grüssen.

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Vor der Kunst noch zu Besuch bei der mittelalterlichen Eule, die will gestreichelt werden, bevor sie Wünsche erfüllt. „Caresser la chouette“ nennt man das hier.

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Danach ins Musée des Beaux-Arts, eines der ältesten Museen Frankreichs. Es befindet sich im Ostflügel des Palais des Ducs de Bourgogne. Modern eingerichtet. Kostenlos zugänglich, beherbergt es Kunstwerke aus altägyptischer Zeit bis zum 20. Jahrhundert. Schwerpunkte sind die burgundische Kunst des Spätmittelalters, französische Skulptur und Malerei des 17., 18. und 19. Jahrhunderts sowie Werke regionaler Künstler.

Begrüsst wird man im Treppenhaus von Moritz von Sachsen (1696–1750), Maréchal de Saxe, illegitimer Sohn von August dem Starken, der ab 1720 als Brigadegeneral in französische Militärdienste trat und 1747 -oberste Sprosse seiner Karierre- zum Maréchal général des camps et armées du roi befördert wurde. Unbesiegt eine Legende. 1745 überliess ihm der König Schloss Chambord zu lebenslanger Nutzung. Die jedoch nur noch 5 Jahre dauerte.

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Beeindruckend ausdrucksvoll der schlafende Johannes (Saint Jean dormant), eine Holzskulptur um die 1515, geschnitzt vom deutschen Bildhauer Martin Hoffmann, der 1507 das Basler Bürgerrecht erwarb, sich hier mangels Aufträgen neben der Bildhauerei auch als Schreiner durchschlagen musste.

Dijon St Jean Endormi 20201009_105014

Im grossen Salle des Gardes des Herzogspalastes stehen heute die Prunkstücke der Sammlung, die Grabmale zweier Herzöge des Burgund, die nach der französischen Revolution aus der Chartreuse de Champmol hieher umplatziert wurden.

Dijon Salle des Gardes 20201009_110143

Philipp II le Hardi, der Kühne +1404 gab sein Grabmal bei seinem Hofkünstler Jean de Marville gleich selber in Auftrag. Während 25 Jahren arbeiteten daran nacheinander weitere Künstler der Werkstatt, u.a. Claus Sluter, der geniale niederländischen Bildhauer der Gotik. Hervorzuheben sind die Arkaden des Sockels mit dem Cortège von 41 naturalistisch dargestellten Trauernden (pleurants). Was Jan van Eyck (ebenfalls burgundischer Hofkünstler) für die Malerei, war Sluter für die Bildhauerei.

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1443 gab Philipp III le Bon, der Gute (+1467), ein weiteres Grabmal für seinen Vater Jean sans Peur (Johann Ohnefurcht +1419, ermordet) neben dessen Gattin Margarethe von Bayern in Auftrag. Das Kunstwerk sollte sich im Stil am älteren Grabmal orientieren. Auch daran arbeiteten verschiedene Künstler bis ins Jahr 1470.

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Prunkvoll auch die 3-flügligen Altaraufsätze aus der Chartreuse de Champmol.

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Älteren Eidgenossen noch gut bekannt ist der Sohn Philipps III des Guten: Karl der Kühne, le téméraire (1433-1477), auf dem Bild gerade mal 14 Jahre alt. Allzu kühn, allzu hochfahrend, allzu machtgierig verlor er sein Leben im Krieg mit den Eidgenossen. Schade um das Herzogtum. Europa würde heute anders aussehen, hätte sich Burgund gegen Frankreich behaupten können.

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Stundenlang kann man sich in diesem Museum durch alle die räumlich separierten Kunstepochen bewegen. Ein Gewinn, der nach Wiederholung ruft.
Trotz der vielen Kunst im Kopf erinnert mich der Gang durch die leere Palastküche an meinen vom vielen Laufen leeren und flauen Magen. Der wohlgekühlte Schinken bleibt im Garderobenkasten des Museums eingeschlossen.

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Der eine oder andere Ort wenig einladend, auch das gibt es, setze ich mich müde gelaufen und hungrig in dasselbe Lokal wie schon beim ersten Besuch. Zu „Jambon persillé“ und „L’emblematic volaille de Bresse“ mehr oder weniger selon la mère Blanc. Gute Bistroküche.

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Nach dem Mittagessen ziellos Umherschlendern. Wieder mit dem Schinken und Kühlakkus im Gepäck. Meteorwasser fliesst auch aus herzoglichen Dachabflüssen standesgemäss in den Gully.

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Neogotische Garagentore, blaue Pigmente waren im Mittelalter gesucht, schwer zu beschaffen und entsprechend teuer. Das gilt hier wohl nicht. 

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Alle Wege führen in Frankreich in die Präfektur.

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Hier lässt sich gut wohnen. Falls sie frei wird, erhebe ich Anspruch auf die Wohnung mit dem Viertelsbalkon. Hotel Legouz de Gerland.

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Am südlichen Rand der Altstadt liegt der Couvent des Bernardines. Das Kloster wurde im 17. /18. Jahrhundert gegründet um der Gegenreformation Auftrieb zu geben. Die zuvor desorganisierten, verstreuten Zisterzienserinnen wurden hier untergebracht. 1792 vertrieb die Revolution die Bernardinerinnen (deutsch mit h) aus dem Kloster. Der Staat beschlagnahmte den Besitz, konnte das Kloster aber nicht verkaufen. Heute beherbergt es das ethnologische Musée de la vie bourguignonne. In der Kirche ist das Musée d’Art sacré de Dijon untergebracht

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Der Kreuzgang des ehemaligen Bernardinerinnenklosters

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Herbst, auch an den Wänden.

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Herbstliche Wandkunst in Dijon

Am späten Nachmittag fahre ich mit dem Bus noch in die etwa 3 km südwestlich des Bahnhofs vom Zentrum entfernte Kartause von Champmol, ein riesiges Gelände, heute eine ummauerte, psychiatrische Anstalt. Herzog Philipp II der Kühne wünschte sich eine Nekropole, ähnlich wie sie die französischen Könige in Paris in Saint-Denis hatten. 1378 wurde mit dem Bau begonnen. Kirche, Konventsgebäude, Wirtschaftsgebäude, 24 Mönchszellen umgeben von einem grossen Kreuzgang. 10 Jahre später waren die Bauten fertig. Am zentralen Brunnen samt der längst zerstörten Kalvarienbergsdarstellung mit Christus am Kreuz, Maria, Johannes und Magdalena zu Füßen wurde bis 1405 gearbeitet. Die Kirche wird derzeit restauriert, ist geschlossen. Nur der Brunnen, seit dem 16. Jahrhundert in einem Glashaus geschützt, ist zu besichtigen. Sechs Prophetenfiguren (Moses, David, Jeremia, Sacharja, Daniel, Jesaja) stehen auf dem hexagonalen Brunnensockel. Ein Werk des Bildhauers Claus Sluters. Auffallend die (zufällige) Ähnlichkeit einzelner Figuren mit den rund 100 Jahre früher entstandenen Pendants von Michelangelo.

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Links seitlich: Moses, Mitte:David. Rechts seitlich: Jeremia mit dem Buch
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Links seitlich: Daniel, Mitte: Jesaja, Rechts seitlich: Moses

Die Anstaltsküche sah nicht aus, als ob sie mich bewirten wollte. Dann halt ohne Nachtessen zurück zum Bahnhof.

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Mein Jambon wird, ebenso wie meine Beine, immer schwerer, müde erreiche ich abends mit einer Stunde Zugsverspätung Basel. Am folgenden Tag „koche“ ich den Jambon. Mit einer aus dem Pré aux Clercs nachempfundenen Senfsauce. Essen wie Gott in Frankreich, aber Zuhause. Ich sollte mich mal an einen Jambon persillé wagen. An Rezepten fehlt es mir nicht.

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Wie lange das noch dauern wird, bis ich wieder einmal nach Dijon komme?

Dijon III: Abseits des Doubs (34)

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Dijon: Place de la Libération mit Blick auf die Cathedrale Saint-Michel

Heute fröne ich wieder einmal der Geschichte. Uninteressant für die meisten Leser. Also bitte wegklicken! Bevor die Dame im Headerbild mit der historischen Keule zuschlägt.

Noch eine halbe Runde um das Halbrund des Platzes. Die zuführenden Strässchen öffnen neue Blickachsen auf den Platz.

Aus dem Herzogtum Burgund, der Freigrafschaft Burgund und der Grafschaft Flandern, die er geerbt hatte, formte Philipp der Gute (1396-1467) ein einheitliches Staatsgebilde von Gebieten beiderseits der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Dabei versuchte er, sich von der Lehenshoheit des französischen Königs bzw. des römisch-deutschen Kaisers zu lösen. Philipp schloss eine Allianz mit England, dem Erzfeind Frankreichs (im Kontext des Hundertjährigen Krieges). Der kriegerische Konflikt zwischen Frankreich und Burgund endete erst 1435 mit dem Vertrag von Arras. Burgund erhielt einige zusätzliche Gebiete und wurde faktisch zu einem unabhängigen Staat.

1465 übergab Philipp der Gute alle Regierungsgeschäfte an seinen Sohn Karl, der die Politik sowie den überschwänglichen Luxus und die Prachtentfaltung seines Vaters fortführte. Legendär waren u.a. die berühmten Tapisserien, die der Herzog zu jeder Gelegenheit anfertigen ließ. Aus der Burgunderbeute von Grandson sind einige dieser für die damalige Zeit sehr luxuriösen Wandteppiche erhalten und im Berner Historischen Museum zu besichtigen.

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Dijon: Rue Vauban

Der Konflikt mit Frankreich entflammte von Neuem. Karl schloss ein Bündnis mit Eduard IV. von England zur Eroberung Frankreichs, Ludwig XI. verhandelte mit dem deutschen Kaiser, den Habsburgern und der Eidgenossenschaft. Karl verstrickte sich in erfolglose Kämpfe, überwarf sich mit Sigismund von Österreich und den Eidgenossen. Das Intrigennetz des französischen Königs zog sich zusammen. Die Burgundischen Söldnerheere wurden von den durch Ludwig mit Geld verführten Eidgenossen geschlagen. Karl liess dabei sein Leben.
Nach seinem Tod zog der französische König das Lehen des Herzogtums Burgund wieder ein, das fortan zur französischen Domaine Royale gehörte. Im Frieden von Arras (1482) erhielt Frankreich dazu die Freigrafschaft Burgund, Artois, die Picardie, Ponthieu, Boulogne, Vermandois und Mâcon. Während Maximilian Flandern und die übrigen Besitzungen Karls im heutigen Belgien und den Niederlanden erhielt. 

Der Herzogspalast wurde danach zeitweise von den französischen Königen als Residenz genutzt. Später auch durch die Gouverneure der Provinz.

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Dijon: Rue du Palais

Pompöser Kulminationspunkt der Rue de la Libération ist die Opéra de Dijon. Wegen Covid derzeit noch geschlossen.

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Dazu passt ein Blick ins Musée Rude, einem kleinen Annex des Musée des Beaux-Arts mit den Werken, bzw. Gipsabgüssen des Dijonnaiser Künstlers François Rude. Hier die moulage des vom Arc de Triomphe in Paris bekannten „Départ des Volontaires de 1792„, La Marseillaise, 1938 vom Staat in Gips gegossen, da man damals befürchten musste, dass der Triumphbogen in Paris während des erwarteten Krieges zerstört werden könnte.

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La Marseillaise: in Gips wirken kriegende Weiber hässlich
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Rue des Forges: Hôtel Aubriot

Wozu die hochmütig herabblickende, weibliche Schildhalterin am Hôtel Aubriot in der Rue des Forges ihre Keule trägt (siehe Headerbild), erschloss sich mir erst zuhause nach Recherchen. Erst dachte ich an ein Emblem, das die soziale oder politische Stellung des Hausbesitzers symbolisch oder real charakterisieren soll. Das Hôtel Aubriot steht auf einem alten Gebäude des Namensgebers aus dem 13. Jahrhundert. 1739 wurde es vom Staat gekauft und darin die Gerichtsbarkeit des Präsidialamtes untergebracht. Die beiden weiblichen Schildhalterinnen repräsentieren die Gewalt und die Gerechtigkeit.

Bei der Strassengabelung der Rue Jean-Jaques Rousseau mit der Rue Auguste Comte trifft man auf eine hübsche trompe l’oeil Wandmalerei als bildhafte Fortsetzung der Bäume des kleinen Platzes. Versteckt hinter einem Schuppen ein weisser Kopf in Carraramarmor mit rotem Halstuch. Den kennen wir doch?? Tatsächlich: Giuseppe Garibaldi. Was der Haudegen in Dijon zu tun hatte?

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1870/71, während des Deutsch-Französischen Krieges, stellte Garibaldi ein italienisches Freischärlerkorps zusammen. Er griff damit in Burgund gegen die Deutschen ein, um die neue Französische Republik zu unterstützen. Er blieb in 3 Schlachten um Dijon ungeschlagen aber doch erfolglos, konnte den Durchmarsch der Deutschen in die südlich gelegenen, burgundischen Weinkeller der Côte-d’Or stoppen, aber weder den Kriegsverlauf noch den Waffenstillstand oder die Kapitulation beeinflussen. Vom Waffenstillstand wurde der Südosten mit Dijon übrigens ausgeschlossen. Die Rache der Preussen wegen entgangener Weinfreuden.

Und zum Abschluss noch eine schöne Türe. Closed. Dann halt „Prima le parole, e dopo la musica“ Und Abschluss schon gar nicht. Nein, nach Dijon muss ich wieder. Zur (bisher) Schönsten der Schönen.

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Quellen: wiki diverse

Dijon II: Abseits des Doubs (33)

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Dijon: Hõtel de Berbis

28.08.2020: Dijon regennass.

Die Église Notre-Dame aus dem 13. Jahrhundert mit ihrer seltsamen Westfassade kann nicht übersehen werden. Drei Arkadengeschosse und drei Reihen merkwürdiger Wasserspeier, Grotesken, Menschen, Tiere und Monster darstellend (siehe Headerbild). Schon 1240 wurden die Speier wieder entfernt und erst im 19. Jahrhundert -ihrer Funktion beraubt- als Dekoration neu geschaffen und wieder eingesetzt. Die Fassade ist flankiert von zwei säulenartigen, runden Türmen.
Hinter der Kirche Notre-Dame hat ein Steinmetz im 15. Jahrhundert eine Chouette (Eule) auf einem Strebepfeiler verewigt. Streichelt man mit der linken Hand die Eule und legt die rechte Hand aufs Herz, erfüllt sich einem ein Wunsch. Gewiss ein Herzenswunsch. Das muss sein. Kein einfaches Unterfangen, wenn die dritte Hand den Schirm, die vierte das Fotohandy halten, die fünfte Hand das Desinfektionsmittelfläschchen danach öffnen und die sechste Hand der fordernden Bettlerin einen € spendieren sollte. Deshalb kein Bild von der Eule.

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Moutarderie Edmond Fallot

Gleich dahinter der Laden der Moutarderie Edmond Fallot, die aus kanadischer Senfsaat in ihrer Mühle in Beaune Moutarde de Dijon erzeugt und im 2014 eröffneten Laden in einem historischen Dijoner Fachwerkhaus aus dem Jahre 1483 verkauft. In gefühlten 100 Geschmacksrichtungen. Ich kaufe das, was der Bauer kennt: 2 Steinguttöpfe mit Dijonsenf als Mitbringsel.

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Dijon: Moutarderie Edmond Fallot, grün oder rosa?

Nieselregen fegt die Strassen leer. Nicht ganz. Di-Do-FR-Sa ist Markttag.

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Dijon: La Pharmacie Croix blanche mit ihren magistralen Präparationen. Ein Paradies für Quacksalber

In einzelnen meiner Bilder dominieren Einkaufswägelchen die dahinterliegenden Hôtel particuliers (Herrschaftshäuser). Kein Wunder, denn Lebensmittelgeschäfte gibt es in der Altstadt kaum. Alles ist in der Markthalle und drumherum konzentriert. Leben in Lebensmitteln.

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Dijon: Hôtel de Vogüé
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Dijon: Rue Verrerie. Mittelalterliche Fachwerkhäuser
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Dijon: Hôtel Aubriot
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Dijon: Rue de la Chouette

11 Uhr. Markthallen erzeugen Hungergefühle: Hallenhunger. Nach soviel totem Getier ist mir eher nach etwas Leichtem: das Telefonat mit dem Origine von Tomofumi Uchimura leider erfolglos: heute ausgebucht. Denselben Bescheid erhalte ich im Loiseau des Ducs, einer Filiale aus dem Imperium des Bernard Loiseau, der 2003 nach der Herabstufung durch Gault-Millau und Michelin aus dem Leben schied. Ein weiteres Restaurant meiner Wahl (L’un des Sens) ist geschlossen, öffnet erst im September. Na dann, lassen wir uns treiben. Ich finde immer etwas Essbares.

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Dijon: Place de la Libération. Im Hintergrund der Palais des Ducs de Bourgogne 14. 15. und 18. Jhdt. samt Turm, erbaut unter Philip le Bon (1450-1460)

12 Uhr: Place de la Libération. Wasserspiele, im Hintergrund der herzogliche Palast. Mit dem Bau wurde 1364 unter der Herrschaft Herzog Philipps II (le Hardi) begonnen, der in seiner Dynastie der Valois die jüngere Herrschaft Burgund begründete. Die heutige Anlage wird durch einen 52 Meter hohen Turm überragt, der in der Regierungszeit Philipps III des Guten (1419-1467) errichtet wurde. Die meisten der heute sichtbaren Gebäude wie auch der Platz wurden im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert im klassischen Stil erbaut.

1799 wurde im Ostflügel anstelle der Privatkapelle der Fürsten von Burgund, der Sainte-Chapelle, das Musée des Beaux-Arts eingerichtet, das neben Gemälden insbesondere die Grabmäler der burgundischen Herzöge ausstellt. Heute befinden sich auch die Mairie, die Touristeninformation, eine Kunsthochschule und das Regionalarchiv im Gebäude.

Im weiten Halbrund vor dem Palast Bistrots und Brasserien. Das Le Pré aux clercs gehört zum Imperium des Georges Blanc, dem 3-Sternekoch aus Vonnas am Ain. Die Sonne bricht zaghaft aus den Wolken. Unter Gartenschirmen lässt es sich draussen tafeln. U.a. ein unglaublich zarter, gut schmeckender Jambon persillée an Senfsauce. Freundlicher Service. Keine schlechte Wahl.

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Dijon: Das Halbrund gegenüber dem Herzogspalast
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Gut gestärkt lässt sich der Nachmittag mit einem Rundgang abschliessen. Wird fortgesetzt.

Quellen: wiki (diverse)

Dijon I: Abseits des Doubs (32)

Steigende Coronafallzahlen in Frankreich, wie überall. Bevor die Grenze wieder unpassierbar wird, wollte ich meinen monatlichen Tagesausflug am 30. August „einziehen“. Regen war angekündigt, doch die Betreuung für Frau L. bereits organisiert. Autofahrten im Regen sind mir zu anstrengend. Dann halt bequem mit dem TGV in die nahe liegende, mir völlig unbekannte Stadt. Ankunft um 9 Uhr in Dijon: es regnet.

Jardin de Darcy

Vorbei am Jardin de Darcy, eine Garten- und Brunnenanlage aus dem Jahre 1880. Die Anlage umschliesst einen 40 Jahre älteren, grossen Trinkwasserspeicher, der durch Ing. Darcy für die Bewohner der Altstadt erbaut wurde. Die Bassins, der Wasserfall, Treppen und Balustraden erinnern ein klein wenig an die Wasserspiele der Villa d’Este in Tivoli/Rom.

Porte Guillaume

Vor der Porte Guillaume, 1788 auf den Fundamenten eines mittelalterlichen Stadttores errichtet, machen Plakate auf die in der Altstadt geltende Maskenpflicht aufmerksam. Es regnet immer noch.

Halles de Dijon

Mit Regenschirm und angenässter Kleidung rette ich mich an der Masken- und Desinfektionswache vorbei in die gedeckte Markthalle. Hier ist es trocken. Und angenehm. Ein Paradies auf Erden. Mein Gott, wie armselig ist unser Basler Markt. Unter dieser von Ingenieur G. Eiffel inspirierten Struktur aus Glas und Eisen findet man alle burgundischen Köstlichkeiten, für die das Land bekannt ist und die einem den Mund wässrig machen: Epoisses, Jambon persillée, Geflügel, Fleisch von Charolais-Rindern, Wein.

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Halles de Dijon
Halles de Dijon: Poulets de Bresse

Geplant und erbaut wurde die Halle auf dem Gelände eines alten Dominikanerklosters in den Jahren 1873 – 1875 durch lokale Ingenieure, inspiriert durch Bauten von G. Eiffel. Fläche: 4.400 m2, Gesamthöhe: 13 Meter. Die Halle ist in zwei Hauptkreuzschiffe mit vier Pavillons gegliedert und beherbergt bis zu 246 Geschäfte.

Halles de Dijon: Le „petit“ Persillée. Immerhin etwa 30 x 20 cm Querschnitt.
Halles de Dijon: Hier scheint alles grösser
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Halles de Dijon: nur mit dem Emmentaler wills nicht richtig klappen
Halles de Dijon: 4 Poissonniers für eine Stadt, die kleiner ist als Basel
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Halles de Dijon: Goûts et Saveurs

Schade, dass ich nicht an eine Kühltasche gedacht hatte. Das passiert mir kein zweites Mal. Trosttee zum Aufwärmen und Trocknen: ein Kännchen vorzüglichen Yunnans, im Le Paï-Sho mit einer grossen Auswahl und zuvorkommender Bedienung durch den Inhaber.

Gegen 11 Uhr bricht die Sonne durch die Wolken, gleich neben den Hallen treffe ich auf Wandkunst, die das Thema der Hallen reflektiert, davor noch mehr Kunst. Kunst der andern Art. Da ich keinen Jambon persillée nach Hause tragen konnte, wollte ich auch keinen weiblichen Torso unter dem Arm mitschleppen. Ohne Schinken und Kunst läuft es sich entschieden leichter. Wird fortgesetzt…

Halles de Dijon: Wandmalerei mit weiblichen Torsi im Regen