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Doubs der Unschlüssige (8): Von der Quelle bis Pontarlier

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34°C. Zu heiss für lange Autofahrten, und doch musste es einmal sein. Mit der klimatisierten Benzinkutsche an die Doubsquelle nach Mouthe (F). Gerade noch rechtzeitig vor dem Quatorze Juillet, dem Ferienbeginn in F, bevor die Touristen den naheliegenden Campingplatz überfluten und die Quelle als Badeplatz benutzen.

Endlich! Endlich hat mich die Quelle gefunden und ich den Anfang meiner Geschichte. Ein hübscher, klarer, eiskalter Bach, der munter aus dem Fels strömt und danach in die Landschaft der Franches-Montagnes mäandriert. Eine halbe Stunde sass ich am Quellbecken im Wald, allein und ungestört und zählte die hier noch ungeschliffenen Kieselsteine im Wasser.

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Die Source du Doubs liegt im regionalen Naturpark Haut-Jura auf einer Höhe von 937 m am Fuße der bewaldeten, bis zu 1419 m hohen Jura-Bergkette des Mont Risoux, auf der die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz verläuft. Der Doubs entspringt einem komplexen Höhlensystem unter dem Fôret du Noirmont und dem Fôret du Risoux. Gespiesen wird er durch unterirdische Klüfte, Syphons und kleine Seen, teilweise sickert sogar Wasser aus dem schweizerischen Lac de Joux in das Quellgebiet des Doubs. Zollfrei.
Angereist bin ich vom Lac de Joux her, über den kleinen, relativ flachen Grenzpass Col de Landoz-Neuve, welcher das Vallée de Joux mit dem Val de Mouthe verbindet

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Lac de Joux

Erst läuft das Wasser des Doubs in ein tiefes Quellbecken, fällt danach über einen kleinen Wasserfall und sucht sich anschliessend ihren Weg in die dort sumpfige Landschaft. Die Quelle schüttet durchschnittlich 1740 Liter pro Sekunde aus, mir schien es eher weniger zu sein, aber ich hatte keinen geeigneten Messbecher zur Hand.

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Der junge Fluss, gleich nach der Quelle
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Doubs in Mouthe
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Doubs in Mouthe

Und alles dem Doubs entlang bis er sich zum Lac Saint-Point erweitert. Im Badeort Malbuisson durch den Wald hoch bis zum Fort Lucotte (Fort de Saint-Antoine). Erbaut von 1879 bis 1882, hätte die unterirdische Festung Einfällen von Germanen und Alemannen Einhalt gebieten sollen. Hat sie aber bekannterweise nicht: Nutzlos geworden, bröckelte das Fort leise vor sich hin, bis es 1966 von Marcel Petit, dem Chef einer grossen Käsereifungsfirma aus dem Dornröschenschlaf geküsst und als Käsereifungskeller eingerichtet wurde. Hier lagern und reifen über 100’000 Laibe Comtékäse aus verschiedenen Gebirgsmilchkooperativen zwischen 10 und 20 Monaten. An bestimmten Tagen sind die Keller zu besichtigen. Die Festungswächter hatten aber kein Einsehen mit einem spontan anreisenden, ehemaligen foodblogger und beharrten darauf, dass nur Einlass kriege, wer sich zuvor rechtzeitig im örtlichen Tourismusverein für eine 90-minütige Führung angemeldet habe. Anschluss an eine eben eingelassene Gruppe unmöglich. Impossible. Bureaucratie à la française. Selber schuld, aber ich bin ja nicht zum letzten Mal hier.

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Fort St. Antoine

Im Lac de Saint-Point macht es sich der Doubs auf einer Länge von über 7 km so richtig gemütlich. Der See ist der drittgrößte Natursee Frankreichs, Genfersee nicht mitgezählt. Im Sommer ein beliebter Badesee und Fischerort auf 885 m Meershöhe mit Hotellerie und Strandbetrieb. Im Winter ist er meist zugefroren.

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Lac Saint Point in seiner ganzen Länge
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Lac Saint Point

Am Ende des Lac Saint Point wird der See wieder zum Fluss. Von hier an mäandriert er wieder durch die Talauen bis kurz vor Pontarlier.

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Doubs in Oye et Pallet

In Pontarlier halte ich mich am Comté im Laden der Crèmerie von Marcel Petit schadlos. Alles Nachdenken, wo ich zuhause ein hydraulisches Käsemesser mit Laserstrahljustierung unterbringen könnte, führte zu keinem Ziel. Zuviel Messer für zuwenig Käse.

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Käselaib-Laserstrahljustierung

Und mache in einer Brasserie ein selfie von mir und dem Oberkellner (das Hundert im Gruselkabinett ist voll! (mit mir sind es jetzt 101). Das reicht.

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Bisherige Beiträge:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne
  5. Doubs, der Unschlüssige (5): La Goule-La Bouège
  6. Doubs, der Unschlüssige (6): Pontarlier-Morteau
  7. Doubs, der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre

28 Kommentare zu “Doubs der Unschlüssige (8): Von der Quelle bis Pontarlier”

  1. Lieber Robert,

    am Ziel! Wie schön.
    Schade nur, dass die Bürokratie kein einsehen mit dir hatte, aber das ist ja oft so und meist nicht nachvollziehbar.

    Eine wunderschöne Landschaft, die du uns da in acht Etappen gezeigt hast, danke fürs virtuelle Mitnehmen.

    Einen schönen Sonntag wünschen wir euch.

    Liebe Grüße Eva

    1. Liebe Eva, ich bin mitnichten im Ziel. Es fehlen mir noch ein paar Teilstücke bis St. Hippolyte. Zudem über 200 km in Frankreich bis zur Einmündung des Doubs in die Sâone. Das wird schwierig werden, weil weit entfernt. Aber ich lasse nicht locker. Habt einen schönen Sonntag!

  2. Jetzt hatte ich mich gerade daran gewöhnt, jeden Sonntag von dir mit an den Fluß genommen zu werden und nun soll alles vorbei sein? Aber die Füsse hast du schon ins Wasser gehalten, oder?

    1. Liebe Mich, du brauchst dich nicht zu entwöhnen, es geht noch weiter, ich bin noch lange nicht am Ziel. Das Wasser an der Quelle ist unter 8°C warm. Das ist mir selbst für die Füsse zu kalt 🙂

  3. Lieber Robert, die Doubs-Geschichten sind allzu schön! Ich kenne auch einiges davon,z.B. den Lac de Joux, von Genf aus, wo Herr Buchfink immer bei seinen Konferenzen war. Auf der Insel Föhr an der Nordsee lernten wir jetzt ein reizendes Schweizer Mädchen aus dem Kanton Jura kennen, die in einem Café kellnerte. Aber dein Oberkellnerselfie trug zur Heiterkeit bei uns bei. Schönen Sonntag!

    1. Danke Bärbel, im Moment dräut der Himmel schwarz und für die nächsten Tage ist an Ausreisen nicht zu denken. Aber die nächste Etappe ist geplant: nach Mömpelgard.

  4. Danggscheen fir dä bunti Reige an interessante Informatione, gschpiggt mit x Schmunzelmomänt und derzue jewiils passende Helge. Fir hitte – e Grips-Läggerbisse. Au daas isch e Hochgnuss!

  5. Ich plädiere entschieden für eine baldige Rückkehr und den Erwerb der Käseportionierungsanlage. Die mittlerweile legendäre Nudelkaltwalzstraße verleiht der Küche im Hause L. eine optische Einseitigkeit, die so einfach nicht mehr hinzunehmen ist!

  6. Wie schön, und an einem Sonntag mit unentschiedenem Wetter vom Reisen zu lesen und die eigene Reisetätigkeit auf den Weg vom Balkon aufs Sofa zu beschränken, um beim Tee die Zeitung zu lesen. Ich vergebe meinen ganz persönlichen Preis für den nettesten Fortsetzungs-Reisebericht im Internet an dich. Später kehr ich zur Lektüre von Vita Sackville-West zurück, die durch Persien reiste und das ähnlich kurzweilig beschrieb. Zeit zum Lesen haben und dabei die Linden rauschen hörn, ach! Danke fürs Vergnügen, P.

    1. oh, welche Ehre. Von einer ernsthaften Schriftstellerin auf dem Sofa gelesen zu werden. Jetzt geb ich mir einen Schupf (helv.) und bestelle mir die Sumpfschwimmerin.

  7. Wieder ein informativer Bericht mit schönen Bildern, dem ich gerne fantasielos einen meiner früheren Kommentare anhängen würde, es aber diesmal unterlasse, da Du weisst, was ich meine.

  8. Haha, keinen geeigneten Messbecher. Übrigens, wenn es zu heiß wird, gehe ich bei mir in die Sauna. Um diese Jahreszeit ist diese der kühlste Platz im Haus 😉

  9. Ach, was für ein wunderschöner Bericht über eine Flussliebe und die zum Käse. Vom beginnenden Fluss bitte etwas Kühle und zum Abend ein Stück vom Käse, das wäre schön. Danke für den herrlichen Post! Merci! Sunni

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