Noch war der Luzerner Samstags-Markt am letzten Wochenende im Februar in Winterpause. Noch dominieren Kohl und die letzten Muskat-Kürbisse.
Muskatkürbis, Kohl, Sellerie
Bis hier Sonnenblumen blühen, muss das Gewächshaus aushelfen.
Rosen am linken Reussufer
Die uralten, offenen Arkaden an dem rechten Ufer der Reuss dienen auch heute noch dem Wochenmarkt.
Unter der Egg
Erste Anzeichen des Frühlings sind unverkennbar.
Cime di Rapa
Nicht zum ersten Mal ist ein Marktfahrer hier in den Fluss gefallen.
Ausverkauft
FleissigeBäckerinnen backen sich das Pane Vallemaggia selbst. Faule Bäcker kaufen es sich am Stand von Branka Battaglia, die jeden Samstag aus Locarno hieher fährt.
Pane Vallemaggia im Tessiner Eckli
Weidenkätzchen, zu einem Tischkranz geflochten. Ganz einfach hübsch.
Wir winden dir den Jungfernkranz, Mit mäusegrauer Seide...
Gelbe Frühlingspracht aus dem Süden.
Mimosen aus Viareggio ?
Doch erst wird hier Fasnacht gefeiert. Morgen, 7. März 2010, Güdismontag, ist hier der Teufel los.
Das winzige Städtchen liegt auf einer Felszunge oberhalb des Rotbachtobels nördlich von Emmenbrücke, Nähe Luzern. Seit die alte Gotthardstrasse Basel-Luzern 1761 weitab westlich verlegt wurde, verlor Rothenburg an Bedeutung und ist heute eine Luzerner Agglomerationsgemeinde.
Rothenburg Mitte
Die Freiherren von Rothenburg waren eine der mächtigsten und kriegerischsten Familien der ganzen Region, welche die aufstrebende Stadt Luzern befehdeten. 1285 starben sie aus, ihr Besitz fiel an die Habsburger. Diese verliehen Rothenburg im Jahr 1371 das Stadtrecht, um es als Gegenmacht zur eidgenössisch gewordenen Stadt Luzern zu stärken. 1385 eroberte Luzern Rothenburg, schleifte Burg und Stadtmauern und degradierte die Stadt zum Flecken. Die Eroberung war einer der Auslöser des Sempacherkriegs 1386. Ein Jahr nach der Schlacht von Sempach übernahmen die Luzerner die Macht.
Frau Fasnacht hat bald Wäsche
Ein Flecken ist das Städtchen heute noch, trotz mittlerweile 8000 Einwohnern. Zu sehen gibt es wenig, eine wundervolle, alte Holzbrücke (die alte Gotthardstrasse) die 1715-1717 als Ersatz für eine ältere Brücke erbaut wurde. Die nahegelegene Kirche von Bertiswil, die seit 1173 besteht, ist eine der wenigen Kirchen des Kantons Luzern, die das Zeitalter des Barocks und das 19. Jahrhundert ohne allzustarke Eingriffe überdauert und ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt hat.
Kirche Bertiswil
Gastronomisch ist mir im Ort lediglich die Aktion 3 für 2 Meitschibeine (Mädchenbeine) aufgefallen. Was macht man denn mit einem einzelnen Bein ? Bald findet im katholischen Luzern und seinem Hinterland die freizügige Fasnacht statt. Vielleicht findet man hier das fehlende Bein samt Oberteil. Zum Rezept.
Stans ist der Hauptort des Kantons Nidwalden in der Schweiz. Knapp 8000 Einwohner. Der Ort liegt im Talboden zwischen dem Stanser- und dem Buochserhorn sowie dem westlichen Ausläufer des Bürgenstocks. Italienfahrer brausen auf der Gotthardautobahn nahe daran vorbei.
Das Engelbergertal wurde im 7./8. Jhdt. von Alemannen besiedelt. Der Ort selbst war nie durch Mauern gesichert. Der vorkarolingische Bau des ersten Gotteshauses in Stans (um 750 n.Chr.) diente den Bewohnern des ganzen Engelbergertales als Pfarrkirche. Die heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul, eine frühbarocke Anlage mit dem romanischen Glockenturm, wurde 1647 erbaut.
1481 wurde die Schweizer Geschichte an der Stanser Tagsatzung mit dem nach langen, ergebnislosen Verhandlungen ausgehandelten Verkommnis nachhaltig geprägt. Verkommnis nannte man damals Verträge, hier der Vertrag zwischen den über der Verteilung der burgundischen Kriegsbeute und auch sonst heftig zerstrittenen Orten der alten Eidgenossenschaft, der mit einem Friedensschluss und der Begründung der neun-örtigen Eidgenossenschaft besiegelt wurde.
1713 zerstörte der Stanser Dorfbrand zwei Drittel des Fleckens. Das erlaubte die grosszügige Gestaltung des Dorfplatzes. Mitgeprägt wird das Dorfbild Stans ausserdem von einigen historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten.
Das Höfli ist neben Rathaus und Winkelriedhaus der bedeutendste Profanbau des Kantons Nidwalden. Ältester Teil ist ein Wohnturm, der von den Meiern der Benediktiner–Abtei Murbach-Luzern im 14. Jahrhundert erbaut wurde, später als Wohnsitz von Landammännern diente. In diesem Gebäudekomplex sind heute neben dem Höfli-Museum eine Kunstgalerie, ein Kleintheater und das Restaurant Rosenburg untergebracht. Im Höfli-Chäller haben wir einfach, ordentlich, aber etwas lieblos angerichtet, Tessiner Schnitzel mit Gemüsenudeln gegessen.
Über dem grossen Hauptplatz trohnt die Pfarrkirche St.Peter und Paul. Barock. Türe zu.
Zwischen Pfarrkirche und Rathaus liegt das Winkelrieddenkmal. Ein Andenken aus dem Jahre 1865 samt neugotischem Denkmalhäuschen, um den empfindlichen Carreramarmor vor der Witterung zu schützen. Heroische Andenken dieser Art trugen in diesen Jahren zum Selbstbewusstsein und zur Identitätsfindung des noch jungen und fragilen Schweizer Bundesstaates bei. Winkelried soll 1386 bei der Schlacht von Sempach ein Bündel Lanzen der habsburgischen Ritter gepackt und, sich selbst aufspiessend, den Eidgenossen eine Bresche geöffnet haben. Der Schlüssel zum eidgenössischen Sieg gegen die Habsburger. Die Legendenbildung hat ihm theaterreife letzte Worte wie „Sorget für mein Weib und Kind“ und „Der Freiheit eine Gasse!“ in den Mund gelegt. Was man halt in derlei Situationen so sagt.
WinkelrieddenkmalKapelle, Rathaus und efeuüberwachsenes Winkelrieddenkmalhäuschen
1798 versuchten die Nidwaldner den Aufstand gegen die liberale Ordnung der von den Franzosen diktierten Verfassung. Das französische Direktorium entschloss sich, sofort militärisch in Nidwalden zu intervenieren, um ein Übergreifen des Aufstands auf den Rest der Helvetischen Republik zu verhindern. Eine militärisch weit unterlegene Anzahl Nidwaldner versuchte vergeblich, der Armee General von Schauenburgs zu trotzen. Der verbissene Widerstand der Nidwaldner hatte zur Folge, dass die französischen Truppen entgegen den Weisungen ihrer Generalität mit Übergriffen auf die Zivilbevölkerung antworteten. Weite Teile Nidwaldens wurden geplündert und gebrandschatzt. Das Elend der Überlebenden war gross.
Die Menschheit könnte aus der Geschichte lernen. Tut sie aber nicht. Wir haben das Glück, in Mitteleuropa in einer relativ friedlichen Epoche zu leben. Wie lange noch ?
Häusergruppe um das Rathaus
Zu etwas Erfreulicherem: Erstaunlich an dem kleinen Ort ist die Detailhandelsgemeinschaft «Dorfplatz 9», wo vier voneinander unabhängige Händler, ein Käsefachgeschäft zusammen mit einer Bäckerei, einer Metzgerei sowie einem Früchte- und Gemüsehändler «Feines zum Essen» anbieten. Ein richtiges Gourmetparadies, wie ich es mir in Basel wünschen möchte. Hier haben wir uns eingedeckt, u.a. mit dem berühmten Stanser Chuehfladä (zu deutsch Kuhfladen) der Käserei Barmettler, Stans.
Die im Jahr 1893 eröffnete Stanserhorn-Bahn war eine elektrisch betriebene Standseilbahn auf den 1898 m ü.M. hohen Berg der Zentralschweizer Voralpen. Im untersten Teil verläuft sie immer noch auf dem alten Geleisetrassee. Ab der Mittelstation wird sie heute als Luftseilbahn betrieben. Die Bahn macht Winterpause bis zum 9. April.
Sei gefühlten Monaten haben wir keine grössere Ausreise mehr gemacht. Es sind aber auch gar viele Faktoren, die einen Einfluss auf unsere Ausreisen haben und die an einem bestimmten Tag alle zutreffen müssen: Gutes Wetter Reise-erstehungs-fähigkeit von Frau L. Lust auszureisen Herr L. ausgeschlafen und ausgeruht Mäxle fahrtüchtig Strassen nicht vereist
An einem Montag im Januar war das wieder einmal der Fall. Es war Thun, das wir auserwählten.
Rathausplatz mit Schloss Thun
Der Name Thun wird vom keltischen Wort „dunum“ abgeleitet, was „befestigter Hügel“ heisst. Urkundlich erstmals nachgewiesen ist Thun in einer Chronik eines fränkischen Mönchs. Gegen Mitte des 12. Jahrhunderts gehörte die Gegend zum zähringischen Rektorat Hochburgund. Die Herzöge von Zähringen erbauten um 1190 das heutige Schloss und erweiterten die Stadt um die Hauptgasse bis zum Rathausplatz.
Obere Hauptgasse
Als das Geschlecht der Zähringer 1218 ausstarb, erbten die ostschweizerischen Grafen von Kyburg die Stadt. Im Jahre 1264 erteilte Gräfin Elisabeth von Kyburg den Thunern eine Handfeste. Darin sind die alten Rechte der Thuner in über 100 Rechtssätzen festgehalten. Mit zwei Stadterweiterungen, der Unterstadt und dem Bälliz, erreichte die Stadt einen Umfang, der bis ins 19. Jahrhundert ausreichte. 1264 erhielt Thun das Stadtrecht. Ausseinandersetzungen um die Herrschaft im Hause Kyburg führten 1322 zu einem Brudermord im Schloss Thun. Graf Eberhard, der Mörder, suchte Hilfe bei Bern, musste aber die Stadt 1323 an Bern verkaufen. Er erhielt die Stadt als Lehen zurück, musste sie aber 1384 zusammen mit Burgdorf endgültig an Bern übergeben. Damit wurde Thun zu einer bernischen Landstadt und von dem Schultheissen aus Bern verwaltet, konnte aber seine angestammten Rechte behalten.
Rathaus (1685) mit Marktlauben
Im 15. und 16. Jahrhundert blühten in Thun Handwerk und die Wirtschaft. Die Stadt wurde zu einem regionalen Marktzentrum. In der Mitte der Stadt wurde ein neues Rathaus mit einem Kaufhaus im Erdgeschoss erstellt und davor ein grosser Marktplatz, der Rindermarkt, geschaffen. 1528 trat Thun zur Reformation über.
Blick auf Rathausplatz, rechts das Hotel Krone
Gegessen haben wir im Hotel Krone. An einem Montag haben im Kanton Bern die meisten Lokale geschlossen. Frau L. hat einen ordentlichen Suure Mocke gegessen, ich zwei Scheiben Schweinsfilet im Fonduemantel. Nach dem Mittagessen ein kleiner Rundgang. Die Stadt ist am Ausfluss des Thunersees gelegen.
Blick auf die untere Schleuse an der inneren Aare
Mit der Einleitung der Kander in den Thunersee (Kanderkorrektion) von 1714 wurde der ehemalige Stadtgraben zum zweiten Aarearm, der Äusseren Aare, ausgebaut. Dadurch entstand aus dem Stadtquartier Bälliz eine Insel.
Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt kontinuierlich weiter. Erste Versuche zur Ansiedlung von Industrie erfolgten. Thun blieb aber stets nur ein regionales Wirtschaftszentrum. Der Fernhandel spielte eine untergeordnete Rolle. Nach dem Einmarsch der Franzosen war Thun Hauptstadt des von 1798 bis 1802 existierenden Cantons Oberland.
Aufgang zum Schloss, heute Museum
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten die Eröffnung der Eidgenössischen Militärschule und der Beginn des Fremdenverkehrs neue Impulse. Mit dem Bau von Hotels und Pensionen und der Eröffnung der Dampfschifffahrt auf dem Thunersee 1835 wurde Thun zu einem bedeutenden Fremdenort.
Heute zählt Thun über 40’000 Einwohnerinnen und Einwohner.
Nach den Bauernregeln von Emil Steinberger gilt für den Januar: Im Januar, im Januar,
isch alles stiif und starr.
So wars denn auch. Im kalten, winterlichen Luzern war der Markt am 8. Januar ziemlich leergefegt. Nach den festlichen Völlereien hatte wohl niemand mehr Lust, Essen einzukaufen. Mein Weg führte mich… wohin wohl ? …. in einen Kochkurs von Lucas Rosenblatt. Hacken und Wursten stand auf dem Programm.
Barock und PlastikHier gibts noch Dioxinfreie EierSaisongemüseFurrengasse in der Morgensonne
Alter Gemeindesaal am Metzgplatz und Schloss Lenzburg
Über Schloss Lenzburg habe ich hier bereits einen Beitrag verfasst. Dessen Geschichte kann dort nachgelesen werden. Der neuerliche Besuch datiert vom letzten November. Wir kommen leider derzeit kaum gross weg.
Gründer der Stadt Lenzburg waren vor 1241 die Grafen von Kyburg. Sichtbarer Ausdruck des von den Habsburgern 1306 verliehenen Stadtrechts sind die letzten, noch sichtbaren Reste der Stadtmauer an der Promenade und am Graben.
Bern kaufte 1433 das Schloss von den Habsburgern, von 1444 bis 1798 residierte hier der Landvogt des Oberamts Lenzburg. 1528 führten die Berner in Lenzburg die Reformation ein. Bis 1565 war die Stadt Teil der Pfarrei Staufberg auf dem gegenüber liegenden, gleichnamigen Hügel. Im 16. Jahrhundert wandelte sich Lenzburg allmählich von einer Bauern- zu einer Handwerkssiedlung. Ab 1744 durften die Stadtbewohner auch ausserhalb der Befestigungsanlagen Häuser errichten. Dies begünstigte die Ansiedlung von Industrien. 1732 entstand die erste Baumwoll-Fabrik. Während das Handwerk zunehmend verarmte, brachten neue Industrien ab Mitte des 19. Jhdts. einen Aufschwung. Kurz nacheinander entstanden Konservenfabriken für Gemüse und Fleischwaren, eine Seifenfabrik, Kartonagefabriken, die Kinderwagenfabrik Wisa-Gloria, Holz- und metallverarbeitende Industrie. Nicht alle dieser Unternehmen konnten sich bis in die Neuzeit retten.
Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, riefen die Helvetische Republik aus und entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern. Lenzburg gehört seither zum Kanton Aargau und wurde 1803 Bezirkshauptort.
Die Altstadt weist einen hufeisenförmigen Grundriss auf, mit einer breiten Hauptgasse (Rathausgasse) und je einer parallelen Nebengasse im Süden und Norden sowie der am unteren Ende quer zur Rathausgasse verlaufenden Kirchgasse.
Rathausgasse mit RathausturmRathausgasse gegenüber Rathaus
Die charmante Altstadt mit ihren Gassen, Plätzen und Brunnen ist, seit sie vom Autoverkehr weitgehend befreit ist, ein angenehmer Wohn- und Lebensraum. Eigentlich hoffte ich, an dem Samstagmorgen hier einen Markt anzutreffen. Irrtum, Wochenmarkt findet hier am Dienstagmorgen und den ganzen Freitag in der Rathausgasse statt. Im Winter nur Dienstagmorgen im Gemeindehaussaal. Deshalb war die Altstadt am Morgen nahezu menschenleer. Schade, so werden berufstätige Einwohner gezwungen, ihre Einkäufe in Mig.ros und CO.OP zu tätigen. Das örtliche Kleingewerbe und die Gemüsebauern wird das kaum freuen.
An der Mauer des ehemaligen Asyls (Armen- und Altersspital), heute Stadtbibliothek, fällt der Löwe mit dem aufgesperrten Mund auf. Einer mittelalterlichen Legende nach verliert jeder seine Hand, der sie ihr in den Mund legt und dabei nicht die Wahrheit sagt. [Gelogen ! die Legende gilt für die Bocca della verità in Rom]. Diese hier ist eh zu hoch gehängt, als dass ich die Hand hätte hineinlegen können. Mächtig das Hünerwadelhaus, heute Handelsschule des KV, 1759/60 für Markus Hünerwadel als Handelshaus erbaut.
La bocca della verità ?Hünerwadelhaus
Die Hünerwadel hinterliessen bei uns nachhaltigen Hunger. Wir assen im Wirtshaus zum alten Landgericht, ein Bau aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Essen war ganz gut, an der obern Grenze eines vertretbaren Preis/Leistungsverhältnisses, der Service mit etwas rustikalem Aargauer Charme (mmmhö ! = ja, gerne ! oder hä ? = wie bitte ?)
Wirtshaus zum alten LandgerichtAlte Burghalde
Am südwestlichen Fuss des Schlossberges, dort wo der Weg zum Schlosshügel aufsteigt, liegt die Häusergruppe der Burghalde. Die alte Burghalde, erbaut 1628, besteht aus einem dreigeschossigen spätgotischen Wohnhaus mit Fachwerkanbau sowie der ehemaligen Trotte. Im halbrundem Schneggen auf der Westseite ist die hölzerne Treppe hochgeführt.
Die neue Burghalde wurde 1793/94 in streng symmetrischem frühklassizistischen Stil für die Familien Ringier erbaut. Heute gehört die Gruppe der Ortsbürgergemeinde, die darin ein Museum mit Sammlungen, die von steinzeitlichen Funden bis zur modernen Industriegeschichte Lenzburgs reichen. Dazu eine in der Schweiz einzigartige Sammlung russischer Ikonen des 16. bis 19. Jahrhunderts.
Lenzburg, Neue und alte Burghalde
Etwas ausserhalb der Altstadt gelegen steht der letzte Rest, eine vor dem Abbruch gerettete Aussenwand der Malagaabfüllerei des Alfred Zweifel. Wer trinkt heute noch Malaga ?
Das Abfüllen von Malaga scheint früher den Kellerei-Besitzer sehr gut ernährt zu haben, wie die aus dem Jahre 1840 stammende Villa in klassizistischem Stil mit maurischer Bemalung beweist:
Letztes Frühjahr habe ich einen Beitrag über die alte, nach einzelnen Quellen rund 600 jährige Linde von Linn verfasst. Mehr darüber [klick] Auf Vorschlag der geneigten Leserschaft habe ich zugesagt, die alte Linde in den jeweiligen Jahreszeiten zu fotografieren. Habe ich vergessen. Beim Jahresend-Reinemachen ist mir das wieder eingefallen. Ungesäumt bin ich losgefahren. Hier das erste Bild. Im diffusen Nebel aufgenommen.
Dafür, das wir in den Herbstferien nur einen kleinen Ausflug ins Unterengadin unternommen haben, ist der Anspruch des Titels viel zu weit gefasst. Fährt man von Zernez nach Schuls, passiert man halbwegs Ardez, das auf der linken Talseite über dem Inn liegt. Von weit her ist die Ruine der Burg Steinsberg sichtbar. 1209 kaufte der Churer Bischof den Herren von Ardez die Burg ab, die danach den bischöflichen Herrschaftsmittelpunkt im Unterengadin bildete. Sie wurde 1499 durch die Oesterreicher im Schwabenkrieg zusammen mit dem Dorf zerstört. Später wieder aufgebaut. 1622 wurde der inzwischen protestantische Ort durch den katholisch-österreichischen Feldherr Alois Baldiron wiederum dem Erdboden gleichgemacht. 1652 kauften sich die Ardezer von Österreich los.
Auffallend in Ardez sind die vielen, schönen Engadinerhäuser.
Ardez, HauptstrasseArdez, EngadinerhausVorläufer der heutigen GraffitiArdez, Erker
Seit dem Wiederaufbau nach 1622 hat sich das innere Dorfbild beinahe unverändert erhalten.
Ardez, Häusergruppe
Kurz vor Schuls grüsst auf der rechten Talseite das markante Wahrzeichen des Unterengadins, das auf einem Hügel gelegene Schloss Tarasp. Das Schloss war in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts Wohnsitz der Herren von Tarasp, die aus der Gegend des Comersees ins Engadin gezogen waren. Im Jahre 1239 gelangte die Festung an die Grafen von Tirol. Da das Unterengadin zum Bistum Chur gehörte, folgten heftige Auseinandersetzungen zwischen den Tiroler Grafen, den Bündnern und den Bischöfen von Chur um die Vormacht im Unterengadin. Ab 1464 war Tarasp eine österreichische Grafschaft. 1803 wurde Tarasp von Napoleon der helvetischen Republik zugeschlagen.
In der Folge wurde das Schloss vom Kanton für umgerechnet etwa 300 € verkauft, danach komplett leer geplündert, bis es 1900 in den Besitz des Dresdner Industriellen und Odol-Mundwasser-Fabrikanten Karl August Lingner überging.
Schloss Tarasp und Tarasper See
Lingner steckte viel Geld in die Renovation, konnte das Schloss selber aber nicht mehr bewohnen. Er starb 1916 unerwartet. Das Erbe fiel an einen Freund von Lingner, Grossherzog Ernst Ludwig von Hessen. Das Schloss befindet sich heute noch im Besitz der Familie von Hessen. Indessen wurde jedoch ein Kaufrechtsvertrag zwischen der Gemeinde Tarasp und der Familie von Hessen abgeschlossen. Die Gemeinde leistet an den Unterhalt eine Defizitgarantie.
Schloss Tarasp
Nach Tarasp haben wir in Scuol zu Mittag gegessen. Recht. Nichts denkwürdiges. Über den Ort habe ich letztes Jahr schon berichtet. Ein paar Schritte ins Unterdorf. Dort, in „Scuol Sot” stehen schöne alte Engadinerhäuser, ein malerischer Dorfplatz mit einem grossen Brunnen.
Scuol SotScuol Sot
Damit ist Schluss mit Ferienbildern. Der Winter hat uns fest im Griff. Keine Ausreisen mehr.
Chiavenna war von der ausgehenden Spätantike bis 1194 der Sitz von Grafen, die das Tal beherrschten. Die Grafschaft entstand vermutlich im 10. Jhdt., zu Beginn der Herrschaft Ottos I., der 960 das Bergell von Villa di Chiavenna an aufwärts dem Bistum Chur zuteilte und damit die noch heute gültige Grenzlinie zwischen Italien und der Schweiz zog. 1030 erhielt Chiavenna vom Bistum Como das Stadtrecht und wurde 1194 an die Bischöfe von Chur übergeben; in der Stauferzeit war Chiavenna sogar ein Teil des Herzogtums Schwaben. 1335 kauften die Mailänder Visconti dem Churer Bischof Stadt und Umland Chiavenna ab.
In den Mailänderkriegen gelang 1512 den Drei Bünden die Eroberung von Chiavenna zusammen mit Bormio und dem Veltlin als gemeinsames Untertanengebiet, wobei das Schloss Chiavenna zerstört wurde. Mit dieser Gebietsausdehnung gelang es den Bündnern, eine direkte Verbindung zum verbündeten Venedig herzustellen. Diese Talschaften gingen 1797 wieder verloren, wurden Teil der Cisalpinischen Republik und teilten hinfort das Schicksal der Lombardei bis zum heutigen Regime des flotten Herrn Berlusconi.
Chiavenna, Piazza Crollalanza
Entlang der Hauptstrassen der historischen Altstadt fallen die zahlreichen herrschaftlichen Palazzi mit ihren schönen Portalen aus Speckstein sowie versteckten Gärten auf. Zeugnisse des Wohlstandes, den sich Handelshäuser und Fuhrunternehmer an der Verzweigung so wichtiger Alpenpässe erwerben konnten. 1835 waren in Chiavenna zehn Speditionshäuser ansässig, die pro Jahr 4’000 t Waren, meist über den Splügen, transportierten.
Piazza PestalozziPiazza PestalozziPiazza PestalozziHofidylle an der Via Dolzino
Gegessen haben wir einmal woanders, im Ristorante al Cenacolo, in der Altstadt. Den Michelin-Stern hat es zwar seit Jahren verloren. Ist vergleichsweise auch weniger elegant als das Passerini, die Speisen sehr traditionell ausgerichtet, aber qualitativ gut und wie mir ein Habitué sagte, auch sehr konstant. Sehr nett das amuse-geule, pro Person eine Salametti zum Brot. Wie fast überall im Veltlin, ein ausgezeichneter offener Hauswein, ein Grumello von Nino Negri. Reizvoll war insbesondere der Zwischengang Taroz. Ein Kartoffelpüree mit Bohnen. Köstlich. Muss ich unbedingt nachkochen.
Salamettifior di zucca, mit Mozzarella gefülltTarozBrasato di manzo al Grumello
Nach dem Essen gehts über das Flüsschen Mera in den andern Stadteil. Die Brückenfigur des hl. Johannes von Nepomuk (der in Böhmen wirkende Geistliche wurde im Jahr 1729 heiliggesprochen) ist endlich wieder aus seinem durch Bauarbeiten bedingten Gitterkäfig entlassen worden. In diesem Stadtteil liegt der Laden von Francesco Bedognotti, hier waren wir Trüffel einkaufen. Leider habe ich es auch dieses Jahr nicht geschafft, im alten Handwerkerviertel die alte Museumsmühle (Bottonera Mühle) aus dem Jahre 1887, das Stammhaus der Pastafabrik Moro, zu besichtigen. Nächstes Jahr vielleicht.
Die Gemeindeteile Bondo, Soglio und Castasegna, die unterhalb der Talsperre von Promontogno liegen, werden zur „Sottoporta“ gezählt. Über Soglio habe ich 2007 bereits berichtet.
Bondo liegt etwas abseits der Hauptstrasse an der Mündung der Bondasca. Promontogno wie Bondo wurden im Jahre 1621 von der spanischen Soldateska niedergebrannt, später aber wieder neu aufgebaut.
Auffallend der Palazzo Salis, erbaut 1766–76 für den bündnerischen Gesandten Graf Hieronymus von Salis-Soglio und seine Gattin, Gräfin Mary Fane aus dem Hause der Earl of Westmoreland. Der Palazzo wird im Sommer noch heute von einem englischen Zweig der Familie von Salis bewohnt. Deshalb muss man sich am Gartentor die Nase plattdrücken. Der Garten ist ein schönes Beispiel der damaligen italienischen Gartenarchitektur.
Bondo, Palazzo SalisNase platt drücken
Inmitten des Dorfes Bondo finden wir den achteckigen Brunnen und unweit davon die romanische Kirche zu San Martino (1250 geweiht) mit ihrem „campanile romanico“ und den 1960 aufgefundenen Fresken.
Bondo GassenbildBondo San Martino
Bei einer früheren Renovation (1960) wurden in Schiff und Chor Wandmalereien lombardischer Künstler im Stil der Frührenaissance aus der Zeit von 1485-1500 entdeckt und restauriert. Auf dem Abendmahl ist Jesus, und die Apostel Judas und Johannes zu erkennen. Auf der Tafel erkennt man Wein, Osterlamm, Fische, Krebse und Artischocken !
in ristauro seit 2010man beachte die Reichhaltigkeit der Speisen auf der Tafel !
Am Weg von Bondo nach Promontogno trifft man auf die Crotti, die von hohen Kastanienbäumen beschattet sind. Hier wird an warmen Sommerabenden Boccia gespielt. Und vermutlich Wein dazu getrunken.
Das Bergell (italienisch Val Bregaglia, ursprünglich von Prae-Gallia, Vorgallien) ist eines der Bündner Südtäler, gelegen zwischen dem Malojapass (1815 m ü. M.) und Chiavenna (333 m.ü.M.). Der obere und grössere Teil des Tals gehört zum Kreis Bergell des Schweizer Kantons Graubünden, unterschieden in Sopraporta, oberhalb, und Sottoporta, unterhalb der mittelalterlichen Talsperre von Promontogno. Der unterste Teil (auch Val Chiavenna) gehört zur italienischen Provinz Sondrio.
In Vicosoprano, dem Hauptort des Bergells, beginnt unsere alljährliche Wanderung, hinunter nach Promontogno.
Vicosoprano, Rundturm 13. Jhdt RathausVicosoprano, WohnhaustüreVicosoprano, Brücke über die MeraHerr L., eine Hopfenelfe mimendColtura, Schloss CastelmurBurg Castelmur bei Promontogno
In karolingischer Zeit gehörte das Bergell zum churrätischen Ministerium Bergallia. 960 schenkte Otto I der Grosse, derselbe, der in Magedeburg begraben liegt, das Bergell dem Bistum Chur. Das Tal war schon seit Römerzeiten durch eine Passstrasse mit dem Norden verbunden. Der Septimerpass (2310 m) war früher neben dem Grossen St. Bernhard und dem Brenner einer der wichtigsten Alpenübergänge. Vorteilhaft war seine direkte Nord-Süd-Verbindung und die günstige Topographie, die einen einfachen Wegbau zuliessen. Der Besitz der gesamten Septimerroute von Chur bis Chiavenna einschliesslich der damit verbundenen Zolleinnahmen bildete über Jahrhunderte hinweg die Machtbasis des Churer Bischofs. Über den Pass zogen Händler und Heere, Könige und Kaiser, 961 Otto der Grosse und 1164 Friedrich Barbarossa. Mit der Öffnung der Viamala 1473 verlor der Septimerpass an Bedeutung und vergandete wieder zum Saumpfad. Projekte für eine Strasse über und eine Bahn unter dem Septimer wurden nie realisiert.
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde die italienische Sprache im Bergell zur Hauptsprache erklärt. Die Zeit der Bündner Wirren und des dreissigjährigen Krieges mit spanischen und französischen Truppen auf Bergeller Boden waren eine schwere Prüfung für die Einwohner. Im Bergell leben heute noch rund 1600 Einwohner.
Talweiden
In Promontogno steht das wunderliche Hotel Bregaglia, inmitten alter Bäume und dem geliebten Entenweiher vor dem Eingang. Ein Kleinod der „Belle Epoque“, renoviert, aber ohne jeden neuzeitlichen Komfort. Wir haben uns ein paar Zimmer zeigen lassen, sehr schön, alles aus dem Jahre 1887. Das Bergell ist ein Tal für Menschen, die leise Töne lieben. Wer die sucht, wird sie hier finden und immer wieder gerne hierher zurückkehren. Hier haben wir es uns denn auch gut gehen lassen. Die junge Köchin überrascht mit einfachen, aber guten Speisen.
Ergebnis der Entenzählung und Vergleich mit Vorjahr: vollzählig !
Promontogno, Platz dem PostautoPromontogno, Hotel BregagliaHotel Bregaglia, TreppenhausHotel Bregaglia, SpeisesaalRucola, Parmesan, PestoSpaghetti alla chitarra
Das Valposchiavo, ein nördlich gelegenes Seitental des Veltlins, beginnt auf dem Berninapass (2328 m) und endet an der Grenze zu Italien, vor Tirano, auf rund 550 m. Diese Jahr sind wir wieder einmal mit der Berninabahn bis Tirano und zurück gefahren. Im Bummelzug, damit die Fahrt länger dauert und ich die Aussicht nicht mit einem Wagen voller Japaner teilen muss 😉 In Poschiavo (hier mein Bericht aus 2007) sind wir für einen Zwischenhalt ausgestiegen, Mittagessen im Ristorante Albrici. Manfriguli, ein mit Käse gefülltes Buchweizenomelett.
Poschiavo, Plazza da Cumün mit Hotel Albrici
Plazza da Cumünehemaliger Wehrturm im Rathaus
Die Geschichte des Puschlavs war lange Zeit eng verknüpft mit dem Los des südlichen Nachbarn. Sowohl die Besiedlung wie die Romanisierung und Christianisierung erfolgten von Süden her.
Im 13. Jahrhundert ein Lehen des Churer Bischofs, gelangte das Dorf 1350 unter mailändische Herrschaft, im Gegensatz zum Veltlin gelang aber dem Puschlav im ausgehenden Mittelalter die gewaltsame Befreiung von der Feudalherrschaft und 1494 die Orientierung nach Norden als freies, unabhängiges Hochgericht des Dreibündenstaates.
Die Religionswirren nach der 1547 eingeführten Reformation brachten dem Tal langandauernde Konflikte und Spannungen. Nach der turbulenten Phase der Bündner Wirren im Dreissigjährigen Krieg nahm Poschiavo eine eher ruhige Entwicklung, die sich vor allem auf den Passverkehr und die Landwirtschaft stützte. Die Französische Revolution hinterliess nochmals deutliche Spuren.
Das Veltlin löste sich aus dem Untertanenverhältnis zu den Drei Bünden und wandte sich endgültig Italien zu. 1803 trat das Puschlav mit dem neuen Kanton Graubünden in die Schweizerische Eidgenossenschaft ein.
Die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen des Puschlavs blieben allerdings noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts hauptsächlich auf das Veltlin ausgerichtet. Mit dem Bau von Berninabahn und Kraftwerken 1904-12 wurde das Tal aus seiner Abgeschiedenheit befreit.
Oratorio Sant'Anna mit Beinhaus und Totenschädeln im Portikus
Im 17. bis 19. Jahrhundert wanderten viele Puschlaver aus Armutsgründen aus, bevorzugt nach Spanien, Portugal und Frankreich, wo sie häufig als Zuckerbäcker tätig waren. in Madrid, Barcelona und Porto wurden legendäre Confiserien und Restaurants von Puschlaver Familien geführt. Einige brachten es zu beträchtlichem Wohlstand. Die heimatverbundenen unter ihnen kehrten nach einigen Jahren in der Fremde wieder in ihre Heimat zurück. Mit Stolz stellten die Erfolgreichsten zu Hause ihren Reichtum zur Schau, indem sie am südlichen Dorfrand von Poschiavo prächtige Villen erstellen liessen.
Die Palazzi bilden einen Strassenzug herrschaftlicher Villen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am ehemals südlichen Ortsrand von Poschiavo, der auch Spaniolenviertel genannt wird.
Poschiavo, Via di Palaz
Die Palazzi liegen in einer 120 m langen Reihe drei- bis vierstöckiger Giebelhäusern an der Nordseite der Via di Palaz. Die bunten Fassaden der neoklassistischen Häuser sind alle nach Süden ausgerichtet und verfügen auf der anderen Strassenseite über Gemüsegärten.
Danach Fortsetzung der Fahrt nach Tirano. Die Berninabahn gilt als höchste Adhäsionsbahn der Alpen und – mit bis zu sieben Prozent Gefälle – als eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt. 1910 konnte sie auf ihrer gesamten Länge zwischen St. Moritz und Tirano eingeweiht werden. Sie wurde von Anfang an elektrisch mit Gleichstrom betrieben. Seit dem Winter 1913/14 wird der Bahnbetrieb auch im Winter aufrecht erhalten. Die Berninabahn wurde gemeinsam mit der Albulabahn 2008 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.
Fahrt durch Kastanienhaine bei Brusio
Unterhalb von Brusio besitzt die Bahn als letzten Höhepunkt einen Kreisviadukt, der alleine der Höhengewinnung, bzw. der Höhenvernichtung dient.
Kreisviadukt BrusioAuf dem Viadukt
Mein Traum, einmal im Winter die tiefverschneite Landschaft der Bernina zu befahren.