In den letzten Wochen haben wir keine grossen Sprünge mehr gemacht, sind notgedrungen brav zu Hause geblieben. Meine wöchentlichen Reiseberichte sind zum Erliegen gekommen. Doch gibt es auch im Kleinen von Entdeckungen zu berichten, z.B. der Matthäusmarkt in Basel. Ein winziger Produzentenmarkt (im Unterschied zum grösseren Händlermarkt auf dem Marktplatz), der einmal wöchentlich, samstags, abgehalten wird. Im tiefsten Kleinbasel (little Istanbul) gelegen, an der Feldbergstrasse, einer stark befahrenen Verkehrsader. Der Markt ist klein, etwa 4-8 Anbieter), aber qualitativ gut beschickt, die meisten Gemüseproduzenten kommen aus dem südbadischen Raum. Einmal pro Quartal findet ein Saisonmarkt statt. Seit wir diesen Markt entdeckt haben, kaufen wir unsern WE-Bedarf hier ein.
Matthäuskirche und -marktMatthäusmarkt
Und das Schönste: Nach dem Einkauf Einkehr bei Graziella (Titelbild). Die beste Pasticceria Basels. Seit über 25 Jahren bietet die Familie Guglielmino hier ein erstaunliches Angebot in bester sizilianischer Tradition: Arancini, Torten, Glacé , Kleingebäck wie Sfogliatelle, Pizzette, Panini, gefüllte Cannoli. Samstags gibts zudem eine grosse Auswahl an Minitörtchen, so gross wie ein 5-Franken-Stück, bzw. 5 €-Stück (wer ein solches besitzt 🙂 , gerade recht, um sie von Hand zu einem Kaffee zu essen. Augen zu, Mund auf… wie in Catania. Dabei war ich noch nie dort.
Dienstags und Samstags findet in Luzern entlang der beiden Ufer der Reuss der Luzerner Wochenmarkt statt. Einer der schönsten Frischmärkte der Schweiz. Dagegen ist der Basler Markt ein Armenhaus. Der Besuch des Pastakochkurses bei Lucas Rosenblatt gab (wenigstens) mir Gelegenheit, ihn zu besichtigen. Seit dem Unfall von Frau L. sind wir stark ans Haus gebunden, aber bald wirds hier Sonntags wieder Reiseberichte geben.
Linkes Ufer mit Jesuitenkircheim Rücken das Reuss-Uferein KirschenjahrBiologische SalatabfallverwertungAngusbeefwürsteFromager Beeler. Beste AdresseSchweizer Sieglindeam rechten Reussufer unter der EggGeblumtesEin DDR-VerkaufsschlagerSpreuerbrücke, die zweite HolzbrückeBlick von der Spreuerbrücke
Die Dachgiebel der Kapellbrücke und Spreuerbrücke sind mit 130 dreieckigen Bildtafeln geschmückt und einmalig in Europa. Trotz einem durch Zigarettenstummel ausgelösten, verheerenden Brand der Kapellbrücke im Jahre 1993, bei welchem 48 der dort hängenden 111 Tafeln unrettbar verloren gingen, konnten die Lücken mit weitern 25 Tafeln teilweise geschlossen werde. Diese stammen aus einer 1835 vorgenommenen Verkürzung der Brücke, die im Mittelalter als Wehrgang zum seeseitigen Schutz der Stadt diente. Die Tafeln der Spreuerbrücke wurden von Kaspar Meglinger zwischen 1626 und 1635 als 67-teiliger Totentanz gemalt. Ein Maler der uns in Hergiswald schon begegnete.
Es gibt Ortschaften, durch die man, weil sie die Eigenschaft haben am Nachhauseweg zu liegen, immer wieder kommt. Nie sind sie Reiseziel, immer nur Durchgangsstation. Bestenfalls gut, um einen Kaffeehalt einzulegen. Wangen an der Aare ist ein solcher Ort. Nahe der Autobahn Bern-Zürich gelegen, hält hier keiner freiwillig an. Warum auch nicht ?
Unter dem einen Tor durchist schon das andere in Sichtweite
Das Städtchen ist so klein, dass man, kaum beim einen Tor herein, gleich zum andern wieder rausfällt. Deshalb vermutlich die leichte Krümmung, damit allfällige Feinde die Kleinheit des Widerstandes nicht einschätzen konnten.
Schlossteil und AaretorSchloss, Aareseitig
Die grosse, Schlossanlage, die einen Teil der Stadtbegrenzung bildet, wurde um 1407 von den Kyburgern erbaut, später von den Bernern als Landvogteisitz genutzt. Noch heute sind im Gebäude Teile der regionalen Verwaltung einquartiert. Die Siedlung wurde an strategisch wichtiger Stelle an einem Aareübergang erbaut. Sie schützte diesen und war deshalb von militärischer Bedeutung, war Zoll- und Etappenort für die damalige Aareschifffahrt. Ausserdem, dass wir hier gelegentlich unsern Kaffee trinken, gibt es ein reiches Vereinsleben: unter vielen anderen sind mir der Kaninchenzüchterverein, der Kanu-Verein Aare-Indianer, das Wirtekonsortium Culinarium und eine Trachtengruppe aufgefallen.
Beeindruckend die gedeckte, einspurige Holzbrücke über die Aare aus dem frühen 15.Jahrhundert. Dieses Bild vom Februar, mit spiegelglatter Aare. Welche Betonbrücke würde so lange halten ?
Erst kam unsere Kochschullehrerin mit dem Heft, dann winkte Frau L. mit demselben und wollte unbedingt nach Trubschachen ausgefahren werden. Das war noch vor dem Unfall. Grund: ein Artikel aus der Saisonküche über die Zubereitung der perfekten Rösti. Das Geheimnis der guten Rösti, erklärt von einem Gastwirt aus Trubschachen, im hintersten Chrachen des Emmentals. Frau L. war beeindruckt, der mache seine Rösti genauso wie sie (hier ist ihre Rösti bereits verbloggt) und deshalb wollte sie seine, ihre, meine, unsere Rösti unbedingt in der Höhle des Löwen, bzw. des Bären, das Gasthaus gilt als älterster Bären des Kantons, essen gehen. Bitte. Mach ich gerne.
Die Gaststube voll und verraucht, wir nehmen Platz im Nichtraucherlokal mit dem Charme einer schweizerischen Mehrzweckhalle: darin alles was dazugehört, Fahnenkasten, Töggelikasten, Platz für einen Reisebus. Am Tisch nebenan erklärt ein anderer Gast seiner Begleitung mit Bezug auf das Heft der Saisonküche, dass hier die weltbeste Rösti serviert werde. Na, wenn das nichts ist. Mittags gibts nur die ganz kleine Karte, sonst mag die Küche nicht mehr nach, wird uns beschieden. An Röstigerichten sind Rösti mit Spiegelei, Rösti Zermatt und Rösti mit Leberli zu haben. Nach Bergsteigen und Leberschau ist uns weniger, also bitte mit Spiegelei. Der grüne Salat mit viel geschmacklosem Lollo und Salsa pronto per l’usa wenig verheissungsvoll. Dann die Rösti, im Portionenpfännchen. In der grossen Pfanne vermutlich eher kurz angebraten, Deckel drauf, daher mehr gedämpft als gebraten, nach Bedarf eine Portion abgestochen und im Portionenpfännchen nachgewärmt. Fast keine Knusperkruste, kein Kuchen, nur lose Kartoffelschnipsel. Gewiss nicht schlecht, sorgfältig geraffelt, meist kriegt man sie in Gaststätten weniger gut, aber Frau L. freut sich: das Epizentrum guter Rösti liegt weiterhin in Basel und nicht im Emmental. Der Kaffee schmeckt, wie er im Emmental fast überall schmeckt: nach Gaffee. Einer undefinierbaren Mischung aus Schwarztee, Kakao und Kaffee.
Und weil sich in Trubschachen die grösste schweizerische Biskuitfabrik mit einem Fabrikladen befindet, nehmen wir das Dessert gleich dort: hier werden die Guetzli zweiter Wahl in grossen Beuteln verkauft und von allem kann gekostet werden. Horden ausgehungerter Rentner beim Einkauf von Zehnjahresvorräten an Biskuits. Alles reichlich süss oder zusätzlich mit Industriecouverture überzogen oder gestopft. Das einzige, was uns schmeckt, sind hier die Militärbiskuits, fast ungesüsste petit-beurres, die für das schweizerische Militär hergestellt werden und ewig lagerfähig sind. Davon darf eine Packung mit. Weil die Dinger aber unglaublich trocken sind, musste nochmals ein zweites Chacheli Gaffee her.
Hier in Trubschachen haben Einheimische mit Unterstützung der Biskuitfabrik ein Heimatmuseum eingerichtet. Bestehend aus der traditionellen Siedlungsgruppe Bauernhaus (für die Jungen), Stöckli (für die Alten) und Spycher (für die Vorräte). Im Bauernhaus gibts eine Schautöpferei (die Töpferwaren teils hübsch, teils fürs Gemüt) und ein im emmentalischen Laura Ashley-stil eingerichtetes Töpfercafé. Auch der hier servierte Gotthelf-Café kann trotz schön getöpfertem Chacheli nicht verleugnen, dass er ein Gaffee ist, vermutlich zu Gotthelfs Zeiten geröstet, 150 Jahre gelagert und heute angebrüht. Das wäre doch eine Marktlücke für Kapselkaffeeanbieter: Gotthelfgaffee in der Nes.presso.kapsel. What else ?
Chuehli engobiert und frisch bemaltChatzen engobiert und frisch bemalt
Auf dem Heimweg haben wir uns gute, feisse Geranien geholt, im Emmental wachsen sie mit Kuhmist am schönsten. Am nächsten Tag gabs zuhause eine Rösti, eine perfekte.
Emmentaler GeranienRösti nach Frau L.
Dann noch die paar Schritte auf den Lueg, ein steiler Hügel (887 m) und Aussichtspunkt im Unteremmental, Nähe Burgdorf, der bei gutem Wetter eine schöne Rundumsicht zulässt. Wundervoll das Emmental, Rösti und Gaffee gehören hier einfach dazu.
Obwohl mitten in Basel gelegen, hatte ich noch nicht oft Gelegenheit, mich hier umzusehen. Auf einem grossen, parkähnlichen Areal, den ehemaligen Gärten zweier hochherrschaftlicher Bauten, dem Markgräfischen Hof und dem Holsteinerhof, sind die meisten Bauten des Unispitals eingebettet. Nach dem dreissigjährigen Krieg erwarb der Markgraf von Baden-Durlach in der neuen Vorstadt Landstücke und Bauten, die 1688 Magnus von Baden-Durlach und seiner Gattin Augusta, geb. Herzogin Holstein-Gottorp als Fluchtort vor französischer Soldateska dienten. Die Markgrafen von Baden waren Basler Bürger und lebten zeitweise in der Stadt. Auf einem später verkauften Teil des Grundstückes erbaute der Basler Unternehmer Samuel Burckhardt 1752 einen Landsitz, der nach der Herzogin benannt wurde. Der Holsteinerhof dient heute als Sitz der Spitalverwaltung.
Holsteinerhof AussenseiteHolsteinerhof Parkseite
Nach einem Brandfall wurde in der andern Ecke des Areals ein Neubau, ein etwas klotziges Stadtpalais erstellt, der sog. Markgräflerhof, der im Jahre 1705 bezogen wurde. Zwischendurch als Absteige der Markgrafen für „liederliche“ Damenbesuche genutzt, wurde das Palais Ende des 18. Jahrhunderts von den Besitzern aufgegeben und die Einrichtung in das Karlsruher Schloss überführt. 1807 übernahm die Stadt Basel das Palais und richtete darin ein Bürgerspital ein.
Im Süden ist das Areal durch die Predigerkirche begrenzt. Die Predigerkirche entstand 1233 bis 1237 als Kirche eines Dominikanerklosters. 1356 zerstörte das Basler Erdbeben grosse Teile der Kirche. Nach umfassenden Renovationen wurde während des Bildersturms von 1529 fast die gesamte Innenausstattung zerstört, das Kloster wurde aufgelöst. Später wurde der Chorraum als Fruchtschütte und Salzlager genutzt. An der Innenseite der 60 m langen Friedhofsmauer befand sich der um 1400 gemalte Basler Totentanz, ein mittelalterliches memento mori. Das Gemälde überlebte zwar den Basler Bildersturm von 1529, nicht aber die Achtlosigkeit späterer Generationen. Mauer und Bild wurden 1805 abgebrochen.
MarkgräflerhofPredigerkirche
Die Parkanlagen des Unispitals bieten angenehme Erholung in botanischem Umfeld und laden zu kunstsinnigen Betrachtungen barbusiger Schönheiten ein.
Rhododendrenkunstsinnige BetrachtungenGang in die KantineGang in den Teich
Lange brauchte ich dazu, die Bettenburg in schönster Wasserreflektion zu fotografieren, die Entenviecher wollten sich einfach nicht ruhig verhalten.
Bettentrakt im EntenweiherUnruhestifter
Das letzte Mittagessen im Spital war blogwürdig, zuhause hätte ich das nicht besser hingekriegt: Kalbsgeschnetzeltes, Rigatoni, Ofenkarotten. Gegen ein halbes Glas Rioja habe ich mir die Rechte zur Veröffentlichung eingehandelt.
Frau L., aber der grüne Punkt ?Spitalkost - Blogwürdig
Erfreuliches zum Schluss. Seit heute Freitag mittag ist Frau L. wieder zuhause. Schön geflickt. Aber der Arm wird seine Zeit brauchen. Schwarzwaldklinikerfahren schlüpfe ich nun in die Rolle der strengen Oberschwester Hildegard, sorge gleichzeitig für Küche, Wäsche, Coiffure und Hausdienst und überwache die Rehabilitation. Frau L. steht wieder mit beiden Füssen auf dem Boden und wollte deshalb unbedingt auch einmal ins Bild.
Auf der Nachhausefahrt von einer Trauerfeier wollten wir noch eine kurze, besinnliche Pause einlegen. Am Nordhang des Pilatus ob Luzern, in einer Waldlichtung, liegt die Einsiedelei des Kartäusers Hans Wagner. Einem Schwaben aus Riedlingen, der sich 1489 hier in der Wildnis, von der Kartause Warth her kommend, als Eremit niedergelassen hatte.
Ein knorriger Geselle, Nr. 51 🙂 , lädt zu feinem (ich brings kaum über die Lippen: leckerem) Essen ein. Den lassen wir aber vorerst links liegen. Von der Einsiedelei ist nichts mehr zu sehen. Daraus ist erst eine Kapelle, durch spätere An- und Ausbauten 1651-62 die heutige Wallfahrtskirche entstanden. Im Innern ein Nachbau der Loretokapelle, der berühmten Santa Casa in Loreto, Marche, samt schwarzer Madonna.
SchäferstündchenHergiswald
Der Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes spiegelt sich in der gewölbten Holzdecke, die das ganze Kircheninnere überspannt. Decke und Empore sind mit insgesamt 324 hohen, rechteckigen Bildertafeln (1.5x1m) verziert. Die Verteilung der Tafeln ist nicht zufällig, sondern folgt mystischen Regeln, Quersummen und Primzahlen. Ein bunter Bilderhimmel voller Symbole und Sprüche. Der Zyklus von Bildtafeln, ein riesiges Andachtsbuch, beinhaltet in jeder Tafel die Lobpreisung der Himmelskönigin, dazu werden Ameisen, Elefanten, ein Einhorn, feuerspeiende Drachen, Pflanzen und alltägliche Gegenstände, wie Lupen und Fernrohre aufgeboten. Die Bildtafeln wurden durch den Luzerner Maler Kaspar Meglinger 1654 geschaffen, er orientierte sich an der in der Barockzeit beliebten Sinnbildkunst (Emblematik), einer Mischform aus einem symbolischen Bild und aus einem möglichst kurzen, lateinischen Spruch, dem Motto. Erst im Zusammenspiel erschliesst sich der Sinn des Ganzen.
Der Bilderhimmelnicht getadelt sein wollender AutorBilderhimmelDetails
In meiner Jugend hätte mir die Entschlüsselung dieses phantastischen Bilderrätseltheaters geholfen, langweilige Messen zu überstehen. Einzige Zerstreuung waren für mich damals, farbige Zellophanstreifen (gelb, rot, grün) vor die Heiligenbilder zu halten oder auf die Mädchenseite hinüberzuschielen.
Hinter dem Hauptaltar die Loretokapelle. Das dauernde Hochrecken des Kopfes macht Durst. Wenig empfehlenswert zum Durstlöschen ist das Weihwasser, trotz schöner Flasche und handgeklebter Etikette. Besser schmeckt das im neben dem Gotteshaus gelegenen, ehemaligen Kurhaus ausgeschenkte, etwa gleichteure Bier. Womit ich die kulinarische Kurve knapp gekriegt habe. Goethe war nicht da, hingegen Queen Victoria, die schon einen Blick in die curious church tat.
Einen Tag lang habe ich in Zürich dem süssen Leben gefrönt. Am alljährlichen Schoggitag, Mitte April, Tag der Ausschüttung der Schokoladen-Dividende. Frau L. ist das zu anstrengend, carte blanche für mich. Nach Einbunkern der Schokoladenschätze gings erst den Rennweg hinauf, ein Blick in die süssen Schaufenster der Confiserie Honold.
Honold: kein schlechter BeginnHonold: Aprilkäfer
Durch die Fortuna-Gasse hinauf auf den Lindenhof, allwo sich der Aprilkäfer mit guter Aussicht auf Limmat, Zürich und das Grossmünster geniessen lässt.
FortunagasseLindenhofLimmat, GrossmünsterStrehlgasse, St. Peter
In der Storchengasse lauert die nächste visuelle Versuchung, eine Filiale der Confiserie Teuscher. Wie alle Teuscherläden zauberhaft behängt und dekoriert. Auch im KADEWE anzutreffen.
Von der Schipfe am Limmatufer ein Blick auf das mächtige Rathaus am andern Ufer.
SchipfeRathaus in Barock
Anschliessend am Zunfthaus zu Meisen vorbei, einem traditionellen Zunfthaus, das heute die Porzellan- und Fayencensammlung des Schweizerischen Landesmuseums beherbergt, über die Fraumünsterbrücke ins Niederdorf, dem Amüsierviertel.
Zunfthaus zu MeisenGrossmünster
Im Niederdorf gehe ich nicht etwa in eine Bar oder ein Amüsierlokal, oh nein, hier gilt es zunächst einen Blick in Schwarzenbachs Kolonialwarenladen zu werfen. Der Anblick der im Schaufenster ausgestellten Offenwaren fasziniert mich immer aufs Neue.
Schwarzenbach SchaufensterSchwarzenbach, Laden
Gleich gegenüber von Schwarzenbach liegt das berühmte Café Schober (siehe Titelbild mit Registrierkasse und Macarons). Jahrelang von der Confiserie Teuscher im überladenen Stil der Teuscherläden geführt, wurde das Lokal in den letzten Monaten renoviert und entrümpelt. Der neue Pächter, ein Zürcher Gastronom, hat die im ersten Stock gelegene Backstube wieder in Betrieb genommen. Für die Patisserie und das Kleingebäck wurde der 35-jährige Franzose Patrick Mésiano engagiert, vordem Chefpatissier im Hotel Métropole in Monte Carlo – im Dienste von Joël Robuchon. Schokoladenes stammt von Honold, Tee und Kaffee von Schwarzenbach, die Konfitüren von Catherine Manoël (Comptoir des confitures).
Hier habe ich mein Mittagessen eingenommen, als Hauptspeise eine Cremeschnitte, als Dessert ein Fruchttörtchen. Beides schön anzuschauen, für mich aber etwas zu süss-französisch.
Schober: CremeschnitteSchober: Fruchttörtchen
Wohlgestärkt gehts, nein, wirklich nicht ins Vergnügungsviertel, sondern durch malerische Altstadtgassen des Niederdorfs zurück über die Limmat.
Und zum Abschluss noch schnell zu Sprüngli an der Bahnhofstrasse, sich die Luxemburgerli beschauen, wie die Macarons hier seit deren Einführung im Jahre 1958 heissen. Alles in edlen Pastellfarben. Schön anzuschauen, aber nicht mein Fall.
Der Ort Hindelbank hat in der Schweiz einen eher verruchten Klang. Standort der einzigen Vollzugsanstalt für straffällige Frauen. Vor 100 Jahren noch mit dem martialischen Namen „Zwangsanstalt für Weiber“ benannt. Damit hat es sich aber keineswegs. Hieronymus von Erlach, 1667-1748, ein Berufsoffizier in Diensten Österreichs, der als Vertrauter des Prinzen Eugen zum Feldmarschallleutnant aufstieg und u.a. alle Feldzüge des spanischen Erbfolgekrieges mitmachte, liegt in Hindelbank begraben.
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er Ratsmitglied und schliesslich Schultheiss seiner Heimatstadt Bern. Hieronymus v.E. baute sich in Hindelbank ein Schlösschen im Versailler Stil. Daneben in Bern ein Stadtpalais und vorher schon Schloss Thunstetten. Nach seinem Tod wurde der Berliner Bildhauer Johann August Nahl (1710-1781) beauftragt, zu seinem Gedenken ein Grabdenkmal zu schaffen. Ein Künstler, der sich bei der künstlerischen Ausstattung des Stadtschlosses und der Schlösser in Potsdam und Charlottenburg einen guten Namen gemacht hatte. 1746 entzog er sich seinem Schirmherr, Friedrich dem Grossen, durch Flucht nach Bern. Während der Arbeit am Denkmal des Hieronymus v.E. bot ihm Pfarrer Langhans gastliche Aufnahme im Pfarrhaus. Die hübsche Pfarrersfrau, die auf den Frühling 1751 ihr erstes Kind erwartete, starb am Vorabend des Osterfestes, 28-jährig an der Geburt eines Knaben, der kurz darauf auch verstarb. Leid und Elend, die innert weniger Stunden über die Familie hereinbrachen, waren Anlass für Nahl, aus freiem Willen eine Grabplatte zu schaffen, als Denkmal des Lebens und der christlichen Auferstehungshoffnung. Der Stein, aus einem einzigen Block gehauen, scheint auf der Grabplatte in drei Stücke geborsten zu sein. Im aufgebrochenen Spalt drängt die zu ewigem Leben erweckte Frau mit dem Kind ans Licht empor.
Ein ergreifendes Werk, das im 18. Jahrhundert, an der Schwelle der Aufklärung unter Bildungsreisenden hohe Beachtung fand und in unzähligen Kopien in Gips und Porzellan in Europa verbreitet war.
Der nächste Gang galt Schloss Hindelbank, Verwaltungssitz der Strafanstalt. Zufahrt verboten. Gelände eingezäunt. Nur die Nordseite ist zugänglich. Es wurde 1720 für Hieronymus von Erlach durch Daniel Stürler nach Plänen von Joseph Abeille gebaut. Vorbild war das ebenfalls 1714 bis 1715 ebenfalls für Hieronymus von Erlach errichtete Schloss Thunstetten. Bis ins Jahre 1866 war das Schloss Hindelbank Sitz der Familie von Erlach und ging danach in den Besitz des Kantons über. Zunächst wurde er als Armenanstalt, ab 1896 als „Zwangsarbeitsanstalt“ für Frauen genutzt.
Schloss, WirtschaftsflügelSchlosswache in RuhestellungSchloss, Rückseite durchs GitterSchloss, Rückseite mit Gitter
Mein Fotografieren blieb der Videoüberwachung nicht unbemerkt. Den Fotoapparat noch in der Hand, wurde ich von einer Radpatrouille angehalten und kontrolliert. Das Eingeständnis meiner Schuld und mein Anerbieten, mich gleich an Ort arrestieren zu lassen, wurden aber abgelehnt. Nicht mal in der Küche wollten sie mich beschäftigen. Nach Kontrolle des Fotoapparates und Fürsprache von Frau L. wurde ich wieder laufen gelassen.
Noch was: Johann Wolfgang von Goethe war auch da. Nicht in der Zwangsanstalt, am Grab der Frau Pfarrerin.
Sauerbraten, HärdöpfustockBlutorangengratin mit Parfait
Mittagessen war, 5 Fahrminuten von Hindelbank entfernt, in Fraubrunnen, wo wir einmal mehr den auf diesem Blog bekannten Sauerbraten mit dem weltbesten Härdöpfustock mit einem Blutorangengratin als Dessert genossen.
Wie im Bilderbuch präsentierte sich Ende März die kleine Insel Schwanau im flachen Lauerzersee, im Kanton Schwyz. Schwanau leitet sich von schwenden ab, urbar machen durch Rodung. Anders als Neu-Schwanstein in Bayern. Die Burganlage geht etwa auf das Jahr 1200 zurück, das Inselchen war im Besitz der Lenzburger, Kyburger, später der Habsburger. Vom Bergfried aus hatte man den Weg durch das Tal zum Gotthard unter Kontrolle. 1684 wurde die kleine Kapelle St. Johann errichtet, 1799 wurde alles durch die Franzosen zerstört. Lange war die Insel im Besitz eines Landeshauptmanns von Schwyz und Johann Wolfgang von Goethe war auch schon da. Aber wo überall war der nicht ? Hier kann man sich, wäre das Gasthaus derzeit nicht in Sanierung begriffen, mit einer Glocke am Ufer bemerkbar machen und wird mit einem kleinen Boot zu Speis und Trank abgeholt.
Daraus wurde nichts, so haben wir im Rössli in Lauerz zu Mittag gegessen. Alles von guter Qualität, ordentlich gekocht oder vielmehr recht, wie man hier sagt. Nichts zu klagen. Der Wirt und Küchenchef jammert am Stammtisch über den schleppenden Geschäftsgang, während die Küchencrew über die gesamte Mittagszeit auch ohne ihn locker zurecht kommt. Wie war das in Sursee ? Volle Bude. Eigenartig.
Weiter in den Kantonshauptort, die Gemeinde Schwyz. Die geschichtliche Entwicklung des Fleckens Schwyz ist eng mit der Gründung und dem Werdegang der Eidgenossenschaft verbunden. 972 wurde er erstmals urkundlich als Suittes erwähnt. Spuren einer merowingischen Kirche aus dem 8. Jh. und noch ältere Alemannengräber verweisen auf eine Besiedelung aus dem Norden. Frühmittelalterliche Steuerflüchtlinge.
Schwyz HauptplatzHauptplatz Brunnen-mändl
Ein verheerender Brand im Jahre 1642 vernichtete einen Grossteil der zentral gelegenen Bauten, meist Holzbauten. Aber auch die gotische Kirche St. Martin und das alte Rathaus. Nur wenige Häuser, darunter das Haus „Bethlehem“, als ältestes Gebäude von Schwyz, blieben verschont. Das neue Schwyz wurde danach in barockem Stil wieder aufgebaut. Der prachtvolle Dorfplatz, umsäumt von der dominierenden Pfarrkirche, dem Rathaus und den Herrenhäusern ist ein schöner, aber auch verkehrsumbrauster Platz. Eindrücklich das bereits 1643 auf den alten Grundmauern wieder aufgebaute Rathaus. 1891 wurden zur 600-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft zwei Fassadenseiten mit pathetischen Darstellungen zur Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft vom Münchner Historienmaler Ferdinand Wagner bemalt. (u.a. bemalte er auch den Passauer Rathaussaal)
Schwyz: RathausSchwyz: Rathaus
Typisch für Schwyz sind nicht nur das historische Zentrum, sondern auch die am Rande des Dorfes verstreuten stattlichen Patrizierhäuser aus dem 17. und 18. Jhdt., die meisten noch in Privatbesitz. Zeugen des durch Reisläuferei in fremden Armeen erworbenen Wohlstandes. Das schönste dieser Herrensitze ist die Ital Reding Hofstatt. Ital Reding der Jüngere, ermordet 1466 in Oberarth, war Schwyzer Landammann, Heerführer der Acht alten Orte und Hauptverantwortlicher für die „Bluttat von Greifensee“. Ein an der 62-köpfigen Zürcher Besatzung von Burg und Städtchen Greifensee 1444 verübtes Massaker während des alten Zürichkriegs, ein Konflikt zwischen dem aufstrebenden Zürich und den sieben alten Orten der Eidgenossenschaft um das Erbe der Grafen von Toggenburg. Gottfried Keller hat den Stoff im ersten Band der „Züricher Novellen“ beschrieben (Der Landvogt von Greifensee).
Schwyz: MetzghofstattSchwyz: Ital Reding Hofstatt
Zum Abschluss des Besuches einen Kaffee im ersten Haus am Platze, der Confiserie Haug, 1889 durch den aus Stuttgart zugewanderten Gustav Haug gegründet. Heute echte Schwyzer mit einem Angebot ebensolcher Törtchen und Confiserie.
Sursee, am oberen Ende des Sempachersees gelegen, zwischen Olten und Luzern. Schuld am Besuch dieser Kleinstadt ist die Firma Nivea. Und das kam so: Seit 1 Jahr benutze ich die Deos dieses erfolgreichen Unternehmens: Männerlinie. Das darin enthaltene, aggressive Aluminiumsalz hat es aber fertiggebracht, all meine Unterwäsche innerhalb kürzester Zeit anzufressen, zu durchlöchern, zu verfärben, allenfalls noch als Putzlumpen geeignet.
Nun begibt es sich aber, dass das grösste Schweizerische Unterwäscheunternehmen (die Schweizer C., nicht die Nina von C.) ihren Hauptsitz samt Fabrikladen in Sursee aufgeschlagen hat. Darin habe ich mich auf meine, nicht auf Kosten der Nivea, in Sachen Weisswaren vollständig rundumerneuert. Nein, kein Feinripp. Anlass um dem Städtchen einen Besuch abzustatten.
das spätgotische RathausBecksches Haus
Der Ort geniesst seit 1299 Stadtrechte, die von den Grafen von Kyburg (wir sind ihnen schon in Freiburg begegnet) im 13. Jhdt. und die Habsburger im 14. Jhdt. durch Handels- und Zollrechte erweitert wurden. 1415 wurde Sursee durch die Luzerner erobert, konnte sich aber als wichtiger Etappen- und Marktort an der alten Gotthardroute und als Sitz wichtiger Klöster gewisse städtische Rechte und Freiheiten im luzernischen Untertanenland wahren.
St. UrbanhofStadttheater Neubau 1926
Sehenswert u.a. das Untertor (Titelbild), das spätgotische Rathaus mit dem Pranger, das 1631 im Renaissancestil erbaute Wohnhaus für den späteren Schultheissen Ludwig Schnyder von Wartensee (Beck’sches Haus), der St. Urbanhof, in welchem Herzog Leopold III. von Österreich vor der Schlacht bei Sempach rastete. Merkwürdig das Stadttheater, das von einem Theaterverein und begeisterten Laien seit über als 200 Jahren bespielt wird. Das in einem Ort mit 8700 Einwohnern (!). Die Lustige Witwe ist eben abgespielt, aber rufus ist ja fleissig am üben.
Auffallend die vielen prachtvollen Wirtshausschilder, die auf die Vergangenheit des wichtigen Etappenortes an der Gotthardroute hinweisen. Senkt man jedoch den Blick vom Wirtshausschild in das aktuelle Lokal, befällt einen tiefste Depression. Pubs, Bars, Kneipen, Cafés. Nichts mit Kutteln nach Mailänder Art. Das war einmal. Mittagessen für Fr. 2- (ca. 1.30 €) sowieso.
Gegenwart und VergangenheitVergangenheit und GegenwartLöwen: BarHirschen: CaféKrone: LadenSchwanen: Bar
Erwähnung verdient auch der Gansabhauet. Bei diesem Volksfest, das alljährlich an Martini stattfindet, wird eine (tote) Gans über einer Bühne vor dem Rathaus aufgehängt. Junge, mit rotem Mantel und Sonnenmaske verkleidete junge Leute versuchen abwechslungsweise, ohne etwas zu sehen, der Gans in einem Säbelhieb den Kopf vom Rumpf zu trennen.
Bahnhöfli mit Mäxle
Gegessen haben wir ein sehr erfreuliches Mittagsmenu, gute Qualität zu anständigen Preisen, freundliche Bedienung, im Restaurant Bahnhöfli, ein im Laubsägelistil (19. Jhdt) erbautes, ehemaliges Bahnhofsgebäude der längst stillgelegten Sursee-Triengen-Bahn.
Aluminiumchlorohydrat wird übrigens von vielen Deo-herstellern, nicht nur Nivea, eingesetzt. Wirksam. Aber ein Wäschemörder. Hat lange gedauert, bis ich den Urheber identifizieren konnte.
Bei neblig-trübem, kaltem Februarwetter, das nicht nur Frau L., sondern auch dem Fotoapparat dumpf auf die Befindlichkeit drückte, habe ich mit Madame L. spontan Fribourg besucht, die Stadt an der Saane, Neuland für uns. Das Wetter auch hier nicht anders und dennoch ein Ausflug voll Überraschungen: ein gut erhaltener, grosser, geschlossener, mittelalterlicher Stadtkern, ein gutes Fondue moitié-moitié und ein Besuch im Fabrikladen einer Schokoladefabrik.
Freiburg wurde, wie später Bern, im Jahr 1157 durch Herzog Berthold IV. von Zähringen auf einer hohen Felsnase, die von drei Seiten von der Saane umflossen wird, gegründet. Eine Stadtherrschaft zunächst ohne nennenswerten Umschwung. Mit dem Erlöschen des Geschlechtes der Zähringer erbten die Kyburger die Stadt, die sich in den folgenden Jahren durch Bündnisverträge mit den Nachbarstädten absicherte. 1277 gelangte die Stadt durch Kauf an die Habsburger. In der Folge dehnte die Stadt ihr Territorium durch Kauf auf angrenzende Landgebiete aus. 1452 bis nach den Burgunderkriegen geriet die Stadt in den Einflussbereich des Herzogtums Savoyen, konnte sich aber mit der Teilnahme an den Kriegen gegen Karl den Kühnen von den Savoyern lösen und dabei Gebiete aus savoyischem Besitz erbeuten. 1478 erhielt Freiburg 1478 den Status einer freien Reichsstadt, 1481 erfolgte der Beitritt zur Schweizerischen Eidgenossenschaft. Weiterer Gebietszuwachs auf Kosten der Savoyer erfolgte im 16. Jahrhundert zusammen mit Bern bei der Eroberung des Waadtlandes und bei der Aufteilung der Grafschaft Greyerz.
Während der Reformationszeit blieb Freiburg beim alten Glauben, während Bern zum neuen übertrat. Freiburg blieb bis heute in der Schweiz eine prägende Statte und Kaderschmiede des Katholizismus.
Unsern Rundgang haben wir beim Rathaus, aus dem Jahre 1522, begonnen. Entlang der Hauptstrasse, der Grand-Rue sehenswerte Häuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Zwischendurch ein Blick auf die Kathedrale St. Nicolas.
Rathaus, Hôtel de VilleSt. Niklauskathedrale, Grand Rue
Vom Burgquartier fällt die Stadt plötzlich steil in das Quartier d’auge ab. Viele gotische und spätgotische Häuser sowie idyllische, mit Brunnen (Samariterbrunnen, Annabrunnen) geschmückte Plätze.
Der steile StaldenSamariterbrunnen
Nach dem Abstieg in die Unterstadt kann Frau L. wegen der gefühlten 800 m Höhenunterschied nicht mehr, zuviel für sie. Ein Geschenk, dass es eine nur von Wasserkraft betriebene Standseilbahn (funiculaire) gibt, die uns wieder nach oben bringt.
Kaserne: grosse und kleine Katzenpont und eglise St. JeanUnterstadtlokalWasserbetriebenes TaxiMittelalter in der Oberstadt
Rue de Lausanne und Kathedrale
Fondue im St. GothardSinger-Pfaff Fondue
Mittagessen gabs im Café Restaurant St. Gothard, für gute Restaurants habe ich eine Nase, ein Fondue moitié-moitié (also halb Greyerzerkäse, halb Freiburger Vacherinkäse mit Brot und Pellkartoffeln. Wie heisst es doch in der Schweiz: Fondue isch guet und git gueti Lunä ! Herrlich das elektrische Mobile an der Decke. Alte Nähmaschinenbestandteile dienen als Antrieb für einen Fonduebrottunkautomaten.
Angebot und Einkaufskorb L.Kaffeeausgabesäulen
Früher gabs in der Schweiz die Villars Ladenkette, vergleichbar etwa den Kaiser Kaffeegeschäften in D. zur selben Zeit: Kaffee, Schokolade, Tee. Angeboten von Ladentöchtern in dunkeln Vollschürzen mit Spitzenhäubchen. Die grösste Köstlichkeit waren die Kirschgefüllten Tafelschokoladen, sehr beliebt bei uns Kindern (1 Täfelchen aufs Mal).
Die Ladenkette ist verschwunden, samt ihren Mahagonimöbeln und nickelüberzogenen Registrierkassen. Überlebt hat eine kleine Schokoladefabrik, die sich in der Region noch tapfer behauptet, nach deren Produkten man aber ausserregional schwer suchen muss. Nach einigem Umherirren haben wir den Fabrikladen gefunden. Ein Café, ein kleines Museum. Frau L. hat sich unsern Einkaufskorb mit Kirsch, Williams, Abricotine und Damassinepflaumenschnaps Schokoladen gefüllt. Das war dann der etwas abrupte Abschluss der Fastenzeit. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt.
Mehrmals im Jahre besuchen wir Gland. Gland liegt am Genfersee zwischen Lausanne und Genf und zeichnet sich durch das grösste und schönste und teuerste Gartencenter der Schweiz aus. In unserer Fasnachtsfluchtwoche war es wieder soweit: gerade rechtzeitig zum Bestaunen der früchtebehangenen Pflanzen in der Orangerie und der ersten Magnolien. Hier am milden Genfersee ist alles früher als anderswo. Während wir noch unter Kälte und Schnee bibberten, blühte es hier bereits, wenn auch gewächshausunterstützt.
Limonen ?Alamondinen ?Kumquats !Kumquats ?Zitrone Buddhas Fingersdefinitiv keine Zitrusfrucht
Von Buddhas Hand hätte ich mir gerne einen Finger abgeschnitten, aber doch nicht getraut, wie der schmeckt, muss man bei katha erfragen, ihr wurde die Reliquie von Tim Raue persönlich auf den Teller geraffelt.
Typisch für dieses Gartencenter: alles was auf einen bestimmten Pflanztermin angeboten wird, liegt gleichzeitig in einer unglaublichen Fülle von Sorten auf. 2 Wochen später ist das Sortiment meist heruntergekauft und der nächste Schub Pflanzen wird ausgerollt. Hier gibts alles, Schlag auf Schlag folgen sich: Setzzwiebeln und Setzkartoffeln, Magnolien, Frühjahrsblüher, Gewürzpflanzen, Salatstecklinge, Geranien, Goldfische, Rosen, Beeren, Olivenbäume jeder Grösse und jeder Preislage, Grillgerät, Gartenwerkzeug, Gartenchemie, Kakteen, Einrichtungen und Dekorationen für den Gartensitzplatz, für das Gartenhaus usw. Hier macht die Auswahl Qualen und nur der Kofferraum, der Geldbeutel und die Vernunft sagen Halt. Ich empfehle, von zu Hause etwas warmes Essen mitzunehmen (es könnte das letzte gewesen sein), die Kreditkarte zuhause zu lassen und sich über einen max. auszugebenden Bargeldbetrag zu einigen. Ich übernehme jedenfalls keine Verantwortung bei Nichteinhalten meiner Empfehlungen !
Kamelien vermeintlich MagnolienLavendelhain
Wie edel und teuer dass es hier zugeht, belegt ein Blick auf einen der gedeckten Gartentische im Gartenhaus mit individuellen tastevins in Silber:
Picknick im Gartenhaus
Was ich eingekauft habe ? 2 Ballen Frühstorfer Pflanzerde, für uns im Jura beginnt die Pflanzzeit gottseidank erst im Juni. Dafür leisteten wir uns nachher Malakoffs mit Silberzwiebeln und Cornichons, die berühmten Käsebeignets der Gegend, von denen ich bereits hier einmal berichtet habe:
Les Malakoffs gegessen in Luins
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