Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-4923 Wynau: Brunnenkressekulturen

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Brunnenkresse (Nasturtium officinale) wächst am oder im Wasser. Ihre Wurzeln breiten sich auf Bach- oder Teichböden aus und halten sich dort fest. Die dunkelgrünen, runden Blätter wachsen auf der Wasseroberfläche dem Sonnenlicht entgegen, die Pflanze wird etwa 50 cm hoch. Roh gegessen schmeckt sie scharf und kann es damit sogar mit ihren Verwandten, dem Meerettich oder dem Rettich aufnehmen. Eigentlich wächst sie in ganz Europa, wird aber nur an wenigen Orten kultiviert. Der grösste Teil der in der Schweiz produzierten Brunnkresse kommt aus den Mumenthaler Weihern bei Wynau. Wo liegt das ?
Mathias und Ingrid Motzet, Wynauer Brunnenkressekulturen, produzieren pro Jahr etwa 20 Tonnen Brunnenkresse die vorwiegend an Kräutersalzhersteller, den Gemüsegrosshandel, aber auch an kleinere Händler, die Gastronomie und Private gehen. Vor über 100 Jahren hat der Grossvater von Mathias Motzet das Potential der gewässer- und quellenreichen Gegend nahe der Aare in Wynau erkannt und mit der Kultur dieser so würzigen Salat- und Gewürzpflanze begonnen. In etwa 30 der Becken auf etwa 60 Aren wird heute noch Brunnenkresse angepflanzt.
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Die Setzlinge werden im Herbst in den humösen Boden der Becken gesteckt. Parallel zum Wachstum der Pflanze wird das Wasser gestaut. Geerntet wird das ganze Jahr, sogar im Winter, da das Wasser aufgrund der Strömung in den Becken nur bei extremsten Bedingungen gefriert. Einzig während der Blüte im Juni wird nicht geerntet.

Die Ernte ist hier mühsame, tägliche Handarbeit in gebückter Haltung, in Fischerstiefeln im Wasser stehend, im Winter mit der Sense, in den andern Jahreszeiten mit der Handschere. Offenbar schätzen auch die Wildenten und Graureiher das köstliche Grün in Bioqualität. Bei einbrechender Dämmerung müssen sie umgehend mit Lärm und gutem Zureden aus den gewählten Schlafstätten vertrieben werden, sonst wären die Teiche rasch leergefressen. Aktuelle Sorgen sind der in den letzten Jahren stetig sinkende Grundwasserspiegel aufgrund verschiedener menschlicher Eingriffe in die Natur und ihre Grundwasserströme. Die nächste Generation hat sich anders orientiert, dann wird der Betrieb wohl verkauft werden müssen. Schade. Erhältlich ist die Wynauer Brunnenkresse bei vielen Gemüseanbietern in der Schweiz. Die 500 g, die wir hier gleich gekauft haben, waren innert zweier Tage gegessen. Roh und als Kressesüppchen, Morgen.
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CH-4058: Basel 06.30h

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Die Stadt beginnt langsam zu erwachen. Für mich die schönste Tageszeit. Die Dunkelheit noch so tief, dass sich Schönes wie Hässliches nur in Umrissen offenbart. Ausser ein paar Joggern noch kaum Menschen unterwegs. 20 Minuten rheinaufwärts spazieren, bis zum Park „Solitude“ und zurück. Das gefällt mir. Und dann drei Tassen Schwarztee, vom Guten. Daneben drei Partien Patience, italienisch Solitaria. Anschliessend die Frage: was koche ich heute ?

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CH-4000 Basel: Weihnachtsmarkt

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Dem Weihnachtsrummel gehe ich seit Jahren aus dem Wege. Zuviel Kommerz. Den vom Tourismusbureau initiierten Basler Weihnachtsmarkt habe ich heuer zum ersten Mal besucht. Der liegt mir sozusagen vor der Haustüre und Nürnberg ist weit weg. Der Platz rund um die Barfüsserkirche ist mit Holzbuden nett hergerichtet und wirkt nach dem Eindunkeln recht stimmungsvoll.  CH-4000 Basel: Weihnachtsmarkt weiterlesen

CH-7742 Poschiavo

Poschiavo
Vorletzte Station auf meiner Reise durchs Grenzland. Poschiavo, Hauptort des Puschlavs. Vom Veltlin heraufkommend, sind von der Strasse aus die Crotti von Brusio zusehen. Uralte, ohne Mörtel nur aus Steinen erbaute Kuppelgewölbe, ein wenig an die Bories der Provence erinnernd. Genutzt wurden sie einstmals zur kühlen Aufbewahrung von Nahrungsmitteln. Zwischenhalt am Lago di Poschiavo. Tee auf der Hotelterasse in La Prese mit Seeblick. Fast wie an der Ligurischen Küste. Nur die Berge stehen breitspurig im Weg. CH-7742 Poschiavo weiterlesen

I-23100 Sondrio

Sondrio

Sondrio, Hauptort der gleichnamigen italienischen Provinz (Lombardei) und größter Ort des Valtellina mit rund 25000 Einwohnern. Banken, Kleingewerbe, Handel, Beamte, Schulen. Kleinstadt. Von Chiavenna her kommend, verläuft der grösste Teil der Strecke über die SS 38, eine dieser grauenhaft gesichtslosen Strassen. Das Zentrum der Stadt bildet die Piazza Garibaldi, in der Mitte das Denkmal und drumherum der schöne Parkplatz, den die Veltliner dem Staatsgründer Garibaldi gestiftet haben. Seit 2 Jahren ist davon nichts mehr zu sehen, der ganze Platz wird umgepflügt. Das beste Lokal, das Soazza, im Umbau. I-23100 Sondrio weiterlesen

I-23022 Chiavenna

Chiavenna Piazza Pestalozzi
Fährt man, vom Oberengadin her kommend, das Bergell hinunter, so überschreitet man in Castasegna die Landesgrenze. Hier beginnt das Valchiavenna als natürliche Fortsetzung des schweizerischen Val Bregaglia. Nach wenigen Kilometern erreicht man Chiavenna. Chiavenna, ein alter Transitort; hier teilen sich die altrömischen Passrouten entweder über den Splügenpass oder den Septimer-Saumpfad. Beide enden an der Julier-Route. Für uns ist Chiavenna eines der schönsten Alpenstädtchen, Italianità alpin. I-23022 Chiavenna weiterlesen

CH-7610 Soglio: Kastanien und Anderes

Soglio Palazzo Salis 

Alt und bequem, wie wir geworden sind, beginnen wir unsere Wanderung in Borgonovo, einem hübschen Strassendorf mit Häusern aus dem 17. und 18. Jhdt., laufen entlang der Via Bregaglia über Coltura bis Promontogno und nehmen dort das Postauto bis Soglio. Soglio liegt auf einer Sonnenterrasse mit wundervollem Ausblick auf die Bergeller Alpen. Das Dorf, bestehend aus vielen kleinbäuerlichen Häuslein, Ziegen- und Kuhställen und den fünf im 16. und 17. Jhdt durch die einflussreiche Dynastie der Familie von Salis-Soglio erbauten Palazzi. Im Bild der Palazzo Salis (Casa Battista), heute ein gepflegter Albergo mit schönem Garten. CH-7610 Soglio: Kastanien und Anderes weiterlesen

CH-7516 Maloja: Renato Giovanoli, Bauer und Metzger

Pila
Im Weiler Pila, von Maloja Posta aus in wenigen Minuten auf steiler Naturstrasse mit Wanderschuhen oder 4×4 zu erreichen, lebt und arbeitet Renato Giovanoli, Bauer und Metzger. Eine Institution für Würste und Trockenfleisch im Oberengadin. Wer ihn trifft, glaubt einen Nachfahren von Karl Marx vor sich stehen zu haben. Grau sind seine ehedem pechschwarzen Haare geworden. 73. Wer eintritt, wird mit einem an der Wand aufgehängten, anarchistischen Ausspruch konfrontiert: „Lo stato nega la libertà – la libertà nega lo stato“. Das Zitat hat aber nichts mit seinen politischen Ansichten und schon gar nichts mit seinen Salsizen zu tun. CH-7516 Maloja: Renato Giovanoli, Bauer und Metzger weiterlesen

CH-7500 St. Moritz: Berkel Aufschnittmaschine

Berkel Aufschnittmaschine Erste Station meiner Reisen im Grenzland. (Näheres siehe hier).

Zu St. Moritz Dorf fällt mir nichts ein. Ein grässlicher, zuschanden gebauter Unort. Spielball der Immobilien-, Hotelburgen-, Finanz- und Baulobby. Die einzige Sehenswürdigkeit die mir gefallen hat: die Berkel-Aufschnittmaschine in der Metzgerei-Boutique Hatecke in St. Moritz. Einer Filiale des Unterengadiner Edel-Wurst-Metzgers. ich hab über seine Würste hier schon berichtet. Die Berkel: Ein Wunderwerk der Fleischschneidetechnik. Neid. Gedreht wird am Schwungrad am linken Bildrand. Dann bewegt sich der Wagen automatisch mit. Das müsste man filmen. Als Trost hab ich mir 3 Salsize mit nach Hause gebracht.

Den Rest von St. Moritz kann man vergessen. (Das Engadinermuseum, das Segantini-Museum und die Landschaft um den Ort herum lassen wir mal beiseite).

Leid tut mir Frau L.: Der schöne Regenmantel in einer Edelboutique hätte ihr gefallen. Antwort auf die Frage nach dem Preis:  7500 Fr (fast 5000 Euro). Frau L., die sonst allzeit bekennende Missoni-Liebhaberin, leicht geschockt: wie bitte ? Antwort der Verkaufsdame: „Das ist ein Donna Karan-Mantel !!!!!! „. Begleitet von einem vernichtenden Blick auf unsere Wanderbekleidung. Ab.
Das Zweitschönste an St. Moritz: die endlos lange, unterirdische Rolltreppe, mit der man vom Dorfkern wieder zur Tiefgarage fährt. Die Benützung der Rolltreppe ist gratis. Nochmals rauf, rechtsumkehrt, dann wieder runterfahren, das beruhigt. Nichts wie weg hier. Lieber Herr Kurdirektor: St. Moritz ist nichts für uns. Das liegt vielleicht an uns. Und Rolltreppenfahren kann man auch anderswo.

Grenzland

Grenzland Veltlin Bergell Valposchiavo

Stationen einer Reise durch südliche Alpentäler der Schweiz und Italiens. In den folgenden Wochen werde ich in unregelmässiger Folge über meine Impressionen berichten und dazu ein paar lokale Gerichte nachkochen. Nicht mehr als etwa 5-10 posts. Stay tuned.

Annäherung an eine Landschaft, kulturell und kulinarisch, bedeutet für mich immer zuerst Annäherung an deren Geschichte. Das Veltlin war zwischen 1512 bis 1798 graubündnerisches Gebiet. Ein Spielball europäischer Machtpolitik, wechselnder Allianzen und von Gewalt. Interessant. Geschichte, aus der man lernen kann über das Verhalten der Menschen. Leider ist nur niemand bereit, aus der Geschichte Lehren zu ziehen, war es niemals.  Grenzland weiterlesen

CH-6535 Roveredo: Salumeria Fagetti

Salami FagettiAm untersten Ende des Misox, einem Bündner Südtal, liegt Roveredo. Der Ort zweigeteilt durch die Nationalstrasse 13. Wer in Richtung Süden, ins Tessin oder nach Italien reist, oder sich auf der Heimfahrt befindet, wird hier kaum anhalten wollen. Ein Bericht im NZZ Folio 5/2007 hat mein Augenmerk auf eine Besonderheit dieser Ortschaft gelenkt. Im Ort finden sich gleich zwei traditionelle Metzgereien, also etwa gleichviel wie in der Möchtegern Kultur- und Grosstadt Basel. Die eine, Macelleria Fagetti, ist im Tessin bekannt ob ihrer südalpinen Fleisch-spezialitäten. Salami vom Hausschwein, Wildschwein, Pferd, Esel, dann Luganighette, Rauch- und Trockenfleisch-spezialitäten.  Wenn schon die Tessiner nach Roveredo reisen, um sich mit diesen Köstlichkeiten einzudecken, ist mir der Weg dahin nicht zu weit. Auf dem Gotthard der erste Schnee. -2°C. Aber wenn Herr L. Salami im Kopf hat, hats für anderes keinen Platz mehr. (Zitat Frau L.) Dann fährt er auch mit Sommerreifen durch Schneematsch. CH-6535 Roveredo: Salumeria Fagetti weiterlesen