Was macht man in Meggen, wenn der den ganzen Samstagmorgen dauernde Kochkurs nachmittags von einer Pause unterbrochen wird, bevor die Kocherei am frühen Abend wieder losgeht ? Als Koch hat man Anrecht auf eine Zimmerstunde, als Blogger eilt man ruhelos zur nächstgelegenen Sehenswürdigkeit, hier dem Schloss Meggenhorn.
zu vermietenLinks: Schloss. Rechts: Kapelle. Das Hochzeitspaar unter den Sonnenschirmen
1240 wurde „Mekkenhorn“ erstmals in einem Vertrag zwischen dem Kloster Engelberg und Graf Rudolf III. von Habsburg erwähnt. 1406 gelangte die Herrschaft an die Stadt Luzern und bis ins 16. Jahrhundert gehörten Teile des Landsitzes zum Chorherrenstift St. Leodegar in Luzern.
1626 kaufte der Luzerner Patrizier Ludwig Meyer von Schauensee das Landgut und arrondierte es mit Haus und Gutshof, wie es heute noch besteht.
Links die Frömmigkeit, Rechts die AussichtSchloss und Bauer. Oben und Unten.Der Schlossgutseigene Wein wird hier erzeugt
Schloss Meggenhorn erhielt seine heutige Form in den Jahren 1868-70 nach dem Vorbild des Loire-Schlosses Chambord. Die neugotische Kapelle kam 20 Jahre später im Auftrag der damaligen Besitzerin Baronin Heine-Kohn hinzu.
Hier lässt sich wohlseinBuchsheckenwarzen
1975 erwarb die Gemeinde das Anwesen von der Familie Herwarth-Frey. Heute ist es Sonntags öffentlich zugänglich und wird für Anlässe, Trauungen etc. vermietet.
drittschönste Aussichtsbank der Schweizstimmt doch ?
Die Dorfsiedlung Mellingen stammt aus alemannischer Zeit, liegt auf der linken Seite der Reuss, die hier von Südosten nach Nordwesten fliesst. Das Dorf gelangte im Hochmittelalter in den Besitz der Grafen von Lenzburg, welche auf der linken Reuss-Seite im Bereich der Stadtkirche ein Gotteshaus (1045 erstmals erwähnt) bauten. Das heutige barocke Kirchengebäude entstand in den Jahren 1675/76. Erhalten geblieben ist der Kirchturm aus dem 13. oder 14. Jahrhundert, der jedoch seither freistehend ist und nicht direkt mit dem übrigen Gebäude verbunden ist.
Nach dem Aussterben der Lenzburger ging der Raum Mellingen durch Vererbung an die Kyburger. Diese gründeten um 1230 das eigentliche Städtchen Mellingen am linken Ufer der Reuss und liessen eine Ringmauer errichten. Seit 1253 besteht eine Brücke über den Fluss. Die Habsburger, welche 1273 Landesherren geworden waren, verliehen Mellingen 1296 das Stadtrecht. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Mellingen wurde Bestandteil der Grafschaft Baden, vermochte aber sein Marktrecht und seine gerichtliche und politische Autonomie zu bewahren.
Stadtkirche MelligenPortal der Stadtkirche Melligen
Der Verkehr zwischen Baden und Bremgarten bzw. Lenzburg zwängt sich über Reussbrücke und die beiden engen Stadttore. Das Stimmvolk des Kantons hat am 15. Mai aber endlich dem Bau einer Umfahrungsstrasse zugestimmt.
Das Zentrum Mellingens ist die mittelalterliche Altstadt. Die etwa 100 m kurze Hauptgasse zwischen Brückentor und Zeitturm teilt die Altstadt in ihrer Mitte. Entlang der Längsachse verlaufen zwei parallele Strassenzüge.
Brückentor Melligen mit AutosZeitturm Melligen mit AutosScheunengässli mit Hexenturm
Das katholische Mellingen war der wichtigste Brückenkopf zwischen den reformierten Städten Bern und Zürich und war deshalb Schauplatz zahlreicher religiös motivierter Kampfhandlungen. Zwischen 1528 und 1712 war das Städtchen nicht weniger als zwölf Mal durch Truppen besetzt. Nach dem zweiten Villmergerkrieg von 1712 kam Mellingen unter die Herrschaft der reformierten Orte Zürich, Bern und dem paritätischen Glarus.
Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz und riefen die Helvetische Republik aus. Mellingen musste seine Sonderstellung aufgeben und wurde dem kurzlebigen Kanton Baden zugeteilt. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.
Bruggerstrasse
Der Iberghof war ursprünglich ein Besitz eines kyburgischen Dienstmannengeschlechtes. 1575-1589 wurde der Hof von Grund auf zum Schloss ausgebaut durch Schultheiss Caspar III. Segesser. In dieser Ecke des Städtchens sind noch letzte Reste der Stadtmauer zu besichtigen.
Iberger Hof
Auf einer noch warmen Autohaube entdeckt: eine rothaarige Schönheit, die aber meine Zuneigung nicht erwiderte.
Wenn schon Engadin, dann gleich auch noch ins Veltlin. Auch hier Wiederholungen von bereits Bekanntem, Mittagessen bei Anna Bertola. Bresaolaeinkauf in der Macelleria Poretti in Tirano. Käseeinkauf bei den Fratelli Ciapponi in Morbegno. In Morbegno, der Stadt des Bitto-Käse, wurden wir von einem Erzengel herzlich begrüsst.
Gruss aus Morbegno, von der Kirchturm-Uhr herunterJede Alp hat ihren eigenen Käse
Eingekauft habe ich Casera und Bitto verschiedener Altersstufen. Nicht allzuviel, Frau L. liebt ihren Emmentaler über alles.
Brunnen auf dem Waltherplatz, Walther von der Vogelweide ohne Kopf
Diesmal haben wir wieder bei Herbert Hintner in der Rose in Eppan gegessen. Herbert Hintner steht seit Jahren unangefochten an der Spitze der Südtiroler Köche. Seine Küche ist modern, bezieht ihre Kraft aus perfekter Technik, kulinarischer Intelligenz und regionaler Identität. Die saisonale Speisekarte enthielt auch heuer die seit Jahren etablierten Klassiker, die aber immer wieder behutsam mit neuen Gerichten ergänzt werden.
Ravioli, gefüllt mit Kartoffelpüree, aromatisiert mit Sommertrüffeln
Auf dem Heimweg, wie jedes Jahr, Zwischenhalt im Zwergenstädtchen Glurns. Mittelalter, Kopfeinziehen ratsam.
Laubengänge in GlurnsAltstadthäuser in Glurns im Abendlicht
Und wenn auch die Lichter des irrlichternden Berlusconi bald verlöschen werden, die Sonne bleibt dem Land erhalten.
Per la Gloria d'Italia in ChiavennaWas kümmern ihn die Finanzprobleme der Welt ?
Einmal sind alle Ferien zu Ende. Der Schnitt ist abrupt. Rechtzeitiges Bremsen angesagt. Ab sofort geht die Fahrt wieder auf holperigem Schotter weiter. Und ich werde mich beim Kochen von den Ferien erholen.
Pontresina, Blick auf die Engadiner Alpen (rechts oben)
Das kommt davon, wenn man der Ruhe pflegt (Zitat in Anlehnung an Albert Lortzing). Nach ein paar Tagen Leben auf dem Lande war ich das Landleben ohne PC satt. Altersbedingte Rastlosigkeit überfiel mich. Dieweil Frau L. mit Wehmut der dieses Jahr unbesucht gelassenen Enten im Park von Promontogno gedachte. Kurz: Die Koffer waren schnell gepackt und wir nach 5 Stunden Reise im oberen Engadin. Regelmässige Leser kennen meine säuberlich geordneten Reiseberichte aus dieser Gegend. Zu berichten gibt es diesmal kaum Neues. Die Aussicht auf die hehre Bergwelt ist nach wie vor unverändert, wie das Titelbild belegt.
Die Enten in Promontogno waren vollzählig anwesend, zu einem Gespräch kam es nicht, die Gesellschaft pflegte gerade ihre Siesta im Schatten des Schlauchwagens der Feuerwehr.
Enten in Promontogno
Das Essen im Hotel Restaurant Bregaglia war wiederum gut, viel besser, als das gelbe Würzset es vermuten lässt.
Spaghetti Promontogno, mit leicht behinderter Sicht darauf
Einmal mehr haben wir uns in dem alten Kasten Zimmer zeigen lassen, mit fliessendem Wasser und Holzriemenböden. Der Hotelbau stammt aus der Pionierzeit des Sommertourismus 1875/6 und ist seither kaum verändert worden. Eine Bar sucht man vergeblich. Spa oder Wellnessbereich, Telefon- oder Internetanschluss, goldbetresste Hotelportiers gibt es nicht. Alles hier ist Museum. Widerstand gegen moderne Zeiten, aus Geldmangel.
das schönste Zimmer, Nr. 12Das Haus von aussen
Bei der Wanderung durchs Bergell haben wir wiederum Wildhopfen gefunden. Während andere sich an Pils laben, erfreuen wir uns am bitteren Hopfentee.
Bergeller Hopfen
Um der zunehmenden Verarmung der heimischen Bergflora entgegenzuwirken, haben die Gemeindegärtner von Pontresina heuer Kunstblumen auf Bergwiesen gepflanzt. Holzstäbchen mit Glitzerfolie. Sieht hübsch aus, wie das wohl aussehen wird, wenn hier der erste Schnee gefallen ist ?
3000 Kunstblumen in der BergwieseBlumenpracht auf Bergwiesen in Pontresina
Ähnliche Versuche macht man derzeit auf kahlen, baumfreien Berghöhen. Die Form der gepflanzten Tannen, bzw. Föhren, bzw. Zirbelkiefern ist jedoch noch stark verbesserungsbedürftig. Hätte man sie umgekehrt gepflanzt, würden sie vielleicht Wurzeln treiben und somit besser anwachsen.
Wald in Sicht
Ich bin gewiss nicht der Typ, der über Leichen schreitet, beim Anblick des ausgegrabenen Skeletts musste ich aber doch einen Schritt Richtung Grube tun bzw. genauer hinsehen. Auffallend das viele Gold an den Knochen, was eine Verwandtschaft mit dem armen Schlucker aus dem Ötztal mit Sicherheit ausschliessen lässt. „Unser Ötzi“ war und ist bestimmt Schweizer.
Unser Ötzi
Nachtrag: einzelne Bilder (Alpen, Kunstblumen, Skelett) habe ich entlang der Hauptstrasse in Pontresina geknipst . Es sind Kunstobjekte der Ausstellung Kunstwege 2011 in Pontresina.
Auf unserm Weg ins Jurahäuschen kommen wir regelmässig durch das Städtchen Delsberg. Das liegt so abgelegen in der Nordwestschweizer Ecke, dass ich es hier vorstellen möchte.
Der Ortsname ist eine Kombination des germanischen Namens Tello mit dem lateinischen Wort mons (Berg). Seit dem 7. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Grundbesitz der elsässischen Herzöge. Im 12. Jahrhundert war der Ort Teil der elsässischen Herrschaft Ferrette, die 1271 durch Kauf an den Bischof von Basel ging. Bischof Peter Reich von Reichenstein verlieh der Siedlung 1289 das Stadtrecht.
Der mittelalterliche, beinahe quadratische Grundriss des Städtchens ist heute noch gut ablesbar: zwei Längs- und drei Quergassen. Delsberg war bis ins 18. Jhdt. von einer Stadtmauer mit vier Toren umgeben, von denen die beiden ersteren heute noch erhalten sind: Porte Monsieur (oder de Porrentruy 1756–1759), Porte au Loup (heutiger Bau von 1775), Porte des Moulins und Porte de Bâle).
Roter Turm neben dem Pruntruter Tor, Porte de PorrentruyDie Porte au Loup
Von 1289 bis 1793 war die Stadt Hauptort der Herrschaft Delsberg. Mit der Stadt Basel verband sie ab 1407 ein Burgrechtsvertrag. Während Jahrhunderten war Delsberg Sommerresidenz der Basler Fürstbischöfe. Der Bischof von Basel galt damals weltlich als ein Fürst des deutschen Reiches. Das bischöfliche Schloss wurde im 14. Jahrhundert in der Südwestecke der Stadt errichtet.
Bischöfliches Palais (1716–1721)
Während der Gegenreformation wurden in Delsberg zwei Klöster gegründet, die aber beide 1793 aufgehoben wurden.
Nach der Eroberung durch französische Truppen 1793 wurde Delsberg Hauptort eines Bezirks des Département du Mont Terrible; schon im folgenden Jahr wurde der gesamte Jura dem französischen Département Haut-Rhin zugeschlagen. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern, als Ersatz für die verlorengegangenen Ländereien in der Waadt und im Aargau. Im Kanton Bern wurde es Hauptort des Distrikts Delsberg. Die Einwohner konnte sich aber mit der Zugehörigkeit zu dem deutschsprachigen, reformierten Kanton Bern nie anfreunden.
Le vieux pont
Im Zuge der Industrialisierung wurde 1846 im nahegelegenen Choindez die von Roll Eisenschmelze errichtet, in welcher Eisenerz aus dem Delsbergertal verarbeitet wurde. Der enorme Energiebedarf wurde mit dem Mischwaldholz der jurassischen Wälder gedeckt. Ein Eingriff, der für den heute so einseitigen Besatz der Jurawälder mit Rottannen verantwortlich ist. Die Arbeiter stammten meist aus der deutschsprachigen Schweiz. 1880 waren in Delsberg beinahe 40% der Einwohner deutscher Sprache. Noch heute gibts eine bayrische Bierhalle, unlängst etwas verkauderwelscht: „La new Bayrische“. Nach dem ersten Weltkrieg sank die deutschsprachige Einwohnerquote kontinuierlich auf heute rund 3 % ab.
1947 wurde der aus dem jurassischen Kantonsteil stammende Kandidat für die Wahl in eine bernische Behörde übergangen. Nach diesem Affront entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der separatistischen Strömungen im Jura. Die kulturell-politischen Spannungen konnten nach mehreren lokalen Plebisziten und der eidgenössischen Volksabstimmung von 1978 (teilweise) gelöst werden. Am 1. Januar 1979 erlangte der nördliche Teil des Juras seine Unabhängigkeit vom Kanton Bern – nach rund 165-jähriger Zugehörigkeit. Der Kanton Jura ist somit der jüngste Kanton in der Schweiz. Am 23. Juni jährt sich das historische Plebiszit. Man besinnt sich „der Befreiung von den Unterdrückern“.
Rue du 23. Juin, die Hauptstrasse
Wer mit der Eisenbahn in Delsberg hält, mag sich über den grossen Bahnhof wundern. Seit 1877 ist die Strecke Delsberg-Porrentruy–Boncourt durchgehend mit dem französischen Grenzbahnhof Delle verbunden. Mit der Abtretung des Elsass 1871 an das Deutsche Kaiserreich wurde Delle zum nördlichsten Grenzbahnhof zwischen der Schweiz und Frankreich. Da somit der Zugang nach Basel durch das Elsass und damit über deutsches Gebiet führte, wurden die Züge bevorzugt über Delle nach Delémont und weiter nach Basel umgeleitet, um die zusätzliche Zollbehandlung zu umgehen. Bis zum ersten Weltkrieg war Delsberg einer der wichtigsten Bahnhöfe der Schweiz.
Teile der ehemaligen Stadtmauer an der Nordostecke der Stadt mit der Tour des Archives (aus dem 13. Jahrhundert). Die Plätze der Altstadt werden durch fünf monumentale Figurenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance geschmückt.
Tour des Archives, angebaut an die ChâtellenieGemütlicher Brunnen-Löwe, das bischöfliche Wappen haltend
Die katholische Kirche Saint-Marcel wurde 1762–1767 erbaut und weist eine Mischung von Stilelementen aus dem Barock und Klassizismus auf. Weitere eindrückliche barocke Baudenkmäler aus der Zeit der Fürstbischöfe sind das Hôtel de Ville (Stadthaus, 1742–1745 erbaut) mit reich verzierten Stuckdecken in den verschiedenen Sälen, die Châtellenie (ehemalige Vogtei, 1717 umgebaut und heute Gerichtsgebäude) und das bischöfliche Palais (1716–1721).
Die Kirche Saint-Marcel und JurafahneHôtel de Ville (Stadthaus, 1742–1745 erbaut)l'ancien Hôpital de la villeAutofahrer aufgepasst, sonst landet man in einem der Bächli
Die Rue des Granges erinnert daran, dass früher die Ställe und Scheunen innerhalb der geschützten Stadtmauern lagen.
Rue des Granges, man sieht es den ehemaligen Scheunen an
Während in Nordamerika bereits in den 1840er Jahren Tausende Kilometer Bahngeleise gelegt wurden, stritt man im eidgenössischen Staatenbund zwischen den liberal-progressiven und den konservativ-katholischen Kantonen um Konfessionsfragen. Erst als im Jahre 1852 im Eidgenössischen Parlament ein historischer Grundsatzentscheid zugunsten des Eisenbahnbaus auf privatwirtschaftlicher Basis fiel, wurden der Bau einer Vielzahl von Bahnen und Bähnli zügig vorangetrieben. Die Centralbahn sicherte sich die Konzessionen u.a. für die Strecken Basel-Bern, Olten-Luzern. Durch das Vernetzen mit den Linien der Nordostbahn (Zürich-Romanshorn) wurde Olten zum Knotenpunkt der wichtigen schweizerischen Eisenbahnlinien.
Bahnstrecken werden in ihrer Länge bezogen auf die Horizontale präzise vermessen. Das Messergebnis wird als Distanzeinteilung an der Strecke mit Schildern, Tafeln, früher „Abtheilungszeichen“ benannt, festgehalten. Den Anfang zu jeder Skala bildet ein Nullstein, der meist am Sitz der damaligen Bahndirektion gesetzt wurde. Gemessen wurde damals noch in Wegstunden zu 16’000 Fuss, das Ende jeder Stunde (4,8 km) markierte ein Stundenstein. Den Null-Stunden-Stein der Centralbahn habe ich mir in Olten angeguckt. Seine Überreste sind beim Gleis 12 in die Wand einbetoniert. Nach der Einführung des metrischen Systems in der Schweiz, 1875, musste die Vermessung metrisch nachgeführt werden. Basis blieben aber die Nullsteine.
Nullstein: Schweizer Kreuz mit erhabener Null
Das Städtchen Olten wird einer Gründung der Grafen von Frohburg zugeschrieben. 1422 verbrannte das Stadtarchiv. Genaueres ist somit nicht überliefert. Basel, das seinen Herrschaftsbereich gerne ausgedehnt hätte, verzichtete auf einen Kauf der abgebrannten Stadt, so gelangte diese 1426 pfandweise, 1532 definitiv, in den Besitz der Stadt Solothurn.
Olten, Altstadt mit Alter BrückeAlte Holzbrücke, schwarz-weiss, da fehlbelichtet
Die eigentliche Altstadt ist winzig, sehenswert sind die alte Holzbrücke über die Aare, ein alleinstehender, ehemaliger Kirchenturm, ein Kapuzinerkloster.
Alte Holzbrücke
Nach dem Dreissigjährigen Krieg und der Abwertung der Währungen kam es in den Kantonen des westlichen, schweizerischen Mittelandes zu Bauernaufständen. Die Unterstützung der Bauern kostete die Stadt Olten im Jahr 1653 sämtliche politische Privilegien und degradierte Olten zu einem gewöhnlichen Untertanenstädtchen. Stadtrecht und Siegel wurden der Stadt Olten erst wieder durch die Helvetische Republik 1800 übergeben.
Stadtkeller mit Malerei über den BauernaufstandMarktgasse
In der Neuzeit beschleunigte der Eisenbahnknotenpunkt die industrielle Entwicklung des Ortes. Zeitweise zählte die Stadt bis zu 20’000 Einwohner.
Das früher schweizweit bekannte Bahnhofbuffet, ein beliebter Treffpunkt, ist heute eine Ablage der italienischen Autogrill-kette. Pizza, Pangasius und Pasta mit Pomodoro. Trostlos. Sogar der in italienischen Autobahnraststätten meist ordentliche Espresso ist hier um eine Klasse schlechter.
Quellen: wiki, Mittellandzeitung, Ausgabe 15. Juli 2010
Das Obertor von 1574. Das Untertor wurde nach einem Brand geschleift.
Unser Wochenausflug führte uns ins liebliche Klettgau. In das Landstädtchen Neunkirch. Der Name weist auf die Nüwenkilch, die neue Kirche, die im 12. Jhdt. auf einem karolingischen Vorgängerbau ausserhalb des Städtchens auf einer Anhöhe erstellt wurde, hin. Nicht etwa auf auf neun Kirchen. Dafür ist die Gemeinde zu klein.
Giebel des Gemeindehauses und Brunnen mit dem Hoheitszeichen der Stadt
Zum ersten mal wird Neunkirch in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Rheinau erwähnt. Die Schenkung erfolgte während der Regierungszeit von König Ludwig (843-876). Danach verliert sich die Geschichte bis ins 12. Jahrhundert im Dunkel. Ende des 13. Jhdts. wurde Neunkirch durch Brand oder Krieg zerstört. Bischof Eberhard von Waldburg kaufte die Vogtei Neunkirch und gründete unmittelbar nach 1260 das heutige Städtchen als militärischen Stützpunkt seiner Klettgauer Besitzungen.
Gemeindehaus
Noch heute ist der alte Stadtkern, ein Rechteck von 256 x 138 m, in den Strassen und an den Häusern ablesbar. Vier Hauptgassen: Hintergasse, Vordergasse, Mühligasse und Herrengasse, einst rundum umgeben von einer an die Häuser angebauten Stadtmauer, davor ein Graben. Wegen der Konkurrenz des nahegelegenen Schaffhausen blieb die Entwicklung des Städtchens aber früh stecken. Übliche Stadtrechte wie das Markt- und Münzrecht sowie ein freies Stadtbürgertum blieben ihr verwehrt.
Oberhofgasse mit Brunnen
1440 fielen feindliche Truppen in das Klettgau ein und plünderten Neunkirch. Darauf schloss der Bischof von Konstanz ein Bündnis mit den Eidgenossen, worauf auch seine Besitzungen im Klettgau unter diesen Schutz kamen. 1499, nachdem Maximilian I. durch den Reichstag von Mainz die Reichsacht und den Reichskrieg gegen die Eidgenossenschaft verhängt hatte, kam es im Laufe des Schwabenkrieges zur Plünderungen der Stadt durch zürcherische Truppen.
Mühlengasse
Mit der Reformation, 1525, endete die Herrschaft der Bischöfe von Konstanz über Neunkirch. Das verschuldete Bistum veräusserte Neunkirch an Schaffhausen. Neunkirch wurde zu einer Schaffhauser Obervogtei, die rechtlich bis 1798 Bestand hatte.
Oberhof, der bischöfliche Dinghof
Im Städtchen gibts ein gutes Restaurant. Das Gemeindehaus. Leider ist das Lokal im Juli und August geschlossen, so dass wir nach Diessenhofen in den Schupfen ausgewichen sind. Traumhaft schön gelegen. Die Küche, zumindest jene Abteilung die den Bistrotteil versorgt, war leider nicht fähig, die schöne Lage des Lokals zu nutzen. Ein uraltbackener baked-potatoe, ein dünnes, nicht gerade zartes Entrecote, tiefgefrorene Kräuterbutter. Teuer. Lieblos. Muss nicht sein.
Gasthof SchupfenGasthof Schupfen, Blick Rheinabwärts Richtung Schaffhausen
Weite Reisen sind nicht mehr unsere Sache. Zumal bei Hitze. So haben wir unsern wöchentlichen Ausflug, auch schon wieder ein paat Wochen her, in den südlichen Schwarzwald gemacht. Wo es aber nur unwesentlich kühler war, als in Basel. Die Reise führte uns erst durchs Wiesental hinauf bis Todtnau, dann über den Notschrei auf die Schauinslandstrecke, von dort wieder hinab in das Münstertal nach Staufen. Vorbei am Restaurant Spielweg, das von Arthurs Tochter so warm empfohlen wurde. Ich wusste gar nicht, dass das hier und so nahe an Basel liegt.
Staufen liegt am Ausgang des Münstertales, wo sich das Tal zur Rheinebene hin ausweitet. Weit sichtbar liegt die Burgruine der Herren von Staufen auf dem Schlosshügel. Hier oben verwalteten die Herren von Staufen einst ihre Lehensgüter während beinahe 500 Jahren. Seit Beginn des 12. Jhdts. bis 1602. Eine bemerkenswerte Kontinuität. Die Herren von Staufen waren übrigens nicht verwandt mit dem Adelsgeschlecht der Hohenstaufen.
Zunächst traten die Herren von Staufen als Ministerialen der Zähringer in Erscheinung, mit dem Aussterben der Zähringerherzöge 1218 als Gefolgsleute der Grafen von Freiburg. Mit dem Ausweiten der Herrschaftsgebiete der Habsburger im Breisgau schlossen sie sich diesen an. So hält man sich für lange Zeit oben. Unter den gefallenen Gefolgsleuten der Habsburger bei der Schlacht bei Sempach von 1386 sind übrigens zwei Herren von Staufen verzeichnet. Die Stadt Staufen (wie auch Freiburg) wurde ein Teil des habsburgischen Vorderösterreichs; die Freiherren bekleideten ab dem 15. Jhdt. verschiedene habsburgische Verwaltungsposten in Vorderösterreich.
Hauptstrasse mit Blick auf Burgruine
Seinen Besitz hatte das Geschlecht in den umliegenden Gemeinden des Breisgaus und des Dreisamtals. Die Herren von Staufen lebten eine zeitlang recht gut an den beiden Haupteinnahmequellen aus dem Münstertal: der Vogtei über das Kloster St. Rudpert sowie an den ihnen verliehenen Schürfrechten an einigen Silber/Blei-Minen.
RathausplatzRathausRathausplatz
Dadurch entwickelte sich Staufen in der Mitte des 13. Jhdts. von einem Dorf zu einem prosperierenden Städtchen. Eine Marktstrasse wurde angelegt, eine Stadtmauer mit Toren wurde hochgezogen. Die brauchte es aber auch bald wegen Streitigkeiten mit der Stadt Freiburg ums liebe Geld. Von Mauern und Toren gibt es leider nur noch sehr wenige Spuren.
Im 14. und 15. Jhdt. gerieten die Herren von Staufen zunehmend in eine finanzielle Schieflage. 1602, nach dem Tod des Freiherrn Georg Leo von Staufen fielen Burg, Stadt und sämtliche Besitzungen, mittlerweile alles österreichische Lehen, an die Habsburger zurück. Schwedische Truppen besetzten im Dreißigjährigen Krieg die Stadt und brannten 1632 die Burg nieder. Vorübergehend wurde Staufen an die Herren von Schauenburg verpfändet und kam 1738 an das Kloster St. Blasien im Hochschwarzwald.
Hauptstrasse mit Bächle, mediterran gepägtAltes Haus an der St. Johannesgasse
1806 kam Staufen an das Großherzogtum Baden. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 8. Februar 1945, wurde Staufen durch einen Luftangriff der Alliierten in Schutt und Asche gelegt, Krieg.
Spitalstrasse, rechts das Stadthaus der Äbte von St. Rudpert
Das Stadtbild ist neben einigen repräsentativen Gebäuden eher das einer kleingliedrigen, dörflichen Siedlung. Ein kleines, aber sehenswertes Städtchen. Pech dass bei kleineren geothermischen Bohrungen durch eine Gipskeuperschicht eine Wasserschicht angebohrt wurde, die unter grossem Druck stand. Durch die Wasseraufnahme wandelt sich das Anhydrit im Gipskeuper zu Gips um und verdoppelt dabei sein Volumen. Beinahe 250 Häuser wurden durch die Erdhebungen zum Teil schwer beschädigt.
Gegessen haben wir auf der Herfahrt an der Schauinslandstrasse im Hotel Die Halde. Ein Tipp von Lucas Rosenblatt. Hier haben wir gutbürgerlich und ausgezeichnet gegessen. Pfifferlingssuppe, Tomatenterrine mit Ziegenkäse, rosa gebratene Rindsfiletstreifen mit Spätzle und Pfifferlingen, als Dessert Schwarzwälder Heidelbeeren mit Joghurt-Holunder-sorbet. Ein sehr schönes, sehr ruhig gelegenes Hotel.
Dunkel getäferte GaststubeBlick vom Hotel Die Halde zum Feldberg
Schon wieder ein Jahr um. Siehe Basel Tattoo 2010. Gestern Samstag war wieder die grosse Basel Tattoo Parade. Da war keine Zeit zum Kochen. Eine bei dem kühlen Wetter wärmende Suppe musste reichen. Hier ein paar Impressionen vom Umzug. Das Rezept für die Suppe gibts am Schluss.
Die Musikanten (etwa 2000 Teilnehmer) verwandelten die Innenstadt in ein farbenfrohes Musikspektakel von imposanten schottischen Hochlandklängen über omanische Dudelsackmusik zu japanischer Marschmusik.
The Top Secrets, die Basler TrommelformationBasler Hellebardier mit BrustharnischKostengünstige Schweizer PanzerfahrzeugeSchweizer Armeespiel in OperettenrotJapanische FahnenschwingerinAimachi Marching BandMassed PipesThe Royal Swedish Army Band
Zutaten
150 g Lauch
50 g Bündnerfleisch oder Bresaola in 2 mm Scheiben
60 g Hartweizengriess
1 Elf. Pflanzenöl
1 L Gemüsebrühe
50 g Rucola
Salz, Pfeffer
Zubereitung
(1) Lauch in feine Ringe schneiden. Bündnerfleisch in kleine Würfel.
(2) Griess bei mittlerer Hitze in Öl in einer grossen Pfanne hellbraun rösten. Lauch und Bündnerfleisch kurz mitdünsten. Mit Brühe aufgiessen.
(3) Suppe ca. 30 Minuten leise köcheln lassen. Abschmecken mit Salz und Pfeffer. Kurz vor dem Servieren den Rucola zugeben und 1 Minute ziehen lassen.
Ein leichter Hauch wehte mir über die linke Schulter, doch hinter mir stand niemand. Von einem Erkerfenster herunter winkte mir ein freundlicher, bleicher Herr zu….
bleich und freundlich
was bleicher Herr !!! Der Knochenmann !!! Sollte sein Gruss mir gegolten haben ??? In meiner Verstörung vergass ich nachzusehen, ob der Herr eventuell Teil des Inventars einer Osteopathiepraxis sein könnte. Nach einigen Schritten durch die Altstadt war meine Fassung teilweise wieder hergestellt und ein leichtes Mittagessen angesagt. Das eine Lokal am Rhein war rammelvoll, ein Pizzeria mit Garten zu stark besonnt, beim dritten gefiel uns das Angebot nicht: Strauss an Mangosauce. Wenn es schon das letzte Mahl sein soll, dann bitte etwas Gepflegteres als gerade Pizza oder Vogel Strauss. Also rein zu André Jäger in die Fischerstube (19 Gault-Millau-Punkte seit 1995). Obwohl wir uns geschworen haben, hier nie wieder einzukehren. Lokal und Garten heute (wie oft) halbleer. 4 Kellner, 8 Gäste. Dennoch war es ein angenehmer, etwas teurer Mittag, sehr freundliche (deutsche) Bedienung. Kunstvoll hergerichtetes, gutes Essen. Ich frage mich aber doch, nach welchen Kriterien die GM-Kritiker ihre Punkte verteilen.
Amuse-geule Nr. 3: Erbsenpüree im Baummantel mit Thai-Zitronengrassuppe
Aber wir haben uns in den letzten Jahren stark verändert, können mit all den modernen, artistischen Variationen und Verrenkungen von, an, zu und auf… nur mehr wenig anfangen. André Jäger ist in den den Jahren vor der Jahrhundertwende durch seine damals revolutionären, fernöstlich-europäisch inspririerten Kreationen bekannt geworden. Das ist nicht mehr unsre Welt.
Ruhe am Rhein
Nach dem Essen der Besuch im ehemaligen Kloster Allerheiligen. Während Frau L. sich im Klostergarten bzw. dem Museumscafe ausruhte, ging ich mir die Sonderausstellung zum 600-Jahr Jubiläum der Schaffhauser Zunftverfassung ansehen.
Münster zu Allerheiligen
In der Mitte des 14. Jahrhunderts begann sich die Zunftherrschaft in den grösseren Städten, namentlich in Zürich, Bern und Basel zu etablieren. Schaffhausen erhielt das Recht von Herzog Friedrich von Oesterreich erst 1411 zugestanden. Was heisst erhielt ? Gegen die Bezahlung von 3000 Gulden. Sogar die Quittung ist noch vorhanden. Die kostete nochmals extra.
Rechtstitel von Herzog Friedrich von Oesterreich für eine Zunftverfassung
Nachdem sich der Schaffhauser Adel auf Seiten der Habsburger in den Schlachten gegen die Eidgenossen (Sempach und Näfels) ausgeblutet hatte, war er nicht mehr in der Lage, alle Ämter, die eine mittelalterliche Stadt anzubieten hatte, zu besetzen. Wohlhabende Handwerker sprangen in die Lücke, indem sie sich in 10 Zünften organisierten und sich somit die Mitentscheidung an den Geschicken der Stadt sicherten.
im Museum eingebaute Zunftstube
Zunftherrschaft war aber noch lange keine Demokratie. Reich gewordene Kaufleute bildeten zusammen mit dem Adel eine allmächtige Oberschicht, welche die einträglichen Ämter unter sich aufteilten. Wer nicht dazugehörte: Zugezogene (Hintersassen), Ausübende unehrenhaft geltender Berufe, Knechte, Bauern und Leibeigene waren und blieben ausgeschlossen. Wer reich war, versuchte seinen Lebensstil demjenigen des Adels anzupassen. 1798 wurde das Ancien Régime aufgelöst, die Gewerbefreiheit eingeführt. Damit verloren die Zünfte ihre Bedeutung.
Ausserhalb der Sonderausstellung zeigt das Museum einen kulturgeschichtlichen Überblick auf Tausend Jahre Stadtgeschichte. Lohnenswert.
Steinewerfen auf den heiligen Stephan
Da habe ich mich verweilt und darob beinahe die Gattin vergessen, die sich inzwischen in den sehenswerten Kräutergarten zu Schillers Glocke gesetzt hatte. Die 4,5 Tonnen schwere Schillerglocke wurde 1486 in Basel gegossen und läutete bis 1895 als grösste Glocke des Münsters zu Allerheiligen. Friedrich Schiller verwendete ihre Inschrift, Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango, als Motto für sein Gedicht „Das Lied der Glocke“.
„Ach! Die Gattin ist’s, die theure“, begrüsse ich sie freudig.
Aha, der Herr L. auch noch da, „Er zählt die Häupter seiner Lieben“ antwortet sie mir,
doch sage ich Dir: „Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang“.
Die "Schillerglocke", neben dem Kreuzgang
So schlimm wars dann aber doch nicht, Glockengeläute vertreibt nach einem alten Volksglauben Blitze. Sogar Blitze jeglicher Art.
Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich
Meinen Blog lasse ich weder von Al.di noch Br.aun noch A.EG sponsoren. Da muss ich mir eben anderweitig behelfen, meine Kosten zu senken. Beispielsweise mit Einkäufen in Fabrikläden. Inmitten der Ur-Schweiz, im obwaldnerischen Sachseln steht solch ein familienfreundlicher Laden, und der hat Müesli feil. Das von Frau L. bevorzugte Ur-Biomüesli mit Ur-Dinkel. Da die Reise nach Sachseln allein deswegen nicht lohnt, hab ich den daselbst in einer Gruft liegenden heiligen Bruder Klaus gleich mit in meinen Reisebericht aufgenommen. Trotz foto-unfreundlichen Wetters.
Doch alles der Reihe nach. Gegessen haben wir bei Amreins in Sursee. Sehr gut, preisgünstig. Anderswo hätten wir für dasselbe 20 Franken mehr bezahlt. (Gewinn: Franken 20)
Vom Muesli haben wir gleich 9 kg gekauft. (Das ergab eine Ersparnis von 16 Franken gegenüber dem Ladenpreis in Basel)
Bio-Müesli im Transporter (Man beachte: Markenname wegradiert !)
Danach besichtigten wir den Dorfplatz, die Kirche und das Grab des heiligen Niklaus von der Flüe (1417- 1487). Ein sonderbarar Heiliger. Wohlhabender Bauer, verheiratet, zehnfacher Familienvater, verliess er Familie und Kinder um in einer nahegelegenen Schlucht in einer Klause als Eremit zu leben. In den letzten 19 Jahren seines Lebens soll er nichts mehr gegessen haben. Obwohl mystischen Dingen zugeneigt, befasste er sich auch mit der zeitgenössischen Politik und war als Ratgeber ein gefragter Mann.
Votivtafel eines Geheilten in der Grabkapelle Bruder Klausens
1481 drohte die Eidgenossenschaft wegen interner Streitigkeiten zwischen Stadt- und Landorten zu zerfallen. In zerfahrener Situation um Rat gefragt, schlichtete er den Streit. Noch heute werden seine weisen Sprüche zur Expansionspolitik: „Machet den zun nit zu wit!“ oder zur Neutralititätspolitik: „Mischt Euch nicht in fremde Händel“ gerne zitiert.
Pfarr- und Wallfahrtskirche Sachseln, Denkmal, Brunnen und Caf'é
Türklopfer zur Ewigkeit ?Zierat an der Kirchentüre
Die alte Grabplatte des Bruder KlausDie verlassene Familie
Frau L. hingegen missfällt der heilige Mann. Einer, der einfach der Familie davongelaufen ist, wenn auch mit Zustimmung der Frau. Und dafür sei er noch heilig gesprochen worden. Sowas ärgert sie masslos. Nein, Frau L. will nicht in die Schlucht zur Klause hinuntersteigen. Ihr reicht es, das Denkmal in Sachseln, welches der verlassenen Gattin errichtet wurde, anzuschauen. Bilder der Klause gibts deshalb bei mir keine, ich muss auf Muger verweisen.
Die höchste Holzbrücke Europas, rund 100 Meter über dem Abgrund, ist auch nicht mehr, was sie früher mal war. Drahtgitter verhindern selbstmörderisches hinuntergumpen. Dabei hätte ich so gerne wieder einmal einen Stein hinuntergeschmissen und das Fallgesetz von Sir Isaac Newton auf Richtigkeit überprüft.
Hohe Brücke bei Sachseln
Friedvoller her und zu gings dann wieder in der Glasi in Hergiswil. Da wird einem schon nüchtern schwummrig vor den Augen, wenn man das viele Glas sieht. Frau L. kriegte eine Glasvase und war mit dem Tag trotz Bruder Klaus versöhnt. (Ersparnis gegenüber Ladenpreis der Vase: 5 Franken). Dazu gabs auf dem Rosenfeld in Muri noch einen Strauss Rosen. (Ersparnis gegenüber Blumenhaus 10 Franken)
GlasschmelzereiNicht zu denken, wenn die mit Wein gefüllt wären
So kehrten wir mit Ersparnissen von total 51 Franken nach Hause zurück. Die Auslagen von Franken 100 fürs Mittagessen, 30 Franken für die Glasvase, 8 Franken für Kaffee und 80 Franken fürs Benzin nicht eingerechnet. 23 % Rendite ! Kein Sparkonto zahlt mir diesen Zins.
Glaskugelbrunnen im Café Glasi
Nachtrag: zu Hause habe ich bei Recherchen herausgefunden, dass die Ur-schweizerische Müeslifabrik mit dem Ur-dinkel einem deutschen Nahrungsmittelkonzern gehört. Ein Hipp, hipp, h-UR-ra auf die Globalisierung.
Nach langer Pause endlich wieder mal ein Markbericht von der Schweiz schönstem Markt. An diesem Tag in Feststimmung. Luzernerfest.
RathausWurstWirz, Wirsing, Vorboten des HerbstesAlliumRitterspornFeuerlilien
Und danach ab, an den Kochkurs bei Lucas Rosenblatt mit dem Titel: Sommerliches Schlemmerbuffet. Von 13h bis 18h wurde fleissig gewerkelt, bis am Ende ein prachtvolles Sommerbuffet bereit stand.
Rosenblatt & Qeue de HomardUnschuldige RüebliUnschuldige Bresse Poularden
Hier ein Blick auf das fertig zusammengestellte Buffet:
Polenta-Canapés mit Sommergemüse
Tomaten-Peperoni-Terrine mit Feta auf Oliven-Vinaigrette
Seezungenröllchen mit Pfefferminzerbsen und Rüebli
Steinbutt und Lachs im Riesling-Gelee
Sommer-Rehrücken im Auberginenmantel mit Eierschwämmchen
Gerollte Bresse Poularde auf Melonen-Avocadosalat
frisch vom Grill kamen später dazu:
Taubenbrüstchen auf Kirschen-Chutney
Hummerschwanz mit Tandooricreme
Hohrücken mit Pfirsichsalsa
dazu Olivenbrot
Ein Teil des Buffets
In abendlicher Stunde habe ich Luzern wieder verlassen. Mit vollem Magen und reicher Ernte. So friedlich wie es auf dem letzten Bild ausschaut, wars aber nicht. Rambazamba in der ganzen Altstadt. Das Feuerwerk habe ich mir geschenkt.
Luzern, 25.6.2011, 21.10h
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