Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-8640 Rapperswil: Rosenstadt

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Die Rapperswiler (1220–1352), ein begütertes, Ostschweizer Adelsgeschlecht, erbauten die Burg zwischen 1220 und 1230 auf einer in den östlichen Zürichsee ragenden Halbinsel. Der markante Nagelfluhsporn des langgezogenen Schlosshügels bildete den idealen Platz für eine Burg und die anliegende Stadt. Zumal sich hier die engste Stelle des Zürichsees befindet, ein Nadelöhr des Warenverkehrs zwischen den beiden Seeufern, auf der Wasserstrasse Zürich-Walensee sowie eine wichtige Etappe des Pilgerverkehrs (Schwabenweg, Jakobsweg) zum Kloster Einsiedeln.

Zwischen 1225 und 1233 gelang dem Adelshaus mit Rudolf III. als Anhänger der Staufer der Aufstieg in den Grafenstand. Damit wurde ein Teil ihrer Besitzungen aus der Landgrafschaft Zürichgau losgetrennt und bildete zusammen mit Lehen des Klosters Einsiedeln eine eigene Grafschaft.

Wenige Jahrzehnte darauf starb das Geschlecht der Rapperswiler im Mannesstamm aus; über Elisabeth, die Schwester des letzten Grafen, gelangten Stadt und Burg zuerst an die Familien Habsburg-Laufenburg, später zog König Rudolf I. von Habsburg 1283 die Reichslehen der Rapperswiler an sich und sicherte sich damit die Kontrolle über die strategisch wichtigen Bündner Pässe.

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Kapuzinerkloster mit Uferfortifikationen (17. Jhdt)

1350 wurden Schloss und Stadt Rapperswil von den Zürchern, in Folge einer 14 Jahre dauernden Fehde zwischen der Stadt Zürich mit den Grafen Johann I. und II. von Rapperswil (1336–50) zerstört und gebrandschatzt. Bereits zuvor wurde Graf Johann II. von den Zürchern gefangen genommen. Als Minnesänger dichtete er in Gefangenschaft ein Minnelied, das Goethe zur Ballade Das Blümlein Wunderschön: Lied des gefangenen Grafen inspiriert hat.

Das Schloss auf dem felsigen Sporn ist von drei Seiten von Wasser umgeben und war deshalb während Jahrhunderten militärisch sehr gut geschützt. Weithin mit seinen hohen Türmen sichtbar, dominiert es das Stadtbild der darunter liegenden Altstadt. Es bildet ein fast gleichseitiges Dreieck, wobei jede Ecke mit einem Turm verstärkt ist.

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Schloss Rapperswil
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Stadtpfarrkirche neben dem Schloss

Graf Johann II. von Rapperswil konnte die hohen Kosten für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt und der Festungen nicht aufbringen und verkaufte zwischen 1354 und 1358 seinen Besitz an Herzog Albrecht von Österreich. Fortan hatten österreichische Vögte ihren Amtssitz im Schloss.

Herzog Albrecht II. von Habsburg-Österreich liess als neuer Besitzer Schloss und Stadt vermutlich bereits ab 1352 zu einem Stützpunkt gegen die expandierende Eidgenossenschaft ausbauen. Im Jahr 1358 initiierte Rudolf der Geistreiche von Habsburg-Österreich (welcher heutige Politiker dürfte sich dieses Attribut anheften ?) den Bau einer Holzbrücke über den See auf die andere Seeseite. Die Brücke ermöglichte eine direkte Verbindung zu den österreichischen Vorlanden, zu den habsburgischen Besitzungen in der Ostschweiz, in Süddeutschland und zum Gotthardpass, unter Umgehung der seit 1351 eidgenössischen Stadt Zürich.

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Blick auf Altstadt und auf Holz- und Autobrücke über den See

Rapperswil erfreute sich unter den Habsburgern grosser Autonomie, erhielt von Herzog Albrecht das Marktrecht und andere Privilegien. Die Stadt blieb deshalb den Habsburgern lange loyal verbunden. Nach der Ächtung von Herzog Friedrich IV. im Jahr 1415, befahl Kaiser Sigismund den Rapperswilern, sich von Friedrich abzuwenden. Für die erwiesene Treue verlieh er die Reichsunmittelbarkeit und die direkte Herrschaft über drei umliegende Hofgemeinden. Damit begründete er die Territorialherrschaft der Stadt Rapperswil.

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Österreich und Stadtwappen
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Haus Curti am See

Während des Alten Zürichkriegs kehrte Rapperswil 1442 unter die Herrschaft des Hauses Habsburg-Österreich zurück, ging aber gleichzeitig ein Bündnis mit Zürich ein.
Mit dem formalen Ende des Alten Zürichkriegs 1450 blieb Rapperswil hoch verschuldet und hoffte vergeblich auf finanzielle Unterstützung von Seiten Habsburg-Österreichs. Daher sahen einige Stadtbürger unter Führung des Stadtschreibers ihre Zukunft fortan unter eidgenössischem Schirm und zettelten im Spätsommer 1456 einen Aufstand an. 1464, kurz nach dem Tod Herzog Albrechts VI. von Österreich, verband sich Rapperswil mit einem Schirmvertrag mit Uri, Schwyz, Unterwalden und Glarus, der formal bis 1798 bestand. Damit wurde Rapperswil zu einem Protektorat der Eidgenossenschaft.

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von unten
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von oben

Die Reformation brachte Rapperswil kurze Zeit den neuen Glauben, sie kehrte unter dem Druck der katholischen Kantone 1532 aber wieder zum alten Glauben zurück. Fortan bildete Rapperswil ein katholisches Bollwerk, musste aber durch die Schirmherrschaft der katholischen Kantone weiterhin die Beschneidung seiner Rechte in Kauf nehmen.

Der nächste schweizerische Religionskrieg, der Erste Villmergerkrieg von 1656, endete mit einem Sieg der Katholiken und festigte die Hegemonie der katholischen Orte in der Schweiz.

Der zweite Villmergerkrieg von 1712 ging für die Katholiken verloren. die reformierten Kantone sicherten sich die Vorherrschaft in den Gemeinen Herrschaften. Die reformierten Orte Bern, Glarus und Zürich übernahmen 1712 bis 1798 anstelle der katholischen Orte die Schirmherrschaft über Rapperswil.

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Laube an der Hintergasse
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Baron de Ley kurvt um seine Behausung

1798 brachte die französische Revolution auch hier den Zusammenbruch der alten Ordnung: Das reiche Rapperswil verlor die ehemaligen Untertanengebiete, diese wurden frei und selbständig. Napoleon verfügte die Neueinteilung der eidgenössischen Kantone: im neuen Kanton Linth war Rapperswil für kurze Zeit Kantonshauptstadt. Doch hatte diese erzwungene Einteilung keinen Bestand: Bereits fünf Jahre später erfolgte eine Neuaufteilung, Rapperswil und Jona wurden dem neugegründeten Kanton St. Gallen zugeteilt.

Rosenstadt ? Davon ein andermal, wenn sie blühen. Ich verstehe nicht, warum ich hier früher nie angehalten habe.

Quellen: wiki und vvrj

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CH-4242 Laufen: Stedtli

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Obertor mit astronomischer Uhr (Zytturm)

Laufen, ein kleines Städtchen (5200 EW)  im Birstal, an der kurvigen Linie Basel-Delémont gelegen. Hier fahren wir meist durch, wenn wir in den Jura wollen. Ohne anzuhalten. Damit tun wir dem Städtchen Unrecht. Es gibt überall etwas zu sehen, wenn man will.

Die Talschaft gehörte 853 bis 1033 zum Königreich Burgund. 999 gelangten grosse Teile durch Schenkung in den Besitz der Basler Fürstbischöfe, die sich an den Steuereinnahmen bis zur französischen Revolution erfreuen durften. Mit der Verleihung des Stadtrechtes im Jahre 1295 durch den Fürstbischof von Basel, Peter Reich von Reichenstein, wurde der Stadt Laufen auch das Marktrecht zugesprochen. Damit waren u.a. auch bauliche Massnahmen zur Befestigung des Städtchens verbunden. Die Ringmauer mit drei Stadttoren wurde errichtet. Das Untertor im Norden, das Obertor im Süden, sowie der Wasserturm im Osten prägen bis heute das Stadtbild.

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1793 bis 1813 wurde das Laufental durch Frankreich einverleibt und durfte im Département Mont Terrible sogar die Kantonshauptstadt stellen.
1815 wurde am Wiener Kongress Laufen und der Rest des ehemaligen Fürstbistums der Schweizerischen Eidgenossenschaft (genauer dem Kanton Bern, als Ersatz für die verlorene Waadt) zugesprochen. Daher die vielen Bären im Stadbild. Inzwischen wechselte das Laufental nach einer Volksabstimmung die Kantonszugehörigkeit und ist heute ein Bezirk des Kantons Basellandschaft.

Soviel zur Geschichte. An der Hauptstrasse, die vom Untertor zum Obertor führt, entdeckt man im Schaufenster einer Beiz einen der etwas verschlafenen Stadtbürger.

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verschlafenes Städtchen
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Amtsgebäude an der Hinteren Gasse
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Hotel du soleil, ehemaliger Etappenort
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Stadthaus

Die Altstadt ist klein, vom einen Tor sieht man gleich wieder zum andern Tor hinaus. An jedem ersten Dienstag im Monat treffen sich seit Menschengedenken jung und alt aus der Region beim bunten Markttreiben im Stedtli.

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Untertor (Basler Tor)

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CH-4310 Rheinfelden: zu Rheinfeld an des Kaisers Pfalz

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Marktgasse, Rathaus, Rathausturm

Ende des 10. Jahrhunderts errichtete eine Adelsfamilie (die späteren Grafen von Rheinfelden) auf einer Rheininsel eine Burg. Das Gebiet, etwa 25 km oberhalb Basels,  gehörte damals zur Grafschaft Burgund. Am angrenzenden Ufer entstand eine Siedlung. Der Besitz ging später an die Zähringer über. Der in der Zwischenzeit entstandenen Marktsiedlung wurde das Stadtrecht zuerkannt. Rheinfelden stellt somit die älteste Zähringerstadt auf Schweizer Boden dar. Um 1150 wurde hier die erste Rheinbrücke zwischen Konstanz und Strassburg erbaut. 1225 erhielt Rheinfelden den Status einer Freien Reichsstadt.

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Eckhaus Futtergasse
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Bannerträger, angeblich Albrecht VI.

1330 ging Rheinfelden durch Verpfändung in habsburgischen Besitz über und wurde neben Säckingen, Waldshut und Laufenburg zu einer der vier Waldstädte im südlichen Breisgau, einem Teil von Vorderösterreich. 1445, als die Habsburger in den Alten Zürichkrieg verwickelt waren, zerstörten Aufständische die Burg auf der Rheininsel, worauf sich die Stadt mit Basel verbündete. Nach mehrmonatiger Belagerung musste sich Rheinfelden 1449 wieder der österreichischen Herrschaft unterwerfen. Nach dem Waldshuterkrieg von 1468 verpfändeten die Habsburger  aus Geldmangel das gesamte Fricktal an Burgund. Nach der militärischen Niederlage der Burgunder im Krieg gegen die Eidgenossen fiel Rheinfelden 1477 wieder an die Österreicher zurück.

Rheinfelden entstand nicht an einer Grenze, sondern als Zentrum eines Wirtschaftsraumes. Die historische Altstadt liegt halbkreisförmig am Ufer des Rheins zwischen der kleinen Rheininsel und einem Bächlein im Osten. Die Alte Rheinbrücke verwendet die Insel als natürlichen Brückenkopf und besteht aus zwei Teilen, die den Fluss in abgewinkelter Linie überqueren. Von Rheinfelden aus ist der Rhein bis zur Nordsee schiffbar. Die Hauptachse der Altstadt ist die von der Brücke zum Storchennestturm verlaufende Marktgasse. Die Stadtmauer ist nur noch im Osten und Süden mitsamt Türmen und Wehrgängen erhalten. Der Kupferturm, heute Storchennestturm, bildet das östliche Stadttor mit zwei Durchgängen.

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Storchennestturm
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Osttor im Storchennestturm

An der Nordseite der Marktgasse steht das Rathaus, das nach einem Brand im Jahr 1531 neu gebaut wurde. Der Rathausturm war vermutlich Teil der ersten Stadtbefestigung. Der Saal ist mit Porträts zahlreicher österreichischer Herrscher geschmückt.

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Rathaus, 1531
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Goldener Adler, Barockgasthof, 1726

Im 17.  und 18. Jahrhundert litt das Städtchen mehrfach unter den kriegerischen Zeitläuften. Nacheinander wurde es von Bauernaufständen, Schweden, Franzosen, kaiserlich-bayrischen und protestantischen Truppen heimgesucht, geplündert und verwüstet.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Anfang 1802 wurde Rheinfelden Distriktshauptort im neu geschaffenen Kanton Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit 1803 ist Rheinfelden Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Kanton Aargau, verlor aber seine rechtsrheinischen Gebiete endgültig an das Grossherzogtum Baden.

Mit der Entdeckung reicher, unterirdischer Salzvorkommen im Jahr 1844 begann der wirtschaftliche Aufschwung.   Rheinfelden entwickelte sich in der Folge zu einem bekannten Sol-Badekurort. Die Eröffnung  der Eisenbahnlinie Basel-Brugg 1875 brachte die Ansiedlung weiterer Industrien mit sich, u.a. der beiden Industriebrauereien Salmenbräu und das noch heute bestehende Feldschlösschen… beide heute in Dänischem Besitz.  Die ehemals so stolzen Brauereigaststätten sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Kleider, Hudeln und Pizzerien.

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Brauereigaststätte Feldschlösschen
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Brauereigaststätte Salmen
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Hier ist die Zeit stehen geblieben
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Blick auf die Stadt von der Rheininsel
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Blick in eine der vielen Gassen
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Kapelle der Johanniterkommende

es gäbe in Rheinfelden noch so viel zu zeigen. Nicht nur, aber überall und immer wieder der Doppeladler:

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Tu felix Austria

Quellen: wiki

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CH-6004 Luzern: Markt

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Das übliche Postkartenbild, trotzdem immer wieder schön

Vor jedem Kochkurs in der Kochwerkstatt von Lucas Rosenblatt, schlendere ich erst über den Luzerner Samstagsmarkt. Diesmal bitterkalt, aber, im Unterschied zu hier, in strahlendem Sonnenschein.

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Kopfsalat räkelt sich
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0°C nicht 4.50°C

Der Frühling ist da !

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Das gibt Ärger mit den Wildbienen

Dieser Markt lebt. Hier kaufen die Einwohner, hier treffen sie sich zu einem Schwatz in einem der Restaurants am Reussufer. Die Marktfahrer freuen sich, hieher zu kommen. Das ist Kultur. Wenn ich an den Markt in Basel denke, befällt mich Neid.

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Blick auf Jesuitenkirche
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Blick auf das Markttreiben an der Reuss
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frühmorgens
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spätmorgens

Unter den Lauben des alten Rathauses und unter der Egg liegt der Kern des Luzerner Marktes.

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Rathausquai

Unterhalb des Ausflusses der Reuss aus dem Vierwaldstättersee wird der Seepegel durch ein historisches Nadelwehr gestaut. Das Nadelwehr verläuft hier diagonal zur Flussachse und besteht aus langen, nebeneinander gestellten Holzbohlen (Nadeln) die, an den Wehrbock gelehnt, das Wasser stauen. Bei Hochwasser werden einige oder alle Bohlen herausgezogen.

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Spiegelungen des frisch renovierten Nadelwehrs

Diesmal reichte es sogar noch zu einer Wanderung zur Museggmauer hinauf. Eine mittelalterliche, heute noch nahezu vollständig erhaltene Befestigungsanlage der Stadt, die nach dem Sempacherkrieg erstellt und 1408 fertiggestellt wurde. Durch die Lage der Mauer auf dem der Stadt vorgelagerten Hügel stand sie im 19. Abrissjahrhundert keinen Verkehrswegen im Wege, blieb erhalten und darf mit ihren 9  Türmen heute als Wahrzeichen der Stadt gelten. Die Mauer ist in den Sommermonaten tagsüber begehbar.

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Kapellgasse
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Schirmerturm und Stadtmauer

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CH-8606 Greifensee: verflossene Liebschaften

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Blick auf den Greifensee

Der Ort ist vor allem durch die wunderbare Novelle im erstem Band von Gottfried Kellers Zür(i)cher Novellen bekannt: Der Landvogt von Greifensee. Landvogt Salomon Landolt (der hier 1781-87 tatsächlich residierte) erinnert sich der fünf Frauen, die er einst liebte, von denen er aber nacheinander abgewiesen worden war. Salome (Distelfink), Figura Leu (Hanswurstel), Wendelgard (Kapitän), Barbara (Grasmücke) und Aglaja (Amsel) heissen die Damen. Er weiht seine alte Haushälterin Marianne in den von ihm ausgeheckten Plan ein, alle fünf Verflossenen zu einem Mahl einzuladen. Diesen eröffnet er, dass er sich doch noch verheiraten wolle und bittet die Damen, für ihn zu entscheiden: zwischen einer erfahrenen Alten (hinter der die Damen die Haushälterin vermuten) oder aber einer ganz Jungen, die beide gefunden wären. Nach einigem Hin und Her löst sich die Geschichte in einem Scherz auf. Lesen ! ganz einfach via obigen link zum Landvogt.

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Ende des 13. Jhdts. erbauten hier die Grafen von Rapperswil eine Burg zur Sicherung ihrer Güter nördlich des Zürichsees. Diese wurde bald darauf an Ritter Hermann II. von Landenberg verpfändet, der in Diensten  König Albrechts I Karriere zum Sekretär und Marschall machte. Sein Sohn umgab das Städtchen mit einem Festungsgürtel. Für sein und das Seelenheil seiner Gemahlin stiftete er die heute noch weitgehend in gotischer Bausubstanz von 1330/40 erhaltene Wehrkirche, die Gallus-Kapelle. Da der Ort aber kein Marktrecht besass und die Verkehrswege schlecht waren, blieb er unbedeutend. Durch verschiedene Hände gelangte das Zwergenstädtchen in den Besitz der aufstrebenden Stadt Zürich.

1444 erlitt der Ort während der Belagerung im alten Zürichkrieg sein Guernica. Die überlebenden rund 60 Verteidiger wurden unter dem Kommando des Schwyzer Landammanns Ital Reding enthauptet. Der Ort geplündert, Teile der Burganlage geschleift.

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Schloss Greifensee

Erst 1520 beschloss der Zürcher Rat den Wiederaufbau der Ruine auf den Grundmauern der Burg in Form eines vergleichsweise bescheidenen Schlosses. Die einstige Vorburg und die Stadtmauer von Greifensee wurden nicht wieder hergerichtet. Das Schloss war danach Amtssitz der jeweiligen Landvögte.

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Schloss und Riegelhaus
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Schloss, Seeseite
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Fenster am Landenberg-Haus
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Gallus Kapelle

1995 ging Schloss Greifensee in einem Gebrauchsleihvertrag an die Stiftung Schloss Greifensee über. Wer möchte, kann sich hier unter dem Porträt des Salomon Landolt trauen lassen.

Quellen: wiki.

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Keine Angst vor grossen Fischen

Hummer 0_2010 03 13_5719
Hummer, gegart

Letzten Samstag wars wieder einmal soweit. Ein Samstagskurs in Lucas Rosenblatts Genusswerkstatt. Kein Kochkurs, vielmehr Anleitung, zu lernen und zu geniessen, Anleitung zur Aneignung von Respekt vor guten Materialien.

Teilnehmer:
Lucas Rosenblatt
8 Kochbegeisterte
4 zusätzliche Esser
3 lebende Hummer
1 Glattbutt 2.8 kg
1 Zander 2.6 kg
1 Trüsche
1 Colin (Meeraal)
1 Lachsforelle
2 Seezungen zu ca. 900 g
mehrere Felchen
mehrere Loup de mer (Wolfsbarsch)

insgesamt etwa 12 kg Frisch-Fisch. Wir haben alle aufgegessen. Einmal mehr ein einmaliger Kurs. Schon deshalb, weil das Programm der Verfügbarkeit der Fische am Tag des Geschehens angepasst werden musste. Ich freue mich, dass ich hier wiederum die Rezepte weitergeben darf. Demnächst.

Fischkurs 2_2010 03 13_5778
Bourride und Matelote in Gläsern
Fischkurs 3_2010 03 13_5789_ed
Loup de mer, Gemüse der Riviera
Fischkurs 4_2010 03 13_5800_ed
Bisque de Homard und Seezungenröllchen
Fischkurs 5_2010 03 13_5816
Glattbutt vom Grill,Gemüse der Provence
Fischkurs 6_2010 03 13_5830_ed
Zander ganz gebraten, Frühjahrsgemüse

Technoraticlaim: 7GY6N87WD4GY

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CH-3235 Erlach: Altstadt

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Schloss Erlach

Das Städtchen Erlach liegt am Südfuss des Bielersees. Wir haben es erstmals besucht. Die ältesten Teile der Ortschaft liegen auf einem Felssporn, von dem man weit ins Land hinaus sehen kann.  Der zumeist jüngere Teil der Ortschaft schmiegt sich an die obere Altstadt an bis an das Ufer des Bielersees.

Etwa um 1100 erwarben die Grafen “von Fenis” den Ort und fingen an, in zu befestigen. Burkhart von Fenis baute zu Beginn des 12. Jahrhunderts die Burg. Der Ort war ein wichtiger Stützpunkt der Grafen von Neuenburg. 1274 erhielt Erlach das Stadtrecht durch den Grafen Rudolph von Neuenburg. Im Auftrag der Neuenburger walteten hier Mitglieder der Familie Erlach als Kastlane, um das 13. Jhdt. wurden die Erlachs Burger von Bern und stiegen im Lauf der Jahrhunderte zu einer der bedeutendsten Familien des alten Bern auf. Bis 1798 stellten sie insgesamt sieben Schultheissen. Die Familie besass umfangreiche Ländereien und zahlreiche Liegenschaften im Kanton Bern. Das Schloss Hindelbank (erbaut von Hieronymus von Erlach) haben wir bereits kennengelernt. Einzelne Nachfahren aus einem Zweig der Familie etablierten sich zunächst im Dienste Sachsen-Anhalts, dann in jenem Preussens, und heirateten in dortige Adelsfamilien hinein. Andere Erlachs machten Karriere in Diensten des französischen Königs (Regiment von Erlach).

Bevor man in die obere Altstadt gelangt, muss man den steilen Schlossberg erklimmen.

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Tor in die obere Altstadt
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zuerst stotzig nach oben

ein paar Impressionen aus der oberen Altstadt:

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Strasse Richtung Schloss
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Eingangsportal zum Schloss
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Altstadthäuser
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Platz vor dem Schloss
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Strasse zum See
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Altstadthäuser Unterstadt

Ab dem  1474 fiel Erlach an Bern und das Schloss wurde fortan Sitz der bernischen Landvögte. Ab 1874 war das Schloss ein staatliches Erziehungsheim und ist heute ein Schulheim.

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Ein reizendes Kleinstädtchen. In der untern Altstadt liegt die Ulrich-Kirche, ein um die Jahrtausendwende entstandener Sakralbau, der unter dem Patrozinium des Ulrich von Augsburg (890–973) erstellt wurde. Das habe ich aber erst zuhause beim recherchieren gemerkt 🙂

Quellen: wiki und Historisches Lexikon der Schweiz

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CH-5224 Linn: Nur ein Baum

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Fährt man, wie ich, statt via Autobahn auf der Landstrasse von Basel nach Brugg, führt der Weg über den Bözberg (569 ü.M.). Etwa ein Kilometer seitlich der Passhöhe steht auf dem luftigen Jurakamm eine einsame, alte Linde. Die Linner Linde. Der Baum ist mit 25 Metern Höhe und 11 Metern Stammumfang einer der größten Bäume der Schweiz. Sie wurde vor rund 500 bis 600 Jahren (wiki), gemäss der Denktafel um 1668 nach einem verheerenden Pestzug zum Gedenken an die Opfer der Epidemie gepflanzt; das genaue Alter ist nicht bekannt. Ein typischer Brauch, nach Kriegen oder Pestepidemien sogenannte Friedenslinden zu pflanzen.

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Die Überlieferung weist dem Baum prophetische Kraft zu: Leit d’Linde-n ihr’s Chöpfli uf’s Ruedelis Hus. Se-n-isch alli Welten uus. Mit Ruedelis Huus ist der Stammsitz von Rudolf von Habsburg gemeint. Übersetzt:  Wenn der Schatten der Linde auf die (weit unten im Tal sichtbare), gegenüberliegende Habsburg falle, so sei das Ende der Welt gekommen. Berechnungen des Sonnenstandes haben gezeigt, dass das, könnte man den Kernschatten des Baumes überhaupt soweit verfolgen, jedes Jahr ein paarmal der Fall wäre.

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Wie immer auch, ich sitze gerne ein Viertelstündchen unter dem Schutz dieses Baumes und staune an Föhntagen das Alpenpanorama an.

Quelle: Denktafel beim Baum.

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CH-2525 Le Landeron: Altstadt

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Tage ohne  Internet-Anschluss sind angeblich beschaulich und erholsam. Quatsch. Am Morgen der Abreise ging in Basel die Heizung kaputt. In unsern Fasnachts-Ferien im Jura regnete es Bindfäden, die dem Schnee rasch den Garaus machten.

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Im Häuschen war es  dank Holzfeuerung wenigstens gemütlich warm und auch bei den Katzen hatte sich die Wiedereröffnung der Küche rasch herumgesprochen.

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Um dem Dauerregen zu entfliehen, führte uns ein kleiner Ausflug in einer Stunde Fahrzeit hinunter an den Bielersee. Auch hier trübes, immerhin trockenes Wetter. Am Südufer des Bielersees liegt das malerische Kleinstädtchen Le Landeron. Erbaut auf einer sandigen Moräneninsel im ehemals sumpfigen Seeland zwischen Flussarmen der damals noch unkanalisiert mäandrierenden Zihl, dem Fluss, der Neuenburger- und Bielersee verbindet.  Der Flecken wurde von den Grafen von Neuenburg 1325 als befestigte Siedlung erbaut, um der Expansion der Bischöfe von Basel Einhalt zu gebieten. Das Städtchen wurde anstelle der bei Grenzstreitigkeiten vollständig zerstörten, nahegelegenen Vorgängerfestung Nugerol neu aufgebaut.

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Der Uhrturm (1631)
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Südtor (Portette)

Der Ort, nahe der Wasserwege auf Zihl und dem See gelegen, entfaltete sich aufgrund der guten Verkehrslage rasch zu einem prosperierenden Marktstädtchen. Im  Jahre 1449 schlossen die Bürger mit der Stadt Solothurn einen ewigen Bund. Zu jener Zeit gehörte die Grafschaft Neuenburg noch zum Einflussbereich Berns. Solothurn wie Bern suchten in jener Zeit, ihre Territorien auszudehnen. Nach der Reformation im 16. Jhdt. erreichten die Streitigkeiten ihren Höhepunkt. Die Berner versuchten, Le Landeron zu reformieren, womit sie bei den von Solothurn unterstützten Bürgern auf heftigen Widerstand stiessen. Der Städtebund mit Solothurn wurde mehrmals erneuert. Noch heute unterhält Solothurn in Le Landeron ein bedeutendes Weingut, die Domaine de Soleure, die im Besitz der Bürgergemeinde Solothurn steht.

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Ostseite

Die Absichten Solothurns, sich am Jurasüdfuss in Richtung Welschland auszudehnen, nahmen 1707 ein Ende, als die über zwei Jahrhunderte währende Regentschaft des Hauses Orléans-Longueville über Neuenburg mit dem Tod der kinderlosen Fürstin Marie de Nemours erlosch. Durch einen geschickten Schachzug Berns erkannten die Neuenburger ihr Fürstentum dem König von Preussen zu. Damit wurde das Fürstentum dem Zugriff Frankreichs entzogen. Friedrich Wilhelm III. von Preussen „überliess“ das Fürstentum 1806 Napoleon I., der seinen Feldmarschall Louis Alexandre Berthier als Fürsten von Neuenburg einsetzte. Nach dem Sturz Napoleons verzichtete Berthier gegen eine lebenslängliche Rente auf das Fürstentum Neuenburg zu Gunsten Preussens, welches davon wieder Besitz nahm. 1815 anerkannte der Wiener Kongress Neuenburg als „Schweizer Kanton und preussisches Fürstentum“. Marschall Berthier konnte sich seiner Rente jedoch nicht lange erfreuen, er stürzte noch im selben Jahre aus dem Fenster der fürstbischöflichen Residenz Bamberg zu Tode.  1857 verzichtete Preussen auf seinen Anspruch auf das Fürstentum Neuenburg.

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Westseite

Die Hauptgasse ist das Zentrum des Städtchens Le Landerons. An den Enden der Gasse findet sich der um 1549 erbaute Brunnen des Tapferen (fontaine du Brave) und der Brunnen des Stadtpatrons Mauritius von 1574. Die beiden Brunnen sind durch eine breite Lindenallee verbunden, die unter der Herrschaft des Marschalls Louis-Alexandre Berthier angepflanzt wurde. Nicht von ihm, er hat sein Fürstentum nie gesehen.  Die Häuser der Altstadt stammen grösstenteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert, mit Kern aus dem 14. Jhdt. Alles noch erhalten, ein einziges Haus fehlt, dasjenige, neben dem Südtor, der Portette. Es wurde abgerissen, weil der Tor-Durchgang zu eng war.

Das Alt-Städtchen wirkte bei unserem Besuch wie ausgestorben. Im September findet hier der grösste Antiquitätenmarkt der Schweiz statt, die Fête de la Brocante. In der Stadt haben sich einige Antiquare und Kunsthandwerker niedergelassen, die wohl in der wärmeren Jahreszeit ihren Geschäften nachgehen.

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Brunnen
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Tor im Uhrturm

Im Café Restaurant L’Escarbot, mitten im Städtchen, ist gut essen. Da der Menuteller an diesem Tag nicht nach unserm Gusto war, haben wir uns in Lüscherz  im Gasthof  zum Goldenen Sternen getröstet. Fritierte Felchen als Vorspeise und Kalbssteak mit Currysauce und Früchten. Frau L. hat sich das gewünscht. Richtig altmodischer Landgasthof, aber sehr gut und gepflegt gekocht.

Quellen: Histoire de la commune Le Landeron und wiki

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CH-6130 Willisau: Stedtli

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Wenn in dem Luzerner Landstädtchen Willisau Grossmutters Unterwäsche vor den Fenstern hängt, weiss der Besucher, dass hier die Narren los sind. Letzten Samstag sind wir (endlich) wieder mal zu einer ordentlichen Ausreise aufgebrochen.

Seit dem 11. Jhdt. gehörte die Willisauer Gegend zur Grafschaft im Aar-Gau. Der letzte Aar-Graf schenkte seinen Besitz an den befreundeten Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Dieser überliess den Grafen von Habsburg das lenzburgische Eigengut im Süden des Aar-Gaus und damit auch Willisau.
Anfang des 14. Jhdts. verpfändeten die verschuldeten Habsburger ihren gesamten Willisauer Besitz an die Herren von Hasenburg (Burg in Asuel im Kanton Jura). Um ihren Besitz zu befestigen, gründeten die Herren von Hasenburg 1302/03 anstelle des bestehenden Pfarrdorfes das Städtchen Willisau. 30 Jahre später erhielt Willisau das Stadtrecht.

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Der Willisauer Zweig der Hasenburger starb Mitte des 14. Jhdts. im Mannesstamm aus. Stadt und Herrschaft Willisau wurden 1407 an den Stadtstaat Luzern verkauft. 400 Jahre lang regierten fortan patrizische Landvögte aus Luzern. 1690-95 baute Luzern ein stattliches Landvogteischloss als Residenz.

Das Rathaus wurde 1704, nach dem letzten von insgesamt 4 Stadtbränden als Kaufhaus mit Schaal (Metzgerei), Korn- und Tuchlaube erbaut. Das Schlachthaus wurde bis 1956 benutzt.

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mit blitzsauberer Köchin
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Rathaus "dekoriert"

Willisau war und blieb trotz des mittelalterlichen Stadtrechtes eine Kleinstadt (von heute etwas mehr als 7000 EW).

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Blick vom Obertor zum Untertor
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"dekoriert"

Vier grosse Feuersbrunsten zerstörten das Städtchen. 1375 liess Leopold III., Herzog von Österreich, Steiermark und Kärnten als Landesherr das Städtchen anzünden, damit die eingefallenen Guglerscharen keine Bleibe vorfinden. Die Gugler waren etwa 22’000 „arbeitslose“ französische und englische Söldner im Dienste von Enguerrand VII. de Coucy, einem Enkel von Leopold I., der seinen (an sich legalen) Erbanspruch auf den Aargau gewaltsam gegen Albrecht III. und Leopold III. durchsetzen wollte. Die Guglerheere wurden aber aus allen Teilen des Mittellandes vertrieben.

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Nach der Niederlage von Sempach gegen die Truppen der Eidgenossen (Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern) liess Leopold III. das Städtchen erneut anzünden. Weitere Stadtbrände fanden 1472 und 1704 statt. An der Müligass findet sich noch ein altes Holzhaus in der damals üblichen Ständer-Bohlen-Kontruktion sowie die alte Stadtmühle, deren Fundamente auf die Zeit der Stadtgründung zurückgehen.

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Blick in die Mühligass
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vom Feuer verschont

Der habsburgische Doppeladler hat längst abgedankt. Zuspruch finden weiterhin die Willisauerringli, eine in der ganzen Schweiz ausserordentlich beliebte, süsse Spezialität, die gemäss Gerichtsbeschluss nur in Willisau hergestellt werden darf. Ringförmige bräunliche Guetzli aus Zucker, Mehl, Honig und Gewürzen. Charakteristisch für das Willisauer Ringli sind der harte Teig sowie der typische Zitronen-Honig-Geschmack. 7 Pfund Zucker, 7 kleinere Tassen Wasser, Rinde von zwei Zitronen und einer Orange und etwa 5,5 bis 6 Pfund Mehl, so lauten gemäss Urrezept die Rohstoffe für das Willisauer Ringli. Hinzu kommen Gewürze und ein wenig Honig. Der hohe Zuckeranteil ist dafür verantwortlich, dass die Ringli steinhart sind. Man bricht sie mit dem Ellbogen und lutscht sie dann weich. Falls die Ringli härter sind als der Ellbogen muss letzterer 4 Wochen in Gips gelegt werden.

Erfunden wurden die Willisauerli von Martha Peyer, Köchin auf Schloss Heidegg, die das Rezept  um die1850 in die Ehe eines Bäckermeisters in Willisau einbrachte. In der Bäckerei Amrein werden heute noch die echtesten der echten hergestellt. Hier lässt sich auch der fällige Kaffee in angenehmer Umgebung trinken.

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Habsburger Doppeladler
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Stammhaus der Willisauerli

Zorra war übrigens letztes Jahr auch hier.

Quelle: wiki und eine Publikation der Einwohnergemeinde Willisau „eine runde Sache“.

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CH-4103 Bottmingen: Probeessen im Schloss

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Das Wetter am Morgen noch verhangen, auf den Strassen noch etwas Schnee. Keine Lust auf weite Ausreisen. Hingegen Lust auf ein gutes Essen. Frau L. möchte unbedingt im Wasserschloss einer Basler Vorortsgemeinde essen gehen. Probeessen 🙂

Das Schloss ist die einzige Wasserburg im Leimental, die bis heute erhalten geblieben ist. Das Schloss wurde erstmals 1363 erwähnt, 1645 wurde es nach wechselhafter Geschichte durch den pfälzischen Adeligen Johann von der Grün,  Generaladjutant von Bernhard Herzog von Sachsen-Weimar im dreissigjährigen Krieg,  im Stile des deutschen Frühbarocks umgebaut. 1730 erwarb Johannes Georg Deucher, ein reicher Spekulant, das Schloss. Er liess es umbauen und gab ihm das heutige Aussehen. Hier in einem Kupferstich nach einer Zeichnung des Zeitgenossen Emanuel Büchel. Ausserhalb des Weihers entstanden Stallungen, Orangerien, Gewächshäuser und ein französischer Barock-Garten.

CH-4103 Bottmingen Weiherschloss

1780 liess ein späterer Besitzer Turm und Mauern des Südostwinkels bis aufs Hofniveau abtragen, was den engen Schlosshof zu einer Garten-Terrasse öffnete.

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südlicher Zugang
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Gartenterasse

Nach weiteren Handwechseln wurde 1887 ein Restaurant mit Kuranstalt und einem grossen Saal eingebaut, in den folgenden Jahrzehnten vergammelte das Haus stark. Auf Initiative der Burgenfreunde beider Basel wurde das Schloss 1943 wieder instandgestellt und gehört seit 1957 dem Kanton Baselland. Heute  wird darin ein stilvolles Restaurant der gehobenen Presiklasse betrieben.

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Hof und Blick auf Nordzugang
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Blick in das Vestibüle

Wir haben den Tageslunch gegessen. Feldsalat mit Frühlingsrollen. Als Hauptgang ein selten zartes, perfekt gebratenes Kalbssteak an Champignonssauce mit Gemüsen. Dessert: Schokomousse im Tärtchen mit Blutorangeneis. Konservative, klassisch-französische Küche. Ganz nach dem Geschmack von Madame L.

Quellen: Kunstführer Kanton Basellandschaft

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CH-5245 Habsburg: Im Stammland der Habsburger

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Natürlich war ich Schuld, ich kümmere mich nie um die Öffnungszeiten von Restaurants. Wir wollten auf der Burg Habsburg, die als Stammsitz dem späteren mächtigsten europäischen Adelsgeschlecht den Namen gab, einen Kaffee trinken. Die Freude war kurz. Geschlossen bis Ende Februar. Die Habsburger ausgeflogen. Ein Bild geknipst, und ab ins warme Auto, der Frost sitzt mir heute noch in den Knochen.

1108 wurde die Habsburg erstmals urkundlich erwähnt. 1308 wurde der Habsburgerkönig Albrecht I. in Königsfelden bei Brugg von seinem Neffen Johannes von Schwaben ermordet. Das immer mächtiger werdende Grafengeschlecht verliess die Burg um Anfang des 13. Jhdts., da sie den Repräsentationsansprüchen des damaligen Grafengeschlechts nicht mehr genügte. Mit der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 durch die Eidgenossen verloren die Habsburger ihre Stammburg. Nach der Wahl Rudolfs I. 1273 zum römisch-deutschen König bauten sich die Habsburger mit dem Erwerb der Herzogtümer Österreich und Steiermark in Wien ein weit mächtigeres Herrschaftszentrum auf. Seit 1804 ist die Habsburg im Besitz des Kantons Aargau. (Notiz an mich: beim nächsten Besuch eine Flasche Habsburger beschaffen).

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Habsburg und Reben im Frost
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Restaurant Spedition Baden

Also weiter im ehemaligen Habsburger Machtdreieck über Königsfelden nach Baden. Da war doch noch was in Baden. Die Risottoküchlein ! Im renovierten Gebäude einer ehemaligen Waschmaschinenfabrik hat sich seit letztem September ein kultureller Mikrokosmos eingenistet. U.a. die „Spedition“. Das Restaurant, dessen Küchlein ich nachgekocht habe. Alles modern und sehr stylish umgebaut. Eingang über die ehemalige Laderampe. Schwarze Holzwände, sichtbare Eisenträger der alten Lagerhalle, aber gemütlich, angenehm. Durchwegs sehr junges, aufmerksames Personal. Die hölzernen Clipboards, auf denen früher die Auslieferaufträge der Waschmaschinenfabrik notiert waren, dienen heute als Speisekarte. Traditionelle, marktfrische Küche zu anständigen Preisen. Frau L. ass Barolobraten mit Kartoffelpüree und Gemüse, ich hatte  Jungschweinrücken mit Olivenjus, Petersilienwurzelstampf und Gemüse, Maisküchlein. Wir waren seh zufrieden. Als Habsburger hätte ich dieses Land nie verlassen.

Restaurant Spedition
Bruggerstrasse 37,
CH-5400 Baden

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Clipboards als Speisekartenhalter
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Koteletts vom Jungschwein

Die Lust auf einen Stadtspaziergang in Baden gefror unter einer eiskalten Bise. Damit der Besuch wenigstens fotografische Beute ergab, noch ein kleiner, ungeplanter Abstecher ins ehemalige Zisterzienserkloster Wettingen. Gegründet auf einer Halbinsel der Reuss, Nähe Baden. Durch eine Schenkung von Ritter Heinrich von Rapperswil gelangte einiger Grundbesitz in Wettingen an das Kloster Salem (Baden-Württemberg). 1227 begannen deren Mönche mit dem Aufbau des Klosters, 1256 erfolgte die Einweihung der Klosterkirche. Der Grundriss zeigt die typischen Merkmale einer hochmittelalterlichen Zisterzienseranlage.  Bis zur Machtübernahme der Eidgenossen 1415 waren die Habsburger Schirmherren des Klosters. Der vordere Teil des Schiffes ist durch einen Lettner vom hinteren Teil abgetrennt und war nur den Mönchen und Geistlichen zugänglich

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Huuuuh, Barock !

1529 trat die Mehrheit der Mönche zum reformierten Glauben über. Ab 1595 erfolgten grössere Umbauten. 1841 wurde das Kloster säkularisiert und darin das kantonale Lehrerseminar eingerichtet.

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Langbau
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Seitenhof
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früher Schwestern-, heute Wirtshaus
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Blick auf Limmat und Autobahn

Trotz längeren Suchens habe ich in der grossen Anlage den Eingang zum Kreuzgang nicht gefunden. Der dringliche Einwurf von Frau L., sie friere und überhaupt diese Fotografiererei…, war der Pforten-Findung nicht gerade förderlich. Dann halt ohne. Bei der Durchsicht der Unterlagen zuhause,  an der Wärme, entdeckte ich den Eingang… auf dem Plan.

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