Schlagwort-Archive: Grenzland

I-39012 Meran: Kallmünz

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Meraner Dolendeckel

An dieser Stelle wäre, wie jedes Jahr, der Besuchsbericht vom Mittagessen in der Rose Eppan fällig. Man wird jedoch nicht jünger, den Eintagesausflug nach Bozen musste ich leider streichen. Zu weit entfernt. Meran wird künftig einspringen müssen. Nach meinem Plan hätten wir das Mittagessen im Vinschgau beim jungen Sternekoch Jörg Trafoier in Kastelbell eingenommen. Frau L. war das zu abgehoben, übernahm die Oppositionsrolle und wollte unbedingt ins Brauhausstüberl Forst in Algund. Ausgerechnet Frau L., die weder Schweinshaxe noch Speck auf Kraut essen würde. Kurz vor Algund habe ich sie dann mit meinem Alternativvorschlag, der Aussicht auf Ochsenschwanzravioli im Kallmünz, herumgekriegt. Das neue notebook in den Ferien ist schon praktisch.

Das Restaurant Kallmünz ist Teil des Ensembles von Schloss Kallmünz aus dem 16. Jahrhundert, am Fuss der Altstadt gelegen. Das Restaurant wurde 2003 in der ehemaligen Kutschenremise des Schlosses eröffnet. Der Neapolitaner Luigi Ottaiano ist Küchenchef, der aussergewöhnlich freundliche Service wird von einem Japaner in gut verständlichem Italienisch geleitet.

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Kallmünz aussen
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Kallmünz, innen

Der Leitspruch des Hauses lautet zu Recht: Man blickt in die Zukunft, ohne die Vergangenheit zu vergessen. So war es denn auch. Gegessen haben wir:

Ochsenschwanz-Ravioli, Tomatensauce mit Rosinen und Pinienkernen, römischer Schafskäse. (Bild)
Entenleberterrine mit roten Paprikaschoten, Sprossensalat, Vinaigrette aus Sesam-Samen und Sonnenblumenkernen, Pan Brioche. (Bild)

Steinbutt-Scheibe, Pfifferling – Soße, roter Radicchio aus Treviso, kandierter Ingwer, Julienne aus Orangenschalen.
Goldbrassefilet, Griechische Soße, Kirschtomaten und Apfel, Koriander und Mohn, Ofenkartoffeln.

Einziger Kritikpunkt: die Desserts waren uns etwas zu sizilianisch süss. Frau L. war zufrieden, ich war zufrieden, was will man mehr.

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Entenleberterrine
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Ochsenschwanzraviolini
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Luigi Ottaiano in seinem Reich
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Die steht bei Seibstock

Danach die üblichen Tour durch Meran, der obligate Besuch bei Frasnelli.

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durchs Tor
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Laubengasse
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Frau L. in Frasnellis Küchenladen
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Endstation Bozen

Nach kurzem Rundgang durch Meran haben wir abgekürzt, die Laubengasse war derart voll von Schweizern und Deutschen, dass wir in einem Anfall von Misanthropie doch lieber die 40 km Weg auf uns genommen haben, um in Bozen zu flanieren. Hätten wir einfacher haben können.

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Grenzland 2010: Veltlin

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Bianzone mit Dach des Palazzo Besta

Same procedure as every year. Auch dieses Jahr verbrachten wir unsere Sommerferien auf ausgetretenen Pfaden im Engadin. Zum vierten Male berichte ich über diese schöne Grenzregion. Alle Reiseberichte sind fein säuberlich mit dem tag Grenzland [klick] etikettiert, wie schon in den vergangenen drei Jahren.

Das mag langweilig klingen, für uns sind aber Ferien am selben Ort mit einem hohen Erholungswert verbunden. Heuer war das Wetter ziemlich kapriziös. Temperaturen unter Null, Schnee in höheren Lagen, Wind, Regen, Sonne in buntem Wechsel. Wie praktisch, dass ich erstmals mein neues Spielzeug mit auf die Reise nehmen konnte. Wie heisst doch der Spruch ? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur ein fehlendes notebook. Die erste Ausfahrt ging, wie jedes Jahr, ins Veltlin. Beim ersten guten Kaffee in Tirano auf der Terasse des Caffè del Duomo donnerte diesmal sogar die historische Berninabahn, Baujahr 1908-1911, in gelb vorbei.

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Baujahr 1912

Erst wird Bresaola eingekauft, diesmal in der Macelleria Poretti an der Via S. Carlo, 2. Die normale wie die leicht geräuchte Qualität sind vorzüglich. Auf dem Weg nach Bianzone folgt ein kurzer Spaziergang durch die Reben zu Anna Bertola ins Ristorante Altavilla. Gleiche Speisekarte, dieselbe Weinkarte, Qualität und Herzlichkeit unverändert: alles wie gehabt.

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Maestro Poretti in Tirano
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Chiavannesca (Nebbiolo) Trauben

Gegessen haben wir die, wie jedes Jahr, die unvergleichlichen Sciatt [klick zum Rezept]:

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Sciatt

Als Hauptgang Buchweizennudeln mit Pfifferlingen, zum Dessert die Amaro Braulio Eiscreme.

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Buchweizennudeln mit Gallinacci
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Amaro Braulio Eis

Gegen Ende des Essens eroberte sich die stolze Hauskatze, eine gebürtige Römerin, eine warme Sitzgelegenheit und als letzte Überraschung zeigte sich die langjährige Baustelle auf der Piazza Garibaldi in Sondrio von der schönsten Seite: leergeräumt, Bauarbeiten am Parkhaus abgeschlossen. Ein schöner Tag.

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Löwin von Rom, die Pullis von Max Mara
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Sondrio Piazza Garibaldi

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Nie mehr…

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Geschichten aus dem Val Roseg (Engadin)

Nie mehr…. werden wir  volle 4 Wochen Ferien machen. Überquellender Briefkasten. Volle e-mail-boxen, worunter immer mehr höfliche Zuschriften, doch dieses Olivenöl, jenen Himbeersirup, den Schnaps der Schnäpse, das ganz spezielle Lammfleisch und weiss der Kukuck was alles in meinem Blog wohlwollend erwähnen zu wollen. Wer auf das no-ads-icon rechts oben klickt, weiss, wie ich es damit halte. Dank Kommentarsperre kein einziger Kommentar mehr… leider auch kaum mehr Leser/innnen, aber alles gleichzeitig kann man nicht haben. Und die Sperre ist ja nun vorbei 🙂 Dennoch, 4 Wochen (beinahe) ohne Telefon, Computer und soziale Netzwerke sind erholend, tun gut.

Doch alles schön der Reihe nach. Die Ferien waren wettermässig sehr durchzogen, viel Kälte, viel Regen, wenig Sonnenschein.

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Malojersee benebelt

In Pontresina werden jedes Jahr mehr der gelben Hungertürme aufgestellt, mit denen arme Bergbauern ihre steinigen Böden beackern, um ihnen ein karges Zubrot abzutrotzen.

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Hungertürme in Pontresina

Wir haben nette Ausflüge im Grenzland (klick) unternommen: neben dem Engadin haben wir uns im Valposchiavo, im Val Bregaglia, im Val Müstair, im Veltlin bewegt, sogar der jährliche Ausflug nach Bozen fand statt. Wie jedesmal  sind wir mehr gefahren als gewandert.

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Frau L. (klein) mit historischer Berninabahn (gross)

Hinzu kam ein Kochkurs in zwei Halbtagen, den ich kurzfristig bei Schlechtwetter in einem Grandhotel buchte, der dann, wie erwartet, bei schönstem Herbstwetter stattfand.

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Kochkurs im Grandhotel

Nie mehr…. werde ich ohne Trüffelhobel im Herbst verreisen, einen Herbsttrüffel ohne Hobel mit einem Ferienwohnungsrüstmesser fein schneiden zu wollen, ist kein Schleck. Die damit bereiteten Trüffelnudeln hingegen schon.

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Trüffel mit zweckentfremdeter Bürste

Nie mehr…. werde ich mit beinahe vollem Kofferraum in die Ferien verreisen, das war mir eine Gugelfuhr auf der Heimreise: der  Tannenwald im Kleinformat, Platten und Plättchen, der neue Zeitmesser, die eingekauften Vorräte an Olivenöl, Wein und Mehlen (der €-Wechselkurs halt). Da war die von Frau L. eingekaufte, 17-te Salatschüssel der Tropfen, der, wenn schon nicht den See, dann doch den Kofferraum zum Überlaufen brachte.

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Lago bianco auf der Bernina am Überlaufen

Damit gehts hier wieder regelmässig weiter, mit  Rezepten aus dem Kochalltag, Rezepten aus dem Gemüsekurs von Lukas Rosenblatt, Rezepten aus dem Kochkurs im Grandhotel, mit Reiseberichten aus dem Grenzland, einem Fleisch und Wurstkurs, den ich eben bei Lucas besuchte. Das Leben hat mich wieder voll im Griff. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich zunächst noch kaum zum kommentieren komme. Etwa 1000 Einträge wollen rasch überblickt werden,  der Garten muss noch eingewintert werden, diverse Reparaturen an Haus, Auto und Knochengestell stehen vor dem Winter noch an, die alle meine Zuwendung erfordern.

Ich freue mich auf euch, liebe Leser/innen, Schluss mit Ferien, endlich wieder zuhause.

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I-23022 Chiavenna: Bruno Ritter

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Jedesmal, wenn wir in Chiavenna sind, essen wir bei Passerini. Seit Jahren am selben Stammplatz. Beinahe jedesmal sitzt uns derselbe, fliessend italienisch sprechende Geniesser gegenüber, der hier sein Mittagsmahl als Stammgast einnimmt. Einheimische nennen ihn pittore: Maler. Diskret, wie Schweizer sich im Ausland benehmen, ging es lange, bis wir überhaupt merkten, dass es sich um einen Schweizer handelt. Seither wechselten wir bei jedem Aufeinandertreffen ein paar freundliche Worte. Nach den vorletzten Ferien kamen wir via Internet (!)  zufällig in Kontakt und er lud er uns zu einem Atelierbesuch ein.

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Atelier
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Atelier

Die wichtigsten biografischen Daten des Künstlers sind auf seiner website einsehbar:

Der Rückzug aus der Stadt Zürich im Jahre 1982, als sich Bruno Ritter vorsätzlich in das enge, ländliche Tal Valchiavenna zurückzog, hatte in seinem Schaffen eine grosse Zäsur zur Folge. In seinen Werken setzt er sich mit breitgefächerten Themen auseinander: Der Berg, Metapher für die Einsamkeit, die Enge und Unausweichlichkeit des Tals, den hier wohnenden Leuten, die sich gegen die Naturgewalten wehren, der Konfrontation mit elementarster Natur und Kultur. Vor allem aber steht immer wieder die menschliche Gestalt in all ihren Verwandlungen im Mittelpunkt seiner Arbeit. Interessierten möchte ich die homepage von Bruno Ritter nahelegen, die seine Entwicklung mit sehenswerten Bildern dokumentiert.

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Selbstbildnis
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Selbstbildnis
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Calendi Marzo
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Cheti/San Barnaba
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Tryptichon: in der Bar
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Atelier
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Bild Atelier im Atelier stehend
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Atelier
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Die Kübel hängen jetzt bei uns

Vor dem Atelierbesuch haben wir uns bei Passerini gestärkt, u.a. mit einem Steinpilzsoufflée an leichter Safransauce und dem besten Flan Caramel, den wir auswärts je gegessen haben.

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Steinpilzsoufflee
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Flan Caramel

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CH-7516 Maloja Cavlöcc: Berg hoch

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Spiegelung am Lagh Cavlöcc

In jeden Ferien packt mich einmal pro Woche der Wandertrieb in die Höhe. Frau L. lässt mich dann ziehen. Mit dem Oberengadiner Linienbus gings erst nach Maloja, dann zu Fuss zum Cavlöccsee. Weiter hinein ins Tal Richtung Val Forno. Nach spätestens 2-3 Stunden war jedoch Schluss, die kaputten Herzklappen mahnten mich zur Umkehr, erinnerten daran, dass meine Zeit als Bergwanderer um ist. 

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mit dem Bus am Silsersee entlang
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lagh de Cavlöcc

Der Morgennebel hinterlässt auf allen Nadeln glitzernde Tautröpfchen.

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Tautropfen am Morgen

Steindächer aus Schiefer bedecken hier die Alphütten. Ein wunderbar beruhigender Anblick.

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Dachlandschaft

In den Bergen geht es ständig bergauf. Selten runter. Moderndes Holz lässt einen schauen, verweilen und Atem holen.

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Irgendetwas modert immer
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Spätblüher im September
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Endstation Sehnsucht

Und wieder musste ein Erstbesteigungsversuch der Fornohütte vorzeitig abgebrochen werden. Ist auch besser so, bin eh nicht schwindelfrei.

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ein Bänkli für den Opa

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CH-7550 Scuol/Schuls: Häuser

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Die Einteilung des Reiches in Gaue, die Karl der Grosse (768 –814) vornahm, trennte die Geschichte des Unterengadins von jener des Oberengadins. Das Unterengadin wurde zur Grafschaft Vinschgau geschlagen. Im 12. Jhdt. zählten die Grafen von Tarasp sowie das Kloster Marienberg im Vinschgau zu den grossen Landbesitzern in Schuls. Im Spätmittelalter besassen auch die Grafen von Tirol, das Kloster Müstair und die Herren von Matsch ausgedehnte Güter in Schuls. 1533 hielt die Reformation Einzug. 1621/22, während des dreissigjährigen Krieges, wurde Schuls durch spanisch-habsburgische Truppen im Dienste des österreichischen Erzherzogs Leopold V mehrfach verwüstet, was auch für die Siedlungs- und Baugeschichte gravierende Folgen hatte. 1652, vier Jahre nach Beendigung des dreissigjährigen Krieges, konnte sich das Engadin von den letzten, Habsburg verbliebenen Rechten loskaufen.

1853 wurde eine fahrbare Strasse durch das ganze Engadin gebaut, damit wurde die Isolation der Unterengadiner Dörfer vermieden. Um 1860 begann die Nutzung der Heilquellen im grösseren Stil, zahlreiche Badehotels wurden erbaut, zudem wurde der Flüelapass durch eine Strasse erschlossen.  

Wer S-Charl mit dem Auto besucht, muss auch Schuls/Scuol durchqueren. Hier ein paar Aufnahmen. Sehenswert sind die spätgotische St. Georgskirche von 1516 und die guterhaltenen, schönen Bürgerhäuser im unteren Dorfteil Scuol Sot rund um den malerischen Dorfplatz.

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An einzelnen Häusern lässt sich der starke Einfluss Südtiroler Malereitechnik deutlich ablesen:

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CH-7515 Sils Baselgia: Chasté, Kraftort

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Eine der schönsten Kleinwanderungen im Oberengadin führt entlang lauschiger Buchten um die Halbinsel Chasté bei Sils. Die Halbinsel war einst Lieblingsaufenthalt des Philosophen Friedrich Nietzsche, der während acht Sommern seit 1878 in Sils zu Gast war. Jeden Morgen, vor sechs Uhr, machte sich der Philosoph zu einem Spaziergang zum Silser See auf, dessen Anblick ihm ob so viel Schönheit „Thränen des Jauchzens“ in die Augen trieb. An der Spitze der Halbinsel haben ihm Bewunderer ein Denkmal gesetzt: Verse aus Zarathustra, in Fels gemeisselt.

Wir beginnen die Wanderung bei der Kirche St. Laurenz in Sils-Baselgia, trampeln die täglich von Hunderten von Besuchern begangenen Wege ab, freuen uns der schönen Aussichten, gucken nach vorhandenen Pflanzen und Beeren. Setzen uns auf einige der von Besuchern gestifteten Ruhebänke und tanken Kraft. 

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Sils-Baselgia: San Lurench
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Chasté Südseite
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Silberdistel
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Preiselbeeren

Die Blüten des Herbstes.

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Kraft soll es gemäss Fremdenverkehrswerbung an diesem Kraftort reichlich (und kostenlos) geben. An einem Orte, wo früher Hesse, Chagall, Marcuse, Musil, Neruda, Proust, Thomas Mann und Dürrenmatt Kraft geschöpft haben, wird wohl auch auf uns ein Quentchen inspirierende Kraft überspringen wollen. Zumal wir sie nötiger haben als jene.

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gekappte Kraft
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Ausblick

Die verräterische Lärche verhindert, dass ich das Bild als Mittelmeer ausgebe.

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Engadiner Engel

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Sie leben in Friedhöfen des 19. Jahrhunderts: Engel mit Posaunen, die dem Jüngsten Gericht assistieren; in Anbetung oder Trauer versunken; Palmwedelschwingend oder ans Kreuz gestützt; trostspendend ins Jenseits weisend oder puttenhaft flatternd wie ordinäre Schutzengel. Nein, ich bin nicht nekromantisch veranlagt, dennoch besuche ich in den Ferien gerne Friedhöfe, wo derartige Grabkunst nicht aussortiert, sondern als Ausdruck einer vergangenen Zeit weiter bestehen darf. Im Engadin gibt es einige kleine Friedhöfe, in denen man sie noch findet. Deren Bestand ist nicht zu vergleichen mit jenem der grossen Friedhöfe z.B. in Wien (St. Marxer), Hamburg (Ohlsdorfer) oder Köln (Melaten), die ich aber alle leider noch nie besucht habe.

Hier einige Bilder, sortiert in meiner eigenen Typologie:

Kinderengel

Altersklasse 3-12 Jahre. Puttenhaft flattern sie auf den Gräbern herum, zur Freude der noch Lebenden.

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keiner aus Gips !
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Aus Gips einer !
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junger Greis

Ach Jugend, wohin bist Du entschwunden ?

Adoleszente Engel

Altersklasse 13 bis 18 Jahre

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da freut sich der Opa !
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kann auch Schutzengeln passieren
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die fromme Helene ?
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anlehnungsbedürftig
Engel 3_2009 09 18_2330
psst, Spinne auf Haupt schläft

Langsame Annäherung an jene Altersklasse, die des tiefsten Ausdruckes von Trauer und Schmerz fähig ist:

Jungfräuliche Engel

Altersklasse 18 bis 30 Jahre

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der Blick nach rechts gesenkt
Engel 7_2009 09 18_2338
hier nach links
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den Arm edel vor die Brust gelegt
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hier scheint die Trauer echt

Reifere Engel

Altersklasse ab 30.

In der Altersklasse, der ich zugehöre, scheint es überhaupt keine Engel mehr zu geben.

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Warum ?
Engel 11_2009 09 05_2564
Darum !

Sogar einen der seltenen Galvanoengel habe ich gefunden: Ihr Körper besteht aus Gips, der mit einer dünnen Bronzeschicht ummantelt ist – diese wird im Galvanischen Bade auf dem Gipskörper abgelagert -. Sie sehen aus wie richtige, gegossene Bronzeengel.

Engel 9_2009 09 18_2332

Heimgegangen bist Du, Jüngling, rinne
Sehnsuchtstränen auf den Aschenkrug;
Halbbetäubt noch steh ich hier und sinne,
ob es wahr sei oder Traumbetrug.
etc. ….
Um mich sprosste düstrer Bilder Kranz;
Bei des Grabelämpchens Scheine
Sah ich nur der Todesengel Tanz.
Novalis

was das mit einem food-blog zu tun hat ? hmmm…. Nicht viel, ausser dass morgen Allerseelen gefeiert wird und ich mich herzlich daran freue, dass ich nicht im Reigen der Seligen mittanzen muss, sondern mich, bei allem gebotenen Ernst, im Scheine eines normalen Stubenlämpchens über einen Gemüseteller hermachen darf.

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CH-7500 St. Moritz: Schieflagen

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Dabei habe ich mir geschworen, nie über St. Moritz berichten zu wollen. Bis 1880 war St. Moritz ein kleines, bescheidenes Dorf im Engadin. 1856, mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Kulm-Hotels, begann der touristische Aufstieg des Ortes. Heute ist St. Moritz eine kosmopolitische Kleinstadt. Eine grausliche Mischung aus Armani, Versace und schlimmster Bausünden an jeder Strassenecke. Luftverschmutzung und Bodenpreise teils höher als in Städten des Unterlandes. Aber den Reichen und Schönen, bzw. Label-Shoppers und Botox-Gespritzten scheint es hier zu gefallen.

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Spontan wollen mir nur wenige Gründe einfallen, St. Moritz aufzusuchen:
1. die Bushaltestelle als Umsteigeort für Reisen im Oberengadin
2. der grosse COOP Laden
3. Konditorei Hanselmann, obwohl das Angebot vergleichbar dem anderer Konditoreien ist.
4. Die Hatecke-Boutique, mit wirklich guten Trockenfleischspezialitäten und einem anständigen espresso.
5. Das Studium der Restaurant-Aushänge, um zu sehen, was in den Töpfen der Profikonkurrenz so köchelt. Morgen gibts bei mir eine Nobelpizza, gesehen im Aushang der Chesa Veglia !

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Hanselmann Fassade
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Hanselmann Eingang
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Hatecke Wurstauswahl
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Chesa Veglia, Nobelpizzeria

Wahrzeichen von St. Moritz-Dorf ist der Schiefe Turm, ein Rest der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Mauritiuskirche aus der Zeit um 1500. Neigung: 5.5 Grad

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St. Moritz: Schiefer Turm
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St. Karl 1894, bolzgerade

Wie wohltuend ist dagegen, wenige Kilometer von St. Moritz entfernt in Celerina, die Einkehr in der Kirche San Gian. Teile des Langhauses, der Chor sowie der kleinere Turm stammen aus der Zeit um 1100. In der Spätgotik wurde ein grösserer Turm daneben erbaut. Im Innern nimmt einen die prachtvoll mit Ornamenten bemalte gotische Holzdecke von 1478 sofort gefangen. Die Wandmalereien entstammen der lombardischen Frührenaissance. Der grosse Turm wurde 1682 durch einen Blitzschlag getroffen, jedoch nicht mehr wieder hergestellt, da das Dorf seit 1669 eine Kirche mit Glockenturm im Dorfzentrum besass.

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Celerina: San Gian
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Celerina: San Gian Holzdecke

Wundervoll die verwitterte Arvenholztüre:

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Celerina San Gian: Pforte

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CH-7550 S-Charl: Von Bären und Cordon bleus

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S-Charl (1810 m.ü.M) liegt, von Basel aus gesehen, am Ende der Welt. Von Schuls/Scuol windet sich rund 13 km lang ein schmaler Fahrweg durch einen gewaltigen Geröllcanyon entlang des Schweizer Nationalparks in ein kleines, wildes Seitental. Bald ist der geteerte Strassenabschnitt zuende, die Strasse unbefestigt bis S-Charl, einem kleinen Weiler, hinten im Tal. Der ursprüngliche Dorfkern gruppiert sich mit seinen 13 Häusern und 3 Gaststätten rund um eine Kirche. Das Dorf ist autofrei. Im Sommer verkehrt im Sommer ein Postauto. Bis 1920 war S-charl ganzjährig bewohnt. Im Winter ist die Zufahrtsstrasse gesperrt und das Dorf nur mit Pferdeschlitten, Tourenskis oder Schneeschuhen erreichbar. Eines der Hotel hat winters geöffnet.
In einer Schenkungsurkunde der Herren von Tarasp an das Kloster von Scuol erscheint der Ortsname S-charl um das Jahr 1095 erstmals.

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Dorfplatz
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Dorfstrasse
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Fensterbild
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Der letzte Bär

Wir sind in einem der Gasthäuser, dem Crusch Alba, weisses Kreuz, zu einem einfachen, aber sehr guten Mittagessen eingekehrt. Das Foto an der Wand zeigt die damaligen Dörfler und Dorfschönheiten im Sonntagsstaat, zu Füssen der im Jahre 1904 erlegte, letzte Braunbär der Schweiz. Über 100 Jahre sollten vergehen, bis sich wieder ein Bär in der Schweiz zeigte, und sogleich abgeknallt wurde. Bär gabs nicht auf der Speisenkarte, dafür Cordon bleu aus Kalb. Anlass, zuhause wieder einmal Cordon bleu zu machen. Übermorgen.

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Bär erlegt !
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kein Bär, Cordon bleu

 

Zwischen dem 12. und 17. Jh. und von 1811–1829 herrschte grosse Betriebsamkeit in dem einsamen Tal. Silber und Bleivorkommen wurden von Tiroler Bergknappen (das Unterengadin war lange Zeit habsburgisch) unter primitivsten Bedingungen von Hand abgebaut. Bis zum Auskauf des Unterengadins 1652 lag das königliche Bergwerksregal bei den Grafen von Tirol bzw. bei der Herrschaft Österreich. Danach kam der Bergbau zum Erliegen, die einheimischen Bauern verstanden sich nicht auf dieses fremde Handwerk. Zudem war auch der Ertrag zu klein: Aus einer Tonne Gestein wurden 1 kg Blei und 1 g Silber gewonnen.

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Kirchlein
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Bergbau Ruinen bei Schmelzra

Ein wundervolles Wandergebiet, leider führt der Weg meist hoch. Hier muss im Winter der absolute Frieden herrschen. Kein Auto !

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Türmchenbau im Geröllcanyon

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Grenzland 2009: Dritte Auflage

Grenzland Veltlin Bergell Valposchiavo

Wie jedes Jahr, verbrachten wir auch unsere diesjährigen Sommerferien im Engadin. Einmal mehr haben wir unsere alten, ausgetrampelten Wege begangen, aber auch neue betreten. Davon wird an dieser Stelle in den nächsten Wochen zu lesen sein. Alle Reiseberichte sind fein säuberlich mit dem tag Grenzland etikettiert, wie schon in den vergangenen zwei Jahren.

Die erste Ausfahrt hatte das Wiederanknüpfen mit den letztjährigen Neuentdeckungen im Veltlin zum Ziel. Kurz nach 11 Uhr lohnt es sich in Tirano den (guten) caffè auf der Terasse des Caffè del Duomo zu nehmen. Unvermittelt, aber pünktlich, beginnen die Kaffeetassen zu vibrieren, ja gar zu wackeln, ein zunehmendes Donnern, Rumpeln und Bimmeln dröhnt durch die Strasse. Kein Erdbeben, die Berninabahn (trenino rosso) donnert im Abstand von 2 Metern am Kaffee vorbei quer über die Kreuzung.

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Danach gings nach Bianzone, Altavilla, zu Anna Bertola.
Hier haben wir uns an den ein langes Jahr vermissten Sciatt gütlich getan, eine weitere Veltliner Käsespezialität kennengelernt, chisciöi, ein Stück Casera-Käse, der in einem Teig aus Buchweizenmehl ausgebacken wird. Die Rotoli di vitello schmecken immer noch gleich gut und der 2005er Carteria von fay ist klar besser als der 2004er.

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Bresaola
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Sciatt
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Chisciöi
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Rotoli di vitello
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Carteria
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Misto bosco

Danach in einem Hupf über die berühmte Brücke aus dem Jahre 1778 nach Morbegno, direkt in die Altstadt und den Laden der Fratelli Ciapponi:

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Morbegno ponte di Ganda
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Fratelli Ciapponi

Während sich Frau L. mit dem alten Herrn Ciapponi unterhielt, habe ich in der Abteilung Holzgerümpel eine Spaghetti-Chitarra aufgestöbert. Daneben bei Grappa und Veltlinerkäse kräftig zugelangt.

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was darin sein mag ?
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Signore Ciapponi personalmente
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hinein in die heiligen Hallen
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Jungkäse und -Salsicce

Die Ciapponis kaufen ihre Käse direkt von den Erzeugern und lagern sie in den eigenen Kellern bis zu 10 Jahren.

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In Morbegno lässt sich überhaupt gut einkaufen. Hier gibts den besten Früchte- und Gemüseladen weit und breit. Interessant die Figur des Christophorus auf der Brücke, die auf  die österreichische Besetzung hinweist.

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Brücke über den Bitto
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Orto & sapori

Die Altstadt von Morbegno ist schön, ausgedehnter, weniger touristisch als jene von Sondrio.

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Gasse in Morbegno

Hier gehts zu den entsprechenden Berichten aus dem letzten Jahr:

I-23030 Bianzone: Trattoria Altavilla
I-23017 Morbegno: Gourmetparadies Flli. Ciapponi

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CH-7535 Müstair: Karl der Grosse und die Katze

Kloster St. Johann Müstair
Kloster St. Johann Müstair

Keine Engadinferien ohne Besuche im Val Müstair (Münstertal). Das im östlichsten Teil der Schweiz gelegene Val Müstair besteht aus sechs Gemeinden mit knapp 1700 Einwohnern. Das sich vom Ofenpass bis zur italienischen Grenze erstreckende Tal ist etwa 26 km lang bei einer Fläche von knapp 20’000 ha.

Die historisch dokumentierte Besiedlung begann Ende des 8. Jhdts. mit der Gründung eines Herbergsklosters, das in der Folge die Entwicklung des Münstertals stark prägte, ihm sogar den Namen gab (monasterium, Kloster). Als Karl der Grosse sich 772-774 des Langobardenreiches bemächtigte, machte er den Churer Bischof Constantius zum weltlichen Verwalter von Churrätien, damit sicherte er sich die Passübergänge.
Anfang 12. Jhdt. lag das von Benediktinern geführte Kloster darnieder, erst die Einrichtung eines Frauenstiftes brachte das Haus wieder zur Blüte. Im 14. Jahrhundert trat der damalige Churer Bischof immer mehr Grundrechte an Österreich ab. Dagegen wehrten sich die Leute in allen Talschaften des Bistums und gründeten 1367 zur Abwendung der östlichen Gefahr den Gotteshausbund. Das Münstertal bildete zusammen mit den Gotteshausleuten im Vinschgau ein Hochgericht mit Sitz in Müstair. Im Schwabenkrieg (vor und nach der Schlacht an der Calven 1499) wurde das Münstertal und das Kloster dafür von österreichischen Truppen geplündert und verwüstet.

Plantaturm 10. Jhdt.
Plantaturm 10. Jhdt.
Wirtschaftshof mit Torturm 15. Jhdt.
Wirtschaftshof mit Torturm 15. Jhdt.
Eingang durch südl. Torturm
Eingang durch südl. Torturm
Spätgotisches Netzgewölbe 15. Jhdt.
Spätgotisches Netzgewölbe 15. Jhdt.

Die Klosterkirche St. Johann erlangte ihre heutige Berühmtheit (UNESCO-Welterbe) durch die Entdeckung eines Ende 800 entstandenen, einzigartigen Freskenzyklus aus karolingischer Zeit. Die Tafeln erzählen das Leben und Wirken Christi, den Wänden entlang, wie ein Bilderbuch. Im ausgehenden 12. Jhdt. liess der Frauenstift die Kirche mit expressionistischer romanischer Malerei aus- und übermalen.

Karolingische und romanische Fresken
Karolingische & romanische Fresken
Karl der Grosse, Statue 11. Jhdt.
Karl der Grosse, Statue 11. Jhdt.
Christus im Wellenberg (11. Jhdt)
Christus im Wellenberg (11. Jhdt)

Die Reformation erfasste die oberen Gemeinden des Tales früh, das Klosterdorf Müstair blieb hingegen beim Katholizismus. In der Zeit der Bündner Wirren 1620-35 wurde das Tal wechselweise von österreichischen, französischen und spanischen Truppen besetzt. Die strategische Bedeutung der Pässe ins Veltlin (Umbrailpass), nach Livigno und ins Engadin habe ich im Beitrag über Glurns schon erwähnt. 1728 verkaufte der Bischof von Chur das Tal an Österreich um 21’000 Gulden, 1762 erzwangen die Drei Bünde den Rückkauf um denselben Betrag.

Nächste Station talaufwärts ist Santa Maria im Münstertal. Kreuzungsort von Ofenpass und Umbrailstrasse. Ein hübscher, durch die enge Hauptstrasse aber leider verkehrsbelästigter Ort mit netten Läden.

Kirche in Sta. Maria, 15. Jhdt.
Kirche in Sta. Maria, 15. Jhdt.
Sta. Maria, Häuserzeile
Sta. Maria, Häuserzeile

Sehenswert in Sta. Maria auch die älteste Mühle und Stampfe der Schweiz mit unterschlächtigem Strauberrad-Antrieb (1676). Essenswert ein einfacher Teller Pizzoccheri (meine Rezeptversion hier) in der innovativen Bäckerei/Furnaria Meier.

Sta. Maria, Mühle Mall
Sta. Maria, Mühle Mall
Pizzocals
Pizzocals

Ein kleiner Umweg bringt uns in die auf 1920 m  höchstgelegene politische Gemeinde der Schweiz: Lü, die einen schönen Ausblick ins Tal eröffnet. Die arg zerzausten Ohren des Dorfkönigs legen Zeugnis ab von alten geschlagenen Schlachten in dieser jahrhundertelang umkämpften Talschaft.

Kirchlein in Lü
Kirchlein in Lü
Dorfkönig von Lü
Dorfkönig von Lü

Ein letzter Blick auf dem Ofenpass ins Val Müstair zurück. Die abendlichen Sonnenstrahlen werfen bereits lange Schatten. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr. Der Abschluss der diesjährigen Grenzland-Berichte. Alle bisherigen sind unter dem tag Grenzland aufrufbar.

Blick zurück ins Münstertal und auf die ferne Ortlergruppe
Blick zurück ins Münstertal und auf die ferne Ortlergruppe

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