Schlagwort-Archive: Grenzland

I-39020 Glurns/ Glorenza: von Zwergen und Mäusen

Glurns
Glurns

Glurns (ital. Glorenza) ist eine der kleinsten und merkwürdigsten Städte der Alpen im Vinschgau. An alten, strategisch wichtigen Handelswegen gelegen (Reschenpass ins Nordtirol bzw. Ofenpass ins Engadin) erlangte sie Wohlstand als Umschlagplatz für Salz, das aus Hall im Nordtirol Richtung Süden, und Südfrüchten, Schmiedewaren sowie Gewürzen, die aus Italien in den Norden transportiert wurden. Das heute italienische Vinschgau und das grossenteils schweizerische Münstertal waren seit dem Frühmittelalter zwischen dem Bistum Chur und der Grafschaft Tirol umstritten. Der Bischof von Chur kontrollierte im Mittelalter als «Fürstbischof» des Heiligen Römischen Reiches grosse Teile des heutigen Graubündens, Chiavenna, Bormio und den Vinschgau.

Glurns
Glurns

Der Machtzuwachs der Habsburger unter Maximilian I. führte ab 1494 zu einem langwierigen Konflikt mit Frankreich um die Vorherrschaft in Italien. Zankapfel waren die Alpenpässe, die eine direkte Verbindung zwischen Innsbruck und Mailand ermöglichten. Hinzu kamen Streitigkeiten mit den Eidgenossen als Folge der Ausbreitung der Macht Habsburgs in Graubünden. 1499 wurde nahe Glurns in der Schlacht an der Calven ein überlegenes kaiserliches Herr (von Maximilian I.) von einem Heer der Drei Bünde nach einem Umgehungsmanöver vernichtend geschlagen. Im Anschluss daran plünderten die siegreichen Truppen die Stadt, steckten sie in Brand. Die Oesterreicher rächten sich später durch Verwüstung des Münstertales. Im Zuge des Wiederaufbaus von Glurns wurde die heute noch bestehende Stadtbefestigung errichtet.

Stadtmauern
Stadtmauern
Noch mehr Stadtmauern
Noch mehr Stadtmauern

Etwa 1580 vollendet, begann der wirtschaftliche Abstieg der Stadt. Neue Handelsrouten wurden erschlossen (Brenner durchs Eisacktal). Zudem war die neue Stadtbefestigung schon Anfang des 17. Jahrhunderts durch die Entwicklung des Kriegswesens militärtechnisch wertlos. Im 19. Jahrhundert herrschten in der ehemaligen Handelsstadt überwiegend kleinbäuerliche Wirtschaftsstrukturen. Noch heute werden Kühe und Ziegen innerhalb der Stadtmauern gehalten.

Laubengasse in Glurns
Laubengasse in Glurns
Glurns
Glurns

Das intakte Stadtbild von Glurns macht den Eindruck eines kleinen Zwergenstädtchens. Alles ist klein, überschaubar, die Stadtmauern lassen sich in wenigen Minuten umwandern. Kulinarisch lässt sich nichts erwähnenswertes berichten. Auch vom 500 Jahre alte Gasthof zum Grünen Baum nicht. Immerhin zwei gute Kaffehäuser. Eher erwähnenswert der 1519 in Glurns durchgeführte Mäuseprozess: In Folge einer grossen Mäuseplage wurden die Mäuse im Umfeld der Stadt vor Gericht zitiert. Nach einer umfassenden Beweisaufnahme, an der auch ein Anwalt der Mäuse anwesend war, erfolgte der Urteilsspruch. Die Mäuse wurden zwar aufgrund ihrer Natur als unschuldig erkannt, aber trotzdem aus der Region verbannt. Immerhin kam man neugeborenen und schwangeren Mäusen soweit entgegen, dass man ihnen einen zweimaligen Aufschub der Frist von 14 Tagen gewährte. Ihre Nachkommen lachen noch heute über die Justiz.

Malsertor
Malsertor
Gasthof zum grünen Baum
Gasthof zum grünen Baum

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CH-7610 Soglio: Palazzo Salis

Fassadendetail Palazzo Salis
Soglio: Fassadendetail Palazzo Salis

Immer wieder eindrücklich: Der Gang durch die engen Gassen entlang der aneinander gedrängten, ärmlichen, steinbedeckten Kleinbauernhäuser und Ställe aus Holz und Bruchsteinen.

Heutiges Sonnenlicht
Heutiges Sonnenlicht
Einstige (?) Armut
Einstige (?) Armut

Plötzlich steht man vor dem grossen, barocken Palast der Familie von Salis, der Casa Battista. 1630 als einfaches Wohnhaus durch Johann Baptist von Salis erbaut, hat der Palazzo Salis sein heutiges Aussehen durch einen grossen Umbau im Jahre 1701 erhalten. Verschiedene Generationen der Familie haben dem Haus ihren Stempel aufgedrückt und zur Ausstattung mit Möbeln, Bildern und Wandmalereien beigetragen. Hübsch der teils als Gartenwirtschaft benutzte, barocke Garten hinter dem Palazzo mit Buchsheckenkompartimenten, Wiesen, Mammutbäumen, Obstbäumen und Blumen.
Als Napoleon 1797 das Veltlin und Chiavenna vom Bündner Freistaat abtrennte, ging viel Grundbesitz verloren. Die traditionellen Einkünfte aus Diensten in fremden Heeren versiegten. Die Salis verliessen schliesslich Soglio. Das Haus ist noch heute in Familienbesitz, wird aber seit 1876 als Hotel genutzt.

Auf Wanderung, haben wir im Restaurant des Hotels Palazzo Salis einen traumhaften Risotto gegessen, Rosmarinrisotto mit Taleggio. Den hab ich inzwischen perfekt nachgekocht. Rezept am Dienstag.

Der Palazzo
Der Palazzo
Risotto im Palazzo
Risotto im Palazzo
Garten des Palazzo
Garten des Palazzo
Blick in den Friedhof von Soglio
Blick in den Friedhof von Soglio

Mit Veltliner im Blut ist es tatsächlich ratsam, Schritt zu fahren, obwohl ein Glas Veltliner mehr kostet als die angedrohte Busse.

Schritt fahren !
Schritt fahren !

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I-23022 Chiavenna: Einkaufen-Essen-Trinken

Castello Balbiani, bzw. was Schweizer Landsknechte und eine Versicherungsgesellschaft von ihm stehen gelassen haben
Chiavenna: Castello Balbiani, bzw. was Schweizer Landsknechte und eine Versicherungsgesellschaft von ihm stehen gelassen haben

Über Chiavenna, die Perle der Alpenstädtchen, berichtete ich letztes Jahr schon einmal weitere Fotos siehe hier. Heuer haben wir es von Süden angefahren, von Varenna aus, der Perle am Comersee. Schwül-heisser Samstag, ich wäre lieber den ganzen Tag am Ufer sitzengeblieben, doch wir wollten noch in Chiavenna einkaufen für das Wochenende. Kein Schritt in Chiavenna, ohne den ersten espresso im Caffè svizzero. Fleissige Leser wissen warum.

Varenna
Lago di Como: Varenna
der Unvermeidliche
der Unvermeidliche

Am Anfang der Via Dolzino, gegenüber dem Palazzo Salis, steht der Laden der Fratelli del Curto. Kleines, aber feines Angebot an Bresaola, Salumi, Mortadella mit Leber. Die Viola di Capra, eine ganze, luftgetrocknete Ziegenschulter, die an die Form einer Klampfe erinnert, gibts leider nur am Stück. In dieser Macelleria könnte man zum Fleischesser werden. Natürlich kein Zufall, dass wir die Kühlbox im Auto hatten. Weiter unten an der Via Dolzino in der Bäckerei Balgera gibts zu den Wurstwaren köstliche Roggenringbrote mit Anis gebacken.

Macelleria del Curto
Macelleria del Curto
Enrico del Curto
Enrico del Curto
Salami, Bresaola, Prosciutto
Salami, Bresaola, Prosciutto
Via Dolzino
Chiavenna: Via Dolzino

Am andern Ufer der Mera, in der via P. Bossi, gehts in den Veltliner Spezerei- und Gemüseladen des charmant deutsch parlierenden Francesco Bedognetti (seine Frau ist Deutsche). Er hat, wenn man im richtigen Zeitpunkt kommt, die schönsten und frischesten Gemüse. Die Zucchiniblüten erinnern an die Mittagszeit: einmal mehr ins Ristorante Passerini, das Grotto Crotasc ist im Umbau und das Cenacolo geschlossen. Ein andermal.

Franceso Bedognottis Laden
Franceso Bedognettis Laden
Ristorante Passerini
Chiavenna: Ristorante Passerini

Bei Passerini wie immer ein sehr gutes und gepflegtes Essen, hier hats Dauergäste die täglich hier essen und denen wir Jahr für Jahr wieder begegenen. Wir haben gegessen: Zucchiniblüten (weibliche) mit Ricotta gefüllt, Maisravioli mit fave, Vitello tonnato und als Dessert ein gelato di fiordilatte con Amaro braulio, das Milcheis einfach mit Braulio umgossen, etwas weniger elegant als bei Anna Bertola.

Unsere Rückendeckung im Passerini
Unsere Rückendeckung im Passerini
mit Ricotta gefüllte Zucchiniblüten
mit Ricotta gefüllte Zucchiniblüten

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I-23017 Morbegno: Gourmetparadies F.lli. Ciapponi

F.lli Ciapponi
Morbegno: F.lli Ciapponi

Morbegno liegt an der SS38 zwischen Colico und Sondrio. Wer durchs Veltlin fährt, muss hier durch. Die Aussenquartiere trostlos, bislang kein Anreiz, ins centro storico vorzudringen. Wäre da nicht das Gourmetparadies der Fratelli Ciapponi, mitten in der Altstadt. Erstmals sind wir hieher gekommen. Und welche Überraschung. Die Altstadt pittoresk, eng, etwas verlottert. Die Gebrüder Ciapponi betreiben in dem alten, verwinkelten Haus ein 1883 gegründetes Handelsgeschäft mit den guten Erzeugnissen des Veltlins: Käse, Wein, Spezereien, Delikatessen, Grappe, Salumi.

Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden
Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden

Die Einrichtung stammt noch aus den Gründerjahren, nichts wurde weggeworfen, alte Registrierkassen, Waagen, Berkel-Aufschnittmaschinen und Behältnisse bilden einen fast musealen Rahmen für die angebotenen Waren. Als ob hier die Zeit stehengeblieben wäre.

Hochregallager
Hochregallager
manual computing
manual computing

Die alten Gebrüder laden einen herzlich ein, die Gewölbekeller, Kammern und Winkel des Hauses frei zu durchstöbern und gucken derweil im Kontor auf den Bildschirm der Telekamera. Die aktuellen Registrierkassen sind topmodern. Die Zeit also doch nicht stehengeblieben. Die Waren sind thematisch gruppiert im Haus (Parterre und zwei Untergeschosse) verteilt. Bekannt ist der Laden vor allem durch die vorzüglichen Veltlinerkäse. Im Herbst kaufen sich die Ciapponis direkt ab Alp die besten Laibe und affinieren sie in den eigenen Kellern. Bittokäse wird während der Alpsömmerung vom 1. Juni bis 30. September aus Rohmilch über offenem Holzfeuer in Messingkesseln hergestellt. Er lagert hier bis zu 10 Jahren.

Casera, Bitto & Co
Casera, Bitto & Co
Die Kleinen
Die Kleinen

Wie die Bilder aus den Weinkellern zeigen, lagert hier alles, was in Italien und im Veltlin Rang und Namen hat. In den verstaubten Winkeln warten vergessene Flaschen darauf, gehoben zu werden. Oder wurden sie absichtlich verstaubt und hingelegt ?

Im tiefen Keller
Im tiefen Keller
Gaja & Co.
Gaja & Co.

Öl, Essige, Konserven, Spezereien locken. Nur eines blieb mir bis heute ein Rätsel. Etwa ein Dutzend auf der Ladentheke aufgeschichtete Dosen mit der Aufschrift „Cloppenburger Bockwurst„. Habe ich da etwas verpasst ?

Feinwaage für Safranfäden
Feinwaage für Safranfäden
Konservatorium für Konserven
Konservatorium für Konserven

Ein, zwei Stündchen kann man in diesem Laden problemlos verbringen. An den Samstagen weniger empfehlenswert, wenn sich Carladungen von Touristen in den Gewölben tummeln. Lohnenswert ein Gang durch die pittoreske Altstadt, der Atmosphäre wegen.

Morbegno Altstadt
Morbegno Altstadt
Idylle
Morbegno: Idylle

Zwei Kirchen, die ältere S. Antonio und S. Giovanni Battista mit einer theatralischen Barockfassade. Den Palazzo Malacrida sparen wir uns auf nächstes Jahr. Wie der Löwe von San Marco sieht mein Brunnentiger ja nicht gerade aus, obwohl das Gebiet südlich von Morbegno im 16/17. Jhdt. direkt an venezianisches Hoheitsgebiet grenzte. Wasser oder Wein spendete er auch nicht, so gabs den espresso im Caffè gegenüber dem theatrum sacrum.

S. Giovanni Battista
S. Giovanni Battista
secco
Ecco il leone: secco

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Fromme Reben

Sant' Antonio im hohen Gras
Teglio: Sant' Antonio im hohen Gras

Von Bianzone führt uns eine enge direttissima auf verschlungenen, schattigen Wegen durch Kastanienhaine direkt nach Teglio. Wir haben die Reise dreimal gemacht, im Regen und im Sonnenschein. Das erklärt die Lichtwechsel der Fotos. Die Pfarrkirche Sant’Eufemia in Teglio hat einen prachtvollen Portalbogen. Das Innere mit Fresken, die von der Romanik bis ins Barock reichen. Der Ort mit rund 5000 Einwohnern hat im Zentrum und in den umliegenden Weilern 16 Kirchen zu bieten. Erbe der tiefverwurzelten Religiosität der Veltliner. Die kann man nicht einfach per Dekret aus der Welt schaffen. Das hatten die protestantischen Bündner Glaubenseiferer in der Zeit der Reformation nicht begriffen.

Portal zur Kirche Sant'Eufemia
Teglio: Portal zur Kirche Sant'Eufemia
Fresken gegenüber Sant'Eufemia
Teglio: Weltliches Portal
San Pietro
Teglio: San Pietro
San Martino
Teglio: San Martino

Weiter über die Panoramica-strasse nach Tresivio. Während der Herrschaft der Mailänder Visconti und Sforza (1325 bis 1500) war Tresivio der Hauptort des Tales und eine bedeutende Pfarrei. Mit der Einnahme durch die Bündner 1512 wurde die Verwaltung nach Sondrio verlegt. Die gewaltige Kirche ist weitherum im Tale zu sehen. Beeindruckend die vielen terrassierten, steilen Rebhänge in der Weinbauzone Grumello. Das Veltlin weist eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von ca. 1900 Stunden pro Jahr aus, deshalb gedeihen hier nicht nur Reben, sogar Zitrusfrüchte sind neben Kernobst anzutreffen.

Steile Rebhänge im Grumello
Steile Rebhänge im Grumello
Santa Casa
Tresivio: Santa Casa

Oberhalb der Steillagen der Zone Inferno fahren wir über Poggiridenti in die Weinbauzone Sassella zur Madonna del Sassella, eine aus dem Beginn des 16. Jhdt. stammende Kirche. Rundum Reben. Schön. Hier ruhen die Gebeine von Nicolò Rusca, dessen führende Rolle in der Gegenreformation durch die Bündner Behörden grausam bestraft wurde. Weniger schön. Dessen Tod war eine der Ursachen für den Veltliner Mord, der 600 Protestanten das Leben kostete und die weitere Ausbreitung der Reformation im Veltlin zum Erliegen brachte.

S. Fedele in den Reben
Poggiridenti: S. Fedele in den Reben
Madonna della Sassella
Madonna della Sassella

Mittagessen in Sondrio, im Ristorante Sale e Pepe, das Montags geöffnet hat. Gut waren die Ricottaravioli, hingegen war die Vorspeise, gebackene Zucchiniblüten mit Sardellenfüllung zu schwer. Die Piazza Garibaldi immer noch eine riesige Baustelle. Ein Spaziergang in der Altstadt von Sondrio, dann Schluss mit Kultur und ab ins Schlemmerparadies nach Morbegno. Demnächst.

Ristorante Sale e Pepe
Sondrio: Ristorante Sale e Pepe
Ricottaravioli mit Tomaten
Ricottaravioli mit Tomaten

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CH-7504 Pontresina: verspätete Postkartengrüsse

Postkartengrüsse
Postkartengrüsse

Pontresina ist ein idealer Ferienort. Wenn es regnet und man im Nebel keine 100 m weit sieht, kann man sich im örtlichen Kiosk Postkarten mit besonnten Bildern der umliegenden Berge anschauen. Welcher Ferienort an der Adria bietet mir bei Sonnenwetter Postkarten mit Regenfotos ?

Der Ferienort hält die unterschiedlichsten Unterkünfte für die unterschiedlichsten Geschmäcker bereit:

Nobel-Gediegen
Nobel-Gediegen
Imperial-Alpin
Imperial-Alpin
Rustikal-Luftig
Rustikal-Luftig
m. fl. k. u. w. Wasser
m. fl. k. u. w. Wasser

Sehenswert die alte Bergkirche Santa Maria mit ihren freigelegten Malereien und Fresken aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Mein liebster Aufenthaltsort in Pontresina: der Friedhof von Santa Maria mit den so konzentriert und ernsthaft blickenden Engeln. Stundenlang könnte ich ihnen beim Blumenstreuen zuschauen. Sie reden nicht viel und ich muss Ihnen die Welt nicht erklären.

Chiesa Santa Maria Pontresina
Chiesa Santa Maria Pontresina
Engel weiblich
Engel weiblich

In einem Bergort stehen Berge. Das lässt sich nicht ändern. Das gibt einerseits Gelegenheit für schöne Aussichten, ist andererseits mit viel lästigem Auf- und Abwärtswandern verbunden, immerhin verheissen die Wanderwegweiser Trinkkelche, gute Zeichen:

Aus- und Fernsichten
Aus- und Fernsichten
Oberengadiner Seen
Oberengadiner Seen
Bernina und Biancograt
Bernina und Biancograt

Verhungern muss man auch nicht, der Ort weist einige taugliche Essstätten auf:

Rindsbraten an Barolo
Rindsbraten an Barolo
Essterrasse geschlossen
Essterrasse geschlossen

Das allerbeste an Pontresina aber ist die Engadiner Torte von Kochendörfer, die möchte ich nachbacken können. Drei dünne Nussmürbeteigschichten, dazwischen Butter-Kirschcreme, zuoberst ein Deckel aus Mandelkrokant, Pinoli und Sultaninen. Nicht zu verwechseln mit der Engadiner Nusstorte.

Engadinertorte
Engadinertorte

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Die Sciatt der Anna Bertola

Sciatt mit chiffoniertem Chicoree
Sciatt mit chiffoniertem Chicoree

Sciatt (auch Sciätt) sind neben den Pizzoccheri Valtellinesi hier mein Rezept das bekannteste Gericht der Veltliner Küche. Kleine Käsewürfel aus Veltlinerkäse (Casera oder Scimudin), umhüllt mit einem Bierteig aus Weiss- und Buchweizenmehl, ein Schuss Grappa, dann fritiert. Serviert mit fein chiffoniertem Chicoreesalat. Ich durfte bei Anna Bertola in der Küche zuschauen, wie sie gemacht werden.

Zutaten
200 g Weissmehl
300 g Buchweizenmehl
300 g junger Caserakäse oder Scimudin (Alternative: Fontina oder junger Camembert)
1 Schuss Bier, 2 Elf. Grappa, kaltes Wasser, Salz
Fritieröl, früher Schweineschmalz

Zubereitung
(1) Weiss- und Buchweizenmehl mischen, salzen, mit wenig Bier und dem Grappa einen flüssigen Teig (wie ein Bierteig) herstellen.
(2) Käse entrinden und in gleichmässige Würfel von einem cm Kantenlänge schneiden. Die Käsewürfel in den Teig geben und darin 1-2 Stunden ruhen lassen.
(3) Dann mit Hilfe eines Löffels oder einer Küchenpinzette herausnehmen und in heissem Fritieröl bei 160°C ausbacken. Auf Küchenpapier trocknen.

Der fein chiffonierte Salat wird vorab serviert und vom Gast mit einer Auswahl an Olivenölen und Essigen selbst angemacht.

Sciatt brutzelbraun
Sciatt brutzelbraun
Das Innenleben
Das Innenleben
Anna Bertola bei der Zubereitung
Anna Bertola bei der Zubereitung

Anmerkung
Die Rezeptur der Sciatt ist überall ähnlich, Anna Bertolas Rezept ist im Buch Vie e Vini della Valtellina von Reto Thörig abgedruckt. Andere Quellen verwenden etwas mehr Buchweizenmehl, verwenden Bittokäse oder als Fritieröl Schweineschmalz. Wichtig ist die Kontrolle der Temperatur, zu heiss gebacken werden sie rasch schwarz ohne dass der Käse anschmilzt, zu tief gebacken werden sie nicht knusprig. Beim Fritieren plustern sie sich etwas auf und werden rund. Frisch aus der Pfanne genossen, sind die „Sciatt“ ein Genuss, den man nur schwer vergisst !

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I-23030 Bianzone: Trattoria Altavilla

Anna Bertola ?
Trattoria Altavilla: Anna Bertola ?

Im verschlafenen Oberdorf von Bianzone führt Anna Bertola einen kleinen Laden, Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs, eine Trattoria und eine Pension mit rund einem Dutzend Zimmern. Begrüsst wird man in wechselnder Reihenfolge und sehr freundlich von Hund Olaf, dem flachen Modell der Wirtin, der Wirtin selbst und ihrer Mutter. Der Hund hat es bei drei Besuchen immer als Erster geschafft.

Speisesaal mit Hochaltar
Speisesaal mit Hochaltar
Blumenterrasse
Blumenterrasse

Gegessen haben wir lokale Spezialitäten aus dem Veltlin, verschiedene Sorten Bresaola, geräuchert und ungeräuchert. Die berühmten Sciatt, in Buchweizenteig frittierte Käsewürfel, dann ausgezeichnet schmeckende Buchweizenravioli mit Walnuss und Bresaola gefüllt, Kalbsroulädchen mit Rohschinken und Bittokäse gewürzt und zum Dessert den Sorbetto di Amaro Braulio. Anna Bertola, die Herzlichkeit in Person, kennt ihre Veltlinerweine und spricht gerne und kompetent darüber.

Bresaola vom Rind, Pferd und Hirsch
Bresaola vom Rind, Pferd und Hirsch
allerköstlichste Sciatt
allerköstlichste Sciatt
Buchweizenravioli mit Walnüssen
Buchweizenravioli mit Walnüssen
Rotoli di vitello
Rotoli di vitello

Solche Lokale machen das Essen zur unbeschwerten Freude und zum Genuss. Das Auffinden von Haaren in der Suppe überlasse ich an solchen Orten Kritikern, die davon leben. Starkochrummel, Sterne und Effekthascherei gibts hier nicht. Klar, dass wir nicht die ersten sind, die dieses Lokal aufgespürt haben. Siehe z.B.: hier, mit Foto der Anna Bertola. Ich bin ja auch nicht ganz zufällig in dieses verschlafene Nest gekommen.

Morgen wird gekocht: Die Sciatt der Anna Bertola.

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I-23030 Bianzone: Weingut La Gatta

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Bianzone, Weingut La Gatta

Wenige Kilometer westlich von Tirano, an den südlich ausgerichteten Steilhängen der Zone Valgella, liegt das Weingut La Gatta. Vor 500 Jahren im Besitz der Dominikaner, gelangte das Gut zunächst in die Hände der namensgebenden Adelsfamilie del Gatto, später in den Besitz eines Puschlaver Weinhändlers. Seit 1969 gehört es den Fratelli Triacca, dem grössten Puschlaver Weinproduzenten mit rund 45 ha eigenen Reben im Veltlin. Die Gebrüder Triacca haben in den vergangenen 40 Jahren viel Bewegung in den in Traditionen erstarrten Weinbau des Veltlin gebracht. Als Erste begannen sie, das Traubengut durch aufwändige Klon-Selektion zu verbessern und die arbeitsintensiven Steillagen durch Terrassierung auf den rationelleren Querbau umzustellen.

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Bianzone Weingut La Gatta

Der Produktionskeller befindet sich in einem modernen Bau in Villa di Tirano, der Ausbau der Spitzenweine erfolgt in den Kellern von La Gatta. Dem empfehlenswerten Büchlein „Vie e Vini della Valtellina“ von Reto Thoerig, ISBN 3-9522969-0-2, habe ich entnommen, dass grössere Gruppen auf Voranmeldung mit Pizzoccheri verköstigt werden. Schüchterne Anfrage, ob man allenfalls… Die Familie L. , bestehend aus 2 Personen, wurde leider nicht als Gruppe anerkannt, dabei hatte ich Hunger für weitere 3 Personen angemeldet. Immerhin wurde uns erlaubt, die Keller zu besichtigen und ein Kistchen Prestigio zu kaufen. Auch das ein „verstärkter“ Wein, hier werden die Trauben vor der Ernte tief unten am Trieb abgeschnitten und einige Tage am Stock hängend getrocknet.

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La Gatta Barriquekeller
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La Gatta Barriquekeller

Hunger ! Selbst Frau L. fängt mit einem Zitat von K. Kraus an zu murren: „Vater, gibts heut wieder nix zu essen ?“ In Palästen ein offensichtlich schwieriges Unterfangen.. Hunger ! Verheissen da nicht Gäbelchen und Messerchen Rettung ? Das Schild angerostet. Familienpension ? Trattoria ? Hmmm ? Ob wir nicht lieber nach Teglio fahren sollen ? Ach was. Scharf nach links und den Berg hoch in den oberhalb Bianzone gelegenen Dorfteil. Hinein. Offene Tore. Weit offen. Dazu ein Aphorismus von Kurt Haberstich, einem Schweizer Autor: Es ist beglückender, durch die offenen Tore eines einfachen Hauses zu treten, als vor dem verschlossenen Tor eines Palastes zu stehen. Mehr dazu demnächst.

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I-23037 Tirano: geistige und weltliche Paläste

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Tirano Palazzo Salis

Tirano, einer der ältesten Ortschaften des Veltlins, liegt am Ausgang des Valposchiavo, unmittelbar an der Schweizer Grenze und bildet im Tal eine Art Grenze zwischen dem mittleren und oberen Veltlin. Die für mich schönste Anreise nach Tirano ist jene mit der Berninabahn von St. Moritz über den Berninapass (entlang des Lago bianco) in das 1800 m tiefer gelegene Städtchen. Aber nur wenn es nicht zuviele Touristen drin hat. Gebaut wurde die Bahntrassee 1907 bis 1910, die höchste Adhäsionsbahn der Alpen mit vielen Kurven und Gefällevernichtungs-Schleifen. Am Bau waren viele Italiener beschäftigt, deshalb wurde damals in Poschiavo eine Spaghettimanufaktur gegründet.

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Berninabahn am Lago di Poschiavo
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Madonna di Tirano

Wir sind mit heute mit dem Auto da und geniessen den ersten espresso am caffè Duomo bei der Wallfahrsbasilika Madonna di Tirano, einem mächtigen, zwischen Renaissance und Barock schwankenden Bauwerk. Erbaut an der Stelle, wo ein Bauer eine Marienerscheinung gesichtet haben soll. Die Bahn fährt am Talende des Valposchiavo hart an der Kaffebar vorbei und entlädt die Touristen weiter unten am Grenzbahnhof zu Hunderten in die Stadt. Die Allee bis zur Altstadt ennet dem Flüsschen Adda ist eine trostlose, endlose Champs Elysée: „Menu turistico“ in allen Preislagen. Zum Verhungern. Die Altstadt dagegen ist hübsch, mit einigen schönen Palazzi, der schönste davon der Palazzo Salis.

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Altstadt Richtung Piazza Cavour
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Palazzo Salis Blick in einen Cortile

Der Stammsitz der Familie Salis, ursprünglich aus der Lombardei stammend, befindet sich in Soglio. Einer der daraus hervorgegangenen Familienzweige siedelte sich in der Bündner Herrschaft in Zizers an. Giovanni Salis-Zizers wurde 1637 als Statthalter nach Tirano entsandt und beauftragte die Untertanen mit dem Bau eines standesgemässen Einfamilienhauses. Seit 1665 wird im Palast Wein produziert. Die Weine wurden auch am Hofe Leopolds I in Wien getrunken. Die letzte Nachfahrin der Solis verliess 1908 das Schloss Richtung Mailand, gab den Weinbau auf und sorgte für Blutauffrischung durch einen Vertreter minderen Adels aus der Familie Sertoli. Ein Urenkel begann 1987 erneut mit der Weinproduktion (aus zugekauften Trauben). Die Salis-Sertoli-Weine sind qualitativ ausgezeichnet. Aushängeschild ist der Corte della Meridiana, ein mit der Rinforzomethode verstärkter Wein, bei dem ein Teil der Trauben normal vergoren, der andere Teil getrocknet, separat vergoren und später dem normalen Wein zugesetzt wird. Der Palazzo kann nur auf Voranmeldung in Gruppen besichtigt werden. Die in einem kleinen Cortile zugängliche Weinbar serviert Antipasti, ist aber nur Samstags geöffnet. Kein Einlass. Der Hausdrachen wimmelt da unerbittlich ab. Auch der Hinweis auf meine blaublütige Abstammung (Edler von Hammerschlag), die sich an meinem blauen Ringfinger ganz deutlich beweist, konnte die Dame nicht erweichen. Also ab durch die Porta Poschiavina über die Adda und weiter. Den gesuchten Corte della Meridiana 2001 habe ich mir dann nachträglich im Handel verschafft.

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Blaublütig am Ringfinger
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Porta Poschiavina und Addabrücke

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Grenzland zweite Auflage

Grenzland Veltlin Bergell Valposchiavo
Grenzland Engadin Veltlin Bergell Valposchiavo

Auch heuer waren wir wieder im Grenzland Engadin in den Ferien. Eine wunderschöne Gegend, hell, hoch gelegen. Wenn es, wie zu Beginn kalt und regnerisch ist, laden die südlichen Alpentäler, insbesondere das Veltlin, zu einem Besuch ein. Ist es dort unten zu heiss, bleibt man lieber oben. Letztes Jahr habe ich im Blog die Geschichte des Veltlins kurz zusammengefasst. Neulesern möchte ich diese Lektüre ans Herz legen. Sie erleichtert das Verständnis für diese in Europa einst so zentrale, heute so abgelegene Region.
In den nächsten Wochen werde ich, wie letztes Jahr, sporadisch kleine Reiseberichte alternierend mit Rezepten aus der Region zusammenstellen. Diesmal gehts in umgekehrter Richtung. Zunächst von Tirano nach Bianzone. Dabei stossen wir uns die Nase platt am Palazzo Salis, tauchen in die Weinkeller des ehemaligen Klosters La Gatta. Landen ausgehungert in der Trattoria der Anna Bertola und lüften das Geheimnis ihrer berühmten Sciatt.  Der secondo piatto, Rotoli di vitello und ein merkwürdiges Softeis aus dem Veltliner Magenbitter Amaro Braulio werden gleich nachgekocht. Danach geht die Reise weiter über Teglio durch die Weinberge nach Sondrio und in das antike Veltliner Gourmetparadies, zu den Fratelli Ciapponi in Morbegno. Aus dem dort gekauften Caserakäse kochen wir uns zuhause eine Polenta Taragna. Via Comersee geht die Reise nach Chiavenna, nicht ohne dort in der Macelleria del Curto Bresaola und Salami eingekauft zu haben. Taroz muss irgendwann auch noch auf den Tisch. Und wer wird den sagenhaft guten Rosmarinrisotto aus Soglio nachkochen ? Eine oder zwei kleine Wanderungen im Engadin. Ein Ausflug über den Ofenpass ins Münstertal, einer nach Glurns zum Kaffee und zum Mittagessen zu Herbert Hintner in Eppan. Ach Gott, was ich mir da alles zu Schreiben vorgenommen habe. Das wird ja Weihnachten. Stay tuned. Die letztjährigen Einträge hier unter dem Tag Grenzland.

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Im Laden der Fratelli Ciapponi

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