Archiv der Kategorie: Besuch in..

CH-4583 Mühledorf: Wie die Öli aus Baumnüssen Nussöl macht

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Mühle Lätt, Mühledorf, aus dem Jahre 1774

Ausreise zum Buechibärg hinter Solothurn. Eines dieser hügeligen Täler abseits der Heeresstrassen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Am Dorfeingang von Mühledorf steht eine alte Ölmühle. Ölmühlen zum Pressen der einheimischen, ölhaltigen Saaten und Kerne waren früher in ländlichen Gegenden verbreitet anzutreffen. Während der Kriegsjahre waren manche davon noch in Betrieb. Heute ist es in den Ölmühlen ruhig geworden. Die meisten wurden still gelegt. Die mediterrane Küche hat die Mühlräder zum Schweigen gebracht. Wo zehn Olivenöle unterschiedlicher Provenienz als Statussymbol herumstehen, fehlt der Bedarf für ein einheimisches Öl,  das rasch verbraucht werden will. Samstag, 19. Mai 2012 war schweizerischer Mühlentag. Der Tag, an dem Müller Lätt seine alte Öli in Mühledorf wieder einmal in Betrieb nimmt.

Für die Gewinnung von Baumnussöl gibt es verschiedene Verfahren: Einerseits die hydraulische Kaltpressung, die die wertvollen Inhaltsstoffe weitgehend bewahrt. Dann das bäuerlich traditionelle Verfahren der Warmpressung: hier werden die fein zerstossenen Kerne vor dem Pressen leicht angeröstet. Baumnüsse, die ein paar Monate gelagert wurden, sind ergiebiger als direkt nach der Ernte. Ein, zwei Stunden vor Arbeitsbeginn wird der Ofen mit der Röstpfanne befeuert.

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es ist angeheizt

Die geschälten Kerne werden zuerst auf einem Kollergang, einer Steinmühle mit einem ausgedienten Getreide-Mühlstein als Reibstein, gemahlen. Während der Stein seine Runden dreht, schiebt der Ölmüller das seitlich herausgeschobene Material mit einem Brettchen laufend wieder unter den Stein, solange, bis das Pulver die gewünschte Feinheit aufweist.

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Mahlen der Nusskerne im Kollergang

Danach wird das Nusspulver sauber zusammengekratzt und in die beheizte Röstpfanne geschüttet.

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Jeder Krümel ist kostbar

In der Röstpfanne dreht ein über Zahnräder angetriebener, vertikaler Stab einen Rührarm, der das Anbrennen des Nussbreies verhindert:

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In diesem archaisch anmutenden Röstkessel dreht die Nussmasse etwa 10-15 Minuten und wird dabei auf etwa 80°C erhitzt. Der Zeitpunkt, an welchem die Masse „ling“ ist, muss mit Auge, Nase und Erfahrung erkannt werden.

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der Röstprozess unter geschlossenem Holzdeckel

Ist die Masse geröstet, wird der heisse Nussbrei im Öltuch zu einem Paket verpackt, die Ecken säuberlich übers Kreuz eingeschlagen.

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Gerösteter Nussbrei im Öltuch

Danach das Paket in die uralte Keilpresse gelegt. Ein kleiner, mit Lochblech ausgeschlagener Hohlraum in einem dicken Holzbalken, nimmt das Pressgut auf.

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Die noch leere Pressgutwanne in der Keilpresse

Der Pressgutpacken wird aufrecht in die Presskammer gestellt, seitlich mit Ausgleichskeilen ergänzt und der schwere Holzkeil eingelegt.

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Achtung heiss !

Der Pressdruck erfolgt von der Seite. Nach oben wird das Paket mit einem schweren Holzbalken verschlossen.

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Der Verschluss

Und nun gehts los: das alte Getriebe der Stampfe mit den hölzernen Zahnrädern wird eingekuppelt. Die Wasserkraft dreht eine hölzerne Daumenwelle. Der Daumen ist eine Art auskragender Nocken, der auf der Welle sitzt. Der Nocken hebt bei jeder Umdrehung einen zentnerschweren Press-Stempel, einen dicken, langen Balken, um etwa einen halben Meter nach oben. Auf dem höchsten Punkt der Drehung lässt der hölzerne Daumen den Balken los, dieser fällt und schlägt mit voller Wucht geführt auf den Keil, der durch den seitlichen Druck das Pressgut zusammendrückt und das Öl aus dem Paket laufen lässt. Dieser Stampfvorgang wiederholt sich etwa alle 5 Sekunden, mit jedem Schlag wird der Druck auf das Ölpaket erhöht.

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Der Pressbalken fällt auf den Keil

Das kostbare Öl fliesst aus der Presse.

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Baumnussöl, frisch ab Presse

Das Öl muss nach der Pressung vor dem Abfüllen in Flaschen etwa 2 Wochen gelagert werden, damit sich Schwebestoffe setzen können. Kühl, dunkel und trocken aufbewahrt, ist es ein Jahr haltbar. Angebrochene Flaschen werde leicht ranzig, also nur kleine Flaschen lagern. Baumnussöl ist sehr aromatisch, beinahe ein Gewürz, wem es zu dominant schmeckt, kann es mit neutralen Ölen oder Olivenöl verdünnen.

Die beiden Wasserräder der Mühle wurden 1918 durch eine „moderne“ Peltonturbine ersetzt, auf die das Wasser im selben Kanal unterirdisch zugeführt wird. Alle Zahnräder, Achsen und Kupplungsvorrichtungen sind älter und aus Holz.

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Antrieb über eine moderne Peltonturbine
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hölzerne Zahnräder

Müli Max Lätt
CH-4583 Mühledorf
Besichtigung nur nach Vereinbarung: 032 661 10 74

wer eigene Nüsse zu Öl verarbeiten lassen will, dem sei die noch ältere Grabenöli in Lütersdorf empfohlen:
Grabenöli Lütersdorf

Heute, 28. Mai 2012, ist übrigens in Deutschland ebenfalls Mühlentag, der Tag an welchem viele historische Mühlen besichtigt werden können. Mehr dazu hier.

CH-6004 Luzern: Regen im Mai bringt Brot und Heu

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Pfütze unter der Dachtraufe des KKL

Frühling auf dem Luzerner Wochenmarkt. Lucas Rosenblatt und die Teilnehmer eines Kochkurses treffen sich wieder einmal in aller Frühe unter der Egg. Wer zuerst kauft, hat die volle Auswahl und wartet weniger lang. Wenn nur der Regen nicht wäre. Trübes Licht. Taschen und den Schirm zu halten, beschäftigt zwei Arme vollauf, wie soll man da noch den Fotoapparat trocken halten und bedienen ? Hier trotzdem ein paar Bilder:

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Wenn doch nur alle Marktstände überdeckt wären
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Daran kommt man heute nicht vorbei
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Blick ins Grüne
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Jungpflanzen mögens feucht
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Saisonküche
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Die Sonnentage zuvor haben den Erdbeeren gut getan
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Einpacken und ab in den Kochkurs
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Tropfende Interferenzen, es regnet immer noch

CH-1608 Oron: Schloss

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Chateau d'Oron

Wer sich die Zeit nimmt, Autobahnen den Eiligen zu überlassen, wird immer wieder mit kleinen Entdeckungen belohnt. Vom Genfersee durch die Waadt nach Bulle tuckernd, kamen wir, wieder einmal, im Auto Kirschschokolade von Villars essend, an Oron vorbei. Ein Bilderbuchschloss. Das sogar als Schauplatz eines Comics herhalten durfte. Leider ist es nur Samstags geöffnet.

Bild: http://www.swisscastles.ch

Aus den Besitztümern der Abtei St. Maurice im Wallis entwickelte sich im 12. Jahrhundert die Herrschaft Oron. Um diese Zeit wurde auch das Schloss erbaut. Peter II., Graf von Savoyen und Earl of Richmond, auch der „Kleine Karl der Grosse“ genannt, unterwarf sich im 13. Jahrhundert einige der umliegenden Ländereien (u.a. Turin) und dehnte sein Herrschaftsgebiet zu einem kleinen Fürstentum aus, das neben dem Stammbesitz südlich des Genfersees nun weite Gebiete der Waadt umfasste. Die Herren unseres Schlösschen erhielten von ihm die Herrschaft Oron als Lehen. Während dieses Jahrhunderts erlebte die Herrschaft Oron eine Blütezeit; die Familie besetzte einflussreiche Posten im Waadtland. 1388 erlosch das Geschlecht, die Herrschaft ging als Erbe an die Grafen von Greyerz, auch diese Gefolgsleute der Savoyer..

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Nach der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 verblieb Oron zunächst bei der Grafschaft Greyerz, kam aber unter die Lehensherrschaft von Bern. Spannungen ergaben sich, als die Berner ab 1536 in den Gebieten der Waadt die Reformation einführten. Die Grafen von Greyerz lebten auf derart hohem Fusse, dass 1554 ein Konkurs unabwendbar wurde. Ihre Gläubiger teilten die Grafschaft unter sich auf. Letztlich gelangte Bern durch Kauf in den Besitz von Oron. Ab 1557 errichtete Bern in Oron eine Vogtei dritter Klasse und liess sie von Landvögten aus Bern regieren.

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Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte Oron-le-Châtel kurzzeitig dem Kanton Léman an, der anschliessend im Kanton Waadt aufging. Das Schloss fiel an den Kanton, der es zu einem Gefängnis umwandelte. Nach weiteren Besitzerwechseln wurde es 1936 an die Association pour la conservation du Château d’Oron übertragen, die sich für den Erhalt der Bausubstanz einsetzt.

Ältester Teil des heutigen Baus ist der runde Bergfried aus dem 13. Jahrhundert an der Nordostecke. Der unregelmässige Bau mit  ovalem Grundriss besitzt einen Innenhof und Wohngebäude, die bis zum 18. Jahrhundert mehrmals umgestaltet wurden und ist rundum geschützt von einem durchgehenden Wehrgang. Das Schloss beherbergt heute ein Museum und seit 1880 eine der grössten Privatbibliotheken Europas, die der franz. Romanliteratur des 18. Jh. gewidmet ist. 17’000 Bände.

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Wer nicht kommt zur Öffnungszeit, dem bleibt nur ein Blick in Dunkelheit.

Quellen: wiki, Historisches Lexikon der Schweiz

CH-3177 Laupen: Schloss und Stedtli

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Schloss Laupen

Das Städtchen Laupen, am Zusammenfluss von Sense und Saane gelegen, war bis ins 15. Jahrhundert ein Etappenort im Ost-West-Verkehr zwischen Bern und Freiburg. Das hoch über dem Städtchen thronende Schloss schützte den strategischen Flussübergang. Das Schloss, im 12. Jahrhundert Sitz der Grafen von Laupen, wurde 1253 durch die Kiburger erobert, nach deren Aussterben, 1264, fiel das Städtchen und die Reichsburg Laupen an Habsburg [korr. 23.04.] Damit standen sich in der Region zwei um Hegemonie kämpfende Parteien gegenüber: Die Grafen von Kyburg und Habsburg einerseits, die Grafen von Savoyen auf der andern Seite. Nach zahlreichen gewaltsamen wie gewaltlosen Handänderungen ging ein dritter Akteur, die reichsfreie Stadt Bern, als Sieger aus dem Gezänk des Hochadels hervor. 1310 verpfändet der deutsche König (Heinrich VII, der Luxemburger) die Burg an Bern. Da das Reich sein Pfand nie auslöste, behielt 1324 Bern das Pfand ein und errichtet hier kurzerhand seine erste Landvogtei. Seit bald 700 Jahren ist das Schloss Sitz der bernischen Bezirksverwaltung.

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Hie Bern

Diesem Ausgreifen der Stadt Bern in bislang dem Adel zustehene Herrschaftsrechte wollte der dupierte Adel einen Riegel schieben. Ein mächtiges Bündnis aus hochburgundischem, savoyischem und habsburgischem Adel sowie der Stadt Freiburg im Üechtland wurde geschmiedet und liess 1339 das Schloss Laupen durch ein 12’000 Mann starkes Heer, aufgestellt und finanziert durch den römisch-deutschen Kaiser Ludwig dem Bayern, die Bischöfe von Basel und Lausanne, der Savoyer aus der Waadt, dem Grafen von Greyerz u.a. belagern. Die von 600 Bernern verteidigte Festung trotzte zwölf Tage lang dem Ansturm des übermächtigen Heeres, eben solange, bis ein bernisches Entsatz-Heer mit innerschweizerischer Unterstützung bereit war und den versammelten Adel oberhalb von Laupen vernichtend schlug.

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Hauptturm und Mauer

Das Schloss aus dem 10. bis 13. Jahrhundert mit Palas, Hauptturm, Schild- und Ringmauer steht auf einem Sandsteinsporn über der Sense. 1580-99 wurde ein Treppenaufgang, 1648-50 das Amtshaus hinzugebaut.

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Amtshaus im Schloss

Der Reichsadler, Symbol der Bekenntnis zu Kaiser und Reich. Typisch für viele freie Reichsstädte, die Wert auf ihre Reichsunmittelbarkeit legten und sich keinem Territorialherrn unterwerfen wollten.

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Berner Bären, dem doppelköpfigen Reichsadler huldigend

Nach dem Bau der Brücke über die Sense bei Gümmenen durch Bern um 1450 und bei Neuenegg durch Freiburg 1467 verlagerten sich die Handelswege ostwärts. Laupen stagnierte. Die Bevölkerung lebte von Ackerbau, Kleinhandwerk und etwas Gewerbe und wies um 1746 ganze 230 Einwohner auf.

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Stadttor
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Schattseitige Häuser an der Marktgasse
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Sonnseitige Häuser an der Marktgasse mit blickverstellendem Auto, grrr, es ist meins.
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Haus am Kreuzplatz

Das im 13. Jahrhundert ummauerte Land-Stedtli ist winzig und wirkt heute trotz Kiosk und ein, zwei Boutiquen ziemlich verschlafen. Gegessen haben wir zum zweiten Male in Burgdorf, im Restaurant Gedult.

Quellen Historisches Lexikon der Schweiz

CH-3402 Burgdorf: Altstadt

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Burgdorf, am östlichen Eingang des Emmentals gelegen, ist kein Dorf, sondern seit altersher eine Stadt. Seit dem 11. Jahrhundert erhebt sich auf dem Stadthügel eine Burg, die hier jedoch als Schloss benannt wird. Um 1200 liess Herzog Berchtold V. von Zähringen anstelle der alten Burg eine neue, repräsentative Residenz errichten. Gleichzeitig gründete er die dazugehörige Stadt. Eine erste Stadterweiterung, welche die Lücke zwischen Stadt und Burgareal schloss, erfolgte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Als zweite Stadterweiterung wurde um die 1300 die Unterstadt bebaut. Andere Zähringergründungen sind in der Schweiz Bern, Fribourg, Murten, Rheinfelden und Thun. Wer hier regelmässig mitliest, weiss das.

Nach dem Tod von Berchtold V. als letztem Zähringer, fiel ein Grossteil des Erbes, so auch Burgdorf, an das Haus Neu-Kyburg, das mit den Habsburgern verbandelt war.

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Burgdorf, Schalgasse, Oberstadt

1273 trat die so genannte Goldene Handfeste in Kraft, die älteste erhaltene Fassung des Burgdorfer Stadtrechts. Manche Bestimmungen blieben über 500 Jahre, wären wohl heute noch in Kraft ;-), wenn 1798 die alte Eidgenossenschaft durch den Franzoseneinfall nicht untergegangen wäre.
Burgdorf (Burdlef) erfreute sich einer weitgehenden Autonomie vom Adelsgeschlecht der Kyburger. Der rasante wirtschaftliche Niedergang und der daraus folgende Geldbedarf des Hauses Neu-Kyburg drohte die Autonomie der Stadt zu beschneiden. Die Nachbarstadt Bern packte die Gelegenheit beim Schopf, belagerte die Stadt 1383/84 mit 6000 Mann. Burgdorf wderstand der Belagerung während 45 Tagen. Ohne Entscheid zog sich der Krieg hin. Durch Annahme einer eidgenössischen Vermittlung erwarb Bern für die von den Eidgenossen im Kaufvertrag vom 5. April 1384 festgesetzte hohe Summe von 37.800 Gulden die Städte und Schlösser Burgdorf und Thun. Damit besass die freie Reichsstadt Bern die Tore zum Emmental und Oberland, starke Festungen sowie die grössten Märkte der Gegend. In Burgdorf hatte Bern eine starke und gute Erinnerung an die früheren Herren zu berücksichtigen. Im Friedensvertrag bestätigte es der Stadt die grossen Freiheiten, die Burgdorf von den Kyburgern erhalten hatte.

Der Kronenplatz ist durch herrschaftliche Kaufmannshäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert geprägt:

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Burgdorf, Kronenplatz, Oberstadt
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Burgdorf, Hotel Stadthaus, Oberstadt
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Burgdorf, Kirchbühl, Oberstadt
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Burgdorf, ehem. Zunfthaus zu Schmiede und Zimmerleuten, Oberstadt

Im 19. Jahrhundert begann sich die Stadt über die mittelalterlichen Stadtmauern hinaus zu entwickeln. Die Eröffnung der Bahnlinie Bern-Olten 1857 brachte der Stadt wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Aufschwung.

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Mittag gegessen haben wir in der Unterstadt im Restaurant Gedult, eine erfreuliche Entdeckung, die ich der Wilden Henne verdanke. Die Unterstadt wirkt auf den Besucher kleinstädtischer als die Oberstadt, ist dafür belebter.

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Burgdorf, Metzgergasse, Unterstadt

In der Unterstadt ist das Kornhaus nicht zu übersehen. 1770 als Kornspeicher erbaut, heute wird es als Museum für Volkskultur genutzt.

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Burgdorf, Kornhaus, Unterstadt

Quellen: wiki

CH-1820 Veytaux: Schloss Chillon

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Das Chateau de Chillon ist eine der schönsten Wasserburgen der Schweiz, etwa fünf fünf Kilometer östlich von Montreux gelegen. Die 1005 erstmals dokumentierte Burg fiel im 12. Jahrhundert an die Savoyer. Diese bauten die Festung im 14. und 15. Jahrhundert weiter aus und ergänzten sie um Schiessscharten, Gusslöcher für Pech und Wehrgänge.

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Die enge Durchgangsstelle bei der Burg zwischen dem See und steil aufragenden Bergen erlaubte gleichzeitig die Kontrolle des Seeweges wie der Strasse von Lausanne zum Grossen St. Bernhard und über den Simplonpass. Das Schloss wurde 1536 bei der Eroberung der savoyischen Waadt von den Bernern eingenommen, und war bis 1733 Sitz der bernischen Landvögte von Chillon. Seit 1798 ist es im Besitz des Kantons Waadt.

Quelle: wiki

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Die dicken Mauern des Postkartenschlosses sind immer wieder beeindruckend. Als wir hier kürzlich Rast machten, haben wir uns vorgenommen, an Ostern die Zugbrücke zuhause hoch zu ziehen, die Gittervorhänge herunterzulassen, das Telefon abzustellen und uns über die Ostertage kochenderweise zu verbarrikadieren.

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Denn… es ist das Osterfest alljährlich, für den Osterhasen recht beschwerlich (W. Busch)
Frohe Ostern ! Gruss von Selawie, mit der Giesskanne 🙂

CH-4052 Basel: Venedig in Basel

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St. Alban Kirche Basel

Eines kalten Februartages wanderte ich (wieder einmal) vom Münsterhügel durch die St. Albanvorstadt in das St. Albantal. Von Baslern liebevoll „Dalbeloch“ genannt. Hier wurde im Jahre 1083, veranlasst vom damaligen Basler Bischof Burkhard von Fenis, auf den Fundamenten älterer Sakralbauten ein Cluniazenser Priorat gegründet, das erste Kloster in Basel. Das heutige Gotteshaus stammt aus dem Jahre 1270.  Das Kloster hatte einen umfangreichen Grundbesitz inner- und ausserhalb der Stadt. Um-, Aus- und Neubauten wurden in rascher Folge durchgeführt, insbesondere nach dem verheerenden Erdbeben 1356 und einem Brand von 1417. Nach der Reformation von 1529 wurde das Kloster aufgehoben, gelangte in städtischen Besitz, wurde 1840 verscherbelt. Die Kirche selbst wird seit 1971 an orthodoxe Glaubensgemeinschaften vermietet und ist heute baulich in einem desolaten Zustand.

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Blick durch den Kirchhof zu St. Alban

Vom Kloster sind leider nur noch die St. Alban-Kirche und ein Teil des ehemaligen Kreuzgangs übrig. Die Katze ist neueren Datums.

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Reste des Kreuzgangs im heutigen Wohnhaus mit Katze auf dem kalten Blechdach

Die günstige Lage am Rhein zog bald Handwerk an. Im 12. Jahrhundert wurde im Auftrag des Klosters vom Flüsschen Birs ein Kanal abgezweigt, der St. Alban-Teich, der an der historischen Stadtgrenze in zwei Arme geteilt wurde. Das erlaubte die Ansiedlung von Handwerk und Gewerbe. Einst trieben die Kanäle die Wasserräder von zwölf Mühlen im St. Alban-Tal an. Im Spätmittelalter wurde zehn dieser Mühlen zu Papiermühlen umgebaut, die das Quartier im 16. und 17. Jahrhundert zum bedeutendsten Papierproduzenten der Schweiz werden liessen. Den Papiermühlen verdankte Basel die Anziehungskraft für Buchdrucker und Humanisten. Die zentrale Verfügbarkeit von Papier und hervorragende Druckereien waren der Grund, dass bedeutende humanistische Publikationen in Basel erschienen, sich der bedeutende Humanist Erasmus von Rotterdam sogar in Basel niederliess.

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Gewerbebauten am Hinteren Teich
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Wohnbauten, links Pfefferhof, am Vorderen Teich

Seit 1980 wird in der Stegreif- und Gallicianmühle das heutige Papiermuseum betrieben. In diesen beiden Gebäuden wurde über 400 Jahre lang, bis 1924, Papier hergestellt.  Das heutige Hauptgebäude des Museums war bis 1428 eine dem Kloster Klingental zugehörige Kornmühle, die erst zu einer Hammerschmiede und 1453 durch Antonius Gallician zu einer Papiermühle umgebaut wurde.

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Gallician-Mühle
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Vorderer Teich, mit Museum für Gegenwartskunst
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Alter spiegelt sich in der Gegenwart

Der Gründer des Klosters, Burkard von Fenis, liess auch die erste Basler Stadtbefestigung erbauen. Ein kleines Stück der Äusseren Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert und das St. Alban-Tors sind erhalten geblieben.

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Mittelturm und Teichturm der Stadtmauer
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Mittelturm und Messeturm, älteren und neueren Datums

Die Letzitürme standen früher direkt im Wasser des Rheinufers. Der Barockturm wurde erst 300 Jahre später, 1676 erbaut.

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der rechteckige, innere Letziturm, dahinter der äussere Barockturm
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Blick durch die St. Albanvorstadt auf das St. Albantor

Im Tordurchgang sind neben der grossen Holztüre noch die schweren Pfähle zu sehen, mit denen der Stadteingang verriegelt werden konnte.

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Der idyllische Platz im St. Alban-Tal mit dem Schindelhofbrunnen
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Blick in die Vergangenheit
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Blick über den Rhein in die Neuzeit, die Beleuchtung ist dieselbe

Quellen
Papiermuseum
wiki Kloster St. Alban
wiki St.Alban-Teich

CH-6215 Beromünster: Chorherrenstift

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Stiftskirche St. Michael, Beromünster

Zweiter Teil des Besuches in Beromünster. Erster Teil siehe hier. Der Stiftsbezirk schliesst unmittelbar an die westliche Begrenzung des Städtchens Beromünster an. Die Stiftshäuser sind kreisförmig um die Stiftskirche angeordnet. Gesichert ist, dass zu Beginn des 11. Jahrhunderts Graf Ulrich der Reiche von Lenzburg eine im Kern bis heute erhaltene frühromanische Basilika als Schenkung errichtete und das Stift mit umfangreichen Gütern und Rechten ausstattete.

Der Kernbesitz des Stiftes lag im Michelsamt, der Region um Beromünster, umfasste aber auch Güter und Rechte im Gebiet des Sempachersees, des Wiggertales und der Innerschweiz und reichte in Streubesitzungen bis in die Nord- und Westschweiz und nach Süddeutschland (Auggen).

Das Lenzburger Stift kam im Jahr 1173 an die Grafen von Kyburg, 1264 an die Habsburger. In den durch die Besitzwechsel verursachten Händeln wurde die Stiftskirche durch Brände und weitere Zerstörungen mehrfach beschädigt. Nach der Eroberung des habsburgischen Aargaus durch die Eidgenossen 1415 gelangte das Stift mit dem ganzen Michelsamt an Luzern. Die bisherigen Chorherren, die mehrheitlich aus dem Aargauer Adel stammten, wurden nach und nach durch solche aus Luzerner Patrizierfamilien abgelöst. Die herrschaftlichen Stiftshäuser (Chorhöfe) rings um die Kirche zeugen noch heute vom Reichtum der damaligen Auftraggeber.

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Probstei und Custorei: Hier residierte der Adel

Die mehrere hundert Jahre alten Chorherrenhäuser stehen rund um die Kirche angeordnet und geben dem Stift ein Bild, das in seiner Form einzigartig ist. Jedes Chorherrenhaus hat seinen eigenen Namen, seine eigene Architektur und seine individuelle Geschichte. Die Anlage besteht insgesamt aus rund 40 Gebäuden. Eigentümerin ist die seit über 1000 Jahren bestehende Stiftung.

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Oberrinacher Hof und St. Thomas Pfruendhaus, rechts
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Kapitelshaus
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St. Johannespfruend

Die im 11. Jahrhundert erbaute, dreischiffige, romanische Basilika erhielt im 17. und 18. Jahrhundert ein barockes Gepräge mit reicher Rokoko-Ausstattung. Sie bildet mit dem angrenzenden Kreuzgang, dem Kapitelshaus und der Galluskapelle ein beeindruckendes Ensemble.

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St. Michael, das Innere

Altarausstattung und Kanzel zählen zu den Meisterwerken des süddeutschen Spätrokoko. Erbaut vom Wessobrunner Altarbauer Lorenz Schmid. Das Chorgestühl (1606-1610) der Gebrüder Fischer ist eines der Schönsten der Schweiz.

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Blick auf die güldene Kanzel aus Stuckmarmor

Der Taufstein stammt von 1778. Der vergoldete Deckelaufbau wurde durch einen einheimischen Künstler geschnitzt.

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Jesu wird mit einem Gutsch Wasser getauft
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Kreuzgang

Der Franzoseneinfall von 1798 hat das Stift seiner wirtschaftlichen Basis beraubt. Schwerer als der Verlust eines grossen Teils des Kirchenschatzes und die finanzielle Belastung durch Kriegssteuern wog die Auflösung der Feudalrechte durch die Revolution. Dadurch verlor das Stift seine Besitzungen und die damit verbundenen Einkünfte.

Quellen
wiki
Chorherrenstift Beromünster

CH-6215 Beromünster: Lasst hören aus alter Zeit

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ehemaliger Sendeturm Beromünster, 215 m

Vor langer, langer Zeit, besass ich ein altes Röhren-Radio. Dichtgedrängt auf der Wellenlängenskala versammelten sich geheimnisvolle Ortschaften wie Gleiwitz, Kalundborg, Königsberg, Kattowitz, Hilversum, Mährisch-Ostrau, Paris-Eiffelturm und weckten Fernweh. Hier lag die weite, grosse Welt im Aether. Und ganz rechts, eingeklemmt zwischen Laibach, Budapest II und Memel, befand sich der Schweizerische Landessender Beromünster. 1939 noch auf 556 kHz, später auf 531 kHz. Wo das Rauschen aufhörte und das heimelige Pausenzeichen erklang, begann die Heimat. [zum hören Pfeiltaste drücken]

Radio Beromünster wurde als unabhängige Stimme während des zweiten Weltkrieges auch in Deutschland gerne gehört. Trotz Reichsrundfunkgesetz, welches das Abhören von Feindsendern, aber auch von Radio Beromünster bei Strafe untersagte.

Kalundborg und Kattowitz sind für uns unerreichbar geworden. Aber für Beromünster reichts noch. Das liegt ganze Anderthalbstunden von Basel entfernt. Und weils in der Ortschaft kein vernünftiges Restaurant gibt, haben wir beim Werner Tobler in der Braui in Hochdorf zu Mittag gegessen. Luzerner Chässuppe (köstlich), Rind-/Kalbs-Filetspitzen mit Gemüse und Brösmeli-bestreuten Schupfnudeln. Der Kaffee mit frischem Kaffeerahm, keines dieser grauenhaften UHT-Plastik-chübeli. Ein viel versprechender Anfang.
Danach ab Richtung Beromünster. Dass wir uns hier in katholischem Kernland bewegen, beweisen die vielen Kreuze und Kapellen am Wegrand. U.a. die Kapelle Gormund. Eine neben der Strasse nach Beromünster auf einem Hügel gelegene Wallfahrtskapelle. Der Legende nach habe man auf dem Hügel regelmässig lieblichen Gesang und ein Leuchten wahrgenommen. Um 1500 sei dann ein Marienbildstöckli errichtet worden. 1509 stellte Weihbischof Balthasar von Konstanz der Kapelle den Weihebrief aus.

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Kapelle Gormund, Neudorf, mit Katze

Kurz nachher langten wir in Beromünster an, dem alten Marktflecken. Der Ort hiess bis 1934 Münster im Aargau. Wegen Friktionen mit dem deutschen Radiosender Münster in Westfalen musste das Dorf nach Erstellung des Sendeturms 1931 umgetauft werden. Namensgebend war das im Ort gelegene Chorherrenstift Beromünster, das, der Legende nach, eine Gründung von Graf Bero sein soll, dessen Sohn hier im Kampf mit einem Bären gestorben war.

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Münster im Aargau

Der Fläcke, Ortskern, verdankt seinen Namen dem Marktrecht. Heute werden hier noch 3 Märkte abgehalten: Fasnachtsmarkt am Schmutzigen Donnerstag, Kilbi-Markt am Wochenende nach dem Buss- und Bettag sowie der Katharinenmarkt am Samstag vor dem Katharinentag. Die Bürgerhäuser an den Haupt- und Nebengassen bilden ein hübsches Ortsbild, geplant und gebaut nach einem schweren Brandunglück von 1764.

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Beromünster: Fläcke, Hauptstrasse und Marktplatz
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Hinteransicht des Fläcke mit Blick auf die Stiftskirche

Weit herum bekannt ist das Städtchen durch den Beromünsterer Umritt. Ursprünglich ein Bannritt, eine religiöse Weihe der Grenze der Pfarrei. Er reicht vermutlich in die ältesten Zeiten des Stifts und der Pfarrei zurück. Der früher eher bescheidene Bannumgang mit Prozession wurde im Verlauf der Zeit immer festlicher, bunter. In der Barockzeit wurde daraus ein Festzug mit Trompeten. Seit dem 19. Jahrhun dert mit Reitermusik.

Am untern Ende des Fläckens befinden sich die Dorfkirche St. Stephan und das Gemeindehaus.

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Dorfkirche St. Stephan und Gemeindehaus

Rund um die Stiftskirche St. Michael angeordnet sind Propstei, die Kustorei, über 30 Chorhöfe und Pfrundhäuser, Stiftstheater und Schol – ein architektonisches Kunstwerk. Hier im Bild der profane Gasthof Hirschen.

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Beromünster: Gasthof Hirschen

Die Stiftskirche St. Michael mit ihrer über 1000 jährigen Geschichte. Mehr davon demnächst.

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Beromünster: Durchgang zur Stiftskirche St. Michael

Ach, den Aufhänger hätte ich beinahe vergessen. Nach dem Besuch in Beromünster fuhren wir auf den Blosenberg. Hier steht das, was vom Landessender übrig geblieben ist. Der 215 m hohe Sendeturm von „Puuremünster“.

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Fusspunkt-Isolatoren

Die Aussicht ist wunderschön, muss ja für einen Sendeturm so sein.

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Aussicht vom Blosenberg

Für den friedvollen Abschluss des schönen Ausflugs sorgten die Bauernkatzen, deren Fell sich seit der Abschaltung des 600 kW Senders nicht mehr zu sträuben braucht.

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Ländliche Bewohner von Beromünster

Quellen:

wiki
Chorherrenstift Beromünster
Radiomuseum Pausenzeichen

CH-2713 Bellelay: Von Mönchsköpfen und anderen Dickschädeln

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Neugierig

Die eben vergangene Woche verbrachten wir im Jurahäuschen. Fasnachtsflüchtig. Weil die Sonne so schön schien, fuhren wir auf den Jean Brenin, ein Passübergang zwischen Tavannes und Corgémont auf etwas über 1000 Meter Höhe.

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Juralandschaft im Austagen auf dem Jean Brenin

Dort besuchten wir wieder einmal das Pferdealtersheim,  sassen dort ein Weilchen an der warmen Sonne auf einem Bänkchen im Schnee und schauten, wie alte Leutchen so zu tun pflegen, den alten Pferden zu. Eigentlich kein grosser Unterschied zu Altersheimen, wie man sie aus der Humanbetreuung kennt. Alles nett eingerichtet, sauber, genug Platz, die Pferde stehen meist etwas steif und gelangweilt im Schnee, wissen nicht recht, was sie mit dem Wort „Auslauf“ oder „Sonne“ anfangen sollen, wären wohl viel lieber an der Futterkrippe im warmen Stall geblieben. Ab und zu kommt der Stallknecht vorbei und treibt sie in eine andere Ecke, damit sie sich etwas bewegen. Das nennt man wohl Bewegungstherapie. Doch von der Ruhe, die die alten Pferde ausstrahlen, kann man viel lernen. Unser Liebling, das wegen Kreislaufbeschwerden vorzeitig ausgemusterte Brauereipferd „Olymp“, über den ich hier schon berichtet habe, scheint sich gut eingewöhnt zu haben.

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Olymp mit Astrid im Schnee

Hin und wieder packt auch eine alte Grossmutter die Lust, sich im Schnee zu wälzen.

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Das Bad im Schnee

„Wir haben grossen Respekt vor der Würde aller Lebewesen. Alte Pferde strahlen diese Würde besonders eindrücklich aus [….] Das Pferd hat den Menschen während seiner ganzen Geschicht als Helfer, Weggefährte und Freund begleitet. Es verdient unsere Dankbarkeit“ (Aus der Charta der Stiftung, die das Pferdealtersheim betreibt).

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Moderne Stallungen mit Einzelzimmern
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Auslauf

Auf dem Heimweg ins Jurahäuschen machten wir Halt in Bellelay. Käsebeschaffung. Den geliebten Tête de moine (Mönchskopf) haben wir uns diesmal direkt an der Quelle geholt: dort wo er herkommt, aus Bellelay, einer kleinen Ortschaft im Berner Jura.

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Klosterkirche, ihrer Zwiebeltürme beraubt

Hier steht die mächtige, ehemalige Prämonstratenserabtei. Um 1140 gestiftet, war das Kloster Mittelpunkt einer kleinen Herrschaft mit grundherrlichen Rechten und Einkünften aus verschiedenen Besitzungen im Fürstbistum Basel. Trotz weitgehender Autonomie unterstand es aber immer dem Landesherren, dem Fürstbischof von Basel. Durch die von Bellelay geschlossenen Burgrechtsverträge mit Bern, Solothurn und Biel galt das Kloster bis zur französischen Revolution als zum eidgenössischen Teil des Fürstbistums Basel gehörig und genoss deren Schutz.

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Kloster Bellelay

1797 annektierte Frankreich weite Teile des Fürstbistums Basel und integrierte sie in das Département du Mont-Terrible. Die Chorherren des Klosters Bellelay wurden verjagt, das Kloster säkularisiert.  1801 wurden die Zwiebeltürme abgedeckt und das Metall pour la gloire de la France verhökert. 1815 fiel Bellelay durch Beschluss des Wiener Kongresses an den Kanton Bern. Von der hier enteigneten Glorie ist in Frankreich wenig übriggeblieben. Auch die Gebäude des Klosters verfielen, wurden zuerst gewerblich genutzt, bis sie der Kanton Bern aufkaufte und darin 1899 eine Kantonale Psychiatrische Anstalt eröffnete, die auch heute noch in Betrieb ist.
Die heutige Gestalt der meisten Klosterbauten geht auf das 18. Jahrhundert zurück, dabei wurde die Kirche im Vorarlberger Barockstil, was immer das auch ist, erneuert.

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Kloster Bellelay, Vorarlberger Fassade

Die Käseherstellung kann in der Gegend auf eine lange Tradition zurückblicken. 1192 wurde im Kloster hergestellter Käse zum ersten Mal als Zahlungsmittel der Abtei für Zinszahlungen erwähnt. Die heute verwendete Bezeichnung „Tête de moine“ ist jedoch erst seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert in Gebrauch.

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Die grosse Gutsscheune und ehemalige Käserei, heute Museum

Seit 2006 ist im historischen Gutshof ein Museum eingerichtet, das über Geschichte und Herstellung des Tête de moîne informiert. Der hier verkaufte Käse stammt jedoch von der Käserei Amstutz aus dem benachbarten Dorf Fornet-Dessus. Die Qualität „Réserve“, mind. 4 Monate gelagert, hat uns sehr zugesagt. Der Käse brauchte nicht geschält zu werden. Die Rinde bröselt beim Drehen ab. Anders als bei dem zu jungen Fabrikkäse der Emmi aus Le Bémont. Über den Tête de moine und sein AOC-Pflichtenheft hab ich vor Jahren schon einmal geschrieben.

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Quellen

Stiftung für das Pferd
Domaine de Bellelay
Kloster Bellelay Wiki

CH-4001 Basel: Drei Könige und ihre Kleider

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Kaspar, Melchior, Balthasar mit dem Fahrleitungs-Draht der Tramlinie

Der Gasthof „Zu den drei Königen“ am Blumenrain in Basel ist historisch seit 1681 belegt. Das Haus war immer eine „Herrenherberge“, Napoleon Bonaparte und andere Berühmtheiten übernachteten hier. 1841/42 wurden die alten Gebäulichkeiten von einem reichen Handwerker gekauft, der sie abreissen und auf dem Grundstück 1844 das Nobelhotel «Des Trois Rois» im Stil der Belle Époque erbauen liess. Seit dem Jahre 1754, erst noch am alten Gebäude, thronen über dem Hauptportal des seither mehrfach umgebauten Grand Hotel Les Trois Rois die Statuen von Kaspar, Melchior und Balthasar als mittelalterliche Symbole der drei Kontinente Europa, Afrika und Asien.  Ein Gast des Hauses und Fasnächtler hatte vor Jahren die Idee, die drei Könige während der Basler Fasnacht als die Drei Waggis einzukleiden. Der Waggis ist eine in Basel beliebte Maske an der Fasnacht, die einen vierschrötigen Elsässer Gemüsebauern darstellt. Gedacht, getan. So ist daraus eine kleine, inzwischen 37 Jahre alt gewordene Tradition geworden. Alljährlich werden am Donnerstag vor dem Morgestraich die drei Königsfiguren zu den Drei Waggis: Kaschper, Melchi und Balz eingekleidet.

Um 10 Uhr fährt die Waggisclique mit dem offenen Oldtimer Überfallwagen (Marke Saurer, Arbon) der Basler Polizei vor:

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Vorfahrt der Lufthyyler-Waggis

Gleich danach fährt die Drehleiter der Basler Feuerwehr auf, musikalisch von der Guggemuusig Krach-Schnygge 1964 untermalt :

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Guggemuusig, Drehleiter, Feuerwehrgeneral, Adabeis und Hotelpersonal

Auf der ausgefahrenen Hebebühne der Drehleiter kleiden zwei Männer in luftiger Höhe die drei Königsfiguren ein. Derweil  beginnen die Waggis vom Einsatzwagen, die vom Hotel bereitgestellten Getränke: Wysse, Orangensaft und halbe, heisse Kääskiechli, an die Zuschauer zu verteilen. Das erstemal, dass ich aus dem Nobelhause Trois Rois etwas zu essen kriege (2 Sterne Michelin, 18 Punkte Gault Millau, Chefkoch Peter Knogl). Und wenn es auch nur im Ofen der Sterneküche gewärmte Käseküchlein sind. Gut waren sie allemal.

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Schnell zugelangt, bevor es zu spät ist. Danke !

Die «Krach-Schnygge», königliche Uelis in grün-rot-gold, spielen derweil auf dem Trottoir vor dem Hotel munter weiter.

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oder auch nicht. Die Könige gönnen sich eine Pause
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König und Narr

Gegen 11 Uhr wird endlich der erste König in seinen neuen Kleidern erkennbar. Doch, der Spruch von Gottfried Keller stimmt: Kleider machen Leute.

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Der erste Waggis in bleu-blanc-rouge

Anderntags präsentieren sie sich von ihrer Sonnenseite. Damit kann die Basler Fasnacht beginnen. Wer sich rechtzeitig mit Plastiktröten und Plastikknüppeln aus dem Kleinbasler Warenhaus eindeckt, wird an der Fasnacht bestimmt Furore machen. Ich wünsche eine schöne Woche. Ich mache Pause bis Montag. Die grösste Suite im Drei Könige mit eigenem Swimming Pool auf dem Dach ist pro Nacht für 4500 Schweizer Fränkli (3700 €) zu haben. Die Napoleon-Suite ist etwas günstiger. Noch günstiger, aber durchaus gediegen, ruhig und wundervoll gelegen ist die Jugendherberge im St. Albantal.

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Verfalldatum: 01-März-2012

Quellen
Geschichte Hotel Les Trois Rois
Basler Fasnacht

Küttiger Rüebli

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Die Rüebli, angerichtet

Fährt man von Basel über die Staffelegg nach Aarau, gelangt man kurz vor dem Ziel in ein kleines Dorf, das man entweder achtlos durchfahren, oder in welchem man eine kurze Rast einlegen kann. Hier werden im Spätherbst die berühmten Küttiger (im Dialekt: Chüttiger) Rüebli geerntet, eine alte und robuste Sorte, die Daucus carota L. ssp. sativus (Hoffm.) Schübl. et Mart.. Nicht orange wie die deutschen Möhren, sondern elfenbeinfarben. Die Wurzel läuft konisch aus, schmeckt intensiv aromatisch, besitzt aber nur wenig Süsse.

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Die Rüebli, nicht das Dorf

Küttiger Rüebli sind ein Wintergemüse, sie wurden, wie die Herbstrüben, von den Bauern auch sauer eingemacht. Früher verwendete man sie sogar als Futterrüben für Pferde. Erst 1978, kurz vor dem Verschwinden der alten Sorte, wurden im Dorf Anstrengungen unternommen,  diese einzigartige, lokale Spezies zu erhalten. Unter dem Patronat von Pro Specie Rara werden sie heute wieder angebaut. Das Saatgut wird von den Bäuerinnen im Dorf selbst vermehrt. Ist inzwischen auch anderswo erhältlich. Weil sich die Sorte gern mit Karotten aus der Umgebung kreuzt, ist eine strenge Selektion und viel Fachwissen erforderlich. Erhältlich sind die Küttiger auf dem Markt von Aarau, in Biogärtnereien, selten bei CO.OP unter dem Label Pro Specie Rara. In Deutschland in der Gärtnerei Berg in Binzen.

Zutaten
Beilage für 2 Personen
etwa 600 g Küttiger Rüebli
40 g Schalotte, geschält und fein gehackt
1 Knoblauchzehe, dito
2 Elf. Olivenöl
1-2 dl Gemüsebrühe oder Wasser
1 Schuss Noilly-Prat
Salz, Pfeffer

Zubereitung
Die Rüebli schälen oder schaben und schräg in ca. 2 mm dicke Scheibchen schneiden.
Schalotten in heissem Öl farblos andünsten, Knoblauch zugeben und kurz mitgehen lassen, die Rüebli zugeben, mitdünsen. Ablöschen mit Brühe und einem Schuss Noilly. Würzen. Zugedeckt garen, was je nach Dicke bis zu 30 Minuten dauern kann. Die Aargauer Bauernfrauen von ehemals kannten wohl keinen Noilly Prat, liessen stattdessen etwas Speck in Würfeln mitgehen.

Wir haben dazu Saltimbocca mit Reis gegessen, nicht ganz passend, aber der Tiefkühler musste aufgetaut werden.

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Das Dorf, nicht die Rüebli

Sehenswert ist die Kirche Kirchberg in Küttigen, erstmals im Jahr 1036 erwähnt. Sie befindet sich rund einen Kilometer vom Dorfzentrums entfernt, auf einem Hügelsporn über der Aare. Der Kirchturm ist in romanischen Stil erbaut und stammt noch aus dem Hochmittelalter. Das Kirchenschiff und der Chor hingegen sind beide um 1500 im spätgotischen Stil entstanden. 1851 kam eine kleine Vorhalle hinzu und 1868 wurde der Kirchturm erhöht. Der Schweizer Schriftsteller und Zigarrenraucher Hermann Burger wohnte einige Zeit lang im Pfarrhaus zu Kirchberg. Von ihm stammt das vergriffene Büchlein „Kirchberger Idyllen“, 1980 erschienen in der Collection S. Fischer.

„Tagelang hüllt sich der Kirchberger Hügel im Spätherbst in Nebel,
Aaretalabwärts steigt Flussrauchen auf ins Gebirg…“

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Kirche Kirchberg, Küttigen