Die Kantonsstrasse macht einen weiten Bogen um Bever. Wohl mit ein Grund, dass wir bislang das schmucke Dorf noch nie besichtigt haben. Hübsch renovierte, alte Engadinerhäuser, an vielen Fenstern die typischen Unterengadiner Filetstickereien. Zuweilen Geranien oder Hängenelken.
An der gegen La Punt gelegenen Dorfseite liegen die Palazzi, die vom Geschmack und kulturellen Bewusstsein der reichen Besitzerfamilien zeugen, prächtige Bauten mit schönen Stuben und Gewölben. Typisch dafür die Chesa Salis, ursprünglich ein Bauernhaus (1590 erbaut), das reichen, nach Bergamo emigrierten Kaufleuten gehörte, die hier ihre Sommerfrische verbrachten. 1877 verkauften sie es an Rudolf von Salis-Muralt, Sprössling einer der wichtigsten Familien des Engadins und Bergells. 1883 wurde es von einem Deutschschweizer Architekten in eine herrschaftliche Wohnstätte umgebaut. Heute dient es als Romantikhotel.
Chesa SalisChesa Salis
Bever: BürgerhausHängenelken
An den Engadinerhäusern findet man oft Verputze, die in der Sgraffitto-Technik aufgebracht sind. Über einen groben, Grundputz wird eine Ausgleichschicht angeworfen und mit der Richtlatte abgezogen. Darauf wird eine dünne, mit einem licht- und kalkechten Pigment durchgefärbte Mörtelschicht aufgezogen. Auf diese wird eine verschiedenfarbige Lage Kalktünche oder Putz aufgebracht, sauber abgezogen. Danach werden die orstüblichen Muster und Ornamente in den frischen, weichen Putz geritzt oder gekratzt.
Sie leben in Friedhöfen des 19. Jahrhunderts: Engel mit Posaunen, die dem Jüngsten Gericht assistieren; in Anbetung oder Trauer versunken; Palmwedelschwingend oder ans Kreuz gestützt; trostspendend ins Jenseits weisend oder puttenhaft flatternd wie ordinäre Schutzengel. Nein, ich bin nicht nekromantisch veranlagt, dennoch besuche ich in den Ferien gerne Friedhöfe, wo derartige Grabkunst nicht aussortiert, sondern als Ausdruck einer vergangenen Zeit weiter bestehen darf. Im Engadin gibt es einige kleine Friedhöfe, in denen man sie noch findet. Deren Bestand ist nicht zu vergleichen mit jenem der grossen Friedhöfe z.B. in Wien (St. Marxer), Hamburg (Ohlsdorfer) oder Köln (Melaten), die ich aber alle leider noch nie besucht habe.
Hier einige Bilder, sortiert in meiner eigenen Typologie:
Kinderengel
Altersklasse 3-12 Jahre. Puttenhaft flattern sie auf den Gräbern herum, zur Freude der noch Lebenden.
keiner aus Gips !Aus Gips einer !junger Greis
Ach Jugend, wohin bist Du entschwunden ?
Adoleszente Engel
Altersklasse 13 bis 18 Jahre
da freut sich der Opa !kann auch Schutzengeln passierendie fromme Helene ?anlehnungsbedürftigpsst, Spinne auf Haupt schläft
Langsame Annäherung an jene Altersklasse, die des tiefsten Ausdruckes von Trauer und Schmerz fähig ist:
Jungfräuliche Engel
Altersklasse 18 bis 30 Jahre
der Blick nach rechts gesenkthier nach linksden Arm edel vor die Brust gelegthier scheint die Trauer echt
Reifere Engel
Altersklasse ab 30.
In der Altersklasse, der ich zugehöre, scheint es überhaupt keine Engel mehr zu geben.
Warum ?Darum !
Sogar einen der seltenen Galvanoengel habe ich gefunden: Ihr Körper besteht aus Gips, der mit einer dünnen Bronzeschicht ummantelt ist – diese wird im Galvanischen Bade auf dem Gipskörper abgelagert -. Sie sehen aus wie richtige, gegossene Bronzeengel.
Heimgegangen bist Du, Jüngling, rinne
Sehnsuchtstränen auf den Aschenkrug;
Halbbetäubt noch steh ich hier und sinne,
ob es wahr sei oder Traumbetrug.
etc. ….
Um mich sprosste düstrer Bilder Kranz;
Bei des Grabelämpchens Scheine
Sah ich nur der Todesengel Tanz. Novalis
was das mit einem food-blog zu tun hat ? hmmm…. Nicht viel, ausser dass morgen Allerseelen gefeiert wird und ich mich herzlich daran freue, dass ich nicht im Reigen der Seligen mittanzen muss, sondern mich, bei allem gebotenen Ernst, im Scheine eines normalen Stubenlämpchens über einen Gemüseteller hermachen darf.
Dabei habe ich mir geschworen, nie über St. Moritz berichten zu wollen. Bis 1880 war St. Moritz ein kleines, bescheidenes Dorf im Engadin. 1856, mit der Eröffnung des ersten Hotels, des Kulm-Hotels, begann der touristische Aufstieg des Ortes. Heute ist St. Moritz eine kosmopolitische Kleinstadt. Eine grausliche Mischung aus Armani, Versace und schlimmster Bausünden an jeder Strassenecke. Luftverschmutzung und Bodenpreise teils höher als in Städten des Unterlandes. Aber den Reichen und Schönen, bzw. Label-Shoppers und Botox-Gespritzten scheint es hier zu gefallen.
Spontan wollen mir nur wenige Gründe einfallen, St. Moritz aufzusuchen:
1. die Bushaltestelle als Umsteigeort für Reisen im Oberengadin
2. der grosse COOP Laden
3. Konditorei Hanselmann, obwohl das Angebot vergleichbar dem anderer Konditoreien ist.
4. Die Hatecke-Boutique, mit wirklich guten Trockenfleischspezialitäten und einem anständigen espresso.
5. Das Studium der Restaurant-Aushänge, um zu sehen, was in den Töpfen der Profikonkurrenz so köchelt. Morgen gibts bei mir eine Nobelpizza, gesehen im Aushang der Chesa Veglia !
Wahrzeichen von St. Moritz-Dorf ist der Schiefe Turm, ein Rest der im 19. Jahrhundert abgebrochenen Mauritiuskirche aus der Zeit um 1500. Neigung: 5.5 Grad
St. Moritz: Schiefer TurmSt. Karl 1894, bolzgerade
Wie wohltuend ist dagegen, wenige Kilometer von St. Moritz entfernt in Celerina, die Einkehr in der Kirche San Gian. Teile des Langhauses, der Chor sowie der kleinere Turm stammen aus der Zeit um 1100. In der Spätgotik wurde ein grösserer Turm daneben erbaut. Im Innern nimmt einen die prachtvoll mit Ornamenten bemalte gotische Holzdecke von 1478 sofort gefangen. Die Wandmalereien entstammen der lombardischen Frührenaissance. Der grosse Turm wurde 1682 durch einen Blitzschlag getroffen, jedoch nicht mehr wieder hergestellt, da das Dorf seit 1669 eine Kirche mit Glockenturm im Dorfzentrum besass.
S-Charl (1810 m.ü.M) liegt, von Basel aus gesehen, am Ende der Welt. Von Schuls/Scuol windet sich rund 13 km lang ein schmaler Fahrweg durch einen gewaltigen Geröllcanyon entlang des Schweizer Nationalparks in ein kleines, wildes Seitental. Bald ist der geteerte Strassenabschnitt zuende, die Strasse unbefestigt bis S-Charl, einem kleinen Weiler, hinten im Tal. Der ursprüngliche Dorfkern gruppiert sich mit seinen 13 Häusern und 3 Gaststätten rund um eine Kirche. Das Dorf ist autofrei. Im Sommer verkehrt im Sommer ein Postauto. Bis 1920 war S-charl ganzjährig bewohnt. Im Winter ist die Zufahrtsstrasse gesperrt und das Dorf nur mit Pferdeschlitten, Tourenskis oder Schneeschuhen erreichbar. Eines der Hotel hat winters geöffnet.
In einer Schenkungsurkunde der Herren von Tarasp an das Kloster von Scuol erscheint der Ortsname S-charl um das Jahr 1095 erstmals.
DorfplatzDorfstrasseFensterbildDer letzte Bär
Wir sind in einem der Gasthäuser, dem Crusch Alba, weisses Kreuz, zu einem einfachen, aber sehr guten Mittagessen eingekehrt. Das Foto an der Wand zeigt die damaligen Dörfler und Dorfschönheiten im Sonntagsstaat, zu Füssen der im Jahre 1904 erlegte, letzte Braunbär der Schweiz. Über 100 Jahre sollten vergehen, bis sich wieder ein Bär in der Schweiz zeigte, und sogleich abgeknallt wurde. Bär gabs nicht auf der Speisenkarte, dafür Cordon bleu aus Kalb. Anlass, zuhause wieder einmal Cordon bleu zu machen. Übermorgen.
Bär erlegt !kein Bär, Cordon bleu
Zwischen dem 12. und 17. Jh. und von 1811–1829 herrschte grosse Betriebsamkeit in dem einsamen Tal. Silber und Bleivorkommen wurden von Tiroler Bergknappen (das Unterengadin war lange Zeit habsburgisch) unter primitivsten Bedingungen von Hand abgebaut. Bis zum Auskauf des Unterengadins 1652 lag das königliche Bergwerksregal bei den Grafen von Tirol bzw. bei der Herrschaft Österreich. Danach kam der Bergbau zum Erliegen, die einheimischen Bauern verstanden sich nicht auf dieses fremde Handwerk. Zudem war auch der Ertrag zu klein: Aus einer Tonne Gestein wurden 1 kg Blei und 1 g Silber gewonnen.
KirchleinBergbau Ruinen bei Schmelzra
Ein wundervolles Wandergebiet, leider führt der Weg meist hoch. Hier muss im Winter der absolute Frieden herrschen. Kein Auto !
Wie jedes Jahr, verbrachten wir auch unsere diesjährigen Sommerferien im Engadin. Einmal mehr haben wir unsere alten, ausgetrampelten Wege begangen, aber auch neue betreten. Davon wird an dieser Stelle in den nächsten Wochen zu lesen sein. Alle Reiseberichte sind fein säuberlich mit dem tag Grenzland etikettiert, wie schon in den vergangenen zwei Jahren.
Die erste Ausfahrt hatte das Wiederanknüpfen mit den letztjährigen Neuentdeckungen im Veltlin zum Ziel. Kurz nach 11 Uhr lohnt es sich in Tirano den (guten) caffè auf der Terasse des Caffè del Duomo zu nehmen. Unvermittelt, aber pünktlich, beginnen die Kaffeetassen zu vibrieren, ja gar zu wackeln, ein zunehmendes Donnern, Rumpeln und Bimmeln dröhnt durch die Strasse. Kein Erdbeben, die Berninabahn (trenino rosso) donnert im Abstand von 2 Metern am Kaffee vorbei quer über die Kreuzung.
Danach gings nach Bianzone, Altavilla, zu Anna Bertola.
Hier haben wir uns an den ein langes Jahr vermissten Sciatt gütlich getan, eine weitere Veltliner Käsespezialität kennengelernt, chisciöi, ein Stück Casera-Käse, der in einem Teig aus Buchweizenmehl ausgebacken wird. Die Rotoli di vitello schmecken immer noch gleich gut und der 2005er Carteria von fay ist klar besser als der 2004er.
BresaolaSciattChisciöiRotoli di vitelloCarteriaMisto bosco
Danach in einem Hupf über die berühmte Brücke aus dem Jahre 1778 nach Morbegno, direkt in die Altstadt und den Laden der Fratelli Ciapponi:
Morbegno ponte di GandaFratelli Ciapponi
Während sich Frau L. mit dem alten Herrn Ciapponi unterhielt, habe ich in der Abteilung Holzgerümpel eine Spaghetti-Chitarra aufgestöbert. Daneben bei Grappa und Veltlinerkäse kräftig zugelangt.
was darin sein mag ?Signore Ciapponi personalmentehinein in die heiligen HallenJungkäse und -Salsicce
Die Ciapponis kaufen ihre Käse direkt von den Erzeugern und lagern sie in den eigenen Kellern bis zu 10 Jahren.
In Morbegno lässt sich überhaupt gut einkaufen. Hier gibts den besten Früchte- und Gemüseladen weit und breit. Interessant die Figur des Christophorus auf der Brücke, die auf die österreichische Besetzung hinweist.
Brücke über den BittoOrto & sapori
Die Altstadt von Morbegno ist schön, ausgedehnter, weniger touristisch als jene von Sondrio.
Gasse in Morbegno
Hier gehts zu den entsprechenden Berichten aus dem letzten Jahr:
Vor Glarus ein Riesenstau, Polizei die zum rechtsanhalten mahnt, aufgeregte Geschäftsleute vorne und hinten, die sich über verpatzte Termine ärgern, was ist los ? Unfall ? Kein Grund zum Ärger über verlorene Minuten: Das fröhliche Kuhglockengeläute einer grossen Alpabfahrt von der Alp Oberlängenegg.
wer wohl die Schönere ist ?Swiss Power ISwiss Power IIHula-Hoop ?Grosse GlockenKleine Glocken
Noch eine zweite Alpabfahrt ist unterwegs, schlichter geschmückt, die putzigen Hütchen mit Silberdisteln und Tannenreisig geschmückt. Wunderschön.
Glarus ? Ein eigentümlicher Ort. 1861 wütete hier ein verheerender Grossbrand, der zwei Drittel der Stadt, rund 600 Gebäude, einäscherte. Die Stadt wurde mit Strassenkarrees wie in New York hastig wieder aufgebaut, zählt heute 5900 Einwohner. Bis Ende des 14. Jahrhunderts gehörten grosse Teile des Glarner Landes zur Grundherrschaft des (habsburgischen) Klosters Säckingen, bis sich die Einwohner davon loskauften. 1387 fand die erste direktdemokratische Landsgemeinde statt, eine Institution, die hier noch heute besteht und in der Regel am 1. Sonntag im Mai abgehalten wird.
Glarus 5th avenueGlarus downtown
An sich beabsichtigte ich, Frau L. in das erste Haus am Platze (Schwert, Netstal) zu Glarner Schabzigerspezialitäten einzuladen. Weder Entrecote noch Saibling mit Schabzigerkruste und sonstigem trallala fanden die Gnade von Frau L. Ihr stand der Sinn nach einfachen Zigerhöreli. Die gabs in der edlen Gaststätte nicht. Also wieder raus in eine einfache Beiz, wo man uns die Glarner Nationalspeise ohne Murren, dafür mit viel Freundlichkeit auftischte. Glarner Zigerhöreli werden demnächst in diesem Blog gekocht.
Danach Aufbruch zu einer Passfahrt über den Klausen, einem Pass (1948 m), der die Kantone Uri und Glarus verbindet. Die enge Passstrasse führt an schwindelerregenden Abgründen vorbei. Der Grund, warum wir die Strecke in Richtung Altdorf fahren, damit Herr L. auf der gefährlichen (!) Aussenseite sitzen darf.
und rauf in die Rocky Mountainsdrückende KlobenTrampelpfade des HornviehsAussicht von der Passhöheschwindelerregende Abgründeenge Passstrasseherrliches Herbstwetter
Schloss Lenzburg, hoch über dem Städtchen Lenzburg gelegen, wurde 1036 erstmals als Stammsitz der Grafen von Lenzburg erwähnt, die damals bedeutende Lehen im schweizerischen Mittelland besassen. Der letzte Besitzer starb 1173 ohne Nachkommen; das Schloss vererbte er an Kaiser Barbarossa. Dieser vergab es wiederum als Lehen an die Kyburger, die das Schloss später käuflich erwarben. Um 1230 entstand unterhalb des Schlosses eine befestigte Marktsiedlung, das heutige Lenzburg. Nach dem Aussterben der Kyburger übernahmen die Habsburger im Jahr 1264 das Schloss und die Siedlung. 1306 wurde dem Ort durch Herzog Friedrich I. von Österreich das Stadtrecht zugesprochen.
Im April 1415 eroberten die Berner den westlichen Teil des Aargaus. Lenzburg wurde eine Untertanenstadt im Berner Aargau, durfte aber seine bisherigen Freiheiten weitgehend behalten. Bern kaufte 1433 das Schloss; von 1444 bis 1798 war das Schloss Landvogteisitz des Oberamts Lenzburg.
Nach dem Einmarsch der Franzosen im März 1798 wurde der Bernische Aargau von Bern abgetrennt und in den neuen Kanton Aargau integriert.
steiler Aufstieg2 Zugbrücken: für dick und dünn
Der älteste Bau auf dem Schlossareal ist das Ritterhaus, mit dessen Bau Herzog Friedrich II. von Tirol-Österreich 1339 begann. Darin plante er die Hochzeit mit der Tochter des englischen Königs Eduard III. abzuhalten, war durch vorzeitiges Ableben aber daran verhindert.
RitterhausSaal im Ritterhaus
Die Bastion am östlichen Rand des Innenhofs wurde von 1642 bis 1646 anstelle der Ringmauer mit Wehrgang erbaut, um eine bestehende Baulücke zwischen Palas und Landvogtei (Titelbild) zu schliessen und das Schloss vor Kanonenbeschuss vom gegenüberliegenden, etwa gleich hoch gelegenen Hügelzug aus zu schützen.
Ostbastion mit Glockenturmein Ritter von trauriger Gestalt
Das Schloss beherbergt in den Austellungsräumen in Turm und Palas, der Ostbastion und in der Landvogtei Dauer- und Wechselausstellungen und ist ein beliebter Ausflugsort für Schulklassen. Zu sehen sind:
Wohnkultur vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert
Strafuntersuchung und -vollzug im Mittelalter
historische Waffen und szenische Waffenschau
sakrale Kunst, Silber, Möbel und Kostüme aus den Sammlungen des Kantons Aargau
Blick in die KücheBlick in die Schreibstube
1822 wurde das Schloss an ein Erziehungsheim verpachtet. Später an Private verkauft. 1872–1893 gehörte es Dr. Friedrich Wilhelm Wedekind, dem Vater des Schriftstellers Frank Wedekind, der in Lenzburg auch die Schulen durchlief. In jungen Jahren schuf der Schriftsteller als Werbetexter für Maggi so bedeutende Texte wie etwa diesen hier:
Vater, mein Vater !
Ich werde nie Soldat.
Dieweil man bei der Infanterie
Nicht Maggi-Suppe hat !
Söhnchen, mein Söhnchen !
Kommst Du erst zu den Truppen,
so isst man dort längst nur
Maggis Fleischkonservensuppen !
1893 erwarb der Amerikaner Augustus E. Jessup das Schloss und stellte den Zustand des 17. Jh. mit aufwendigen Restaurationen wieder her. 1911-1956 gehörte das Schloss zum Besitz der Familie des amerikanischen Polarforschers Lincoln Ellsworth, deren Badezimmer Frau L. bei jedem Besuch leicht neidisch werden lässt. 1956 verkaufte sie das Schloss für 500’000 Franken dem Kanton Aargau.
Die Schweiz wird ennet ihrer Grenzen zwar durchaus als Käseland wahrgenommen, ausser Emmentaler, Appenzeller und Greyerzer wird aber relativ wenig Käse exportiert, entsprechend sind im Ausland ausser diesen drei Eidgenossen kaum andere Käsesorten bekannt. Schon vor 20 Jahren hat mich der beste Schweizer Koch, Fredy Girardet (19.5 ! GM Punkte, 3 Michelinsterne) mit seinem Käsewagen beeindruckt. Alles Schweizer Käse, keine Franzosen. Man muss nur wissen, welche.
Auf diesem Käsewagen waren auch immer sagenhafte Waadtländer Rohmilch Tommes zu finden. Wie jene aus Rougemont. Längst haben diese Tommes ihren Siegeszug durch die Schweiz angetreten, seit dem Gewinn des Swiss Cheese Award 2001 hat dieser Käse mittlerweile alle Preise abgeräumt, die ein Käse in der Schweiz erhalten kann. Es gibt sie in jedem gutsortierten Käsefachgeschäft der Schweiz. 20 Jahre hat es gedauert, bis ich den Weg nach Rougemont zur Quelle dieser Spezialität unter die Füsse (genauer: unter die Räder) genommen habe.
Rougemont, an der Grenze zum bernischen Saanenland gelegen, hat eine bewegte Geschichte aufzuweisen. Im 11. Jahrhundert liessen sich Kluniazensermönche nieder, die im 1080 die Kirche Saint-Nicolas erbauten. Zwischen 1555-1798 war der Ort unter Berner Herrschaft. Im alten Kern viele alte Holzhäuser, Strassenschilder gibt es keine.
Gleich gegenüber dem Kloster Rougemont hat sich der innovative Michel Béroud in seiner Käserei eingerichtet. Er gilt als Meister der Tommes Vaudoises. Vom Fleurette, eingehüllt in ein weisses Käsepapier und mit einer blauen Kuh bedruckt, werden heute täglich etwa 1500 ca. 180 g schwere Laibchen produziert und mindestens 10 Tage reifen gelassen. Danach sind sie jedoch noch zu jung zum Verzehr; erstaunlich die Geschmacksentwicklung, die der Käse bei längerer Lagerung mitmacht. Am besten ist er, wenn er innen cremig zerläuft und zu einem Glas Weisswein genossen wird.
Überrascht war ich, dass hier ausser dem Fleurette noch andere Käse hergestellt werden, die haben wir in der Deutschschweiz noch nirgendwo angetroffen. Neben dem Fleurette haben wir eingekauft (und selbstverständlich bezahlt !)
Délice de Rougemont, ein Weichkäse, den man am ehesten mit einem Brie vergleichen kann, 1.5 – 2 kg/Laib.
Le Rubloz: ein mind. 45 Tage gereifter Weichkäse, mit gewaschener, braun-schrumpeliger Rinde. 1.5 kg/Laib.
Fromage des Forts: ein Hartkäse der in einem in Fels gehauenen, ehemaligen Artilleriewerk der Schweizerarmee (Fort Tine) 6-8 Monate gelagert wird.
um 12.00h war schon fertig gekästein Teil der Tagesproduktion
Anderntags gabs bei uns Rosmarinkartoffeln, jene mit den jalousieartigen Einschnitten, die ich bei einfachguad gesehen hatte, mit einer Käseplatte, alles aus derselben Käserei. In D wirds diese Käse kaum geben, aber wer vor 12 Uhr hier zufällig vorbeikommt, dem empfehle ich, sich hier ein gutes Stück Schweizerkäse jenseits von Emmentaler & Co. abzuschneiden. Laibhaftig gut.
An einem heissen Augusttag sind wir zum Schloss Landshut gefahren, nicht jenes Landshut, das im fernen Bayern liegt, sondern zu ‚unserem‘ Schloss Landshut. Das liegt etwa auf halber Strecke zwischen Solothurn und Bern. In einem Landschaftspark gelegen, der von zahlreichen Bächlein und Gerinnseln durchzogen ist und deshalb unter den alten Bäumen ein angenehmes Mikroklima verhiess.
Auf einem kleinen Molassehügel gelegen, wurde hier von den Zähringern im 12. Jhdt ein befestigte Anlage zum Schutz von Burgdorf erstellt. Später ging es in Kyburgischen Besitz über, bis es 1332 teilweise zerstört wurde und in die Hände verschiedener Berner Gläubiger gelangte. Heinrich Ziegerli, ein begüterter Simmentaler Käsehändler erwarb Schloss und Teile der Herrschaft Landshut und adelte sich nach damaliger Sitte nach seinem Herkunftsort Ringoltingen gleich selbst. Fortan nannte er sich Heinrich von Ringoltingen. Sein Grosssohn war übrigens der Autor der deutschsprachigen Bearbeitung der Verserzählung Die schöne Melusine. 1514 fiel die Herrschaft Landshut durch Kauf an Bern. Das Schloss wurde für die nächsten Jahrhunderte Landvogteisitz. Hier ein Bildauszug aus einem Gemälde des Berner Malers Albrecht Kauw.
Bis 1798 residierten hier 55 Landvögte. 1624-1630 wurde das Schloss neu gebaut. Nach 1798 wurden die Landvogteien aufgelöst, das Schloss gelangte für einige Zeit in Privatbesitz aus dem es vom Kanton Bern 1958 wieder zurückgekauft wurde. Heute beherbergt es das Schweizerische Museum für Jagd und Wildschutz. In den historischen Zimmern wird zudem Wohnkultur vorwiegend aus dem 17. Jhdt. gezeigt.
Erst machten wir einen Rundgang um das einzige Schloss im Kanton Bern, das rundum von Wasser umgeben ist. Alles dem Wassergraben entlang.
Zugbrücke aus dem frühen 19. Jhdt.Karpfen sen. & jun. aus dem 21. Jhdt.Wehrhafte AussenfassadePulverturm
Danach genehmigten wir uns im Schlosshof einen Kaffee. Während sich Frau L. ganz im Stil einer Schlossherrin in Lektüre vertiefte, besuchte ich das Jagd-Museum mit eindrücklichen Exponaten wie Hirschfängern, Flinten, Büchsen, Jagdhörnern, Lockenten sowie Informationen über die Geschichte der Jagd und Falknerei.
Schlossherrin für 1 Stundeim Königreich Bern ?Geätzte Aussicht durch ButzenJagdwaffensammlungNähidylleNackedei frierend am Kachelofen
In Teilen des Schweizer Mittellandes war ehemals eine Landschaftsnutzung mit Grasbau und einem hoch entwickelten Bewässerungssystem im Gebrauch. Im Oberaargu liegen die letzten in der Schweiz erhaltenen Wässermatten: regelmässig bewässerte Wiesen, gespiesen durch Grundwasserquellen und eine Vielzahl natürlicher und künstlich angelegter Wasserläufe. Diese wurden auch für Mühlen und Knochenstampfen genutzt. In einem der durch das Areal fliessenden Bächlein entdeckten wir ein hochstehendes Zeugnis menschlichen Erfindungsgeistes: ein heute noch funktionierendes, selbstschmierendes, unterschlächtiges Wasserrad.
Die zweite Ausreise führte uns nach Schaffhausen. Neben Basel die einzige grössere Schweizer Stadt, die nördlich des Hochrheins liegt.
Schaffhausen war seit dem Jahr 1000 aufgrund einer Furt ein wichtiger Umschlagplatz für Waren, die vom Bodensee Richtung Basel transportiert wurden. Wegen des unterhalb gelegenen Rheinfalls musste umgeladen und die Güter ein Stück weit auf dem Landwege transportiert werden.
Die Stadt wurde 1330 von Ludwig dem Bayern an Österreich verpfändet, erlangte jedoch 1415 ihre Reichsunmittelbarkeit wieder, d.h. sie war direkt und unmittelbar dem Kaiser untergeben. Bedrängt vom österreichischen Adel, schloss Schaffhausen 1454 ein 25-jähriges Bündnis mit den Eidgenossen, das nach einer Verlängerung am 19. August 1501 durch den Beitritt zur Eidgenossenschaft abgelöst wurde.
Güterhof, ehem. Salzlager Weidlinge im Rhein am Lindli
Bei heissem Wetter war uns nach einem netten Mittagessen draussen. In der durch die Tochter des Mövenpick-gründers Ueli Prager geführten Sommerlust, direkt am Rhein fanden wir eine uns zusagende Gaststätte. Freundliche Bedienung. Als Hauptgericht Kalbsstreifen in einer Zitronenpanade, mit Asiagemüse aus dem Wok und Reis. Von Zitrone war nichts zu merken, das Gemüse im Wok verkocht, aber der Garten schön und erholsam.
Garten der Sommerlustunser lunch
Danach ein kleiner Hupf bis zur Bergkirche in Büsingen am Hochrhein. Ein kleiner deutscher Ort, der, als einzige deutsche Exklave, vollständig von Schweizer Hoheitsgebiet umgeben ist. Geschichtlich war der Ort seit Jahrhunderten zwischen D und Schaffhausen, bzw. der Schweiz umstritten. 1406 zunächst an Schaffhausen verpfändet, gelangte die Gemeinde zur österreichischen Landgrafschaft Nellenburg. In der Folge einer gewaltsamen Entführung des Inhabers der österreichischen Lehensherrschaft verlor Schaffhausen die Pfandschaft über die mehrere Dörfer, zu denen Büsingen gehörte und konnte diese erst 1728 teilweise zurückkaufen. Büsingen hingegen wurde von den Österreichern einbehalten, zum ewigen Ärgernis der Schaffhauser. Allen Versuchen der Schaffhauser zum Trotz, wurde das Dorf im Pressburger Frieden von 1805 erst dem Königreich Württemberg zugeschlagen und gelangte später an das Großherzogtum Baden. Daran änderte auch der Wiener Kongress nichts mehr.
Bei einer 1918 durchgeführten Volksabstimmung entschieden sich 96 % der Büsinger Bürger für eine Angliederung ihres Dorfes an die Schweiz. Was Wunder, 1918. Weil sich aber keine Schweizer Gemeinde fand, die im Austausch sich an Deutschland anschliessen wollte, blieb Büsingen beim Deutschen Reich. Auch das kein Wunder. Zurück nach Schaffhausen.
Die kleine Wanderung durch die Stadt begannen wir am Fronwagplatz, dem zentralen und belebtesten Platz der Stadt.
Blick in die OberstadtFronwagplatz, Südseite
In der Mitte des Platzes der Mohrenbrunnen, König Kaspar darstellend, Säule und Trog aus dem frühen 16. Jhdt. Auffallend die vielen schön verzierten Erker. Die rund 170 Erker haben der Stadt den Übernamen „Erkerstadt“ gegeben.
Mohr mit DoppeladlerErker am Fronwagplatz
Weiter Richtung Unterstadt das schöne Portal der Schmiedenzunft.
An der Vordergasse steht eines der schönsten Schaffhauser Bürgerhäuser mit den bedeutendsten Renaissancefresken nördlich der Alpen. Er-/umgebaut 1566 durch Ritter Hans von Waldkirch, der um die 1569 die Fassadenbemalung von dem berühmten Schaffhauser Maler Tobias Stimmer ausführen liess. Weiter unten das prachtvolles Doppelhaus aus dem Jahre 1738 mit zwei Rokoko-Portal-Erkern. Vor dem Hause ein achteckiger Brunnen mit Wilhelm Tell als Symbol des freiheitsbewussten Schweizers.
Haus zum RitterZur Wasserquelle mit Wilhelm Tell
Am Fusse des Munothügels die ehemalige Trinkstube der Gerberzunft. 1708 – 1710 in heiterstem Rokoko erbaut. Nahebei führt eine bei Hitze sehr, sehr lange Treppe zum Munotturm, der eindrucksvollen Stadtfestung hoch über Stadt und Rhein.
GerbernstubeBlick vom Munottörli auf den Rhein
Die kreisrunde Bastei wurde von 1564 bis 1589 von den Schaffhauserbürgern in Fronarbeit im Stil von Albrecht Dürers Rondellbefestigung erbaut und erlaubte eine ideale Rundumverteidigung. Militärisch wurde sie nur einmal genutzt, von den Franzosen, 1799 während des Rückzugs vor den Österreichern.
Vorwerk des MunotKühle Kasematten
Der Bericht ist lange geworden. Dabei habe ich die Stadt nur punktuell gestreift und viele weitere Sehenswürdigkeiten ausgelassen. Ein andermal, bei tieferen Temperaturen.
Gefährlich ist’s den Leu zu wecken, Verderblich ist des Tigers Zahn, Jedoch der Schrecklichste der Schrecken, Das ist der Mensch in seinem Wahn. [Die Glocke, Friedrich Schiller]
Im Titelbild der stolze Markuslöwe Venedigs, der über Wasser und Land schreitet und damit den Machtanspruch der mittelalterlichen Republik symbolisiert. Der Name des am Schlüsselberg 3 gelegenen Haus zum Venedig und das angebrachte Relief gehen wohl auf die Zeit des hier 1460 einwohnenden Handelsherrn Claus Gottschalk zurück, der vermutlich mit Venedig Handelsbeziehungen unterhielt. Steinerne Darstellungen dieser Art hatten im Mittelalter die Funktion, ein Haus leicht auffindbar zu machen.
Haus zur Mücke, SchlüsselbergFratze am Weissen Haus, Rheinsprung
In der Nähe befindet sich das Haus zur Mücke. 1348 erstmals urkundlich erwähnt, war das Haus zunächst ein Treffpunkt des Adels, wo sich die Rittersleut der Geselligkeit hingaben. 1439 beherbergte das Haus während des Konzils zu Basel die Kirchenväter, die hier das Konklave, das zur Wahl von Papst Felix V. führte, abhielten. Etwa um das Jahr 1475 wurde das Haus vom Rat Basels gekauft und danach als Tuch- und Kornhaus genutzt. Am Portal des Wendelstörfer Hofes (weisses Haus) am Rheinsprung schaut ein grauslicher Rokoko-Löwe auf den Vorübergehenden.
Am Rheinsprung 21 an der ehemaligen kleinen Augustinerschütte müssen sich die Löwen fest an das später angebrachte Wappenschild der Familie Bischoff anklammern, damit sie ihre Haltung ob des gotischen Textes nicht verlieren.
Verwandte am OlspergerhofPortal am Goldenen Löwen
In der Rittergasse an der Fassade des Olspergerhofs habe ich zwei gefleckte Verwandte vorgefunden. Weiter stadtauswärts in der St. Alban-Vorstadt der Goldene Löwen. Dieses Haus wurde 1739 von den Handelsherren Abraham und Franz Legrand, den Abkömmlingen einer belgischen Refugianten-Familie, an der Aeschenvorstadt 4 erbaut und bewohnt. Unter Aufsicht der Denkmalpflege wurde das Haus 1957, zugunsten einer Strassenkorrektion, abgebrochen. Die behauenen Steine der Fassade, wie auch die besonders gestalteten Innenteile, zerlegt und magaziniert. 1960 wurden die Teile in einen Neubau an der St. Alban-Vorstadt wieder eingebaut. Der Löwe hats überlebt.
Bevor wir uns der minderen Stadt zuwenden, ein erster Umtrunk im Löwenzorn, einer beliebten, gutbürgerlichen Kneipe mit schönem Hofgarten und ordentlichem Wurstsalat.
An der Riehentorstrasse befindet sich das Gesellschaftshaus der Kleinbasler Ehrengesellschaft zum Rebhaus, seit 1388 die Trinkstube der „Räbhüsler“, einer Halb-Zunft, der sich seit 1304 die Rebleute und Ackerbauern der minderen Stadt rechts des Rheins, anschlossen. Dem Rebbau in- und ausserhalb der Stadt kam damals grosse Bedeutung zu. Der Wein zählte im Mittelalter wie Brot und Fleisch zu den Grundnahrungsmitteln.
Schildhalter zum RebhausMüllhalter zum Klingental
Der Leu ist der Schildhalter der Ehrengesellschaft und erscheint auf dem Brunnenstock, im Stil der Spätrenaissance sowie in einer Wandnische. Auf der Hinterseite des Klingentalmuseums wurde das vor dem Abbruch gerettete Eingangstor des ehemaligen Zeughauses (Arsenal) am Petersplatz angebracht. Das Tor dient heute offenbar als Zwischenlagerstätte für den Festmüll der Stadt.
Zahnweh oder Magenspülung ?Kater am Schaffhauser Rheinweg
Lustig der Wandbrunnen am Staatsarchiv: ruhig lässt sich die Raubkatze in den Schlund schauen. Nicht zu vergessen die heute noch lebenden Verwandten dieser Raubkatzen, die mir auf meiner Wanderung durch die Stadt immer wieder wohlwollend begegnet sind.
Dass es mit Frau L. wieder aufwärts geht, belegt unser erster Ausflug nach einigen Wochen Reiseabstinenz. Nicht weit, sozusagen vor die Tore der Stadt, in den Hauptort des Nachbarkantons Baselland: Liestal, Kleinstadt mit 14’000 EW.
Nach dem Bau der ersten Rheinbrücke in Basel befestigten die Grafen von Frohburg Liestal in der Mitte des 13. Jahrhunderts zu einer Stadt mit Mauern, Toren und Türmen, da sie als Etappenort auf der Nord-Südroute zum Gotthard diente.
1305 verkauften die Grafen von Frohburg die Stadt an den Bischof von Basel. Nach weitern Handänderungen und Händeln erwarb die aufstrebende Handelsstadt Basel vom Bischof das Städtchen. Als Untertanen der Stadt Basel rebellierten die Bewohner gegen die Bevormundung durch Basel, das seine Macht aber immer wieder mit Gewalt durchsetzte. Während des süddeutschen Bauernkrieges erhoben sich Anfang des 16. Jahrhunderts die Baselbieter gegen die Stadt Basel. Liestal erstritt sich in der Folge 1525 einen Freiheitsbrief, der unter anderem die Leibeigenschaft aufhob. Kurz darauf schloss sich Liestal der Reformation an. Im 17. Jahrhundert beteiligten sich die Liestaler an der schweizerischen Bauernbewegung und revoltierten erneut gegen die Vorherrschaft Basels und die wieder eingeführte Leibeigenschaft. Der Aufstand scheiterte. Liestal wurde 1653 von Basler Truppen besetzt, die drei Liestaler Rädelsführer in Basel enthauptet.
Der 1789 von Frankreich her erschallende Ruf nach Freiheit und Gleichheit wurde in Liestal gerne aufgenommen, 1790 verlangte Liestal die Wiederherstellung der alten Rechte. Begeistert wurde 1797 der durchreisende Napoleon gefeiert. Unter Führung Liestals erlangte das Baselbiet als erstes Untertanenland der Eidgenossenschaft 1798 die langersehnte Freiheit. Nach Napoleons Sturz wurde die Vormachtstellung der Stadt Basel im Baselbiet wieder restauriert.
Zeughaus PortalTörli im Stadtinnernweisse GasseBäckerei
1830 sprang der Funke der französischen Julirevolution auch ins Baselbiet. Im Liestaler Rathaus wurde eine provisorische Regierung eingesetzt. Dies provozierte ein militärisches Eingreifen der Stadt, Aktivitäten von Freischärlern auf der Gegenseite. Letztlich verfügte die eidgenössische Tagsatzung ein Verdikt per 26. August 1833 die Totaltrennung des Kantons Basel, die bis heute andauert. Alles Liebeswerben der Städter um eine Wiedervereinigung blieb bis heute erfolglos. Gekürzte, überarbeitete Version aus wiki.
Sitz der Kantonsregierung (1770)Sitz eines biertrinkenden Königs
Zum Abschluss gabs im Stammhaus der hier ansässigen Brauerei noch eine kleine Erfrischung. An der Fassade des 1850 gegründeten Unternehmens prangt, wie könnte es anders sein, König Gambrinus. Ursprünglich eine Ziegelei, welche früher die Steine zum Unterhalt der Basler Stadtmauer lieferte, wird hier nicht mehr gebraut. Die lokale Brauerei wurde geschluckt von einer noch grösseren Schweizer Brauerei und diese wurde nun ihrerseits von einer noch viel grösseren, niederländischen Brauerei gefressen. Globalisierung.
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