Trofie di Recco, handgemacht, mit Fave, Pesto und Kartoffeln

Trofie di Recco 0_2011 06 06_4093

Machst du als nächstes Trofie mit grünen Bohnen, Kartoffeln und Pesto ? fragte mich Sylvia P. in einem Kommentar bei den Corzetti. Warum nicht ? Hier sind sie, handgefertigt, sowohl die Trofie wie ein Video:

Trofie sind eine Pasta-Spezialität aus Ligurien, aus der Gegend um Recco. Kleine, verdrehte Streifchen aus Hartweizenteig. Da Hartweizen im schroffen, steilen Hügelgebiet Liguriens nicht angebaut wird, war das Hartweizenmehl in dieser Gegend früher ein Luxusartikel, mit dem man sparsam umging. Meist wurden die Trofie deshalb mit Kartoffeln und Bohnen gestreckt oder mit einem Anteil an Kastanienmehl oder Kleie zubereitet. In Camogli nimmt man sogar zerdrückte Kartoffeln in den Teig. Aus Recco hab ich übrigens schon mal was gemacht: Focaccia con il formaggio.

Zutaten
Hauptgericht für 2 Personen
für die Trofie:
200 g Hartweizenmehl (De Cecco)
ca. 80-90 ml Wasser lauwarm
Prise Salz
1 Elf. Olivenöl

für den Pesto:
50 g Basilikumblätter
2 Elf. leicht geröstete Pinienkerne
2 zerdrückte Knoblauchzehen
1 dl kalt gepresstes, ligurisches Olivenöl
50 g geriebener Parmesan
1/2 Elf. Fleur de sel
schwarzer Pfeffer

für das Gericht:
800 g dicke, grüne Bohnen (fave, Saubohnen)
150 g kleine, junge Kartoffeln

Zubereitung
für die Trofie:
(1) Mehl mit den Zutaten mischen und in der Küchenmaschine zu einem mittelfesten Pastateig verkneten. In Folie einwickeln und 1 Stunde kühl stellen.
(2) Jeweils ein Teigstück  auf der Pastawalze zu einem schmalen, etwa 3 mm dicken Streifen auswallen (Stufe 3/9). Den Streifen in ein Rechteck von ca. 4 cm Breite zuschneiden. Mit dem Messer etwa 4 mm breite Teigstreifchen abschneiden. Die Teigstreifchen zu einer Spirale aufdrehen (siehe Video), deren Enden etwas schmaler als die Mitte auslaufen. Auf ein Kuchengitter legen und einen Tag durchtrocknen lassen. So behalten sie ihre Form.

Trofie di Recco 1_2011 06 05_4031

für den Pesto:
(3) Basilikumblätter ohne Stiele grob zerkleinern, mit den Pinienkernen, dem Knoblauch und dem Parmesan mit dem Olivenöl im Cutter (oder im Mörser) pürieren.
(4) Mit fleur de sel und dem Pfeffer würzen.

für die Saubohnen:
(5) Saubohnen aus den Hülsen lösen. Die ausgelösten Bohnen 1 Minute auf dem Dampfsieb erhitzen, mit kaltem Wasser abschrecken. Die grünen Kerne einzeln aus der Haut herauspulen.

Trofie di Recco 0_2011 06 06_4095

für das Gericht:
(6) Kartoffeln schälen und in kleine Stücke schneiden. Im grossen Pastatopf Salzwasser zum Kochen bringen. Kartoffeln und die Trofie zusammen etwa 10-12 Minuten garen. Kartoffeln weich, Trofie aldente. In der letzten Minute die Saubohnen zugeben und miterhitzen.
(7) Abgiessen, mit einem Schöpfer Pastawasser und ein paar Löffeln Pesto vermischen.

Köstlichst. Die schmecken wie Pici.

Edouard Manet: Asperges. Asparagi alla Milanese

Edouard Manet (1832-1883): La botte d'asperges mit Aufwärtsdrang

Die Idee, Kunstbetrachtungen über Stillleben von Nahrungsmitteln mit einem daraus gekochten Gericht zu verknüpfen, ist nicht neu. Mit diesem Thema befasst sich im fernen Australien ein eigens darin spezialisierter Blog und selbst die Schweizer CO.OP Zeitung hat sich zwei Male darin versucht. Von Kunstbetrachtungen verstehe ich nichts, dennoch gefallen mir manche Stillleben so gut, dass ich sie ab und zu als Ausgangspunkt nehmen will, ein Bild fotografisch nachzustellen und dazu ein mehr oder weniger passendes Gericht zuzubereiten.

Edouard Manet, französischer Maler, ist einer der Wegbereiter der modernen Malerei. Im Musée d’Orsay in Paris wird derzeit (bis 3. Juli) eine umfassende Werkschau des früher von Museen als Salonmaler abgestempelten Meisters gezeigt. Bei wiki gibts eine Zusammenfassung wichtiger Werke zu sehen.

Asparagus 0_2011 05 04_3475
Nachgestellt mit Petersilie und Abwärtsneigung

Gemäss einer berühmten Anekdote soll der Auftraggeber des Spargelbildes Manet 200 Francs mehr bezahlt haben, als vorher ausgemacht war. Manet malte deshalb noch ein weiteres Bild mit nur einem einzigen Spargel und übergab das Bild mit den Worten: „In ihrem Bund fehlte noch eine Stange“. zum Bild: Une asperge seule.

Asparagus 1_2011 05 04_3482ed
Asparagi alla Milanese

Asparagi alla Milanese

Zutaten
1 kg Spargeln (10 dicke Spargeln, die hab ich mich nicht getraut mit der Schlauchmethode zu garen !!!)
1 Tlf. Zucker
1 Tlf. Salz
1 Prise Muskatnuss
100 g Parmesan, teils frisch gerieben, teils in Spänen
50 g Butter
glatte Petersilie

bei uns mit weissem Spargel, in Mailand wird sowohl weisser wie grüner Spargel zu diesem Gericht verwendet, dazu Spiegeleier (ohne Rezept)

Zubereitung
(1) Spargeln schälen, Ende nach Erfordernis einkürzen. Aus dem Abfall mit 3 Liter Wasser während 15 Minuten einen schnellen Spargelfond kochen.
(2) Spargeln im schwach siedenden, gewürzten Spargelfond knapp aldente kochen (etwa 13-15 Minuten). Dabei die Stangen wenn möglich stehend in einem hohen Topf garen, dabei die Spitzen vom Wasser unbedeckt lassen. Nur soviel Wasser wie nötig verwenden.
(3) Spargeln herausheben, auf einem Tuch kurz abtropfen und etwas abkühlen lassen.
(4) zwei Gratinplatte ausbuttern, die Spargeln nebeneinader darin verteilen. Mit geriebenem Parmesan bestreuen. Die zerlassene Butter darübergiessen.
(5) Spargel im vorgeheizten Backofen bei 250°C knapp 10 Minuten gratinieren. Mit der Petersilie und Parmesanspänen bestreuen.
(6) In der Zwischenzeit Spiegeleier langsam anbraten und auf den Spargeln servieren. Das Eigelb soll beim Aufschneiden über die Spargeln laufen.

Im Übrigen gilt das Sprichwort: Kirschen rot, Spargel tot. Schluss mit Spargel hier.

CH-5620 Bremgarten: Unterstadt

CH-5620 Bremgarten 5_2011 03 23_2969
Bremgarten: Blick von der Holzbrücke Richtung Unterstadt und Hexenturm

Im ersten Teil bin ich bei der Eroberung des Aargaus 1415 durch die Eidgenossen stecken geblieben. Bremgarten wäre lieber unter der Macht und wohlorganisierten Ordnung der Habsburger, den Gründern ihrer Stadt, geblieben. Das Angebot der Eidgenossen, dem Bund als selbständiger Ort beizutreten, wurde von den Stadtoberen zurückgewiesen. Trotzdem behielt Bremgarten auch unter den Eidgenossen seine weitgehende Selbständigkeit bei, die es schon unter den Habsburgern genossen hatte. Dank seiner Finanzkraft erwarb es bis ins Jahr 1522 die Herrschaftsrechte über einzelne umliegende Gemeinden und besass damit eigenes Untertanengebiet.

Die gedeckte Reussbrücke ist ein wesentlicher Bestandteil des malerischen Stadtbildes von Bremgarten. Die erste Brücke auf hölzernen Pfahljochen wurde schon 1281 erwähnt. Die heutige Brücke ist eine Kopie der 1953 abgebrochenen Holzbrücke. Die alten Reusstore sind verschwunden; letzter Rest der Befestigung ist das Bollhaus, mit dem Stadtwappen, dem Habsburger Löwen.

CH-5620 Bremgarten 16_2011 03 23_2997
Bollhaus der Holzbrücke mit dem alten Stammwappen derer von Habsburg

Die städtische Wirtschaft war durch ihr Handwerk geprägt, ohne jedoch überregionale Ausstrahlung zu erlangen. Zu gering war der Warenverkehr, zu übermächtig die Konkurrenz aus Zürich.

Der Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft im Frühjahr 1798 brachte für Bremgarten das Ende der bisherigen Sonderstellung und Selbständigkeit. Die Untertanen wurden frei. Bremgarten stieg zu einem gewöhnlichen Landstädtchen mit Weihnachtsmarkt und Operette ab.

Zu Füssen der Oberstadt liegt die Unterstadt (welch scharfsichtige Erkenntnis). Zentral der Kirchenbezirk, ein geschlossenes Ensemble von kirchlichen Bauten. Um die Stadtkirche St. Nikolaus gruppieren sich neben den verschiedenen Pfrundhäusern drei weitere Kapellen. Alles in sanftem Barock.

CH-5620 Bremgarten 19_2011 03 23_2995
Stadtmauer, Konifere und Stadtkirche, die letzteren himmelwärts strebend

Das Kornhaus, nahe dem Warenumschlagplatz an der Reuss, wurde 1687 als städtisches Lagerhaus errichtet. Darum wird es heute noch als „Neubau“ bezeichnet. Durch die breit gefassten Rundportale konnten grosse Wagen ein- und ausfahren.

CH-5620 Bremgarten 15_2011 03 23_2993
Bremgarten: Kornhaus

Noch ein Brunnen von Meister Hans Murer, im Jahre 1570 aufgerichtet.

CH-5620 Bremgarten 14_2011 03 23_2994
Bremgarten: Brunnen vor dem Kornhaus

In der Unterstadt wohnten die einfachen Handwerker. Das ist noch heute an den Häusern ablesbar.

CH-5620 Bremgarten 13_2011 03 23_2987
Bremgarten: Blick in die Spiegelgasse

Der Hexenturm dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen. Der bollwerkartige Rundturm erhebt sich vor der Südwestecke der Unterstadtmauer direkt über dem Reussufer. Die Mauer ist im Erdgeschoss 3 Meter dick und 22 Meter hoch. Hexen und Kirchen. Passt.

CH-5620 Bremgarten 18_2011 03 23_2990

Blogranking oder Viel Lärm um Nichts oder Rinderconsommé mit Safran-Griessnocken

Eile mit Weile (Bild: wiki commons)

Blogrankings interessieren angeblich keinen Menschen. Mag sein, jedenfalls keine normalen Leser. Erstaunt nehme ich deshalb jeden Monat das Nicht-Interesse der Blogger um ihre Plazierung im wikio Blogranking zur Kenntnis. Mir fehlt es am Ehrgeiz, mich allmonatlich vergleichen zu wollen. Höchste Zeit, den Blogrankings Ade zu sagen.

Das Registrieren von klicks und Erfassen von Verlinkungen stillt offensichtlich ein Grundbedürfnis vieler Blogger. Für die Teilnehmer kostenlos. Für die Anbieter ein gutes Geschäft. Dabei wird aber gerne vergessen, wie wenig aussagekräftig diese Systeme funktionieren. Wenn der mit grossem Abstand meistgelesene deutsche foodblog meist auf einem Platz um die 30 dahindümpelt, einer der besten deutschsprachigen foodblogs noch weiter hinten liegt, bloss weil sich deren Inhaber lieber um Qualität statt Link-pflege und Link-raising kümmern, dann scheint mir etwas schief an Blogrankings.

Wie im Spiel Eile mit Weile heisst es darum ab 5. Juni für 498 Blogger: ein Feld vorrücken. Für mich dagegen: zurück auf das Startfeld, 1000 Runden aussetzen und…. mein eigenes Süppchen ganz ohne Ranglisten kochen.

Consommée mit Safranklössen 0_2010 12 03_1025

Ausgangspunkt waren 1.4 kg Rinderschulter, die Frau L. nach bewährtem Rezept [klick] zu klarer Brühe und Siedfleisch kochte. Klären mit Klärfleisch war nicht notwendig. Ich steuerte die Safrannocken nach einem Rezept von Meister Schuhbeck (Meine bayerische Küche) bei. Der Weg zur Herberge mit guter Küche will verdient sein. Das Rezept für die Safrannocken:

Zutaten
175 ml Gemüsebrühe
Safranfäden, was zwischen drei Fingerspitzen sich ergreifen lässt
175 ml Milch
120 g Hartweizengriess
Salz, Pfeffer
Muskatnuss
1/2 Tlf. Abrieb einer Bioorange
1 Eigelb
1 Vollei
1 Lorbeerblatt
1 kleiner Bund Schnittlauch

Consommée mit Safranklössen 1_2010 12 03_1019

Zubereitung
(1) Gemüsebrühe in einem Topf erhitzen, vom Herd ziehen, die im Mörser feinzerriebenen Safranfäden einstreuen und 10 Minuten ziehen lassen. Milch zufügen, aufkochen, dann das Griess unter Rühren einrieseln lassen. Bei milder Hitze unter weiterem Rühren eindicken lassen.
(2) Etwas abkühlen lassen, mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss und Orangenabrieb würzen. Das Eigelb mit dem Ei verquirlen und portionsweise in die Griessmasse einrühren.
(3) Reichlich Wasser zum Sieden bringen, salzen, das zerknüllte Lorbeerblatt beifügen. Mit zwei nassen Teelöffeln kleine Gnocchi abstechen und im Wasser knapp unter dem Siedepunkt etwa 10 Minuten gar ziehen lassen.

Zum anrichten etwas frische Muskatnuss in den Teller reiben, mit der heissen Rinderbrühe auffüllen, mit Sherry aromatisieren, Safran-Griessnocken und Schnittlauchröllchen zugeben.

Artischocken-Frittata, Frittata di carciofini

Artischocken-Frittata 0_2011 05 14_3631
Frittata di carciofini

Sonniger Samstagmorgen. Markttag. Einkaufstag. Um 12 Uhr waren wir wieder zuhause. Hunger. Frau L. will kochen. Aus den eingekauften Carciofini macht sie eine Frittata nach einem Rezept von Carlo Bernasconi, ihr wisst schon aus welchem Büchlein. Normalerweise wird eine Frittata im Ofen gebacken. Weils pressierte, gabs eine Pfannenfrittata, was meinen Einsatz als Frittatawender erforderlich machte. Erstmals mit dem Wendedeckel der Tante BB. Ich bin sonst kein Fan dieser Tante, zuviel Unbrauchbares, das sie dem Publikum für teures Geld unterjubelt. Bei diesem Wendedeckel haben die Erfinder jedoch einmal an alles gedacht: Integrierter Haltegriff, rutschfähiges, hitzebeständiges Silikon, randlos (mein bisheriger Teflon-Wendedeckel hatte einen leicht erhöhten Rand, woran das Wendegut immer hängen blieb !!), für verschiedene Pfannengrössen geeignet, Luftöffnungen zur Vermeidung eines Vakuums. Perfekt.

Artischocken-Frittata 2_2011 05 14_3625
Nach der Wende

Zutaten
Vollmahlzeit für 2 Personen:

ca. 250 g kleine Artischocken
4 Eier
Saft einer halben Zitrone
2 Elf. Olivenöl
3 junge Knoblauchzehen
120 ml Weisswein
ca. 2 Elf. gehackte, glatte Petersilie
1 Elf. gehackter, frischer Majoran
60 g Parmesan, frisch gerieben
Salz, schwarzer Pfeffer
Butter

Artischocken-Frittata 1_2011 05 14_3620

Zubereitung
(1) die harten äußeren Blätter entfernen. 2/3 der Artischockenspitze mit einem scharfen Messer abschneiden, den meist verfärbten Strunk entfernen und dann vierteln. In eine Schüssel mit Wasser und Zitronensaft legen.
(2) In einer beschichteten Pfanne das Olivenöl erhitzen, die grob gehackten Knoblauchzehen und die gut abgetropften Artischocken zugeben und ca. 3 Minuten bei mittlerer Hitze anbraten. Mit Weisswein aufgiessen und zugedeckt bei niederer Hitze ca. 15 Minuten garen, am Ende soll die Flüssigkeit eben praktisch eingekocht sein.
(3) In einem Topf die Eier verquirlen, Kräuter und Parmesan hinzugeben und zuletzt die etwas abgekühlten Artischocken unterrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen.
(4) Etwas Butter in dieselbe Pfanne geben, die Artischocken-Ei-Masse zugeben und bei moderater Temperatur langsam stocken lassen. Sobald die Unterseite sich zu bräunen beginnt, den Eierkuchen wenden und auf der zweiten Seite fertig garen. Innen soll er noch weich sein.