CH-6438 Eldorado: Der Schatz der Azteken

http://www.public-domain-image.com/

Auf der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz der Azteken: Xocolatl. Chef Albino hat mich auf dessen Spur gesetzt. Kein Messing  wie bei Lindt&Valrhona, sondern das Gold von Felchlin soll ich mir in Eldorado erobern. So hat er es zwar nicht gesagt, aber so habe ich es verstanden.

Erst den Filzhut in Indiana Jones Manier geknickt, dann mutig wie ein Konquistador den Dschungel am wilden Lauerzersee durchquert. Abenteuer ertragen wir nur mit vollem Magen. Also wollten wir uns vor dem Angriff eine letzte Mahlzeit im Restaurant Rigiblick gönnen. Mitten unter indigenen Eingeborenen. Doch daraus ward nichts. Man wollte uns bei kalten 19°C draussen abfüttern. Terrasse !! lautete das letzte, abweisende Wort der Wirtin nach längeren Verhandlungen. Addio per sempre unsere Antwort. Die Schwanau am selbigen See war nur mit schwankendem Schiff zu erreichen. Zu gefährlich. Taktischer Rückzug an den Zugersee. In Walchwil im Gasthaus Sternen war auch nur die Terrasse gedeckt, doch hier erwiesen sich die Eingeborenen als gastfreundlicher, die Wirtin erbarmte sich unser. Und der Blick auf die Rigi ist von da aus erst noch viel schöner als vom Rigiblick aus. Erst eine kleine Stärkung, dann mit einem raschen, gezielten Vorstoss ins Herz der Innerschweiz vorrücken und den Schatz in unseren Besitz bringen. Soweit mein strategischer Plan.

Eldorado 5_2012 07 04_5978
Strategischer Rückzug an den Zugersee

Die kleine Stärkung wurde dann doch etwas üppiger als beabsichtigt:

Eldorado 1_2012 07 04_5962
Seezungenfilet mit Salicorne-Safran-Risotto
Eldorado 2_2012 07 04_5968
Schwarzer Trüffel auf Spaghettinestchen mit Eigelb und Spinat
Eldorado 3_2012 07 04_5969
Limousin Kalbsfilet, Lavendeljus, Himmel und Erde, Gemüsegarnitur
Eldorado 4_2012 07 04_5977
Saisonales Beerenfrüchtedessert

Nach der Stärkung der zweite Anlauf, den Schatz zu erobern. Unser Schlachtross führte uns unter Umgehung der Aztekenstadt über verschlungene, geheime Trampelpfade bis hin zu einem gemauerten Tempel: dem Tempel des Kakaogottes ! In einem Überraschungsangriff stürmte ich die Schatzkammer. ELDORADO. Goldnuggets aus Raritäten- und Edelcacaos edelster Sorten. In Säcken abgepackt. Hoch geschichtet. Mit unsicherem Griff raffte ich mir 2 Kilogramm vom Edelsten Criollo Amazonico aus Bolivien zusammen, warf der erschrockenen Tempelwächterin 47 Glasperlen hin und stürzte mich wieder aufs Pferd.

Eldorado 6_2012 07 04_5979
Die Schatzkammer von aussen

Das braune Gold Xocólatl ist wahrlich ein Geschenk des Kakaogottes Ek Chuah. Die Prophezeiung des weisen Mannes Albino ging in Erfüllung: Die Schokoladen von Lindt&Valrhona sind, verglichen mit dem Gold Criollo Amazonico, nur Messing. Meiner Schilderung kann entnommen werden, dass ich den Schatz nicht leergeräumt habe. Hier liegt noch mehr von dem Gold. Die Koordinaten des Schatzes behalte ich deshalb wohlweislich für mich. Ach wie gut, dass niemand weiss…

Eldorado 7_2012 07 25_6385
Der Schatz !

Schulter von sardischem Lamm in Olivenöl gegart

Lammschulter-2012ed

Es muss nicht immer Gigot oder Karree sein. Lammschulter ist weniger fett als Hals oder Brust, ohne Bein gerollt und gebunden gibts daraus einen feinen Braten. Das Confieren in gewürztem Olivenöl macht das Fleisch unglaublich saftig und würzig. Gekocht im Gitzi/Lamm-kurs bei Lucas Rosenblatt.

Zutaten
für ca. 6 Personen als Vollmahlzeit
für das Fleisch:
2 sardische Milchlammschultern, entbeint, gerollt und gebunden
2 L griechisches Olivenöl (soviel, dass die beiden Braten bedeckt sind)
2 quer halbierte Knoblauchknollen
5 Tlf. angedrückte Pfefferkörner unterschiedlicher Provenienz (z.B. Telly Cherry, schwarzer Brasil, Szechuan rot, Sarawak creamy white, Muntok white)
je 3 Zweige Rosmarin und Thymian.

für das Artischockengemüse:
6 Baby Artischocken
2 Elf. Gemüse- oder Lammfond
4 Elf. längs halbierte Taggiasca Oliven
4 klein geschnittene Merinda Tomaten
2 Elf. Zitronenöl
Blättchen von 2 Zweigen Thymian
Fleur de Sel, Pfeffer

Lammgigot 1_2012 03 31_4114

Zubereitung
(1) Den Backofen auf 120°C vorheizen.
(2) Das Olivenöl, Knoblauch, Kräuter und Pfeffer in einen Bräter geben und im Ofen während 20 Minuten auf 80°C erwärmen.
(3) Danach den Ofen auf 90°C zurückschalten.
(4) Die Lammschulterstücke in einer Bratpfanne in Olivenöl allseitig anbraten. Mit Fleur de Sel einreiben. In das vorgewärmte Olivenöl geben und zugedeckt 2.5 bis 3 Stunden garen.
(5) Die äusseren, zähen Blätter der Artischocken abziehen. Die Knospen nach vorne in die Spitze, die grünen Stellen mit dem Sparschäler abschälen. In feine Ecken schneiden.
(6) Im Zitronenöl 5 Minuten rührbraten. Mit dem Fond ablöschen und weich schmoren. Mit Fleur de Sel und Pfeffer würzen. Die Tomaten, Oliven und den Thymian untermischen.

Danach mit den Artischocken servieren.

Tussiteller aus dem Bratschlauch

Tussiteller 0_2012 08 06_6522

Nach einem intensiven Kochwochenende von allgemeiner Kochunlust befallen, blätterte ich letzten Montag müde im feedreader die neuen posts durch. Die jungen, am Samstag gekauften, roten Beten sollten verarbeitet werden. Blieb mein Blick an Magdis Salat von gekochten Roten Rohnen, Mozzarella und Sonnenblumenkernen hängen. Hier im Blog Täglich Freude am Kochen. Nomen est Omen. Das wilde Fenchelkraut ist zwar alle, das Juragärtlein 100 km entfernt. Sonnenblumenkerne fehlen ebenfalls. Alles kein Problem, mit wiedergewonnener Freude am Kochen lösbar. Ich habe die Randen statt gekocht im Bratschlauch gebacken. So schmecken sie intensiver.

Zutaten
für 2 Personen
ein Bund kleine, junge Randen
2 Elf. Fenchelsaat
1 Tlf. schwarze Pfefferkörner
1 Stück Macisblüte
1-2 Elf. Meersalz

1 Kugel Büffelmozzarella, ca 150 g
frische, glatte Petersilie
Kürbiskerne, kurz angeröstet

für die Sauce:
2 Elf. Walnussöl
2 Elf Olivenöl
2 Elf. Apfelbalsamessig (Gölles)
Salz, Pfeffer

Tussiteller 1_2012 08 06_6517

Zubereitung
(1) Die gewaschenen, ungeschälten, nassen Randen (samt Wurzeln und eingekürzten Stielen) mit Salz und den angestossenen Gewürzen einreiben und in einen Bratschlauch verpacken. Zuschnüren und für ca. 1 Stunde bei 190°C im Backofen garen.
(2) Herausnehmen, die Randen schälen und in 5 mm dicke Scheiben schneiden. Auf Teller verteilen, dann den zerrupften Mozzarella drauflegen, nachwürzen mit Pfeffer und Salz, Petersilie und Kürbiskerne verstreuen und mit der Sauce beträufeln.

Näheres zur Herkunft des Begriffes Tussiteller samt Weinempfehlung gibts hier. Mit einem Schluck Prosecco zeigt sogar die Lust am Kochen langsam wieder aufsteigende Tendenz.

Tussiteller 0_2012 08 06_6518

Mit Zucker, Kaffee und Melone: Sorbetto di Anguria al caffè

Melonensorbet 0_2012 07 27_6446

The Avengers. Mit Schirm, Charme und Melone. Eine unvergessene britische Fernsehserie, gedreht in den Jahren zwischen 1961 und 1969, die auch in Deutschland und der Schweiz zum Kult wurde, wenigstens solange Diana Rigg mitspielte. Krimi-, Action-, Agenten-, Science-Fiction- und Thriller-Film in Einem vereint. Diana Rigg als Emma Peel: Eine ganz in schwarzes Leder gekleidete Frau, die ihre Widersacher mit Karateschlägen niederstreckt und nach Fünf-Uhr-Tee und abendlicher Party geistreich und stilvoll das britische Empire rettet, wie die Zeit schreibt.

Da mir der süffisante Charme der Emma Peel wie der englische Humor des leicht blasierten, augenzwinkernden Agenten Patrick MacNee abgehen, probiere ich es mit Zucker und Kaffee. Die Idee, Kaffee mit Wassermelone zu vereinen, fand ich vor einiger Zeit bei ideasinfood mit dem Versprechen: their taste potential increases exponentially. Da war kein Halten mehr. Zucker, Schwarztee, Kaffee, Melone und Schirm in den Mixer und los von Rom !

Melonensorbet 1_2012 07 08_6046

Zutaten
1 reife Mini Wassermelone, ca. 1.4 kg, daraus 800 ml Saft, Kerne entfernt
100 g Kristallzucker
100 g Traubenzucker
1 frisch gebrühter, starker Espresso (40 ml)
Saft von 1 kleinen Zitrone (ca. 30 ml)
Prise Salz
7 g Gelfix 3:1

Zubereitung
(1) das rote Fruchtfleisch aus der Melone lösen, würfeln, kurz mit dem Stabmixer durchfahren und die Masse durch ein Sieb drücken, um Fasern und die Kerne zu entfernen.
(2) Die beiden Zucker mit dem Zitronensaft, etwa 80 ml Melonensaft und dem Gelfix aufkochen, etwa 2 Minuten köcheln, dann abkühlen und mit dem Rest des Melonensaftes und dem frisch gebrühten Espresso mischen. Im Kühlschrank gut vorkühlen, dann zu Sorbet drehen. 4-6 Stunden reifen lassen. Mit Melonenwürfeln servieren.

Anmerkung
Der Geschmack der Wassermelone wird durch den Kaffee tiefer, runder, etwas herber. Die beiden Amerikaner haben mit der Entdeckung dieser Kombination einen tollen Fund gemacht, den ich in ein Sorbet umgesetzt habe. Auch wenn ich statt von einer „exponentiellen Geschmackszunahme“ eher von einer Synergie der beiden Geschmacksrichtungen sprechen möchte; als Schweizer ist man bescheidener. Mein Melonensorbet wird bei Lagerung im Tiefkühler (-21°C) trotz Traubenzucker hart und muss vor Gebrauch im Kühlschrank angetaut werden, bis es etwas weicher wird und entnehmbar ist. Vielleicht müsste ich den Anteil an Traubenzucker auf Kosten des Kristallzuckers erhöhen. Anstelle eines Sorbets kann ich mir auch Arianes Gelo di Melone in tra dolce ed amaro gut mit Kaffee anstelle von Jasminblüten vorstellen. Dass die Sizilianer da noch nicht drauf gekommen sind !

Schmeckt much better als mein bisheriges, gewöhnliches Wassermelonensorbet und darf, da es ganz ordentlich rot geworden ist, am Farbenevent von Uwe teilnehmen.

HighFoodality Blog-Event Cookbook of Colors

CH-8252 Schlatt: Paradies statt R(h)einfall

CH-8252 Schlatt 0_2012 06 15_5436
Rheinfall, viel Wasser, ungeheuer viele Menschen, und doch keiner zu sehen

Bei schönem, warmem Wetter wollten wir nach der Schneeschmelze wieder einmal an den Rheinfall. Fallendes Wasser wäre genug da gewesen, das den Besuch gelohnt hätte. Doch seit unserm letzten Besuch vor etwa 20 Jahren scheint der Rheinfall ein „must“-Besuchsziel vieler Europareisender aus China, Japan und Amerika geworden zu sein. Heerscharen von Touristen belagerten die Uferpromenade. Das Restaurant im Schlössli Wörth war völlig ausgebucht. Nichts für uns. Bild geknipst und weg von hier. Die Schaffhauserin Frau L. wusste Rat, Mittagessen in dem bei Touristen kaum bekannten Restaurant Paradies, etwas oberhalb Schaffhausen direkt am Rhein gelegen.

CH-8252 Schlatt 3_2012 06 28_5641
Restaurant zum Paradies

Hier liess sich im Schatten von Kastanien behaglich, direkt am Wasser speisen: einfach, gut, friedlich, ohne Menschenmassen.

CH-8252 Schlatt 1_2012 06 28_5633
Rhein mit Kursschiff und Tellergericht

Das Klostergut Paradies wurde im Jahre 1253 als Frauenkloster des Klarissenordens gegründet, finanziert mit einer Spende von Graf Hartmann IV. von Kiburg. Wie die meisten Klöster war auch das Paradies Selbstversorger und somit auf einen landwirtschaftlichen Gutsbetrieb angewiesen. Der Gutsbetrieb des Klosters Paradies umfasste vor der Säkularisation um 1803 rund 500 Hektaren Wald, Äcker und Wiesen.

1330 erwarb das Klostergut in der Stadt Schaffhausen das Burgrecht und geriet allmählich unter städtische Verwaltung. Während der Reformation hob die Stadt Schaffhausen das Kloster auf. 1574 teilte die eidgenössische Tagsatzung dessen Rechte und Güter auf und beendete damit jahrelange Streitigkeiten.

CH-8252 Schlatt 5_2012 06 28_5642
Klosterhof

1578 erfolgte die Neugründung durch die fünf katholischen Orte (Kantone), 1587 wurde es nach einem Brand wieder aufgebaut. 1799 erlitt das Paradies erhebliche Verluste durch Kriegsschäden und Requisitionen. Im Zuge der Aufhebung der Klöster im Jahre 1836 wurde der Klosterbetrieb nach dem Tod der letzten Äbtissin erneut eingestellt.

CH-8252-Schlatt 9_2012 07 26_6405
Süd-West-Flügel des Klosters
CH-8252 Schlatt 8_2012 07 26_6401
Ost-Flügel mit Kirche

Nach der Säkularisierung wurde das Gut vom Kanton versteigert. Nach verschiedenen Besitzerwechseln erwarb die Schaffhauser Eisengiesserei Georg Fischer AG im Kriegsjahr 1918 das Klostergut samt der damals noch etwa 50 Hektar grossen Landwirtschaftsfläche, um ihre Arbeiter mit Nahrung und Unterkunft zu versorgen. 1952 wurde die Anlage restauriert, 1974 ein Ausbildungszentrum im Klostergut eröffnet und das Restaurant Paradies am Rhein als öffentliche „Betriebskantine“ hinzugekauft.

CH-8252 Schlatt 7_2012 06 28_5644
Mühle und Säge waren Teil des Gutsbetriebes
CH-8252 Schlatt 4_2012 06 28_5643
Der Brunnen aus Eisenguss dürfte wohl aus der Giesserei GF stammen
CH-8252 Schlatt 4_2012 06 28_5645
Die 1726 barock umgestaltete Klosterkirche wurde 2001-02 vollständig restauriert

Am Rhein erinnert ein Gedenkstein an 55 Jahre Kriegszustand. Immerhin sinds keine 1000 Jahre geworden.

CH-8252 Schlatt 2_2012 06 15_5447
Kriegsende 1994

Quellen:
GF Klostergut Paradies
wiki Paradies
HSL Paradies

Farfalle mit Zucchini oder das Gratismuster auf dem Klavier

Zucchinipasta 0_2012 07 25_6389

Schenkt mir in meinem Supermarkt beim Hinausgehen eine, eine…, wie sagt man der überhaupt ? Nudel-Promoterin ? aus der italienischen Nudel-Fabrik Gorilla eine kleine Packung Farfalle. Die liegt bei mir schon seit Monaten auf dem Klavier. Die Packung, nicht die Dame. [Klavier ? Frau L. stellt alles, was ich in ihre Küche stelle und ihr im Wege ist, auf mein Piano oder auf die PC-Tastatur]. Was soll ich denn als Nudelselbstmacher mit einem Gratismuster Karotten- und Kürbishaltiger Farfalle ?
Da es sich in diesen Wochen ergeben hat, dass meine Zucchettipflanzen reichlich Früchte treiben, bot sich dieses Geschenk der Natur geradezu an, mit den Gratis-Nudeln verkocht zu werden. Gorilla-sei-Dank. Zudem war noch ein halber Becher Sauerrahm überfällig zur Verwertung. Ich hab mein möglichstes gemacht, aus diesen sonderbaren Zutaten etwas Essbares zu kochen.

Zucchinipasta 1_2012 07 25_6391

Zutaten
150 g Farfalle, irgendwelche Nudeln halt
2 mittelgrosse Zucchetti
100 g Sauerhalbrahm
6 Walnüsse vom Bodensee
2 Elf. Olivenöl
1 Elf. Walnussöl
1 Elf. Parmesan, frisch gerieben
Salz, Pfeffer

Zubereitung
(1) Walnüsse entkernen, grob hacken, in einer Pfanne leicht anrösten.
(2) Zucchetti der Länge nach achteln, Kernhaus grosszügig wegschneiden und fein hacken. In einer Pfanne in wenig Olivenöl langsam anbraten, salzen und pfeffern, Sauerhalbrahm und Walnüsse zugeben und alles zu einer cremigen Sauce einkochen. Ggf. etwas Wasser zugeben, wenn gewünscht, mit dem Handmixer durchfahren, Käse unterziehen und warmhalten.

(3) Die festen Zucchini-Randstücke in 1 Elf. Olivenöl während etwa 6 Minuten anbraten. Die sollen noch knackig sein. Salzen, Pfeffern.
(4) Indessen die Farfalle nach Packungsvoschrift in gesalzenem Wasser al dente kochen. Abgiessen. Mit den Zucchini-Randstücken und dem Walnussöl mischen. Servieren mit der Zucchini-Creme.