
Trüber Novembertag. Ausfahrten gesundheitlich bedingt schon seit Wochen gestrichen. Doch die Seele braucht auch Abwechslung. Deshalb Frau L. ins Auto gepackt und ab nach Greyerz: Fondueessen. Greyerz für die Seele, Fondue für den Magen. Das letzte Mal waren wir vielleicht vor 15 Jahren hier. Der kleine Ort, in der Hochsaison überlaufen, liegt jetzt leergefegt vor uns. Kein Fotowetter, dennoch schöner als im Sommer.
Das historische Kleinstädtchen liegt im Kanton Freiburg auf einem freistehenden Hügel, gut 100 Meter hoch über der landwirtschaftlich genutzten Saane-Ebene, direkt unterhalb des Schlosses der Grafen von Greyerz. Das Städtchen belegt eine Fläche von etwa 300 m×100 m. Im Jahr 1144 erschien der Name de Grueria erstmals in den Akten. Der Name Gruyères (dt.: Greyerz) leitet sich wahrscheinlich vom gräflichen Wappentier, dem Kranich (franz.: grue) ab.
Im 10. Jahrhundert gehörte das spätere Gebiet der Grafschaft Greyerz zum Königreich Burgund. Das Kerngebiet der Grafschaft Greyerz umfasste nach Eroberungen der Grafen Wilhelm (noch ein Eroberer) das gesamte obere Saanetal von der Saanequelle im Bereich des Sanetschpasses bis zum heutigen Lac de la Gruyère im Bereich von Broc und La Tour-de-Trême. Auch das Jauntal gehörte dazu. Ein in sich abgeschlossenes, von Bergketten umgebenes Gebiet. Zusammen mit der Grafschaft kam Gruyères 1244 unter die Lehenshoheit der Grafen von Savoyen. Die Grafen von Greyerz gehörten zu den bedeutendsten Fürstengeschlechtern der Westschweiz. Vom 11. bis ins 16. Jh. sind 19 Grafen bezeugt. Michael, der letzte Graf von Greyerz, geriet aber in finanzielle Schwierigkeiten und ging 1554 bankrott. Seine Gläubiger, die Städte Freiburg und Bern, teilten seine Grafschaft unter sich auf. (Damals führte staatliche Schuldenwirtschaft noch zum Staatsbankrott, wer heute über seine Verhältnisse lebt, braucht sich keine Sorgen zu machen, der Steuerzahler steht dafür gerade). Das Schloss wurde von 1555 bis 1798 Sitz der Freiburger Landvögte, dann Residenz der Präfekten bis 1848. Nach zeitweiligem Privatbesitz gehört es heute dem Kanton Freiburg und beherbergt historische Sammlungen und kulturelle Aktivitäten.
Die hügelige Marktgasse, die einzige Strasse des Städtchens, wird von zwei beeindruckenden Häuserzeilen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert gesäumt. Darunter befindet sich die Maison de Chalamala von 1531, welche den Namen eines bekannten Hofnarren des 14. Jahrhunderts trägt.




Im Café Restaurant Le Chalet das Greyerzerfondue. Immer noch gleich wie vor 15 Jahren. Gut, reichlich, begleitet von Brot, Pellkartoffeln, Cornichons und Silberzwiebeln. Der Café mit Greyerzer double-crème aus den geschnitzten Portionen-Holzeimerchen. Als ob wir nicht 15 Jahre älter geworden wären. Nur die (auf die Nachreinigung der Holzeimerchen spekulierenden ?) Katzen vor dem Hause sind andere.
Eingekauft: Zwei grosse Bitzen Greyerzerkäse Alpage und vieux aus der unterhalb des Städtchens gelegenen Schaukäserei sowie ein Stück Greyerzer Kuh als Schliesslasche auf einer Einkaufstasche für Frau L.. Die schwarz-weisse Greyerzer-Rasse ist in der Schweiz leider ausgestorben und durch Black Holsteins ersetzt. Die Einkaufstasche aus Fellimitat. Wir sind unzweifelhaft 15 Jahre älter geworden.





































































































































