Neue Etappe entlang des Doubs. Ein schöner Streckenabschnitt für Fahrer und Auto. Start im Hafen „La Petite Hollande“ von Montbéliard. Da wo die „FIN“ voreilig das Ende verheisst. Dabei ist meine Doubs-Reise hier noch lange nicht zu Ende. Zunächst gehts meist dem Rhein-Rhonekanal entlang, bis zum Wasserfünfeck von Voujeaucourt, einem kleinen See mit 3 Zu- und 2 Abflüssen. Hier mischt sich die aus der schweizerischen Ajoie kommende Allaine mit dem Doubs und mitten durch führt der Rhein-Rhone-Kanal, der sich hier kräftig am Flusswasser erlabt, auf dass die Freizeitkapitäne nicht trockenlaufen.
Weiter dem Doubs entlang, den ich hier erstmals als richtig grossen Fluss wahrnehme.
Rechtsseitig des Doubs bis L‘ Isle-sur-le-Doubs, dem bekannten Postkartenidyll. Ein kleiner hübscher Ort, dessen winzige Altstadt entlang des Doubs und auf einer kleinen, langgezogenen Insel mitten im Fluss liegt.
L‘ Isle-sur-le-Doubs mit einem der hier so häufig geschmückten BrückengeländerDer clocher comtois. Eine in der Franche-Comté verbreitete Kirchturmform aus dem 18. -19. Jhdt.
Mittagessen im einzigen, geöffneten Lokal des Ortes, einer Pizzeria. Mit Pizza Franc-comtoise à la cancoillotte et à la saucisse de Morteau. Eine Kartoffelpizza mit Wurststückchen, überzogen mit einem flüssigen Sauermilch-Kochkäse, einer Spezialität der Franche-Comté. Das muss ich zuhause unbedingt nachbacken, das kann ich bestimmt auch und vermutlich besser.
Zeit fürs Mittagsschläfchen. Das Glas Aligoté tut seine Wirkung. Gelb hin oder her.Clerval: Le clocher comtois, againClerval
Weiter über den kleinen Ort Clerval nach Beaume-les-Dames, einem grösseren Hauptort.
Der Kern von Baume-les-Dames hat sein mittelalterliches Erscheinungsbild mit zahlreichen schönen Bürgerhäusern bewahrt und kriegt dafür einen eigenen Beitrag in der nächsten Folge .
Baume-les-Dames: L’eglise Saint Martin und Maison des Frères Grenier
Zwischen Montbéliard und Besançon verlaufen Doubs und der Kanal weitgehend parallel, mischen sich immer wieder. Während der Doubs über unzählige Schwellen fällt, muss der Kanal den Höhenunterschied Richtung Saone und Rhone durch viele Schleusen ausgleichen.
Schleuse bei Baumes-les-Dames
Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise! Nimm uns mit in die weite, weite Welt! Wohin geht, Kapitän, deine Reise? Bis zum Südpol, da langt unser Geld!…. Fernweh mit Hans Albers
nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!
Nach Baume-les-Dames wechsle ich auf die linke Doubsseite bis Laissay, danach wieder rechtsseitig bis Vaire-Le-Grand und wieder linksseitig bis Chalèze. Kleine, enge Strässchen, die auch als Radweg dienen.
Doubs bei Cugney-DouvotSchleuse nach Vaire-Arcier
Mitgenommen hat mich keiner der Kapitäne. Besançon: ein andermal. Dafür fand ich auf der Heimfahrt in Pontarlier den cancoillotte-Käse für meine Pizza. Wozu schleppe ich bei jedem Ausflug eine Kühlkiste mit? Genau dafür!
Die Grafschaft Montbéliard gehörte 1397-1793 zum linksrheinischen Besitz des Hauses Württemberg. Abgebildet ist das Schloss mit den beiden Türmen Henriette (1424) und Frédéric (1595). Seit dem 15. Jahrhundert wird Montbéliard in der deutschen Sprache zu Mömpelgard verballhornt.
Zusammenfluss von Doubs und Dessoubre in St. Hippolyte
Ausgangspunkt meiner Reise: St. Hippolyte, an der Stelle, wo sich Dessoubre und Doubs vereinen. Richtung Nordwest, möglichst immer dem Doubs entlang. Nach Pont-de-Roide öffnet sich die Landschaft des Jura, wird zunehmend flacher. Und langweiliger. Doch jeder Höhenflug braucht als Kontrast das Tief. Warum sollte das bei Landschaften und Flüssen anders sein als bei Menschen? Auch Flüsse und Landschaften haben ihr eigenes Leben, ihr Gedächtnis, ihren Charakter. Der Doubs macht ohnehin, was er will, weiss wohin er gehört und wohin er will, auch wenn ihn die Menschen in seinem Fluss stören.
Ziel: Montbéliard, mitten im flachen Sattel zwischen den Bergzügen der Vogesen und des Jura gelegen. Die Senke wird poetisch als Burgundische Pforte bezeichnet und liegt rund 400m hoch. Das milde Klima in der Nordwestschweiz und Südbaden wird massgeblich vom Durchzug mediterraner Luftmassen aus dem Rhonetal durch die Burgundische Pforte bestimmt. Auch Zugvögel kennen den bequemen Weg in den Süden, der ihnen die anstrengende Alpenüberquerung erspart.
Das théâtre gallo-romain de Mandeure
Wenige hundert Meter vom Ufer des Doubs entfernt findet man in der kleinen Ortschaft Mandeure ein gallo-römisches Amphitheater. Ob hier Theater gespielt oder Wildsauen in der runden Orchestra herum getrieben wurden, weiss allenfalls Obelix, und der lebt nicht mehr. Ein klassiertes, nationales Monument, wohl deshalb ein wenig baufällig.
Rasengepolsterte, akustikhemmende Sitzreihen
Nach Mandeure nimmt der Doubs einen anderen Weg als ich, wendet sich von Autobahnen, Autoindustrie (Renault-Citroen) und Mömpelgard ab und fliesst Besançon zu. Auf Wiedersehen. Man sieht sich wieder! Meine Autokarte hatte ich zuhause vergessen, das machte die Einfahrt durch die industrialisierten Aussenbezirke von Montbéliard über Nebenstrassen kurzweilig. Nach ein paar Irrwegen verhalf mir die Handyortung doch noch in das centre ville.
Mömpelgard, centre ville
Montbéliard wurde vor dem Ende des ersten Jahrtausends gegründet und entwickelte sich rasch zum Hauptort der Grafschaft. 1397 fiel die Grafschaft durch Heirat der Henriette von Montfaucon an das Haus Württemberg. Jedoch gelang es den Württembergern nicht, ihre Besitzungen zu erweitern und zu einem geschlossenen Gebiet zu vereinigen. Die Herrschaft wurde zudem durch andauernde Machtansprüche der Burgunder Herzöge bedroht.
1538 gelang Herzog Ulrich von Württemberg die Reformation in Montbéliard durchzusetzen, die württembergischen Besitzungen blieben aber evangelische Enklaven inmitten katholischer Gebiete.
Im 17. Jahrhundert befestigte der württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt die Residenzstadt Mömpelgard und prägte ihr architektonisches Erscheinungsbild durch mehrere bedeutende Bauten, wie das Renaissance-Schloss und die große lutherische Kirche, den Temple Saint-Martin.
Hôtel Sponeck, Tempel der KulturTempel zum heiligen Martin
Mittagessen in einem allerliebsten, winzigen, uralten Lokal mit nicht viel mehr als zwei Dutzend Gedecken: Das Restaurant Chez Casse Graine. Essen gepflegt, kleine Auswahl im Bistrostil auf Schiefertafel.
Tempel zum ImbissWie der Doubs macht die Uhr, was sie will
Die junge patronne, Emily Petit betreibt das Lokal mit einem Angestellten. Kocht und lässt servieren oder umgekehrt. Die Holzdecke des Lokals ist von einem talentierten, witzigen Strassenkünstler und -poeten mit Lebensweisheiten beschrieben und bemalt, was das Warten auf die Teller für Alleinreisende kurzweilig macht. Vier Beispiele (in meiner Übersetzung)
écrire sur la pointe des pieds… (Schreiben auf Zehenspitzen)
si tu regardes le ciel c’est ton reflêt que tu verras… (wenn du zum Himmel schaust, wirst du dein Spiegelbild sehen)
l’humain est en spirale, la symétrie chancelle et l’égarement des uns baise la naivité des autres… (Der Mensch befindet sich in einer Spirale, seine Symmetrie schwankt, die Verwirrung der einen küsst die Naivität der andern.
oder ganz einfach: île monde
Hier wäre ich gerne noch länger geblieben, doch der Himmel überzog sich bei bleierner Hitze dunkel-dräuend, das Glas Schampus war leer und der Regenschirm im Auto.
Das Schloss befindet sich etwas erhöht mitten im Stadtkern. In den beiden Türmen sind ein naturgeschichtliches und ein archäologisches Museum untergebracht. Im Maison des Gentilhommes auf dem Schlosshof das Konservatorium.
Heute das Conservatoire du Pays de Montbéliard. Rechts Mäxle.Ancien logis des gentilhommes: Hier werden heute étuden geprobt
Der Dreissigjährige Krieg stürzte auch die linksrheinischen württembergischen Besitzungen in tiefes Elend. In der Folge suchte Frankreich unter König Ludwig XIV. diese Gebiete unter seine Herrschaft zu bringen und besetzte Teile davon mit militärischer Gewalt.
Während der französischen Revolutionswirren kam es ab 1789 in den württembergischen Herrschaften zu Aufständen. 1793 fielen Stadt und Grafschaft Mömpelgard endgültig in französische Hand. 1796 trat Friedrich Eugen, Herzog von Württemberg, die linksrheinischen Herrschaften im Pariser Sonderfrieden an Frankreich ab. 1803 erhielt er, unterstützt von Napoleon, als Kompensation große weltliche und geistliche Gebiete in Südwestdeutschland, sowie später den Titel eines Kurfürsten zugesprochen. Wie das bei den Grossen so zugeht, keiner muss Hunger leiden.
Les Halles de Montbéliard: Alte Markthalle mit ländlichen Dessous statt Frischgemüsen vom Land
Südlich der Altstadt speist die in der Schweizer Ajoie entsprungene Allaine, ein Nebenfluss des Doubs, zunächst den Canal du Rhone au Rhin, bevor sie in den Doubs mündet. Doch als Schönwetterfotograf hatte ich hier das Fotografieren längst aufgegeben.
Port de Plaisance, Montbéliard
Nicht das schönste aller Jurastädtchen und doch sehenswert.
Impressionen von der diesjährigen Basel Tattoo Parade durch die Innenstadt. Wobei ich den Betrieb im Aufstellungsraum Münster-Rittergasse interessanter finde als die eigentliche Parade. Warten auf den Einsatz: Mitglieder der British Band of the Kings Division schlecken Eiscornets. Unter pinkem Ballon.
The Kings Guard of Norway. Band and Drill Team. Der Drill ist an der Hut- und Posaunenablage ersichtlich.
Noch mehr norwegischer Drill.
Mit den Wasserflaschen klappts noch nicht ganz.
Dafür wird der Unteroffizier vom Chef (rechts) gerüffelt.
Die Basler Fraktion der Dudelsäckler löscht ihren Durst am Pisonibrunnen.
Schweizer Kavallerie Schwadron 1972. Alles Rösseler Veteranen.
6 kg wiegt der Trachtenhut, den die Damen des Trachtenvereins St. Georgen im Schwarzwald auf dem Kopf balancieren müssen. Ob der schmucke Hut ledigen Mädchen oder verheirateten Frauen vorbehalten ist, vergass ich zu fragen. Jedenfalls fröhliche Weihnacht!
Die Honoratioren der Markgräfler Trachtengruppe Lörrach/Weil überzeugten mit hohlem Kreuz, gewichtigem Schritt und gnädiger Miene.
Sauber hergerichtet ist wichtiger als medizinische Kompetenz: Fahrzeug des US Army Med Corps 1942-1945
Der Chef der Band of the Kings Division weist den Weg: to the left. Ohne das Zeichen hätte sich sein Korps in alle Richtungen verlaufen.
Der Dudelsack erfreut sich in Basel grosser Beliebtheit. Hier die Basel Tattoo Massed Pipes and Drums.
La musique des sapeurs-pompiers de Paris, die Musik klingt einfach ein wenig eleganter.
The Australian Army Band: erfrischender Umgang mit Kupferpfannen.
The Lochiel Marching Drill Team aus Neuseeland. Beine sind immer ein guter Schlusspunkt. Im Querformat haben davon mehr Platz auf dem Bild. Und dann begann es zu regnen.
34°C. Zu heiss für lange Autofahrten, und doch musste es einmal sein. Mit der klimatisierten Benzinkutsche an die Doubsquelle nach Mouthe (F). Gerade noch rechtzeitig vor dem Quatorze Juillet, dem Ferienbeginn in F, bevor die Touristen den naheliegenden Campingplatz überfluten und die Quelle als Badeplatz benutzen.
Endlich! Endlich hat mich die Quelle gefunden und ich den Anfang meiner Geschichte. Ein hübscher, klarer, eiskalter Bach, der munter aus dem Fels strömt und danach in die Landschaft der Franches-Montagnes mäandriert. Eine halbe Stunde sass ich am Quellbecken im Wald, allein und ungestört und zählte die hier noch ungeschliffenen Kieselsteine im Wasser.
Die Source du Doubs liegt im regionalen Naturpark Haut-Jura auf einer Höhe von 937 m am Fuße der bewaldeten, bis zu 1419 m hohen Jura-Bergkette des Mont Risoux, auf der die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz verläuft. Der Doubs entspringt einem komplexen Höhlensystem unter dem Fôret du Noirmont und dem Fôret du Risoux. Gespiesen wird er durch unterirdische Klüfte, Syphons und kleine Seen, teilweise sickert sogar Wasser aus dem schweizerischen Lac de Joux in das Quellgebiet des Doubs. Zollfrei.
Angereist bin ich vom Lac de Joux her, über den kleinen, relativ flachen Grenzpass Col de Landoz-Neuve, welcher das Vallée de Joux mit dem Val de Mouthe verbindet
Lac de Joux
Erst läuft das Wasser des Doubs in ein tiefes Quellbecken, fällt danach über einen kleinen Wasserfall und sucht sich anschliessend ihren Weg in die dort sumpfige Landschaft. Die Quelle schüttet durchschnittlich 1740 Liter pro Sekunde aus, mir schien es eher weniger zu sein, aber ich hatte keinen geeigneten Messbecher zur Hand.
Der junge Fluss, gleich nach der QuelleDoubs in MoutheDoubs in Mouthe
Und alles dem Doubs entlang bis er sich zum Lac Saint-Point erweitert. Im Badeort Malbuisson durch den Wald hoch bis zum Fort Lucotte (Fort de Saint-Antoine). Erbaut von 1879 bis 1882, hätte die unterirdische Festung Einfällen von Germanen und Alemannen Einhalt gebieten sollen. Hat sie aber bekannterweise nicht: Nutzlos geworden, bröckelte das Fort leise vor sich hin, bis es 1966 von Marcel Petit, dem Chef einer grossen Käsereifungsfirma aus dem Dornröschenschlaf geküsst und als Käsereifungskeller eingerichtet wurde. Hier lagern und reifen über 100’000 Laibe Comtékäse aus verschiedenen Gebirgsmilchkooperativen zwischen 10 und 20 Monaten. An bestimmten Tagen sind die Keller zu besichtigen. Die Festungswächter hatten aber kein Einsehen mit einem spontan anreisenden, ehemaligen foodblogger und beharrten darauf, dass nur Einlass kriege, wer sich zuvor rechtzeitig im örtlichen Tourismusverein für eine 90-minütige Führung angemeldet habe. Anschluss an eine eben eingelassene Gruppe unmöglich. Impossible. Bureaucratie à la française. Selber schuld, aber ich bin ja nicht zum letzten Mal hier.
Fort St. Antoine
Im Lac de Saint-Point macht es sich der Doubs auf einer Länge von über 7 km so richtig gemütlich. Der See ist der drittgrößte Natursee Frankreichs, Genfersee nicht mitgezählt. Im Sommer ein beliebter Badesee und Fischerort auf 885 m Meershöhe mit Hotellerie und Strandbetrieb. Im Winter ist er meist zugefroren.
Lac Saint Point in seiner ganzen LängeLac Saint Point
Am Ende des Lac Saint Point wird der See wieder zum Fluss. Von hier an mäandriert er wieder durch die Talauen bis kurz vor Pontarlier.
Doubs in Oye et Pallet
In Pontarlier halte ich mich am Comté im Laden der Crèmerie von Marcel Petit schadlos. Alles Nachdenken, wo ich zuhause ein hydraulisches Käsemesser mit Laserstrahljustierung unterbringen könnte, führte zu keinem Ziel. Zuviel Messer für zuwenig Käse.
Käselaib-Laserstrahljustierung
Und mache in einer Brasserie ein selfie von mir und dem Oberkellner (das Hundert im Gruselkabinett ist voll! (mit mir sind es jetzt 101). Das reicht.
Vorgesehen war die Fahrt zur Doubsquelle, aber für solch lange Reisen wars mir zu heiss. Begnügen wir uns heute mit dem Val du Dessoubre. Ein über 30 km lang gezogenes, sehenswertes, wenig besiedeltes Tal, durch das sich der Dessoubre, ein Nebenfluss des Doubs, in vielen Windungen zieht. Der Dessoubre fliesst bei St. Hippolyte in den Doubs und versorgt den bis dahin schwächelnden Fluss mit frischem und unbelastetem Wasser.
Die Zufahrt aus der Schweiz über Morteau und Fuans gibt Gelegenheit, Würste nachzutanken. Hinter Fuans beginnt das Tal mit der Felsarena von Consolation-Maisonnettes.
Ein steiler, ca. 150 Meter hoher Felsenzirkus, an dessen Fuss die Karstquelle des Dessoubre entspringt. Oben auf dem Fels liegt einer der beiden Aussichtspunkte, das Bellevue de Consolation, der auf stotzigem Fussweg erklimmt werden muss. Aussicht: viel Wald, wenig Kloster und fast kein Fels. Denn dieser liegt unter den Füssen. Dafür kann man sich auf einer Tyrolienne, einer 500 Meter lange Drahtseilrutsche, auf die andere Talseite rutschen lassen. Aber was soll ich dort, hier bin ich ja sowieso. Und gerutscht wird nur während der Sommermonate, sonst verirren sich hieher nur wenige Touristen.
Das Kloster von Consolation-Maisonnettes geht auf eine der Notre Dame de Consolation (Maria Trost) geweihte Kapelle des 15. Jahrhunderts zurück. Ende des 17. Jahrhunderts wurde hier ein Kloster gegründet, das später als Priesterseminar diente. Heute ist ein spirituelles Zentrum einquartiert. Barock zweiter Klasse. In Gottes Namen. Damals kannten sie nicht anderes. Interessanter sind die Anlagen der Electricité de France. Zeugen dafür, dass die Elektrizität seit geraumer Zeit im Tal angekommen ist.
Nach Consolation führt die Strasse abwärts, alles entlang dem Dessoubre, der die Richtung vorgibt. Manchmal wird das Tal eng, felsig, der Fluss zwängt sich durch sein schmales Bett. Hin und wieder öffnet sich das Tal, macht kleinen Weilern und Ortschaften Platz. Eine schöne, abwechslungsreiche Fahrt.
Kurz nach Consolation trifft man auf die restaurierte Moulin Girardot, eine ehemalige Sägemühle.
Weiter talabwärts liegt, direkt am Dessoubre, eine gute Fischbeiz (La truite du moulin, Ortschaft Cour St. Maurice) mit Zuchtforellen aus dem Fluss. Dumm nur, dass an diesem Tag gerade eine Armada Cabrioletfahrender Herrenfahrer das Restaurant belegt hatte. Muss ich nicht haben. Ein andermal. Nach den Porsches präsentierte sich das Tal wieder still, ruhig und schön.
Gleich unterhalb der Brücke von St. Hippolyte liegt der Zufluss des Dessoubre in den Doubs. Den sparen wir uns für die nächste Etappe, die Hungerbekämpfung mittels des vorzüglichen Comté aus dem örtlichen Käseladen hatte Priorität.
Mitten im nebligsten Wintermief besuchte ich die Meriangärten. Und versprach, wiederzukommen, wenn die Iris blühen. Mehr über die Geschichte der Gärten ist hier beschrieben.
Zwischen Villa Merian und Vorder-Brüglingen ruhen im Boden die Zwiebeln von rund 2000 zumeist historischen Sorten Iris. Helene von Stein-Zeppelin hatte sie in ihrer Staudengärtnerei im badischen Laufen in den 1920er Jahren zusammengetragen. Während der Kriegsjahre war die Gärtnerei gezwungen, die Irispflanzung unterzupflügen und stattdessen Kartoffeln anzubauen. Frau von Stein-Zeppelin gelang es jedoch, von jeder Sorte ein paar Exemplare zu retten und sie in kleinen Hausgärten verteilt unterzubringen und so zu verstecken. Nach Kriegsende und der Entdeckung, dass Leben nicht nur aus Kartoffeln bestehen darf, baute die Gräfin ihre Sammlung neu auf. 1969 verschenkte sie ihre Iris nach Brüglingen, wo sie im Mai und Juni blühen.
Meine Favoriten hab ich jedoch im Kräutergarten gefunden: Die Schlafmützchen, eine Mohnart (Escholzia californica). Nicht nur weil der Name zu mir passt, auch weil sie so viel bescheidener aussehen.
Die Meriangärten bieten jedoch zu jeder Jahreszeit weit mehr als nur die Irissammlung. Natur. Erholung.
Und schon wieder Morteau. Wegen der Wurst. Da lag es auf der Hand, der Wurst noch eine weitere Teiletappe meiner Doubsreise anzuhängen. Vom Val de Travers her kommend gelangt man nach Les Ferrières über die Grenze nach Frankreich in das Doubstal. In La Cluse-et-Mijoux kreuzten die früher wichtigen Handelsstrassen Dijon-Lausanne und Dijon-Bern das Jura-Gebirge. Hoch über dem Ort liegt das mächtige Chateau (Fort) de Joux. Von der Burg aus konnte die Strasse, die hier durch eine Felsenge führt, gut kontrolliert werden.
Fort de Joux
Die Burg stammt im Kern aus dem 11. Jahrhundert und besteht heute aus 5 aufeinanderfolgenden Festungsmauern. Ursprünglich wurde sie von den Herren von Joux erbaut, einer reichen Adelsfamilie, die damals eine wichtige Stellung zwischen der Freigrafschaft Burgund und den Waadtländer (damals: Savoyer) Herrschaften einnahm. Nach dem Aussterben der Herren von Joux kaufte Herzog Philipp der Gute die Festung 1454 für Burgund. 1530 kam sie in den Besitz Karls V. Während des Dreissigjährigen Krieges wurde sie 1639 von Truppen des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar besetzt. Zusammen mit der Franche-Comté gelangten die Burg und der Ort La Cluse-et-Mijoux mit dem Frieden von Nijmwegen 1678 an Frankreich. Nach Plänen von Vauban wurde das Château de Joux zu einer bedeutenden Grenzfestung ausgebaut und mit einer Garnison belegt.
Ab dem 18. Jahrhundert diente es als Gefängnis; hier waren unter anderen Graf Mirabeau und der als preussischer Spion verdächtigte Heinrich von Kleist inhaftiert.
Fort de Joux: Martialischer Festungsbau von General Vauban
Doubs abwärts folgt die rund 800 Meter hoch gelegene Provinzstadt Pontarlier. Sie gehört zum Département Doubs in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Dank ihrer geographischen Lage spielte die Stadt schon früh eine bedeutende Rolle für den Warenaustausch zwischen Nord- und Südeuropa, im 12. Jahrhundert wurde sie zum Handelszentrum. Durch ihre strategische Grenzlage bedingt, geriet sie mehrfach in kriegerische Konflikte der damaligen Grossmächte. Pontarlier (wie Morteau) hatten im Laufe der Geschichte immer wieder unter großen Feuersbrünsten zu leiden. Die Holzheizungen in harten Wintern forderten ihre Brandopfer.
Porte Saint-Pierre de Pontarlier (1772)
Der Doubs, der die Peripherie von Pontarlier teilweise umfliesst, ist hier noch ein bescheidenes Bächlein. Was einen nicht wundern darf, entspringt er doch wenige Kilometer süd-westlich in La Mouthe (da muss ich auch noch hin).
Mich hingegen ziehts heute wurstwärts, dem Doubs entlang nach Morteau. Etwa Mitte der Distanz liegt die ehemalige Abtei von Montbenoît. Um das Jahr 1000 vom heiligen Benoît als Einsiedelei in der kaum besiedelten Gegend des Saugeais gegründet, etablierten sich die Augustinermönche von St. Maurice als Nachfolger. Die Landbesitzer, die Herren von Joux, statteten die Abtei mit umfangreichen Rechten, Lehen und Besitztümern aus. Weitere Donatoren folgten ihrem Beispiel. Die Abtei verteilte willigen Zuzügern aus der Schweiz, Deutschland und Savoyen Land, das von diesen urbar gemacht werden musste. Gegenüber der Abtei waren diese Siedler zins- und für eine Anzahl Tage arbeitspflichtig, mit und ohne Sense. Ledigen Männern des Saugeais wurde erlaubt, Frauen aus andern Regionen zu ehelichen. Ein guter Deal für alle Seiten, vor allem für die Abtei, aber auch für die ledigen Männer. Ob auch für die Frauen? Die wurden nicht befragt. Die Gegend prosperierte. Während rund 700 Jahren galt die Seigneurie von Montbenoît als praktisch unabhängige „Republik“.
Die Kirche wurde im 30-jährigen Krieg von deutschen Truppen des Herzogs von Sachsen-Weimar verwüstet. Nicht zu vergessen. dass es Kardinal Richelieu war, der sich die Dienste des Weimarer Herzogs erkauft hatte, um damit die Kaiserlichen im Hochburgund anzugreifen, das damals noch zum Burgundischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches gehörte.
Die Kirche ist ein Stilmix vom 12. bis ins 20. Jahrhundert. Sehenswert sind die alten Teile und vor allem der kleine Kreuzgang.
Abtei von MontbenoîtAbtei von Montbenoît, Kreuzgang
Weiter auf der Strasse nach Morteau durchquert man das Défilé d’Entre-Roches. Stellen, an denen sich der Doubs durch die Jahrtausende tief in den Fels gefressen hat.
Défilé d’Entre-Roches mit MäxleDéfilé d’Entre-Roches
An ein paar typischen Tuyés (Räucherkaminen) vorbei nach Morteau.
Keine Salzbohrtürme: Tuyés, Räuchertürme in Morteau
Die beste Wurst gibts jedoch nicht in den Grossbetrieben am Rand der Zufahrtsstrassen, sondern im Städtchen, in der Boucherie Vernereye. Den Blick ins Ladeninnere auf das Wurstparadies gibts in meinem Instagramaccount. Zwei Häuser nebenan in der Fruitière gibts Comtékäse und Vin jaune.
Morteau wurde seit Beginn des 12. Jahrhunderts durch Mönche von Cluny besiedelt, um die Bergregion urbar zu machen.
Wer rastet, sieht ein schönes Rathaus, eine Einkaufsstrasse, die Grand rue, einen Bahnhof, ein Uhrenmuseum und die Kirche mit Friedhof.
Morteau, Musée de l’HorlogerieMorteau, Kirche mit Friedhof, bei SchlechtwetterMorteau, Doubs gleich nach der Schneeschmelze Anfang März
Bei schlechtem Wetter (Besuch von Anfang März) sieht alles etwas trostlos aus, deshalb brauche ich mir keine Mühe mit Farben zu geben: dann gibt es fast keine Farben. Schwarz-weisses Jurawetter. Und kaum bricht beim nächsten Besuch 3 Wochen später die Sonne hervor, blüht wieder Leben.
Ein winziges Teilstück nur, am Ende der Welt, zweimal 40 Minuten Wanderzeit, mehr als genug, um das schmerzende Hüftgelenk nach langem Winter wieder an ein paar Schritte zu gewöhnen. Hier gibts keine öffentlichen Verkehrsmittel. Von Le Noirmont aus gehts rund 400 Höhenmeter steil an den Doubs hinunter. Mit dem Auto. Junge und Ehrgeizige machen das zu Fuss. Und laufen gleich weiter bis La Chaux de Fonds (26 km, mit vielen Höhenmetern)
In La Goule verengt sich das Tal zu einer schmalen Schlucht. Hier wird das Wasser des Doubs wieder einmal gestaut. Unterhalb der Staumauer bleibt vom Fluss nur noch ein Bächlein. Der Winter war, einmal mehr, viel zu trocken.
La Goule, ein winziger Weiler, ein verlassenes Zollhaus, eine kleine schmale Brücke auf die französische Seite und ein Parkplatz.
Hier beginnt die kurze Wanderung flussaufwärts bis zum nächsten Gehöft, der Auberge de la Bouège. Während die Natur oben sich daran macht, den Winter abzuschütteln, hat unten am Doubs der Frühling bereits begonnen.
Das Grün der Terrassen-Auen leuchtet unglaublich satt.
Kein Mensch weit und breit. Nach 40 Minuten erreicht man die Auberge de la Bouège. Hier könnte man übernachten. Oder Forellen essen. Für mich einen Kaffee. Mit dem einsamen Milchkrug ein paar Worte wechseln, wie schön er es auf seinem Fensterbrett habe. So still. So ruhig. Das werde sich an Ostern ändern, wenn es nicht regne, meint er. Und er muss es wissen.
Blick weiter talaufwärts, ca. 3 Stunden bis Biaufond. Aber wie zurück zum Auto?
Die Fondation Beyeler in Riehen/Basel präsentiert zu ihrem 20. Geburtstag vom 22.01.2017 bis 28.05.2017 eine Sonderausstellung mit Werken Claude Monets. Die Ausstellung vereint 62 Meisterwerke aus privaten Sammlungen und renommierten Museen. Es liegt mir fern, die Entwicklung des Malers hier anhand seiner Bilder nachzeichnen zu wollen. Ich verstehe nichts von Malerei. Ein paar Stimmungsbilder, alle mit dem handy aufgenommen, müssen genügen. Wer will, mag sich die Ausstellung ansehen. Sollte sie ansehen.
La cathédrale de Rouen: Le portail, effet du matin, 1894
Der sixtinische Kapellentrick, die Ausstellung gleich nach Türöffnung vom Ende her abzuschreiten, hat sich einmal mehr bewährt. Die hintersten Räumlichkeiten stehen lange leer, während sich die Besuchermassen in den vordersten Räumen stauen.
Gedränge vor der Prairie à GivernyBilder aus der Abteilung „Die Küste und das Meer“
Die Bilder der Ausstellung sind gegliedert in die Themen: Gegenlicht, Bäume, Die Seine, Die Hütte des Zollwärters, Die Küste und das Meer, Matinee sur la Seine und Nymphéas.
1859 zieht Monet nach Paris, um dort Malunterricht zu nehmen. Die Malerei „en plein air“, in der freien Natur, mit Farbe, Pinsel und Spachtel prägt Monet nachhaltig. Keine Malerei im damaligen pingelig-heroischen Akademiestil, sondern zügiges Festhalten des flüchtigen Augenblicks, der einem Bild so viel Leben einhaucht. In den folgenden Jahren malt er oft in Le Havre u.a. Meereslandschaften und Gärten.
Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870 verlässt Monet Frankreich und zieht nach London. Dort begegnet er den Werken des englischen Landschaftsmalers William Turner, in dessen Bildern sich die Konturen im Licht auflösen. 1871 kehrt er nach Frankreich zurück und lässt sich in Argenteuil nieder. 1872 richtet er sich ein Boot als Atelier ein und malte darauf am Ufer der Seine: Wasser, Bäume, Spiegelungen.
1873 lernt Claude Monet in Argenteuil den Maler G. Caillebotte kennen, mit dem er zusammen gemeinsame Ausstellungen veranstaltet. Vom Titel eines Bildes von Monet entsteht der Begriff Impressionismus.
1878 zieht er mit seiner Familie nach Vétheuil. 1879 stirbt Monets erste Ehefrau Camille mit 32 Jahren. Die Freundin der Verstorbenen übernimmt Haushalt, Kinder und Bett. Zu Beginn der 80-er Jahre verbessert sich seine wirtschaftliche Situation. In den nördlich von Le Havre gelegenen normannischen Ortschaften Étretat, Fécamp und Pourville, findet er beeindruckende Felslandschaften als Malsujets, darunter das Haus des Zollwärters bei Varengeville. Seine einst idyllischen Landschaften werden zunehmend wilder.
Prairie à Giverny, Automne 1886Morgenstimmung an der Seine. Matinée sur la Seine, 1897. Lieblingsbild
Monet reiste viel: so an die französische Mittelmeerküste, die Riviera, Holland, die Bretagne und wiederum London. 1895 nach Norwegen.
Grosszügig gehängt: En Norvégienne, 1887En Norvégienne, 1887
Monets Alterswerk entstand in Giverny nahe Vernon. 1883 mietet er ein Haus mit Garten, das er 1890 erwerben kann. In der Folge wird Monet zum passionierten Gartenliebhaber. Vom Frühjahr bis zum Herbst bietet ihm sein Garten eine ständig wechselnde, sich erneuernde Blumenpracht als Inspiration für seine Malerei. 1893 kann er ein Grundstück dazukaufen, auf dem er -vom damals modischen, japanisierenden Gartenbaustil erfasst- einen vorhandenen Teich mit exotischen Seerosenarten und Wasserpflanzen samt Fussteg im japanischen Stil anlegen lässt. Der Teich mit seinen Seerosen animieren Monet zu zahllosen Bildern. Darunter über 20 grossformatige Grand Décorations.
Seerosen, Nymphéas, Giverny, 1916-1919Der Seerosenweiher, Le Bassin aux Nymphéas, 1917-1920Jungen Menschen wird das Sehen vermittelt. Für Basler kostenlos! Kornschober im Sonnenlicht, 1891Der zauberhafte Garten des Museums
Quellen:
wiki Claude Monet
Kunstmuseum Basel: Nymphéas, Ausstellungskatalog, 1986
Fondation Beyeler: Monet, Begleitbüchlein zur Ausstellung, 2017
Mein erklärtes Ziel, von dem ich nicht weiss, ob ich es je erreichen werde: von der Quelle des Doubs bis zu seiner Mündung in die Sâone zu wandern bzw. zu fahren. Etappe um Etappe. Diesmal kommen weitere 30 km hinzu. Vom Jurahäuschen fahre ich erst nach Goumois hinunter, über den Richtung St. Ursanne fliessenden Doubs in den französischen Teil von Goumois, dann auf die Höhen der französischen Franche-Comté, am Belvédère des fougères vorbei (Aussicht auf den Doubs im Bild oben) und nach einigen Kilometern wieder tief hinunter nach St. Hippolyte. St. Hippolyte liegt an der Einmündung des Flusses Dessoubre in den Doubs, am Arm, der kurz nach St. Ursanne die Schweiz verlässt und in vielen Windungen nach Besançon fliesst.
Am 29. Dezember ist es bitterkalt, die Sonne flach, das kleine Städtchen St. Hippolyte friert und kauert sich eng und schattenwerfend im ohnehin schattigen Tal zusammen. Die Altstadt besteht aus wenigen Gassen, einigen schönen Häusern, einem guten Käseladen, der Kirche und dem Konvent.
Aufwärmen in der relativen Wärme der Stiftskirche aus dem 14. Jahrhundert.
Darin wurde im 15. Jahrhundert das Turiner Grabtuch aufbewahrt. 1452 gelangte dieses in die Hände des Herzogs Ludwig von Savoyen und damit nach Chambéry. Als die Herzöge von Savoyen 1578 ihre Residenz nach Turin verlegten, kam das Tuch nach Turin, wo es noch heute aufbewahrt wird.
1606 wurde in Dôle die Gesellschaft der heiligen Ursula, einem katholischen Frauenorden, gegründet.
1618 zogen die Ursulinen nach Saint-Hippolyte und gründeten eine Schule für die Erziehung Jugendlicher. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1700.
Während der französischen Revolution verließen die Ursulinen das Kloster. Das Gebäude wurde danach als Präfektur, Gendarmerieposten und Schule benutzt.
Auf der im Winter wenig befahrenen Strasse entlang des Doubs fahre ich gegen St. Ursanne. Einmal mehr an zwei Stauwehren vorbei.
Das Stauwehr von Soulce-Cernay
Gleich danach weitet sich das enge Tal und erlaubt einen Blick auf die Burgruine von Montjoie-le-chateau. Auf der Anhöhe oberhalb des Dorfes ließ ein lokaler Adliger im 13. Jahrhundert die Burg Montjoie erbauen. Sie entwickelte sich zu einem Herrschaftssitz, der das Doubstal oberhalb von Saint-Hippolyte kontrollierte. Während des Dreissigjährigen Krieges wurden Burg und Ortschaft zerstört, danach wurde die Burg nicht mehr wieder aufgebaut. Zusammen mit der Franche-Comté und dem Elsass fiel Montjoie mit dem Frieden von Nimwegen (Nimmweg-Frieden) 1678 an Frankreich.
Montjoie-le -chateau. Burgruine, Kapelle und Dorf
Die Strasse folgt jeder Windung des Flusses, dreimal wechselt sie von der einen auf die andere Flussseite. In der Nähe von Glère lag die Sonne im engen Tal schon so tief, dass die Fotos in der abendlichen Dämmerung einen zauberhaften Effekt erhielten.
Doubs in der Abenddämmerung bei GlèreDoubs in der Abenddämmerung bei Glère
Kurz nach der Schweizer Grenze erscheint die Pfarrkirche Saint-Valbert von La Motte-Ocourt im Niemandsland weitab beider Ortschaften gelegen. 1641 erbaut, besitzt sie eine bemalte Holzdecke aus der Zeit. Der Raureif im Tal lässt sich zentimetergenau dort nieder, wo die Sonne den ganzen Tag nie hinscheint.
Pfarrkirche Saint-Valbert von La Motte-Ocourt im Raureif
Kurz vor Saint Ursanne ist der Raureif-Spuk vorbei. Hier scheint die Sonne. Kein Wunder, das Bild ist 5 Tage jünger, als ich die Strecke zum zweitenmal befuhr. Es gibt eben Phänomene, die sich nicht so einfach wiederholen lassen.
Dritte Etappe meiner Alleinwanderungen in Raten am Doubs. Ein Stadtrundgang durch das Städtchen St. Ursanne. 2008 berichtete ich schon mal über das Städtchen hier. Der Ort liegt ja auch nur wenige Fahrminuten vom Jurahäuschen entfernt.
Saint-Ursanne liegt dort, wo sich der Doubs urplötzlich umbesinnt, in einer Schlaufe eine völlige Kehrtwendung macht und wieder nach Frankreich zurückfliesst. In diesem abgeschiedenen Tal errichtete 612 der Eremit Ursicinus, ein Schüler des Heiligen Columban, seine Klause. Später gründeten andere Mönche über dessen Grab ein Kloster, das gegen 850 erstmals in einer Urkunde eindeutig erwähnt ist und zur Diözese Besançon gehörte. Im 11. Jahrhundert wurde eine neue Abtei errichtet, während die alte Klosterkirche zur Pfarrkirche umgewandelt wurde. Im 12. Jahrhundert erfolgte die Umwandlung der Abtei in ein Chorherrenstift, das ab 1210 dem Fürstbistum Basel unterstand und das gesamte Gebiet des Clos du Doubs umfasste. Das um das Kloster (Sancti Ursicini) entstandene mittelalterliche Städtchen erhielt 1338 Marktrechte.
Der Kirchturm stürzte 1365 -nach dem Basler Erdbeben von 1356- ein und wurde 1462-64 wieder aufgebaut.
Die Stiftskirche, eine romanische Pfeilerbasilika mit einer Krypta unter dem Chor, stammt aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Von der Abtei des 11. Jahrhunderts wurden Kapitelle und Teile des Nordportals in den Bau einbezogen. Das im 12. Jahrhundert dem Nordportal des Basler Münsters nachempfundene Figurenportal ist im Stil der burgundischen Romanik erbaut und gehört zu den bedeutendsten Vertretern dieser Stilrichtung in der Schweiz. Das etwas später entstandene Kirchenschiff zeigt Merkmale der Gotik, die Innenausstattung stammt im Wesentlichen aus dem 18. Jahrhundert. Spätbarock. Türe zu.
SüdportalDer frühgotische Kreuzgang
Nördlich angrenzend an die Stiftskirche befindet sich der Kreuzgang sowie in der ehemaligen Pfarrkirche St. Pierre ein Lapidarium mit merowingischen und karolingischen Sarkophagen.
Krypta der Stiftskirche
Unter dem Altar der Stiftskirche modern die Überreste des heiligen Ursicinus in einem Steinsarg, der aus gallorömischer Zeit stammt.
Südlich der Kirche schliesst sich das enge, pittoreske Städtchen an. Die mittelalterliche Stadt besticht durch schöne Bürgerhäuser aus dem 14.- 16. Jahrhundert.
Erschlossen wird es durch 3 Stadttore: St. Peter im Osten, St. Johann im Westen und die kleine St. Paul-Pforte von der Brücke über den Doubs her.
Porte Saint-Pierre: Osteingang mit dem Glockentürmchen von 1665
Die Stadtmauern sind im Osten weit den Hang hinauf gezogen. Während des 30-jährigen Krieges geriet St. Ursanne zwischen die kaiserlichen und französisch/schwedischen Fronten und wurde schwer verwüstet. Über dem Städtchen lag früher ein befestigtes Schloss, das während der Franzosenzeit als Steinbruch diente und bis auf die Grundmauern abgetragen wurde.
La Ruelle
Einzelne Objekte stechen besonders hervor: Die Häusergruppe um den Stift und das Maison de Staal:
„la maison des Oeuvres“. Residenz der Stifts-Probste.Das Maison de Staal (Ende 16. Jahrhundert)Eingangspforte des Maison de Staal
Leider ist der ganze Place du mai aufgerissen. Der schöne Brunnen „fontaine du mai“ mit Baugerümpel verstellt.
Place du mai mit Hôtel de ville und Volvo
Nehmen wir dafür ersatzweise einen andern Brunnen, jener in der rue du 23 mai, Mai bleibt Mai:
Damit der Spaziergang doch noch den Titel „Wanderung“ verdient, kraxelte ich mit vielen Verschnaufpausen die 200 Treppenstufen hoch zur Einsiedelei des Ursicinius über der Stadt:
Von 1793 bis 1815 gehörte Saint-Ursanne zu Frankreich. Das Kloster wurde 1803 säkularisiert. Seither ist die ehemalige Klosterkirche Pfarrkirche. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern und liegt heute im Kanton Jura.
Zum Schluss umwanderte ich per Auto den Doubsbogen bis hin zur Chapelle Notre-Dame-de-Lorette, die auf dem ehemaligen Pestfriedhof des Städtchen steht.
Seit Wochen ist das Wetter von Hochnebel bestimmt. Und wenn mal die Sonne scheint, kann ich nicht raus oder muss Verpflichtungen nachrennen. An Ausreisen ist nicht zu denken, an Alleinwandern schon gar nicht. Dabei ist heute ein Reisebericht fällig. Ich könnte stattdessen auf die rechte Seitenleiste unter den Stichworten hinweisen, allwo ich meine -derzeit täglich- geposteten Instagram-Bilder veröffentliche. Unter dem account ohlamiacucina. Dabei hat es ab und zu auch mal Gekochtes. Ich könnte auch darauf hinweisen, dass sich meine Blogadresse geändert hat: neu bin ich -kürzer als bisher- unter lamiacucina.blog zu finden. Wordpress sei Dank. Aber das wird die Reiseinteressierten kaum zufriedenstellen. Was tun? Trotz Nebelmief bin ich mit der Tram in die Grün 80 gefahren. Da war ich seit 36 Jahren nicht mehr, seit der Gartenbauausstellung im Jahre 1980. Bitte, aber mit Nebel:
Die Orangerie von Melchior Berri aus dem 19. Jahrhundert
Die Merian Gärten liegen in der Flusslandschaft der früher in der Brüglinger-Ebene mäandrierenden Birs. Die Flussterrassen gliedern die Merian Gärten topographisch.
Christoph Merian-Burckhardt (1800-1858) stammte aus einer der vornehmsten Familien Basels. Sein Vater war Grosskaufmann im Rohbaumwolle-Handel, in Speditions-, Bank- und Spekulations-Geschäften und galt seiner Zeit als reichster Schweizer. Sein Sohn bildete sich zum Kaufmann aus, war aber mehr an Landwirtschaft interessiert und liess sich 1818–1821 im Landwirtschaftlichen Institut in Hofwil bei Münchenbuchsee sowie in der Landwirtschaftlichen Akademie von Hohenheim bei Stuttgart zum Agronomen ausbilden.
1824 kam Christoph Merian –frisch vermählt- als junger Agronom nach Brüglingen. Er hatte den Brüglingerhof samt 56 Hektar Land als Hochzeitsgeschenk erhalten und baute hier einen landwirtschaftlichen Grossbetrieb auf. Seine Frau Margarethe überlebte ihn um beinahe 30 Jahre. 1886, nach deren Tod, ging das Land in das Vermögen der gemeinnützigen Christoph Merian Stiftung über. Ein Teil davon, der Brüglingerhof, blieb noch bis 2012 ein eigenständiger landwirtschaftlicher Betrieb. Heute ist er in die Merian Gärten integriert.
Rechts die Mühle. Oben die Villa Merian.
Die Mühle aus dem 16. Jahrhundert ist eines der ältesten Gebäude in den Merian Gärten. Seit 1980 wird hier kein Getreide mehr gemahlen, trotzdem darf das wasserbetriebene Mühlerad im inzwischen als Museum eingerichteten Bau sporadisch zu festgelegten Zeiten noch laufen.
Die 1711 erbaute und von Christoph Merian als Sommerresidenz genutzte Villa (siehe auch headerbild) wird heute für kleinere Tagungen und Kurse vermietet. Im Erdgeschoss befindet sich das Café Merian. Novemberangebot: klassischer Afternoon Tea mit Champagner, Scones, clotted cream und Erdbeerkonfitüre, eine gefüllte Etagere mit frischem Gebäck und Tee à discretion.
Vorder-Brüglingen
Zwischen Villa Merian und Vorder-Brüglingen ruhen im Boden die Zwiebeln von rund 2000 Sorten Iris, die bedeutendste Sammlung der Gärten. Helene von Stein-Zeppelin hatte sie in den 1920er Jahren zusammengetragen und über den 2. Weltkrieg gerettet. 1969 verschenkte die Gräfin ihre Iris nach Brüglingen, wo sie im Mai und Juni blühen.
Ökonomiegebäude (ehemals Kutschenmuseum) mit hängenden Topfpflanzen
Schade, dass das Wetter so trostlos-trübe war. Gute Fotografen werden auch mit Nebel fertig. Ich nicht, ich brauche Sonnenlicht. Aber ich kann ja nächsten Sommer nochmals dahin. Dafür hab ich im kleinen Italienerlädeli am Dreispitzareal farina doppio zero gefunden. Hat sich die Tramfahrt doch gelohnt.