Archiv der Kategorie: Wein

Weinrallye 16: Weingenuss im Restaurant

Weinkarte Offenangebot auf Damast
Weinkarte Offenangebot auf Damast

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Heute ist wieder Weinrallye, ein Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein vorher bestimmtes Thema geschrieben wird. Das neue Thema ist nicht ganz trivial: was trinken wir im Restaurant ? Der event diesmal ausgerichtet durch Theo von Gumia.

Mir geht es vermutlich gleich wie vielen andern Weinfreunden: ich trinke am liebsten den Wein, der in der Gegend selbst produziert wird. Da mich meine Reisen ohnehin nie aus der klimatischen Zone, in der Wein wächst, hinausführen, ist das eine angenehme und praktische Regel. Gerne bestelle ich Weine im Offenausschank, das belastet das Autofahrergewissen weniger. Zudem verrät die Qualität der Offenweine viel über die Seriosität des Gasthauses und über das was nacher auf den Teller kommen wird. Viele Gaststätten offerieren heute auch Flaschenweine im Offenausschank, meist Deziliterweise, teilweise aber zu überrissenen Preisen. Was mir gut gefällt: auf den Tisch wird eine ganze Flasche gestellt, der Gast trinkt soviel er mag, danach wird mit Hilfe einer Messschablone der Stand in der Flasche und damit die konsumierte Menge ermittelt und verrechnet. Und wenn die Flaschenweine fair berechnet sind, bestelle ich durchaus auch ganze Flaschen in tiefer bis mittlerer Preislage und nehme den Rest mit nach Hause. Alte und teure Flaschen meide ich. Auswärts.

Gestern waren wir in La Sagne (im Kanton Neuchatel) in einem historischen, einfachen Gasthaus. Da waren es dann 3 dl leichter, angenehmer Neuenburger Pinot noir. Zu Kürbissuppe, Salat, Rindszunge an Kapernsauce mit Kartoffelstock. Einfach. Ehrlich. Gut. Passt.

Neuenburger Pinot noir, 3 dl, offen auf Papierset
Neuenburger Pinot noir, 3 dl, offen auf Papierset

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Weinrallye 15: Urlaubsweine, Urlaube und Weine

Lafoa Cabernet-Sauvignon 2003
Lafoa Cabernet-Sauvignon 2003

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Einmal im Monat wird am selben Tag von an Wein interessierten Weblogs über ein vorher bestimmtes Thema geschrieben: das nennt sich Weinrallye. Und dieser Tag ist genau heute. Das neue Thema ist der Aufarbeitung der Ferienerinnerungen und mitgebrachter, flüssiger Ferienschätze gewidmet. Der event diesmal ausgerichtet von gotorio.

Wir waren, wie hier nachzulesen war, im Engadin; bei einem Ausflug ins Südtirol haben wir zum Mittagessen bei Herbert Hintner in der Rose zu St.Michael/Eppan einen ausgezeichneten Cabernet-Sauvignon der Kellereigenossenschaft Colterenzio/Schreckbichl getrunken. Und weil der schönste Weg von Eppan nach Bozen praktischerweise an der Kellerei Schreckbichl vorbeiführt, gleich ein paar Flaschen für den heimischen Keller eingeladen. Auf dem Bild die gleich unterhalb Schreckbichl gelegene Burg Sigmundskron, in welcher der Alpinist Reinhold Messner ein Bergmuseum betreibt.

Weinberge bei Girlan mit Blick auf Burg Sigmundskron
Weinberge bei Girlan mit Blick auf Burg Sigmundskron

Schrecken lassen darf man sich nicht von den modernistischen, hässlichen Bauten der Genossenschaft. Schrecken lassen darf man sich auch nicht vom furchtbaren Gustav Klimt-Verschnitt der Etikette. Die Weinlage „Lafòa“ liegt auf einer Anhöhe zwischen Girlan und Schreckbichl – ein trockener, sonnenexponierter Standort. Der Boden wird als karger, sandig-schottriger Moränenboden beschrieben. Der Cabernet-Sauvignon wurde 1987 mit französischen Klonen gepflanzt. Der sortenrein gekelterte Wein wird in Stahltanks vergoren. Der Ausbau erfolgt in neuen Barriques (Allier und Troncais) während 22 Monate. Vor dem Abfüllen wird er mit Eiweiss geschönt und grob filtriert.
Meine Flaschen (Jahrgang 2003) haben die Reise über die Alpen gut überstanden, er ist aber noch sehr jung. Die Farbe purpur-schwarz, undurchdringlich, in der Nase dichte rote und schwarze Beeren, im Gaumen robuste, kräftige Struktur, leicht mehlige, robuste Gerbstoffe, pfeffrig. Ein Wein für kräftige Gerichte.

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It’s not too hot for wine

too hot for wine
too hot for wine

Endlich wieder etwas weniger heiss warm, Grund, wieder einmal eine Flasche Bordeaux zu öffnen, die letzte von 6 Flaschen die ich loswerden will: Chateau Mouton-Rothschild 1993. Im kühlen Keller hatte die junge Dame noch etwas papierenen Tüll am Leibe, doch kaum auf dem Tisch, zeigt sie sich in allerleichtester Sommerbekleidung. Peinlich. Sowas kann man niemandem aufstellen. Weniger peinlich der Inhalt, aber dennoch nicht Mouton-like. 6 Flaschen schlechtes Preis/Leistungsverhältnis.
Dichtes Granat, in der Nase zunächst angenehm, schwarze Früchte, Kaffee, feuchte Erde, im Gaumen dann Erde, Tabak, Leder, Kaffee, die Frucht verhalten, kurz.

Das Etikett wurde von Balthus gestaltet, derzeit läuft in Martigny eine Ausstellung in der Fondation Gianadda zu seinem 100-ten Geburtstag. Die Vorliebe des Künstlers für adoleszente Modelle wurde ihm zeitlebens angekreidet, der Import des Mouton 93 in die USA sogar verboten, bzw. nur mit weissem Balken erlaubt. Was  in den USA zu einem regen Schwarzhandel mit saftigem Preiszuschlag führte. Nichts für mich, die leere Flasche habe ich entsorgt in der Sammelstelle hinter dem Migrosmarkt. Wer sich für Balthus‘ Kunst interessiert, bediene sich in der Altglastonne oder gehe in die Ausstellung.

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Weinrallye 14: Weine zum Grillabend

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Ein offenes Thema. Der event diesmal ausgerichtet vom sanoviablog. Die Weinwahl abhängig von den Gerichten, von den Gästen, vom Weinkeller, von der Aussentemperatur. Erschwerend die Tatsache, dass eine Stadtwohnung ohne Terasse Grillen kaum zulässt. Die momentanen Temperaturen bewegen sich immer noch in einem Bereich, in welchem wir einen leichten Salat vorziehen. Unser Sommerabendsalat ist seit Jahren ein salade niçoise, wie er in Florenz in der Cantinetta Antinori serviert wird. Drum nennen wir ihn in der Familie Insalata Antinori. Zum Rezept. In Florenz haben wir damals einen Antinori Cervaro della Sala dazu getrunken, bei Sommerhitze kein guter Einfall.

Insalata Antinori
Insalata Antinori

Als Wein zu meinem Salat habe ich mir aus meinem Keller einen Räuschling aus dem Zürcher Weinland geholt. Die weisse Rebsorte wird heute selten mehr angebaut, ausserhalb der Schweiz vereinzelt noch in Südbaden (Ortenau, Breisgau) und im Elsass. Vor dem Siegeszug des Müller-Thurgau (RieslingxSylvaner) in der Nordostschweiz war er neben dem Elbling eine der dominierenden Sorten. Immerhin scheint er in der Zürichseeregion einen neuen Aufschwung zu erleben. Insgesamt steht er in der Schweiz auf rund 24 ha. Der Name „Räuschling“ leitet sich nicht etwa von der Wirkung auf den Konsumenten ab, wie ich naiv vermutet habe, sondern vom robusten Laubwerk, das bei Windgang raschelt und rauscht.

Räuschling 2006  J. Saxer
Räuschling 2006 J. Saxer

Die Herkunft ist nicht ganz gesichert, Weisser Heunisch und evtl. Traminer ? siehe Quelle. Ein leichter, eleganter Wein, ideal zu Fischgerichten oder zu meinem Salat.

Meine Flasche: Räuschling, Jürg Saxer 2006. Zartes hellgelb, leichte Grünnoten, dezentes zitrusfruchbetontes Bouquet, im Gaumen feine Mineralik, leichte Zitrusaromatik und eine kräftige Säure. Fast eine Art schweizerischer Alternative zu einem trockenen Riesling, jedoch ohne dessen Frucht aufzuweisen.

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Weinrallye 12: In Gottes Namen

Kartause Ittingen, Warth
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Der Kanton Thurgau besitzt, nahe bei Frauenfeld, ein einzigartiges Kleinod: Die Kartause Ittingen. Deren Ursprung reicht in das Jahr 1150. 1461 wurde das Kloster von Kartäuser-Mönchen übernommen und die charakteristischen Mönchshäuschen angebaut. 1848 wurde das Kloster im Rahmen der Säkularisierung aufgehoben, verkauft, 1977 durch eine Stiftung übernommen, einer neuen Nutzung zugeführt und vor dem Zerfall gerettet. Heute finden sich unter dem Dach der Stiftung ein Schulungs-und Tagungszentrum, ein Gastwirtschafts- und Hotelbetrieb, ein Gutsbetrieb sowie ein Heim- und Werkbetrieb für Menschen mit einer psychischen oder geistigen Beeinträchtigung.  In einem Teil der Anlage hat sich das thurgauische Kunstmuseum niedergelassen. Der Gutsbetrieb erzeugt auf rund 100 Hektaren Feld, Rebberg, Wald und Gärten sowie in Stallungen und Gewässern u.a. kulinarische Produkte wie Weine, Wurst- und Backwaren, Käse, Heil- und Gewürzpflanzen, Obst und Hopfen (das Bier wird jedoch bei einer Grossbrauerei hergestellt). Die erzeugten Produkte werden teils in der eigenen Gastwirtschaft verwendet, im Klosterladen verkauft, einige wenige über den Fachhandel vertrieben. Weitere Informationen über die Kartause, inklusive Video-Rundgang. Die Anlage ist das ganze Jahr über geöffnet und immer einen Besuch wert, an Wochenenden aber überlaufen.

Der Wein
Die Gesamtproduktion von rund 40’000 Liter Wein verteilt sich auf Blauburgunder (Pinot noir), Seyval blanc und Maréchal Foch, beides interspezifische Sorten, Müller-Thurgau und Pinot gris. Für das Weinrallye hab ich mir diesmal den Blauburgunder vorgenommen: aus dem Kirchwingert, dem steilen Hang, der unter der Dorfkirche zur Klosteranlage abfällt (mein Titelbild). Der Wein wird vollständig an der Maische vergoren und rund 12 Monate im (grossen) Holzfass ausgebaut. Die Farbe trotz der langen Maische sehr helles Rubinrot, rote Früchte in der Nase, die sich im Gaumen fortsetzen, leichtgewichtig, einem leichten Côte de Beaune verwandt. Der Wein hat nicht die Tiefe gehaltvollerer Lagen wie etwa aus dem Oberwallis oder der Bündner Herrschaft, ist für mich aber ein gut präsentierender Vertreter der Ostschweizer Weine.

Kartause Ittingen Blauburgunder

Die Fotos stammen von einem Besuch im Mai 08, weitere Bilder von einem Besuch im letzten Jahr siehe CH-8532 Warth: Kartause Ittingen:

Mönchszellen Betriebsgebäude, Kornschütte und Mühle
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Parkplatz für 1 PS Restaurant zur Mühle mit Brunnen
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Hauptpforte Geschein im Kirchwingert am 28. Mai 08
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Ein Beitrag zum Weinrallye 12: In Gottes Namen, diesen Monat vom Winzerblog durchgeführt.

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Deutsche Rieslinge 2007 in Zürich

Riesling Zürich2008
Zürich, 16. Mai 2007. Wie jedes Jahr ein Zusammentreffen mit der von Max Gerstl vertretenen Riesling-Winzerelite in Zürich. Gelegenheit sich ein eigenes Bild über den von vielen Seiten, auch von Berlinkitchen, als Superjahrgang gelobten Wein zu machen. 2001 war schon herausragend, danach folgten fast Jahr um Jahr gute bis sehr gute Weine. Unglaublich. Und nun 2007: Frühe Traubenblüte, ein eher kühler, eher nasser Sommer bremste den Vegetationsvorsprung wieder, gefolgt von einem guten Oktober. Das Lesegut konnte dadurch gesund und ausgereift eingebracht werden.

Was hier in der Limmat Hall ausgeschenkt wurde, war toll. Weine aus reifen Trauben mit eleganter, raffinierter Aromatik. Erstmals habe ich mich auch für die trockenen Rieslinge begeistern können. Heute kommt, anders als vor 10 Jahren, erstklassiges Traubengut in diese Weine. Das merke, mit etwas Verspätung, sogar ich 🙂 Anstelle langweiliger Weinbeschreibungen liste ich kurz auf, was ich mir in den „Warenkorb“ gelegt habe. Das Wort Korb in diesem Zusammenhang gefällt mir sehr gut, es verniedlicht das Ausmass der Bestellung in beruhigender Weise.

Meine Warenkorb darf nicht als Wertung verstanden werden, die Anzahl der vorgestellten Weine ist mittlerweile so gross, dass man einfach nicht mehr alles probieren kann, sich an Weine hält, mit denen man in der Vergangenheit schon gute Bekanntschaft geschlossen hat.

Weingut Keller: Westhofen Kirchspiel Grosses Gewächs
Weingut Keller: Westhofen Kirchspiel Spätlese GK
Weingut Wittmann: Westhofen Morstein Spätlese
Robert Weil: Spätlese
Christoffel: Ürziger Würzgarten Spätlese
Schloss Lieser: Brauneberger Juffer Sonnenuhr Spätlese
Schloss Lieser: Niederberg Helden Spätlese
Schloss Lieser: Niederberg Helden Auslese GK

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Weinrallye 11: Rosé

Oeil de Perdrix J. Saxer mit Rose
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Lange bevor sich Roséweine hier breit gemacht haben, hat man in der Schweiz Œil de Perdrix getrunken. Dieser Wein erinnert farblich ans das Rebhuhnauge (französisch: Œil de Perdrix) und der Name steht für „Süssdruck“-Weine, wobei für die Herstellung des Oeil de Perdrix nur Pinot Noir Trauben verwendet werden dürfen. Das unterscheidet den Wein von andern Rosé-Weinen der Schweiz. Die Trauben werden nach kurzer Maschegärung (meist eine Nacht oder kürzer) abgepresst und dann vergoren. Typischerweise stammen diese Weine aus dem Kanton Neuenburg, werden aber längst auch im Wallis oder im Kanton Zürich hergestellt. Er passt zu Speisen aller Art, vom Aperitif bis zum Nachtisch, durch den niedrigen Gerbstoffgehalt ein richtiger Allrounder für den Sommer.

Sowas habe ich im eigenen Keller vorrätig. Heraufgeholt habe ich den 2006 Œil de Perdrix von Jürg Saxer in Neftenbach im Zürcher Weinland. Der Weinbau hat in Neftenbach Tradition. Das Kloster Rheinau besass dort einst über 100 Hektaren Reben. Die Weingärten wurden aber grösstenteils aufgegeben und erst in neuerer Zeit wieder rekultiviert. 1974 begann Jürg Saxer mit Neupflanzungen, seit 1991 werden die Trauben im neu erstellten Kellereigebäude vinifiziert und abgefüllt. Ein aktueller Blick auf den Rebhang der Familie Saxer. Die Löwenzahnblüte eben vorbei.
Weingut J. Saxer Mai 2008
Rund 60 000 Liter Wein produziert der Familienbetrieb jedes Jahr. Auch im Lohn für andere Betriebe. Mengenbeschränkung auf 500 bis 800 Gramm, je nach Sorte, sowie sorgfältige Arbeit im Rebberg und Keller sind auch hier Selbstverständlichkeiten. Die Weinbereitung liegt in den Händen der jungen Generation, Nadine Saxer und Stefan Gysel-Saxer, beide Oenologen. Ein Blick auf die Abfüllanlage bei meinem letzten Einkauf im Februar:

Abfüllanlage Saxer

2006 Œil de Perdrix von Jürg Saxer: Helle Lachsfarbe, saubere, fruchtige Beerennote, elegante Pinot Noir Aromatik. Endet auf einem sanften Honigton. Beim Zusammenstellen dieses Berichtes wurde ich gewahr, dass der Wein im Grand Prix du Vin Suisse 2007 vom Oktober den 1. Preis der Kategorie Rosé errungen hat. Das freut meine Nase, dass sie für einmal etwas schneller war, und ich mich rechtzeitig mit dem Wein eingedeckt habe, der 2006-er war im Februar ausverkauft.

Ein Beitrag zum Weinrallye 11: Rosé, diesen Monat vom Blog Nikos Weinwelten durchgeführt.

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Vorbereitung auf den 19.04.2008

Apfelprost
Am 19. April findet in Frankfurt oder gleich daneben in fressack‘ Gasthof Engel das zentraleuropäische Bloggertreffen statt. Im kulinarischen Teil sind köstliche Schweinereien und Äppelwoi angekündigt. So unvorbereitet gehe ich nicht dahin. Ich habe mich drum vor Wochen mit einem guten, schweizerischen Apfelschampus eingedeckt und mich langsam steigernd an Apfelwein angewöhnt. In einer Woche wird die letzte Flasche leer sein und ich voll auf Apfelwein konditioniert. Schmeckt übrigens ausgezeichnet. Weitgehend durchgegoren, feine Perlage und das leere Glas riecht auch noch nach einer Stunde angenehm nach Apfelwein. 8 Sorten sollen drin sein, die ich aber mit meinen bescheidenen apfeldegustatorischen Fähigkeiten nicht mehr unterscheiden kann. Wer mir beim nächsten Schuh- oder Kleidereinkauf eines dieser unsäglichen Industrie-Prosecco-Cüpli anbieten will, soll mir doch lieber einen Apfelschaumwein einschenken. Prost Apfel bzw. umgekehrt.

Weinrallye 10: Chenin blanc

Leere Gläser
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Chenin blanc. Eine hier eher spätreifende Traubensorte, die in der Schweiz keine Tradition hat. Bis vor wenigen Jahren war deren Anbau sogar gänzlich verboten. Noch heute dürfen Neubepflanzungen nur unter vorgängiger Bewilligung vorgenommen werden. Wie ist es doch schön, in einem Staate leben zu dürfen, in welchem fleissige Beamte die Bürger vor dem Anbau und Konsum gesundheitsgefährdender Getränke bewahren. Im Ernst: der Staat wird wohl irgendwelche Überschussverwertungszahlungen leisten und sich darum ein Mitspracherecht bei der Sortenwahl ausbedungen haben.

Entsprechend mager und trostlos das Resultat bei meiner Weinsuche: Kein schweizerischer Chenin blanc aufzutreiben. Das innovative Weingut Les Balisiers im Kanton Genf Les Balisiers hat 2004 auf Lyra-Spalier 3,5 Hektaren mit Chenin Blanc bepflanzt. Die Weine sind offenbar immer noch im Stadium der Mikrovinifizierung und noch nicht im Handel. Ein anderes Weingut im Kanton Wallis ist ausverkauft. 

Ein kurzer und trockener Beitrag zum Weinrallye #10 – Chenin blanc, diesen Monat vom Blog originalverkorkt durchgeführt.

Wer sich als Konsument über die gesetzlichen Hürden des Weinbaus ein Bild machen will, darf sich am Weinbaugesetz des Kanton Wallis gütlich tun.

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Weinrallye 9: Alltagsweine

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Alltagsweine. Weine für den Alltag. Weine für alle Tage. Also auch für Sonn- und Feiertage. Weine die zu jedem, oder fast zu jedem Gericht passen. Ich kenne nur einen Wein, der das schafft: Champagner, der König aller Weine, wenn ich aus Fledermaus von J. Strauss richtig zitiere. Nur eben der Preis: halt doch kein Wein für alle Tage. Und zudem im Widerspruch zu meiner skurrilen Privatfehde gegen das Syndicat Général des Vignerons de la Champagne.  Mein Beitrag zum Weinrallye #9 -Alltagsweine, diesen Monat vom Blog Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Kess durchgeführt.

In einem Gelübde habe ich jedem Champagnergenuss abgeschworen, bis die kleine Schweizer Gemeinde Champagne wieder zu ihrem Recht kommt, ihre einfachen, stillen Weine weiterhin unter ihrem seit Jahrhunderten hergebrachten Namen verkaufen zu dürfen. Détails hier nachzulesen. Die 15 Flaschen Champagner, auf die ich pro Jahr verzichte, werden das Syndicat bei einer Jahresproduktion von über 300 Mio. Flaschen (2007) zwar kaum beeindrucken. Davon lasse ich mich aber nicht beirren.

Seither bin ich ruhelos auf der Suche nach valablem Ersatz. Bisher probierte Schweizer Schaumweine aus Chasselas, Pinot noir, Müller-Thurgau haben mich wenig überzeugt. Der bislang einzig gefallende, ein Räuschling, wird nicht mehr hergestellt.

Vor drei Wochen endlich der Durchbruch. Im jüngsten Schweizer Kanton Neuchâtel, bis 1857 preussisches Protektorat, liegt im Weindorf Cressier NE die Domaine Grillette, deren Weine schon in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Luftschiffen der Zeppelin-Werft über den Ozean fuhren. Bis anhin habe ich von Grillet nur den ausgezeichneten Viognier gekannt, nun habe ich mir auch den Schaumwein angeschafft. Cressier habe ich zum ersten Mal besucht, die Richtung Neuchâtel liegende Ölraffinerie wirkt auf den vorbeifahrenden Besucher abweisend. Das Dorf ist aber durchaus eine Rast wert. Sehenswert das Schloss, das Maison Vallier und der alte Dorfkern. Und die Rebberge.

Der Ort

Schloss Cressier NE Blick in einen Clos
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Der Wein
Brut absolu der Domaine Le Grillette aus Cressier NE. Ein Schaumwein nach traditioneller Methode in Flaschengärung hergestellt. Eine Assemblage aus 70% Pinot noir und 30% Chardonnay. Helles zitronengelb, zu Beginn verhaltene Nase, aufgrund des Verzichts auf die dosage wunderbar trocken, wie man das bei (billigem) Champagner kaum findet, sehr reintönig und elegant, feine Perlage, Zitrusfrüchte, mineralischer Abgang. Gewiss kein Bollinger Grand Cuvée aber (von mir) blind kaum von einem guten Champagner zu unterscheiden. Ich lasse einen Rest im Glase stehen: nach 2 Stunden immer noch ein trinkbarer, sauberer Grundwein. Diesen Test besteht nicht jeder Champagner. Drum hab ich für das Titelfoto meine Staatsempfangsgläser (mit den hohenlohischen Leoparden) aus dem Speicher hervorgeholt.

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Der Keller

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Der Tabernakel ?

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Der Preis
Im Bereich eines billigen Markenchampagners im Ramschangebot. Also fast alltagstauglich. Sagen wir mal jeden dritten Tag. Die Differenz kompensieren wir zwei Tage lang mit Mineralwasser.

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Weinrallye 8: Etikettentrinker – alles fürs Auge

Eiswein Balthasar

weinrallye_200Holt sie hervor, Eure schönsten Flaschen, so der Aufruf an alle Etikettentrinker, ein Ruf, dem ich ausnahmsweise nicht widerstehen konnte. Aufrufen tut Iris, vom französischen Weingut Lisson. Sie ist Gastgeberin des achten Weinrallyes, das wenn ich richtig gelesen habe, vom Winzerblog organisiert wird.
Als Augenmensch habe ich eine Schwäche für schöne Flaschen, schöne Etiketten und Anderes mehr. Wenn ich denn eine besondere Flasche Wein entdecke, kann ich meist nicht widerstehen, obwohl sich mein Weingeschmack längstens verfestigt hat und ich ausser Bordeaux und deutschen Rieslingen…und einigen Schweizer Weinen… die italienischen nicht zu vergessen… portugiesische und spanische sind auch dabei… und vielleicht noch Argentinien und Chile… grundsätzlich keine andern Weine mehr trinke. Weinrallye 8: Etikettentrinker – alles fürs Auge weiterlesen

Pastetchen mit billigem Dosengemüse

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Unser Standard-Weihnachtsgericht seit Jahrzehnten. In meiner Jugendzeit wurde es aus einer Dose Billig-Pastetchenfüllung, einer Dose Billig-Erbsen und billigen Fertigpastetchen zubereitet. Damals hatte das pekuniäre Gründe. Heute nostalgische. Die Füllung machen wir längst selbst, mit Kalbfleisch und Champignons, guten Blätterteigpastetchen. Aber Billig-Dosen-Erbsen müssen sein. Solchen Schrott kriegt man bei Aldi oder Migros Budget. Nur Billig-Dosen besitzen diesen unnachahmlichen Dosengeschmack, der Erinnerungen weckt. Mit Frisch- und Edelware kriegt man das nicht hin. Zum Ausgleich eine gute, was heisst gute, eine besonders gute Flasche Wein. Heuer wars vom weissen Rössel einer, den man aber vorzugsweise hinterhertrinkt. zum Rezept Pastetchen mit billigem Dosengemüse weiterlesen