
Ein verdienstvoller und doch zwiespältiger Mann, der Johann Ludwig, Schlossherr zu Kastelen. 1595 in Bern geboren, 1650 im badischen Breisach gestorben. Nach der Schule, die er als Sohn des Landvogts von Morges in Genf besuchte, diente er 1611-16 als Page am Hof des Fürsten Christian von Anhalt-Bernburg.
1618-25, zu Beginn des Dreissigjährigen Kriegs, war er Offizier unter den Fahnen deutscher, protestantischer Fürsten (Anhalt, Brandenburg, Braunschweig), wurde 1620 gefangen genommen und mehrfach verwundet. Danach trat er in den Dienst des schwedischen Königs Gustav Adolfs. 1625 war er Oberst und Generalquartiermeister im polnischen Feldzug der Schweden.
1627 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wurde Kriegsrat, 1629 Mitglied des kleinen Rates. Wurde von den reformierten Ständen mit der Ausarbeitung einer gemeinsamen Verteidigungsstrategie beauftragt. Darin verlangte er eine stehende Truppe, einen ständigen General und massive Aufrüstung. Doch die notorisch zerstrittenen reformierten und katholischen Stände wollten davon nichts wissen, die Angst vor dem siegreichen Oesterreich, vor den hohen Kosten und die friedensverwöhnte Beharrlichkeit waren stärker.
Mit der Entlassung Wallensteins durch den Kaiser und der Landung Gustav Adolfs zeichnete sich ein Umschwung des Kriegsglücks zu Gunsten der Reformierten ab. Die Warnung Gustav Adolfs an die Schweiz, dass er sie zum Kriegsschauplatz machen werde, falls sie den Spaniern ihre Alpenpässe öffnen würden, hatte Wirkung. 1632 einigten sich katholische und reformierte Stände auf eine bedingte Neutralitätserklärung. 1633 wurde von Erlach zum Oberbefehlshaber des Grenzschutzes im bernischen Aargau ernannt, da im benachbarten Oberrheingebiet und im Elsass die Schweden eingebrochen waren. Nebenbei erwarb er die Herrschaft sowie die Burg Kasteln. Die Tagsatzung verpflichtete von Erlach zu strikter Neutralität. Für einen weltgewandten Kriegsmann von seinem Schlage eine unmögliche Einschränkung. Er unterstützte den schwedischen Feldherrn, Herzog Bernhard von Weimar, erst verdeckt, dann offen mit Rat, mit Aufklärung und Nachschub, geriet letztlich im Februar 1638 in der Schlacht bei Rheinfelden als kombattanter, „nebenamtlicher“ Stabschef Bernhards von Weimar in österreichische Gefangenschaft. Für die Katholiken ein krasser Neutralitätsbruch. Nach dem Sieg Bernhards und der Kapitulation Rheinfeldens im März kam er wieder frei. Die katholischen Stände regten sich fürchterlich darüber auf, dass der Herzog die Stadt von der Schweiz aus überfallen hatte, bezichtigten Bern der Begünstigung des Herzogs. An einer ausserordentlichen Tagsatzung bat von Erlach um seine Entlassung, die angenommen wurde.
Im Sommer 1638 trat Hans Ludwig von Erlach im Rang eines Generalmajors in Schwedisch-Weimarischen Dienst. Bernhard, obgleich offiziell schwedischer General, war durch mangelnde Unterstützung der Schweden schon 3 Jahre zuvor in Verhandlungen mit Kardinal Richelieu getreten und erhielt von den Franzosen jährliche Subsidiengelder zum Unterhalt der Weimarischen Truppen. Der innere Widerspruch, dass eine katholische Macht die Sache der Reformierten unterstützte, mag heute verwundern, dabei muss aber berücksichtigt werden, dass erstens Macht mehr gilt als Prinzipien. Zweitens die Heeresführer damals selbstständige General-Kriegs-Unternehmer waren, die für Anwerbung, Unterhalt, Besoldung und Bewaffnung ihrer Soldaten meist selber aufkommen mussten, dafür aber von ihren Auftraggebern pauschal (und fürstlich) entlohnt wurden. Blieben die Zahlungen aus, hielt sich das Kriegsvolk anderweitig und durch Marodieren schadlos nach dem Sprichwort: „Krieg ernährt den Krieg“.
Bernhard von Weimar beauftragte von Erlach mit der Fortführung der Belagerung der österreichischen Festung Breisach (Baden-Württemberg), deren Kommandant, Hans Heinrich von Reinach, sich im Dezember 1638 ergab. Danach ernannte Bernhard von Weimar von Erlach zum Stadtgouverneur.
Während der Vorbereitungen zu dem neuen Feldzug gegen die Kaiserlichen starb Bernhard von Weimar 1639 in Neuenburg. Vor seinem Tod bestellte er Ludwig von Erlach zum Vollstrecker seines Testamentes und stellte ihn an die Spitze seiner Truppen. Um Bernhards Erbe stritten alle im Krieg begriffenen Mächte. Entgegen der letzten Verfügung Bernhards, die eroberten Gebiete am Oberrhein einem seiner Brüder zu übergeben, führte Hans Ludwig von Erlach unverzüglich Unterhandlungen mit Kardinal Kardinal Richelieu.
Die weimarische Armee wurde in der Folge unter französischen Oberbefehl gestellt, die besetzten österreichischen Gebiete wurden an Frankreich übergeben, von Erlach wurde in seiner Stellung als Gouverneur von Breisach und Oberbefehlshaber der weimarischen Truppen bestätigt und erhielt die französische Staatszugehörigkeit. Dazu eine hohe Gratifikation, die er zum Ausbau von Schloss Kastelen brauchte.
Als „Gubernator“ von Breisach hatte Erlach bedeutenden Einfluss auf die französischen Feldzüge am Rhein und in Süddeutschland. 1646 vermittelte er die Mission des eidgenössischen Gesandten Johann Rudolf Wettstein am Friedenskongress von Münster und Osnabrück.
1647 wurde Erlachs Position weiter gefestigt, indem er zum ranghöchsten Generalleutnant unter dem Oberbefehl Turennes aufstieg. Das Porträt oben stellt Erlach als Generalleutnant mit dem Kommandostab der französischen Krone dar. 1648 entschied er als Kommandant des Reservekorps die Schlacht von Lens (Flandern) gegen die Spanier.
1649 wurde er u.a. Kommandant der französischen Armee im Reich.
Die Franzosen blieben fällige Zahlungen schuldig, die Truppen murrten, verlangten Sold oder ihre Entlassung und gebärdeten sich mehr und mehr als Sauhaufen. Das notleidende Volk war der fremden Truppen überdrüssig. Ende 1649 erkrankte Erlach schwer. Auch eine Kur im Sauerbrunnen von Bad Peterstal-Griesbach führte zu keiner Besserung. Hans Ludwig Erlach verstarb am 26. Januar in Breisach. Beigesetzt wurde er zunächst bei seinem Schloss, später in der von ihm gestifteten Kapelle in Schinznach.

Seine Witwe forderte vom französischen König vergeblich die noch ausstehenden 200’000 livres, kaufte sich in Basel dennoch ein Stadtpalais in der St. Johannsvorstadt, den heutigen Erlacherhof, verstarb 5 Jahre später und ruht an seiner Seite.

Hier liegt der mächtige Mann, von der heutigen Wahrnehmung vergessen, im steinernen Sarkopharg. Die Glocke, die ihn dereinst erwecken wird, steht bereit. Die Engel, die ihm seinen bezahlten Platz im Himmel anweisen sollen, warten seiner.
Quellen:
Richard Feller: Geschichte Berns, 1953, Verlag Herbert Lang, Bern
wiki: Johann Rudolf von Erlach
wiki: Bernhard von Sachsen-Weimar
Helvetiens berühmte Männer, in Bildnussen dargestellt. Leonhard Meister, 1786, Zürich














































