Im oberen Emmental, hinter Sumiswald, steht auf einem Geländesporn Schloss Trachselwald, Wahrzeichen des Emmentals. Die einzige Burg, die oberhalb von Burgdorf im Emmental noch erhalten ist. Erbaut im 13. Jahrhundert als ehemalige Reichsburg, gehörte sie bis 1408 den Freiherren von Trachselwald, dann denen von Rüti, schliesslich den Freiherren von Sumiswald, die mit den Grafen von Neu-Kiburg liiert waren. Im Burgdorferkrieg von 1383 bis 1384, einem Konflikt zwischen der Stadt Bern und den Neu-Kiburgern um die Vormacht in der Landgrafschaft Burgund, musste Burkhard von Sumiswald das Schloss Trachselwald den bernischen Belagerern übergeben. 1408 verkaufte er die Herrschaft Trachselwald samt Schloss an die Stadt Bern, die es zum Zentrum ihrer Landvogtei machte, und damit erstmals im Emmental hinter Burgdorf Fuss fasste.

Nach der Reformation 1528 wurde die Landvogtei um den grössten Teil des Besitzes des aufgehobenen Klosters Trub erweitert. Bis 1798 verwalteten 71 Landvögte die Herrschaft Trachselwald.
Während des Schweizer Bauernkrieges wurde das Schloss militärisch zur Festung ausgebaut. In ihm wurde kurzzeitig auch der im Juni 1653 verhaftete Bauernführer Niklaus Leuenberger gefangen gehalten, bis er in Bern enthauptet und gevierteilt wurde. 1798 plünderte die Bevölkerung das Schloss. Seine heutige Gestalt erhielt das Schloss durch eine umfassende Erneuerung in den Jahren 1954 bis 1956.

Die ältesten Teile von Schloss Trachselwald, Bergfried und die hofseitige Hälfte des Palas stammen aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts und prägen noch heute das Erscheinungsbild der Burg. Die ringsum erhaltene ellipsenförmige Ringmauer umschliesst von allen Seiten das Schloss und bildet damit eine der intaktesten mittelalterlichen Burganlagen der Schweiz. Das Schloss wurde bis ins 20. Jahrhundert auch als Gefängnis benutzt.

Der Bergfried enthält mehrere Gefangenenzellen, sogenannte „Mörderkästen“, in denen die Obrigkeit missliebige Bürger, vor allem die aufmüpfigen Mitglieder der Täufersekten, die eine Erneuerung des Glaubens forderten, bei Wasser, Brot und Folter schmachten liess.

Die Schweizer Täufer haben ihren Ursprung in der Zürcher Reformation. In ihrem Glaubensbekenntnis postulierten sie neben der Erwachsenentaufe die Gründung obrigkeitsunabhängiger Kirchgemeinden unter Absonderung vom bürgerlichen Leben. Das schloss die Verweigerung der Übernahme öffentlicher Aemter, Kriegsdienst und Eidleistungen auf den Staat mit ein. Damit zogen sie sich nach der Reformation den heiligen Zorn der Berner Obrigkeit zu, die mit ihrer reformierten Staatskirche die Täufer in regelrechten Hetzjagden 1529-1571 auszumerzen suchte. Die Täufer wurden von der ländlichen „rechtgläubigen“ Bauernschaft wegen ihres gottesfürchtigen Fleisses geschätzt und oft auch versteckt. Damals wurden Hunderte von Täufern gefangengesetzt, an rund 40 Täufern wurde die Todesstrafe vollzogen, viele starben im Gefängnissen, auf der Flucht oder wurden als Galeerensklaven an die Republik Venedig verschachert, wo sie, an Ruderbänke angekettet, meist an Entkräftung starben. Nach der Niederschlagung des Bauernkriegs 1653 wurden die repressiven Massnahmen verstärkt. Die Täufer wurden enteignet, verbannt oder flohen ins Elsass, in die Niederlande und in die Pfalz. Nachdem Ludwig XIV. 1712 die Täufer aus dem Elsass ausgewiesen hatte, fanden die Emigranten Zuflucht im Gebiet des Fürstbistums Basel, auf den unwirtlichen Höhen des heutigen Kanton Jura, später auch jenseits des Atlantiks in Pennsylvania, Ohio, Indiana und Ontario. Dort gründeten sie Täufergemeinden (Mennoniten, Amish) und führen heute noch ein seltsam weltabgewandtes Leben.
Das Schloss ist noch zu haben. Falls genug Geld zusammenkommt, soll ein Seminarhotel eingebaut und der Geschichte der Täufer Platz eingeräumt werden. Schlosshof, Wehrgang und der Bergfried sind weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich.
Quellen:
wiki Schloss Trachselwald, Geschichte des bernischen Täufertums
mennonitica: Daten zur Geschichte des bernischen Täufertums








































