August: Erntezeit für unsere Damassons rouges, Rote Damaszenerpflaumen. Die Ernte ist aufwändig. Da nicht alle gleichzeiig reifen, zieht sie sich über mehrere Tage hin. Zuerst muss das Gras am Boden gemäht werden, die Früchte werden nicht gepflückt, sondern fallen vom Baum, wenn sie reif sind. Jeden Tag muss zweimal aufgesammelt werden, was am Boden liegt. Profis spannen dafür Netze auf. Die 2-3 cm kleinen Früchtchen sind empfindlich, verderben rasch und sind deshalb im Obsthandel kaum erhältlich. Unsere letzte, mässige Ernte war vor 2 Jahren (siehe Damasson-Eis). Gemäss jurassischer Bauernregel soll es alle 7 Jahre eine gute Ernte geben. Da die Bäume sehr früh blühen, werden Blüten und Früchte kaum von Schädlingen befallen, als Frühblüher sind sie jedoch äusserst frostempfindlich. Unsere drei Bäume sind heuer offensichtlich im siebten Jahr, bewerfen uns täglich (plopp, plopp, plopp) kiloweise mit ihren Früchten. Frau H. dauerkocht Konfitüre und Jus für Glace, dauerdörrt Früchte und dauerbäckt Tartes. Schnaps brennen wäre einfacher und rationeller, aber wir trinken keinen.
Tarte mir roten Damassons
Das Bild hätte eigentlich Blickfang für die Tarte werden sollen, doch hab ich den Belag durch chaotische Belegung optisch versaut. Frau H. macht das schöner. Siehe Bild unten.
für den Mürbteig: entweder Bio-Kuchenteig rund 32 cm oder selbst gemacht:
250 g Weissmehl 125 g Butter 5 g Salz 1 Vollei 20 g Wasser 50-70 g Lübecker Marzipan (Alnatura)
(1) Mehl und Salz in die Teigschüssel des Rührwerks sieben. Butter aus dem Kühlschrank in Flöckchen schneiden, unter das Mehl mischen und mit dem K-Haken zunächst langsam, dann schnell zu einer krümeligen Masse verrühren. (2) Das verklepperte Ei und das Wasser zugeben, rühren bis der Teig klumpt. Von Hand rasch zu einer Kugel formen und 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. (3) Teig rund auf 32 cm Durchmesser und 2-3 mm Dicke auswallen. In ein mit Backpapier belegtes Kuchenblech (28 cm) legen. Den Rand 2cm hoch begradigen. (4) Den Marzipan möglichst dünn auf die Grösse des Kuchenblechs ausrollen und auf dem Boden der Tarte flächendeckend andrücken. Boden mit einer Gabel einstechen. 15 Minuten kalt stellen. (5) Ofen auf 220°C Unterhitze aufheizen.
Soll-Tarte, von Frau H. belegt
für die Füllung: ca. 600 g rote Damassons 1 Ei 1 dl Halbrahm oder Vollmilch 1 EL Zucker 1/2 EL Maizena 1 Msp. Vanillepulver
(6) Damassons halbieren, Kerne entfernen und die Tarte mit den Damassons konzentrisch belegen. Schnittfläche nach oben. Auf der untersten Rille während 20 Minuten backen. (7) Inzwischen den Guss zubereiten. Nach der Vorbackzeit auf der Tarte verteilen. Wieder in den Ofen auf die mittlere Rille schieben. (8) 20-25 Minuten fertig backen bei 220°C Umluft. Herausnehmen und vom Blech ziehen
Und wer keinen Eierguss mag, beträufelt die Früchte stattdessen mit wenig Ahornsirup:
Nach einem Blumen-, Orchideen- und arbeitsreichen Jahr war es wieder mal an der Zeit, uns mit einem guten Essen zu belohnen. Warum nicht ins L’Orchidée im nahen Altkirch ? Einem in unserer Region seit 2017 bekannten Sternerestaurant mit französisch-thailändischer Küche.
Erst bei der Reservation bemerkte ich, dass Chatchai Klangklong inzwischen in die Nähe von Mülhausen gezogen ist und seinen Herd seit Anfang Jahr im ehemaligen Hotel-Restaurant La Couronne in Ensisheim aufgestellt hat.
Die amuse-bouches waren schon viel versprechend: Leider hat sich meine Handy Autokorrektur verselbstständigt und meine eilig eingetippten Bemerkungen in Kauderwelsch verwandelt. 3 Wochen nach dem Besuch konnte ich mich nur noch an die grundlegenden Geschmacksrichtungen erinnern: Kokosmilch, Erdnuss und Krabben
eine Rose im l’Orchidée: frischer Thunfisch in weissen und roten Radisscheiben. Marmorierte Saucen aus Kaffirlimette und Fischsauce
Königskrabbe in Tempura gebacken, Mayoschaum mit schwarzem Knoblauch und Limette parfumiert
Riesencrevette, frische und confierte Tomaten, Infusion aus Kokosmilch, Galgant, Kaffirblätter-Zitronengrasschaum
Filet de maigre, Spinat, Lachsrogen
Kalbsbries, Zucchini, Tamarinde, Thai-Aubergine
Erdbeerdessert mit weissen Erdbeeren. Meringe mit Sumach, Erdbeersauce und Sumach-Eis.
Essen und Anbiance wiederum sehr gut. Von der Elsässer Orchidee über den Rhein zu den Rosen im Landhaus Ettenbühl (Markgräflerland) sind es nur wenige Kilometer. Ein schöner Abschluss, auch wenn die meisten Rosen schon verblüht waren.
Die Falafels sah ich bei Micha, Grain de Sel, Expertin -nicht nur- für gescheite Gedanken, Goethe, Salate und vegetarische Frikadellen aller Art. Wenn es ein Falafel auf Michas Teller schafft, dann kann man ihn unbesehen nachkochen. Ideengeber für das Rezept war ursprünglich der arabische Video-Kanal Peaceful Cooking. Das Rezept ist einfach und robust. Ideal für Sommertage. Nichts denken, nur nachkochen.
Anstelle von Joghurt-Knoblauch- oder Chilisauce servierte ich eigene Saucenvarianten. Zu verschiedenen Gelegenheiten, nicht alle auf einmal.
Zutaten und Zubereitung
ca. 14 Stück zu je 50-60 g für 4 Personen
230 g rote Linsen 150 g Zwiebeln 300-350 g Kartoffeln, festkochend 70 g Karotte 3 Knoblauchzehen Anstelle von 1/2 Bund Koriander und Petersilie: L.: 1 Handvoll Thymian, Petersilie, Bergminze 1 EL Kreuzkümmel (L.: 1 TL), gemahlen 1 EL Koriander, gemahlen 1 TL Salz Harissa (L.: 1 TL scharfer Curry Anapurna) L.: Brotbrösel zum Panieren
(1) Linsen 30 min in reichlich lauwarmem Wasser einweichen, dann abschütten und abtropfen lassen. (2) Inzwischen Zwiebeln, Kartoffeln und Karotten auf der Bircherreibe oder einem feinen Juliennehobel reiben. Das Gemüse zusammen in einer Pfanne in etwas Olivenöl bei geringer Hitze ca. 10 min dünsten. (3) Abgetropfte Linsen, frische Kräuter und Knoblauch im Cutter fein cuttern. Wenn der Cutter nicht richtig greift, 2-3 EL von der Gemüsemischung, mitcuttern. (4) alles mischen, kräftig abschmecken und die Masse ca. 30 min kalt stellen. (5) Patties von ca. 8 cm Durchmesser formen (L.: 60 g Masse in einen Ausstechring drücken und den Ring hochheben. (6) Ich habe die feuchten Patties zusätzlich in Panierbröseln gewendet, das macht sie nach dem Anbraten noch knuspriger. (7) In Olivenöl bei moderater Hitze beidseitig knusprig braten.
Schmeckt auch in meiner Variante sehr gut, ein Dip dazu ist jedoch empfohlen. Kann auch kalt oder im Ofen aufgewärmt gegessen werden.
Grüne Zucchinisauce für Vegetarier
serviert mit den allerletzten Fave (die Sauce hätte eigentlich passiert werden müssen)
300-400 g kleine, dunkelgrüne Zucchini 1 kleine Knoblauchzehe, gewürfelt 10 g Basilikumblätter Olivenöl Salz
Zucchini putzen, schälen. Die Schalen reservieren. Das Fruchtfleisch in Mirepoix schneiden. Den Knoblauch in Olivenöl farblos andünsten, die Zucchiniwürfel zugeben, leicht salzen und etwa 15 Minuten offen dünsten. Inzwischen die Zucchinischalen in kochendem, gesalzenem Wasser 1 Minute blanchieren, den Basilikum in den letzten 12 Sekunden mitblanchieren. Anschliessend sofort in Eiswasser abkühlen, abtropfen lassen und ausdrücken. Zucchini/Basilikum mit dem gedünsteten Fruchtfleisch und etwas Olivenöl mixen oder cuttern. Abschmecken.
Thonsauce
serviert mit Fave (Bild siehe oben)
ca. 3 Elf. Mayonnaise 120 g Thunfisch aus der Dose, beste Qualität 3 TL Kapern gewässert 1-2 Sardellenfilets 3-4 EL Weisswein zum verdünnen Rotweinessig oder Zitronensaft zum Abschmecken Salz und Pfeffer
Salbei-Baumnuss-Pesto
serviert mit Kefen
1 Handvoll junge Salbeiblättchen, Stiel entfernt 1 junge Knoblauchzehe 50 g Baumnusskerne 30 g Parmesan frisch gerieben 1/3 Abrieb einer Biozitrone Olivenöl extra, etwa 70 ml Salz, Pfeffer
Salbeiblätter grob hacken. Alle Zutaten in einem Cutter zu einer dicken Paste zerstossen, würzen mit Salz und Pfeffer.
Ajvar-Sauce
Rezept in Anlehnung an Tante Betty, serviert mit frischen Buschbohnen
1 Aubergine, ca. 300 g 4 rote Peperoni, in Spalten segmentiert und entkernt 1-2 Peperoncini 3 junge Knoblauchzehen, ganz Olivenöl
1 kleine Zwiebel, geschält, gehackt 2 EL Olivenöl 2 EL Tomatenpuree 5 Damassines, entkernt (anstelle einer Prise Zucker ) 1 TL Lorbeerpulver 1 TL Salz schwarzer Pfeffer 1 EL Olivenöl 2 EL Aceto balsamico bianco
Ofen auf 240 Grad (statisch) vorheizen. Aubergine längs halbieren, mit den Peperoni-stücken, Peperoncini und Knoblauchzehen auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Gemüse mit Olivenöl einpinseln. ca. 30 Min. in der unteren Hälfte des Ofens. backen. Knoblauch und Peperoncini nach etwa 20 Minuten vorzeitig herausnehmen.. Das Blech mit einem feuchten Küchentuch zugedeckt ca. 15 Min. abkühlen. Auberginenfleisch mit einem Löffel aus der Schale kratzen. Haut von den Peperoni und Peperoncini abziehen, Peperoncini entkernen, alles in Stücke schneiden. Knoblauch aus der Schale drücken. 2 EL Olivenöl in einer Pfanne warm werden lassen. Zwiebel ca. 2 Min. andünsten, Tomatenpüree kurz mitdünsten. Peperoni, Peperoncini, Aubergine, Knoblauch und Damassines beigeben, ca. 15 Min. dünsten, würzen,. Mit 1 EL Olivenöl und den Aceto in einen Mixer geben und fein pürieren. Danach durch ein Sieb passieren.
Die zweite Wanderung begann mit einer Bahnfahrt hoch nach Preda. Das kleine Dorf liegt auf rund 1800 m am Westportal des Albulatunnels. Von Preda aus wanderten wir bergauf an den Lai da Palpuogna. Der Palpuognasee ist ein Bergsee, der für sein glasklares Wasser und den umliegenden Lärchenwald bekannt ist.
Im heutigen Leitthema wurde der Frage nachgegangen, warum eine Pflanze genau dort wächst, wo sie wächst und nicht woanders. Nach einer wissenschaftlichen Theorie steht jede Pflanze an ihrem Standort in einem Spannungsfeld von drei unterschiedlich stark ausgeprägten Kräften: Competition, Stress-Tolerance und Disturbance (Ruderals).
Noch eine Langspornige Händelwurz (Gymnadenia conopsea).
Der Mittlere Wegerich (Plantago media) im Gegenlicht macht jeder Orchidee Konkurrenz
Nach derUmrundung des Sees wanderten wir dem Bahnlehrpfad der Rhätischen Bahn entlang zurück nach Bergün.
Am nächsten Tag fuhren wir zur Seilbahnstation Darlux und wanderten ins Tal Tesch. Blick zurück auf den Piz Ela, 3340 m, der höchste Gipfel aus Dolomitgestein auf Schweizer Boden.
und beim Abstieg noch einen verlorenen, gelben Frauenschuh, Cypripedium calceolus
Am Morgen des letzten Tages die Abschlusswanderung hinauf in das Heididorf Latsch. Schöner Blick auf den Piz Ela und das schmucke Dorf, dessen Häuser aber durch die Immobilienspekulation längst zu Ferienhäusern und -Wohnungen transformiert wurden und nicht mehr leben bzw. tot sind.
Dazu passend die fast schwarze, Hallersche Teufelskralle, Phyteuma ovatum.
Und schon wieder eine Blumenreise. Diesmal organisiert durch die Botanische Gesellschaft Basel (Dr. Verena Wiemken und Prof. em. Dr. Thomas Boller). Kurz vor Mittag Ankunft im Hotel, danach gings gleich zackig hoch. Die Mittagspause reichte gerade aus, um den Abschlussstein auf die Steinpyramide zu legen.
Die Wanderpausen wurden durch kurze, wissenschaftliche Vorstellungen der auf dieser Meereshöhe vorkommenden Baumarten unterlegt.
Die zweiblättrige Waldhyazynthe, Platanthera bifolia
Eine sich eben entfaltende Türkenbund-Lilie, Lilium martagon
eine verblühende, Mücken-Händelwurz, Gymnadenia conopsea (korr, 03.08.25)
Der Blick auf das 1370 m hoch liegende Dorf an der Albula-Passstrasse
oder ganz einfach auf eine ungedüngte Alpwiese
Bergün liegt im Albulatal an der Albulapassstrasse und an der Albulabahnlinie der Rhätischen Bahn. Im früher romanischsprachigen, wirtschaftlich und kulturell eng mit dem Engadin verbundenen Dorf wird heute mehrheitlich deutsch gesprochen. Ein typisches Strassendorf: beidseitig der ansteigenden Hauptstrasse reihen sich Häuser im Engadiner Stil aus dem 16. bis 18. Jahrhundert mit Sgraffiti, Erkern und Fenstergittern. Neben der Viehwirtschaft bildeten der Verkehr über den Albulapass und der Bergbau (Eisenerz) die Lebensgrundlagen des Ortes.
Die reformierte Kirche Bergün wurde im Jahre 1188 erstmals urkundlich erwähnt. In vorreformatorischer Zeit (ca. um 1500) erfolgte ein Umbau in spätgotischem Stil. Damals entstand auch der Freskenzyklus durch einen italienischen Wandermaler, u.a. mit Motiven der Passion Jesu Christi. Die Kirche weist im Inneren eine mit Schnitzkunst und vielfältiger Schablonenmalerei verzierte Leistendecke auf.
Als 1903 die Albulabahn eröffnet wurde, erwarteten die Bergüner einen Aufschwung, der das Dorf auf das touristische Niveau der Oberengadiner Kurorte St. Moritz und Pontresina heben sollte. Ausdruck jener Hoffnungen ist das 1906 im Jugendstil erbaute Kurhaus Bergün. Darin hätten sich Engadinreisende ein paar Tage an die Höhenlage akklimatisieren sollen. Doch die Reisenden wollten sich nicht akklimatisieren, sondern fuhren mit der Bahn gleich direkt ins Engadin.
Der erste Weltkrieg brachte den Betrieb an den Rand des Ruins. 1949 wurde das Haus nach einem Dachstockbrand geschlossen. Ab 1952 übernahm der Schweizerische Verein für Familienherbergen das Kurhaus und baute die Hotelzimmer in Ferienwohnungen um. Der Ertrag reichte jedoch nicht aus, um den Bau instand zu halten. Im Jahr 2002 wurde das heruntergekommene Haus vorerst geschlossen. Langjährige Stammgäste gründeten eine Auffanggesellschaft und bewahrten es damit vor dem Untergang. Seither wurde das Gebäude in kleinen Schritten im denkmalpflegerischen Sinn auf vorbildliche Weise und mit viel Geschick restauriert, entstaubt und als wertvolle Jugendstilperle für das neue Jahrhundert fit gemacht.
Mehr über Bergün siehe auch mein Artikel aus dem Jahr 2014: CH-7482 Bergün
Zugegeben, die Zusammenstellung entspringt eher der Not als einer vorausschauenden Planung. Die Artischocken waren für eine Barigoule gedacht. Dazu fehlten mir aber Karotten. Da der Kardy im Garten noch ohne Lausbefall war, schnitt ich mir davon 2 Stangen ab. Ja, und dann waren im Kühlschrank noch vier an den Blatträndern langsam vergilbende Krautstiele. Bitte nicht schon wieder Pasta. Was macht man da: Kochen free-style.
Lupinenrisotto 100 g geschrotete Lupinenkerne 30 g Butter 1 Zwiebel, fein gehackt 50 ml Weisswein ca. 2 dl Gemüsebrühe Kräutersalz weisser Pfeffer 15 g Parmesan, gerieben Blätter der Krautstiele
Stiel-Gemüse 8 Babyartischocken vom Birsmattenhof, neu auf dem Basler Markt 2 frische Stangen Kardy 4 grosse Krautstiele 2-3 Knoblauchzehen, gehackt 1/2 Zwiebel, gehackt Abrieb einer halben Biozitrone 1/2 Bund glatte Petersilie, gehackt Currypulver Chilipulver
Vorbereitungen Krautstiele putzen, die Stiele von den Blättern schneiden. Stiele in mundgerechte Stücke schneiden. Die Blätter beiseitestellen.
Vom Kardy zuerst die Stacheln wegschneiden, dann die zähen Fasern mit einem Messer oder Sparschäler abziehen. In mundgerechte Stücke schneiden und bis zum Verbrauch in Zitronenwasser lagern.
Die Artischocken putzen, die äusseren Hüllblätter wegreissen, die stachelbewehrten Spitzen wegschneiden, die Artischocke in Form schneiden. Alles was dunkelgrün ist, kann man nicht essen. Halbieren und bis zum Verbrauch in Zitronenwasser lagern.
Artischocken und Krautstielstücke sowie Kardy auf 2 Lochblechen im Druck-Dampfgarer bei 100°C 3 Minuten garen. Artischocken und Krautstiele entnehmen. Kardy im Garer belassen, und mit den Krautstielblättern auf getrennten Lochblechen nochmals 2 Minuten dampfgaren.
Nach all den Vorbereitungen darf gekocht werden:
Lupinenrisotto (1) Zwiebel in der Butter farblos dünsten. Lupinenschrot unterrühren, ablöschen mit Weisswein, Wein wegkochen, Gemüsebrühe zugeben, leicht salzen, gelegentlich umrühren. (2) Solange köcheln, bis die Lupinen al dente sind (ca. 20-25 Minuten). Gegen Ende die vorgegarten Krautstielblätter fein hacken und mit dem Parmesan unterrühren. Abschmecken.
Stielgemüse 10 Minuten nach Beginn Lupinen-Risotto: (3) Die halbe, gehackte Zwiebel mit einem Knoblauch in wenig Olivenöl farblos dünsten. Krautstiele und Kardystücke zugeben, würzen mit Kräutersalz, einer Spur Curry und Chili. Anfangs zugedeckt fertig garen.
Artischocken 15 Minuten nach Beginn Risotto: (4) Artischockenspalten in wenig Olivenöl allseitig anbraten. Salzen. Knoblauch mit Zitronenabrieb und Petersilie zu einer Gremolada hacken und die Artischocken damit würzen.
Der Besuch einer alten Dame in Delémont im Jura. Eine weitere, tragische Komödie: ein Wälzer mit 1200 Jahren Geschichte. Nahezu 1000 Seiten, 22 Kilo schwer. 53 cm hoch. 40 cm breit, 13.5 cm dick. Ich rede von der berühmten Bibel von Moutier-Grandval, dem längst zerstörten Kloster im Jura.
Moutier-Grandval wurde etwa 640 von irischen Missionaren gegründet. Der heilige Germanus von Trier wurde zum ersten Abt bestimmt. Zunächst lebten die Mönche nach den Regeln des heiligen Columban, ab dem 9. Jahrhundert wurde die Benediktinerregel eingeführt.
Zu Beginn war das Kloster Moutier-Grandval eine in sich geschlossene Gemeinschaft vom Mönchen. Rudolf III. von Burgund schenkte 999 das Kloster dem Basler Bischof (weil Rudolf fest an den Weltuntergang im Jahre 1000 glaubte). Ab dem 11. Jahrhundert wurde die Gemeinschaft zu einem Chorherrenstift. Nicht mehr als 12 Prälaten, meist von adliger Herkunft, die nicht in Gemeinschaft zusammen leben mussten und persönlichen Besitz anhäufen durften. Das eigentliche Kloster wurde um das Jahr 1000 aus unbekannter Ursache zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Abtei spielte jedoch weiter eine wichtige Rolle in der religiösen und kulturellen Entwicklung der Region.
Entgegen ihres Namens entstand die Bibel nicht im Kloster Moutier, sondern in Tours, etwa 250 km von Paris entfernt. Sie ist eines der Zeugnisse der karolingischen Renaissance, angestossen vor allem durch Kaiser Carolus Magnus. Die Karolinger prägten vom 8. bis ins 10. Jahrhundert die westliche Hemisphäre. Karl der Grosse führte kulturelle und politische Reformen durch, wie z.B. die Förderung der Bildung und die Einführung neuer organisatorischer Strukturen. Die Schaffung gemeinsamer Werte für das ganze Christentum stärkte den Zusammenhalt des riesigen Reiches. In diesem Zusammenhang entstand im Jahr 796 in Tours das Skriptorium St. Martin, eine Schreib- und Buchmalerei-Werkstätte, in welcher die biblischen Urtexte überarbeitet und in kunstvoll gestalteten Unikaten von Hand beschrieben und bemalt wurden. Aus den Werkstätten in Tours sind weltweit noch etwa 50 Exemplare erhalten geblieben. Das schönste noch erhaltene Exemplar ist die Bibel von Moutier-Grandval, wohl weil sie nur selten gelesen wurde.
Diese Bibel wurde zwischen 820 – 830 erschaffen. Ihre Anfertigung dauerte mehrere Monate. Allein für die Vorbereitung der Pergamente wurden rund 220 Schafshäute benötigt. Man geht davon aus, dass bis zu 24 Mönche gleichzeitig mit Schreiben und Malen einer Bibel beschäftigt waren. Wunderschön wie Zierinitialen, Titel und Untertitel gemalt sind. Der Textkörper ist in karolingischen Minuskeln geschrieben. Ein zentrales Element der Reform Karls des Grossen. Die Klarheit dieser Schrift mit abgegrenzten Buchstaben und Abständen zwischen den Wörtern erleichterte die Kommunikation im ganzen Reich,
Wann und wie die Bibel ihren Weg nach Moutier gefunden hat, ist nicht eindeutig geklärt, man vermutet, dass sie der Abtei im 9. Jahrhundert als Prestigeobjekt geschenkt wurde. Ein nachträglicher Eintrag aus dem 16. Jahrhundert weist darauf hin, dass die Bibel damals noch in Moutier war. Danach verlor sich ihre Spur bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts.
Denn die Zeiten waren den gut betuchten Chorherren nicht hold. Die erste grosse Umwälzung war die Reformation. Kurz bevor aufgebrachte Bauern die Stiftskirche zerstörten, konnten die Chorherren ihre mobilen Besitztümer ins katholische Solothurn retten. Ein Jahr später liessen sie sich definitiv in Delémont nieder, im Herrschaftsbereich des Fürstbischofs von Basel.
Die französische Revolution brachte weiteren Unbill. Kurz vor dem Einmarsch der französischen Truppen, 1792, flohen die Chorherren erneut nach Solothurn. Doch die französische Besetzung des Fürstbistums Basel bedeutete die faktische, das napoleonische Konkordat mit Papst Pius VII. die juristische Aufhebung des Stifts. Das Fürstbistum Basel wurde 1800 dem Département Haut-Rhin einverleibt und der Stift Moutier-Grandval 1802 aufgelöst.
Während dieser Wirren wurden der Schatz und die Archive von Moutier-Grandval aufgelöst, verschoben, verhökert, versteckt oder ging verloren.
Als die Franzosen definitiv weg waren, tauchte die Bibel auf einem Delsberger Dachboden wieder auf. Nach einem zeitgenössischen Bericht wurde sie 1812 „von zwei alten Jungfern“ für 2 Batzen (etwa 10 Franken) dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt zum Kauf angeboten. 1822 wurde die Bibel an einen Basler Antiquitätensammler für 24 Louisdor verkauft. Dieser erkannte den Wert des Buches, erstellte ein Dossier und bereiste damit halb Europa. Schliesslich gelang es ihm, das Buch der British Library zu verkaufen.
Und da blieb sie nun, bis das Musée d’art et de l’histoire in langjährigen, zähen Verhandlungen sich das Buch für drei Monate ausleihen durfte. Mit strengsten Sicherheitsvorkehrungen natürlich. 5 Personen durften den „heiligen“ Raum für 5 Minuten betreten. Nach elektronischer Voranmeldung in vorgegebenen Zeitfenstern. Der Besucherandrang war riesig. Wir hatten Glück und erhielten am letzten Tag der Ausstellung noch 2 Eintrittskarten.
Eine didaktisch sehr gut gestaltete und reichhaltig dokumentierte Ausstellung, die die Reise des Buches in Etappen darstellt. Daneben sind weitere Bibeln aus den Skriptorien St. Martin und der Abtei Marmoutier in Tours ausgestellt.
Nun ist die weitgereiste Dame (lateinisch biblia, weiblich) wieder in London.
Für die wenigen Leser, die bis hier durchgehalten haben, gibt es noch zwei Zückerchen: Eine der 5 ganzseitigen Illustrationen : Erschaffung und Vertreibung von Adam und Eva. Nicht ganz jugendfrei. Mit dieser Geschichte aus der Genesis fing bekanntlich das Elend der Menschheit an.
Bildquelle: British Library
Wenige Wochen später besuchten wir Moutier für eine andere Bibelstory: die Geschichte von Nebukadnezar aus dem Buch Daniel, in Musik gesetzt von Giuseppe Verdi, Nabucco. Inszeniert und aufgeführt in Moutier von einem kleinen Ensemble lokaler und internationaler Künstler. Im alten, historischen Schützenhaus zu Moutier. 200 Plätze. Wir waren begeistert und haben uns die Aufführung zweimal hintereinander angesehen bzw. angehört.
Dazu, drei Nummern grösser, der Auszug aus einer Aufführung in Verona 2018, welche die biblische story in die Zeit des Risorgimento versetzte. Amartuvshin Enkhbat singt den Nabucco als k.u.k Generalissimus.
Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz: Moutier-Grandval Flyer Musée jurassien d’art et d’histoire zur Ausstellung
So interessant, facettenreich und schön unsere Sizilienreise auch war: die im Paket inbegriffene Grand-Hotel-Pensions-Küche hatte mit Sizilien nur wenig gemein. Wieder zuhause, nahm ich mir vor, wenigstens ein authentisches Gericht aus Sizilien zu kochen. In „La cucina di Pantelleria – Tradizione e innovazione“ von Grazia Maria Cucci und Gianni Busetta fand ich ein mir zusagendes Rezept…. kochte es gedankenlos nach und fiel im ersten Durchgang prompt auf die Nase.
*Ungeniessbar“ war das Verdikt von Frau H.. Das hätte mir schon früher auffallen müssen: In 20 Minuten bei 180°C werden Schweizerische Treibhaus-Bio-Auberginen nie und nimmer geniessbar. Zurück in die Küche: Teller in einer spontanen Rettungsaktion aufbrezeln, um die Hungernden zu speisen. Im zweiten Durchlauf mit geändertem Rezept, so dass es auch verwöhnten Gaumen schmeckt.
Zutaten (4 Personen)
4 schwarze Auberginen 2 Knoblauchzehen, geschält, gehackt 4 Sardellenfilets, gehackt 1 Peperoncino, fein gehackt, ohne Kerne 1 Tomate, geschält, gewürfelt 1 Esslöffel Salz-Kapern von Pantelleria, gewässert, gehackt 2 ganze Eier, gekocht, gewürfelt 1 Zweig Basilikumblätter, gehackt 1 Zweig Bergminze (Calamintha nepeta), gehackt 100 g geschälte, geröstete und gehackte Mandeln natives Olivenöl extra 50 g Semmelmehl 25 g Parmesan, gerieben 25 g sizilianischer Schafskäse, gerieben 3 TL Zimtpulver Salz
(1) Die Auberginen der Länge nach halbieren und mit einem Teelöffel aushöhlen; innen salzen, umdrehen und 30 Minuten abtropfen lassen. (2) Danach die Hälften mit Küchenpapier trockentupfen, Schnittflächen und das Innere mit Olivenöl einpinseln und im Dampfgarer, Schnittfläche nach unten, 10 Minuten bei 110°C vorgaren (wer keinen Dampfgarer hat, stellt die Auberginenhälften, Schnittfläche nach oben, für 10 Minuten bei 200°C in den Ofen). (3) Knoblauch, Sardellenfilets und Peperoncino in reichlich Olivenöl anschwitzen, Tomaten und das ausgehöhlte, klein gehackte Auberginenfleisch beigeben und mitdünsten lassen. Zu dieser Masse die Mandeln, das Semmelmehl, den Käse, den Zimt und die gehackten Kapern und Kräuter untermischen. Zum Schluss die gehackten Eier untermischen. (4) Die streichfähige Masse in die vorgegarten Auberginenhälften füllen und im Backofen bei 200°C 20 Minuten backen.
Ein einfaches, schmackhaftes Rezept. Dazu gab es Ackerbohnen und ein wenig Tomatensugo. Das Auspulen und Schälen der kleinen Ackerbohnen beansprucht jedoch viel Zeit.
Von Palermo aus fuhren wir der Küste entlang nach Trapani, in die Riserva Naturale Saline di Trapani. Das rund 100 ha grosse Gebiet, in dem seit jeher und noch heute Meersalz gewonnen wird, ist ein wichtiges Vogelschutzgebiet, das zahlreichen Zugvogelarten, insbesondere Flamingos, Schutz bietet. Es beherbergt aber auch viele endemische Pflanzenarten, die sich an die Salzkonzentration der Salinenfelder und Salzmarschen angepasst haben. So z.B. der seltene Malteserschwamm, Cynomorium coccineum, ein Vollschmarotzer der an den Wurzeln der Küstenpflanzen parasitiert.
Oder die Meeresstrand-Ringelblume, Calendula maritima. Aus dem Meer grüsst die Colombaia, das Castello di Mare, eine mittelalterliche Festung sehr alten Ursprungs, die auf einer kleinen Insel am westlichen Ende des Hafens von Trapani liegt. Der antike Historiker Diodorus Siculus benannte um 260 v. Chr. Hamilkar Barkas (Vater von Hannibal) während des Ersten Punischen Krieges den Bau der militärische Festung veranlasst zu haben.
Mehr als die riesigen Salzhalden interessierte mich der Taucher, der mit einer Beute von 6 zappelnden Oktopussen aus dem Meer stieg.
An Trapani vorbei auf das 16 km nördlich, hoch über Trapani gelegene Erice . In der Antike hiess die Stadt Eryx und war mit Segesta und Entella eine der drei grössten Städte der Elymer. Die Elymer waren ein Teil der vorgriechischen Bevölkerung Siziliens. Laut Vergils Aeneis gehörten sie zu den Trojanern, die mit Aeneas aus Troja geflohen sind, dann aber nicht mit ihm weiter nach Latium zogen. Alte Geschichten. Eryx wurde vom 6. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. zu einer punischen Zitadelle und diente Hamilkar Barkas im Ersten Punischen Krieg mehrere Jahre als wichtiger Stützpunkt. Zu Beginn des 5. Jh. v. Chr., geriet die Stadt kurze Zeit unter den Einfluss von Akragas. 241 v. Chr. fiel die Stadt an die Römer.
In der Spätantike wurde die Stadt verlassen. Zeitweise war sie von den Arabern besetzt. Die Normannen besiedelten die Stadt im 12. Jahrhundert neu und errichteten dort ein Kastell. Im Mittelalter erblühte die Stadt, Kirchen und Klöster wurden gebaut.
Die Stadtmauer aus punischer Zeit begrenzt auch heute noch die Stadt. Durch die Lage auf einem hohen Berg hat man von Erice aus eine einzigartige Aussicht auf das Landesinnere und das Meer. Die Einwohner leben hauptsächlich von Tourismus, Landwirtschaft und Handwerk…und ächzen oder profitieren unter der Mafia.
Die Porta Trapani, eines der 3 Stadttore.
Auffallend die durchgehend geometrisch gemusterte Pflästerung der Stadt.
Piazza Umberto I.
Chiesa San Giuliano
Chiesa di San Martino. Barock
Das normannische Castello di Venere aus dem 12. Jhdt.
Sehr empfehlenswert die Pasticceria Grammatico u.a. mit den -gemäss unserem Chauffeur- besten Genovese-törtchen Siziliens. Wer sich einen Kaffee auf der versteckten Gartenlaube bestellt, kann die langen Warteschlangen vor dem Laden umgehen.
Zuviel Zeit beim Kaffee vertrödelt. Einmal mehr drängte das Blumenprogramm. An den Hängen unterhalb Erices wurden wir fündig:
Neapolitanischer Lauch, Allium neapolitanum, in Vollblüte
u.a. Bienen-Ragwurz, Ophrys apifera.
Anderntags ein Ausflug in die Riserva Naturale Orientata Bosco della Ficuzza bei Corleone, im Hinterland von Palermo. Ein schönes, königliches Jagdschloss, ab 1799 im Wald von Ficuzza für König Ferdinand III. von Sizilien erbaut.
Dahinter viel Wald. Grün. Gluckernde Bächlein.
Gelbe Ragwurz, Ophrys lutea
Provence Knabenkraut, Orchis provincialis.
Italienisches Knabenkraut, weissblühend , Orchis italica albiflora
und wieder an die Nordküste, an die Hänge des Monte Catalfano Blick auf das Capo Zafferano, das Safran Kap.
Tag der Heimreise. Wir müssen da unbedingt nochmals hin.
Alltagsküche. Der Kälteeinfall vor den Eisheiligen veranlasste mich, den Holzofen in der Küche wieder einzuheizen. Aktuell haben wir 32°C. Sizilien erhielt den Vorrang., das erklärt die zeitferne Berichterstattung. Zurück zum heissen Holzofen: Ideal für lange Schmorgerichte. Das Lammragout mit Knochen: ein Dank von unserem Schäfer für das Bereithalten unserer Schafweide. Anstelle von Polenta seit ewiger Zeit wieder einmal Türggenribel: langsam angerösteter Polentamais. (Mehr darüber siehe hier). Dazu eigene, letztjährige Bohnen aus dem TK.
Zutaten und Zubereitung
Lammragout 500 g Lammragout mit Knochen wenig Mehl zum Bestäuben 1 Karotte, gewürfelt 1 Stück Sellerie, gewürfelt 1 Zwiebel, gewürfelt 4 Knoblauchzehen, zerdrückt 2 getrocknete Peperoncinoschoten, zerrieben 6 Dörrtomatenhälften, fein gehackt 1 EL Tomatenmark 3.5 dl Rotwein, Merlot 2 Zweige Rosmarin, feinst gehackt Schale einer halben Zitrone (ohne Saft) 1 Schuss Balsamessig Salz, Pfeffer
(1) Mirepoix von Karotte und Sellerie leicht anrösten, Zwiebel und Knoblauch zugeben, mitdünsten, Tomatenpüree zugeben kurz mitgehen lassen, dann 2/3 des Rotweins in kleinen Portionen zugeben und zwischendurch immer wieder einkochen. (2) Lammragout leicht einmehlieren und in einem heissen Topf in Olivenöl rundum anbräunen. Das Fleisch mit dem restlichen Rotwein aböschen und das Gemüse zugeben. Mit Wasser (oder Lammbrühe -wer hat das schon-?) überdecken, die Hälfte des Rosmarins zugeben und während mind. 3 Stunden auf dem Herd leicht simmern lassen. (3) Gegen Ende den restlichen Rosmarin, Zitronenschale und Balsamessig zugeben und Abschmecken mit Salz und Pfeffer. (Die Dörrtomaten bringen viel Salz mit).
Türggenribel
200 g Rheintaler Ribelmais (L.: Bramata Maisgriess) ca. 3 dl Milchwasser 1:1 25 g Butter 1/2 Gemüsebrühwürfel Bio, anstelle von Salz 2 Lorbeerblätter nochmals 25 g Butter
(4) Milchwasser mit Brühwürfel und Lorbeerblättern aufkochen, Maisgriess unter Rühren einrieseln lassen, Deckel drauf und auf einer warmen, aber nicht heissen Stelle des Herdes 1 Stunde quellen lassen. (5) 25 g Butter in einer grossen Pfanne kurz aufschäumen, Die Polenta flach auf dem Boden der Pfanne verteilen und bei moderater Hitze langsam anrösten. Dabei muss die Polenta mit einer Holz- oder Metallschaufel laufend zerteilt werden. Anfangs tendiert sie gerne zum Anhocken: Anrösten. Loskratzen. Zerteilen. Stochern. Wenden, Weiter Rösten. Nach etwa 30 Minuten beginnt die Polenta bröselig zu werden, die gewünschten Ribel bilden sich, der Mais klebt nicht mehr. (6) Danach die zweite Portion Butter in die Brösel verteilen. Ab jetzt muss nicht mehr so häufig gerührt werden, doch sollte in den Ruhephasen ein Deckel aufgesetzt werden, damit die Ribel nicht zu trocken werden. Nochmals 10 Minuten rösten.
Kann gut warm gehalten oder wieder aufgewärmt werden. Ein idealer Begleiter für Saucengerichte. Benötigt Zeit am Herd.
Inzwischen ist die Herde um 4 Köpfe angewachsen. Bei uns ist gut fressen.
Rohe Rhabarberstangen sind kein Genuss. Frischer Rhabarber enthält pro 100 g Gemüse nahezu 500 Milligramm Oxalsäure. Eine unangenehme, schleimhautbeschlagende Säure, die den Zahnschmelz angreift, Calcium aus der Nahrung bindet und deshalb Nierenschäden verursachen kann. Kurz: wir (genauer: ich) mögen Rhabarber nicht. Auch keinen Rhabarberkuchen.
Natürlich weiss ich, dass man durch frühes Ernten, Sortenwahl oder Schälen die Konzentration an Oxalsäure etwas erniedrigen kann. Kochen oder Neutralisieren mit Backpulver sind andere Optionen, wenn das Kochwasser (mit der gelösten Oxalsäure) weggeworfen wird. Aber direkt im Kuchen verbacken lässt sich nichts mehr wegschütten. Allenfalls der ganze Kuchen. Unter den empfohlenen Tricks ist jener mit gleichzeitigem Verzehr von Milchprodukten in meinen Augen valabel. Das in der Milch enthaltene Calcium bindet die Oxalsäure zu schwer löslichem Calciumoxalat. Das hilft mir aber auch nicht, da ich auch Joghurt nicht mag.
Und ausgerechnet uns fällt ein ausgewachsener Rhabarberstock temporär in den Schoss. Ausgraben gelang nicht. Zu tief steckten die Wurzeln im steinigen Untergrund. Bündelweise Verschenken war bislang unsere einzige Option, bis…
…bis ich zufällig bei Chef Paolo Guilherme auf eine Zubereitung mit Gin stiess, die mich neugierig machte: Heureka!
Die einfache Zubereitung nutzt die sehr gute Löslichkeit von Oxalsäure in Wasser und Alkohol. Fein geschnittener Rhabarber wird (nach meiner Variante) in einer Mischung aus Wasser, Wacholderschnaps und Zucker mindestens einen Tag lang mazeriert. Danach werden die Rhabarberscheiben aus der Mischung geschöpft: das Gemüse ist schön grün, hat einen frischen, knackigen Biss, etwa wie roher Staudensellerie- oder Radieschen Scheiben. Dazu ist die unangenehme Oxalsäure zu einem guten Teil verschwunden, der Geschmack angenehm und nur leicht süss.
Die ideale Beilage zu frischen Erdbeeren oder zu Käse. Die Oxalsäure ist mehrheitlich im Jus gelöst, wer mag und keine Probleme mit Oxalsäure hat, kann davon ein wenig über die Erdbeeren träufeln.
Wacholder marinierter Rhabarber
3-4 dl Wasser 200 g Zucker 1 dl Wacholderschnaps 300 g Rhabarber, geschält, in 1-2 mm dünne Scheibchen geschnitten.
(1) Wasser und Zucker aufkochen. Rühren bis der Zucker gelöst ist. (2) Wacholderschnaps zugeben und die Lösung etwa 2 Minuten köcheln um die Hauptmenge des Alkohols zu verdampfen. (3) Die Lösung völlig abkühlen lassen. Wichtig, damit sich der Rhabarber nicht gelb verfärbt. (4) Die Lösung zusammen mit dem Rhabarber in ein hohes, verschliessbares Glas geben, bis unter den Deckel füllen und mindestens einen Tag im Eisschrank kalt stellen. (Hält sich mehrere Tage, kann aber nicht sterilisiert werden)
Stadttag. Heute keine Orchideen. Erst in das berühmte Monreale. Der sizilianische König Wilhelm II. errichtete nach 1172 Monreale als Sitz eines Klosters und liess dort einen festungsartigen Gebäudekomplex erbauen, der eine Kathedrale, ein Erzbischöfliches Palais, einen Königspalast und ein Benediktinerkloster umfasste. 1183 erlangte er von Papst Lucius III. die Erhebung des Klosters zum Erzbistum Monreale. Dies geschah gegen den Widerstand des Erzbischofs von Palermo, der darin eine Schwächung seiner eigenen Autorität sah. Von all den Bauten ist heute lediglich der Dom mit dem Kreuzgang erhalten geblieben. Um diesen Komplex herum entwickelte sich der mittelalterliche Ort.
Das Bronzetor mit Szenen aus der Bibel ist zwischen 1185 und 1186 entstanden, ein Werk von Bonanno Pisano, dem italienischen Bildhauer, der 1175 am Bau des Schiefen Turms von Pisa mitbeteiligt war.
ihre volle Schönheit entfaltet die Kathedrale im Inneren der Kirche. Hier bedecken byzantinische Goldgrund-Mosaike die gesamten Innenwände der Kirche auf einer Fläche von 6.340 m². Damit enthält sie den weltweit grössten einheitlichen byzantinischen Mosaiken Zyklus.
Der Zyklus stellt verschiedene Geschichten aus dem alten und neuen Testament dar. Die Figur des Christus als Pantokrator (Herrscher der Welt) befindet sich in der Apsis des Doms und dominiert den zentralen Innenraum.
Daneben ist der Dom für seinen Kreuzgang berühmt. Der einzige vom einstigen Benedektinerkloster noch verbliebene Teil. Der überdachte Kreuzbogengang umschließt den quadratischen, offenen Innenhof mit einer Fläche von 47 x 47 Metern. Besonders die 26 spitzbögigen Arkaden an jeder Seite des Kreuzganges sind beeindruckend.
Jede Arkade wird von individuell ornamentierten, teils goldunterlegten oder mit Mosaiken- und Edelsteinen dekorierten Doppelsäulen getragen. Insgesamt besteht der Gang aus 228 Doppelsäulenpaaren. Keines gleicht dem anderen.
Danach fuhren wir zurück nach Palermo. Welche Stadt! Voller Leben und voller Menschen, an einem gewöhnlichen Mittwoch.
Am Standort der heutigen Kathedrale von Palermo war schon im 6. Jahrhundert eine frühe Kathedrale errichtet worden. Die Araber wandelten sie in eine Moschee um. Nach der Eroberung Palermos durch Roger I. wurde die Moschee wieder Sitz des Erzbischofs.
Nach einem starken Erdbeben 1169 wurde die alte Kathedrale abgerissen. 20 Jahre später stand der Neubau. In den folgenden Jahrhunderten wurde immer wieder an- und umgebaut: die 4 Ecktürme erhielten gotische Aufsätze. Der Haupteingang wurde auf die Südseite verlegt und mit einem Portikus im Stil der katalanischen Spätgotik ergänzt. Über der Vierung wurde im 18. Jhdt. eine klassizistische Kuppel eingebaut. Auch das Innere wurde in klassizistischem Sinne verändert. Doch aller Ehrgeiz der palermitanischen Bischöfe half nichts. Die Schönste ist und bleibt die Kathedrale in Monreale.
Da die Bauweise mit zwei seitlichen Türmen am Westwerk den Königsdomen vorbehalten war, ließ einer der Bischöfe einen grossen, freistehenden Turm vor der Westfassade errichten, der nur über Spitzbogenarkaden mit dem Hauptbau in Verbindung steht.
Palermo wurde während des 2. Weltkrigs innerhalb von drei Jahren von fünf verschiedenen Luftwaffen bombardiert:der französischen, britischen, amerikanischen, italienischen und deutschen. Die Angriffe richteten schwere Schäden in der Stadt an. Das Stadtzentrum wurde flächendeckend beschädigt, mehr als 2000 Menschen verloren ihr Leben. Über 40% des Wohnungsbestandes ging verloren. Noch heute zeigen sich in der Altstadt Lücken und Ruinen. Doch lassen wir das.
Stop oder Pizza?
Am Quatro Canti, der Kreuzung von Corso Vittorio Emmanuele und Via Marqueda.
Gleich ums Eck liegt der Fontana Pretorio, im Volksmund Brunnen der Schande benannt. Der ursprünglich von Neapels spanischem Vizekönig für seine Florentiner Villa in Auftrag gegebene Brunnen wurde von mehreren Künstlern aus Florenz gestaltet. Noch vor Fertigstellung verstarb der Auftraggeber. Sein Sohn verscherbelte das freizügig gestaltete Werk an die Stadt Palermo. Vor dem Palazzo Pretorio wurde eigens ein Platz eingeebnet und der Brunnen aus 644 Einzelteilen wieder zusammengefügt. Das war im Jahre 1554. Noch heute werden den armen Skulpturen Köpfe, Arme oder Beine abgeschlagen. Nacktheit wird von Rechtgläubigen nur unter der Decke geduldet.
Nach einem kurzen, vom lokalen Organisator offerierten Imbiss im Torre di San Nicolò di Bari eilte die Zeit plötzlich, der Tagesplan sah einen Besuch im Botanischen Garten vor. Im Sturmschritt eilten wir durch die engen, mittelalterlichen Gassen des ältesten Lebensmittel-Marktes der Stadt, den Markt Ballarò. Dieser lebhafte Markt befindet sich im multikulturellen und mehrsprachigen Viertel Albergheria und liegt zwischen der Piazza Ballarò bis hin zur Piazza Carmine. Neben Italienisch werden hier auch Arabisch und afrikanische Dialekte gesprochen. Hier hätte ich mich gerne länger verweilt.
Manche Händler verkaufen anstelle der Rohprodukte lieber fertig zubereitete Take-away Speisen. Daran verdient man mehr. Ist ja auch auf unseren Märkten so.
Der Botanische Garten ist in der umtriebigen Stadt ein Ort der Ruhe. Schöne, vielfach exotische Bäume, aber aus Geldmangel unzureichend unterhalten. Gut, dass wir kein Gartenwerkzeug dabeihatten, sonst hätte Frau H. sicher angefangen zu jäten.
Florettseidenbaum, Ceiba speciosa
Grossblättrige Feige, Ficus macrophylla
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