An dieser Stelle wäre, wie jedes Jahr, der Besuchsbericht vom Mittagessen in der Rose Eppan fällig. Man wird jedoch nicht jünger, den Eintagesausflug nach Bozen musste ich leider streichen. Zu weit entfernt. Meran wird künftig einspringen müssen. Nach meinem Plan hätten wir das Mittagessen im Vinschgau beim jungen Sternekoch Jörg Trafoier in Kastelbell eingenommen. Frau L. war das zu abgehoben, übernahm die Oppositionsrolle und wollte unbedingt ins Brauhausstüberl Forst in Algund. Ausgerechnet Frau L., die weder Schweinshaxe noch Speck auf Kraut essen würde. Kurz vor Algund habe ich sie dann mit meinem Alternativvorschlag, der Aussicht auf Ochsenschwanzravioli im Kallmünz, herumgekriegt. Das neue notebook in den Ferien ist schon praktisch.
Das Restaurant Kallmünz ist Teil des Ensembles von Schloss Kallmünz aus dem 16. Jahrhundert, am Fuss der Altstadt gelegen. Das Restaurant wurde 2003 in der ehemaligen Kutschenremise des Schlosses eröffnet. Der Neapolitaner Luigi Ottaiano ist Küchenchef, der aussergewöhnlich freundliche Service wird von einem Japaner in gut verständlichem Italienisch geleitet.
Kallmünz aussenKallmünz, innen
Der Leitspruch des Hauses lautet zu Recht: Man blickt in die Zukunft, ohne die Vergangenheit zu vergessen. So war es denn auch. Gegessen haben wir:
Ochsenschwanz-Ravioli, Tomatensauce mit Rosinen und Pinienkernen, römischer Schafskäse. (Bild) Entenleberterrine mit roten Paprikaschoten, Sprossensalat, Vinaigrette aus Sesam-Samen und Sonnenblumenkernen, Pan Brioche. (Bild)
Steinbutt-Scheibe, Pfifferling – Soße, roter Radicchio aus Treviso, kandierter Ingwer, Julienne aus Orangenschalen.
Goldbrassefilet, Griechische Soße, Kirschtomaten und Apfel, Koriander und Mohn, Ofenkartoffeln.
Einziger Kritikpunkt: die Desserts waren uns etwas zu sizilianisch süss. Frau L. war zufrieden, ich war zufrieden, was will man mehr.
EntenleberterrineOchsenschwanzravioliniLuigi Ottaiano in seinem ReichDie steht bei Seibstock
Danach die üblichen Tour durch Meran, der obligate Besuch bei Frasnelli.
durchs TorLaubengasseFrau L. in Frasnellis KüchenladenEndstation Bozen
Nach kurzem Rundgang durch Meran haben wir abgekürzt, die Laubengasse war derart voll von Schweizern und Deutschen, dass wir in einem Anfall von Misanthropie doch lieber die 40 km Weg auf uns genommen haben, um in Bozen zu flanieren. Hätten wir einfacher haben können.
Same procedure as every year. Auch dieses Jahr verbrachten wir unsere Sommerferien auf ausgetretenen Pfaden im Engadin. Zum vierten Male berichte ich über diese schöne Grenzregion. Alle Reiseberichte sind fein säuberlich mit dem tag Grenzland [klick] etikettiert, wie schon in den vergangenen drei Jahren.
Das mag langweilig klingen, für uns sind aber Ferien am selben Ort mit einem hohen Erholungswert verbunden. Heuer war das Wetter ziemlich kapriziös. Temperaturen unter Null, Schnee in höheren Lagen, Wind, Regen, Sonne in buntem Wechsel. Wie praktisch, dass ich erstmals mein neues Spielzeug mit auf die Reise nehmen konnte. Wie heisst doch der Spruch ? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur ein fehlendes notebook. Die erste Ausfahrt ging, wie jedes Jahr, ins Veltlin. Beim ersten guten Kaffee in Tirano auf der Terasse des Caffè del Duomo donnerte diesmal sogar die historische Berninabahn, Baujahr 1908-1911, in gelb vorbei.
Baujahr 1912
Erst wird Bresaola eingekauft, diesmal in der Macelleria Poretti an der Via S. Carlo, 2. Die normale wie die leicht geräuchte Qualität sind vorzüglich. Auf dem Weg nach Bianzone folgt ein kurzer Spaziergang durch die Reben zu Anna Bertola ins Ristorante Altavilla. Gleiche Speisekarte, dieselbe Weinkarte, Qualität und Herzlichkeit unverändert: alles wie gehabt.
Maestro Poretti in TiranoChiavannesca (Nebbiolo) Trauben
Gegessen haben wir die, wie jedes Jahr, die unvergleichlichen Sciatt [klick zum Rezept]:
Sciatt
Als Hauptgang Buchweizennudeln mit Pfifferlingen, zum Dessert die Amaro Braulio Eiscreme.
Buchweizennudeln mit GallinacciAmaro Braulio Eis
Gegen Ende des Essens eroberte sich die stolze Hauskatze, eine gebürtige Römerin, eine warme Sitzgelegenheit und als letzte Überraschung zeigte sich die langjährige Baustelle auf der Piazza Garibaldi in Sondrio von der schönsten Seite: leergeräumt, Bauarbeiten am Parkhaus abgeschlossen. Ein schöner Tag.
Löwin von Rom, die Pullis von Max MaraSondrio Piazza Garibaldi
Selten genug, dass sich Familie L. über die Grenze in deutsche Lande wagt. Ende September passierten wir die deutsche Grenze bei Säckingen, 30 km oberhalb Basels. Keine Grenzbeamten, keine Zöllner, die uns anhielten. Dieselbe Sonne, die uns auf der andern Seite des Rheines erwartete.
Die Stadt Säckingen entstand auf einer Rheininsel im Umfeld des gleichnamigen Klosters, dessen Gründung für das 7. Jahrhundert angenommen wird. Im Jahre 1272 zerstörte ein Brand große Teile der Stadt, darunter auch die Stiftskirche. Um 1300 wurde mit dem Bau des gotischen Fridolinsmünsters begonnen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Bau mit Elementen des Barockstils erneuert. Die Gebeine des heiligen Fridolin werden daselbst in einem reich verzierten Silberschrein aufbewahrt.
FridolinsmünsterFridolinsmünster
Das Mittelalter war geprägt durch eine Zeit harter Auseinandersetzungen zwischen Stift und der aufstrebenden Stadt. Während des Freiheitskampfes der Schweizer gegen Habsburg-Österreich Ende des 14. Jahrhunderts erlitt der Stift schwere wirtschaftliche Einbussen. Am Ende vergab das Stift die Städte Säckingen und Laufenburg als Lehen an den Herzog von Österreich, wodurch diese Städte vollständig unter Habsburger Hoheit gerieten.
1445 erreichte der Kampf um die Schweiz auch Säckingen; eine Belagerung durch Basler Truppen und ein langer Aufenthalt der Habsburger Besatzungstruppen verschlechterten die Lage sehr. Letztlich verpfändete Herzog Sigmund von Österreich Säckingen mit den Waldstädten und der Umgebung an Herzog Karl den Kühnen von Burgund. 1499 plünderten Schweizer während des Schwabenkrieges das Land.
1467 erhielt die Stadt von den Habsburgern die volle Gerichtsbarkeit und wurde damit nahezu unabhängig bis zum Übergang an das Großherzogtum Baden im Jahr 1806. 1830 wurde der rechte Rheinarm zugeschüttet.
AltstadtimpressionFuchshöhle
Gegessen haben wir im daselbst besten Restaurant, der Fuchshöhle, durchwegs ausgezeichnet gekocht, teilweise etwas chichi angerichtet. Frau L. konnte sich das Lachen kaum verbeissen, als ihr auf der Vorspeise, ein Krokant-Millefeuille mit Gänselebermousse, ein Plastik-Minipipettchen mit 3 Tropfen Orangenöl gefüllt, garniert mit wildem Kerbel (bitter) und Klee (bitter) gereicht wurde. Ich hatte eine Trilogie vom Steinpilz, Cappuccino auf Pumpernickel, gebraten und als Süppchen. Garniert mit wildem Kerbel. Hauptgericht Geschnetzeltes Kalbfleisch. Garniert mit wildem Kerbel. Köstlicher Pinot noir vom Kaiserstuhl. Serviert ohne wilden Kerbel.
Am Rhein direkt neben der Altstadt liegt Schloss Schönau. Errichtet zwischen 1600 bis 1680 von Hans Kaspar von Schönau. Ursprünglich verfügte das Gebäude über vier Ecktürme. Bei Umbauarbeiten während des späten 17. Jahrhunderts wurden jedoch die beiden nordostseitig gelegenen Türme abgerissen. An ihrer Stelle bekam die Südwestseite einen zusätzlichen Turm in der Mitte.
Schloss Schönau
1928 erwarb die Stadt Bad Säckingen das Schloss und richtete darin das Hochrheinmuseum ein. Gezeigt werden die Geschichte der Stadt und der Region Hochrhein, archäologische Funde, Bilder, Karten und Möbel. Das Scheffelzimmer erinnert an den Aufenthalt des Karlsruher Dichters und Schriftstellers Joseph Victor von Scheffel (1826-1886) Er war ein im 19. Jahrhundert viel gelesener deutscher Schriftsteller und Dichter. u.a. des Trompeters von Säckingen.
Das folgende Zitat aus dem Werk macht den Inhalt des von Scheffel propagierten teutschen Nationalgefühls wilhelminischer Prägung deutlich:
Sind verdammt wir immerdar, den
Großen Knochen zu benagen,
den als Abfall ihres Mahles
uns die Römer hingeworfen?
Soll nicht aus der deutschen Erde
Eignen Rechtes Blum‘ entsprossen,
Waldes duftig, schlicht, kein üppig
Wuchernd Schlinggewächs des Südens?
Traurig Los der Epigonen!
Müssen sitzen, müssen schwitzen,
Hin und her die Fäden zerren,
eines wüstverschlungnen Knäuels,
Gibts’s kein Schwert und andre Lösung?
Trompeter von Säckingenderselbe
Die Geschichte des Trompeters von Säckingen dreht sich um die Liebesbeziehung des bürgerlichen Trompeters mit der adligen Tochter Maria Ursula von Schönau, die er trotz heftigem Widerstand deren Brüder um 1657 heiratete. Victor Ernst Nessler komponierte die gleichnamige Oper, hier ein Auszug mit dem Schlager: Behüt dich Gott, es wär zu schön gewesen, Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein!
Eine Fehde innerhalb des Hauses Habsburg und ein Mord stehen stehen am Anfang dieser Geschichte. Am 1. Mai 1308 wurde der habsburgische König Albrecht der I. von seinem Neffen Johann von Schwaben ermordet. Der Hintergrund liegt in einer längeren Auseinandersetzung um Johanns Erbe.
Laut zeitgenössischen Chronisten ritt Albrecht I. mit seinem Gefolge seiner Gemahlin Elisabeth entgegen. Bei Windisch mussten er und seine Begleiter die Reuss auf einer Fähre überqueren. Albrecht und Verbündete des Johann von Schwaben setzten zuerst über. Auf dem Windischer Plateau erstach Johannes seinen Onkel.
Die Witwe Albrechts, Königin Elisabeth, gründete dauafhin zum Gedenken an ihren Gemahl und für die ganze habsburgische Familie das Kloster Königsfelden als Memorialort. Hier sollte Fürbitte für das Seelenheil der verstorbenen Habsburger geleistet werden.
KlosterkircheKlosterkirche
Die eigentliche Klostergründung vollzog sich über drei Jahre. 1310 wurde sie durch eine Urkunde Papst Clemens V. bestätigt. 1312 zogen die ersten Nonnen ins Kloster ein.
Königin Elisabeth verstarb 1313. Sie bestimmte Königsfelden zu hrer letzten Ruhestätte und wurde als erstes Familienmitglied hier beigesetzt.
Der von einem unbekannten Meister und seiner Werkstatt zwischen 1325 und 1330 geschaffene, weitgehend original erhaltene Glasgemäldezyklus im Chor zählt zu den bedeutendsten europäischen Kunstwerken des 14. Jahrhunderts.
Die Tochter von Königin Elisabeth, Königin Agnes, war die früh verwitwetet Frau von Andreas III. von Ungarn. Sie betreute von 1316 bis1364 das Kloster Königsfelden. Sie wurde selbst nie Nonne, lebte aber innerhalb des Areals. Mit Agnes kam für Königsfelden eine Hochblüte. Das Kloster wurde von ihr zu einem vielfach privilegierten und hoch angesehenen Ort habsburgischer Etrinnerungskultur gemacht.
Im Mittelschiff befindet sich ein Kenotaph aus Marmor (1320), darunter die ehemalige Gruft, die bis 1770 als habsburgisches Erbbegräbnis diente.
Mittelschiff und Kenotaphbernische Hofmeisterei
Im Mittelschiff erinnert eine Gedenktafel an die bei der Schlacht bei Sempach 1386 gefallenen und in Königsfelden bestatteten Adligen.
Gedenktafel
Nach ihrem Tod setzte ein schleichender Niedergang ein. Mit der Eroberung des westlichen Aargaus durch die Stadt Bern ging die Verbindung zum Stifterhaus verloren. Nach der Einführung der Reformation im Jahr 1528 wurde das Kloster aufgehoben. Der Gebäudekomplex erfuhr zahlreiche Umbauten und diente als Amtssitz der bernischen Landvögte des Amtes Königsfelden, ein Hofmeister übernahm die Verwaltung der ehemaligen Klostergüter. 1804 gelangte das ehemalige Kloster in den Besitz des im Jahr zuvor gegründeten Kantons Aargau, der hier 1868-1872 eine Heil- und Pflegeanstalt einrichtete. Dafür mussten weite Teile der Klosterbauten weichen.
Stapelbares Konzertgestühle
Quelle: Informationstafeln auf dem Areal und wiki.
Die Klosteranlage von Muri gehört, mit den Klöstern Königsfelden und Wettingen, zu den wichtigsten Kulturdenkmälern des Kantons Aargau. Die Gründung geht auf das Jahr 1027 zurück. Ita, Gräfin von Lothringen, Gattin des Grafen Radbot von Habsburg, stiftete ihre Morgengabe in Form von Grundbesitz zur Gründung des Klosters. Ein Sühneopfer, weil dieser Besitz unrechtmässig in die Hände der Habsburger gelangte, anders gesagt geklaut war. Benediktinermönche aus Einsiedeln besiedelten das Kloster. Während acht Jahrhunderten entwickelte sich die Benediktinerabtei zur heutigen Form und Grösse.
Das Herzstück des Klosters ist ein im Barockstil gebauter, oktogonaler Zentralbau aus dem 17. Jahrhundert, der der Kirche ihre einzigartige Ausstrahlung gibt. Dazu musste die aus dem 11. Jhdt. stammende romanische Basilika teilweise abgerissen werden. Querschiff, Chor und Krypta sind romanischen Ursprungs. Die weiss schimmernde Kuppelkirche, einer der grössten Kuppelzentralbauten der Schweiz, mit ihren ringsum begleitenden Nadelhelmen von Türmen und Dachreitern ist in der Hügellandschaft des Freiamtes weitherum sichtbar.
Eingangspartielinks Singisenflügel
Nach der Schlacht von Sempach im Jahr 1386 brandschatzten die Eidgenossen das Kloster; nach der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 übernahmen sie die Schutzherrschaft von den Habsburgern. Während der Reformation wurde das Kloster 1531 durch bernische, reformierte Truppen verwüstet. Die Bekanntschaft des damaligen Abtes mit dem Zürcher Reformator Heinrich Bullinger rettete das Kloster vor der Auflösung..
Unter der Führung von Abt Johann Jodok Singisen (1596–1644) erlebte das Kloster eine zweite Blütezeit. 1701 wurde die Abtei in den Rang einer Fürstabtei (mit Sitz unter den Reichsfürsten) erhoben. Damals galt Muri als das reichste Kloster der Schweiz. 1750 wurde die Klosterkirche mit Rokoko-Elementen ausgestattet. Die Zeit der Aufklärung überstand das Kloster unversehrt.
Nach der Ausrufung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurde das Kloster aufgehoben. Die Franzosen beschlagnahmten den Klosterschatz, entliessen die Untertanen in die Freiheit und verboten die Aufnahme neuer Novizen. 1803 erfolgte die Wiederherstellung des Klosters. Nach religiös motivierten Unruhen beschloss das Aargauer Kantonsparlament 1841 die Auflösung des Klosters. Ein Teil der Mönche zog nach Sarnen. Ein anderer Teil des Konvents liess sich 1845 in Gries bei Bozen/Südtirol nieder. Bekannt ist der dortige Ableger u.a. auch durch seine Weine, insbesondere den hervorragenden Lagrein, der von Kellermeister Bruder Christian Werth mit Traditionsbewusstsein und konsequentem Qualitätsdenken produziert wird. Moment, ich gehe gleich in den Keller. Seit 1961 leben wieder Benediktiner im Hospiz in Muri.
Probe zur Marienvesper von Claudio Monteverdi
Im Kreuzgang befindet sich die Habsburger-Gruft. Hier ruhen bzw. liegen die Herzen des letzten Kaiserpaars der österreichischen Monarchie, Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita von Bourbon-Parma und einiger weiterer Mitglieder der Habsburgerfamilie. Beeindruckender sind die bedeutenden Renaissance-Glasmalereien, die von geistlichen und weltlichen Würdenträgern, den sieben eidgenössischen Schirmorten, Städten und Privaten dem Kloster geschenkt wurden. 19 dreiteilige Masswerkfenster mit 57 Kabinettscheiben und Masswerkscheiben schmücken die drei Arme des Kreuzganges. Die meisten der Scheiben stammen von Carl von Aegeri (ca. 1510-1562) und Heinrich Leu, seinem ehemaligen Lehrling. Im Gewölbekeller sind die Gemälde des Alpenmalers Caspar Wolf (1735-1783), der aus Muri stammte, zu sehen.
Hoch über dem Baldeggersee liegt Schloss Heidegg in Gelfingen im Luzerner Seetal. 1185 wurde das Geschlecht der Herren von Heidegg erstmals urkundlich erwähnt. Als unfreie Beamten (Ministerialen) standen die Heidegger im Dienst der jeweiligen Landesherren, zuerst der Kyburger, dann der Habsburger. Der geäufnete Grundbesitz beschränkte sich auf die nähere Umgebung. Seit dem 13. Jhdt. wird am Burghügel Rebbau betrieben.
Im 14. Jahrhundert geriet die Heidegg in den Sog der nach Landesherrschaft strebenden Stadt Luzern. Dank dem zuvor erworbenen Luzerner Burgrecht entging Heidegg im Vorfeld des Sempacherkrieg (1386), im Gegensatz zu den umliegenden Burgen, der Zerstörung.
Ende des 15. Jhdt. ging der Besitz an Stadtluzerner Ratsfamilien. Während der Reformationswirren wurde das Wohngebäude (Palas) zum Artilleriefort ausgebaut. Die Aristokratenfamilie Pfyffer stockte im ausgehenden 17. Jahrhundert den Bau zum heutigen Schlossturm auf. Die finanziell überforderte Familie veräusserte den Sitz 1700 an Luzern, das ihn sanierte und fortan als Staatsdomäne verwaltete. 1848 verkaufte der Kanton nach dem verlorenen Sonderbundskrieg das Schloss an den Gelfinger Schlossbauern, der im Schloss eine Heidegger Eigengewächs-Wirtschaft eröffnete.
Sympathischer SchlosswächterBlick auf den Baldeggersee
1875 gelang dem begüterten luzernisch-amerikanischen Paar Pfyffer von Heidegg-Slidell der Rückkauf. Sie versahen das Äussere der Anlage mit burgenromantischem Dekor und machten 1912 das Schlossinnere wieder bewohnbar. 1950 schenkten die letzten Nachfahren das Schloss dem Kanton Luzern, der es öffentlich zugänglich machte.
RosengartenSüdfront
Der Anfangs der 1950er Jahre angelegte Rosengarten geht übrigens auf eine Anregung des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer zurück. Am Fuss des Rebhügels liegt der Weinbaubetrieb Schloss Heidegg. Der u.a. hier angebaute Zweigelt gedeiht hier in altem Habsburgerland ganz prächtig, wie ich anhand der gekauften Fläschchen eben herausgefunden habe.
Ende August war ich erneut zu Besuch in Luzern, am Gemüsekochkurs von Lucas Rosenblatt. Trotz schlechtem Wetter war der Markt brechend voll von Früchten und Gemüsen. Herrlich die Tomaten am Stand von Stefan Winiger, direkt neben dem Stadttheater. Rund 80 Sorten werden an diesem Stand im Verlauf der Saison angeboten. Eben gemachte Erkenntnis: die rote Farbe muss nicht viel Aroma bedeuten. Weisse Tomaten können noch tomatiger schmecken.
Bei meinem letzten Besuch in Luzern, am 25. September, war die Auswahl an Tomaten ,jahreszeitlich bedingt, nicht mehr ganz so gross. Hier ein paar Impressionen:
Tomaten, Tomaten, TomatenThai ZucchiniLilienKennst Du Premium, das Land, wo Eierschwämme blühen ?SalameDem Sonnenblumenöl entronnenvon den Berghängen des PilatusFarbig-Süsse Zusammenfassung aller Herbstfarben
Im Schaukasten des Kur- und Verkehrsvereins Pontresina entdeckte ich die Anzeige für einen Kochkurs. Kochkurs ? In den Ferien ? Muss nicht sein. Aber da es an diesem Tag trostlos regnete, durfte es sein. An den dafür vorgesehenen zwei Halbtagen war denn auch prompt schönstes Herbstwetter. So erhielt ich als Kochlaie einmal einen kleinen Einblick in das Treiben der grossen Hotelküche im Hotel Walter Pontresina. Full-house werden hier abends um die 170 Gedecke serviert. Nun ist eine Hotel-Pensionsküche nicht unbedingt das, was einen ambitionierten Freizeitkoch ins Schwärmen bringen würde. Dieses Hotel geniesst jedoch seit Jahren einen hervorragenden Ruf für ausgezeichnete Küche, dessen Gourmet-Restaurant La Stüva ist denn auch mit 15 Gault Millau Punkten bewertet. Sogar die deutsche Bundeskanzlerin, ihren Namen darf ich hier aus Diskretionsgründen nicht verraten, isst während ihrer Winterferien hier.
Blick in den Spiegel des Speisesaals der Pensionsgäste
Das erste, was mir auffiel, waren die Mengen, die hier verkocht werden. Stabmixer, Töpfe, alles ein paar Nummern grösser als bei mir zuhause.
der kleine Stabmixer
In 2, 3 Töpfen brodelt leise Hühnerbrühe oder der braune Saucenfond, das Gold der Küche, vor sich hin. Stundenlang.
Huhn in der Brühe, man beachte die Klarheit
Kochkurse sind hier nur während der ruhigen Mittagszeit und ausserhalb der Hochsaison möglich. Die Küche arbeitete deshalb auch nicht unter Vollbetrieb. Dennoch beeindruckte mich die konzentrierte, rasche Arbeitsweise aller Köche. (total 12 Köche, 2 Patissiers, 2 Casserolliers). Geschwindigkeit, aber keine Hektik. Klare Hierarchie, wenn der Chef etwas anordnet, wird das sofort ausgeführt. Jeder weiss, was er zu tun hat. Niemand schreit herum. Auffallend auch der Gemeinsinn, der in dieser Küche herrscht. Geht irgendwo mal etwas im Ofen oder auf dem Herd vergessen, wird das ohne Aufheben vom Nachbarkoch korrigiert.
Blick ins Zentrum der Küche
Die Küche im bergseitig gelegenen Parterre hat auf einer Seite Tageslicht, angrenzend an den Zentralteil arbeiten die vom Küchenchef hochgeschätzten Casseroliers, auf der andern Seite die Patissiers, die vierte, offene Seite ist der Pass, davor die nötigen Wärmelampen und Wasserbäder für das Anrichten. Enorm der Aufwand der getrieben wird, damit der Gast einen warmen Teller kriegt. Angrenzend an den Pass steht auf 3×3 m ein Riesenmonster von Geschirrwaschmaschine. Bei einem mehrgängigen Gourmetmenu kommen da mit allen Untertellern gut 15’000 Teller zusammen, die gereinigt werden müssen.
Rotkraut für die Wildbeilagepraktisch: das Bain-marie
Der Kochkurs war vom Typus Kochdemo mit vielen Tips und Erläuterungen, im Gegensatz zu den Rosenblatt-kursen, wo der Teilnehmer mehr zum selberkochen kommt. Beim Purten und Ausnehmen der moules waren hingegen alle Hände gefragt.
Kochkursteilnehmer an den Muscheln
Seit 20 Jahren steht die Küche unter der Leitung von Michael Freudrich, der auch alle Kochdemonstrationen persönlich durchführte. Das Anrichten erfolgte durch die Köche unter „Kontrolle“ durch die Kursteilnehmer. Serviert wurde im Gourmetrestaurant. Ich war und bin beeindruckt. Wenn ich wieder mal in Pontresina bin, will ich wieder dabei sein.
Thema des Kochkurses: Herbstliche Köstlichkeiten für sinnliche Stunden
Muscheln im Rieslingsud
Thailändische Kokos-Hühner-Crèmesuppe
Kalbsrücken mit Pfifferlingen und Kartoffel-Zucchini-Auflauf
Schokoladen-Ingwermousse mit flüssiger Schokolade
Die Rezepte sind zuhause sehr leicht nachkochbar, kein chichi, aber ausgezeichnet. Sie folgen in den nächsten Tagen.
Chefkoch Michael Freudrich auf der Kommandobrücke
Unzufrieden, weil heute kein Rezept dabei ist ?
Bitte. Hier das im Kurs offerierte Amuse-Gueule. Eine Graved Lachsrose mit Senfsauce und Melonenkugel:
Amuse Gueule
Senfsauce für Graved Lachs
Zutaten
für 1 Liter Sauce
280 g Senf, mild
75 g Eigelb, frisch, im Hotel wird pasteurisiertes Eigelb verwendet
80 g Zucker
290 g Rapsöl
140 g Weissweinessig
100 g Johannisbeergelee
50 g Dill frisch
Salz, weisser Pfeffer aus der Mühle
Zubereitung
(1) Senf, Eigelb (Raumtemperatur) und Zucker in einer Schüssel schaumig rühren.
(2) Rapsöl (Raumtemperatur) im feinen Faden mit dem Schwingbesen unter die Masse rühren.
(3) Johannisbeergelee erwärmen, mit dem Schwingbesen gut verrühren, dann mit dem Essig unter die Masse rühren.
(4) gehackten Dill zufügen und abschmecken.
Nie mehr…. werden wir volle 4 Wochen Ferien machen. Überquellender Briefkasten. Volle e-mail-boxen, worunter immer mehr höfliche Zuschriften, doch dieses Olivenöl, jenen Himbeersirup, den Schnaps der Schnäpse, das ganz spezielle Lammfleisch und weiss der Kukuck was alles in meinem Blog wohlwollend erwähnen zu wollen. Wer auf das no-ads-icon rechts oben klickt, weiss, wie ich es damit halte. Dank Kommentarsperre kein einziger Kommentar mehr… leider auch kaum mehr Leser/innnen, aber alles gleichzeitig kann man nicht haben. Und die Sperre ist ja nun vorbei 🙂 Dennoch, 4 Wochen (beinahe) ohne Telefon, Computer und soziale Netzwerke sind erholend, tun gut.
Doch alles schön der Reihe nach. Die Ferien waren wettermässig sehr durchzogen, viel Kälte, viel Regen, wenig Sonnenschein.
Malojersee benebelt
In Pontresina werden jedes Jahr mehr der gelben Hungertürme aufgestellt, mit denen arme Bergbauern ihre steinigen Böden beackern, um ihnen ein karges Zubrot abzutrotzen.
Hungertürme in Pontresina
Wir haben nette Ausflüge im Grenzland (klick) unternommen: neben dem Engadin haben wir uns im Valposchiavo, im Val Bregaglia, im Val Müstair, im Veltlin bewegt, sogar der jährliche Ausflug nach Bozen fand statt. Wie jedesmal sind wir mehr gefahren als gewandert.
Frau L. (klein) mit historischer Berninabahn (gross)
Hinzu kam ein Kochkurs in zwei Halbtagen, den ich kurzfristig bei Schlechtwetter in einem Grandhotel buchte, der dann, wie erwartet, bei schönstem Herbstwetter stattfand.
Kochkurs im Grandhotel
Nie mehr…. werde ich ohne Trüffelhobel im Herbst verreisen, einen Herbsttrüffel ohne Hobel mit einem Ferienwohnungsrüstmesser fein schneiden zu wollen, ist kein Schleck. Die damit bereiteten Trüffelnudeln hingegen schon.
Trüffel mit zweckentfremdeter Bürste
Nie mehr…. werde ich mit beinahe vollem Kofferraum in die Ferien verreisen, das war mir eine Gugelfuhr auf der Heimreise: der Tannenwald im Kleinformat, Platten und Plättchen, der neue Zeitmesser, die eingekauften Vorräte an Olivenöl, Wein und Mehlen (der €-Wechselkurs halt). Da war die von Frau L. eingekaufte, 17-te Salatschüssel der Tropfen, der, wenn schon nicht den See, dann doch den Kofferraum zum Überlaufen brachte.
Lago bianco auf der Bernina am Überlaufen
Damit gehts hier wieder regelmässig weiter, mit Rezepten aus dem Kochalltag, Rezepten aus dem Gemüsekurs von Lukas Rosenblatt, Rezepten aus dem Kochkurs im Grandhotel, mit Reiseberichten aus dem Grenzland, einem Fleisch und Wurstkurs, den ich eben bei Lucas besuchte. Das Leben hat mich wieder voll im Griff. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich zunächst noch kaum zum kommentieren komme. Etwa 1000 Einträge wollen rasch überblickt werden, der Garten muss noch eingewintert werden, diverse Reparaturen an Haus, Auto und Knochengestell stehen vor dem Winter noch an, die alle meine Zuwendung erfordern.
Ich freue mich auf euch, liebe Leser/innen, Schluss mit Ferien, endlich wieder zuhause.
Schloss Hallwyl. Vorne Verliesturm, hinten Palas und Archivturm
Unser erster Ausflug seit geraumer Zeit galt einer der schönsten Wasserburgen der Schweiz: Schloss Hallwyl. Die Herren von Hallwyl sind eine ursprünglich edelfreie Adelsfamilie, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts den Grafenhäusern von Lenzburg, nach deren Erlöschen Kyburg, später deren Rechtsnachfolgern, den Habsburgern als Ministeralen (Gutsverwalter) dienstbar war. Der Ursprung der Familie liegt im Seetal im heutigen Kanton Aargau. Sie nannten sich nach ihrem Stammsitz, dem Schloss Hallwyl in der Gemeinde Seengen.
Die Hallwyler standen nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 im Dienst und Burgerrecht der Stadt Bern.
winziger Ausschnitt aus dem Stammbaum
Ende 12. Jahrhundert erbauten die Herren von Hallwyl am Aabach, 700 Meter nördlich des Hallwilersees, einen Wohnturm mit trockenem Graben. Ab 1265 erweitert um den Palas.
Anfangs des 14. Jahrhunderts liess Johans I. von Hallwyl (1305–1348), der u.a. für die Habsburger als Landvogt das Elsass verwaltete, die bescheidene Turmburg zur befestigten Wasserburg ausbauen, die auf drei Seiten von einer Ringmauer, sowie allseitig von einem Wassergraben umgeben war.
Im Anschluss an die Brandschatzung der Burg durch die Berner wurde die Burg wieder auf- und ausgebaut; so erweiterte man 1420/25 den Palas auf der hinteren Insel nach Süden.
Um 1500 wurde die Ostseite militärisch befestigt.
Bezinnte Mauer, Verliesturm und Efeuturm
Stall und Scheune, OstseiteWohnhaus Ostseite mit Treppenturm
über den Bach in den Palasvom Palas auf Graben und Wohnhaus
Zwischen 1578 und 1590 wurde die Burg zu einem repräsentativen, spätgotischen Wohnschloss ausgebaut. bauen. Auf einer dritten Insel des Aabaches wurde eine Schlossmühle erbaut. Um 1800 musste der Bergfried bis auf das unterste Stockwerk wegen Baufälligkeit abgetragen werden.
Das Innere des Schlosses ist ziemlich leergeräumt und bietet Platz für die historische Ausstellungen des Museums.
Eingang zum KornhausKüche im vorderen SchlossGeschirrwaschmaschine Wohnraum im vorderen Schloss
Zwischen 1871 bis 1873 wurden einige Gebäude im Stil der Neugotik umgestaltet. Der Bauherr, Hans Theodor von Hallwyl (1835–1909) geriet darob in Konkurs und verkaufte das Schloss seinem Bruder Walther, damit es der Familie erhalten blieb. Lange blieb das Schloss ungenutzt, bis die schwedische Ehefrau Wilhelmina von Hallwyl, die Tochter eines Industriellen, ab 1010 eine umfassende Instandstellung in Auftrag gab. In den folgenden sechs Jahren wurde das Schloss in den mittelalterlichen Zustand zurückversetzt und die neugotischen Umbauten rückgängig gemacht. Was Wilhelmina an Gemälden, Porzellan, Silber, Waffen und Gebrauchsgegenständen zusammengetragen hatte, ist heute im Stockholmer Hallwylska Museum der Öffentlichkeit zugänglich.
Archivturm und VerliesturmHinteres Schloss
Nach dem Tode ihres Ehemannes rief Wilhelmina von Hallwyl 1925 die Hallwil-Stiftung ins Leben und machte das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich. 1994 ging das Schloss als Schenkung an den Kanton Aargau über, der zwischen 1997 und 2004 eine dringend notwendige Gesamtsanierung durchführte.
Wo waren wir letzte Woche sitzen geblieben ? Richtig, am Spalenberg, bei einem Glas Bier im Hofgarten des Löwenzorns. Auf gehts, den Spalenberg wieder hoch, an der Universität vorbei, den gelahrten Herrn des Bildhauers Alexander Zschokke freundlich zugeblinzelt, zum Petersplatz.
Skulptur Lehrer und SchülerHaus zum Graben
Die alten Bäume dieser Anlage spenden den im Sommer so begehrten Schatten. An heissen Tagen planschen die Kinder im Brunnen.
Petersplatz, BrunnenPetersplatz, Wildtsches Haus
Der Platz ist nicht immer so ruhig wie heute, Samstags findet hier der beliebte Flohmarkt statt.
Petersplatz, Wildtsches Haus, Flohmarkt
Weiter am Stachelschützenhaus vorbei, einem Gebäude, das lange dem Wehrsport diente. Der Rat Basels förderte im 15. und 16. Jhdt. die Schiessausbildung an der Armbrust, denn das Gerät war wirkungsvoll. Auch einfachen Soldaten gelang es damit, berittene Reiter auf Distanz abzuschiessen. Der Name Stachel stammt vom Spannbogen, der, anfänglich aus Holz gefertigt, in höher entwickelten Modellen aus Stahl gefertigt wurde. Das Spannen erforderte Kraft, das Schiessen nur eine ruhige Hand.
Weiter zum Spalentor, einem der schönsten Stadttore in der Schweiz. Früher war es in die äussere Stadtmauer integriert. Die Briefkästen mit dem Basler Dybli drauf wurden 1843/44 von Melchior Berri entworfen. Sie stellten damals in den Stadtquartieren den Anschluss ans Postnetz sicher und werden noch heute bedient.
Stachelschützenhaus, 1519/20Spalentor, 1398, FeldseiteBriefkasten am SpalentorSpalentor, Stadtseite
Genug auf dem Spalenberg herumgekraxelt. Wenige Meter Höhenunterschied bringen uns auf den Heuberg, am Spiesshof, dem schönsten Basler Renaissancebau vorbei bis zur Abzweigung auf den Gemsberg. Kurzes Meckern auf der Brunnensäule, dem ersten Brunnen Basels mit einer Gussplastik aus Eisen. Blick in die idyllische Wohnlage des unteren Heubergs und wieder am Löwenzorn vorbei zum Spalenberg.
SpiesshofSpiesshof, Tor 16. Jhdt.HeubergBrunnen am GemsbergDie Gemse, 1861, guckt auf ihren BergUnterer Heubergunterer Teil des GemsbergesKolonialwaren am Spalenberg
Oele, Suedfruechte, Zucker, der Tee, der Kaffee: vergangene Zeiten
Am Spalenberg ein kurzer Blick in den Spalenhof, einem auf romanischen Grundmauern gebauten Bau, der im Mittelalter im Besitz des Ritters Heinrich von Ramstein, später eines Bürgermeisters war. 1956 erwarb die Stadt Basel die Liegenschaft, die heute u.a. einem Kleintheater dient. Am Andreasplatz lockt der nächste Wirtshausgarten.
Justitia am Spalenhof, ca. 1565Andreasplatz mit Affenbrunnen
Von der Schneidergasse rasch wieder über die Mittlere Brücke, an der auf das nächste Schiff wartenden Dame Helvetia vorbei.
Frau Helvetia mit gepacktem Köfferchen
Ab ins heimische Klingental, einem ehemaligen Frauenkloster. Allwo Frau L. mit dem Nachmittagstee hinter einem der Dachfensterchen auf mich wartet. Basel hat übrigens noch viele Berge.
Kloster Klingental, Wandbild Webergasseim heimischen Klingental
Basel, obwohl recht flach, ist voller Berge, Hügel, Berge. Wenn ich schon nicht zum Ausreisen in die hehre Alpenwelt komme, könnte ich euch doch auf eine Wanderung auf die Basler Berge mitnehmen. Ganz ohne alpine Ausrüstung, nicht mal Wanderschuhe braucht ihr. Die Wanderung beginnt auf 220 m Meereshöhe. Am Rhein.
Basler Dybli vor dem Hotel des trois RoisBrunnen am Petersberg, Petersgasse
Für die ersten 15 Meter Höhenunterschied benutzen wir die Spiegelhofbergbahn, ein versteckter Lift, der uns auf halber, aber immer noch schwindelerregender Höhe des Petersberges entlädt. Schöne Häuser in dünner Bergluft. Der Flachsländerhof war seit 1460 im Besitz des Ritters und Bürgermeisters Hans von Flachsland, in dessen Familie der Hof über 300 Jahre lang blieb.
Eingang zum FlachsländerhofGoldgelockte Weiber am Pfaffenhof Nr. 44Ecke PeterskirchplatzPetersgasse Blick auf Peterskirche
Östlich der Petersgasse trifft man unvermittelt auf einen Zeugen der Telekommunikation aus dem 19. Jhdt. Das Uhrenhäuslein. Darin war die Mutter aller Basler Uhren installiert, diese gab über 24 Drähte ihres Mastes den Zeitimpuls an die andern öffentlichen Uhren weiter. Heute hat der Turm mit seinen Isolatoren keine Funktion mehr.
Vom Petersberg setzt sich die Strasse auf gleicher Höhe fort zum Nadelberg, links ein schmaler Durchblick in die schauerliche Tiefe des Imbergässleins, rechterhand erfreut das Auge das Schöne Haus. Sitz reicher Kaufleute, das Haupthaus im Hof um 1271 erbaut für den Krämer Conrad Ludwig mit kostbaren Deckenmalereien aus dem 13. Jhrdt. Nach verschiedenen Anbauten und Umgestaltungen im Verlauf der Jahrhunderte ist es seit 1968 Seminargebäude der Uni Basel. Weiter am Nadelberg 29 ein Nischenbrunnen aus dem Jahre 1831.
TelekommunikationstowerImbergässli Richtung RathausturmTreppenturm Schönes Haus Nadelberg 6Nischenbrunnen
Danach setzt sich der Nadelberg fort bis zur Einmündung in den Spalenberg, wo der Blick auf eine allerliebste Fassadenmalerei trifft:
Haus zum Kirschbaum
Wenige Schritte den Spalenberg hinunter, kostbare Höhenmeter preisgebend, dann rechts wieder Richtung Gemsberg hinauf, hinein in den Hofgarten des Restaurants Löwenzorn, die wohlverdiente Zwischenstärkung auf der Bergwanderung. Der Garten ist übrigens schon lange nicht mehr das, was er einmal war.
Sobald das Bier ausgetrunken ist, gehts weiter, auf den Gemsberg und Heuberg. Nächsten Sonntag.
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