

Heute ist Weinrallye, der Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Heutiges Thema: Tipps vom Weinhändler. Der event ausgerichtet von gotorio
Tipps vom Weinhändler ? Der Titel reizt mich zum Lachen. Er weckt in mir die Erinnerung an einen Besuch bei einem bekannten Schweizer Weinhändler vor etwa 30 Jahren. Der Weinhändler, ein distinguierter Herr, empfing mich auf Voranmeldung in seinem Weinkontor, an seinem Direktionspult sitzend. Ich störte ihn sichtlich an der Vorbereitung der Neuausgabe seines jährlich erscheinenden, kunstledergebundenen Weinkataloges. Unwillig gab er mir Auskunft. Gewährte mir aber dennoch die Gnade, meine lächerlichen vier Dutzend Flaschen als Bestellung zu notieren.
Nun gibt es allein in der Schweiz gegen 2500 registrierte Weinhändler, aber ich kenne inzwischen keinen einzigen mehr. Gehe ich in ein Weinfachgeschäft, werde ich zumeist von unerfahrenen Angestellten bedient, die mir bestenfalls die Ohren voll schwafeln mit Weinbeschreibungen, die sie kurz zuvor auf der rückseitigen Etikette abgelesen haben. Weinhändler ? Habe ich in den Weinfachgeschäften meines Umfeldes kaum mehr gesehen. Die glänzen durch Abwesenheit. Zählen ihr Geld, leben auf ihrem Weingut in Südfrankreich oder kämpfen anderwso ums überleben. Längst ist der Boom im Weinmarkt vorbei, der Absatz stockt, schwer lasten die überteuerten Weine der letzten Jahrgänge in den Kellern. Ich weiss, ich übertreibe etwas, irgendwo wird es ihn noch geben, den engagierten, sachkundigen Weinhändler, der aus Lust und Freude am Wein sein Geschäft im Alleingang betreibt. Doch wo ?
Im Ernst, postmailings und das Internet sind erfunden, ich kriege mein Informationen seit Jahren von ein paar wenigen, ausgesuchten Unternehmen, die meine bevorzugten Weine im Sortiment führen. Durch die langjährigen Beziehungen mit meinen Lieferanten weiss ich, zu welchem Stellenwert ich die Anpreisungen meiner Weinhändler einschätzen muss. Spricht mich eines der Angebote an, bestelle ich eine Kleinmenge, meist 3-6 Flaschen. Diesen Wein degustiere ich zuhause in aller Ruhe, zu verschiedenen Gelegenheiten. Niemand sitzt mir im Genick, niemand schwätzt mir den Kopf voll mit überflüssigen Fachtermini. Nach spätestens der zweiten, dritten Flasche innerhalb ebensovieler Wochen, weiss ich woran ich mit dem Wein bin. Klar, dass ich mit diesem Selektionsverfahren auch Einkäufe tätige, die mir letztlich weniger zusagen oder schlimmer, dass ein Wein bis dahin ausverkauft ist. Mein Risiko.
Als Beispiel meiner Selektion nehme ich ein Angebot eines der heute grösseren Schweizer Händler, Gerstl Weinselektionen. Als ich meine ersten Bestellungen aufgab, war das ein kleiner 2-4 Personenbetrieb, heute gehört er unter die Fittiche der Badaracco S.A. Diese hat sich mit dem weltweiten Handel gelagerter Spitzenweine einen Namen gemacht, gehört ihrerseits seit 2001 der in Hong Kong basierten A.S. Watson’s, einem von Fruchttsaft über Beauty bis Elektronik tätigen, chinesischen (!) Mischkonzern. Gewiss nicht zu meiner Freude, aber so stehen die Dinge.
Der im Angebot aufgeführte 2007 Peissy blanc, Peissy AOC (gelegen im Genfer Hinterland) hat mich interessiert. Über den Winzer Jean-Pierre Pellegrin und seine Domaine Grand‘ Cour habe ich andernorts schon mehrfach lobende Rezensionen gelesen.
Der Wein ist eine Assemblage aus:
Pinot Auxerrois 45%, Pinot blanc 45% und Pinot gris 10%
Im Prospekt wird er beschrieben mit:
Zartduftende Aromatik, weisse Blüten, ein Hauch von exotischer Frucht, verführerisch. Sehr milder Auftakt, ganz klar, wenig Säure, dafür sehr rund und harmonisch, ein absoluter Schmeichler im Gaumen, anregende Aromatik, feinster Wein. 16/20
Dem habe ich nichts beizufügen, abgesehen davon, dass ich nicht weiss, wie sich der Geruch von weissen und farbigen Blüten unterscheidet, war das eine sachliche Information. Mehr will ich nicht von meinem Weinhändler.
Zum Wein habe ich heute ein leichtes, kaltes Gericht zubereitet: Panzanella 2009, Toskanischer Brotsalat.
