Alle Beiträge von lamiacucina

Chemie-Ingenieur. Passionierter Koch-Dilettant. Mediterrane Küche, Molekulargastronomie.

Tätowiert

tätowiert
tätowiert

Nein, ich habe meinen Bauch nicht tätowieren lassen. Das ist eine Melone mit eingebrannter Nummer. Damit kann man über Internet die Sorte, den Erntezeitpunkt, das Erntefeld und den Zuckergehalt genau dieser Melone rückverfolgen. Die Melone war mit 15.93 Brix (nicht-invasiv gemessen) recht süss, aber etwas weniger aromatisch, als eine gleichzeitig gekaufte, 3x billigere Aktionsmelone. Lange ist sie unterwegs gewesen oder beim Händler gelegen. Sehr lange. Nun ist sie gegessen und ich bitte den Hersteller, meine Verzehrszeitmeldung 2008:08:02 12:55:00 in der Datenbank nachzutragen. Und danach die Daten der Melone, meiner Melone, aus Datenschutzgründen wieder zu löschen. Geht niemanden was an, was ich so esse. Schon gar nicht die Nachwelt.

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I-23017 Morbegno: Gourmetparadies F.lli. Ciapponi

F.lli Ciapponi
Morbegno: F.lli Ciapponi

Morbegno liegt an der SS38 zwischen Colico und Sondrio. Wer durchs Veltlin fährt, muss hier durch. Die Aussenquartiere trostlos, bislang kein Anreiz, ins centro storico vorzudringen. Wäre da nicht das Gourmetparadies der Fratelli Ciapponi, mitten in der Altstadt. Erstmals sind wir hieher gekommen. Und welche Überraschung. Die Altstadt pittoresk, eng, etwas verlottert. Die Gebrüder Ciapponi betreiben in dem alten, verwinkelten Haus ein 1883 gegründetes Handelsgeschäft mit den guten Erzeugnissen des Veltlins: Käse, Wein, Spezereien, Delikatessen, Grappe, Salumi.

Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden
Hier scheint noch in Lire gerechnet zu werden

Die Einrichtung stammt noch aus den Gründerjahren, nichts wurde weggeworfen, alte Registrierkassen, Waagen, Berkel-Aufschnittmaschinen und Behältnisse bilden einen fast musealen Rahmen für die angebotenen Waren. Als ob hier die Zeit stehengeblieben wäre.

Hochregallager
Hochregallager
manual computing
manual computing

Die alten Gebrüder laden einen herzlich ein, die Gewölbekeller, Kammern und Winkel des Hauses frei zu durchstöbern und gucken derweil im Kontor auf den Bildschirm der Telekamera. Die aktuellen Registrierkassen sind topmodern. Die Zeit also doch nicht stehengeblieben. Die Waren sind thematisch gruppiert im Haus (Parterre und zwei Untergeschosse) verteilt. Bekannt ist der Laden vor allem durch die vorzüglichen Veltlinerkäse. Im Herbst kaufen sich die Ciapponis direkt ab Alp die besten Laibe und affinieren sie in den eigenen Kellern. Bittokäse wird während der Alpsömmerung vom 1. Juni bis 30. September aus Rohmilch über offenem Holzfeuer in Messingkesseln hergestellt. Er lagert hier bis zu 10 Jahren.

Casera, Bitto & Co
Casera, Bitto & Co
Die Kleinen
Die Kleinen

Wie die Bilder aus den Weinkellern zeigen, lagert hier alles, was in Italien und im Veltlin Rang und Namen hat. In den verstaubten Winkeln warten vergessene Flaschen darauf, gehoben zu werden. Oder wurden sie absichtlich verstaubt und hingelegt ?

Im tiefen Keller
Im tiefen Keller
Gaja & Co.
Gaja & Co.

Öl, Essige, Konserven, Spezereien locken. Nur eines blieb mir bis heute ein Rätsel. Etwa ein Dutzend auf der Ladentheke aufgeschichtete Dosen mit der Aufschrift „Cloppenburger Bockwurst„. Habe ich da etwas verpasst ?

Feinwaage für Safranfäden
Feinwaage für Safranfäden
Konservatorium für Konserven
Konservatorium für Konserven

Ein, zwei Stündchen kann man in diesem Laden problemlos verbringen. An den Samstagen weniger empfehlenswert, wenn sich Carladungen von Touristen in den Gewölben tummeln. Lohnenswert ein Gang durch die pittoreske Altstadt, der Atmosphäre wegen.

Morbegno Altstadt
Morbegno Altstadt
Idylle
Morbegno: Idylle

Zwei Kirchen, die ältere S. Antonio und S. Giovanni Battista mit einer theatralischen Barockfassade. Den Palazzo Malacrida sparen wir uns auf nächstes Jahr. Wie der Löwe von San Marco sieht mein Brunnentiger ja nicht gerade aus, obwohl das Gebiet südlich von Morbegno im 16/17. Jhdt. direkt an venezianisches Hoheitsgebiet grenzte. Wasser oder Wein spendete er auch nicht, so gabs den espresso im Caffè gegenüber dem theatrum sacrum.

S. Giovanni Battista
S. Giovanni Battista
secco
Ecco il leone: secco

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Crostini ai finferli

Crostini ai finferli
Crostini ai finferli

Aus den für die Polenta taragna nicht gebrauchten Eierschwämmchen gabs tags darauf Croutons an einer Rahmsauce als Vorspeise. Es hätten ruhig noch etwas mehr sein dürfen. Die Pilzchen erscheinen auf italienischen Speisekarten auch als cantarelli oder gallinacci. Ich hätte sie auch nur sautieren können, wie Ursula von kochfun. Aber auf dem gerösteten Brot macht sich die kräftige Sauce gut.

Zutaten
für etwa 6 crostini:
300 g Eierschwämme
1 Schalotte
1 junger Knoblauch
2 Zweiglein Thymian
40 ml konzentrierter Kalbsfond (meiner)
1 dl Weisswein (Chablis)
1 dl Rahm
natives Olivenöl
glatte Petersilie
Salz, Pfeffer

1 Baguette

Zubereitung
(1) Die Pilze putzen, grössere klein schneiden. In einer Bratpfanne die feingeschnittene Schalotte und den Knoblauch in 2 Elf. Olivenöl andünsten, die Pilze und die abgezupften Thymianblättchen zugeben, mitdünsten, dann mit Weisswein und dem Kalbsfond ablöschen, kräftig reduzieren, Rahm zugeben, nochmals etwas reduzieren, zuletzt die geschnittene Petersilie einrühren. Würzen mit Salz und Pfeffer.
(2) Baguettescheiben leicht antoasten, auf gut vorgewärmte Teller legen und die Rahmpilze darauf verteilen.

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Polenta Taragna con ragù di finferli

Polenta Taragna
Polenta Taragna

Die Alpentäler der Bergamasker und Brescianer Alpen sowie des Veltlins sind die Heimat der polenta taragna (schwarze Käsepolenta). Zubereitet wird sie mit einer Mischung aus Bramata-Mais und Buchweizen, dem lokal verfügbaren Käse, Butter, Wasser oder Milch. Sie wird lange mit einem Stock gerührt (tarare=vermengen) was den Namen erklärt. Das Gericht ist ein fester Bestandteil der Veltlinerküche, die bis heute die Merkmale jener Armut bewahrt, von der sie geprägt wurde. Ich habe versucht, meine Polenta gegenüber den Originalrezepten etwas weniger asketisch zu kochen. Dennoch brauchts noch was dazu: ein Eierschwamm-ragout. 500 g im Angebot für etwa 6 Euronen. Da musste ich zugreifen.

Zutaten
Hauptmahlzeit für 3 Personen
70 g Butter
100 g weisse Zwiebeln, fein geschnitten
250 g Polenta Taragna Gries (kann man sich fertig kaufen, ich habe meins aus gleichen Teilen gelbem Bramatamais und Buchweizenmehl gemischt, in lokalen Rezepten überwiegt meist der Buchweizenanteil)
ca. 5 dl leichte Gemüsebrühe (Lorbeer, Thymian und Petersilienstiele mitkochen lassen)
ca. 5 dl Wasser
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
100 g Bittokäse, der im Kühlschrank nach Verbrauch ruft. Den gibts nördlich der Alpen nicht, dann halt andern Alpkäse oder jungen Parmesan verwenden.

Finferli Cantarelli Eierschwämme
Finferli Cantarelli Eierschwämme

für das Eierschwammragout (Pfifferlinge):
200 g Eierschwämme
1 Schalotte
1 junger Knoblauch
80 ml konzentrierter Kalbsfond (meiner)
2 dl Weisswein (Chablis)
1 Elf. Maizena express braun
30 g Butter
natives Olivenöl
glatte Petersilie
Salz, Pfeffer

Zubereitung
(1) Zwiebeln schneiden und in der Butter farblos andünsten, das Polentamehl hineinrieseln lassen und kurz mitbraten bis es gut duftet. Wie Risotto. Ungewohnt, ich weiss.
(2) Gemüsebrühe in Portionen zugeben, rühren, die Knollen werden verschwinden, würzen und alles etwa 60 Minuten auf kleinstem Feuer unter häufigem Umrühren garen. Sie brennt leicht an. Die Polenta soll dickflüssig sein, von Zeit zu Zeit Wasser einrühren.
(3) Den Käse in kleine Würfelchen schneiden und unterziehen. Nachwürzen.

Brei, einfach Brei
Brei, einfach Brei
Ragu einkochen
Ragu einkochen

für das Eierschwammragout:
(4) Die Pilze putzen, grössere klein schneiden. In einer Bratpfanne die feingeschnittene Zwiebel und den Knoblauch in 2 Elf. Olivenöl andünsten, die Pilze zugeben, mitdünsten, dann mit Weisswein und dem Kalbsfond ablöschen, kräftig reduzieren, mit Maizena express leicht andicken, zuletzt etwas kalte Butter und geschnittene Petersilie einrühren. Würzen mit Salz und Pfeffer.

Anrichten
Polenta in tiefe Suppenteller geben, Pilzragout drauf und mit geschnittener Petersilie überstreuen.

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Remake: Gemüseterrine

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Gemüseterrine

Nachkochen lohnt sich. Die gute Gemüseterrine, die wir bei fast jedem Besuch bei den Sicher-Schwestern (14 GM-punkte) essen und die ich freihand nachgekocht habe, hat Folgen gezeitigt. Grete Sicher war über meinen Nachkochversuch so erfreut, dass sie mir gleich ihr Originalrezept geschenkt hat. Anstelle der winzigen Dreiecksform mache ich sie nun gleich in der 1 Liter U-Form. Ganz nahe am Original. Gleichviel Arbeit, doppelter Genuss. Schade, dass ich wegen Hitze unkonzentriert bei der Sache war. So schludrig darf das Gemüse nicht geschnitten und eingefüllt werden. Aber es war nur eine Hauptprobe. Das soll meine künftige Staatsterrine geben. Für allfällige Staatsbesuche, wenn denn welche kommen sollten.

Zutaten
2 rote, 2 gelbe Paprika mit dem Sparschäler enthäutet (ich hatte leider orange und rot eingekauft, die sich farblich kaum unterscheiden)
1 mittlerer Lauch. Anstelle von Lauch nimmt Grete Sicher blanchierte, gut abgetrockneten Lattichblätter zum Auskleiden der Terrine. Aber ich spalte fürs Leben gerne Lauch.
1 mittelgrosser Broccoli, 1 Karotte, 1 kleines Stück Knollensellerie.

für die Royale:
2 dl Halbrahm
1 dl Milch
3 ganze Eier (62g)
Pfeffer, Salz, Muskatnuss, Koriander gemahlen, 1/2 Elf. Zitronenabrieb. Kräftig würzen.

für die Schnittlauchsauce:
100 g saurer Halbrahm oder halbfetter Quark
1 Bund Schnittlauch
Salz, Pfeffer, Zitronenabrieb

Terrine beim Befüllen
Terrine beim Befüllen
Terrine Schnittbild
Terrine Schnittbild

Zubereitung
(1) Terrinenform (Staedter Dreieck, U, 1 Liter) mit [Erg. 06.2024: hitzebeständiger] Küchenfolie ausschlagen.
(2) Lauch (vom grünen Teil) in ca. 20 cm lange Blattstücke schneiden, ca. 3 Minuten in siedendem Salzwasser blanchieren, in kaltem Wasser abschrecken. Dicke Blätter mit einem dünnen Messer in zwei Schichten spalten, die nur noch halb so dünn wie das originale Blatt sind. Das geht oft auch durch Gegeneinanderreiben zwischen den Fingern. Blätter mit Küchenpapier gut trocknen.
(3) Die Terrine quer zur Länge mit den geteilten Lauchblättern belegen.
(4) Die Peperoni den Einbuchtungen entlang aufschneiden und mit einem geeigneten Sparschäler enthäuten. Die Stücke ca. 4-5 Minuten in siedendem Salzwasser blanchieren. Abschrecken in kaltem Wasser. Stücke mit Küchenpapier gut trocknen, dann in etwa 7-10 mm breite, möglichst lange Streifen schneiden. Beiseite legen.
(5) Broccoli in Salzwasser unter Zugabe einer Msp. Backpulver kurz blanchieren. Abschrecken in kaltem Wasser. Röschen auslösen. Sonstige Gemüse im Dampfsieb sehr knackig garen, dann soweit erforderlich in 1 cm Stäbchen schneiden.
(6) Royale zubereiten: Ei mit [korr. 11.10: Milch und] dem Halbrahm gut verkleppern und kräftig würzen.
(7) Lauchbelegte Form mit der Royale einpinseln. Dann zuerst die Wandung mit den Peperonistreifen dicht an dicht belegen (Farben abwechseln). Das Innere der Terrine mit dem restlichen Gemüse.
(8 ) Die gemüsegefüllte Terrine mit der Royale ausgiessen, die Form kräftig auf den Tisch schlagen, damit die Zwischenräume ausgefüllt werden. Zuoberst eine Schicht aus Peperoni legen, dann die Lauchstreifen überklappen, zuletzt die Küchenfolie überziehen und die Form mit dem Deckel zudecken.
(9) Terrine 1 Stunde in einem Wasserbad im Ofen bei 160°C garen. Wassertemperatur mind. 90-95°C. Badhöhe 3/4 der Terrinnenhöhe.
(10) Terrine herausnehmen, erkalten lassen und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Anrichten mit der Schnittlauchsauce.

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Partyfilet BB

Partyfilet einsatzbereit
Partyfilet einsatzbereit

Partyfilet. Mein Beitrag zum Kochtopfevent „Sentimental yourney – Essen angestaubt, diesmal von Jutta betreut. Schweinsfiletmedaillons mit einer Ketchup-Schlagrahmsauce und viel Staub drauf. Ein Schweizer Klassiker aus den siebziger Jahren. Erfunden von Brigitte-Betty-Bossy (BB)

Blog-Event XXXVII - Sentimental journey - Essen angestaubt

Die fiktive Dame BB (Betty Bossy), nicht zu verwechseln mit der realen Dame BB (Brigitte Bardot), wurde in den fünfziger Jahren als Werbevehikel für einen Speisefetthersteller kreiert. 1956 erschien ihr Ratgeber erstmals, vierteljährlich, zwei Seiten, zunehmend gewichtiger, dann ergänzt um eine Kochbuchreihe. Ende 80er Jahre waren Kochzeitschrift und Bücher endgültig etabliert. Zeitschrift und Bücher mit einer Auflage von je 1 Mio. jährlich. Die Rezepte nach einfachem Schnittmuster, unkompliziert, wenig Zutaten, gelingssicher, mehrheitsfähig. Hinzu kamen eine Kochschule und ein Küchengeräteversand für nütze und mehrheitlich unnütze Küchengadgets. Eine oder zwei Generationen Schweizerinnen haben mit BB kochen gelernt. Eine oder zwei Generationen Schweizer hätten lieber bei der andern BB kochen gelernt. Daran vermochte auch das unlängst nachgeschobene Männer(koch)magazin „Bossy“ nichts zu ändern. Eingestellt. Aus.

Partyfilet auf dem Teller
Partyfilet auf dem Teller

Das Rezept, 1977 erstmals veröffentlicht, verbreitete sich damals pandemisch über die Schweiz. Auch die lamiacucina GmbH war zeitweilig vom Virus befallen. Metzger waren an Wochenenden in Schweinefilet meist ausverkauft. Gäste konnten sich das Ergriffensein nicht verkneifen, wenn ihnen an jeder Einladung, toll !… nein…. nicht schon wieder… Partyfilet vorgesetzt wurde. Das Büchlein mit dem legendären Partyfilet ist längst vergriffen, doch wurde das Rezept 2006 in die Jubiläumsausgabe der erfolgreichsten Rezepte übernommen. Die 2006-Ausgabe verschweigt aber die im Original vorgeschriebene Streuwürze. Habs schon gemerkt. Nicht mit mir. Bei BB will ich das Original.
Seit das Unternehmen Betty-Bossy in einem joint-venture zwischen einem mächtigen Verlagshaus und einem mächtigen Detailhandelsriesen aufging, haben Inhalt und Qualität der Kochzeitschrift stark nachgelassen. Dem Versuch des Detailhandelsriesen, mit einer convenience-version an den Erfolg des Partyfilets anzuknüpfen, war vermutlich kein grosser Erfolg beschieden. Das Produkt ist wieder aus den Gestellen verschwunden. Staub auf Gerichten lässt sich nicht so einfach wegblasen.

Zutaten
für 4 Personen, keine üppige Party, ich weiss, wir besitzen nur 4 Stühle und ich hab sowieso nur die Hälfte gemacht
ca. 500-600 g Schweinsfilet in 12 gleichmässige Medaillons geschnitten
1/2 Tlf. Paprika
1/2 Tlf. Streuwürze (Salz), wenig Pfeffer
12 Tranchen Frühstücksspeck

für die Sauce:
2 dl Rahm (Sahne) steif geschlagen
1-2 Elf. Ketchup
1 Elf. Cognac
wenig Pfeffer

Zubereitung
(1) Die Medaillons beidseitig mit Paprika, Streuwürze und Pfeffer würzen, mit je einer Tranche Frühstücksspeck umwickeln und die Medaillons nebeneinander in eine gefettete, ofenfeste Form von ca. 2 Litern Inhalt stellen.
(2) Im auf 220°C gut vorgeheizten Ofen (Rille 2, Ober-/Unterhitze) etwa 25 Minuten anbraten lassen. (Anmerkung lamiacucina: Auf diese Weise kann man natürlich kein Fleisch anbraten, das Fleisch zieht schnell Saft und dünstet darin, egal, ich halte mich stur an das Rezept)
(3) Die Zutaten für die Ketchup-Chantilly verrühren und beim Anrichten auf das Fleisch verteilen.

Servieren mit Trockenreis. Und weil das Partyfilet dem Gastgeber viel freie Zeit lässt, aber keine Gäste da waren, habe ich dazu noch ein paar kleine Tomätchen serviert, Deckel aufgeschlitzt, etwas HdP (meine erbe mediterranee) und Salz rein und in einer mit Olivenöl gefetteten Porzellanform 10 Minuten im Ofen beim Fleisch mitgaren lassen. Ferner noch etwas nacktes Fenchelsauerkraut nach dem Rezept von Tanja Grandits, gesehen in tomatenverhüllter Form bei chili und ciabatta:

Fenchel am Dünsten
Fenchel am Dünsten
Nacktes Fenchelsauerkraut
Nacktes Fenchelsauerkraut

Nacktes Fenchelsauerkraut
Zutaten
Mengen für 4 Personen als Beilage

2 Fenchelknollen, geputzt, Strunk herausgeschnitten
2 Essl. Olivenöl
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
Koriander; frisch gemahlen
Kreuzkümmel; frisch gemahlen
1 Lorbeerblatt
2 Wacholderbeeren
4 Essl. Zitronensaft (40 ml)
150 ml Gemüsefond
von mir:  zusätzlich wenig Zitronenabrieb

Zubereitung
Fenchel halbieren und 2 mm fein hobeln. Das Olivenöl in einem weiten Topf erhitzen, den Fenchel mit Zwiebel, Knoblauch und den Gewürzen dazugeben und kurz andünsten. Mit dem Zitronensaft und dem Gemüsefond ablöschen und rund 20 Minuten weich köcheln. Abschmecken.

Anmerkung
Ich hab schon schlechter gegessen. Das Fenchelsauerkraut schmeckt auch unverhüllt unverschämt gut. Speziell zu dem Schweinefleisch. Die Tomätchen sehr gut. Das Fleisch erwartungsgemäss trocken, schade darum. Die Ketchup-Chantilly kühl und tödlich langweilig.

Gäste sind des SchafesSchweines Tod. Arabisches Sprichwort.

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Fromme Reben

Sant' Antonio im hohen Gras
Teglio: Sant' Antonio im hohen Gras

Von Bianzone führt uns eine enge direttissima auf verschlungenen, schattigen Wegen durch Kastanienhaine direkt nach Teglio. Wir haben die Reise dreimal gemacht, im Regen und im Sonnenschein. Das erklärt die Lichtwechsel der Fotos. Die Pfarrkirche Sant’Eufemia in Teglio hat einen prachtvollen Portalbogen. Das Innere mit Fresken, die von der Romanik bis ins Barock reichen. Der Ort mit rund 5000 Einwohnern hat im Zentrum und in den umliegenden Weilern 16 Kirchen zu bieten. Erbe der tiefverwurzelten Religiosität der Veltliner. Die kann man nicht einfach per Dekret aus der Welt schaffen. Das hatten die protestantischen Bündner Glaubenseiferer in der Zeit der Reformation nicht begriffen.

Portal zur Kirche Sant'Eufemia
Teglio: Portal zur Kirche Sant'Eufemia
Fresken gegenüber Sant'Eufemia
Teglio: Weltliches Portal
San Pietro
Teglio: San Pietro
San Martino
Teglio: San Martino

Weiter über die Panoramica-strasse nach Tresivio. Während der Herrschaft der Mailänder Visconti und Sforza (1325 bis 1500) war Tresivio der Hauptort des Tales und eine bedeutende Pfarrei. Mit der Einnahme durch die Bündner 1512 wurde die Verwaltung nach Sondrio verlegt. Die gewaltige Kirche ist weitherum im Tale zu sehen. Beeindruckend die vielen terrassierten, steilen Rebhänge in der Weinbauzone Grumello. Das Veltlin weist eine durchschnittliche Sonnenscheindauer von ca. 1900 Stunden pro Jahr aus, deshalb gedeihen hier nicht nur Reben, sogar Zitrusfrüchte sind neben Kernobst anzutreffen.

Steile Rebhänge im Grumello
Steile Rebhänge im Grumello
Santa Casa
Tresivio: Santa Casa

Oberhalb der Steillagen der Zone Inferno fahren wir über Poggiridenti in die Weinbauzone Sassella zur Madonna del Sassella, eine aus dem Beginn des 16. Jhdt. stammende Kirche. Rundum Reben. Schön. Hier ruhen die Gebeine von Nicolò Rusca, dessen führende Rolle in der Gegenreformation durch die Bündner Behörden grausam bestraft wurde. Weniger schön. Dessen Tod war eine der Ursachen für den Veltliner Mord, der 600 Protestanten das Leben kostete und die weitere Ausbreitung der Reformation im Veltlin zum Erliegen brachte.

S. Fedele in den Reben
Poggiridenti: S. Fedele in den Reben
Madonna della Sassella
Madonna della Sassella

Mittagessen in Sondrio, im Ristorante Sale e Pepe, das Montags geöffnet hat. Gut waren die Ricottaravioli, hingegen war die Vorspeise, gebackene Zucchiniblüten mit Sardellenfüllung zu schwer. Die Piazza Garibaldi immer noch eine riesige Baustelle. Ein Spaziergang in der Altstadt von Sondrio, dann Schluss mit Kultur und ab ins Schlemmerparadies nach Morbegno. Demnächst.

Ristorante Sale e Pepe
Sondrio: Ristorante Sale e Pepe
Ricottaravioli mit Tomaten
Ricottaravioli mit Tomaten

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Noterbssuppe mit Minze

Erbsgrüner Tümpel mit abendlichen Gewitterwolken
Erbsgrüner Tümpel mit abendlichen Gewitterwolken

Auf dem Einkaufszettel waren Tiefkühlerbsen vermerkt. Eingekauft, in der Kühltasche nach Hause getragen, und in der Schuhkammer bei 28°C stehen gelassen. Gegen meinen Willen aufgetaut. Am Abend gabs frische Erbsensuppe mit Pfefferminz parfumiert. Gut zur Erbsenvernichtung. Unwirksam bei Zerstreutheit. Für weitere Experimente fehlte mir die Energie. Nicht mal in die Suppe hats geregnet.

Zutaten
500 g Tiefkühlerbsen, wider Willen aufgetaut
1 Schalotte
20 g Butter
7 dl Gemüsebrühe
2 Elf. Rahm
4-6 frische Pfefferminzblätter
Salz, Cayenne, Zucker

Zubereitung
(1) Erbsen auf einem Sieb kurz unter fliessendem Wasser abspülen
(2) fein gewürfelte Schalotte in aufschäumender Butter goldgelb anziehen, Erbsen zufügen, mit einer Spur Zucker überziehen dann mit Gemüsebrühe auffüllen, bis die Erbsen bedeckt sind. Zugedeckt auf kleinem Feuer köcheln lassen.
(3) Erbsen anschliessend im Mixer feinpurieren und durch ein Sieb streichen.
(4) Die Suppe mit der restlichen Brühe verlängern, Rahm und chiffonierte Minzenblätter zufügen, kurz aufkochen und mit Salz, Cayenne und Piment d’Espelette würzen.

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Kulinarisches Gruselkabinett (18)

Gruselkabinett (18)
Gruselkabinett (18)

 

Aachen 2008, erhalten von Franz, einfachkoestlich.

Der alte, grau gewordene Hauskoch in der typischen Haltung eines unterbeschäftigten, müden Kellners. Vermutlich läuft der Laden so schlecht, dass er gleichzeitig die Bedienung machen muss. Resignierter Blick auf die menschenleere Gasse, traurig. Tja, wo es nichts zu servieren gibt, muss auch nichts gekocht werden. Fällt mir ein: Die Pferdemetzgerei in unserem Quartier hat kürzlich auch schliessen müssen.

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Schweizerpsalm im Ausverkauf

Nationalhymne1

Erster August. Schweizer Nationalfeiertag. Das Warenhaus Manor in Basel hat die Nationalhymne, den Schweizerpsalm als verkaufsförderndes Element für Fixleintücher entdeckt. Zeitgeist. Seele mit Sale verwechselt ?

nationalhymne3

Die zweite Strophe wegen dam Kassahäuschen nicht lesbar, die vierte Strophe, die mit dem wilden Sturm, hat das Warenhaus unterschlagen. Sturm ist schlecht fürs outdoorgeschäft. Hier sind sie alle, inklusive Quellenangabe der Musik.

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Brotaufstriche: Camembert à tartiner

Camembert à tartiner
Camembert à tartiner

Eine wohlschmeckende, streichfähige Camembertcreme. Die gabs in der Schweiz früher fertig zu kaufen. Keine Nachfrage. Also wurde die Produktion eingestellt. Frau L. hat sie, gezwungenermassen, neu erfunden.
Wir haben diesen Aufstrich für einmal statt auf Brot zu „Gschwellti“ (Pellkartoffeln) gegessen, auf die heissen Kartoffelscheiben gestrichen und mit Biotomätchen und Cornichons gegessen. Die Entdeckung: der Aufstrich wird durch die heisse Kartoffel erwärmt, etwas dünnflüssiger und schmeckt fast wie ein Raclette mit Pfeffer. Die Unterlage kühlt etwas ab, so dass man sich den Mund für einmal nicht mit heissen Kartoffeln verbrennt. Dazu ist kein Racletteofen notwendig, der Aufstrich wird beim Erkalten nicht zähe wie Raclettekäse sondern bleibt cremig und zieht keine Fäden. Sommerraclette lamiacucina !! . Die Würzung kann nach Belieben variiert werden, anstelle von Joghurt könnte man auch Rahm verwenden.

Wie heissen doch die neusten Werbeslogans der Käsebarone ? Raclettieren geht über Studieren ! oder Raclettieren Sie der Schweiz zum 1. August ! Nur zu, bei der momentanen Hitze darf das auch mit diesem Brotaufstrich sein. Ein guter Camembert schmeckt eh besser als ein geschmackloser Industrie-Raclettekäse.

Zutaten
Vollmahlzeit für 2 Personen, zu 500 g Kartoffeln:
250 g Camembert vollfett, mittelreif
2-4 Elf. Bifidusjoghurt nature (neutral schmeckender Joghurt)
1/2 Tlf. Piment d’Espelette
1 gestr. Elf. rote Pfefferkörner, leicht angestossen
1 Msp. Zitronenabrieb
Salz

cremig
cremig
Sommerraclette lamiacucina
Sommerraclette lamiacucina

Zubereitung
(1) Camembert je nach Zustand der Rinde schälen und würfeln. Junge, frisch aussehende Rinde kann man mitverwerten, der Aufstrich wird dadurch allerdings ein wenig grisselig.
(2) Joghurt, Zitronenabrieb und Espelette zugeben und mit einem kräftigen Handmixer zu einer dicken, feinen, streichfähigen Paste mixen und homogenisieren. Angestossenen Pfeffer unterziehen. Etwa 1 Stunde im Kühlschrank durchziehen lassen, dabei wird die Creme etwas fester.

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Brotaufstriche: Thoncreme

Thoncreme
Thoncreme

Sommerzeit. 32°C. Da haben bei uns die Brotaufstriche Hochkonjunktur. Schnell gemixt, schnell geschmiert, langsam und kalt gegessen.  Die schönen Brötchen von Trzesniewski, gesehen bei Chili und Ciabatta im Bericht ihres Wienbesuchs haben mich gleich dazu animiert, davon etwas nachzumachen. Der Auftakt zu einer lockeren Serie „Brotaufstriche“. Nichts Aufregendes, keine Sterne. Der eine oder andere unserer Brotaufstriche schaffts vielleicht dennoch zum Prädikat „unaussprechlich gut“. Und schweift der Blick zum Fenster hinaus, glaube ich sogar die Zinnen der Wiener Hofburg zu erkennen, mitten in Basel.

Zutaten
1 Dose (120g) guten Thunfisch in Olivenöl
1 Elf. natives Olivenöl
2-3 Elf. Mayonnaise (Tube)
1-2 Tlf. Dijonsenf
1/2 rote Zwiebel, fein geschnitten
3-4 Tlf. Kapern
Piment d’Espelette

Zubereitung
Thon gut abtropfenlassen, in einem Mixbecher mit den Zutaten mixen. Von den Zwiebeln und Kapern nur etwa die Hälfte vermixen, den Rest zum Bestreuen reservieren.

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