
Über Schloss Lenzburg habe ich hier bereits einen Beitrag verfasst. Dessen Geschichte kann dort nachgelesen werden. Der neuerliche Besuch datiert vom letzten November. Wir kommen leider derzeit kaum gross weg.
Gründer der Stadt Lenzburg waren vor 1241 die Grafen von Kyburg. Sichtbarer Ausdruck des von den Habsburgern 1306 verliehenen Stadtrechts sind die letzten, noch sichtbaren Reste der Stadtmauer an der Promenade und am Graben.
Bern kaufte 1433 das Schloss von den Habsburgern, von 1444 bis 1798 residierte hier der Landvogt des Oberamts Lenzburg. 1528 führten die Berner in Lenzburg die Reformation ein. Bis 1565 war die Stadt Teil der Pfarrei Staufberg auf dem gegenüber liegenden, gleichnamigen Hügel. Im 16. Jahrhundert wandelte sich Lenzburg allmählich von einer Bauern- zu einer Handwerkssiedlung. Ab 1744 durften die Stadtbewohner auch ausserhalb der Befestigungsanlagen Häuser errichten. Dies begünstigte die Ansiedlung von Industrien. 1732 entstand die erste Baumwoll-Fabrik. Während das Handwerk zunehmend verarmte, brachten neue Industrien ab Mitte des 19. Jhdts. einen Aufschwung. Kurz nacheinander entstanden Konservenfabriken für Gemüse und Fleischwaren, eine Seifenfabrik, Kartonagefabriken, die Kinderwagenfabrik Wisa-Gloria, Holz- und metallverarbeitende Industrie. Nicht alle dieser Unternehmen konnten sich bis in die Neuzeit retten.
Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, riefen die Helvetische Republik aus und entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern. Lenzburg gehört seither zum Kanton Aargau und wurde 1803 Bezirkshauptort.
Die Altstadt weist einen hufeisenförmigen Grundriss auf, mit einer breiten Hauptgasse (Rathausgasse) und je einer parallelen Nebengasse im Süden und Norden sowie der am unteren Ende quer zur Rathausgasse verlaufenden Kirchgasse.
Die charmante Altstadt mit ihren Gassen, Plätzen und Brunnen ist, seit sie vom Autoverkehr weitgehend befreit ist, ein angenehmer Wohn- und Lebensraum. Eigentlich hoffte ich, an dem Samstagmorgen hier einen Markt anzutreffen. Irrtum, Wochenmarkt findet hier am Dienstagmorgen und den ganzen Freitag in der Rathausgasse statt. Im Winter nur Dienstagmorgen im Gemeindehaussaal. Deshalb war die Altstadt am Morgen nahezu menschenleer. Schade, so werden berufstätige Einwohner gezwungen, ihre Einkäufe in Mig.ros und CO.OP zu tätigen. Das örtliche Kleingewerbe und die Gemüsebauern wird das kaum freuen.
An der Mauer des ehemaligen Asyls (Armen- und Altersspital), heute Stadtbibliothek, fällt der Löwe mit dem aufgesperrten Mund auf. Einer mittelalterlichen Legende nach verliert jeder seine Hand, der sie ihr in den Mund legt und dabei nicht die Wahrheit sagt. [Gelogen ! die Legende gilt für die Bocca della verità in Rom]. Diese hier ist eh zu hoch gehängt, als dass ich die Hand hätte hineinlegen können. Mächtig das Hünerwadelhaus, heute Handelsschule des KV, 1759/60 für Markus Hünerwadel als Handelshaus erbaut.
Die Hünerwadel hinterliessen bei uns nachhaltigen Hunger. Wir assen im Wirtshaus zum alten Landgericht, ein Bau aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Das Essen war ganz gut, an der obern Grenze eines vertretbaren Preis/Leistungsverhältnisses, der Service mit etwas rustikalem Aargauer Charme (mmmhö ! = ja, gerne ! oder hä ? = wie bitte ?)
Am südwestlichen Fuss des Schlossberges, dort wo der Weg zum Schlosshügel aufsteigt, liegt die Häusergruppe der Burghalde. Die alte Burghalde, erbaut 1628, besteht aus einem dreigeschossigen spätgotischen Wohnhaus mit Fachwerkanbau sowie der ehemaligen Trotte. Im halbrundem Schneggen auf der Westseite ist die hölzerne Treppe hochgeführt.
Die neue Burghalde wurde 1793/94 in streng symmetrischem frühklassizistischen Stil für die Familien Ringier erbaut. Heute gehört die Gruppe der Ortsbürgergemeinde, die darin ein Museum mit Sammlungen, die von steinzeitlichen Funden bis zur modernen Industriegeschichte Lenzburgs reichen. Dazu eine in der Schweiz einzigartige Sammlung russischer Ikonen des 16. bis 19. Jahrhunderts.

Etwas ausserhalb der Altstadt gelegen steht der letzte Rest, eine vor dem Abbruch gerettete Aussenwand der Malagaabfüllerei des Alfred Zweifel. Wer trinkt heute noch Malaga ?
Das Abfüllen von Malaga scheint früher den Kellerei-Besitzer sehr gut ernährt zu haben, wie die aus dem Jahre 1840 stammende Villa in klassizistischem Stil mit maurischer Bemalung beweist:
Quellen: HP Stadt Lenzburg






































