Der Ort Hindelbank hat in der Schweiz einen eher verruchten Klang. Standort der einzigen Vollzugsanstalt für straffällige Frauen. Vor 100 Jahren noch mit dem martialischen Namen „Zwangsanstalt für Weiber“ benannt. Damit hat es sich aber keineswegs. Hieronymus von Erlach, 1667-1748, ein Berufsoffizier in Diensten Österreichs, der als Vertrauter des Prinzen Eugen zum Feldmarschallleutnant aufstieg und u.a. alle Feldzüge des spanischen Erbfolgekrieges mitmachte, liegt in Hindelbank begraben.
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er Ratsmitglied und schliesslich Schultheiss seiner Heimatstadt Bern. Hieronymus v.E. baute sich in Hindelbank ein Schlösschen im Versailler Stil. Daneben in Bern ein Stadtpalais und vorher schon Schloss Thunstetten. Nach seinem Tod wurde der Berliner Bildhauer Johann August Nahl (1710-1781) beauftragt, zu seinem Gedenken ein Grabdenkmal zu schaffen. Ein Künstler, der sich bei der künstlerischen Ausstattung des Stadtschlosses und der Schlösser in Potsdam und Charlottenburg einen guten Namen gemacht hatte. 1746 entzog er sich seinem Schirmherr, Friedrich dem Grossen, durch Flucht nach Bern. Während der Arbeit am Denkmal des Hieronymus v.E. bot ihm Pfarrer Langhans gastliche Aufnahme im Pfarrhaus. Die hübsche Pfarrersfrau, die auf den Frühling 1751 ihr erstes Kind erwartete, starb am Vorabend des Osterfestes, 28-jährig an der Geburt eines Knaben, der kurz darauf auch verstarb. Leid und Elend, die innert weniger Stunden über die Familie hereinbrachen, waren Anlass für Nahl, aus freiem Willen eine Grabplatte zu schaffen, als Denkmal des Lebens und der christlichen Auferstehungshoffnung. Der Stein, aus einem einzigen Block gehauen, scheint auf der Grabplatte in drei Stücke geborsten zu sein. Im aufgebrochenen Spalt drängt die zu ewigem Leben erweckte Frau mit dem Kind ans Licht empor.
Ein ergreifendes Werk, das im 18. Jahrhundert, an der Schwelle der Aufklärung unter Bildungsreisenden hohe Beachtung fand und in unzähligen Kopien in Gips und Porzellan in Europa verbreitet war.
Der nächste Gang galt Schloss Hindelbank, Verwaltungssitz der Strafanstalt. Zufahrt verboten. Gelände eingezäunt. Nur die Nordseite ist zugänglich. Es wurde 1720 für Hieronymus von Erlach durch Daniel Stürler nach Plänen von Joseph Abeille gebaut. Vorbild war das ebenfalls 1714 bis 1715 ebenfalls für Hieronymus von Erlach errichtete Schloss Thunstetten. Bis ins Jahre 1866 war das Schloss Hindelbank Sitz der Familie von Erlach und ging danach in den Besitz des Kantons über. Zunächst wurde er als Armenanstalt, ab 1896 als „Zwangsarbeitsanstalt“ für Frauen genutzt.




Mein Fotografieren blieb der Videoüberwachung nicht unbemerkt. Den Fotoapparat noch in der Hand, wurde ich von einer Radpatrouille angehalten und kontrolliert. Das Eingeständnis meiner Schuld und mein Anerbieten, mich gleich an Ort arrestieren zu lassen, wurden aber abgelehnt. Nicht mal in der Küche wollten sie mich beschäftigen. Nach Kontrolle des Fotoapparates und Fürsprache von Frau L. wurde ich wieder laufen gelassen.
Noch was: Johann Wolfgang von Goethe war auch da. Nicht in der Zwangsanstalt, am Grab der Frau Pfarrerin.
Mittagessen war, 5 Fahrminuten von Hindelbank entfernt, in Fraubrunnen, wo wir einmal mehr den auf diesem Blog bekannten Sauerbraten mit dem weltbesten Härdöpfustock mit einem Blutorangengratin als Dessert genossen.
























































