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Farsu magru, Sizilianischer Rollbraten

Farsu magru 0_2009 12 14_4226

Farsu magru, auch Falsu magru: ein gefüllter, sizilianischer Rollbraten. Eine große, mit hartgekochten Eiern, Käse, Speck, Salsicce und Schinken reich gefüllte, würzige Rolle, die mehrere Esser satt und glücklich macht. Die sizilianische Küche ist vermutlich die älteste Italiens, jedenfalls eine Küche mit vielen ausgezeichneten Spezialitäten. In der Basler Kochschule zubereitet nach einem Rezept im Buch Die echte italienische Küche, Reinhardt Hess, Sabine Mälzer, GU-Verlag. Das Buch ist erstmals 1991 erschienen, erhielt irgendwann mal die Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands. Es bietet einen Querschnitt an Impressionen und Rezepten durch alle Regionen Italiens. Kein schlechtes Einsteigerbuch.

DKduW
Zutaten
Hauptgericht für 8 Personen
für die Füllung:
200 g Rinderhackfleisch
ca. 200 g frische, rohe Salsicce piccante mit Fenchel (notfalls Schweins- oder Kalbsbrät), ausgedrückt
2 Eier
50 g Semmelbrösel
3 Elf. Reibkäse (Caciocavallo, Provolone, Pecorino)
2 Knoblauchzehen gehackt
Oregano, Thymian, Rosmarin, Salbei nach Belieben
Salz, schwarzer Pfeffer

für das Einrollen:
1 grosse Scheibe Rindfleisch, ca. 600 g,  3 cm dick im Schmetterlingsschnitt aufgeschnitten oder ca. 4 dünne, grosse Rindsplätzli für Rindsrouladen. Das Fleisch soll flachgeklopft und überlappend aneinandergelegt eine Fläche von etwa 30×40 cm belegen.
150 g Pancetta in dünnen Scheiben
2 hartgekochte Eier, geschält, in Scheiben
100 g Provolone in dünnen Scheiben
100 g Rohschinken, dünne Scheiben
Salz, schwarzer Pfeffer

für die Sauce:
2 Zwiebeln, grob gehackt
Kräuterzweige (Lorbeer, Rosmarin)
250 ml Rotwein
1 grosse Dose (800 g) Pomodori pelati
Salz, Pfeffer

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Füllen
Farsu magru 2_2009 12 14_4198
Rollen

Zubereitung
(1) Rinderhack, Schweinsbrät, Semmelbrösel, Käse und Eier gut mischen und würzen mit dem Knoblauch, den Kräutern, Salz und Pfeffer.
(2) Die Fleischscheibe(n) vorsichtig zwischen Plastikfolie flachklopfen. Dann auf der Arbeitsplatte auf eine Plastikfolie flach, allenfalls leicht überlappend auslegen, die Hackfleischmasse darauf verteilen, glattstreichen. Ringsum einen Rand von 2 cm frei lassen. (Beim Schweizer Fleischschnitt sind Rindsplätzli nicht so gross, wir haben mehrere überlappend nebeneinander gelegt und erst mit der Pancetta belegt, damit die Masse nicht rausdrückt).
(3) Käsescheiben, Pancetta, Rohschinken und die Eierscheiben gleichmässig auf der Hackfleischschicht verteilen.
(4) Wie eine Roulade satt aufrollen und mit Küchengarn zusammenbinden. Aussen mit Salz und Pfeffer würzen.

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Anbraten
Farsu magru 4_2009 12 14_4220
Schmoren

(5) Die Roulade im grossen Bräter in Olivenöl rundum anbraten, herausnehmen. Die gehackten Zwiebeln im Bratfett glasig dünsten, Kräuterzweige dazugeben, ablöschen mit 250 ml Rotwein, eine Dose gehackte Tomaten dazugeben, Sauce abschmecken, Braten hineinlegen und mit geschlossenem Deckel im auf 160°C vorgeheizten Ofen (Umluft, untere Ofenhälfte während ca. 2 Stunden schmoren lassen. Braten einmal wenden.

Wir haben dazu Scherenschnittgnocchi serviert.

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Rosenkohlgratin mit Preiselbeeren und Bergkäse

Rosenkohlgratin 0_2010 01 22_4830

Noch so ein Mitbringsel aus Chiavenna: 100 g getrocknete Preiselbeeren. Auch diese haben sich im Laden von Francesco Bedognetti mindestens verdreifacht. Daraus mache ich, inspiriert durch die Saisonküche 11/2009 einen Gratin. Frau L. guckt kritisch drein, nachdem sie das Rezept gelesen hat, sie will lieber ein paar puristisch in Butter gedrehte Röschen nach Schlemmer-Art und raisonniert dabei über die Kochkunst von Männern im allgemeinen mit besonderer Nutzanwendung auf den ihr nächststehenden. Bitte schön, kriegt sie. 100 g mehr Rosenkohl und eine fünfte Pfanne einplanen. Dazu meine individuell angebratenen Röstkartoffeln und Wienerwürstchen. Nicht schlecht.

Zutaten
Beilage für 2 Personen 1 Person

250 g Rosenkohl geputzt gewogen,
30 g Baumnüsse (Walnüsse) grob gehackt
25 g Preiselbeeren getrocknet
1 Ei
100 g Crème fraîche
Salz, Pfeffer
20 g Sbrinz, frisch gerieben

Dazu:
Hauptgericht für 2 Personen
500 g festkochende Kartoffeln
Olivenöl
Salz, Pfeffer

2 Paar Wienerwürstchen

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eingefüllt
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gebacken

Zubereitung
(1) Die geputzten Röschen samt den getrockneten Preiselbeeren über Dampf garen (ca. 5 Minuten) in kaltem Wasser abschrecken, die Röschen halbieren und alles in eine gebutterte Gratinform (14cm) legen. Die gehackten Baumnüsse untermischen.
(2) Das Ei mit der Crème fraîche verquirlen, pfeffern, salzen, über den Rosenkohl giessen. Alles mit dem Reibkäse überstreuen.
(3) Im auf 200°C vorgeheizten Backofen (Ofenmitte, U-,O-hitze) für 20 Minuten gratinieren (das Ei soll nur an den Rändern stocken)

(4) Kartoffeln schälen, in ca. 5 mm dicke Scheiben schneiden, mit Küchenpapier abtupfen und in 2 grossen Bratpfannen, jede Kartoffelscheibe aneinander- nicht übereinanderliegend in Olivenöl beidseitig langsam goldbraun anbraten (ca. 20 Minuten). Salzen, pfeffern. Was goldbraun ist, rausnehmen und auf einem mit Küchenpapier belegten Teller warmhalten.
(5) Die Würstchen 30 Minuten in 80°C heissem Wasser ziehen lassen.

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Linsen-Kartoffeln mit Basilikumpesto

Linsen-Kartoffeln 00_2010 01 12_4671

Fortsetzung Linsengerichte. Nach meinem libanesischen Mujaddara für den Libanonevent und jener prachtvoll tomatig-roten Version von Houdini sowie einem Salat aus Süsskartoffeln mit Linsen von Alissa von Cherryblossom, präsentiert Frau L. ihre kartoffelige Version (inspiriert durch das Büchlein Feines aus Kartoffeln von Betty-Bossy). Damit das nach etwas schmeckt, wird das Gemüse mit Basilikumpesto aus dem Glas aufgedonnert. Die Wurst dazu ist meine Idee !  Das Ganze ist mit minimalem Aufwand in 40 Minuten Kochzeit zubereitet.

Das Ringbüchlein der Betty-Bossy hat die üblichen Eigenschaften aller Ringbücher: ideal zum umblättern und zum offenhalten in der Küche, aber einmal im Büchergestell versorgt, sieht man nur noch Metallspiralen und vergisst sie deshalb gerne. Mein Beitrag zum Dauer-event DkduW von food-freak. Hier gehts zur Dezemberzusammenfassung.

DKduW

Zutaten
280 g Gschwellti (Pellkartoffeln)
100 g braune Linsen
3 dl Gemüsebrühe, leicht gesalzen
80 g Basilikumpesto

3 Basilikumzweige als Deko

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Dass daraus Gutes entsteht ?
Linsen-Kartoffeln 2_2010 01 12_4667
Doch, sogar in der Vegi-version

Zubereitung
(1) Linsen in der Gemüsebrühe weichkochen. Die Brühe sollte nahezu aufgenommen werden.
(2) Parallel dazu Pellkartoffeln zubereiten, schälen, in ca. 1 cm grosse Würfel schneiden, zu den Linsen geben.
(3) Pesto unterrühren.
(4) Die Wurst (eine Schweizer Militärwurst) war Zugabe, 30 Minuten in 80°C warmem Wasser erwärmt.

Linsen-Kartoffeln 0_2010 01 12_4670

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Militärwurstpastete 1822

Militärwurstpastete 0_2009 12 11_4099

Weil der Blick der wehrhaften Frau L. in der Metzgerei so wohlgefällig auf einem Pärchen Langenthaler Militärwürste ruhte, fanden dieselben den Weg in unsern, an historischem Inhalt interessierten Kühlschrank. Teil 1 des Pärchens wurde mit Sauerkraut verzehrt. Teil 2 des Pärchens wurde von Frau L. mit einem kümmerlichen Restchen (170 g) meines wunderbaren Pastetenteigs  zu einer Wurstpastete verbacken. Die von Frau L. in ihrem Silvesterreim vorgenommene Abwertung als  „klebiger Teig“  geschah natürlich nur um des Reimes willen. Ich komme im Moment kaum mehr nach mit der Produktion neuen Teiges.  Trotz minimaler Ressourcen gelang Frau L. ein eindrucksvoller, strategischer Sieg in der Schlacht an der Pastete.

Offizierstreffen 1822 Langenthal
Wandbild im Hotel Bären in Langenthal

In staats-, wirtschafts- und aussenpolitisch schwierigsten Zeiten, in denen sich die Schweiz auf dem Weg zum föderalen Bundesstaat von 1848 befand, trafen sich 1822 über 7’000 Offiziere und Amtspersonen in Langenthal zu einem einfachen Mahle in Langenthal, um „treue Bande zu festigen, die die eidgenössische Stärke begründen soll“. Starke Kräfte drohen auch heute auseinander zu reissen, was die Schweiz in ihrem Innersten zusammenhält. Die Schweiz gerät international mehr und mehr unter Druck. Die Militärwurst war die kulinarische Klammer eines erneuten Treffens, das im Sommer 2009 in Langenthal stattfand. Frau L. wollte mit ihrem Beitrag nicht abseitsstehen und ihr Scherflein nachträglich für den Zusammenhalt des Vaterlandes im neuen Jahre leisten.

Zutaten
Grundrezept für den Pastetenteig: siehe auch hier
350 g Mehl
85 g zimmerwarme Butter
70 g zimmerwarmes Schweinefett
1 ganzes Ei (60 g) verquirlt
3 Eigelb
ca. 50 ml Wasser
10 g Salz

für die Wurstpastete:
1 Militärschüblig, 20 cm  (Rind, geräuchert, im Geschmack ähnlich einem Neuenburger Saucisson, aber langgestreckt, aus der Biometzgerei Stettler in Langenthal)
170 g Pastetenteig, 200 g wären besser, des tiefgefrorenen und aufgetauten Teiges von oben
Senf, mittelscharf
Pfeffer, rot, weiss, grün, geschrotet
wenig Abrieb einer Biozitrone
1 dicker Lauch, die äusseren Hüllblatter
1 Eigelb zum Bestreichen

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mit Pfefferpetarden bestreut
Militärwurstpastete 3_2009 12 11_4094
im Lauchpanzer eingerollt

Zubereitung
(1) Mehl mit dem Salz mischen. Die Butter und das Schweinefett mit dem Mehl verreiben, von Hand oder mit dem K-Haken der Küchenmaschine.
(2) Eier, Eigelb und Wasser langsam in das Mehlgemisch einarbeiten (zusammenfügen, am besten von Hand, auf keinen Fall kneten !).
(3) den Teig mindestens 30 Minuten in Klarsichtfolie eingewickelt im Kühlschrank ruhen lassen.

(4 Schüblig ein paarmal leicht einritzen, die Wunden mit Senf verstreichen und die Wurst in geschrotetem Pfeffer und Zitronenabrieb wälzen.
(5) Lauchblätter (ca. 20 cm hoch) ablösen und in siedendem Salzwasser blanchieren bis sie schlapp sind. In kaltem Wasser abschrecken und auf Küchentuch gut trocknen.
(6) Schüblig auf die nebeneinandergelegten Lauchblätter legen und einrollen.
(7) Das kümmerliche Teigrestchen auswallen, dünn, sehr dünn, der Schüblig hat immer noch keinen Platz, noch dünner, endlich, mit dem restlichen geschroteten Pfeffer bestreuen, den Pfeffer einwallen, den Schüblig im Lauchmantel drauflegen, Teigränder mit Eigelb bepinseln und zu einer Pastete zusammenklappen. Pastete mit Eigelb bepinseln, mit einem scharfen Messer oben ein paar kleine Schnitte anbringen.
(8) Im vorgeheizten Backofen ca. 30 Minuten bei 220°C (U-/O-hitze, Schiene 2) auf einem mit Backpapier belegten Bleck ausbacken.

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Anmerkung
Mit dem wirklich allerletzten Teigrestchen konnte Frau L. gerade noch ein M ausschneiden. Als Militärische Abkürzung (mil. Abkz.) für Militärwurstpastete.

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Burrata con lenticchie all’aceto balsamico

Linsen mit Burrata 0_2009 11 17_3654

Wenn draussen der kalte Biswind die letzten Blätter in den Strassen herumbläst, wird es Zeit für ein einfaches, warmes, italienisches Linsengericht. Burrata, der cremige Kuhmilchmozzarella mit der Füllung aus Rahm und unbehandelten Mozzarellasträngen trohnt dabei als König (m) auf einem Meer schwarzer Linsen. Nach einem Rezept in Saisonküche 02/2009. Bei mir in einer leicht abgewandelten Version. Weil das rasch und ohne grossen Aufwand zuzubereiten war, trage ich damit meine Bringschuld bei mannkannsessen ab für den laufenden event von cucina rapida.
Cucina rapida - schnelle Küche für Genießer. Ein Blog-Event von mankannsessen.de

Zutaten
Hautpgericht für 2 Personen
1/2 Zwiebel
200 g Linsen Beluga (Original: braune)
5-6 Elf. Olivenöl
3 dl Gemüsebrühe
Salz, Pfeffer
6-8 Elf. Aceto balsamico, vom mittelteuren
2 Elf. glatte Petersilie gehackt (Vitamine von mir gestiftet)
1 Burrata (150 g), rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen, damit er nicht mehr kalt ist
fleur de sel zum Bestreuen
ca. 80 g Salami am Stück (L.: Wildschwein Salametti)

Linsen mit Burrata 0_2009 11 17_3648

Zubereitung
(1) Zwiebel hacken.  Mit 3 Elf. Öl in einem Topf leicht anschwitzen, mit schwach gesalzener Brühe ablöschen, Linsen hinzugeben und bei kleiner Hitze ca. 30 Minuten weich köcheln. Mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Bis auf einen minimen Anteil an Restflüssigkeit sollte alles weggekocht sein.
(2) Linsen heiss mit 6-8 Elf. Balsamico, dem restlichen Olivenöl und der Petersilie mischen.  In eine im Ofen bei 70°C vorgewärmte Schüssel anrichten. Burrata mit einem Messer kreuzweise tief einschneiden und vorsichtig auf die Linsen legen, damit der Rahm nicht ausläuft. Mit fleur de sel bestreuen. Schüssel nochmals kurz in den Ofen bei 70°C stellen, bis der Käse glänzt und Fäden zieht.
(3) Salami in kleinen Scheibchen darauf verteilen und zusammen mit Brot essen.

Weitere Rezepte und Anmerkungen zu Burrata:

Burrata con pomodori

Das echte Lilienblatt war bei meinem aktuellsten Burrataeinkauf durch ein grünes Plastikblatt ersetzt. Fortschritt ?

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Nachgekocht: Parmesankartoffeln

Parmesankartoffeln 0_2009 05 23_0280

Durch Petra von Chili und Ciabatta anderswo aufgegriffen und nachgekocht, anschliessend von Ursula von Kochfun und nun in weiterer Stufe der Kaskade auch noch von mir: Parmesankartoffeln. Petra hat nicht zuviel versprochen. Eine knusprige Käsekruste auf gebackenen Kartoffeln. Bei mir eine willkommene, schnelle Beilage zu dem nachgemachten Unispital-Wurstsalat mit einer Gewürzgurken-Radieschenvinaigrette. Getränk: Bier.

Zutaten
Hauptgericht für 2 Personen
500 Gramm mehligkochende Kartoffeln (lamiacucina: neue Nicola, festkochend)
1/2 Elf. Weissmehl
3-4 Elf. Olivenöl extra
1-2 Elf. fein gehackte Petersilie
1 Mokkalf. Chilipulver (lamiacucina: piment d’Espelette)
Salz, Pfeffer
30 g frisch geriebener Parmesan (lamiacucina: Sbrinz)

für den Wurstsalat:
1 Aussteller, Cervelat, oder Fleischwurst
3 grosse Radieschen
2 Gewürgurken
Salatsauce nach Frau L.

Parmesankartoffeln eingebröselt und backbereit
eingebröselt und backbereit
Parmesankartoffeln Unispital-Wurstsalat
Unispital-Wurstsalat

Zubereitung
(1) Backofen auf 220°C vorheizen.
(2) Die sauber gebürsteten Kartoffeln vom ersten Aufkochen an 2-3 Minuten kochen. Abgießen und ausdampfen lassen.
(3) Große Kartoffeln erst längs halbieren, dann alle in dicke Scheiben schneiden. Meine waren so klein, dass ich sie ganz belassen habe. Kartoffeln in eine Schüssel geben, etwas Olivenöl zugeben und gut durchmischen. Mit einer Mischung aus Mehl, gehackter Petersilie, Chili- bzw. Espelettepulver, Salz, Pfeffer und dem geriebenen Parmesan vermischen. Die Mischung haftet jedoch auf den ganzen Kartöffelchen nicht besonders gut. Die Kartoffeln auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben, mit etwas Olivenöl beträufeln und im heissen Ofen in etwa 45-50 Minuten knusprig braun backen, dabei 1-2 mal wenden.

für den Wurstsalat:
(4) Radieschen und Gewürzgurken in feine Stifte schneiden, mit Salatsauce von Frau L. verrühren und kurz stehen lassen.
(5) Wurst in feine Scheiben schneiden und mit der Vinaigrette mischen.

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Schweizer Wurstweggen

Wurstweggen 0_2009 02 01_8111
Das sind weder hotdogs, noch deutsche Wurstwecken mit eingelegten Würstchen, sondern mit gutem Fleischbrät gefüllte Blätterteigkrapfen. So gut schweizerisch, dass sie im Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz Aufnahme gefunden haben. Wurstweggen waren neben Wähen das erste Take-Away-Produkt, das von hiesigen Bäckereien kalt oder aufgewärmt angeboten wurde. Lange bevor amerikanische Imbissketten das Verpflegungsmonopol der Bevölkerung zu erringen versuchten. Als Schlüsselkind hatte ich kein geregeltes Mittagessen, dafür durfte ich mir in einer Bäckerei mein Mittagessen kaufen. In loser Folge waren das Cremeschnitten, Salami-silserli, Wurstweggen, Mohrenköpfe und Nuss-schnecken. Deshalb habe ich mich schon in Kindesjahren als Degustationskapazität auf diesen Produkten, speziell der Wurstweggen, verstanden. Was Bäckereien, später auch Metzgereien anboten, fand aber nur selten meinen Beifall: kaltes, am Gaumen klebendes Schweinefett, kompakte Wurststöpsel, Blätterteig zum Heulen, mit Milchwecken nach den Verdünnungsregeln der Homöopathie gestrecktes Fleisch. Meine damaligen Favoriten sind längst verschwunden. Was die hiesigen Edelconfiserien als Wurstweggen heute anbieten, ist zwar teuer, essbar, aber nicht das, was ich mir unter einem guten Wurstweggen vorstelle.
Die Küche der Frau L. hat mich dann für Jahrzehnte von Wurstweggen ferngehalten. Bis letzten Sonntag auf ihren Vorschlag selbstgemachte Wurstweggen auf mein Kochprogramm gerieten.

Zutaten
Mengen für 12 Wurstweggen und als Bonus 10 kleine Buletten
1 Paket ausgewallter Fertigblätterteig (2 mal 25×42 cm)
300 g Kalbfleisch gehackt (2mal gehackt)
3 Schweinsbratwürste zu je ca. 120 g, unerwellt
1 mittlere Zwiebel, wenig Butter zum Andünsten
2 ganze Eier
1/2 Peperoncino
6 kleine Cornichons
1 Bund Petersilie
4 Minzblätter
2 Zweiglein Zitronenthymian
Abrieb einer halben Biozitrone
Salz, Piment d’Espelette
Pfeffer, Korianderkörner, Piment alle frisch gemahlen
3-5 Elf. selbstgemachte Weissbrotbrösel
1 Eigelb mit ein paar Tropfen Öl versetzt zum Bestreichen

Hackepeter
Hackepeter
gemischt mit Ei&Kräutern
gemischt mit Ei&Kräutern

Zubereitung
(1) Peperoncino, Cornichons und die Kräuter fein hacken und mit den Eiern vermischen.
(2) gehackte Zwiebel in wenig Butter andünsten und dazugeben.
(3) Kalbshack und die aus der Darmhülle ausgedrückte Bratwurstmasse von Hand dazumischen, mit den Brotbröseln ergänzen und würzen.
(4) Blätterteigplatten in je 6 Rechtecke (ca.12x14cm) schneiden, Längskanten mit wenig Wasser bepinseln. Fleischmasse mit einem Dressiersack (ohne Tülle) als dickes Würstchen auf die Platte drücken. An den Enden 1 cm Rand freilassen. Zusammenklappen, mit einem Gabelrücken etwas andrücken, die Enden bleiben offen.
(5) Backblech mit Backpapier belegen, die Krapfen drauflegen, mit etwas Eigelb bestreichen und im auf 200°C vorgeheizten Ofen ca. 25-30 Minuten ausbacken (Ober-, Unterhitze, Schiene 2).  Gegen Schluss mit einem Backpapier abdecken.

Würstchen
Würstchen
eingeweggt
eingeweggt

Anmerkung
Sehr gut, in dieser Bäckerei wäre ich sofort Stammkunde geworden. Die Farce leicht krümelig, nicht zu kompakt. Gut gewürzt. Und wer ein eigenes Lieblingsbulettenrezept hat, darf auch das einfüllen.

Wurstweggen 000_2009 02 01_8107

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Plain in Pigna, verappenzellert

fertige plain in pigna
fertige plain in pigna

Plain in Pigna, der Kartoffelkuchen aus dem Engadin. Daran habe ich mich auch schon in den Anfangszeiten des Blogs versucht. Frau L. geht schon seit einiger Zeit mit der Idee um, unsern derzeitigen Wurstreichtum aus dem Appenzell in den Kartoffelkuchen zu verbacken. Mit Erfolg, ihre Plain in Pigna schmeckte besser, würziger als meine. Ich schiebs auf die Wurst 🙂

Im Kabarett treten folgende Würste auf (vlnr), die allesamt im Kuchen endeten:

(1) Gewürzspeck
(2) Landjäger
(3) Alpenklübler (ein kleiner Pantli)
(4) Appenzeller Mostbröckli (geräuchtes Rindfleisch)

Appenzeller Wurstkabarett
Appenzeller Wurstkabarett

Zutaten
500 g festkochende Kartoffeln für Rösti
50 g Gewürzspeck
50 g Mostbröckli
1 Landjäger
1 Alpenklübler (oder Salsiz), ca. 100 g
2 kleine Eier
75 g Weissmehl
0.5 dl Milch
1 mittlere Zwiebel
2 Elf. Sbrinz oder Parmesan gerieben
Salz, Majoran, Rosmarin, Muskatnuss
Butterflöckli

meine Röstikartoffelstreifen
meine Röstikartoffelstreifen
Einrühren von Wurst und Gewürz
Einrühren von Wurst und Gewürz

Zubereitung
(1) Zwiebel hacken und in wenig Butter hellgelb andünsten.
(3) Mehl mit der Milch zu einem glatten Teig rühren, die beiden Eier dazugeben. Die Fleischwürfelchen und die Zwiebeln einrühren, Majoran und Rosmarin zugeben.
(4) Kartoffeln schälen, durch eine grobe Röstiraffel treiben (möglichst lange Streifen) und zum Teig mischen. Teig würzen mit wenig Salz, Muskatnuss und dem Sbrinz.
(5) Den Teig in eine 22 cm Springform einfüllen. Butterflöcklein drübergeben.
(6) 60 Minuten bei ca. 200°C, Schiene 2, backen. In der letzten Viertelstunde auf 230°C (Grill) und Schiene 3 stellen, damit der Kuchen goldgelb überbäckt.

Einfüllen in die Springform
Einfüllen in die Springform
essbereit
essbereit

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Dreschersalat

Wer findet die Wurst ?
Drescherznüni: Wer findet die Wurst ?

Ich drische, Du drischst, Er drischt. Mit solchen Konjugationsübungen hat man uns Kinder früher gequält. Drischt heute überhaupt noch jemand mit Dreschflegeln ? Frau L. kann sich noch schwach erinnern, Dreschmaschinen waren in der Nachkriegszeit noch rar, Mähdrescher gabs sowieso keine. An Dreschtagen im Herbst wurden Taglöhner angestellt. In der ersten Arbeitspause am Morgen gabs ein Drescherznüni. (Nüni = 9 h). Bestehend aus Wurst mit sehr viel (blonden) Zwiebeln obendrauf und Bier und Brot. Dreschen ist staubig und gibt Durst. Unsere sanften Cipolle di Tropea sind ideal für einen Zwiebelsalat. Und ich, hungrig des vielen Strohdreschens, bin dankbarer Abnehmer. Ein sanfter und absolut folgenloser bäurischer Salat.

Zutaten
für 2 Personen:
2 Cipolle di Tropea oder andere, milde Zwiebeln
2 Cervelat (Fleischwurst)
Salatsauce der Frau L.

Zubereitung
Wurst in Scheiben schneiden und auf einem Teller auslegen. Die Zwiebeln schälen und auf dem Gemüsehobel in feine Ringe schneiden und über die Wurst verteilen, bis man die Wurst nicht mehr sieht. Sauce drauf. Mit Schwarzbrot servieren.

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Mehrzweckgulasch

Wurstgulasch
Wurstgulasch

Geschenk unseres Metzgers beim letzten Einkauf: eine ganze Meisterwurst, die heisst hier so, 550 g schwer, eine Art Aussteller, also ein besserer Cervelat. Ausgerechnet uns Halbvegetariern. Vielen Dank. Mir fällt die Aufgabe zu, die Wurst… zu verwursten. Das gibt bei mir ein wurstlastiges Wurstgulasch, kräftig gewürzt nach einem vollvegetarischen Rezept, das ich bei Meister A. Schuhbeck im Buch Hausmannskost für Feinschmecker gefunden und auf meine Wurst adaptiert hatte. Ein Mehrzweckgulasch sozusagen: es geht auch ohne Wurst.

Zutaten
für die vegetarische Gulascheinlage:
500 g festkochende Kartoffeln, unsere derzeit: Charlotte
7 dl Gemüsebrühe
1 Lorbeerblatt
1 Zwiebel
je eine rote und gelbe Peperoni (Paprikaschote)
1 Peperoncino
1 Elf. Olivenöl
1 Elf. Tomatenmark
1 Elf. Paprikapulver edelsüss
Salz, Pfeffer
1 kleiner Bund Petersilie glatt

für die fleischliche Gulascheinlage:
1 geschenkte Fleischwurst 550 g (es hätte auch weniger sein dürfen, das Rezept braucht wie gesagt überhaupt keine Wurst)
Olivenöl zum Anbraten

für das Gulaschgewürz:
2 Knoblauchzehen
1/3 unbehandelte Zitronenschale
1 Tlf. ganzer Kümmel
1 Tlf. Majoran (getrocknet)
1/2 Tlf. Salz

Die Wurst
Die Wurst
angebraten
angebraten

Zubereitung
(1) Kartoffeln waschen, schälen und in 2 cm grosse Würfel schneiden. Die gesalzene Brühe in einem Topf erhitzen, und die Kartoffeln mit dem Lorbeerblatt etwa 10 Minuten, bis sie gar sind, kochen lassen.
(2) Brühe abgiessen und auffangen, Lorbeerblatt entfernen. Den Sud mit etwa 100 g der Kartoffelwürfel aufmixen, die restlichen Kartoffelwürfel beiseitestellen.
(3) Zwiebel schälen und in 1-2 cm grosse Würfel schneiden. Die Paprikaschoten den Einbuchtungen entlang aufschneiden, Stielansätze, Kerne und Häute entfernen, waschen und die Haut mit einem Tomatenschäler abziehen. Dann in grosse Stücke schneiden. Peperoncino entkernen und in kleine Streifen schneiden.
(4) Die Zwiebeln in einem grossen Topf bei kleiner Hitze in Olivenöl glasig dünsten, die Paprika und Peperoncinostreifen 2-3 Minuten mitdünsten lassen. Das Paprikapulver zugeben und mit dem gebundenen Kartoffelsud auffüllen.
(5) Für das Gulaschgewürz den Knoblauch fein hacken. Zitronenschale dazureiben. Den Kümmel in einer trockenen Pfanne kurz anrösten. Alles zusammen mit dem Salz in einem Mörser zerstossen.
(6) Die Wurst enthäuten, in etwa 1-2 cm dicke Scheiben schneiden und in Olivenöl bei gelinder Temperatur beidseitig anbraten.
(7) Das vegetarische Gulasch mit dem Gulaschgewürz würzen und nochmals 5 Minuten ziehen lassen. Die restlichen Kartoffelwürfel und die Wursträdchen zugeben, kurz aufwallen. Mit geschnittener Petersilie überstreuen.

Zwiebeln und Paprikagemüse
Zwiebeln und Paprikagemüse
Gulaschgewürz
Gulaschgewürz

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Salsiccia in camicia

Salsiccia in camicia
Salsiccia in camicia

Kleine Cipollatawürstchen umhüllt mit Rohessspeck und Salbei und von Frau L. in Blätterteig eingebacken. So kommen auch arme Würstchen zu einem Hemd (camicia). Üblicherweise sieht man sie sonst, sogar tagsüber, in Schlafröcken umherlaufen oder gar nackt wie hier.

Zutaten
16 Cipollatawürstchen
2 Platten ausgewallter Fertigblätterteig 25x42cm
8 Tranchen ungeräuchter Rohessspeck
16 Salbeiblätter
2 Elf. Dijonsenf, vermischt mit 1 Tlf. Piment d’Espelette
1 Eigelb zum Bestreichen

vorher
vorher
nachher
nachher

Zubereitung
(1) Würstchen stupfen. Die im Kühlschrank gekühlte Blätterteigplatte auslegen und in 8 Rechtecke schneiden. Belegen mit je einem Salbeiblatt, einer halben Tranche Speck und dem mit der Senfmischung eingestrichenen Würstchen.
(2) zusammenklappen, andrücken und mit dem Teigrad umfahren, bestreichen mit Eigelb, stupfen und 30 Minuten kühl stellen. Mit der zweiten Platte fortfahren.
(3) Im vorgeheizten Ofen bei 200°C (Schiene 2, Ober-/Unterhitze) ca. 20-25 Minuten ausbacken. Herausnehmen und auf Gitter abkühlen lassen.

Was nicht gleich gegessen wird (zu Salat) frieren wir ein.

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Julianischer Kartoffelsalat, wie Frau L. ihn liebt

Kartoffelsalat Frau L.
Kartoffelsalat Frau L.

Der Titel spricht das Dilemma schon an: In dieser Familie koexistieren zwei Kartoffelsalate. Mehr oder minder friedlich. Frau L. ihrer und meiner. Frau L. findet ihren besser, ich den meinen. Mal darf meiner, heute darf Ihrer. Frau L.’s schweizerischer Kartoffelsalat. Mit Wiener-würstchen, die, wie ich in einem andern Blog gelesen habe, in Wien, aber auch anderswo Frankfurter-würstchen heissen, während die Wiener-würstchen in Frankfurt….. egal, um diese gehts gar nicht, sondern um gewöhnlichen, schweizerischen Kartoffelsalat. Den Ur-salat aller Kartoffelsalate. Ähnlich aussehende, aber hoch elaborierte Kartoffelsalatvarianten sind jüngst in Eva Deichrunner’s Küche und bei Franz von einfach koestlich, letztes Jahr beim Spezialisten für schwäbischen Kartoffelsalat, Ulli, in RezKonvSuite erschienen. Alles Derivate des schweizerischen Ur-Kartoffelsalates. Und wer hat diesen Ur-Kartoffelsalat erfunden ? Richtig. Julius Maggi, ein Schweizer, bzw. dessen Versuchsküche. „Mit Maggi ist gut Kartoffel essen“ sangen schon unsere Grossmütter. Und der Frau L. ihr Kartoffelsalat knüpft unmittelbar und in gerader Linie an das Erbe des grossen Julius Maggi an, ein julianischer Kartoffelsalat sozusagen.
An ihren Kartoffelsalat lässt mich Frau L. nicht ran. Den traut sie mir nicht zu, bzw. sie traut mir nicht über den Weg, dass ich ihn unverändert lasse. Sie kennt mein kocholympisches Streben. Immerhin durfte ich ihr zuschauen und Notizen machen.

Zutaten
(2 Personen)
400 g festkochende Kartoffeln (zur Zeit Amandine)
ca. 1.5 dl kräftige, gesalzene, heisse Gemüsebrühe

für die Salatsauce:
2 Elf. Obstessig
2 Elf. Sonnenblumenöl
1 Tlf. Dijon-Senf
1/2 kleine Zwiebel, fein gehackt
Salz, Pfeffer
1-2 Spritzer Maggi, Sommers wie Winters

1 Büschel Schnittlauch zum Überstreuen

Beilagen:
Heisse Wiener Würstchen (für die Zubereitung wende sich der geneigte Leser vertrauensvoll an den Metzger)
geriebener Meerrettich
Senf

Zubereitung
(1) Die Kartoffeln im Sieb über Wasser garen. Die Pellkartoffeln noch heiss schälen und von Hand in ca. 3 mm dicke Scheiben schneiden. Sofort mit der heissen Brühe begiessen und 15-30 Minuten ziehen lassen. Gelegentlich umschwenken, nicht umrühren. Die Kartoffelscheiben sollen allseitig Brühe abbekommen. Zusammenklebende vorsichtig mit dem Messer trennen. Danach überschüssige Brühe (Hand an den Schüsselrand halten) abgiessen. Die nachfolgend zugefügte Saucenmenge wird damit unabhängig vom Wasseraufnahmevermögen der Kartoffelsorte.
(2) Indessen die Zutaten der Salatsauce mischen und die Sauce vorsichtig unterziehen. Keinen Kartoffel-Brei anrichten ! Mit Schnittlauchröllchen überstreuen.

Anmerkung
Das Herz bricht mir, wenn ich dem von mir sonst so bewunderten Mentor des schwäbischen Kartoffelsalats, Bernd Neuner-Duttenhofer-Meuth zusehen muss, wie er aus Kartoffelsalat durch heftiges Mischen und Mantschen Kartoffelbrei macht. Übertroffen noch vom Bayern Alfons Schuhbeck, der gleich noch einige Kartoffelscheiben in die Sauce püriert. Andere Länder, andere Sitten, das wird so gewollt sein in Schwaben oder Bayern. Was weiss ich schon vom Norden ? Nichts ! Ausser dass heute von der Nordgrenze her stürmisches Wetter angesagt ist, deshalb habe ich meinen Eintrag vorsichtshalber mit dem tag „Nonsens“ versehen und werde das Haus nicht ohne Schirm verlassen.

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