Fugger der Alpen, König am Simplon wurde er genannt. Der grosse Kaspar Jodok von Stockalper (1609–1691). Er gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Walliser Geschichte. Einer, der im Wallis ein ganzes Jahrhundert prägte. Als Staatsmann, Politiker, Unternehmer, Stifter und Bauherr erlangte er einen unglaublichen Reichtum und genoss ein grosses Ansehen. Allein der Besitz im Ober-Wallis entsprach 1676 dem Gegenwert von 122’233 Kühen, etwa einer halben Milliarde Franken.
Den wollten wir besuchen, was eine Fahrt über den Grimselpass erforderlich machte. Seit langer Zeit die erste grössere Ausfahrt, zu der sich Frau L. imstande sah.



Das ganze Goms hinunter bis nach Brig, wo wir ihn endlich getroffen haben, den Stockalper, bzw. seinen Palast.

Stockalper besuchte die Jesuitenschulen in Venthône und Brig und studierte 1627-29 an der Universität Freiburg im Breisgau. Im Alter von knapp 20 Jahren kehrte er nach Brig zurück, wo er zunächst lokale Ämter in der Gemeinde übernahm. Er sprach Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Latein und Griechisch.
1633 bereiste er das Burgund, Frankreich, Belgien und die Niederlande, wobei er Kontakte zu Handelshäusern knüpfte. Stockalper erkannte die strategische Bedeutung, den der Simplonpass als schnelle und im 17. Jahrhundert wichtigste Verbindung zwischen den Grossmächten im Dreissigjährigen Krieg bildete.

Er investierte in den Ausbau der Saumstrasse und organisierte den Waren- und Personenverkehr über den Simplon. Es gelang ihm, durch geschicktes diplomatisches Lavieren zwischen den Grossmächten Frankreich und Spanien bzw. Mailand den Pass aus den Kriegswirren herauszuhalten, indem er sich auf beiden Seiten nützlich machte und dabei seinen Einfluss im Wallis ausdehnen konnte. 1639 und 1643 erwarb er die Walliser Monopole für Lärchenharz und -schwamm, Schnecken und Terpentinöl -damit war damals offenbar Geld zu verdienen-, 1647 wurde ihm das geldbringende Salzmonopol zuerkannt. Stockalper betrieb bei Brig eigene Erzgruben, in denen nach Eisen, Blei, Kupfer und Gold geschürft wurde. Durch Verschwägerung seiner Familie mit anderen einflussreichen Walliser Familien mehrte er seinen Einfluss, schuf Abhängigkeiten durch die Vergabe von Ämtern und Geld. Das Söldnerwesen während des Dreißigjährigen Kriegs legte den Grundstock für das immense Vermögen Stockalpers. So tauschte er sich am französischen Hof Handelsprivilegien ein durch die Vermittlung von Walliser Söldnern und von Krediten. Er lieh viel Geld, schöpfte daraus noch mehr Zinsen, bis er am Ende den mittellosen Schuldnern Grund und Boden abnehmen konnte. Auf dem Gipfel seiner Macht reichte sein Handelsimperium von der Adria bis zum Ärmelkanal und von Südspanien bis Norddeutschland.

1670 wurde Stockalper zum Landeshauptmann gewählt, war somit oberster Chef der drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative und vertrat das Wallis an der Eidgenössischen Tagsatzung und am französischen Hof.

Stockalper förderte als Gönner die Schulen der Kapuziner, Ursulinen und Jesuiten in Brig, baute und unterstützte Klöster, Kirchen, Spitäler, Schulen und Heime. Seine von ihm in Brig initiierten Bauten: Stockalperpalast, Sebastianskapelle und das Jesuitenkollegiums mit dazugehöriger Kirche sind Bauwerke, die heute noch das Stadtbild von Brig prägen.

1677-78 lehnten sich führende Vertreter aus bisher rivalisierenden Walliser Parteien und Familien gegen Stockalpers Machtfülle auf. Unter Todesdrohung wurde Stockalper gezwungen, sich schuldig zu bekennen. Er musste sein Hab und Gut und seine Handelslager abgeben und ein hohes Lösegeld zahlen. Nach der Entfernung aus allen seinen Ämtern und der Konfiskation eines Teils seines Vermögens floh Stockalper 1679 nach Domodossola.

1685, unter veränderten politischen Verhältnissen, kehrte er nach Leistung einer Abbitte und der Zusicherung, sich zurückzuziehen, nach Brig in sein Schloss zurück, wo er am 29. April 1691 im Alter von 81 Jahren starb und in der von ihm finanzierten Kirche in Brig-Glis begraben wurde. Im Museum im Stockalperpalast sind Dokumente zum Leben Kaspar Jodok Stockalpers zu sehen.


Und was ihr nicht gebt, das wird Euch genommen… mitnehmen könnt ihr nichts.
Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz; Kaspar Stockalper
wiki: Kaspar Stockalper




















































