[das ist ein noch vor dem Unfall von Frau L. aufbereiteter Beitrag, meine aktive Blogtätigkeit ist derzeit vorübergehend stark reduziert]
Heute ist Weinrallye, der Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Heutiges Thema: Weine von Winzerinnen. Der event, der diesmal leider zum letzten Male stattfindet, ausgerichtet von der Vollblutwinzerin Iris vom Weingut Lisson.
Lieber hätte ich eine Flasche von Iris geöffnet, das ging mangels Flasche nicht, so wurde es eine Flasche der Merlotcuvée Balin von Anna Barbara von der Crone aus dem Tessin. Und das war kein schlechter Griff ins Weinregal.
Nach dem Studium der Agronomie an der eidgenössischen technischen Hochschule in Zürich zogen Anna Barbara von der Crone und ihr Mann Ueli Kopp 1994 ins Tessin. Im Mendrisiotto (Gorla) und dem Sopraceneri (Sementina) begannen sie ihre zugekauften Rebparzellen zu bewirtschaften. Ihr erster Jahrgang war der 1995-er. Nach zwei, drei Jahren durften sie sich bereits unter die Tessiner Spitzenwinzer einreihen.
Aber es kam alles anders. Ihr Mann wurde 2002 auf einer Bergtour durch eine Lawine getötet und Anna Barbara von der Crone war mit ihren vier Kindern auf sich alleine gestellt. Allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz machte sie weiter, unterstützt von Familie und Freunden. Setzte auf die Fortführung des Weinbaus. Ein Winzerkollege, Paolo Visini, der eben seine Weinfachausbildung an der ZHAW in Wädenswil abgeschlossen und im Tessin in der Nähe zwei kleine, gepachtete Parzellen bewirtschaftete, unterstützte sie in ihrem Vorhaben. Daraus ist erst eine berufliche Partnerschaft hervorgegangen, später wurden die beiden Weingüter zusammengelegt, und mittlerweile ist daraus eine private Partnerschaft entstanden. Fast ein Märchen.
Heute werden 8 ha Rebland kultiviert, verteilt auf Parzellen an 4 Orten. Hauptsorte ist der Merlot, daneben etwas Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Petit Verdot und Malbec sowie Arinarnoa, eine Kreuzung zwischen Merlot und Petit Verdot, die in Assemblagen Verwendung findet. In den kühleren, höheren Lagen werden weisse Sorten angebaut Viognier, der Sauvignon blanc, Arneis und Kerner.
Mein Wein: Balin 2006, Cantina Kopp von der Crone Visini, 6917 Barbengo.
Traubensorten: 95% Merlot, 5% Arinarnoa und Cabernet Sauvignon.
Ausbau: Gärung und lange Maischenstandzeit in Edelstahltanks, gesteuerte Temperaturkontrolle. Ausbau und Reifung in Barriques für 16 Monate.
Kräftiges Rubinrot, etwas hellerer Rand. Rote Früchte in der Nase, dazu ein überwältigendes Sommerbukett von Blüten. Im Gaumen kräftig, aromatisch, wiederum rote Beeren, Schokolade, Rauch, samtenes Tannin, lang anhaltendes Finale. Für mich die schweizerische Entsprechung des sexy Pomerols La Conseillante aus dem Bordelais. Bloss günstiger.
Entgegen meiner Gewohnheit habe ich kein Gericht dazu gekocht. Aufgrund der Empfehlung einer NZZ-Degustation Schweizer Weine mit passenden Käsesorten haben wir den Wein zu einem unserer Lieblingskäse, einem mittelreifen Sbrinz, 24 Monate, und selbstgebackenem Basler Brot, 2-te Auflage hier gehts zum Rezept genossen. Mehr Zutaten braucht es nicht für ein märchenhaftes, kulinarisches Vergnügen.
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