Alle Beiträge von lamiacucina

Chemie-Ingenieur. Passionierter Koch-Dilettant. Mediterrane Küche, Molekulargastronomie.

Rinderconsommée mit souffliertem Markknochen

soufflierte Markknochen
Klare Rinderconsommée, darin ein Markbein, aus welchem das Mark gelöst, geschmolzen, mit mie de pain (frische, weisse Toastbrotbrösel ohne Kruste) gemischt, gewürzt und mit geschlagenem Eiweiss leicht souffliert wurde. Auf Bistro-Französich etwa: l’os à moelle soufflée. Mein definitiver Beitrag zum Bistro-event des Kochtopfs. Ich weiss, mit diesem unzeitgemässen Rezept, das so ganz und gar nicht in die Ernährungspyramide der Gesundheitsapostel passt, manövriere ich mich im Bistro-event ins Abseits.  Mir hats aber geschmeckt und Spass gemacht. Frau L. hat verzichtet, „zu fett“, dabei hab ich kein Gramm Fett zugesetzt, alles Natur. Kurz: ich lasse meine Quiche Alsacienne légère ausser Konkurrenz mitlaufen und reiche mein Markbein als offiziellen Beitrag ein. Natürlich nicht mein Markbein, irgendeiner voll- oder minderjährigen Kuh ihres. zum Rezept Rinderconsommée mit souffliertem Markknochen weiterlesen

Strisce all’uccelletto

Strisce all'uccelletto
Das war vor Jahren irgendwo im Piemont als wir, aus der Toskana herkommend, in einer kleinen, bescheidenen Osteria Rast machten. Der Name der Ortschaft ist längst vergessen. Der Name der Osteria auch. Der freundliche Oste empfahl uns seine Strisce all’uccelletto. Die hingegen haben wir nicht vergessen. Seither steht dieses bescheidene Alltags-Gericht bei uns auf der häuslichen Speisekarte, nachempfunden von Frau L.. Der Name spricht für sich: uccello = Vogel, tipo all’uccelletto = tagliata a piccoli pezzetti = in kleine Streifen geschnitten. Genügend davon zubereiten, dann reichts auch für gefrässige Vögel.  zum Rezept Strisce all’uccelletto weiterlesen

Gnocchi di castagne

Gnocchi di Castagne
Kastaniengnocchi aus tiefgefrorenen oder frischen Kastanien, serviert mit einer Baumnussauce. Das Rezept zum Reisebericht Soglio: Kastanien und Anderes. Das Gnocchirezept habe ich gefunden bei der Fondazione Garbald Castasegna, einer Stiftung für  Kunst und Wissenschaft, ansässig im einzigen Gottfried Semper-Bau südlich der Alpen. Zu den Gnocchis ist eine Parmesan-Rahm-Bouillon-Sauce mit Petersilie vorgesehen. Mir gefällt aber die geröstete Baumnuss-Sauce von Lavaterra, die sie im Baumnuss-event des Kochtopfs zu ihren trilli vorgestellt hat, viel besser. Drum tausche ich die Sauce aus. Toskana ins Bergell. Die sollen sich gefälligst vertragen. zum Rezept Gnocchi di castagne weiterlesen

Fasan nach Jägerart

Fasan nach JägerartGestern stand Fasan auf unserm Menuplan. Böse Überraschung am Morgen, der Fasan war weg. Kühlschrank leergeräumt. Die Überwachungskamera im Hausgang hat den Täter in flagranti fotografisch festgehalten. Leider nur fotografisch. Mit grünem  Hütchen. Danach verlor sich aber jede Spur. Tut mir leid. Das hier vorgesehene Rezept für Fasan fällt deshalb aus. Tröstlich, dass heute in BollisKitchen Fasan auf dem Menuplan steht. Zufälle.

Quittenpaste streng nach Reinheitsgebot

Quittenpaste in Stengeln
Der tag Weihnachtsgebäck ist irreführend. Hier wird nichts gebacken. Quittenpüree wird gekocht und gerührt bis weiche, fruchtige Quittenpaste entsteht. Paste. Hat jemand was von Gummibärchen gesagt ?. Das Quittenbrot von Ilka, der Quittenkönigin des Jahres, hat mich angeregt, den von uns sonst bei Sprüngli in Zürich zugekauften Quittenkonfekt wieder einmal selbst herzustellen. Ich mach ihn zum ersten Mal. Nach Frau L.’s Anweisungen und Rezept, mit der strikten Auflage, ihr Quittenreinheitsgebot (Quitte, Wasser, Zucker) nicht zu übertreten. Dabei wären Zimt und Ingwer schon bereit gelegen. Erst nach Ablegung eines entsprechenden Gelübdes übergab Sie mir das Rezept Quittenpaste streng nach Reinheitsgebot weiterlesen

In 80 Tagen !

Die badenden Oliven

Während andere in dieser Zeit um die Welt reisen, werde ich mich in dieser Zeitspanne abrackern, aus frischen Oliven etwas essbares zu machen. Beim Italiener gabs diese frischen grünen Jumbo-Oliven, ich konnte nicht widerstehen, sah schon das frische Olivengemüse als Beilage zu Fisch. Eine probiert: Grauenhaft bitter. Ungeniessbar. Als Freund alles Bitteren vertrage ich zwar einiges. Aber das war dann doch zuviel. Im Internet hätte man das ja alles nachlesen können. Vorher. Das Netz liefert wenigstens im Nachhinein ein Rezept: Einlegen und Kochen mit Aetznatron (Gefahrenklasse 8). Nein doch lieber nicht. Tagelange Versuche mit dem milderen Backpulver. Bitter bleibt bitter.

Neue Suche, neuer Lichtblick: Aufkochen mit 10% Kochsalz, 40 Tage stehen lassen. Erneut aufkochen mit 8%iger Kochsalzlösung. Erneut 40 Tage warten. Aha, da wird offenbar mit Hilfe der Osmose die Bitterkeit rausgezogen. Schauen, ob wir die misshandelten Früchte noch retten können. Auf Wiedersehen in 80 Tagen !

Weight Watchers oder der Krampf um Kalorien

Rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung ist übergewichtig. Das renommierteste Gewichts-Abnahmeunternehmen der Welt, Weight Watchers, vertreibt seine Produkte und sein Konzept in der Schweiz zusammen mit COOP unter dem Label COOP Weight Watchers: „wenig(er) Kalorien und Anleitung, wie Sie Ihre Ernährung langfristig umstellen können und so zu Wohlbefinden und Ihrem Wunschgewicht finden“.
Ich habe am 3.11.07 in Basel (aufgrund einer Meldung in der NZZ) folgende Deklarationen und Preise erhoben:

Produkt
COOP Weight-Watcher Erdnüsse
COOP Pittjes Erdnüsse
Migros Party Erdnüsse
Herstellung ohne Salz und ohne Fett geröstet gesalzen, mit Fett geröstet gesalzen, mit Fett geröstet
deklarierter Energie-inhalt
2510 kJ !!!
2493 kJ
2480 kJ
Preis pro 100 g Fr. 2.60 Fr. 1.80 Fr. 1.60

Weniger Kalorien ????  Was man sich mit den ungesalzenen Weight Watchers Erdnüssen im Vergleich zur fetten, gesalzenen Erdnusskonkurrenz zuviel anfrisst und antut (30 kJ/100g) muss mit etwa 13 Minuten Staub saugen wieder abgebüsst werden. Toll. Da verzichte ich lieber ganz auf Erdnüsse und spare mir damit 18 Stunden Staub saugen.

CH-7610 Soglio: Kastanien und Anderes

Soglio Palazzo Salis 

Alt und bequem, wie wir geworden sind, beginnen wir unsere Wanderung in Borgonovo, einem hübschen Strassendorf mit Häusern aus dem 17. und 18. Jhdt., laufen entlang der Via Bregaglia über Coltura bis Promontogno und nehmen dort das Postauto bis Soglio. Soglio liegt auf einer Sonnenterrasse mit wundervollem Ausblick auf die Bergeller Alpen. Das Dorf, bestehend aus vielen kleinbäuerlichen Häuslein, Ziegen- und Kuhställen und den fünf im 16. und 17. Jhdt durch die einflussreiche Dynastie der Familie von Salis-Soglio erbauten Palazzi. Im Bild der Palazzo Salis (Casa Battista), heute ein gepflegter Albergo mit schönem Garten. CH-7610 Soglio: Kastanien und Anderes weiterlesen

Strozzapreti alle zucchine e pomodori

Strozzapreti

Die italienische Geistlichkeit galt früher als äusserst verfressen. Strozzapreti (in andern Regionen Italiens auch Strango­lapreti genannt) konnten schon mal den einen oder andern Prälaten beim Herunterschlingen der köstlichen Dinger im Halse würgen. Daher, so die Legende, der Name „Pfaffen­würger“. Je nach Region kursieren unterschiedliche Zubereitungen, die allesamt auf antiklerikale Befindlichkeiten unterschiedlichster Art zurückzuführen sind. Während es sich dabei in der Emilia-Romagna und der Toskana um eine handgeformte Pasta handelt, benennt man damit im Trentino eine Art Spinatgnocchi. Während des Tridentiner Konzils sollen diese das Lieblingsgericht der versammelten Klerisei gewesen sein. Ob nördliche oder südliche Variante, ersticken kann man an beiden. Ich mache die südliche Version, weil sie mich an meine Pici erinnert. zum Rezept: Strozzapreti alle zucchine e pomodori weiterlesen

Capuns

Capuns

Capuns, eine Art Krautwickel aus der Bündnerregion, gefüllt mit Spätzliteig und geräuchten Wurstwaren. Die Capuns stammen ursprünglich aus dem Vorderrheintal, sind aber auch im Engadin heimisch. Von den bünderischen Capuns gibts ebensoviele Rezepte wie es Familien gibt. Plus meines. Jede Familie befindet ihr Rezept als das Beste, wobei für einmal alle Recht haben. Krautwickel gibts ja auch in unzähligen Varianten auf der ganzen Welt. Das ist mein letztes Rezept aus dem Engadin, bevor uns die Grenzland-Reise ins Bergell führt. zum Rezept Capuns weiterlesen