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Doubs der Unschlüssige (13) Vallée de la Loue

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Die Loue, als wasserreichste Karstquelle des Jura, ist einer der wichtigsten Zuflüsse des Doubs. Sie entspringt im Gemeindegebiet von Ouhans in 535 m Höhe  und fliesst dann in weit ausholenden Schleifen durch die Region Bourgogne-Franche-Comté, um letztlich bei Parcey, südlich von Dole, in den Doubs zu münden.

Die Quelle der Loue besitzt einen magischen Reiz. Am Fuss einer gewaltigen Felswand bricht der junge Fluss aus einer grossen Höhle tosend und voller Leben hervor. Das Quellwasser stammt unter anderem vom oberen Doubs, der bei Pontarlier teilweise versickert. Dieses Phänomen wurde 1901 entdeckt, als eine Absinth-Destillerie in Pontarlier in Brand geriet und größere Mengen Absinth in den Doubs ausliefen. Einige Tage später roch das Wasser der etwa 14 km entfernten Louequelle stark nach Anisschnaps.

Spricht man vom Vallée de la Loue, muss man auch vom französischen Maler Gustave Courbet (1819-1877) sprechen. Im verschlafenen Kleinstädtchen Ornans wurde er geboren, er studierte in Besançon und Paris Malerei. In Ornans entstanden seine wichtigsten Bilder. Courbet erregte mit seiner einfachen, realistischen Bildsprache Aufsehen und Widerstand in künstlerischen und politischen Kreisen. Courbet war der Hauptvertreter der realistischen Malerei in Frankreich und hatte damit einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der nachfolgenden Malerei. 1870 floh er vor der französischen Justiz in die Schweiz, wo er im Waadtland seine letzten Lebensjahre verbrachte.
Die Loue-Quelle inspirierte G. Courbet zu einem seiner schönsten, aber auch dem berüchtigsten Gemälde der Kunstgeschichte: L’Origine du monde, der Ursprung der Welt. Das Bild wird von facebook&Co. nach wie vor blockiert, google versteckt es notdürftig zum Schutz der Jugend. Ach ja…, die Jugend ist natürlich findiger, als sich das IT-Spezialisten erdenken können.

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Gedenkplakette der Gebirgsstrasse nach Ornans. Immerhin ist erwähnt, dass auch die Bevölkerung zur Kasse gebeten wurde.

Genug der hehren Kunst. Vom Plateau oberhalb der Quelle führt eine steile, in den Fels gehauene Gebirgsstrasse über Lods in das Tal der Loue (Vicky Leandros besingt übrigens mit „Theeeo, wir fahr’n nach Lodz“  eine andere Stadt).  Lods ist als Bilderbuchstädtchen in der Liste der „Les plus Beaux Villages de France“ klassifiziert. Daher besteht hier Anhaltezwang mit Fotografierpflicht zu Beweiszwecken.

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Lods, Brücke und die wieder aufgebaute Burg
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Lods, einige Bürgerhäuser, die Kirche und die Loue-Schwelle

Im Talboden angelangt, führt die Strasse entlang der Loue nach Ornans. Die Loue erreicht dasselbe Ziel etwas langsamer, dafür mit mehr Andacht.

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La Loue, kurz nach Lods

Ornans, der Hauptort des Départements Doubs. Rund 5000 Einwohner.

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Ornans, Unterstadt

Sigismund, nachmaliger König der Burgunder, gründete 515 die Abtei von Agaune (Saint Maurice) und schenkte ihr einen großen Teil der Grafschaft Warasch (Varais), die das ganze Gebiet des Oberlaufs des Doubs bis Besançon hin umfasste. Der Ort Ornans ist erstmals 1151 urkundlich erwähnt und gehörte zu dieser Zeit den Grafen von Burgund.

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Ornans: Stadtkirche St. Laurent, 16. Jahrhundert

Im Zentrum der Altstadt an der Loue sind die Adels- und Bürgerhäuser aus dem 15. bis 18. Jahrhundert und die Brücke Grand Pont sehenswert.

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Ornans: Das Ancien Hotel de Grospain aus dem 15. Jahrhundert
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Ornans: Die Rue St. Laurent mit ihren Bürgerhäusern

Zu allen Zeiten immer wieder das Wüten von Mensch gegen Mensch: Kriege, Verwüstungen, Plünderungen und Brandschatzungen. Hin und wieder Pestilenz. Im 19. Jahrhundert erlebte der Ort durch seine Lage am Fluss und dessen gewerbliche Nutzung  einen Aufschwung. Heute sind die Alstom und eine Verpackungsfirma die grössten Arbeitgeber.

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Ornans: Postkartenmotiv Grand Pont im „Petit Venise“
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Links das Musée Gustave Courbet

Am Place Gustave Courbet und in dessen Verlängerung, der verkehrsreichen Rue Vernier, befindet sich die Restaurantzeile. Der Guide Michelin empfiehlt das Restaurant Courbet mit Blick auf die Loue. Ich hätte gerne im Griotte in Saules gegessen, ein paar Kilometer ausserhalb von Ornans. Wenn es denn nicht gerade geschlossen gewesen wäre.

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Ornans: Place Gustave Courbet

Winterreisepause.

Quellen:

La Loue wiki (f)
Gustave Courbet wiki
Ornans wiki (f)
Headerbild: La Reflexion, G. Courbet

Doubs der Unschlüssige (12): Combes de Punay

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Wer im Auto kein Navi sein Eigen nennt, verfährt sich zuweilen. Wie ich zum Beispiel. Auf dem Weg vom Doubs zur Loue, einem Zufluss des Doubs, passierte ich auf Irrwegen ein eigenartiges Gebäude, das mich auf den ersten Blick faszinierte und anhalten hiess: wie sich später zuhause beim Recherchieren herausstellte, die Anciennes tuileries des Combes de Punay. Ich fühlte mich dabei ein wenig wie der britische Archäologe Howard Carter bei der Entdeckung der Grabkammer von Tutanchamun.

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Wer sich die Mühe macht, über allerhand Zivilisationsschutt in den Tempel einzudringen, wird von einer Zauberwelt empfangen. Eine alte, ehemalige Ziegelstein- und Klinkerfabrik. Dem Verfall preisgegeben. Aufgegeben. Verlassen. Denkmalgeschützt. Ein „édifice classé au titre des Monuments historiques“. Wie schön das in der Sprache der Pariser Verwaltungsaristokratie doch klingt.

Die ersten Gebäude der Fabrik wurden 1839 von Charles Guyot de Vercia erbaut. Die Fertigung war damals noch handwerklich. 1845 wurde eine Dampfmaschine in einem eigens entworfenen Gebäude installiert, um „tuiles perfectionnées“ zu produzieren.  Die Dampfmaschine betrieb die Mühle zum Zerkleinern des Mergeltons und später eine Pressmaschine zum Formen von Ziegel- und Klinkersteinen. Das Werk verfügte über 2 Brennöfen zur Herstellung von Ziegeln und Backsteinen, sowie einen Kalkbrennofen.
1884, Jahre nach dem Tod von Guyot de la Vercia, kaufte der Holzhändler Firmin Mourot die Fabrik und ergänzte die Brennöfen mit einem Sägewerk, um mit dem Holz die Öfen zu betreiben.

Um die 1930 war Schluss mit Fliesen.  Die Säge wurde noch ein paar Jahre weiter betrieben. 1965 stellte die Firma ihre Aktivitäten vollends ein.

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1978 und 1988 wurden Restaurierungskampagnen durchgeführt. Das Werk wurde am 31. Juli 1979 zum historisches Denkmal deklariert.

Die Gebäude sind immer noch in Privatbesitz eines Nachkommen von Firmin Mourot. Doch fehlt es an Geld zum Unterhalt. Ideen zur Einrichtung eines Ecomusée scheiterten. Anfängliche Unterhaltsbeiträge verschiedener Körperschaften des Pays d’Ornans mussten aus gesetzlichen Gründen 2012 wieder gestoppt werden. Langsam zerfällt die Anlage.

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Die Brennöfen und Maschinen sind längst ausgebaut und versilbert

Von einer eigenartigen Schönheit sind die Unterlagsbrettchen, auf denen die feuchtgeformten Ziegel und Steine unter dem Dach langsam trockneten, bevor sie im Ofen während ca. 5 Tagen gebrannt werden konnten. Lagerung unter dem Dachstock, weil sich dort wohl die Abwärme der Brennöfen staute.

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Unterlagsbrettchen

Die Trockenracks wurden wohl mit Seilzügen unter den Dachstock hochgezogen (?) und auf Querträgern gelagert.

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Gewaltig der Dachstock mit den Trockenracks. Ein Hochregallager aus dem 19. Jhdt.

Die Unterlagsbrettchen wurden offensichtlich in dieser Werkstatt handgefertigt. Heute haben die Spinnen das Regime übernommen.

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Der Dachstock mit dem Zugang zu den Trockenracks ist morsch. Katzen sind hingegen, wie im alten Aegypten, nicht nur geduldet, sondern werden offensichtlich als heilig verehrt. Schliesslich stehen sie unter dem Schutz der Göttin Bastet. Tochter des Sonnenkönigs Re.

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Allfällige Besucher bitte Katzenfutter nachfüllen!

Ganz zum Schluss meiner archäologischen Expedition stiess ich auf  ein antikes Reklameschild „Buvez les vins Grappe Exquise“. Das Siegel einer Schatzkammer? Was würde die Kammer bergen? Gold und Edelsteine? Sarkopharge? Mumien? weingefüllte Amphoren oder bloss den vergessenen Weinkeller des verblichenen Tempelbesitzers?  Aufgeregt schob ich das Siegel beiseite.

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Nichts von alledem. Die dahinter liegende Kammer war bereits von Grabräubern leergeräumt. Und enthielt alte Traktorenpneus statt Weinflaschen. Wäre doch zu schön gewesen.

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Anmerkung: Ich bin mir bewusst, dass ich mit solchen Themen die Mehrzahl rezepthungriger foodblog-Leser vergraule. Doch damit muss und kann ich leben.

Quelle:
Patrimoine en Bourgogne-Franche-Comté (mit Plänen)

Doubs der Unschlüssige (11): Baume-les-Dames

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Baume-les-Dames: Kirche St. Martin

Baume-les-Dames liegt auf halbem Weg zwischen Montbéliard und Besançon in einer Talweitung des Doubs, zwischen zwei Höhenzügen der Jura-Randketten. Rund 5000 Einwohner. 3 Apotheken.

Die Kirche Saint-Martin geht ursprünglich auf einen Bau aus dem 9. Jahrhundert zurück. Sie wurde von 1617 bis 1621 im gotischen Stil neu erbaut und im 19. Jahrhundert renoviert und teilweise neu erbaut.

An diesem Ort siedelten schon die Römer, die Abtei von Baume wurde wahrscheinlich von Germanus, Bischof von Besançon, um 400 gegründet. Sie entwickelte sich zum geistlichen Zentrum der Region. Die Nonnen stammten beinahe ausschließlich aus dem Adel, entweder Töchter aus Adelsfamilien (die sich damit die teurere Mitgift an einen Bräutigam sparten) oder verwitwete Adelsfrauen. Sie führten fernab der Männerwelt ein wohlversorgtes Leben, genossen gesellschaftliches Ansehen, arbeiteten an ihrer Bildung, kopierten Bücher und stickten geistliche Textilien.

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Abteikirche im romanischen Stil

Die zweite Kirche, die Abteikirche, wurde von 1738 bis 1760 in Anlehnung an romanische Stilformen erbaut, blieb jedoch infolge Geldmangels unvollendet und ist heute von Autos umlagert.

Unter Friedrich Barbarossa wurde Baume-les-Dames ab 1153 mit einem Mauerring umgeben und erhielt das Stadtrecht zugesprochen. Anfang des 13. Jahrhunderts übernahmen die Herren von Neufchâtel-Bourgogne die Stadtherrschaft. In der Folge entwickelte sich Baume-les-Dames zu einer Handelsstadt am Verkehrsweg von der Rhône zum Rhein. 1448 wurde die erste Papiermühle am Doubs gegründet.  Während der vom Drahtzieher Ludwig XI. initiierten Burgunderkriege wurde das Schloss von Baume 1476 durch bernische und französische Truppen zerstört. 1501 zerstörte ein Grossbrand weite Teile der Stadt. Immer wieder aufflackernde Pestepidemien dezimierten die Bevölkerung.  Ab 1546 war Baume-les-Dames Sitz einer Vogtei. Zusammen mit der Franche-Comté gelangte der Ort mit dem Frieden von Nimwegen 1678 definitiv an Frankreich. Die Abtei wurde während der Französischen Revolution aufgehoben.

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Maison des frères Grenier

Der Kern von Baume-les-Dames hat sein mittelalterliches Erscheinungsbild mit zahlreichen schönen Bürgerhäusern und Repräsentationsbauten bewahrt. Hier zwei Beispiele:  das Maison der Frères Greniers (16. Jhdt., im 19. Jhdt renoviert im Stil eines Manoirs), einer der Brüder war Dichter, der andere Maler, heute sind beide vergessen. Sowie das aus der Renaissance stammende Maison à Tourelle (1574).

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Maison à Tourelle
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Rue du Levrault

Wie überall verschwinden im alten Kern die kleinen Läden. Werden verdrängt durch supermarchés an den Ausfallstrassen.

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Rue des Granges

Pizza hatte ich 2 Stunden zuvor in L’Isle-sur-le-Doubs gegessen. Derlei gibt es auch hier, dazu noch Kebab, Spaghetti und Sandwiches. Als Nummer eins am Ort empfiehlt der Adweiser das Charleston, 11 GM-Punkte.

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Quelle:
wiki Baume-les-Dames (fr)

Doubs der Unschlüssige (10): Montbéliard-Besançon

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Neue Etappe entlang des Doubs. Ein schöner Streckenabschnitt für Fahrer und Auto. Start im Hafen „La Petite Hollande“ von Montbéliard. Da wo die „FIN“ voreilig das Ende verheisst. Dabei ist meine Doubs-Reise hier noch lange nicht zu Ende. Zunächst gehts meist dem Rhein-Rhonekanal entlang, bis zum Wasserfünfeck von Voujeaucourt, einem kleinen See mit 3 Zu- und 2 Abflüssen. Hier mischt sich die aus der schweizerischen Ajoie kommende Allaine mit dem Doubs und mitten durch führt der Rhein-Rhone-Kanal, der sich hier kräftig am Flusswasser erlabt, auf dass die Freizeitkapitäne nicht trockenlaufen.

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Weiter dem Doubs entlang, den ich hier erstmals als richtig grossen Fluss wahrnehme.

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Rechtsseitig des Doubs bis L‘ Isle-sur-le-Doubs, dem bekannten Postkartenidyll. Ein kleiner hübscher Ort, dessen winzige Altstadt entlang des Doubs und auf einer kleinen, langgezogenen Insel mitten im Fluss liegt.

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L‘ Isle-sur-le-Doubs mit einem der hier so häufig geschmückten Brückengeländer
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Der clocher comtois. Eine in der Franche-Comté verbreitete Kirchturmform aus dem 18. -19. Jhdt.

Mittagessen im einzigen, geöffneten Lokal des Ortes, einer Pizzeria. Mit Pizza Franc-comtoise à la cancoillotte et à la saucisse de Morteau. Eine Kartoffelpizza mit Wurststückchen, überzogen mit einem flüssigen Sauermilch-Kochkäse, einer Spezialität der Franche-Comté.  Das muss ich zuhause unbedingt nachbacken, das kann ich bestimmt auch und vermutlich besser.

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Zeit fürs Mittagsschläfchen. Das Glas Aligoté tut seine Wirkung. Gelb hin oder her.
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Clerval: Le clocher comtois, again
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Clerval

Weiter über den kleinen Ort Clerval nach Beaume-les-Dames, einem grösseren Hauptort.

Der Kern von Baume-les-Dames hat sein mittelalterliches Erscheinungsbild mit zahlreichen schönen Bürgerhäusern bewahrt und kriegt dafür einen eigenen Beitrag in der nächsten Folge .

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Baume-les-Dames: L’eglise Saint Martin und Maison des Frères Grenier

Zwischen Montbéliard und Besançon verlaufen Doubs und der Kanal weitgehend parallel, mischen sich immer wieder. Während der Doubs über unzählige Schwellen fällt, muss der Kanal den Höhenunterschied Richtung Saone und Rhone durch viele Schleusen ausgleichen.

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Schleuse bei Baumes-les-Dames

Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise!
Nimm uns mit in die weite, weite Welt!
Wohin geht, Kapitän, deine Reise?
Bis zum Südpol, da langt unser Geld!…. Fernweh mit Hans Albers

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nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!

Nach Baume-les-Dames wechsle ich auf die linke Doubsseite  bis Laissay, danach wieder rechtsseitig bis Vaire-Le-Grand und wieder linksseitig bis Chalèze. Kleine, enge Strässchen, die auch als Radweg dienen.

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Doubs bei Cugney-Douvot
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Schleuse nach Vaire-Arcier

Mitgenommen hat mich keiner der Kapitäne. Besançon: ein andermal. Dafür fand ich auf der Heimfahrt in Pontarlier den cancoillotte-Käse für meine Pizza. Wozu schleppe ich bei jedem Ausflug eine Kühlkiste mit? Genau dafür!

Liste der bisherigen Beiträge:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne
  5. Doubs, der Unschlüssige (5): La Goule-La Bouège
  6. Doubs, der Unschlüssige (6): Pontarlier-Morteau
  7. Doubs, der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre
  8. Doubs, der Unschlüssige (8): Von der Quelle bis Pontarlier
  9. Doubs, der Unschlüssige (9): Nach Mömpelgard
  10. Doubs, der Unschlüssige (10): Montbéliard-Besançon, aktuell

Doubs der Unschlüssige (9): nach Mömpelgard

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Die Grafschaft Montbéliard gehörte 1397-1793 zum linksrheinischen Besitz  des Hauses Württemberg. Abgebildet ist das Schloss mit den beiden Türmen Henriette (1424) und Frédéric (1595). Seit dem 15. Jahrhundert wird Montbéliard in der deutschen Sprache zu Mömpelgard verballhornt.

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Zusammenfluss von Doubs und Dessoubre in St. Hippolyte

Ausgangspunkt meiner Reise: St. Hippolyte, an der Stelle, wo sich Dessoubre und Doubs vereinen. Richtung Nordwest, möglichst immer dem Doubs entlang. Nach Pont-de-Roide öffnet sich die Landschaft des Jura, wird zunehmend flacher. Und langweiliger. Doch jeder Höhenflug braucht als Kontrast das Tief. Warum sollte das  bei Landschaften und Flüssen anders sein als bei Menschen? Auch Flüsse und Landschaften haben ihr eigenes Leben, ihr Gedächtnis, ihren Charakter. Der Doubs macht ohnehin, was er will, weiss wohin er gehört und wohin er will, auch wenn ihn die Menschen in seinem Fluss stören.

Ziel: Montbéliard, mitten im  flachen Sattel zwischen den Bergzügen der Vogesen und des Jura gelegen. Die Senke wird poetisch als Burgundische Pforte bezeichnet und liegt rund 400m hoch. Das milde Klima in der Nordwestschweiz und Südbaden wird massgeblich vom Durchzug mediterraner Luftmassen aus dem Rhonetal durch die Burgundische Pforte bestimmt. Auch Zugvögel kennen den bequemen Weg in den Süden, der ihnen die anstrengende Alpenüberquerung erspart.

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Das théâtre gallo-romain de Mandeure

Wenige hundert Meter vom Ufer des Doubs entfernt findet man in der kleinen Ortschaft Mandeure ein gallo-römisches Amphitheater. Ob hier Theater gespielt oder Wildsauen in der runden Orchestra herum getrieben wurden, weiss allenfalls Obelix, und der lebt nicht mehr. Ein klassiertes, nationales Monument, wohl deshalb ein wenig baufällig.

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Rasengepolsterte, akustikhemmende Sitzreihen

Nach Mandeure nimmt der Doubs einen anderen Weg als ich, wendet sich von Autobahnen, Autoindustrie (Renault-Citroen) und Mömpelgard ab und fliesst Besançon zu. Auf Wiedersehen. Man sieht sich wieder! Meine Autokarte hatte ich zuhause vergessen, das machte die Einfahrt durch die industrialisierten Aussenbezirke von Montbéliard über Nebenstrassen kurzweilig. Nach ein paar Irrwegen verhalf mir die Handyortung doch noch in das centre ville.

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Mömpelgard, centre ville

Montbéliard wurde vor dem Ende des ersten Jahrtausends gegründet und entwickelte sich rasch zum Hauptort der Grafschaft. 1397 fiel die Grafschaft durch Heirat der Henriette von Montfaucon an das Haus Württemberg. Jedoch gelang es den Württembergern nicht, ihre Besitzungen zu erweitern und zu einem geschlossenen Gebiet zu vereinigen. Die Herrschaft wurde zudem durch andauernde Machtansprüche der Burgunder Herzöge bedroht.
1538 gelang Herzog Ulrich von Württemberg die Reformation in Montbéliard durchzusetzen, die württembergischen Besitzungen blieben aber evangelische Enklaven inmitten katholischer Gebiete.
Im 17. Jahrhundert befestigte der württembergische Baumeister Heinrich Schickhardt die Residenzstadt Mömpelgard und prägte ihr architektonisches Erscheinungsbild durch mehrere bedeutende Bauten, wie das Renaissance-Schloss und die große lutherische Kirche, den Temple Saint-Martin.

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Hôtel Sponeck, Tempel der Kultur
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Tempel zum heiligen Martin

Mittagessen in einem allerliebsten, winzigen, uralten Lokal mit nicht viel mehr als zwei Dutzend Gedecken: Das Restaurant Chez Casse Graine. Essen gepflegt, kleine Auswahl im Bistrostil auf Schiefertafel.

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Tempel zum Imbiss
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Wie der Doubs macht die Uhr, was sie will

Die junge patronne, Emily Petit betreibt das Lokal mit einem Angestellten. Kocht und lässt servieren oder umgekehrt. Die Holzdecke des Lokals ist von einem talentierten, witzigen Strassenkünstler und -poeten mit Lebensweisheiten beschrieben und bemalt, was das Warten auf die Teller für Alleinreisende kurzweilig macht. Vier Beispiele (in meiner Übersetzung)

  • écrire sur la pointe des pieds… (Schreiben auf Zehenspitzen)
  • si tu regardes le ciel c’est ton reflêt que tu verras… (wenn du zum Himmel schaust, wirst du dein Spiegelbild sehen)
  • l’humain est en spirale, la symétrie chancelle et l’égarement des uns baise la naivité des autres… (Der Mensch befindet sich in einer Spirale, seine Symmetrie schwankt, die Verwirrung der einen küsst die Naivität der andern.
  • oder ganz einfach: île monde

Hier wäre ich gerne noch länger geblieben, doch der Himmel überzog sich bei bleierner Hitze dunkel-dräuend, das Glas Schampus war leer und der Regenschirm im Auto.

Das Schloss befindet sich etwas erhöht mitten im Stadtkern. In den beiden Türmen sind ein naturgeschichtliches und ein archäologisches Museum untergebracht. Im Maison des Gentilhommes auf dem Schlosshof das Konservatorium.

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Heute das Conservatoire du Pays de Montbéliard. Rechts Mäxle.
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Ancien logis des gentilhommes: Hier werden heute étuden geprobt

Der Dreissigjährige Krieg stürzte auch die linksrheinischen württembergischen Besitzungen in tiefes Elend. In der Folge suchte Frankreich unter König Ludwig XIV. diese Gebiete unter seine Herrschaft zu bringen und besetzte Teile davon mit militärischer Gewalt.
Während der französischen Revolutionswirren kam es ab 1789 in den württembergischen Herrschaften zu Aufständen. 1793 fielen Stadt und Grafschaft Mömpelgard endgültig in französische Hand. 1796 trat Friedrich Eugen, Herzog von Württemberg, die linksrheinischen Herrschaften im Pariser Sonderfrieden an Frankreich ab. 1803 erhielt er, unterstützt von Napoleon, als Kompensation große weltliche und geistliche Gebiete in Südwestdeutschland, sowie später den Titel eines Kurfürsten zugesprochen. Wie das bei den Grossen so zugeht,  keiner muss Hunger leiden.

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Les Halles de Montbéliard: Alte Markthalle mit ländlichen Dessous statt Frischgemüsen vom Land

Südlich der Altstadt speist die in der Schweizer Ajoie entsprungene Allaine, ein Nebenfluss des Doubs, zunächst den Canal du Rhone au Rhin, bevor sie in den Doubs mündet. Doch als Schönwetterfotograf hatte ich hier das Fotografieren längst aufgegeben.

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Port de Plaisance, Montbéliard

Nicht das schönste aller Jurastädtchen und doch sehenswert.

Quellen:
wiki Montbéliard

Die Liste der bisherigen Folgen findet sich hier

Doubs der Unschlüssige (8): Von der Quelle bis Pontarlier

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34°C. Zu heiss für lange Autofahrten, und doch musste es einmal sein. Mit der klimatisierten Benzinkutsche an die Doubsquelle nach Mouthe (F). Gerade noch rechtzeitig vor dem Quatorze Juillet, dem Ferienbeginn in F, bevor die Touristen den naheliegenden Campingplatz überfluten und die Quelle als Badeplatz benutzen.

Endlich! Endlich hat mich die Quelle gefunden und ich den Anfang meiner Geschichte. Ein hübscher, klarer, eiskalter Bach, der munter aus dem Fels strömt und danach in die Landschaft der Franches-Montagnes mäandriert. Eine halbe Stunde sass ich am Quellbecken im Wald, allein und ungestört und zählte die hier noch ungeschliffenen Kieselsteine im Wasser.

Doubs (8) Quelle 20170705_131756

Die Source du Doubs liegt im regionalen Naturpark Haut-Jura auf einer Höhe von 937 m am Fuße der bewaldeten, bis zu 1419 m hohen Jura-Bergkette des Mont Risoux, auf der die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz verläuft. Der Doubs entspringt einem komplexen Höhlensystem unter dem Fôret du Noirmont und dem Fôret du Risoux. Gespiesen wird er durch unterirdische Klüfte, Syphons und kleine Seen, teilweise sickert sogar Wasser aus dem schweizerischen Lac de Joux in das Quellgebiet des Doubs. Zollfrei.
Angereist bin ich vom Lac de Joux her, über den kleinen, relativ flachen Grenzpass Col de Landoz-Neuve, welcher das Vallée de Joux mit dem Val de Mouthe verbindet

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Lac de Joux

Erst läuft das Wasser des Doubs in ein tiefes Quellbecken, fällt danach über einen kleinen Wasserfall und sucht sich anschliessend ihren Weg in die dort sumpfige Landschaft. Die Quelle schüttet durchschnittlich 1740 Liter pro Sekunde aus, mir schien es eher weniger zu sein, aber ich hatte keinen geeigneten Messbecher zur Hand.

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Der junge Fluss, gleich nach der Quelle
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Doubs in Mouthe
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Doubs in Mouthe

Und alles dem Doubs entlang bis er sich zum Lac Saint-Point erweitert. Im Badeort Malbuisson durch den Wald hoch bis zum Fort Lucotte (Fort de Saint-Antoine). Erbaut von 1879 bis 1882, hätte die unterirdische Festung Einfällen von Germanen und Alemannen Einhalt gebieten sollen. Hat sie aber bekannterweise nicht: Nutzlos geworden, bröckelte das Fort leise vor sich hin, bis es 1966 von Marcel Petit, dem Chef einer grossen Käsereifungsfirma aus dem Dornröschenschlaf geküsst und als Käsereifungskeller eingerichtet wurde. Hier lagern und reifen über 100’000 Laibe Comtékäse aus verschiedenen Gebirgsmilchkooperativen zwischen 10 und 20 Monaten. An bestimmten Tagen sind die Keller zu besichtigen. Die Festungswächter hatten aber kein Einsehen mit einem spontan anreisenden, ehemaligen foodblogger und beharrten darauf, dass nur Einlass kriege, wer sich zuvor rechtzeitig im örtlichen Tourismusverein für eine 90-minütige Führung angemeldet habe. Anschluss an eine eben eingelassene Gruppe unmöglich. Impossible. Bureaucratie à la française. Selber schuld, aber ich bin ja nicht zum letzten Mal hier.

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Fort St. Antoine

Im Lac de Saint-Point macht es sich der Doubs auf einer Länge von über 7 km so richtig gemütlich. Der See ist der drittgrößte Natursee Frankreichs, Genfersee nicht mitgezählt. Im Sommer ein beliebter Badesee und Fischerort auf 885 m Meershöhe mit Hotellerie und Strandbetrieb. Im Winter ist er meist zugefroren.

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Lac Saint Point in seiner ganzen Länge
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Lac Saint Point

Am Ende des Lac Saint Point wird der See wieder zum Fluss. Von hier an mäandriert er wieder durch die Talauen bis kurz vor Pontarlier.

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Doubs in Oye et Pallet

In Pontarlier halte ich mich am Comté im Laden der Crèmerie von Marcel Petit schadlos. Alles Nachdenken, wo ich zuhause ein hydraulisches Käsemesser mit Laserstrahljustierung unterbringen könnte, führte zu keinem Ziel. Zuviel Messer für zuwenig Käse.

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Käselaib-Laserstrahljustierung

Und mache in einer Brasserie ein selfie von mir und dem Oberkellner (das Hundert im Gruselkabinett ist voll! (mit mir sind es jetzt 101). Das reicht.

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Bisherige Beiträge:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne
  5. Doubs, der Unschlüssige (5): La Goule-La Bouège
  6. Doubs, der Unschlüssige (6): Pontarlier-Morteau
  7. Doubs, der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre

Doubs der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre

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Vorgesehen war die Fahrt zur Doubsquelle, aber für solch lange Reisen wars mir zu heiss. Begnügen wir uns heute mit dem Val du Dessoubre. Ein über 30 km lang gezogenes, sehenswertes, wenig besiedeltes Tal, durch das sich der Dessoubre, ein Nebenfluss des Doubs, in vielen Windungen zieht. Der Dessoubre fliesst bei St. Hippolyte in den Doubs und versorgt den bis dahin schwächelnden Fluss mit frischem und unbelastetem Wasser.
Die Zufahrt aus der Schweiz über Morteau und Fuans gibt Gelegenheit, Würste nachzutanken. Hinter Fuans beginnt das Tal mit der Felsarena von Consolation-Maisonnettes.

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Ein steiler, ca. 150 Meter hoher Felsenzirkus, an dessen Fuss die Karstquelle des Dessoubre entspringt. Oben auf dem Fels liegt einer der beiden Aussichtspunkte, das Bellevue de Consolation, der auf stotzigem Fussweg erklimmt werden muss. Aussicht: viel Wald, wenig Kloster und fast kein Fels. Denn dieser liegt unter den Füssen. Dafür kann man sich auf einer Tyrolienne, einer 500 Meter lange Drahtseilrutsche, auf die andere Talseite rutschen lassen. Aber was soll ich dort, hier bin ich ja sowieso. Und gerutscht wird nur während der Sommermonate, sonst verirren sich hieher nur wenige Touristen.

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Das Kloster von Consolation-Maisonnettes geht auf eine der Notre Dame de Consolation (Maria Trost) geweihte Kapelle des 15. Jahrhunderts zurück. Ende des 17. Jahrhunderts wurde hier ein Kloster gegründet, das später als Priesterseminar diente. Heute ist ein spirituelles Zentrum einquartiert. Barock zweiter Klasse. In Gottes Namen. Damals kannten sie nicht anderes. Interessanter sind die Anlagen der Electricité de France. Zeugen dafür, dass die Elektrizität seit geraumer Zeit im Tal angekommen ist.

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Nach Consolation führt die Strasse abwärts, alles entlang dem Dessoubre, der die Richtung vorgibt. Manchmal wird das Tal eng, felsig, der Fluss zwängt sich durch sein schmales Bett. Hin und wieder öffnet sich das Tal, macht kleinen Weilern und Ortschaften Platz. Eine schöne, abwechslungsreiche Fahrt.

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Kurz nach Consolation trifft man auf die restaurierte Moulin Girardot, eine ehemalige Sägemühle.

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Weiter talabwärts liegt, direkt am Dessoubre, eine gute Fischbeiz (La truite du moulin, Ortschaft Cour St. Maurice) mit Zuchtforellen aus dem Fluss. Dumm nur, dass an diesem Tag gerade eine Armada Cabrioletfahrender Herrenfahrer das Restaurant belegt hatte. Muss ich nicht haben. Ein andermal. Nach den Porsches präsentierte sich das Tal wieder still, ruhig und schön.

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Gleich unterhalb der Brücke von St. Hippolyte liegt der Zufluss des Dessoubre in den Doubs.  Den sparen wir uns für die nächste Etappe, die Hungerbekämpfung mittels des vorzüglichen Comté aus dem örtlichen Käseladen hatte Priorität.

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