Schlagwort-Archive: Doubs

Doubs der Unschlüssige (7): Val du Dessoubre

Dessoubre 20170608_144223

Vorgesehen war die Fahrt zur Doubsquelle, aber für solch lange Reisen wars mir zu heiss. Begnügen wir uns heute mit dem Val du Dessoubre. Ein über 30 km lang gezogenes, sehenswertes, wenig besiedeltes Tal, durch das sich der Dessoubre, ein Nebenfluss des Doubs, in vielen Windungen zieht. Der Dessoubre fliesst bei St. Hippolyte in den Doubs und versorgt den bis dahin schwächelnden Fluss mit frischem und unbelastetem Wasser.
Die Zufahrt aus der Schweiz über Morteau und Fuans gibt Gelegenheit, Würste nachzutanken. Hinter Fuans beginnt das Tal mit der Felsarena von Consolation-Maisonnettes.

Dessoubre 20170608_143310

Ein steiler, ca. 150 Meter hoher Felsenzirkus, an dessen Fuss die Karstquelle des Dessoubre entspringt. Oben auf dem Fels liegt einer der beiden Aussichtspunkte, das Bellevue de Consolation, der auf stotzigem Fussweg erklimmt werden muss. Aussicht: viel Wald, wenig Kloster und fast kein Fels. Denn dieser liegt unter den Füssen. Dafür kann man sich auf einer Tyrolienne, einer 500 Meter lange Drahtseilrutsche, auf die andere Talseite rutschen lassen. Aber was soll ich dort, hier bin ich ja sowieso. Und gerutscht wird nur während der Sommermonate, sonst verirren sich hieher nur wenige Touristen.

Dessoubre 20170608_145520

Das Kloster von Consolation-Maisonnettes geht auf eine der Notre Dame de Consolation (Maria Trost) geweihte Kapelle des 15. Jahrhunderts zurück. Ende des 17. Jahrhunderts wurde hier ein Kloster gegründet, das später als Priesterseminar diente. Heute ist ein spirituelles Zentrum einquartiert. Barock zweiter Klasse. In Gottes Namen. Damals kannten sie nicht anderes. Interessanter sind die Anlagen der Electricité de France. Zeugen dafür, dass die Elektrizität seit geraumer Zeit im Tal angekommen ist.

Dessoubre 20170608_145746

Nach Consolation führt die Strasse abwärts, alles entlang dem Dessoubre, der die Richtung vorgibt. Manchmal wird das Tal eng, felsig, der Fluss zwängt sich durch sein schmales Bett. Hin und wieder öffnet sich das Tal, macht kleinen Weilern und Ortschaften Platz. Eine schöne, abwechslungsreiche Fahrt.

Dessoubre 20170608_150451

Kurz nach Consolation trifft man auf die restaurierte Moulin Girardot, eine ehemalige Sägemühle.

Dessoubre 20170608_151029

Dessoubre 20170608_151204

Dessoubre 20170608_151233

Weiter talabwärts liegt, direkt am Dessoubre, eine gute Fischbeiz (La truite du moulin, Ortschaft Cour St. Maurice) mit Zuchtforellen aus dem Fluss. Dumm nur, dass an diesem Tag gerade eine Armada Cabrioletfahrender Herrenfahrer das Restaurant belegt hatte. Muss ich nicht haben. Ein andermal. Nach den Porsches präsentierte sich das Tal wieder still, ruhig und schön.

Dessoubre 20170608_155944

Gleich unterhalb der Brücke von St. Hippolyte liegt der Zufluss des Dessoubre in den Doubs.  Den sparen wir uns für die nächste Etappe, die Hungerbekämpfung mittels des vorzüglichen Comté aus dem örtlichen Käseladen hatte Priorität.

Dessoubre 20170608_161605

Doubs der Unschlüssige (6): Pontarlier-Morteau

Pontarlier-Morteau 2017 04 22_0889

Und schon wieder Morteau. Wegen der Wurst. Da lag es auf der Hand, der Wurst noch eine weitere Teiletappe meiner Doubsreise anzuhängen. Vom Val de Travers her kommend gelangt man nach Les Ferrières über die Grenze nach Frankreich in das Doubstal. In La Cluse-et-Mijoux kreuzten die früher wichtigen Handelsstrassen Dijon-Lausanne und Dijon-Bern das Jura-Gebirge. Hoch über dem Ort liegt das mächtige Chateau (Fort) de Joux. Von der Burg aus konnte die Strasse, die hier durch eine Felsenge führt, gut kontrolliert werden.

Pontarlier-Morteau 2017 04 22_0884
Fort de Joux

Die Burg stammt im Kern aus dem 11. Jahrhundert und besteht heute aus 5 aufeinanderfolgenden Festungsmauern. Ursprünglich wurde sie von den Herren von Joux erbaut, einer reichen Adelsfamilie, die damals eine wichtige Stellung zwischen der Freigrafschaft Burgund und den Waadtländer (damals: Savoyer) Herrschaften einnahm. Nach dem Aussterben der Herren von Joux kaufte Herzog Philipp der Gute die Festung 1454 für Burgund. 1530 kam sie in den Besitz Karls V. Während des Dreissigjährigen Krieges wurde sie 1639 von Truppen des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar besetzt. Zusammen mit der Franche-Comté gelangten die Burg und der Ort La Cluse-et-Mijoux mit dem Frieden von Nijmwegen 1678 an Frankreich. Nach Plänen von Vauban wurde das Château de Joux zu einer bedeutenden Grenzfestung ausgebaut und mit einer Garnison belegt.
Ab dem 18. Jahrhundert diente es als Gefängnis; hier waren unter anderen Graf Mirabeau und der als preussischer Spion verdächtigte Heinrich von Kleist inhaftiert.

Pontarlier-Morteau 2017 04 22_0887
Fort de Joux: Martialischer Festungsbau von General Vauban

Doubs abwärts folgt die rund 800 Meter hoch gelegene Provinzstadt Pontarlier. Sie gehört zum Département Doubs in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Dank ihrer geographischen Lage spielte die Stadt schon früh eine bedeutende Rolle für den Warenaustausch zwischen Nord- und Südeuropa, im 12. Jahrhundert wurde sie zum Handelszentrum. Durch ihre strategische Grenzlage bedingt, geriet sie mehrfach in kriegerische Konflikte der damaligen Grossmächte. Pontarlier (wie Morteau) hatten im Laufe der Geschichte immer wieder unter großen Feuersbrünsten zu leiden. Die Holzheizungen in harten Wintern forderten ihre Brandopfer.

Pontarlier-Morteau 20170421_143821
Porte Saint-Pierre de Pontarlier (1772)

Der Doubs, der die Peripherie von Pontarlier teilweise umfliesst, ist hier noch ein bescheidenes Bächlein. Was einen nicht wundern darf, entspringt er doch wenige Kilometer süd-westlich in La Mouthe (da muss ich auch noch hin).

Mich hingegen ziehts heute wurstwärts, dem Doubs entlang nach Morteau. Etwa Mitte der Distanz liegt die ehemalige Abtei von Montbenoît. Um das Jahr 1000 vom heiligen Benoît als Einsiedelei in der kaum besiedelten Gegend des Saugeais gegründet, etablierten sich die Augustinermönche von St. Maurice als Nachfolger. Die Landbesitzer, die Herren von Joux, statteten die Abtei mit umfangreichen Rechten, Lehen und Besitztümern aus. Weitere Donatoren folgten ihrem Beispiel. Die Abtei verteilte willigen Zuzügern aus der Schweiz, Deutschland und Savoyen Land, das von diesen urbar gemacht werden musste. Gegenüber der Abtei waren diese Siedler zins- und für eine Anzahl Tage arbeitspflichtig, mit und ohne Sense. Ledigen Männern des Saugeais wurde erlaubt, Frauen aus andern Regionen zu ehelichen. Ein guter Deal für alle Seiten, vor allem für die Abtei, aber auch für die ledigen Männer. Ob auch für die Frauen? Die wurden nicht befragt. Die Gegend prosperierte. Während rund 700 Jahren galt die Seigneurie von Montbenoît als praktisch unabhängige „Republik“.
Die Kirche wurde im 30-jährigen Krieg von deutschen Truppen des Herzogs von Sachsen-Weimar verwüstet. Nicht zu vergessen. dass es Kardinal Richelieu war, der sich die Dienste des Weimarer Herzogs erkauft hatte, um damit die Kaiserlichen im Hochburgund anzugreifen, das damals noch zum Burgundischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches gehörte.

Die Kirche ist ein Stilmix vom 12. bis ins 20. Jahrhundert. Sehenswert sind die alten Teile und  vor allem der kleine Kreuzgang.

Pontarlier-Morteau 20170421_145937
Abtei von Montbenoît
Pontarlier-Morteau 20170421_150157
Abtei von Montbenoît, Kreuzgang

Weiter auf der Strasse nach Morteau durchquert man das Défilé d’Entre-Roches. Stellen, an denen sich der Doubs durch die Jahrtausende tief in den Fels gefressen hat.

Pontarlier-Morteau 20170421_150900
Défilé d’Entre-Roches mit Mäxle
Pontarlier-Morteau 20170421_151209
Défilé d’Entre-Roches

An ein paar typischen Tuyés (Räucherkaminen) vorbei nach Morteau.

Pontarlier-Morteau 2017 03 03_0820
Keine Salzbohrtürme: Tuyés, Räuchertürme in Morteau

Die beste Wurst gibts jedoch nicht in den Grossbetrieben am Rand der Zufahrtsstrassen, sondern im Städtchen, in der Boucherie Vernereye. Den Blick ins Ladeninnere auf das Wurstparadies gibts in meinem Instagramaccount. Zwei Häuser nebenan in der Fruitière gibts Comtékäse und Vin jaune.

Pontarlier-Morteau 20170421_154107

Morteau wurde seit Beginn des 12. Jahrhunderts durch Mönche von Cluny besiedelt, um die Bergregion urbar zu machen.
Wer rastet, sieht ein schönes Rathaus, eine Einkaufsstrasse, die Grand rue, einen Bahnhof, ein Uhrenmuseum und die Kirche mit Friedhof.

Pontarlier-Morteau 20170421_152630
Morteau, Musée de l’Horlogerie
Pontarlier-Morteau 2017 03 03_0829
Morteau, Kirche mit Friedhof, bei Schlechtwetter
Pontarlier-Morteau 2017 03 03_0827
Morteau, Doubs gleich nach der Schneeschmelze Anfang März

Bei schlechtem Wetter (Besuch von Anfang März) sieht alles etwas trostlos aus, deshalb brauche ich mir keine Mühe mit Farben zu geben: dann gibt es fast keine Farben. Schwarz-weisses Jurawetter. Und kaum bricht beim nächsten Besuch 3 Wochen später die Sonne hervor, blüht wieder Leben.

Pontarlier-Morteau 20170421_162450
Morteau, Doubs im April

Quellen:
wiki: Fort de Joux
wiki: Pontarlier
wiki: Abbaye de Montbenoît

Doubs, der Unschlüssige (5): La Goule-La Bouège

CH-2340 La Bouège 20170408_164156

Ein winziges Teilstück nur, am Ende der Welt, zweimal 40 Minuten Wanderzeit, mehr als genug, um das schmerzende Hüftgelenk nach langem Winter wieder an ein paar Schritte zu gewöhnen. Hier gibts keine öffentlichen Verkehrsmittel.  Von Le Noirmont aus gehts rund 400 Höhenmeter steil an den Doubs hinunter. Mit dem Auto. Junge und Ehrgeizige machen das zu Fuss. Und laufen gleich weiter bis La Chaux de Fonds (26 km, mit vielen Höhenmetern)

CH-2340 La Bouège 20170408_174609

In La Goule verengt sich das Tal zu einer schmalen Schlucht. Hier wird das Wasser des Doubs wieder einmal gestaut. Unterhalb der Staumauer bleibt vom Fluss nur noch ein Bächlein. Der Winter war, einmal mehr, viel zu trocken.

CH-2340 La Bouège 20170408_174117

La Goule, ein winziger Weiler, ein verlassenes Zollhaus, eine kleine schmale Brücke auf die französische Seite und ein Parkplatz.

Hier beginnt die kurze Wanderung flussaufwärts bis zum nächsten Gehöft, der Auberge de la Bouège. Während die Natur oben sich daran macht, den Winter abzuschütteln, hat unten am Doubs der Frühling bereits begonnen.

CH-2340 La Bouège 20170408_165302

Das Grün der Terrassen-Auen leuchtet unglaublich satt.

CH-2340 La Bouège 20170408_172840

Kein Mensch weit und breit. Nach 40 Minuten erreicht man die Auberge de la Bouège. Hier könnte man übernachten. Oder Forellen essen. Für mich einen Kaffee. Mit dem einsamen Milchkrug ein paar Worte wechseln, wie schön er es auf seinem Fensterbrett habe. So still. So ruhig. Das werde sich an Ostern ändern, wenn es nicht regne, meint er. Und er muss es wissen.

CH-2340 La Bouège 20170408_170203

CH-2340 La Bouège 20170408_171124

Blick weiter talaufwärts, ca. 3 Stunden bis Biaufond. Aber wie zurück zum Auto?

CH-2340 La Bouège 20170408_171810

Bisherige Beiträge:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne

NB: Die Linzertorte ist nochmals gebacken und fertig im Kasten. In 2 Wochen hier auf dem Blog.

Doubs, der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0706

Mein erklärtes Ziel, von dem ich nicht weiss, ob ich es je erreichen werde: von der Quelle des Doubs bis zu seiner Mündung in die Sâone zu  wandern bzw. zu fahren. Etappe um Etappe. Diesmal kommen weitere 30 km hinzu. Vom Jurahäuschen fahre ich erst nach Goumois hinunter, über den Richtung St. Ursanne fliessenden Doubs in den französischen Teil von Goumois, dann auf die Höhen der französischen Franche-Comté, am Belvédère des fougères vorbei (Aussicht auf den Doubs im Bild oben) und nach einigen Kilometern wieder tief hinunter nach St. Hippolyte. St. Hippolyte liegt an der Einmündung des Flusses Dessoubre in den Doubs, am Arm, der kurz nach St. Ursanne die Schweiz verlässt und in vielen Windungen nach Besançon fliesst.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0718

Am 29. Dezember ist es bitterkalt, die Sonne flach, das kleine Städtchen St. Hippolyte friert und kauert sich eng und schattenwerfend im ohnehin schattigen Tal zusammen. Die Altstadt besteht aus wenigen Gassen, einigen schönen Häusern, einem guten Käseladen, der Kirche und dem Konvent.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0714

Aufwärmen in der relativen Wärme der Stiftskirche aus dem 14. Jahrhundert.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0711

Darin wurde im 15. Jahrhundert das Turiner Grabtuch aufbewahrt. 1452 gelangte dieses in die Hände des Herzogs Ludwig von Savoyen und damit nach Chambéry. Als die Herzöge von Savoyen 1578 ihre Residenz nach Turin verlegten, kam das Tuch nach Turin, wo es noch heute aufbewahrt wird.
1606 wurde in Dôle die Gesellschaft der heiligen Ursula, einem katholischen Frauenorden, gegründet.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0716

1618 zogen die Ursulinen nach Saint-Hippolyte und gründeten eine Schule für die Erziehung Jugendlicher. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1700.

Während der französischen Revolution verließen die Ursulinen das Kloster. Das Gebäude wurde danach als Präfektur, Gendarmerieposten und Schule benutzt.

Auf der im Winter wenig befahrenen Strasse entlang des Doubs fahre ich gegen St. Ursanne.  Einmal mehr an zwei Stauwehren vorbei.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0721
Das Stauwehr von Soulce-Cernay

Gleich danach weitet sich das enge Tal und erlaubt einen Blick auf die Burgruine von Montjoie-le-chateau. Auf der Anhöhe oberhalb des Dorfes ließ ein lokaler Adliger im 13. Jahrhundert die Burg Montjoie erbauen. Sie entwickelte sich zu einem Herrschaftssitz, der das Doubstal oberhalb von Saint-Hippolyte kontrollierte. Während des Dreissigjährigen Krieges wurden Burg und Ortschaft zerstört, danach wurde die Burg nicht mehr wieder aufgebaut. Zusammen mit der Franche-Comté und dem Elsass fiel Montjoie mit dem Frieden von Nimwegen (Nimmweg-Frieden) 1678 an Frankreich.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0725
Montjoie-le -chateau. Burgruine, Kapelle und Dorf

Die Strasse folgt jeder Windung des Flusses, dreimal wechselt sie von der einen auf die andere Flussseite. In der Nähe von Glère lag die Sonne im engen Tal schon so tief, dass die Fotos in der abendlichen Dämmerung einen zauberhaften Effekt erhielten.

St-Hippolyte-St-Ursanne 20161216_161558
Doubs in der Abenddämmerung bei Glère
St-Hippolyte-St-Ursanne 20161216_155636
Doubs in der Abenddämmerung bei Glère

Kurz nach der Schweizer Grenze erscheint die Pfarrkirche Saint-Valbert von La Motte-Ocourt im Niemandsland weitab beider Ortschaften gelegen. 1641 erbaut, besitzt sie eine bemalte Holzdecke aus der Zeit. Der Raureif im Tal lässt sich zentimetergenau dort nieder, wo die Sonne den ganzen Tag nie hinscheint.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2016 12 20_0702
Pfarrkirche Saint-Valbert von La Motte-Ocourt im Raureif

Kurz vor Saint Ursanne ist der Raureif-Spuk vorbei. Hier scheint die Sonne. Kein Wunder, das Bild ist 5 Tage jünger, als ich die Strecke zum zweitenmal befuhr. Es gibt eben Phänomene, die sich nicht so einfach wiederholen lassen.

St-Hippolyte-St-Ursanne 2017 01 01_0727
Doubs zwischen Ocourt und Saint Ursanne
  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. Doubs, der Unschlüssige (3): St. Ursanne
  4. aktueller Beitrag

Quellen:
wiki Convent des ursulines.
wiki St. Hippolyte

Doubs, der Unschlüssige (3): CH-2882 St-Ursanne

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0680

Dritte Etappe meiner Alleinwanderungen in Raten am Doubs. Ein Stadtrundgang durch das Städtchen St. Ursanne. 2008 berichtete ich schon mal über das Städtchen hier. Der Ort liegt ja auch nur wenige Fahrminuten vom Jurahäuschen entfernt.

Saint-Ursanne liegt dort, wo sich der Doubs urplötzlich umbesinnt, in einer Schlaufe eine völlige Kehrtwendung macht und wieder nach Frankreich zurückfliesst. In diesem abgeschiedenen Tal errichtete 612 der Eremit Ursicinus, ein Schüler des Heiligen Columban, seine Klause. Später gründeten andere Mönche über dessen Grab ein Kloster, das gegen 850 erstmals in einer Urkunde eindeutig erwähnt ist und zur Diözese Besançon gehörte. Im 11. Jahrhundert wurde eine neue Abtei errichtet, während die alte Klosterkirche zur Pfarrkirche umgewandelt wurde. Im 12. Jahrhundert erfolgte die Umwandlung der Abtei in ein Chorherrenstift, das ab 1210 dem Fürstbistum Basel unterstand und das gesamte Gebiet des Clos du Doubs umfasste. Das um das Kloster (Sancti Ursicini) entstandene mittelalterliche Städtchen erhielt 1338 Marktrechte.

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0659
Der Kirchturm stürzte 1365 -nach dem Basler Erdbeben von 1356- ein und wurde 1462-64 wieder aufgebaut.

Die Stiftskirche, eine romanische Pfeilerbasilika mit einer Krypta unter dem Chor, stammt aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Von der Abtei des 11. Jahrhunderts wurden Kapitelle und Teile des Nordportals in den Bau einbezogen. Das im 12. Jahrhundert dem Nordportal des Basler Münsters nachempfundene Figurenportal ist im Stil der burgundischen Romanik erbaut und gehört zu den bedeutendsten Vertretern dieser Stilrichtung in der Schweiz. Das etwas später entstandene Kirchenschiff zeigt Merkmale der Gotik, die Innenausstattung stammt im Wesentlichen aus dem 18. Jahrhundert. Spätbarock. Türe zu.

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0658
Südportal
CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0684
Der frühgotische Kreuzgang

Nördlich angrenzend an die Stiftskirche befindet sich der Kreuzgang sowie in der ehemaligen Pfarrkirche St. Pierre ein Lapidarium mit merowingischen und karolingischen Sarkophagen.

CH-2882 St-Ursanne 20161107_151342
Krypta der Stiftskirche

Unter dem Altar der Stiftskirche modern die Überreste des heiligen Ursicinus in einem Steinsarg, der aus gallorömischer Zeit stammt.

Südlich der Kirche schliesst sich das enge, pittoreske Städtchen an. Die mittelalterliche Stadt besticht durch schöne Bürgerhäuser aus dem 14.- 16. Jahrhundert.
Erschlossen wird es durch 3 Stadttore: St. Peter im Osten, St. Johann im Westen und die kleine St. Paul-Pforte von der Brücke über den Doubs her.

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0676
Porte Saint-Pierre: Osteingang mit dem Glockentürmchen von 1665

Die Stadtmauern sind im Osten weit den Hang hinauf gezogen. Während des 30-jährigen Krieges  geriet St. Ursanne  zwischen die kaiserlichen und französisch/schwedischen Fronten und wurde schwer verwüstet. Über dem Städtchen lag früher ein befestigtes Schloss, das während der Franzosenzeit als Steinbruch diente und bis auf die Grundmauern abgetragen wurde.

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0679
La Ruelle

Einzelne Objekte stechen besonders hervor:  Die Häusergruppe um den Stift und das Maison de Staal:

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0672
„la maison des Oeuvres“. Residenz der Stifts-Probste.
CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0670
Das Maison de Staal (Ende 16. Jahrhundert)
CH-2882 St-Ursanne 20161107_150954
Eingangspforte des Maison de Staal

Leider ist der ganze Place du mai aufgerissen. Der schöne Brunnen „fontaine du mai“ mit Baugerümpel verstellt.

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0654
Place du mai mit Hôtel de ville und Volvo

Nehmen wir dafür ersatzweise einen andern Brunnen, jener in der rue du 23 mai, Mai bleibt Mai:

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0677

Damit der Spaziergang doch noch den Titel „Wanderung“ verdient, kraxelte ich mit vielen Verschnaufpausen die 200 Treppenstufen hoch zur Einsiedelei des Ursicinius über der Stadt:

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0668

Von 1793 bis 1815 gehörte Saint-Ursanne zu Frankreich. Das Kloster wurde 1803 säkularisiert. Seither ist die ehemalige Klosterkirche Pfarrkirche. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern und liegt heute im Kanton Jura.

Zum Schluss umwanderte ich per Auto den Doubsbogen bis hin zur Chapelle Notre-Dame-de-Lorette, die auf dem ehemaligen Pestfriedhof des Städtchen steht.

CH-2882 St-Ursanne 2016 12 01_0649

Die bisherigen Etappen:

  1. Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond
  2. Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot
  3. aktueller Beitrag
  4. Nächste Etappe: Doubs. der Unschlüssige (4): St. Hippolyte-St. Ursanne

Quellen:
wiki St. Ursanne
St. Ursanne et ses rues, 1977 par Leon Migy

Doubs, der Unschlüssige (2): Les Brenets-Châtelot

Doubs (2) 2016 10 10_0404

Mein erster Beitrag zum Doubs liegt schon über 2 Jahre zurück. Bis vor Kurzem durfte ich nicht daran denken, dass die mit Biaufond (1) mutig angekündigte Serie je noch eine Fortsetzung finden würde. Frau L. musste Wanderungen aufgeben. Damit ich nicht auch noch immobil werde, wandere ich nun alleine. Einer muss den Kopf oben halten.

Doubs (2) 2016 10 10_0397

Der Doubs fliesst grösstenteils durch naturbelassene Landschaften. Einer der schönsten Abschnitte ist die Strecke zwischen Les Brenets und der Staumauer von Le Châtelot. Direkt auf der Staatsgrenze Frankreich-Schweiz. Da ich das Auto in Les Brenets abstellte, machte ich eine Rundwanderung daraus. Erst bequem auf dem Schiff Les Brenets-Saut du Doubs. Zu Beginn lag noch leichter Herbstnebel auf dem Fluss. 3°C. Zeit für Reflexionen.

Doubs (2) 2016 10 10_0408

Doubs (2) 2016 10 10_0402

Doubs-2 2016 09 11_0250
Doubsschleife 2 Wochen vorher von einem Belvedere auf der französischen Seite aus beobachtet

Die zurückliegende Schönwetterphase ohne Niederschläge hinterliess jedoch Spuren, der Pegelstand des Lac de Brenets lag tief wie selten, die Wasserfälle des Saut du Doubs praktisch ausgetrocknet. Es sind aber noch andere, weniger augenfällige Faktoren, die dem Doubs zusetzen: Die Landwirtschaft, deren Austrag an Düngern und Pestiziden sich im Flusswasser finden, ungenügend gereinigte Abwässer, mehrere Wasserkraftwerke, die mit ihren Sperren und rasch wechselnden Wasserständen den Fluss und seine Fauna schwächen sowie zahllose Schwellen, die für die Fischfauna unüberwindlich sind. Die beiden Herren auf der französischen Kanzel sehen auch kein Wasser.

Doubs (2) 2016 10 10_0415

Ein kranker Fluss, an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Niemand ist zuständig, um Abhilfe zu schaffen. Der Schwarzpeter wird reihum weitergereicht, und was so malerisch aussieht, wird wohl nicht krank sein. So denken Bürokraten. Ich wandere weiter, entlang des Lac de Moron. Meist durch lichten Wald, vor etwa 40 Jahren war hier alles abgeholzt. Steinwüste.

Doubs (2) 2016 10 10_0417

Und, auf dem Rückweg später von oben gesehen, das ganze Rund des Lac de Moron.

Doubs (2) 2016 10 10_0425

Kurz vor der Staumauer gehts ruppig (mit vielen Pausen, bin ja völlig untrainiert) in die Höhe auf die Felsen von Moron, ausser einer Gemse niemand zu sehen. Statt einer Dose Powergetränk „das dir das Gefühl von Stärke und Freiheit gibt“, hatte ich nur 2 Äpfel dabei. Am Aussichtspunkt Les Roches de Moron. 1 Rucksack, 1 Paar Wanderstecken.

Doubs (2) 2016 10 10_0421

Die Staumauer von Le Châtelot.

Doubs (2) 2016 10 10_0423

Blick flussaufwärts Richtung Saut du Doubs. Oben an den zwei Aussichtspunkten Côte de l’escarpineau und Belvédère Les Recrettes vorbei und alles wieder zurück hinunter nach Les Brenets.

Doubs (2) 2016 10 10_0420

Kurz vor dem Abstieg ein friedlicher Abschluss der Wanderung.

Doubs (2) 2016 10 10_0428

Doubs, der Unschlüssige (1): Biaufond

Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3465
Der Doubs in der Schlucht unterhalb Biaufond

Der Name „Doubs“ soll vom Lateinischen „dubius“ stammen. Glaubhafteren Quellen zufolge stammt er aus dem Keltischen und bedeutet „dunkel“. Gewiss, er ist ein Zweifler, Unschlüssiger, Zauderer. Sein Wasser tritt in kräftigem Strom aus einer von Karsthöhlen durchzogenen Unterwelt am Fuss eines Berges auf beinahe 1000 Meter Höhe bei Mouthe (F) zutage. Von der Quelle bis zur Mündung in die Sâone liegen nur 90 Kilometer Luftlinie Distanz, doch der Doubs lässt sich Zeit. Er benötigt dafür ganze 453 Kilometer. Unter vielen Richtungsänderungen durchzieht er erst den französischen Jura nach Nordosten. Ab Les Brenets bildet er die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich, zwängt sich durch enge, malerische Schluchten der Grenze entlang, um in St. Ursanne, nun für 30 km zum eidgenössischen Fluss geworden, eine 180-Grad-Wende zu vollziehen. Kein Durchkommen. Inzwischen wieder französisch, fliesst er zurück, Richtung Südwesten. Unterbrochen durch einen kleinen Abstecher nach Norden. Gemächlich gurgelt er, fröhlich mäandrierend, Richtung Burgund, um endlich sein dunkles Wasser bei Verdun-sur-le-Doubs der Sâone beizumischen.

Seit wir vor vielen Jahren in einem kleinen Restaurant Nähe Verdun-sur-le-Doubs einen Roi du Doubs (ein inzwischen praktisch verschwundener Fisch,  Apron, Zingel asper), gegessen haben, möchte ich den Doubs von der Doubsquelle bis zur Einmündung in die Sâone bewandern. Verpasst. Heute sind wir dafür zu alt, viele schöne Stellen sind nur in Wanderschuhen zu erreichen, man sollte seine Wünsche halt in jüngeren Jahre realisieren. Doch für einen kurzen Ausflug, mal dahin, mal dorthin sollte unsere Energie noch reichen. Ich setze mich einfach mal unter Druck… immer in der Hoffnung, dass die kleine Serie noch eine Fortsetzung finden wird.

Aus 1000 Meter Höhe muss man sich erst 400 Meter tiefer an den Doubs hinunter bewegen (Mäxle macht das für uns).

Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3462
Von La Chaux-de-Fonds nach Biaufond
Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3474
Der Doubs, gestaut bei Biaufond
Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3475
Flussaufwärts, Richtung La Rasse
Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3477
Doubs, bei La Rasse

Auf der Suche nach einem schönen Aussichtspunkt sind wir auf der französische Seite wieder hoch gefahren. In der Karte war ein solcher eingezeichnet: Èchelles de la mort. Todesleitern. Las sich spannend. Immer schön den Wegzeigern entlang auf einem kleinen Fahrweg immer tiefer hinunter (Aussichtspunkte liegen sonst doch oben ?). Zuunterst kamen wir bei den Todesleitern an. Ein Klettersteig am Ufer des Doubs, früher von Schmugglern benutzt, jetzt für Sportkletterer ausgebaut. Nur für Schwindelfreie, mit Ausrüstung und Helm. Wer hinauf klettert, darf zum Dessert die schöne Aussicht geniessen. Nichts für uns.

Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3468
Echelles de la mort mit schwindelfreien Kletterern

Wir atmen tief durch und beruhigen uns indessen mit einem langen Blick in das grüne Moos.

Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3471
Am Ufer des Doubs. Szenerie für einen Keltenfilm.
Doubs (1) Biaufond 2014 03 12_3467
Am Ufer des Doubs. Die Felswände stehen in der Schweiz.

Und wieder in die Höhe, wieder ganz hinunter, und wieder hinauf, heim ins Jurahäuschen.

Doubs (1) Biaufond 2014 03 13_3457
Jurahäuschenidylle

Uebrigens: die nächsten Verwandten des Roi du Doubs leben in der Donau und ihren Nebenflüssen. In alten Zeiten (vor und während des Tertiärs, also vor rund 65 Mio Jahren) waren Rhein, Rhone und Donau vorübergehend miteinander verbunden, entwässerten sich zunächst Richtung Osten, dann nach Westen, wieder nach Osten und schliesslich, bis heute, in drei verschiedene Richtungen. Dadurch konnten Fische in beiden Richtungen wandern.