Riesenhacksteaks mit Sauce Piquanté

Riesenhacksteak Sauce Piquanté 0_2010 11 27_0918
Pikante Sauce Piquanté

Eigentlich wollte Frau L. nur wieder einmal die altgeliebte Sauce provençale mit rotem, spanischem Piment aus dem Glas zubereiten. Der spanischer Piment war gerade nicht erhältlich, stattdessen haben wir ein Glas PEPPADEW™ Sweet Piquanté Peppers mitgenommen (und bezahlt). Erstaunlich, was eine neue Zutat bei einem alten Gericht bewirken kann. Die von einem südafrikanischen Farmer 1997 entdeckten und patentierten Kirschpaprika geben dieser Sauce eine wunderbare Fruchtigkeit bei mild-süsslicher Schärfe.

Zutaten
für 4 Riesenhacksteaks:

500 g Kalbshackfleisch
100 g Gemüsebrunoise (Karotte, Peterliwurzel, Lauch, Stangensellerie)
1 kleine Schalotte
1 kleine Knoblauchzehe
2-3 Elf. Panierbrösel, selbstgemacht
1 Ei
3 Elf. gemischte Kräuter (Sellerie, Petersilie, Rosmarin, Thymian)
1 Tlf. Herbes de Provence
Salz, Piment d’Espelette, Korianderkörner, Pfeffer
1/2 abgeriebene Zitronenschale
3 cm Dijonsenf
Butter
Olivenöl

für die Sauce provençale/piquanté:
1 grosse Zwiebel, 100 g
1 Dose pomodori pelati, ca. 400 g
1/2 Glas, ca. 100 g, abgetropfte Piquanté-Kirschpaprika
2 Knoblauchzehen fein gehackt
1 dl Rotwein (Gigondas)
12 schwarze Oliven (Nyons)
12 grüne Oliven
1 Zweig Thymian, Blättchen gezupft
1 kleiner Zweig Rosmarin, fein geschnitten
1 Bund glatte Petersilie, geschnitten
1/2 Zitronenschale gerieben
1 Elf. Olivenöl
1 Elf. gute Butter
Salz, Pfeffer, Piment d’Espelette

Riesenhacksteak Sauce Piquanté 0_2010 11 27_0913
Riesen-Hacksteaks, richtige Riesen sind vielleicht anderer Meinung

Zubereitung
für die Riesenhacksteaks:
(1) Gemüse zu Brunoise schneiden, Zwiebel und Knoblauch fein schneiden.
(2) In 1 Tlf. Butter zuerst die Schalotte und den Knoblauch hellgelb dünsten, die Gemüsebrunoise zugeben und 5-10 Minuten auf kleinem Feuer dünsten, bis das Gemüse keinen Saft mehr abgibt und gut duftet. Abkühlen lassen.
(3) Das Hackfleisch mit der Gemüsebrunoise, den Bröseln und dem Ei mit einem übergezogenen Plastic-handschuh mischen, gut würzen. Ggf. mit Brotbröseln andicken, falls der Teig zu klebrig ist. Kein Mehl.
(4) Mit nassen Händen aus der Masse 4 Hacksteaks formen.
(5) In heissem Olivenöl mit etwas frischer Butter beidseitig bei niedriger Hitze langsam anbraten, insgesamt 40 Minuten.

für die Sauce provençale:
(1) Zwiebel mittelfein hacken.
(2) Olivenöl und Butter erwärmen, die Zwiebel darin anschwitzen ohne Farbe nehmen zu lassen. Abgetropfte PEPPADEWS und Knoblauch hinzugeben, mitdünsten.
(3) Ablöschen mit der Dose pomodori pelati. Wein zugeben, die Hälfte der Gewürze und bei geringer Hitze langsam vor sich hin köcheln lassen, 1-2 Stunden. Es soll eine dicke, strukturierte Sauce entstehen, ggf. Wasser zufügen, damit sie nicht einkocht.
(4) 5 Minuten vor Gebrauch die entsteinten, halbierten Oliven, den Rest der Gewürze sowie die Petersilie zugeben und abschmecken.

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Lorbeerbekränzte Zwiebelsuppe

Zwiebelsuppe 0_2011 01 28_2021
Lorbeerbekränzte bzw. -getränkte Zwiebelsuppe... gepfeffert... und Basler Fastenwähe

Solange sich französische Kaiser, Imperatoren und Präsidenten mit Lorbeer  selbst bekränzen, statt ihre soupe à l’oignon damit zu würzen, dürfen sie sich nicht wundern, wenn die französische Zwiebelsuppe zum schlechten Touristenfutter verkommt, wie ich kürzlich bei Bolli lesen musste. Wie man mit Lorbeer und andern guten Zutaten (hick..) eine ungewöhnliche, wunderbare Zwiebelsuppe erhält, will ich hier beschreiben.  Eine  aromatische Zwiebelsuppe, die es in sich hat. Die der französischen Zwiebelsuppe  bei uns glatt den Rang streitig macht. Die Suppenbasis (Zwiebel, Rotwein, Portwein) habe ich bei Lucas Rosenblatt entlehnt. Der viele Rotwein und Portwein verliert durch langes Kochen den Alkohol. Keine Bedenken, ich war nicht benebelt, als ich der Suppe im Titel den Lorbeerkranz aufsetzte.

Wir haben die Zwiebelsuppe mit Basler Fastenwähen [hick klick zum Rezept] gegessen. Très délicieux.

in die Suppe damit, statt aufs Haupt, citoyen Bonaparte !

Zutaten
für die Suppe:
600 g rote, geschälte, mit dem Chopper gewürfelte Zwiebeln (geht schnell und erspart Tränen)
2 geschälte, zerdrückte Knoblauchzehen
2 Zweige gezupfter Thymian
2 Elf. Olivenöl
2 Elf. Weissmehl
2.5 dl Rotwein
2.5  dl roter Portwein
1 L frisch hergestellterGemüsefond
4 frische Lorbeerblätter, seitlich eingerissen oder zerknüllt
1 Elf. Kräutersalz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle

für den Sbrinzschaum:
50 g Sbrinz
1 dl Halbrahm
Pfeffer aus der Mühle
Salz

Zwiebelsuppe 1_2011 01 28_2013
Zwiebeln (viel) und Knoblauch (wenig)

Zubereitung
für die Suppe:
(1) Zwiebeln und Knoblauch im Olivenöl langsam und lange dünsten. Die Zwiebeln dürfen keine Farbe nehmen. Dann mit dem Mehl bestäuben.
(2) Rotwein und Portwein zugeben und zur Hälfte einkochen. Den Gemüsefond, Kräutersalz, Thymian und die Lorbeerblätter zugeben und mindestens 20 Minuten (besser eine Stunde) leise köcheln lassen.

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Suppe aufgiessen mit Gemüsebrühe

für den Sbrinzschaum:
(3) Zutaten für den Schaum mit dem Stabmixer aufschäumen und würzen.

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Kurz vor dem Abtauchen

wer lieber die weisse Variante mag:

Soupe à l’oignon

 

Anmerkung
Die 4 mittleren Lorbeerblätter haben eben ausgereicht, um der Suppe einen leichten Hintergrund an Lorbeer zu geben. Der Lorbeergeschmack darf präsent sein, soll aber auf keinen Fall vorherrschen.  Die Suppe wird sehr gut vertragen. Mein Beitrag zum Lorbeerevent des Gärtnerblogs, betreut von Sus:

Garten-Koch-Event Januar 2011: Lorbeer [31.01.2011]

CH-3600 Thun: Altstadt

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Schloss Thun mit westlicher Stadtmauer

Sei gefühlten Monaten haben wir keine grössere Ausreise mehr gemacht. Es sind aber auch gar viele Faktoren, die einen Einfluss auf unsere Ausreisen haben und die an einem bestimmten Tag alle zutreffen müssen:
Gutes Wetter
Reise-erstehungs-fähigkeit von Frau L.
Lust auszureisen
Herr L. ausgeschlafen und ausgeruht
Mäxle fahrtüchtig
Strassen nicht vereist

An einem Montag im Januar war das wieder einmal der Fall. Es war Thun, das wir auserwählten.

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Rathausplatz mit Schloss Thun

Der Name Thun wird vom keltischen Wort „dunum“ abgeleitet, was „befestigter Hügel“ heisst. Urkundlich erstmals nachgewiesen ist Thun in einer Chronik eines fränkischen Mönchs. Gegen Mitte des 12. Jahrhunderts gehörte die Gegend zum zähringischen Rektorat Hochburgund. Die Herzöge von Zähringen erbauten um 1190 das heutige Schloss und erweiterten die Stadt um die Hauptgasse bis zum Rathausplatz.

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Obere Hauptgasse

Als das Geschlecht der Zähringer 1218 ausstarb, erbten die ostschweizerischen Grafen von Kyburg die Stadt. Im Jahre 1264 erteilte Gräfin Elisabeth von Kyburg den Thunern eine Handfeste. Darin sind die alten Rechte der Thuner in über 100 Rechtssätzen festgehalten. Mit zwei Stadterweiterungen, der Unterstadt und dem Bälliz, erreichte die Stadt einen Umfang, der bis ins 19. Jahrhundert ausreichte. 1264 erhielt Thun das Stadtrecht. Ausseinandersetzungen um die Herrschaft im Hause Kyburg führten 1322 zu einem Brudermord im Schloss Thun. Graf Eberhard, der Mörder, suchte Hilfe bei Bern, musste aber die Stadt 1323 an Bern verkaufen. Er erhielt die Stadt als Lehen zurück, musste sie aber 1384 zusammen mit Burgdorf endgültig an Bern übergeben. Damit wurde Thun zu einer bernischen Landstadt und von dem Schultheissen aus Bern verwaltet, konnte aber seine angestammten Rechte behalten.

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Rathaus (1685) mit Marktlauben

Im 15. und 16. Jahrhundert blühten in Thun Handwerk und die Wirtschaft. Die Stadt wurde zu einem regionalen Marktzentrum. In der Mitte der Stadt wurde ein neues Rathaus mit einem Kaufhaus im Erdgeschoss erstellt und davor ein grosser Marktplatz, der Rindermarkt, geschaffen. 1528 trat Thun zur Reformation über.

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Blick auf Rathausplatz, rechts das Hotel Krone

Gegessen haben wir im Hotel Krone. An einem Montag haben im Kanton Bern die meisten Lokale geschlossen.  Frau L. hat einen ordentlichen Suure Mocke gegessen, ich zwei Scheiben Schweinsfilet im Fonduemantel. Nach dem Mittagessen ein kleiner Rundgang. Die Stadt ist am Ausfluss des Thunersees gelegen.

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Blick auf die untere Schleuse an der inneren Aare

Mit der Einleitung der Kander in den Thunersee (Kanderkorrektion) von 1714 wurde der ehemalige Stadtgraben zum zweiten Aarearm, der Äusseren Aare, ausgebaut. Dadurch entstand aus dem Stadtquartier Bälliz eine Insel.

Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt kontinuierlich weiter. Erste Versuche zur Ansiedlung von Industrie erfolgten. Thun blieb aber stets nur ein regionales Wirtschaftszentrum. Der Fernhandel spielte eine untergeordnete Rolle. Nach dem Einmarsch der Franzosen war Thun Hauptstadt des von 1798 bis 1802 existierenden Cantons Oberland.

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Aufgang zum Schloss, heute Museum

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten die Eröffnung der Eidgenössischen Militärschule und der Beginn des Fremdenverkehrs neue Impulse. Mit dem Bau von Hotels und Pensionen und der Eröffnung der Dampfschifffahrt auf dem Thunersee 1835 wurde Thun zu einem bedeutenden Fremdenort.

Heute zählt Thun über 40’000 Einwohnerinnen und Einwohner.

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Blick vom Schlossberg auf die Stockhornkette

Quellen: Stadt Thun und wiki

Kirschstengeli und die Heiligen Märtyrer

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rechtes Limmatufer und Grossmünster

Der Sage nach soll Karl der Grosse einst einen Hirsch von Aachen bis nach Zürich verfolgt haben, als sein Pferd plötzlich in die Knie gegangen sei, um den hier vergrabenen Gebeinen der Märtyrer Felix und Regula die Reverenz zu erweisen.

Auch wir haben eine Hirschfährte, bzw. Kirschfährte bis nach Zürich verfolgt. Die Pirsch nach den zuckerkrustenfreien Kirschstengeli, auf die mich ein paar Kommentare bei meinem Kirschstängelivergleich von letzter Woche gestossen haben.

Gleich nach der Grabstelle von Felix und Regula im Grossmünster und dem Schuhhaus „Inh. W. Gräb“ an der engen Rössligasse finden wir das zur Nummer passende Altstadthaus. Erst den Klingelknopf  „J. W. Schwerzmann Kirsch-Stengeli“ drücken und den Wunsch nach Kirschstengeli in die Gegensprechanlage rufen. Geöffnet wird uns aber nicht von Frau Kirsch-Stengeli, sondern persönlich von der freundlichen Tochter des Erfinders, die zusammen mit ihrem Mann (und einer Handvoll Angestellter) nunmehr die Produktion (mehr als eine Million Stück pro Jahr) der Stengeli übernommen hat. Wir probieren uns durch das Sortiment. Frau L. trifft die Wahl, zwei Grosspackungen Kirschtengeli und Williamsstengeli. Ich zahle.

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Frau L. bei der Sicherung der erbeuteten Stengeli

Zurück zu Karl dem Grossen. Felix und Regula gehörten der Thebäischen Legion an, die im 3. Jahrhundert in dem heutigen Saint-Maurice, wegen ihres Übertritts zum Christentum kollektiv den Märtyrertod erlitten. Beide konnten nach Turicum (Zürich) fliehen, wo sie aber von den Häschern des Maximinius erwischt, und ebenfalls hingerichtet  wurden. Jahrhunderte später habe Karl der Grosse nach dem Kniefall seines Pferdes die Gebeine der Märtyrer heben lassen und zur Ehre der Heiligen die Kirche und ein Augustiner-Chorherrenstift über ihren Gräbern gestiftet.

Frau L. war danach zu kalt, wollte nichts mehr von Kultur wissen, sondern einen warmen Cappuccino im Schober geniessen. Trotz fleissigem Ausschauhalten nach links und rechts sind mir weder im Ober- noch im Niederdorf  (dem Zürcher Amüsierviertel) weitere Heilige begegnet.

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links die Zwölf-Botenkapelle und Grossmünster

Zuhause dann die Prüfung der erlegten Beute. Im Unterschied zu den klassisch-französisch mit Zuckerkruste hergestellten Stengeli ist bei den Schwerzmannschen der Zucker/Kirsch-sirup in einer zylindrischen Schokoladenhülse eingesperrt. Die vermutetete Verschlusskappe ist sehr sauber eingesetzt, mit dem Vergrösserungsglas sind keine Verbindungsstellen erkennbar, obwohl die Hülsen nicht mit Kuvertüre überzogen sind. Der Kirschgehalt (Kirsch von Räber, Küsnacht) liegt mit 7 %  etwas tiefer als bei jenen der Confiserie Krattiger, aber die krustenfreie Umhüllung hat auch was für sich. Kurz: Die Stängeli lassen sich schwer vergleichen. Beide haben ihre Vorzüge. Frau L. zieht die Schwerzmänner vor, ich liebe das Krachen der Krattiger.

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Der schlanke, geometrisch gerade Kirsch-Zylinder

Weinrallye 41: Sandwichweine

Weinrallye 41 0_2011 01 16_1713
Wer ist der Schönste im ganzen Land ?

weinrallye_200 Heute ist Weinrallye. Bernhard von Bernhard Fiedlers We(in)blog widmet „sein“ Weinrallye Weinen, die mindestens zwei, nicht aber älter als 5 Jahre sind. Also Weinen dazwischen. Wie steht es um diese Weine ?

Die weissen Hauptrebsorten der Schweiz, Chasselas und Müller-Thurgau (Riesling&Sylvaner), werden in der Regel als Jungweine getrunken. Seit einigen Jahren ist aber den Lokalfavoriten mit neuen (alten) Sorten eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen. Zum Beispiel im Kanton Wallis mit dem Petit Arvine. Eine  autochthone Rebsorte, die hier seit rund 400 Jahren angepflanzt wird. Die aufgrund ihrer kapriziösen Ansprüche  gegen Ende der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts aber beinahe ganz aus den Weinlagen verschwunden war. Ganze 14 Hektaren waren im Wallis  noch damit bepflanzt. Sie gedeiht nur auf besten Lagen, der Boden darf nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein.  Sie verlangt nach mageren Böden, reagiert empfindlich auf Herbizide. Mag weder allzuviel Wind noch allzuviel Hitze, reift spät, gebärdet sich im Keller wie eine Mimose.

Mittlerweile sind im Wallis wieder 150 Hektaren mit der Petit Arvine angepflanzt. Die besten Weine daraus gehören zu den ganz grossen Weissweinen der Welt, intensive, vollmundige, trockene Weissweine mit lebendiger Säure und einer wundervollen Aromatik. Glyzinienblüten, Honig, Grapefruit, Limone und Ananas. werden bei Degustationen oft zitiert. Im Gaumen bestechen sie im Abgang durch eine charakteristische, leicht salzige, (eher) mineralische Note. Auch diese Weine werden meist jung getrunken, vertragen jedoch durchaus ein paar Jahre Lagerung.

Seit bald 2 Jahren lagere ich einen kleinern Bestand an 2007-er Petit Arvine in meinem Keller. Ich hätte ihn schon längst austrinken sollen, aber immer kamen wieder neue, andere Weine dazwischen. Nun kommt mir der event gerade recht, je ein Muster davon zu öffnen.

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Meine Weine

Petite Arvine, Clos de Cochetta, Robert Gilliard, 2007
Produzent: Maison R. Gilliard, Sion
Alkoholgehalt: 12.8 %

Petit Arvine, Chateau Lichten, Loèche, 2007
Produzent: Rouvinez Sierre
Alkoholgehalt: zirka 13.5% Vol.

Petit Arvine, Flaction, Saillon, 2007
Produzent: Cédric Flaction, Cave des Cailles, Sion
Alkoholgehalt: zirka 13.5 %

Alle drei Weine bewegen sich auf ähnlichem Qualitätsniveau. Der Clos de Cochetta ist mit einer Silbermedaille am Concours Mondial de Bruxelles ausgezeichnet worden, der Chateau Lichten mit der Silbermedaille an der Expovina Zürich.
Alle drei weisen eine helle grünliche bis goldgelbe Farbe auf, einen zarten floralen Duft nach Aprikosen, Melone. Im Gaumen Grapefruit, kräftig und fruchtig, lebhafte, aber nicht aggressive Säure, langanhaltende Aromen mit mineralisch-salzigem Abgang.
Einzig der Cochetta wirkt etwas weniger frisch, öliger als die beiden andern. Sieger meiner Vergleichsdegustation ist derjenige ohne Medaille: von Flaction.

Chateau Lichten und  der Flaction haben noch kaum von ihrer ursprünglichen Frische eingebüsst, keine Eile, sie auszutrinken.

Fleischkurs (5) Schmoren: Schmorplätzli von Rindskarbonade

Schmorplätzli 0_2010 09 25_9964

Lucas Rosenblatt unterscheidet bei den feuchten Garmethoden von Fleisch in:

Sieden
Dünsten
Pochieren
Glacieren und
Schmoren

Schmoren ist eine Kombination der Garmethoden Braten und Dünsten. Das Anbraten verleiht dem Gargut würzige Röstaromen, das anschliessende Dünsten macht das Gargut zart. Sie wird hauptsächlich für die Zubereitung von dunklem Fleisch angewendet, das eher langfaserig und bindegewebsreich ist, und deshalb beim alleinigen Braten zäh werden würde. Die Garflüssigkeit dient als Grundlage für eine schmackhafte Sauce.

Zutaten
Vorspeisenportionen für 10 Personen
für die Schmorplätzli:

10 Rindssaftschnitzel vom Rindsschulterfilet zu 90 g
Schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 Elf. Meersalz
3 Elf. Mehl
2 Elf. Olivenöl
2 geschälte, fein geschnittene Zwiebeln
2 geschälte, gehackte Knoblauchzehen
2 geschälte, fein geschnittene Tomaten
1 dl dunkles Bier
2 dl Bratenjus
2 klein geschnittene Dörrpflaumen
1 Tlf. getrockneter Thymian
1 Lorbeerblatt

für die Garnitur:
20 geschälte Saucenzwiebelchen
1 geschälte, in Julienne geschnittene Pfälzerrübe
100 g gerüstete, der Länge nach halbierte Bohnen
1 Elf. frische Butter
1 Tlf. Zucker
1/4 Tlf. Kräutersalz
Schwarzer Pfeffer

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Zubereitung
für die Schmorplätzli:
(1) Die Schnitzel kräftig einpeffern, mit Meersalz bestreuen und im Mehl wenden.
(2) Das Olivenöl in einer Bratpfanne erhitzen und beidseitig anbraten (in Portionen). Danach das Fleisch auf einen Teller geben. Überschüssiges Bratfett abschütten.
(3) Zwiebeln und Knoblauch in der Bratpfanne andünsten bis sie leicht Farbe annehmen. Tomatenwürfel zugeben und einkochen bis die Flüssigkeit einreduziert ist.
(4) Mit dem Bier und dem Bratenjus ablöschen. Pflaumen, Thymian und Lorbeerblatt zusammen mit den Schnitzeln in die Sauce geben. Zugedeckt bei mittlerer Hitze ca. 45-60 Minuten leise schmoren.
(5) Die Plätzli aus der Sauce stechen, die Sauce durch ein feines Sieb drücken. Auf die gewünschte Konsistenz einkochen. Die Schmorplätzli in der Sauce schwenken und wärmen.

Schmorplätzli 2_2010 09 25_9959

für die Garnitur:
(6) Die Gemüsesorten einzeln in kochendem Salzwasser blanchieren und abtropfen lassen.
(7) In einer Saucenpfanne die Butter zerlassen, die Saucenzwiebeln zugeben und hell anbraten. Das restliche Gemüse und den Zucker zugeben. Das Gemüse glacieren und würzen.

für den finish:
(8) Saftplätzli mit der Garnitur anrichten.

Anmerkung
Harte Konkurrenz für mein liebstes Saucengericht Saftplätzli mit Hörnli. Schmeckt wegen dem kleinen Bieranteil anders, aber sehr gut. Nur die Hörnli machen den Unterschied.

Sauerkraut Bunt statt Bolte

Buntes Sauerkraut 0_2011 01 13_1661

Sauerkraut, milchsauer vergorener Weißkohl, ist für uns nicht nur die typische Sättigungsbeilage der German Krauts. Alles Klischee. Auch wir mögen Sauerkraut. Wie die Franzosen und viele andere auch. Halt unser Sauerkraut. Kürzlich bin ich an einem Wurstkurs von Lucas Rosenblatt seinem bunten Sauerkraut begegnet. Das Rezept gibts auch beim  Schweizer Fleischfachverband, auch die Metzger holen sich die besten Rezepte bei Lucas. Liebe auf den ersten Biss. Ein mildes, cremiges Sauerkraut, das auch Nicht-Kraut-Fans schmecken wird. Ausser dass ich den Apfelsaft durch Apfelwein ersetzt, und den Dill  mangels solchem weggelassen habe, hielt ich mich genau an das Rezept. Dazu gabs noch Wurst.

Links zu meinen bisherigen Sauerkrautgerichten:

Sauerkraut-Tortellini an Wacholderschaum
Risotto ai crauti
Sauerkrautweggen
Sauerkrautgratin für Zahnlose

Zutaten
50 g Speckwürfelchen
1 geschälte, gehackte Zwiebeln
½ Elf. Butterfett
je eine Karotte, eine Pfälzer Karotte und ein kleiner Lauch, gewürfelt
10 zerdrückte, schwarze Pfefferkörner
300 g Sauerkraut
2 dl Gemüse- oder Geflügelfond
1 dl Apfelsaft (bei mir Apfelwein da weniger süss)
1 grosse, mehlige Kartoffel
½ dl geschlagener Rahm
1 Elf. grober Senf
1 Bund gehackter Dill (hier weggelassen, schmeckt aber gut !)
½ EL Kräutersalz

Buntes Sauerkraut 0_2011 01 13_1634

Zubereitung
1) Die Speckwürfelchen im Butterfett knusprig braten. Die Gewürze, Zwiebeln und Gemüsewürfel dazugeben und kurz mitdünsten.
2) Das Sauerkraut mit einem Messer etwas zerkleinern und zu den Gemüsewürfelchen geben.
3) Den Fond zum Sauerkraut geben. Kräftig durchrühren und bei mittlerer Hitze zugedeckt 40 Min. leicht kochen lassen.
4) Die Kartoffel fein reiben und mit dem Apfelwein vermischen, dann unter das Sauerkraut ziehen und 10 Min. bei kleiner Hitze leicht kochen lassen. Immer wieder rühren, da das Sauerkraut nun leicht anbrennt.
5) Das weich gekochte Sauerkraut vor dem Servieren mit Rahm, Senf und Dill verfeinern.

Kardy mit schwarzen Trüffeln

Cardons aux truffes 0_2011 01 23_1775
cassolette de cardons et de truffes noirs

Cardons, Kardy, Kardonen. Eines der köstlichsten Gemüse, das ich kenne. Im Kanton Genf hat das Distelgewächs eine eigene AOC, als Cardon épineux genevois. Zur Ernte im Herbst werden die bis zu 1.5 m hohen Stauden zusammengebunden und vor dem ersten Frost ausgehoben, eingeschlagen und in ein dunkles, isoliertes Kellerverlies gesperrt. In den folgenden Wochen produzieren die stachligen Stangen aus dem Innern heraus grünlich bleiche Triebe, die vor Weihnachten in den Verkehr bzw. Verzehr gelangen. Gleichzeitig wird ein Teil der Produktion in Gläsern eingemacht. Erstmals habe ich in Basel im Warenhaus aus Genf ein paar dieser raren und teuren Gläser (Fr. 15.50/500 g) entdeckt.

Das Gericht, das ich daraus koche, ist der cassolette de cardons et de truffes noirs nachempfunden, die Frau und Herr L. anlässlich des ersten Besuchs beim unvergesslichen Fredy Girardet vor etwa 30 Jahren essen durften. Mein Beitrag zum Valentinstag-event des kochtopfs, betreut von Alice. Ich musste zwar bei der Herzform der Trüffel etwas nachhelfen, aber welcher Liebe muss man nicht ab und zu auf die Sprünge helfen ?

Blog-Event LXIV - Valentinstag kulinarisch (Einsendeschluss 16. Februar 2011)

Zutaten
für 2 gut bemessene Vorspeisen
250 g abgetropfte Kardy aus dem Glas in Stücken. Welcher Duft beim Öffnen des Glases !!!
1 schwarzer Trüffel, Périgord, bei mir 25 g, es hätte auch doppelt so viel sein dürfen
20 g Schalotten, fein gewürfelt
20 g Butter
100 ml Kardysaft aus dem Glas
150 ml Halbrahm
50 ml roter Portwein
Salz, Pfeffer

Cardons aux truffes 0_2011 01 23_1784
Der fertige Teller

Zubereitung
(1) Den Rahm in einer Pfanne auf etwa 50 ml einkochen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Die abgetropften Kardystücke zugeben, aufwärmen und warmhalten.

Cardons aux truffes 1_2011 01 15_1682

(2) Trüffel hobeln. Die Abschnitte fein hacken.
(3) In einer Sauteuse die Butter erwärmen, die fein gehackten Schalotten und die Trüffelabschnitte
zugeben und kurz andünsten, mit dem Kardysaft und dem Portwein ablöschen und die Flüssigkeit beinahe einkochen.
(4) Die Inhalte beider Pfannen gut mischen. Nachwürzen.

Cardons aux truffes 0_2011 01 23_1772

Anmerkung
Wer an frische Kardy kommt (November-Januar), kann sie leicht selbst einmachen: 1 g Ascorbinsäure in 3 L kaltem Wasser lösen. Von den Kardy die Blätter und Enden abschneiden. Stiele waschen und schälen, dabei die Fäden abziehen und sofort in das gesäuerte Wasser legen.
10 g Ascorbinsäure mit 8 L Wasser 100 g Salz und 50 g Zucker aufkochen. Die Kardy-stiele in kleine, etwa 4 cm lange Stücke schneiden und aufrecht in Konservengläser schichten. Die kochend heisse Flüssigkeit aufgiessen, dann die Gläser vom kochen an ca. 75 Minuten lang sterilisieren. Rezept von Philippe Rochat, Nachfolger von Fredy Girardet.

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Gehamstert für Wiederholungen: Cardons argente épineux genevois de plainpalais

Meine bisherigen Gerichte mit Karden

Fritto di Cardoni, fritierte Kardy

Kardy : Cardi in padella

Gratin de cardons au parmesan

Schinkensülze, unser Jambon persillé

Jambon persillé 0_2010 12 03_1014
das viele Grünzeug geht als Salat durch

Für einen originalen Jambon persillé kann man sich an das in der New York Times empfohlene Rezept der Pariser Charcuterie (korr.) von Gilles Vérot halten. Oder an jenes im Blog einer seiner Kundinnen. Nach Vérot wird ein gepökelter Schinken erst gewässert, dann mit blanchierten Kalbsfüssen und Schweineschwarten in einem gewürzten Weisswein/Gemüsefond so lange gekocht, bis man den Knochen mühelos herausziehen kann. Der von der Schwarte befreite Schinken wird in grosse Würfel geschnitten, abwechslungsweise mit einer Persillade (Schalotten, Knoblauch in Butter angezogen, dann mit viel Petersilie gemischt) in eine Form geschichtet und das Ganze mit dem gelierenden Fond übergossen.

Für zwei Personen machen wir uns das wesentlich einfacher. Jedesmal, wenn wir Rinderbrühe [klick] kochen, zweigen wir einen Teil der Brühe ab. Da die 4-5 Kalbsfussscheiben auf 3 Liter Brühe meist keinen fest gelierenden Fond ergeben, wird mit etwas Gelatine nachgeholfen. Als Schinken kaufen wir uns 2 Scheiben fertigen Beinschinken, vom Metzger gepökelt und gebrüht. Nicht ganz original, dafür schnell.

Zutaten
für 2 Personen
eine 1 Liter Terrine
5 dl Rinderbrühe, mit Kalbsfüssen gekocht und mit 1 Blatt Gelatine verstärkt
Portwein, Cognac
2 Scheiben Beinschinken, total knapp 300 g

für die Persillade:
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
3-4 Elf. gehackte Petersilie
1-2 Elf. Kerbel gehackt
1 Elf. Estragon gehackt
wenig Butter

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fg = fertig gefüllt

Zubereitung
(1) in der noch warmen, entfetteten Rinderbrühe ein in kaltem Wasser eingeweichtes Blatt Gelatine auflösen. Gelierprobe machen: Ein Elf. auf einer Untertasse in den Kühlschrank stellen. Der Sud soll nach kurzer Zeit fest werden.
(2) Die Brühe mit wenig Portwein und Cognac würzen, kalt stellen bis sie zu gelieren beginnt. Meist ist der Schinken genug gesalzen, so dass die Brühe kein Salz mehr braucht.
(3) Den Schinken in kleine Würfel schneiden.
(4) für die Persillade die gehackte Schalotte in wenig Butter glasig dünsten, Knoblauchzehe hinzupressen, etwas erkalten lassen, dann die gehackten Kräuter untermischen.
(5) Schinken und Persillade gut mischen. Locker in die Form füllen, mit der eben gelierenden Brühe auffüllen.
Einen Tag kalt stellen. Dann aus der Form stürzen.

Das abschneiden von Scheiben ist bei einer nur leicht gelierten Sülze nicht so einfach, die  Schinkenwürfel hatten ihre eigene Vorstellung von Ordnung auf dem Teller. Deshalb umgab ich sie mit gekochten Randenwürfeln (Rote Bete), die an einer Sauce von Rotwein, Balsamicoessig, Nelke, Orangenabrieb und Salz mariniert waren.

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serviert mit gekochten, marinierten Randenwürfeln

CH-6004 Luzern: Markt im Januar

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Luzerner Seebucht mit Villa Tribschen

Nach den Bauernregeln von Emil Steinberger gilt für den Januar:
Im Januar, im Januar,
isch alles stiif und starr.

So wars denn auch. Im kalten, winterlichen Luzern war der Markt am 8. Januar ziemlich leergefegt. Nach den festlichen Völlereien hatte wohl niemand mehr Lust, Essen einzukaufen. Mein Weg führte mich… wohin wohl ? …. in einen Kochkurs von Lucas Rosenblatt. Hacken und Wursten stand auf dem Programm.

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Barock und Plastik
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Hier gibts noch Dioxinfreie Eier
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Saisongemüse
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Furrengasse in der Morgensonne

Kirschstängeli, Stengel und Stängel

Kirschstängeli 0_2010 12 25_1263
Links: Krattiger. Rechts: Schiesser

Es begab sich aber zu der Zeit, dass uns/mich eine unbändige Lust auf Kirschstengel ankam. Doch welche ? Ich erinnerte mich, vor Jahren von einem Kirschtängelitest gelesen zu haben. Internet seidank hier. Sieger waren damals mit sehr gut ex-aequo die Confiserien Krattiger in Liestal/Baselland und die Confiserie Schiesser in Basel. Sprüngli: gut. Die industriell hergestellten: befriedigend (Lindt) oder gar ungenügend (Suchard, Merkur/Läderach).
Nur das Beste ist uns gut genug. Kein Weg ist mir dafür zu weit, besonders wenn die Quellen so nahe liegen. Bei Schiesser und Krattiger kaufte ich mir je eine Kurpackung und unterzog sie einer Nachprüfung.

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Confiserie Krattiger, Liestal
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Confiserie Schiesser, Basel

Hier das Resultat:
Den Stengel vorne haben eindeutig jene von Krattiger (100g sFr. 9.-). Gute, dunkle Couverture, dünne Zuckerschicht, aromatischer Kirsch mit spürbarem Alkoholgehalt.

Die Couverture von Schiesser ist auch gut, hell, persönlich gefällt mir auch das Bestäuben mit Bitterkakao, leider ist der Inhalt, obwohl nicht schlecht, weniger gut als bei der Konkurrenz aus Liestal, schwacher Kirschgeschmack, dickere Zuckerhülle. Die Schiesser-Stängeli haben das Nachsehen. Dafür sind sie teurer (100 g sFr. 10.20).

Wie der Kirsch in die Schokolade kommt ?

Bei Betty Bossy fand ich ein informatives Video [klick], das die Herstellung in der Confiserie Krattiger schön zeigt.

Ein flacher Holzkasten wird mit feinstem Mais-Weizenpuder gefüllt und glattgestrichen. Dann werden mit einer Stempelform aus Gipsteilchen Vertiefungen in Form eines Stängelis eingepresst.
Anschliessend wird Zucker/Wasser auf rund 80 Grad Réaumur (100 Grad Celsius) aufgekocht, schliesslich der Kirsch zugefügt.

Die Vertiefungen werden mit einem Dosiertrichter mit der heissen Kirsch-Zuckerlösung aufgefüllt und anschliessend mit Stärke überpudert. Nun lässt man die Kästen 24 bis 48 Stunden in einem kühlen Raum ruhen. Dabei kristallisiert die mit Zucker übersättigte Kirschlösung an der Grenzfläche zum Puder aus und umhüllt die Flüssigkeit mit einer zarten und zerbrechlichen Zuckerkruste.

Danach wird ausgepudert, der Puder mit einem Pinsel entfernt und der Zuckerrohling mit Couvertüre überzogen und allenfalls in Kakaopulver gewälzt. Der Kirschgehalt nimmt bei dieser Prozedur ab, beträgt im Fertigprodukt noch 20% oder weniger.

Spaghetti Torte

Spaghetti Torte 0_2010 12 29_1308
Die gebackene Torte

Wenn man sich die Kunstwerke der Tortenköniginnen im Netz, Jutta und cami ansieht, wird auch ein gewöhnlicher Pastakoch von Bewunderung ergriffen und schwach. Ich will auch Torte. Von einem event her war noch ein Restchen Eier-Spaghettini übrig. Daraus backe ich eine Spaghettitorte. Nicht zu vergleichen mit den Kunstwerken aus Sahne und Marzipan der Torten-Königinnen. Dafür meinen bescheidenen Tortenfähigkeiten angepasst. Spaghetti garkochen, mischen mit Zucker und gerösteten Mandeln. Backen. Fertig. Einfache Küche. Der Zucker karamellisiert goldgelb und bindet die Spaghetti (einigermassen) mit den Mandeln. Am besten am Tag nach dem Backen geniessen. Nach einem Rezept des Ristorante Ambasciata in I-46026 Quistello im Gourmet 55. Die Brüder Franceso und Romano Tamani führen das Lokal seit 1978. Auch eine Leistung.

Zutaten
80 g Mandeln
50 g Zucker
100 g Spaghettini oder feine Spaghetti
Butterflocken
2 Elf.  Grand Marnier Orangenlikör

1 kleine Springform, 18 cm

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vor dem Backen

Zubereitung
(1) Mandeln mit siedendem Wasser kurz abbrühen und die Haut abziehen. Die Mandeln im heissen Ofen auf einem Blech bei ca. 200°C leicht anrösten. Die gerösteten Mandeln abkühlen, mittelfein hacken und mit dem Zucker mischen.
(2) Eine 18cm grosse Springform gut einbuttern. Butterflocken auf dem Boden der Form verteilen. Ofen auf 180°C stellen.
(3) Die Spaghettini in nur ganz leicht gesalzenem Wasser aldente kochen, Wasser abgiessen. Mit einem Elf. Butter gut mischen. Die gegarten Spaghettini abwechslungsweise mit der Mandel-Zuckermischung in die Form einschichten. Leicht andrücken. Am Schluss mit dem Likör übergiessen und die restlichen Butterflocken darauf verteilen.
(4) In der untern Hälfte des Ofens bei 180°C ca. 30-40 Minuten ausbacken.

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Torte mit Eiswein

Anmerkung
Ich habe mich nicht genau an die Rezeptvorlage gehalten. Dort wird frisch hergestellte pasta, ungekocht, verwendet. Vielleicht war das der Grund, dass man die Torte nur schlecht schneiden konnte (soll ja bei Torten hin und wieder vorkommen). Oder dass ich sie vor dem Backen zuwenig zusammengepresst hatte. Aber man muss sich als Tortenbäcker nur zu helfen wissen. Ich habe kurzerhand zu einer grossen Haushaltschere gegriffen… ritsch, ratsch, war die Torte in 6 Stücke zerteilt.

Die Torte ist leicht süsslich, nudelig, mit caramelisiertem Mandelkrokant.  Mit Tendenz sich in die einzelnen Nudeln aufzulösen. Aussenrum sind die Nudeln ziemlich knusprig. Eine Schere ist zum Essen von Vorteil. Dazu getrunken ein Fläschchen Hüniker Eiswein 2003, vom Rebgut Balthasar. Der Wein war sehr gut, die Torte… na ja. Wers noch einfacher mag: Nudeln mit Zucker und Zimt bei holy fruitsalad.