

Heute Mittwoch findet das erste Weinrallye im Jahre 2010 statt, der Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Heute: Schweizer und Veltliner Weine. Der event zum ersten Mal durch meine Wenigkeit hier ausgerufen. Eine Zusammenfassung aller Beiträge gibts hier voraussichtlich am Samstag.
Heimvorteil. Zum ersten Mal muss ich mich nicht auf die Suche nach einem Wein machen, kann mich in Finken (Hausschuhen) vom Lift in den Keller fahren lassen und dort meine Wahl treffen. Was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Ein Blauburgunder von Gantenbein ? Der jüngste Tessiner Merlotjahrgang ? Ein Genfer ? Ich entscheide mich für eine Rarität: den Heida.
Heida, eine uralte, früher fast ausschliesslich in den Rebbergen des Oberwallis (Visperterminen) angepflanzte Rebsorte, ist heute auch im französisch sprechenden Wallis zu finden, wo sie unter dem Namen Païen angebaut wird. Der Name „Heida“ bedeutet im Oberwalliser Dialekt alt, ehemalig, an heidnische Zeiten vor der Evangelisierung erinnernd. Archäologische Funde weisen denn auch auf Rebbau in der Gegend seit der Keltenzeit hin. Die Traube ist im französischen Jura als Savagnin blanc bekannt, aus dem insbesondere der berühmte Vin jaune gekeltert wird. Ampelographischen Untersuchungen zufolge gehört er zur selben Rebsortenfamilie wie der Traminer, besitzt aber nicht dessen gewürzbetonte Aromatik. Der Heida ist eine Rebsorte, welche unter speziellen Bedingungen in für Trauben recht aussergewöhnlicher Höhe gedeihen kann. In Visperterminen überwindet der Weinberg auf engstem Raum 500 Höhenmeter, von 605 bis auf 1’150 Meter ü.M.. Nur dank der südexponierten Lage und dem regelmässigen Föhneinfluss kann der Heida auf dieser Höhe überhaupt reifen. Einige Winzer nennen ihn gar Gletscherwein, weil vom höchsten Punkt des Weinbergs bei guter Sicht Gletschereis oder mindestens Schnee zu sehen ist. Unter diesem Link ist ein kurzer Video-Report (englisch) über den Rebberg und die gemeinsame Arbeit der Heida-Zunft im oberen Teil des Rebbergs zu sehen. Stotzig.
Heida/Païen besitzt ein delikates Bukett, je nach Ausbau mit Anklängen an Agrumen oder Quitten, den Aromen gerösteter Haselnüsse, im Mund präsentiert er sich frisch und körperreich, fast etwas angriffig, und einem langen Abgang. Stuart Pigott zählt ihn gar zu den grossen trockenen Weissweinen der Welt. Das gilt jedoch nur dann, wenn auf strikte Ertragsbeschränkung geachtet wird. Dr. F. G. Stebler schrieb 1901 in seiner „Monographie aus den Schweizer Alpen„: Der „Heida“ ist ein gefährlicher Beinbrecher, der die Zunge löst und den Menschen in die glückseligste Stimmung zu versetzen vermag. Es wird von diesem Wein erzählt, dass man beim Genusse einer hinreichenden Menge „unendlich gescheit reden könne, man fühle sich ungemein glücklich und reich, und besitze die Kraft eines Riesen.“ Man gehe hin und prüfe ihn selbst! Die Einheimischen scheinen ihn besser zu ertragen als die Fremden.
Heida passt gut zu Fischen, Krustentieren, Meeresfrüchten, aber auch zu Alpkäsen. Begleitet ebenso traditionelle Walliser Gerichte wie Walliser Trockenfleisch oder Raclette. Wir haben beide Heida’s zu meinen Brioche-Roquefort-Käse-Fondue-Küchlein getrunken. Passt ausgezeichnet.
Trinktemperatur 8 –10°C, Lagerdauer bis 10 Jahre
Meine beiden Heida-Weine:
Heida La Leyraz 2006
Weinbereitung: im Edelstahltank auf Feinhefe
Alkoholgehalt: 13% Vol.
Produzent: Rouvinez, Domaine La Leyraz, Saxon, Unterwallis
Degustation:
Strohgelb mit grünlichen Reflexen. Im Bukett Aromen exotischer Früchte. Im Gaumen ist er frisch strukturiert und saftig. Grapefruitnoten. Langer Abgang.
Heida St. Jodern 2008
Weinbereitung: Stahltank
Alkoholgehalt: ca. 14,5 Vol.-%.
Produzent: Weinkellerei St. Jodern, Visperterminen (Genossenschaftskellerei)
Degustation:
Strohgelb mit grünlichen Reflexen, aromatisches Bukett mit Aromen von Honig und exotischen Früchten. Am Gaumen körperreich, mollig, mit einer an Elsässer Gewürztraminer erinnernden Restsüsse.
Bei beiden Weinen ist die Rebsorte Traminer leicht erkennbar. Beide Weine liegen geschmacklich näher bei einem Traminer als bei einem Vin jaune. Insgesamt gefällt mir der etwas leichtere, trockenere La Leyraz besser.
