Unverschämt von mir, ein solches Wunderwerk von Maschine unter dem tag Küchenkrempel laufen zu lassen. Da kommen Erinnerungen hoch an alte Metzgereien, aufgehängte Kalbs-, Rinder- und Schweinehälften und die Berkelmaschinen, auf denen mit Hilfe eines Schwungrades sorgsam Scheibe um Scheibe der Mortadella abgeschnitten, gewendet und hingelegt wurde. In der Nähe von Parma gibt es die Firma La bottega del restauro, die sich auf die Restauration alter Aufschnittmaschinen der Marke Berkel spezialisiert hat. Für bescheidene € 21’000 gibts hier das Modell R, den Rolls-Royce der Aufschnittmaschinen, produziert zwischen 1912 und 1918, zu kaufen (Angebot siehe Katalog dieser website). Hätte ich Platz und das nötige Kleingeld, ich würde nicht zögern. Den dazu notwendigen Schinken würde ich schon beisteuern. Selbst mit dem Tischmodell, wie es in der Küche von Neuner-Duttenhofers steht, wäre ich zufrieden. Wie nüchtern doch die heutigen Maschinen von Berkel geworden sind.
Tagliatelle con fave e spugnole
Das schöne Rezept für die Morilles farcies aux fèves et poiraux des schweizerischen Spitzenkochs Gérald Rabaey (Restaurant le Pont de Brent, sein blog ist in meinem blogroll), hat mich dazu inspiriert, frische Morcheln mit Saubohnen zu kombinieren, jedoch stark vereinfacht ohne die Füllung mit Gänseleber. Aus der geplanten cassolette ist jedoch nichts geworden. Die Saubohnen (obwohl von mir im Supermarkt persönlich handverlesen) waren noch so klein, dass ich aus 800 g gekauften Hülsen am Schluss ganze 75 g grüne Kerne gewonnen hatte. Zuwenig für ein Mittagessen, aber fast halb so teuer wie die Morcheln. Also habe ich aus dem Gericht kurzerhand eine Beilage zu Tagliatelle gemacht und mit confierten Tomätchen ergänzt. Das Ganze hat uns jedenfalls sehr gut und sehr frühlingshaft geschmeckt. zum Rezept: Tagliatelle con fave e spugnole weiterlesen
Buchteln allo speck
Der Titel ist natürlich völlig daneben. Auch wenn sich die Buchteln in den Fuss-stapfen der Habsburger vereinzelt bis nach Italien vorgewagt haben (gefüllt mit Ricotta), so sind und bleiben sie eine böhmische Erfindung. Auch in der Schweiz sind sie kaum bekannt. Wir haben jedenfalls noch nie welche gesehen, nie welche gegessen. Google-CH zeigt ganze 30 Rezepte. Böhmen liegt weit weg. Immerhin haben die Buchteln längst in die umliegenden Länder Sachsen, Bayern und Österreich übergegriffen. Als brioches allemandes werden sie seit Kurzem sogar in Frankreich geschätzt. SWR3 zeigte vor Ostern eine Wiederholung des letzjährigen Ostermenus von Bernd Neuner-Duttenhofer und Martina Meuth. Buchteln, mit Speck gefüllt und Schnittlauchsalat. Die haben uns gefallen. Nachdem ich mir bei den süssen Versionen von Genussmousse, Nachgesalzen und Genial Lecker Mut angelesen hatte, habe ich mich zu Ostern daran gewagt. zum Rezept: Buchteln allo speck weiterlesen
CH-6197 Schangnau: Mozzarella di Bufala
Die Zeitung IL GIORNALE schrieb in no. 138 vom 13-06-2006: Gli svizzeri hanno rubato agli italiani la ricetta della mozzarella di bufala e il paesino di Schangnau, di 954 abitanti, è considerato la nuova capitale della produzione di questo formaggio da sempre fiore all’occhiello della regione Campania.
Tatsächlich, das haben sie, die Schangnauer. Das Mozzarella-Rezept aus Italien entführt in eine Gegend, in der sonst nur Emmentaler wächst. Ich frage: Wenn Emmentaler im Allgäu, in Wisconsin, der Franche-Comté und in der Po-Ebene produziert wird, warum denn nicht auch Büffel-Mozzarella im Emmental ? CH-6197 Schangnau: Mozzarella di Bufala weiterlesen
Auguri di Buona Pasqua a tutti
Prinz Osterhase (Kurzname Selawie) und lamiacucina wünschen allen Lesern schöne Ostern. Wir machen keine Osterferien. Als junger Blog kann man sich das nicht leisten. Wir kochen nur etwas mehr aus dem Tiefkühler und schaffen damit Platz für Neues.
Selawie ist ausgewiesener Küchenchef und leitet in dieser Funktion die Kochbrigade unserer Küche.
Zudem ist er Sprecher der Plüschtiere auf dem Sofa.
Nebenbei wirkt er als Beichtvater, Lebensberater, Hausphilosoph, Maskottchen und Coach bei lamiacucina. Der Name Selawie (sprich: c’est la vie) ist abgeleitet von einem Theaterstück des leider fast vergessenen, österreichischen Schriftstellers Fritz von Herzmanovsky.
Die Ostereier von Frau lamiacucina sind mit Nähfaden umbunden und in Zwiebelschalensud gefärbt. Andere Farbvarianten siehe in der schönen Zusammenstellung von Blog khymos.
Filets de rouget barbet sauce vierge
Vor ein paar Tagen haben wir im wiedereröffneten Restaurant Gotthard in Gurtnellen gegessen: Forellenfilets an einer witzigen sauce vierge. Die habe ich uns zu Karfreitag aus dem Geschmacks-Gedächtnis nachgekocht: Olivenöl, Zitrone, Pernod, Sojasauce, Koriander, Anis, Tomatenwürfel. Die sauce vierge existiert natürlich noch in hundert andern Variationen. Als Fischunterlage mussten zwei ganze, hübsche rougets herhalten. Im Einkaufstrubel der Ostertage hatte ich vergessen, den Fischhändler um das Entschuppen zu bitten, so durfte ich das erstmals selber machen. Ging aber überraschend leicht (Entschuppen wie das Aufkehren des Küchenbodens). Zum Gericht haben wir uns Riso Venere (schwarzer Reis aus Italien) gekocht. zum Rezept: Filets de rouget barbet sauce vierge weiterlesen
CH-3600 Thun: Restaurant Arts
Direkt am Ufer des Thunersees, südlich des Ausflusses der Aare, liegt Schloss Schadau. Es wurde 1846 bis 1854 in historisierendem Stil mit Anleihen an Tudor-Gotik, Loire-Schlösser und Neu-Renaissance für den Neuenburger Aristokraten und Bankier Abraham Denis Alfred de Rougemont an Stelle eines alten Landsitzes erbaut. Eigentlich wollten wir vor dem Besuch des Gastronomiemuseums im Schloss Schadau zuerst im Edel-Restaurant Arts im Parterre essen gehen. Es kam aber anders. CH-3600 Thun: Restaurant Arts weiterlesen
Alpenbasilikum Marke Emmi
Seit etwa einem Jahr bewirbt Emmi, der marktbeherrschende Milch- und Käse-produzent der Schweiz eine neue Käse-Palette mit dem Namen «SwissAlp». Gemäss Emmi wird der Käse aus reinster Alpenmilch und Alpen-kräutern hergestellt. Die Alpen-kräuter sollen ausschliesslich aus kleinen Anbauflächen im Schweizer Alpengebiet stammen. Swiss-Alp-Käse ist aber mit einem kleinen Mangel behaftet: er hat die Alpen nur von sehr tief unten gesehen. Älplerinnen und Älpler haben den Käse in einem lesenswerten Beitrag vom Juni 2006 ausgiebig demontiert. Inzwischen beschäftigt der falsche Alpkäse die Juristen. Was mich an der Swiss-Alp-Werbung nervt, ist der Alpen-Basilikum, der im Käse drin bzw. drauf sein soll. Alpenbasilikum Marke Emmi weiterlesen
Erbe mediterranee für Gartenfreunde
Meine Gewürzmischung aus Kräutern aus dem eigenen Garten gibt manchem Gericht eine eigene Note. Das kräftige Aroma passt gut vor Allem zu robusten Gerichten. Fenchel und Lavendel erinnern an die herbes de provence. Meine Kräuter-mischung hat aber nichts zu tun mit dem muffigen Heu aus Drogerien, Provence-Läden, Souvenir-Shops oder von fahrenden Händlern. Dort riechen alle Gewürze nach dem gleichen, grauenhaften Einheits-Duft aus Olivenölseife, Lavendelsäckchen, Oeko-Heu und Bienenwachskerzen aus Stearin. Weg damit. Wer keinen Garten, aber einen guten Lieferanten für herbes de provence hat, ist damit sicher gut bedient und braucht nicht weiterzulesen.
Für Gartenfreunde beginnt jetzt die Pflanzzeit. Da es niemandem mehr nützt, wenn ich mein Rezept zur Erntezeit veröffentliche, tue ich das jetzt, damit die glücklichen Besitzer eines Gärtchens planen können. Erbe mediterranee für Gartenfreunde weiterlesen
Plain in Pigna
Der schöne Beitrag von cascabel in chili und ciabatta und ein Rezept im Migros Magazin Ausgabe 12, März 2007 (search: Plain in Pigna), wenige Tage später erschienen, haben mein Interesse für dieses Gericht geweckt. Wie ich nun noch im Internet in einem Reisebericht lese, dass dieses Gericht „eine eher anspruchslose Hausmannskost“ verkörpere, wurde mir als anspruchslosem Hausmann klar, dass ich das Gericht nachkochen muss. zum Rezept: Plain in Pigna weiterlesen
Tortina di cioccolato all olio d’oliva
Ein kleines, fast unscheinbares Schokoladetörtchen. Der Boden besteht aus dunklem Schokoladebiskuit, die Füllung aus dunkler Schokolade-Mousse. Alles in einem dünnen Schokolade-Ring versteckt. Die Mousse habe ich nach einem Rezept von Martin Dalsass mit Olivenöl angerührt. Eine ungewöhnliche, aber geschmacklich überzeugende Kombination. Das Rezept dazu lag seit 3 Jahren auf meinem Zettelhaufen. Schokolade mit Olivenöl konnte ich mir geschmacklich nicht vorstellen. Nun hab ich es gewagt, und bin begeistert davon. Wer Olivenöl nicht mag, kann auch eine klassische Mousse einfüllen. Dazu Orangensauce mit Portwein. Wem das ganze PiPaPo mit Törtchen, Kuchenboden und Sauce zuviel Arbeit ist, soll einfach die Olivenöl-Mousse anrühren und, in Glasschälchen abgefüllt, im Kühlschrank ausreifen lassen. Ist wirklich nicht viel Arbeit. Aber eine tolle Geschmackserfahrung.

zum Rezept: Tortina di cioccolato all olio d’oliva weiterlesen
Waadtländergratin mit Neuenburger-Saucisson
Gestern Samstag hat der Winter ein letztes Rückzugsgefecht geliefert. Im Kühlschrank lagen noch ein Neuenburger Saucisson und viel Lauch der verarbeitet werden wollte. Kartoffeln sind immer welche da: Fall klar, Waadtländer Lauch-Kartoffelgratin. Keine Waadtländerwurst, die ist mir zu grob und zu fett. Die Neuenburgerwurst ist feiner gehackt und, gewiss ebenso fett. Damit Gratin und Wurst keinen Krach im Magen kriegen, zum Ausgleich ein Glas Wein vom Bielersee. Und jetzt Ende Winter. zum Rezept: Waadtländergratin mit Neuenburger-Saucisson weiterlesen