Heute ist Weinrallye, der Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Heutiges Thema: Wein in Literatur und Film. Der event, der offensichtlich doch weitergeführt wird, ausgerichtet vom Weingut Steffens-Kess
Acht berühmte Romane der Weltliteratur habe ich mir elektronisch vorgenommen. Mein Dank an Projekt Gutenberg. Aus jedem der Werke habe ich einen oder zwei Sätze extrahiert, die das Wort „Chambertin“ enthalten, und diese 8 Sätze in eine (beinahe) beliebige Reihenfolge gestellt. Entstanden ist in bester Readers Digest Manier ein neuer Kurz-Roman: Mein Name sei Chambertin. Noch ohne ISBN-Nummer.
Allein der Nachfolger des Vaters Marteau hat ihm eine Fasanpastete statt einer Hühnerpastete, und Wein von Chambertin statt Wein von Macon versprochen. [Alexandre Dumas, Zwanzig Jahre nachher]
Der Gesandte blieb ruhig und kalt wie ein Engländer; er schenkte ihm ein Glas Chambertin ein, und der Halunke leerte es auf seine Gesundheit. [Giacomo Casanova, Erinnerungen, Band 2]
Er vertilgte beträchtliche Mengen Fleisch, Gemüse, Salat, Kompott und Mehlspeise, trank eine für ihn warmgestellte Flasche Chambertin leer und reichte bisweilen unter Pias stiller Mißbilligung, die für die Sauberkeit des Teppichs fürchtete, seinem Hündchen einen Bissen hinab. [Jakob Wassermann, Laudin und die Seinen]
Ein Schweigen trat ein. Der Diener reichte gebratene Rebhühner herum, während die Kammerfrau Chambertin eingoß. [Emile Zola, Germinal]
»Aber,« sagte ich zu ihr, »nur unter der Bedingung, daß du mir ein ganz einfaches Essen gibst mit einer einzigen Flasche Chambertin; denn du bist nicht reich.« »Das weiß ich wohl, mein lieber Freund; aber Mama hat mir gesagt, Sie werden alles bezahlen.« [Giacomo Casanova, Erinnerungen, Band 3]
Lizzi trank, ehe noch der Fisch kam, zwei Gläser von dem feurigen Chambertin ziemlich rasch hintereinander aus. Davon wurde ihr alsbald so warm, daß sie ihren Mantel auszog. [Ernst von Wolzogen, Die Erbschleicherinnen]
Puh, Frau Wirthin – das Zeug ist sauer wie Essig! Haben Sie keinen Burgunder, Volnay oder Chambertin? aber unvermischt, der Preis ist gleichgültig!« [John Retcliffe, Magenta und Solferino],
»Meine lieben jungen Freunde, so scheidet man aber nicht von mir. Ich trinke jeden Abend vor dem Schlafengehen meine Flasche Chambertin, das ist für mich eine Kur. Sie müssen mir dabei Gesellschaft leisten, und jeder muß seine Flasche leeren.« [Nicolas Edmond Rétif de la Bretonne, Zeitgenössinnen]
Genug gelitten, fehlt bloss noch der Chambertin. Natürlich keine ordinäre appelation village. Ein Grand cru solls schon sein. Fehlanzeige in meinem Keller. Wer hat meinen Chambertin ausgetrunken ? Die Flaschen, die ich im Handel gefunden habe, waren alle viel zu jung, andere viel zu teuer. In meinem Keller bin ich dennoch auf eine „preisgünstige“ Alternative gestossen: meine letzte Flasche Clos Vougeot 1994, Domaine Leroy. Drei Gemeinden südlicher in der Côte d’Or gelegen. Ebenso berühmt. d.h. nicht ganz so berühmt, darüber gibt es nur zwei Einträge bei Gutenberg, der eine davon eine Reisebericht von Kurt Tucholski über die alljährliche Versteigerung der Weine in Beaune Unter anderem in den Pyrenäen.
Mein Wein: Clos Vougeot 1994, Domaine Leroy, Madame Bize-Leroy
Helles Granat mit einem Anflug von Bernstein. Edles, fruchtig-würziges Bukett, im Gaumen würzig, Cassisfrucht mit perfekt eingebundenen, seidenen Tanninen. Eine Meisterleistung in einem schwierigen Jahr. Trotzdem hätte ich den Wein wohl besser rechtzeitig an einer Auktion verkauft. Dazu habe ich Fastfood Käsegipfel gebacken. Wenn der Wein (zu) teuer ist, muss man ja irgendwo sparen.

















































