Schloss Lenzburg, hoch über dem Städtchen Lenzburg gelegen, wurde 1036 erstmals als Stammsitz der Grafen von Lenzburg erwähnt, die damals bedeutende Lehen im schweizerischen Mittelland besassen. Der letzte Besitzer starb 1173 ohne Nachkommen; das Schloss vererbte er an Kaiser Barbarossa. Dieser vergab es wiederum als Lehen an die Kyburger, die das Schloss später käuflich erwarben. Um 1230 entstand unterhalb des Schlosses eine befestigte Marktsiedlung, das heutige Lenzburg. Nach dem Aussterben der Kyburger übernahmen die Habsburger im Jahr 1264 das Schloss und die Siedlung. 1306 wurde dem Ort durch Herzog Friedrich I. von Österreich das Stadtrecht zugesprochen.
Im April 1415 eroberten die Berner den westlichen Teil des Aargaus. Lenzburg wurde eine Untertanenstadt im Berner Aargau, durfte aber seine bisherigen Freiheiten weitgehend behalten. Bern kaufte 1433 das Schloss; von 1444 bis 1798 war das Schloss Landvogteisitz des Oberamts Lenzburg.
Nach dem Einmarsch der Franzosen im März 1798 wurde der Bernische Aargau von Bern abgetrennt und in den neuen Kanton Aargau integriert.
Der älteste Bau auf dem Schlossareal ist das Ritterhaus, mit dessen Bau Herzog Friedrich II. von Tirol-Österreich 1339 begann. Darin plante er die Hochzeit mit der Tochter des englischen Königs Eduard III. abzuhalten, war durch vorzeitiges Ableben aber daran verhindert.
Die Bastion am östlichen Rand des Innenhofs wurde von 1642 bis 1646 anstelle der Ringmauer mit Wehrgang erbaut, um eine bestehende Baulücke zwischen Palas und Landvogtei (Titelbild) zu schliessen und das Schloss vor Kanonenbeschuss vom gegenüberliegenden, etwa gleich hoch gelegenen Hügelzug aus zu schützen.
Das Schloss beherbergt in den Austellungsräumen in Turm und Palas, der Ostbastion und in der Landvogtei Dauer- und Wechselausstellungen und ist ein beliebter Ausflugsort für Schulklassen. Zu sehen sind:
- Wohnkultur vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert
- Strafuntersuchung und -vollzug im Mittelalter
- historische Waffen und szenische Waffenschau
- sakrale Kunst, Silber, Möbel und Kostüme aus den Sammlungen des Kantons Aargau
1822 wurde das Schloss an ein Erziehungsheim verpachtet. Später an Private verkauft. 1872–1893 gehörte es Dr. Friedrich Wilhelm Wedekind, dem Vater des Schriftstellers Frank Wedekind, der in Lenzburg auch die Schulen durchlief. In jungen Jahren schuf der Schriftsteller als Werbetexter für Maggi so bedeutende Texte wie etwa diesen hier:
Vater, mein Vater !
Ich werde nie Soldat.
Dieweil man bei der Infanterie
Nicht Maggi-Suppe hat !
Söhnchen, mein Söhnchen !
Kommst Du erst zu den Truppen,
so isst man dort längst nur
Maggis Fleischkonservensuppen !
1893 erwarb der Amerikaner Augustus E. Jessup das Schloss und stellte den Zustand des 17. Jh. mit aufwendigen Restaurationen wieder her. 1911-1956 gehörte das Schloss zum Besitz der Familie des amerikanischen Polarforschers Lincoln Ellsworth, deren Badezimmer Frau L. bei jedem Besuch leicht neidisch werden lässt. 1956 verkaufte sie das Schloss für 500’000 Franken dem Kanton Aargau.













































