CH-3555 Trubschachen: Röschti und es Chacheli Gaffee

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Erst kam unsere Kochschullehrerin mit dem Heft, dann winkte Frau L. mit demselben und wollte unbedingt nach Trubschachen ausgefahren werden. Das war noch vor dem Unfall. Grund: ein Artikel aus der Saisonküche über die Zubereitung der perfekten Rösti. Das Geheimnis der guten Rösti, erklärt von einem Gastwirt aus Trubschachen, im hintersten Chrachen des Emmentals. Frau L. war beeindruckt, der mache seine Rösti genauso wie sie (hier ist ihre Rösti bereits verbloggt) und deshalb wollte sie seine, ihre, meine, unsere Rösti unbedingt in der Höhle des Löwen, bzw. des Bären, das Gasthaus gilt als älterster Bären des Kantons, essen gehen. Bitte. Mach ich gerne.

CH-3555 Trubschachen Bärenrösti Spiegelei weggeschoben
Bärenrösti Spiegelei weggeschoben
CH-3555 Trubschachen Biskuitfabrik Bruchware
Biskuitfabrik Bruchware

 

Die Gaststube voll und verraucht, wir nehmen Platz im Nichtraucherlokal mit dem Charme einer schweizerischen Mehrzweckhalle: darin alles was dazugehört, Fahnenkasten, Töggelikasten, Platz für einen Reisebus. Am Tisch nebenan erklärt ein anderer Gast seiner Begleitung  mit Bezug auf das Heft der Saisonküche, dass hier die weltbeste Rösti serviert werde. Na, wenn das nichts ist. Mittags gibts nur die ganz kleine Karte, sonst mag die Küche nicht mehr nach, wird uns beschieden. An Röstigerichten sind Rösti mit Spiegelei, Rösti Zermatt und Rösti mit Leberli zu haben. Nach Bergsteigen und Leberschau ist uns weniger, also bitte mit Spiegelei. Der grüne Salat mit viel geschmacklosem Lollo und Salsa pronto per l’usa wenig verheissungsvoll. Dann die Rösti, im Portionenpfännchen. In der grossen Pfanne vermutlich eher kurz angebraten, Deckel drauf, daher mehr gedämpft als gebraten, nach Bedarf eine Portion abgestochen und im Portionenpfännchen nachgewärmt. Fast keine Knusperkruste, kein Kuchen, nur lose Kartoffelschnipsel. Gewiss nicht schlecht, sorgfältig geraffelt, meist kriegt man sie in Gaststätten weniger gut, aber Frau L. freut sich: das Epizentrum guter Rösti liegt weiterhin in Basel und nicht im Emmental. Der Kaffee schmeckt, wie er im Emmental fast überall schmeckt: nach Gaffee. Einer undefinierbaren Mischung aus Schwarztee, Kakao und Kaffee.

Und weil sich in Trubschachen die grösste schweizerische Biskuitfabrik mit einem Fabrikladen befindet, nehmen wir das Dessert gleich dort:  hier werden die Guetzli zweiter Wahl in grossen Beuteln verkauft und von allem kann gekostet werden. Horden ausgehungerter Rentner beim Einkauf von Zehnjahresvorräten an Biskuits. Alles reichlich süss oder zusätzlich mit Industriecouverture überzogen oder gestopft. Das einzige, was uns schmeckt, sind hier die Militärbiskuits, fast ungesüsste petit-beurres, die für das schweizerische Militär hergestellt werden und ewig lagerfähig sind. Davon darf eine Packung mit. Weil die Dinger aber unglaublich trocken sind, musste nochmals ein zweites Chacheli Gaffee her.

CH-3555 Trubschachen Bauernhaus Hasenlehn
Bauernhaus Hasenlehn
CH-3555 Trubschachen Stöckli Hasenlehn
Stöckli Hasenlehn
CH-3555 Trubschachen Töpfercafé
Töpfercafé
CH-3555 Trubschachen es Chacheli Gaffee
es Chacheli Gaffee

Hier in Trubschachen haben Einheimische mit Unterstützung der Biskuitfabrik ein Heimatmuseum eingerichtet. Bestehend aus der traditionellen Siedlungsgruppe Bauernhaus (für die Jungen), Stöckli (für die Alten)  und Spycher (für die Vorräte). Im Bauernhaus gibts eine Schautöpferei (die Töpferwaren teils hübsch, teils fürs Gemüt) und ein im emmentalischen Laura Ashley-stil eingerichtetes  Töpfercafé. Auch der hier servierte Gotthelf-Café kann trotz schön getöpfertem Chacheli nicht verleugnen, dass er ein Gaffee ist, vermutlich zu Gotthelfs Zeiten geröstet, 150 Jahre gelagert und heute angebrüht. Das wäre doch eine Marktlücke für Kapselkaffeeanbieter: Gotthelfgaffee in der Nes.presso.kapsel. What else ?

CH-3555 Trubschachen Chuehli
Chuehli engobiert und frisch bemalt
CH-3555 Trubschachen Chatze
Chatzen engobiert und frisch bemalt

Auf dem Heimweg haben wir uns gute, feisse Geranien geholt, im Emmental wachsen sie mit Kuhmist am schönsten.  Am nächsten Tag gabs  zuhause eine Rösti, eine perfekte.

CH-3555 Trubschachen Emmentaler Geranien
Emmentaler Geranien
CH-3555 Trubschachen Rösti nach Frau L.
Rösti nach Frau L.

Dann noch die paar Schritte auf den Lueg, ein steiler Hügel  (887 m) und Aussichtspunkt im Unteremmental, Nähe Burgdorf, der bei gutem Wetter eine schöne Rundumsicht zulässt. Wundervoll das Emmental, Rösti und Gaffee gehören hier einfach dazu.
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Basler Baumnussmuffins

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Mit Muffins wird in meinem Blog niemand verwöhnt. Wir essen kaum welche. Bis letzten Montag. In der Backgruppe der Basler Kochschule war ein Walliser Walnusskuchen auf dem Programm, der kurzerhand zu handlichen muffins umgebaut wurde. Nuss, Ei, Zucker und Zwieback, kein Mehl. Sowas von gut. Ich konnte mir gerade noch 3 Stück nach Hause retten zum gepflegten Ablichten. Das Rezept stammt aus dem Büchlein Kleine Kuchen von Anne-Katrin Weber, GU-verlag, ISBN-10: 3-8338-1383-0, ergab dort einen Kuchen im 18-er Kranz und wird etwas vollmundig als Klassiker aus der Schweiz bezeichnet. Mir ist er weder hier noch im Wallis je begegnet, was bei Kuchenmuffeln aber nichts bedeuten will. Jedoch weisen alle Spuren der Quellensuche im Internet auf die fleissige Schreibstube des GU-Verlags hin, keine Spur von Schweizer Klassiker. Egal. Die muffins sind derart gut, dass ich sie unter Verzicht auf die dicke Schokoglasur in meiner Küche adoptiere. Als Basler Baumnussmuffins. Auch Kuchen brauchen eine Heimat. Ein weiterer Eintrag ins Kapitel wer hats erfunden ?

Zutaten
200 g Baumnusskerne plus 1 Dutzend schöne zum Dekorieren für 12 muffins, je nach Grösse der Form.
1 Elf. Butter
3 ganze Eier
100 g Zucker
30 g Zwieback zerstossen
1 Tlf. Backpulver
wenig geschmolzene Schokoladencouvertüre zum Ankleben der Baumnusskerne.

Zubereitung
(1) Butter in Pfanne erhitzen, 50 g Baumnüsse fein hacken und unter Wenden kurz rösten. 1 Elf. Zucker darüberstreuen, leicht karamellisieren, dann abkühlen lassen.
(2) Die restlichen Walnüsse und die grob zerbrochenen Zwiebackscheiben im Cutter zu feinen Bröseln zerkleinern. Die Muffinsformen gründlich einfetten und mit Mehl ausstreuen. Den Backofen auf 180° (U-/O-hitze, Schiene 2) vorheizen.
(3) Eier und restlichen Zucker schaumig rühren. Walnuss-Zwieback-Mischung, Backpulver und karamellisierte Walnüsse unterrühren. Teig in die Muffinsformen füllen. Im Ofen ca. 20 Min. backen. Nadelprobe machen. Herausnehmen, 10 Min. in der Form stehen lassen, dann auf ein Kuchengitter stürzen und abkühlen lassen. Die Baumnüsse mit etwas flüssiger Schokolade ankleben.

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Glasierte Mairübchen

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Nach der frühlingshaften Mairübchenchartreuse war ich unschlüssig, was ich mit dem zweiten gekauften Bund anstellen sollte. Bei undimanche habe ich ein aus dem Buch Le meilleur et le plus simple de Robuchon, Patricia Wells, Ed. Robert Laffont, 1994 nachgekochtes Rezept gefunden, das mir gefallen hat. Genau das Gegenteil von meinem Gericht: herbstlich, kraftvoll aromatisch, eine ideale Beilage zu kräftigem Braten, Frikadellen. Aber auch als Alleinunterhalter auf dem Teller toll. Gut gibt es sie bis dann noch als Herbstrübchen.

Zutaten
Hauptgericht für eine Person gekocht:
1 Bund Mairübchen (gerüstet 280 g) mit Blattwerk
25 g Butter gesalzen
ein kleiner Schuss Olivenöl
1 Elf. Puderzucker
Salz, Pfeffer
ca. 1 dl heisse Geflügelbrühe (meine aus dem Glas)

für das Blattwerk:
wenig Butter
1/2 kleine Schalotte, gehackt
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

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Zubereitung
(1) Navets putzen und rüsten, die Blätter waschen.
(2) In einer Sauteuse die Butter mit wenig Olivenöl bei moderater Hitze aufschäumen. Navets zugeben, gut durchschwenken und mit dem Puderzucker überstäuben. Ca. 10 Minuten unter häufigem Wenden dünsten. Salzen und Pfeffern.
(3) Wenig Brühe zugeben, häufig durchschwenken und die Brühe vollständig verdampfen lassen, wiederum wenig Brühe zugeben, und in gleicher Weise während insgesamt ca. 30 Minuten fortfahren bis alle Brühe verbraucht ist.
(4) Indessen die dicksten Stiele abschneiden und das Kraut ca. 3-4 Minuten in kochendem Salzwasser blanchieren. Kalt abschrecken, Wasser auspressen und grob schneiden.
(5) Schalotte in wenig Butter anziehen, Kraut darin aufwärmen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen.

Navets Robuchon 2_2009 05 16_0244

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Nachgekocht: Rouget barbet mit Escalivada catalana

Rouget barbet mit Escalivada 0_2009 05 14_0112

Den Rouget hab ich katia von Bollis kitchen nachgekocht, anstelle des von ihr dazu gemachten risotto primavera habe ich aber eine escalivada gewählt. Die ist mir bei Ursula von kochfun erstmals aufgefallen, ich mache sie aber etwas einfacher,  spartanischer wollte sagen katalanischer. Mein Beitrag zum Fremdkochen der huettenhilfe. Die letzte Mahlzeit von Frau L. vor ihrer Umstellung auf Spitaldiät.
Fremdkochen Meer
Zutaten
für 2 Personen
2 Rotbarben, ausgenommen etwa 700 g
Butter, Olivenöl extra
Salz, Pfeffer

für die escalivada catalana:
150 g Auberginen
150 g rote Peperoni, halbiert und entkernt
150 g Gemüsezwiebeln
Olivenöl
Salz
1 Zweig Basilikum

Rouget barbet das übliche Ehrenfoto
das übliche Ehrenfoto
Rouget barbet filetiert und entgrätet
filetiert und entgrätet

Zubereitung
(1) Die Gemüse ungeschält und in groben Stücken auf ein beschichtetes Kuchenblech legen und ca. 40 Minuten im 200°C heissen Ofen schmoren.
(2) Herausnehmen, abkühlen lassen. Allenfalls Haut der Peperoni abziehen. Die Gemüse in kleine Stücke hacken (1 cm) Mit Olivenöl und Salz abschmecken, aufwärmen und kurz vor Gebrauch den fein geschnittenen Basilikum untermischen.
(3) Indessen Rotbarben entschuppen und filetieren, die Gräten im Mittelkamm mit der Grätenpinzette entfernen. Filets abspülen, gut trocknen.
(4) Filets in heisser Mischung aus Olivenöl und Butter 2-3 Minuten anbraten, Hautseite zuerst. Am Anfang mit geknickter Palette flachhalten wenn sich die Filets wölben. Pfeffern, salzen.

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Remake: Grapefruitsorbet mit Campari

Grapefruit-Karkade-Sorbet 00_2009 01 12_7657

Frau L. gelüstete vor einigen Wochen nach Grapefruitsorbet. Mein bisheriges Rezept, noch unter Zusatz von Sorbitol, einem Zucker, der weniger süss ist und die Eiskristalle am wachsen hindert, habe ich überarbeitet: anstelle von Sorbitol habe ich einen erhöhten Anteil Traubenzucker (gesehen bei Joerg von ars coquinaria experimentum) zugegeben, sowie als Farbgeber Karkadeblüten (gesehen bei chriesi von Almond Corner). Mein früheres Rezept neigte nach Lagerung im Tiefkühler zum Hartwerden, mit dem aktuellen Rezept bleibt das Sorbet besser entnehmbar. Bei -15°C wird es weich. Passt doch zu den gestrigen 33°C in Basel.

Zutaten
5 g Karkadeblüten, ganze (Hibiskus)
6 dl Grapefruitsaft
1 dl Wasser
100 g Zucker
100 g Traubenzucker

zum Servieren Campari

Karkadeblüten getrocknet
Karkadeblüten getrocknet
Sorbet mit Campari
Sorbet mit Campari

Zubereitung
(1) Die Karkadeblüten auf einem Sieb erst mit siedendem Wasser abbrühen, dann in einem Topf mit 1 dl siedendem Wasser übergiessen und zugedeckt langsam erkalten lassen. Abseihen.
(2) Kristallzucker und Traubenzucker zu dem Absud zugeben, unter Rühren kurz aufkochen, bis sich alles gelöst hat, erkalten lassen, dann mit dem abgepressten Grapefruitsaft mischen und gut vorkühlen.
(3) Saft in der Eismaschine rühren bis ein feines, weiches Sorbet entstanden ist. Servieren mit einem Schuss Campari.

Anmerkung
Karkadeblüten werden gerne dem Hagebuttentee zugesetzt, da sie eine schön rote Farbe geben und durch ihren leicht säuerlich-aromatischen Geschmack gut dazupassen. In meiner Jugend war ich in einer Drogengrosshandlung einige Zeit mit der Aufgabe betraut, eingehende Jutesäcke mit Karkadenblüten aus Senegal von Hand zu erlesen. Das war auch notwendig. Zwischen den getrockneten Blütenblättern fanden sich Glasscherben, Zeitungsfetzen, Jutesackbestandteile, rostige Nägel und vor allem Ziegenexkremente. Klar doch, der Tee wurde damals gewiss auf dem afrikanischen Dorfplatz getrocknet.  Drum heiss abbrühen.

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Gebackene Frühzwiebeln mit karamelisierten Löwenzahnwurzeln

Gebackene Frühzwiebeln 0_2009 05 12_0091

Frühzwiebeln in Weinteig gebacken, belegt mit Peperoniwürfeln. Und als Tellerverkleckerstreusel ein Krokant aus fein geriebenen Löwenzahnwurzeln. Die Frühzwiebeln habe ich frei interpretiert nach einer Tapas-Vorlage von Eckart Witzigmannn (Gourmet 65/1992). Das Löwenzahnwurzelkrokant ist kein Scherz, sondern ein Rezept nach Roger Sovereyns, Chefkoch des renommierten Hotel-Restaurants „Scholteshof“ im belgischen Stevoort. Ein Koch, der das Kochen mit „Unkräutern“ als Passion betreibt. Beides hat uns ausgezeichnet geschmeckt, Familie L. in seltener Einstimmigkeit ihres Urteils. Wobei zu erwähnen ist, dass der Krokant hauptsächlich nach Karamell schmeckt, die Wurzeln dienen wohl eher als Substrat, denn als eigenständiger Geschmacksträger. Der Krokant ist eine originelle Idee, Söiblueme bzw. Pusteblumen aus dem Garten loszuwerden. Allein meine ausgegrabenen 15 Wurzeln verhinderten die Ansiedlung hunderter, wenn nicht gar tausender Neupflanzen. 🙂 [Ein Beitrag aus der Zeit ante malheurum]

Zutaten
für zwei Portionen
für die gebackenen Frühjahrszwiebeln
6 Frühjahrszwiebeln od. Lauchzwiebeln
15 g Butter
Salz
50 g Mehl
1 kleines Ei
2-3 Elf. Weisswein
15 g zerlassene Butter
3 dl neutrales Öl zum fritieren
ein paar Blättchen Petersilie

ca. 60 g Peperoni (Paprika) in feinsten Würfeln (Meister Eckhart nahm in Olivenöl geschmolzene Tomaten mit Basilikum)
1 Elf. Olivenöl
Piment d’Espelette

für die karamelisierten Löwenzahnwurzeln:
100 g Löwenzahnwurzeln
10 g Butter
0.2 dl Olivenöl extra
25 g Zucker

Löwenzahnwurzelausstecher
Löwenzahnwurzelausstecher
Löwenzahnwurzeln roh
Löwenzahnwurzeln roh
Löwenzahnwurzeln frisch gerieben
frisch gerieben

Zubereitung
vor der Zubereitung steht die Ernte. Für Löwenzahnwurzelkrokantfreunde gibts einen extra erfundenen Ausstecher. Nur grosse, alte Wurzeln ernten, sonst kommt man an kein Ende.  5-10 cm tief ausstechen genügt. Ich habe sie 2 Tage im Kühlschrank gelagert, sie saften dann nicht mehr.

für die karamelisierten Löwenzahnwurzeln:
(1) die rohen Wurzeln unter fliessendem Wasser gut waschen, mit einem Sparschäler schälen und auf einer Käse-Microplane-reibe reiben.
(2) In Butter und Olivenöl bei starker Hitze ein bis zwei Minuten braten, dann den Zucker zugeben und unter rühren mit einem Holzlöffel braun karamellisieren. Auf einem Backpapier erkalten lassen und zerbröseln.

für die gebackenen Frühjahrszwiebeln
(3) Aus Mehl, Ei, Weisswein und der zerlassenen Butter einen Backteig rühren und eine Stunde ruhen lassen.
(4) Für die Füllung die Peperoniwürfel in Olivenöl dünsten, würzen mit Piment d’Espelette. Warmhalten.
(5) Zwiebeln putzen, in Butter andünsten und mit Wasser ablöschen (so dass sie eben bedeckt sind). Leicht salzen und kochen bis sie gar sind, 10-15 Minuten. Zwiebeln herausnehmen und abkühlen lassen. Garfond bis zum Sirup einkochen.
(6) Zwiebeln durch den Backteig ziehen und im heissen Öl fritieren (ich verwende dazu ein hohes, kleines Töpfchen, da kann man aufs mal 3 Stück fritieren). Die Zwiebeln noch heiss der Länge nach halbieren. Mit Peperoniwürfeln und einem Petersilienblättchen garnieren. Mit etwas Zwiebelsirup beträufeln und den Teller mit den karamelisierten Löwenzahnwurzeln bestreuen.

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Kraftprotz

Kartoffelpresse 0_2009 05 20_0233
So sieht eine Kartoffelpresse aus, wenn man(n) versucht, die Kartoffeln durch alle drei aufeinanderliegenden Einsätze gleichzeitig zu drücken. Die beiden Arme, an denen der Stempel am Hebel befestigt ist, sind total verbogen, die Stempelplatte schief. Altmetall.

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CH-4056 Basel: Unispital

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Obwohl mitten in Basel gelegen, hatte ich noch nicht oft Gelegenheit, mich hier umzusehen. Auf einem grossen, parkähnlichen Areal, den ehemaligen Gärten zweier hochherrschaftlicher Bauten, dem Markgräfischen Hof und dem Holsteinerhof, sind die meisten Bauten des Unispitals eingebettet. Nach dem dreissigjährigen Krieg erwarb der Markgraf von Baden-Durlach in der neuen Vorstadt Landstücke und Bauten, die 1688 Magnus von Baden-Durlach und seiner Gattin Augusta, geb. Herzogin Holstein-Gottorp als Fluchtort vor französischer Soldateska dienten. Die Markgrafen von Baden waren Basler Bürger und lebten zeitweise in der Stadt. Auf einem später verkauften Teil des Grundstückes erbaute der Basler Unternehmer Samuel Burckhardt 1752 einen Landsitz, der nach der Herzogin benannt wurde. Der Holsteinerhof  dient heute als Sitz der Spitalverwaltung.

CH-4056 Unispital Holsteinerhof Aussenseite
Holsteinerhof Aussenseite
CH-4056 Unispital Holsteinerhof Parkseite
Holsteinerhof Parkseite

Nach einem Brandfall wurde in der andern Ecke des Areals ein Neubau, ein etwas klotziges Stadtpalais erstellt, der sog. Markgräflerhof, der im Jahre 1705 bezogen wurde. Zwischendurch als Absteige der Markgrafen für „liederliche“ Damenbesuche genutzt, wurde das Palais Ende des 18. Jahrhunderts von den Besitzern aufgegeben und die Einrichtung in das Karlsruher Schloss überführt. 1807 übernahm die Stadt Basel das Palais und richtete darin ein Bürgerspital ein.
Im Süden ist das Areal durch die Predigerkirche begrenzt. Die Predigerkirche entstand 1233 bis 1237 als Kirche eines Dominikanerklosters. 1356 zerstörte das Basler Erdbeben grosse Teile der Kirche. Nach umfassenden Renovationen wurde während des Bildersturms von 1529 fast die gesamte Innenausstattung zerstört, das Kloster wurde aufgelöst. Später wurde der Chorraum als Fruchtschütte und Salzlager genutzt. An der Innenseite der 60 m langen Friedhofsmauer befand sich der um 1400 gemalte Basler Totentanz, ein mittelalterliches memento mori. Das Gemälde überlebte zwar den Basler Bildersturm von 1529, nicht aber die Achtlosigkeit späterer Generationen. Mauer und Bild wurden 1805 abgebrochen.

CH-4056 Unispital Basel Markgräflerhof
Markgräflerhof
CH-4056 Unispital Basel Predigerkirche
Predigerkirche

Die Parkanlagen des Unispitals bieten angenehme Erholung in botanischem Umfeld und laden zu kunstsinnigen Betrachtungen barbusiger Schönheiten ein.

CH-4056 Unispital Basel Rhododendren
Rhododendren
kunstsinnige Betrachtungen
kunstsinnige Betrachtungen
CH-4056 Unispital Basel Gang in die Kantine
Gang in die Kantine
CH-4056 Unispital Basel Gang in den Teich
Gang in den Teich

Lange brauchte ich dazu, die Bettenburg in schönster Wasserreflektion zu fotografieren, die Entenviecher wollten sich einfach nicht ruhig verhalten.

CH-4056 Unispital Basel Bettentrakt im Entenweiher
Bettentrakt im Entenweiher
CH-4056 Unispital Basel Unruhestifter
Unruhestifter

Das letzte Mittagessen im Spital war blogwürdig, zuhause hätte ich das nicht besser hingekriegt: Kalbsgeschnetzeltes, Rigatoni, Ofenkarotten. Gegen ein halbes Glas Rioja habe ich mir die Rechte zur Veröffentlichung eingehandelt.

CH-4056 Unispital Basel Frau L., aber der grüne Punkt ?
Frau L., aber der grüne Punkt ?
CH-4056 Unispital Basel Spitalkost - Blogwürdig
Spitalkost - Blogwürdig

Erfreuliches zum Schluss. Seit heute Freitag mittag ist Frau L. wieder zuhause. Schön geflickt. Aber der Arm wird seine Zeit brauchen. Schwarzwaldklinikerfahren schlüpfe ich nun in die Rolle der strengen Oberschwester Hildegard, sorge gleichzeitig für Küche, Wäsche, Coiffure  und Hausdienst und überwache die Rehabilitation. Frau L. steht wieder mit beiden Füssen auf dem Boden und wollte deshalb unbedingt auch einmal ins Bild.

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Chartreuse de Navets, Mairübchenchartreuse

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Der Weg ins Spital führt am Markt vorbei. Am Biostand waren frische, junge Mairübchen, Navets, im Angebot, schöner habe ich nie welche gesehen. Hätte ich daran vorbeilaufen sollen, daran vorbeilaufen können ? Rhetorische Frage.

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Was soll daraus werden ? Warum nicht einmal eine Chartreuse ?  Die kriegt man kaum mehr vorgesetzt. Chartreusen sind so richtig altmodisch, längst aus der Mode gekommen, deshalb zu mir passend. Die Krone der Chartreuse bastle ich aus Karotten, meine Mairübchen waren dafür zu klein. Innen verstärkt mit wenig Kartoffel-Mairübchenpüree, fülle ich sie mit Mairübchenragout. Als Sauce eine Hollandaise mit Kerbel. Mit ihrer leichten Säure passt sie gut zu den eher süssen Mairübchen. Kerbel, als zartes Würzkraut, passt sehr gut zu den zart schmeckenden Mairübchen.
Chartreuse ?  eine Zubereitung, deren Rand mit mehr oder minder kunstvoll gestellten oder geschichteten, blanchierten Gemüsen (oder andern Zutaten) verziert ist. Sie wird in einer glattwandigen Ringform zubereitet. Gefüllt kann sie ganz unterschiedlich werden, mit Gemüsen, Béchamel, Kartoffelpüree, Fleisch, jedenfalls etwas, was den Gemüsekranz in der Form hält, wenn man den Ring abzieht. Sie soll im Kloster Chartreuse, im französischen Departement Isère gelegen, erfunden worden sein. Aus demselben Kloster, aus dem der grüne Kräuterlikör gleichen Namens stammt.

Mein Beitrag (jaaaa, ich kanns nicht lassen und immer nur Salamibrot ist langweilig) zu dem diesmal von  Barbara betreuten Gartenkochevent Mairübe. Schade, dass Frau L. das nicht mitessen durfte.

Zutaten
für eine Person 😦
3 mittlere Karotten (Abschnitte habe ich roh als Salat gegessen)
1 Bund kleine Bio-Mairüben, geputzt 250 g (Kraut für „Spinat“ verwendet)
gute Butter
1 kleine Kartoffel, mehligkochend
1 kleiner Bund Kerbel, gehackt, wird auch für die Hollandaise gebraucht
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
1 Prise Zimt
1 Schuss Wermut Noilly Prat

für die Kerbel-Hollandaise:
50 g Butter
1 kleine Schalotte, fein gehackt
25 ml Weisswein
1 Tlf. weisser Balsamicoessig
1 grosses Eigelb
Pfeffer, Salz,
Saft einer Viertel Zitrone
1 Elf. Kerbel gehackt

Aufstellen der Karottenpalisaden
Aufstellen der Karottenpalisaden
Boden Mairübchen geplättelt
Krone mit Mairübchen geplättelt

Zubereitung
für die Karottenkrone und einen 8cm/4.5 cm Formring:
(1) Die Karotten möglichst exakt (! ) in 4-5 mm dicke Streifen schneiden. Streifen genau 4.5 cm (wie die Form hoch ist) schneiden, im Dampfbad etwa 5 Minuten bissfest garen und in kaltem Wasser abschrecken, abtropfen und mit Küchenpapier trocknen.
(2) Den Formring sehr gut einbuttern, dann auf einem runden Kuchenblech auf ein Stück gebuttertes Backpapier abstellen. Die Karottenstäbchen dem Rand entlang satt aufstellen bis der Rand des Ringes palisadenartig gefüllt ist. Mit Hilfe eines kleinen runden Ausstechers als Haltehilfe kann man das umfallen vermeiden.
(3) Den inneren Ausstecher hochziehen, das Karottenrund steht jetzt wie eine römische Bogenbrücke von alleine.
(4) Mairübchen waschen, schaben -nicht schälen- und zusammen mit der rohen, ungeschälten Kartoffel auf demselben Dampfsieb garen. Mairübchen je nach Grösse 3-6 Minuten, die Kartoffel solange bis sie gar ist.
(5) Mairübchen rausnehmen, in kaltem Wasser abschrecken, aus einem Exemplar flache Scheiben schneiden und diese auf den Boden der Form auslegen (siehe Bild).
(6) Wenn die Kartoffel gar ist, schälen und zusammen mit einem der grösseren Mairübchen durch eine Presse zu Püree drücken. Einen Tlf. Butter hinzu, mit Salz, Pfeffer, Muskat und 1 Elf. gehacktem Kerbel würzen und mit einer Gabel gut verrühren.

Wände und Boden verstärkt
Wände und Boden verstärkt
ready to eat
ready to eat

(7) Das Püree dünn auf Boden und Wände der Form streichen, das stabilisiert die Palisadenwand. Die Karottenkrone auf dem Kuchenblech in einen auf 150°C vorgeheizten Ofen schieben, und etwa 5 Minuten heiss werden lassen.
(8) Die restlichen Mairübchen vierteln oder achteln, in einem Pfännchen in etwas Butter erhitzen, salzen und mit einer Prise Zimt, geradesoviel, dass man ihn knapp wahrnimmt, würzen. Mit einem Schuss Noilly-Prat ablöschen, diesen eindampfen, dann 1 Elf. frisch gehackten Kerbel untermischen.
(9) Karottenkrone herausnehmen und auf dem Backpapier auf den vorgewärmten Teller stellen, Backpapier unter der Form wegziehen, Form vorsichtig hochheben. Wenn gut gebuttert wurde, rutscht sie gut. Das Mairübchenragout vorsichtig in die Krone füllen.

für die Kerbel-Hollandaise:
(10) Schalotte, Weisswein, Balsamico in einem kleinen Topf auf etwa 1/4 einkochen.
(11) Das Eigelb in eine Chromstahlschüssel geben, Weissweinreduktion durch ein feines Sieb dazugeben. Danach über dem kochenden Wasserbad mit dem Schneebesen schaumig schlagen, gegen Schluss die weiche Butter unterschlagen, mit Pfeffer, Salz und Zitronensaft würzen, dann den Kerbel untermischen und zu der Chartreuse servieren.

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Weinrallye 23: Winzerinnen-Wein

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[das ist ein noch vor dem Unfall von Frau L. aufbereiteter Beitrag, meine aktive Blogtätigkeit ist derzeit vorübergehend stark reduziert]

Heute ist Weinrallye, der Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Heutiges Thema: Weine von Winzerinnen. Der event, der diesmal leider zum letzten Male stattfindet, ausgerichtet von der Vollblutwinzerin Iris vom Weingut Lisson.

Lieber hätte ich eine Flasche von Iris geöffnet, das ging mangels Flasche nicht, so wurde es eine Flasche der Merlotcuvée Balin von Anna Barbara von der Crone aus dem Tessin. Und das war kein schlechter Griff ins Weinregal.

Nach dem Studium der Agronomie an der eidgenössischen technischen Hochschule in Zürich zogen Anna Barbara von der Crone und ihr Mann Ueli Kopp 1994 ins Tessin. Im Mendrisiotto (Gorla) und dem Sopraceneri (Sementina) begannen sie ihre zugekauften Rebparzellen zu bewirtschaften. Ihr erster Jahrgang war der 1995-er. Nach zwei, drei Jahren durften sie sich bereits unter die Tessiner Spitzenwinzer einreihen.
Aber es kam alles anders. Ihr Mann wurde 2002 auf einer Bergtour durch eine Lawine getötet und Anna Barbara von der Crone war mit ihren vier Kindern auf sich alleine gestellt. Allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz machte sie weiter, unterstützt von Familie und Freunden. Setzte auf die Fortführung des Weinbaus. Ein Winzerkollege, Paolo Visini, der eben seine Weinfachausbildung an der ZHAW in Wädenswil abgeschlossen und im Tessin in der Nähe zwei kleine, gepachtete Parzellen bewirtschaftete, unterstützte sie in ihrem Vorhaben. Daraus ist erst eine berufliche Partnerschaft hervorgegangen, später wurden die beiden Weingüter zusammengelegt, und mittlerweile ist daraus eine private Partnerschaft entstanden. Fast ein Märchen.

Heute werden 8 ha Rebland kultiviert, verteilt auf Parzellen an 4 Orten. Hauptsorte ist der Merlot, daneben etwas Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Petit Verdot und Malbec sowie Arinarnoa, eine Kreuzung zwischen Merlot und Petit Verdot, die in Assemblagen Verwendung findet. In den kühleren, höheren Lagen werden weisse Sorten angebaut Viognier, der Sauvignon blanc, Arneis und Kerner.

Mein Wein: Balin 2006, Cantina Kopp von der Crone Visini, 6917 Barbengo.
Traubensorten: 95% Merlot, 5% Arinarnoa und Cabernet Sauvignon.
Ausbau: Gärung und lange Maischenstandzeit in Edelstahltanks, gesteuerte Temperaturkontrolle. Ausbau und Reifung in Barriques für 16 Monate.

Kräftiges Rubinrot, etwas hellerer Rand. Rote Früchte in der Nase, dazu ein überwältigendes Sommerbukett von Blüten. Im Gaumen kräftig, aromatisch, wiederum rote Beeren, Schokolade, Rauch, samtenes Tannin, lang anhaltendes Finale. Für mich die schweizerische Entsprechung des sexy Pomerols La Conseillante aus dem Bordelais. Bloss günstiger.

Delle Donne 1_2009 05 10_0078

Entgegen meiner Gewohnheit habe ich kein Gericht dazu gekocht. Aufgrund der Empfehlung einer NZZ-Degustation Schweizer Weine mit passenden Käsesorten haben wir den Wein zu einem unserer Lieblingskäse, einem mittelreifen Sbrinz, 24 Monate, und selbstgebackenem Basler Brot, 2-te Auflage hier gehts zum Rezept genossen. Mehr Zutaten braucht es nicht für ein märchenhaftes, kulinarisches Vergnügen.

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Danke

Frau L. war zugleich erstaunt wie berührt, als ich ihr einen Tag nach der gut verlaufenen Operation von den vielen herzlichen, lieben und wohlmeinenden Wünschen zur Genesung erzählt hatte. Fast wie an einer Abdankung,  meinte sie noch etwas benommen, trug mir aber doch ausdrücklich auf, mich bei allen Leserinnen und Lesern zu bedanken für die Anteilnahme an ihrem Sturzpech. Diesen Dank gebe ich gerne weiter. 

L.

Wie ich weiss, haben sich vereinzelte Leser schon gefragt, ob es die Frau L. überhaupt gebe 🙂 Doch, es gibt sie. Sie wird meine Handlung zwar nicht billigen, trotzdem hänge ich als persönlichen Dank ein kleines Bildchen aus Jugendzeiten von ihr rein. Kenner der Materie werden sofort bemerken, dass auf dem Bild das Farbzeitalter noch nicht begonnen hat und weder das Mikro-Stickstoffbestimmungsgerät noch die Stoppuhr digitalisiert sind.  

Nach dem ersten, fürchterlichen Schreck haben wir uns wieder gefasst, ich kann sogar auf ihrem Spitalzimmer mitessen. „Mitessen, ohne zu fotografieren !“ So ist sie, die Frau L. Das lässt mir Hoffnung und ein wenig Zeit, einmal in der Woche doch noch ein Rezept zu kochen und zu veröffentlichen. Schneller als erwartet.