Alle Beiträge von lamiacucina

Chemie-Ingenieur. Passionierter Koch-Dilettant. Mediterrane Küche, Molekulargastronomie.

Hungertöter für Hungerleider: Maccarón de la paletta

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Vor einiger Zeit in St. Moritz in der Buchhandlung gesehen und begeistert gekauft: I mazzafam, Originalrezepte aus den Südtälern Graubündens. Geschrieben von Gianni Bertossa und Mitautoren. Erschienen unter dem Patronat der Slow Food. Mazzafam ruft in Erinnerung, was am Anfang des Essens steht: den Hunger stillen. Mazzafam heisst auf Deutsch so viel wie Hungertöter. Die Autoren haben in diesem Büchlein eine Reihe authentischer Rezepte aus den ärmlichen, selbst in der Deutschschweiz wenig bekannten Bündner Südtälern: dem Bergell, dem Calancatal, dem Misox und Puschlav gesammelt. Manche Rezepte sind halb vergessen, Zeugen einer vergangenen Zeit, andere sind noch heute lebendig.

Wie Ursula Hasler in der Einleitung schreibt: Es geht in diesem Buch nicht einfach um schöne Rezepte, sondern darum zu verstehen, dass die lokale Küche ein Ausdruck dafür ist, wie sich die Menschen seit Jahrhunderten mit den vielfältigsten Einflüssen in ihrem Lebensraum auseinander setzten: Essen vor dem Hintergrund der klimatischen und topografischen Lage, der geschichtlichen Ereignisse in der Region, des Handels und der Begegnungen mit Fremden, der Sprache und den Kommunikationsmöglichkeiten und der alpinen Arbeits- und Ernährungsformen.. Erst dieser umfassende Blick zeigt uns, dass unsere kulinarischen Bräuche weit mehr sind als nur originelle Rezepte, nämlich unser Kulturerbe und damit unser seelischer Boden….Wir haben einen seelischen Hunger nach Essen, das unsere Körper nicht täuscht, nach Geschmack, der uns nicht etwas vorgaukelt, was nicht ist, nach Genuss, der nicht gewinnoptimierend Natur und Tier ausbeutet.

DKduW

Ich habe mich nicht genau an das Rezept gehalten, sondern das Gericht aus restlichen Pellkartoffeln und separat zubereiteten Spätzle (meinen Wasserstriwala) in der Pfanne gebraten, das schmeckt bestimmt besser, als wenn man  Kartoffeln und Spätzle nur aus dem Wasser zöge, zudem habe ich alles mit Salbeibutter überschmelzt. Ein wunderbar einfaches, aber herrliches Armeleutegericht. Der Genuss einfachster Produkte, die in der Küche mit heiliger Sorgfalt zubereitet werden, lässt uns, die Essen und Kochen ernst nehmen, halt nicht unbewegt. Und deshalb ist das mein Beitrag für den DkdUW. Ein Rezept bräuchte es dazu kaum, wer alles genau schwarz auf weiss wissen muss, mag weiterlesen:

Zutaten
Original gemäss Buch:
3-4 grosse Kartoffeln
500 g Weissmehl
2 Eier
1 Glas Milch
2 Glas Wasser
2 Prisen Salz
4 Knoblauchzehen
Butter, geriebener Käse

Ausführung L.:
für die Spätzle:
200 Gramm Mehl, ich nehme Emmentaler Knöpflimehl: Weichweizendunst mit etwas Dinkel drin
3 Eier
1 Eigelb
1-2 Elf. Wasser nach Bedarf
1 Prise Salz, Muskatnuss

für das Gericht:
300 g Kartoffeln, festkochend
400 g Spätzle
2 grosse Knoblauchzehen
Butter, geriebener Käse
ein paar Salbeiblätter

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Spätzle schaben
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Die Schüssel im Nu voll

Zubereitung
Original gemäss Buch:
Mehl, Eier und Salz in eine Schüssel geben, mit Milch und Wasser verrühren -die Masse soll weder zu dickflüssig noch zu dünnflüssig sein. Je nach Konsistenz noch mehr Milch oder Mehl beigeben, bis sich die Masse leicht von der Kelle löst. In einer grossen Pfanne Wasser aufkochen, Salz und die in Stücke geschnittenen Kartoffeln hineingeben. Nun die Masse auf ein Holzbrett geben und kleine Stücke ins kochende Wasser schaben. Wie Spätzle. Wenn die Masse aufgebraucht ist, sind auch die Kartoffeln gar. Mit dem Schaumlöffel herausnehmen und schichtweise zusammen mit dem Käse in eine vorgewärmte Schüssel geben. Zum Schluss die zerlassene Butter und den in feine Scheiben geschnittenen Knoblauch [L.: gemäss Bild im Buch vorher angebraten] darübergeben.

Ausführung L.:
für die Spätzle:
(1) Mehl in eine Schüssel vorlegen, Eier und Salz zugeben. Mit einem großen Kochlöffel oder in der Küchenmaschine 10 Minuten rühren bis er Blasen wirft. Mit Klarsichtfolie bedecken und noch wenigstens eine halbe Stunde ruhen lassen.
(2) Topf mit Salzwasser zum Kochen bringen.
(3) Etwa 2 Esslöffel Teig auf das Spätzlebrett geben, das man vorher kurz ins kochende Wasser getaucht hat, und mit dem ebenso nassen Teigschaber flach streichen.
(4) Nun dünne Streifen ins kochende Salzwasser schaben. Nach jeder Partie kurz aufkochen, mit einem Sieblöffel herausnehmen mit kaltem Wasser abschrecken, auf einem Tuch ausbreiten.

für das Gericht:
(5) Die Kartoffeln auf dem Dämpfsieb zu Gschwellti (Pellkartoffeln) kochen. Hier am Vortag. Schälen, in Würfel schneiden, in Butter anbraten.
(6) Sobald sie erste Anzeichen von Farbe zeigen, die Spätzle zugeben und mitbraten.
(7) In einem separaten Pfännchen die in Scheiben geschnittenen Knoblauchzehen sowie die Salbeiblätter in Butter hellgelb anbraten.
(8) Knoblauch/Salbei über die Kartoffel-Spätzle giessen. Mit Reibkäse bestreuen. Der kam wieder einmal erst nach dem Foto drauf.

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Acqua cotta, gekochtes Wasser

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Nun ist es zwar so, dass wir Kochblogger alle nur mit Wasser kochen, aber in seltenen Fällen trifft man doch auf Rezepte, bei denen das eine Wasser besser schmeckt als ein anderes. So wie hier die toskanische Gemüsesuppe Acqua cotta, in einer besonders leichten und vegetarischen Version, wie wir sie zweimal im Hotel Müller in Pontresina gegessen haben. Das erstemal absolut köstlich, das zweitemal absolut vermurkst. Seit Oskar Messner, der heute im Restaurant Pitzock in San Pietro, Val di Funes im Südtirol arbeitet, nicht mehr hier kocht, hat die Konstanz der Küche erheblich gelitten. Frau L. hat sich die gute Vorlage von O. Messner zum Vorbild genommen und sie zuhause frei nachgekocht.

Zutaten
für ca. 2-3 Liter Gemüsebrühe:
1 Zwiebel (bei uns Schalotte)
1 kleine Stange Lauch
2 Stangen Staudensellerie
2 Karotten
2 Elf. Olivenöl
2.5 L Wasser
1 Knoblauchzehe
1 Elf. Salz
1 Elf. Pfefferkörner
2 Lorbeerblätter
Muskatnuss

für die Acqua cotta:
für 2 Personen
1-1.5 L Gemüsebrühe
1 Tomate
1-2 Stangen Staudensellerie
1 Blattrippe Fenchel
2 Eier
2 Scheiben trockenes Weissbrot
2 Elf. Parmesan (eigentlich müsste es Pecorino sein)
ein paar kleine Basilikumblättchen

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Gemüsebrühe mit versunkenen Karotten
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mein Eiertrick

Zubereitung
für die Gemüsebrühe:
Die ungeschälte Zwiebel halbieren, das Gemüse putzen und in kleine Scheiben und Würfel schneiden.
(2) In einem grossen Topf das Olivenöl erhitzen, Gemüse dazugeben und 3 Minuten unter ständigem Rühren anrösten. Mit Wasser aufgiessen und kurz aufkochen lassen. Dann die gepresste Knoblauchzehe, einen Teil des Salzes [besser erst am Schluss zugeben] und die Lorbeerblätter hinzugeben und mind. eine Stunde bei niedriger Hitze köcheln lassen.
(3) Durch ein feines Sieb abgiessen, nachwürzen mit Salz und Muskatnuss.

für die Acqua cotta:
(4) Das Gemüse putzen, Fenchel und Staudensellerie in ca. 2 mm dicke Scheibchen schneiden, die Tomaten entkernen, evtl. enthäuten und in 2 cm grosse Würfel schneiden.
(5) Fenchel und Staudensellerie in einem Liter der Gemüsebrühe leise köcheln bis die Gemüse al dente sind. In der letzten Minute die Tomatenwürfel hinzugeben.
(6) Daneben die Brotscheiben in eine beschichtete Bratpfanne legen, den Parmesan darauf streuen, die Eier öffnen, vorsichtig erst das Eiweiss auf das Brot gleiten und einziehen lassen, eine kleine Mulde ins Brot drücken und das Eigelb hineingleiten lassen. Das Eiweiss salzen. Soviel Gemüsebrühe angiessen, bis der Wasserstand an die Oberkante des Brotes reicht und die Eierbrote ca. 5 Minuten köcheln lassen. (Diesen Trick habe ich erdacht).
(7) mit einem flachen Heber die Brotscheiben samt Ei in heisse Suppenteller legen, mit der heissen Brühe samt Gemüseeinlage umgiessen. Mit Basilikum garnieren.

Anmerkung
Eine wunderbar leichte, wohlschmeckende Suppe. In der Toskana wird oft noch Bauchspeck mit angebraten und die Suppe mit andern Gemüsen der Saison oder gar Pilzen angereichert. Wie ich schon sagte, wir kochen alle mit Wasser. Mit vielen Wässern. Die Gemüsebrühe hat Frau L. ungefähr nach den Angaben im Buch La cucina verde gekocht.

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Gemüsekurs (6): Gemüse-Briocheflan auf Karottensauce mit Cocobohnen

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Karotten sind so gelb

Das ist schon hohe Schule der Gemüseküche, was wir hier bei Lucas Rosenblatt im Gemüsekurs kochen durften. Etwas aufwendig, aber absolut lohnenswert. Und was heisst schon aufwendig ? Für nutzloses Herumsitzen vor dem Fernseher (Reizworte: Misswahlen, Musicstar) oder stundenlanges Surfen in den sozialen Netzwerken ist jede Menge Zeit vorhanden.

Zutaten
Vorspeise für 12 Personen

für die Karottensauce:
1 dl Apfelsaft
3 dl Karottensaft
100 g fein geraffelte Karotten
2 geschälte, fein geschnittene Schalotten
1 Elf. geschroteter Rundkornreis
8 zerdrückte Koriandersamen
10 dünne Scheibchen Ingwer
1 dl Kokosnusscreme, ungesüsst
Kräutersalz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle

für den Cocobohnensalat:
200 g gerüstete Cocobohnen
1 cm geschälter Ingwer in feine Streifen geschnitten
2 längs aufgeschnittene Schalotten
2 feinst geschnittene Zitronengrasstengel
2 fein gehackte, entkernte Chilischoten
2 Elf. geröstete Sesamsamen
2 Elf. Sesamöl
1 Elf. weisser Balsamessig
1 Tlf. Tamarindenpüree

für die Gemüse-Briocheflans:
160 g Brioche in 5 mm grosse Würfel geschnitten
20 g Butter
1 entkernte, fein geschnittene Chilischote
50 g feinste Wurzelgemüsewürfelchen (Karotte, Pfälzerrüebli oder Petersilienwurzel)
20 g feinste Lauchwürfelchen
1 Prise Muskatnuss
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1 Tlf. Kräutersalz
4 dl Milch
1 Vanilleschote
1 Lorbeerblatt
3 Eier

Eine 12er Muffinform, ca. 4 cm oder 4 grössere Timbaleförmchen

Briocheflan auf Karottensauce 0_2010 08 14_9028

Zubereitung
für die Karottensauce:
(1) Apfel und Karottensaft in einer Saucenpfanne aufkochen. Karotten, Schalotten, Reis, Koriandersamen und Ingwer hinzugeben. Bei kleiner Hitze auf die Hälfte einkochen.
(2) mit dem Stabmixer purieren und durch ein feines Sieb streichen. Die Sauce zurück in die Saucenpfanne geben und zusammen mit der Kokosnusscreme aufkochen. Würzen.

für den Cocobohnensalat:
(3) Die Cocobohnen in Streifen schneiden und in Salzwasser blanchieren, bis sie gar sind.
(4) Schalotten, Zitronengras, Chilischoten im Sesamöl in einer Sauteuse 5 Minuten dünsten.
(5) Den Balsamessig mit dem Tamarindenpüree und den gerösteten Sesamsamen verrühren und zu den Schalotten geben. Zum Schluss die Marinade mit den Bohnen mischen.

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feine Würfel, meine Spezialität
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einfüllen der Gemüsemilch

für die Gemüse-Briocheflans:
(6) Die Förmchen mit weicher Butter ausstreichen.
(7) Die Briochewürfelchen auf ein Kuchenblech geben und im vorgeheizten Ofen bei 180°C goldgelb rösten.
(8) die feingeschnittene Gemüsebrunoise in der Butter weichdünsten und mit den Gewürzen abschmecken. Zur Milch das Mark der aufgeschlitzten Vanilleschote, die leere Schote und das Lorbeerblatt zugeben und kurz aufkochen.
(9) Die Eier schaumig schlagen. Vanilleschote und Lorbeerblatt entfernen und die kochend-heisse Gemüsemilch nach dem Angleichen (!) nach und nach zu den Eiern schlagen.
(10) Die gerösteten Briochewürfelchen in die gebutterten Förmchen füllen, mit der Gemüsemilch samt der darin befindlichen Gemüsebrunoise auffüllen.
(11) im vorgewärmten Ofen bei 180°C ca. 20 Minuten backen. Die Flans steigen hoch, fallen aber nach dem herausnehmen wieder etwas zusammen.

für den finish:
Karottensauce aufkochen und als Spiegel in die vorgewärmten Teller verteilen. Je ein Löffel marinierte Cocobohnen als Unterlage für den Flan in die Mitte legen. Darauf den gestürzten Flan.

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CH-5210 Windisch: Königsfelden

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Im Garten von Königsfelden

Eine Fehde innerhalb des Hauses Habsburg und ein Mord stehen stehen am Anfang dieser Geschichte. Am 1. Mai 1308 wurde der habsburgische König Albrecht der I. von seinem Neffen Johann von Schwaben ermordet. Der Hintergrund liegt in einer längeren Auseinandersetzung um Johanns Erbe.

Laut zeitgenössischen Chronisten ritt Albrecht I. mit seinem Gefolge seiner Gemahlin Elisabeth entgegen. Bei Windisch mussten er und seine Begleiter die Reuss auf einer Fähre überqueren. Albrecht und Verbündete des Johann von Schwaben setzten zuerst über. Auf dem Windischer Plateau erstach Johannes seinen Onkel.

Die Witwe Albrechts, Königin Elisabeth, gründete dauafhin zum Gedenken an ihren Gemahl und für die ganze habsburgische Familie das Kloster Königsfelden als Memorialort. Hier sollte Fürbitte für das Seelenheil der verstorbenen Habsburger geleistet werden.

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Klosterkirche
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Klosterkirche

Die eigentliche Klostergründung vollzog sich über drei Jahre. 1310 wurde sie durch eine Urkunde Papst Clemens V. bestätigt. 1312 zogen die ersten Nonnen ins Kloster ein.
Königin Elisabeth verstarb 1313. Sie bestimmte Königsfelden zu hrer letzten Ruhestätte und wurde als erstes Familienmitglied hier beigesetzt.
Der von einem unbekannten Meister und seiner Werkstatt zwischen 1325 und 1330 geschaffene, weitgehend original erhaltene Glasgemäldezyklus im Chor zählt zu den bedeutendsten europäischen Kunstwerken des 14. Jahrhunderts.

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Die Tochter von Königin Elisabeth, Königin Agnes, war die früh verwitwetet Frau von Andreas III. von Ungarn. Sie betreute von 1316 bis1364 das Kloster Königsfelden. Sie wurde selbst nie Nonne, lebte aber innerhalb des Areals. Mit Agnes kam für Königsfelden eine Hochblüte. Das Kloster wurde von ihr zu einem vielfach privilegierten und hoch angesehenen Ort habsburgischer Etrinnerungskultur gemacht.

Im Mittelschiff befindet sich ein Kenotaph aus Marmor (1320), darunter die ehemalige Gruft, die bis 1770 als habsburgisches Erbbegräbnis diente.

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Mittelschiff und Kenotaph
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bernische Hofmeisterei

Im Mittelschiff erinnert eine Gedenktafel an die bei der Schlacht bei Sempach 1386 gefallenen und in Königsfelden bestatteten Adligen.

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Gedenktafel

Nach ihrem Tod setzte ein schleichender Niedergang ein. Mit der Eroberung des westlichen Aargaus durch die Stadt Bern ging die Verbindung zum Stifterhaus verloren. Nach der Einführung der Reformation im Jahr 1528 wurde das Kloster aufgehoben. Der Gebäudekomplex erfuhr zahlreiche Umbauten und diente als Amtssitz der bernischen Landvögte des Amtes Königsfelden, ein Hofmeister übernahm die Verwaltung der ehemaligen Klostergüter. 1804 gelangte das ehemalige Kloster in den Besitz des im Jahr zuvor gegründeten Kantons Aargau, der hier 1868-1872 eine Heil- und Pflegeanstalt einrichtete. Dafür mussten weite Teile der Klosterbauten weichen.

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Stapelbares Konzertgestühle

Quelle: Informationstafeln auf dem Areal und wiki.

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Tessinerbrot (mit Salame nostrano)

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Tessinerbrot ist in unsern Bäckereien selten geworden. Durch andere Spezialbrote an Beliebtheit überholt. Vor drei, vier Monaten entdeckte Frau L. im CO.OP-Heft diesen Werbeartikel und beauftragte mich mit der Beschaffung eines Tessinerbrots. Wie schön, dass Tage später zorra vom kochtopf Tessinerbrot verbloggte, kurz darauf bestätigt in einer dunkeln Version von Paules ki(t)chen. Gut Ding will Weile haben, Brotbacken benötigt bei mir, da es an Können gebricht, eine ausgefeilte Logistik, Mut und Glück. Indessen backe ich es nun schon zum drittenmal,  einfach, weil es uns schmeckt, sich für Wenigbrotesser einigermassen frisch hält und sich durch Abbrechen einfach portionieren lässt.

Tessinerbrot 0_COOP

Zutaten
für den Vorteig
150 g Halbweissmehl (Type 812)
100 g Wasser
1 g Trockenhefe (ich nahm 2 g Frischhefe)
2,5 g Speisesalz

 

Tessinerbrot 1_2010 10 01_0084
vor dem Backen

 

für den endgültigen Teig:
350 g Halbweissmehl (Type 812), beim aktuellen Backen habe ich Farina Magiche Manitoba rinforzato Typo 0 verwendet, ein Mitbringsel aus dem Veltlin.
190 g Wasser
30 g Sonnenblumenöl (ich nahm 30 g flüssige Butter, Sonnenblumenöl haben wir nicht)
3,5 g Trockenhefe (ich nahm 8 g Frischhefe)
8 g Speisesalz
gesamter Vorteig

Zubereitung
für den Vorteig
(1) Alle Zutaten mischen und gut kneten. Vorteig zugedeckt (mit feuchtem Tuch oder in Plastikgefäss) bei Raumtemperatur über Nacht stehen und gehen lassen. (im kühlen Keller, in der Küche wars zu warm)

für den endgültigen Teig:
(2) Hefe im Wasser suspendieren, zum Vorteig geben, mischen, Mehl dazusieben, kneten. Butter bei laufendem Kneter dazuträufeln und 4 Minuten auf langsamer Stufe kneten, dann Salz dazugeben und auf etwas schnellerer Stufe 6 Minuten fertigkneten. Teig zugedeckt bei Raumtemperatur 60 Minuten ruhen lassen, dabei nach 30 Minuten 1x falten.
(3) Den Teig in 6 Stücke  zu etwa 130 g teilen und rund formen, dann 5 Minuten ruhen lassen, danach oval formen und alle 6 Stück aneinanderlegen. Die Teile sollen sich berühren aber trotzdem nicht zu nahe aneinanderliegen. Das Brot zugedeckt 50 Minuten gehen lassen.
(4) Backofen inkl. Blech (untere Schiene) auf 230 Grad vorheizen. Brot mit einer Rasierklinge oder Messer 2 cm längs tief leicht schräg einschneiden. Brot einschiessen, 10 Minuten backen, Temperatur auf 180 Grad hinunterschalten nochmal 25 Minuten backen. Rausnehmen und sofort mit etwas Kaffeerahm oder Milch bestreichen, dies verleiht dem Brot einen schönen Glanz. Beim dritten Backen hab ich 10 Minuten vor Ende ein Restchen Eigelb, mit Milch verrührt, angestrichen.

 

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geht mit Salami und Wein wie mit Butter und Konfitüre zu Kaffee

 

Anmerkung
Das Brot schmeckt ausgezeichnet, war bei den ersten beiden Versuchen mit Normalmehl etwas kompakt, beim dritten Versuch, mit Manitoba Zaubermehl, luftiger, perfekter. Geschmacklich liegt es näher beim Tessinerbot, wie ich es aus den 60-er Jahren kenne. Heutiges Tessinerbrot aus den einschlägigen Grossbäckereien erinnert eher an einen fluffigen  Zopfteig.
World Bread Day 2010 (submission date October 16)

 

Auf dem Zaubermehl steht u.a.: Le Farine Magiche faranno nascere dalle tue mani capolavori di bontà per stupire anche la più abile delle tue amiche. Das Magische Mehl lässt aus Deinen Händen Meisterwerke entstehen, die selbst die geschicktesten Deiner Freunde beeindrucken. Mindestens ich war beeindruckt. Der Teig mit dem Zaubermehl war nach dem Gehen wesentlich standfester. Gut, habe ich noch ein paar Kilo davon mitgebracht.  Gemäss Deklaration sollen Malzmehl und Vitamin C als Zusatzstoffe drin sein.

Mein Beitrag zum world bread day 2010.

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La Pestèda Grosina, das Aromat des Veltlins

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Im Val di Poschiavo sind wir in einem einfachen Restaurant (dem gleichen, in welchem wir der Wurst begegnet sind), auf eine Spezialität gestossen: La Pesteda. Eine gemörserte, aromatische Gewürzmischung, die zu Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Trockenfleisch und Käse gereicht wird. Die Recherche zuhause ergab, dass die Pesteda eigentlich aus dem Veltlin stammt, genauer aus Grosio. La Pesteda di Grosio. Pestare = zerstoßen, zerreiben. Ein Jahrhunderte altes Rezept aus den Zutaten: Salz, Wacholder, Pfeffer, Thymian und Zwergschafgarbe. Pfeffer scheint es hier aufgrund der Nachbarschaft zur Republik Venedig schon im ersten Jahrtausend gegeben zu haben.
Ich habe mir in Poschiavo ein Fläschchen als Referenz gekauft und zuhause versucht, das Rezept nachzumischen. Mein Beitrag zum event des kochblogs, betreut diesmal von schnickschnackschnuck.

Blog-Event LXI - The Real Deal (Einsendeschluss 15. Oktober 2010)

Zutaten
für ein kleines Gefäss

20 g schwarzer Pfeffer, ganz
5 Knoblauchzehen
40 g grobes Meersalz
15 Wacholderbeeren getrocknet
1 Tlf. Thymian getrocknet
1 Tlf. Schafgarbe getrocknet (Achillea nana L., habe ich nicht gehabt, stattdessen gemeine Achillea millefolium verwendet, in einem andern Rezept aus Grosio wird Löwenzahn verwendet)
Rotwein

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Statt die Zutaten zu mörsern, habe ich sie in der Kenwood Gewürzmühle vereinigt und geschreddert, bis alles einigermassen fein war. Gegen Ende habe ich mit 1 Elf. Rotwein befeuchtet. Die Mengenangaben habe ich nach eigenem Geschmack selbst festgelegt, inspiriert durch die Vorgaben des Blogs cuginincucina.

Zu Beginn ist das Gewürz vor allem scharf und salzig. Man sollte es unbedingt erst eine Woche stehen lassen. Das Aroma wird nach der Woche bedeutend milder, würziger, runder. Schmeckt anders als Aromat: pfeffriger, würziger. Ein wunderbarer Ersatz für die Natriumglutamatbomben Aromat (Knorr) und Fondor (Maggi). Haltbarkeit etwa ein Jahr. Wenns durch den Wein zu nass wird, an der Luft trocknen lassen.

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Puschlaver Mortadella mit Linsen

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Wurst ist in aller Munde. Wenigstens hierzulande. Aus meinem kulinarischem Blickwinkel hat eine Wurst einen viel höheren Stellenwert als beispielsweise Edelstücke wie Entrecôtes oder Filets. So wie der Dialekt der lokale, sprachliche Ausdruck einer Kultur ist, sind es auch die lokale Küche und die lokalen Lebensmittel, die mit allen andern Lebensgewohnheiten Identität schaffen. Entrecôtes sind im Vergleich zur  Wurst reines Fast-food. Wie sich mit der Zeit  Hund und Besitzer derart angleichen, dass man im Hund seinen Besitzer wiedererkennt, erkennt man in der Wurst den Menschen, der zu ihr passt. Sage mir, welche Wurst Du isst, und ich sage Dir, wer Du bist. Das meine ich natürlich nicht wörtlich.

Aus einfachen Fleischteilen eine gute Wurst herzustellen verlangt das Können des Metzgers, Erfahrung. In Poschiavo haben wir in einem einfachen Restaurant eine wohlschmeckende Mortadella gegessen, die vor zwei Jahren von slow-food Schweiz als beste Wurst der Schweiz (klick) auserwählt wurde. Diese Wahl habe ich gänzlich verschlafen.  30 Meter vom Restaurant entfernt liegt die Metzgerei Zanetti. Hinein. Die Puschlaver Mortadella unterscheidet sich optisch von der dicken, italienischen Mortadella di Bologna mit ihren Fettwürfeln. Sie ist viel kleiner, besteht aus Schweinefleischabschnitten, Speck und Fett, die traditionell gehackt und nicht industriell zu Brät gewolft werden. Hinzu kommen noch die Leber, Wein, Knoblauch, Gewürze wie Pfeffer, Nelken, Zimt und Muskatnuss. Es gibt sie roh zum selberkochen oder bereits gekocht. Wer sie will, muss weit reisen, mit der Berninabahn ins Puschlav nach Poschiavo zu Metzger Zanetti oder mindestens bis Chur, wo Zanetti eine Filiale betreibt.

Ich habe eine Rohwurst gekauft, diese 1 Stunde bei 72 Grad, in heissem Wasser ziehen gelassen und kalt , so wird es empfohlen, zu einem Linsensalat serviert. Der Senftouch der Sauce an den Linsen passte sehr gut zur Wurst.

Zutaten
Hauptgericht für 2 Personen
für die Linsen:
220 g Belugalinsen
600 ml Gemüsebrühe (aus Pulver)
1 Karotte zu feiner Brunoise geschnitten
1 Stange Staudensellerie zu feiner Brunoise geschnitten
10 g Butter
1 Tlf. Salz

für die Sauce:
1-2 Elf. Dijon-Senf
2 Elf. Obstessig
2 Elf. Estragon-Essig
1 dl bestes Olivenöl
40 ml Noilly-Prat
1 mittlere Schalotte
wenig abgeriebene Bio-Orangenschale
Salz, Pfeffer

Zubereitung
(1) Die Gemüsebrunoise in der Butter kurz andünsten, mit leicht gesalzener Gemüsebrühe ablöschen, die Linsen zugeben und die Linsen al dente kochen (15 Minuten genügen dafür).
(2) Sauce aus den angegebenen Zutaten anrühren und mischen mit den fein geschnittenen Schalottenstreifen.
(3) Bissfeste Linsen abgiessen, noch warm mit der Sauce verrühren und mindestens 4 h darin marinieren.

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Gemüsekurs (5): Auberginen-Ziegenkäse-Sandwich

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Nach den schönen Antipasti di verdura aus dem Gemüsekurs von Lucas Rosenblatt:

Gemüsekurs (4): Spinatfrittata mit Tandooricreme
Gemüsekurs (3): Herbstliche Peperonata
Gemüsekurs (2): Tomaten-Mozzarella Terrine
Gemüsekurs (1): Zucchiniblüten mit Pistou gefüllt und gebacken

folgen die Hauptgerichte. Als erster Gang Auberginen-Sandwiches, die manchen Burger alt aussehen lassen.

Zutaten
2 Auberginen
Meersalz
120 g Mehl
Olivenöl
300 g junger Crottin chavignon (Ziegenkäse)
6 feste, aromaische Tomaten
2 Bund Basilikum
Basilikumöl
Chips von 6 Knoblauchzehen
1 Handvoll frischer, knackiger Kräutersalat

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Scheibenstücke am anbraten
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Die Servierunterlage

Zubereitung
(1) Auberginen schälen und längs in ca. zwölf 1 cm dicke Scheiben schneiden. Wir haben sie, wie im Bild, in kleinere Stücke geschnitten. Die Scheiben mit Meersalz bestreuen und 30 Minuten entsaften lassen. Danach die Scheiben mit Küchenpapier trockentupfen. In Mehl wenden und in reichlich Olivenöl auf beiden Seiten golden braten. Auf einem frischen Küchenpapier entfetten und im Ofen bei 60°C trocknen.
(2) Die Tomaten und den Ziegenkäse in dünne Scheiben schneiden und reichlich mit schwarzem Pfeffer und Basilikumöl würzen.
(3) Den Basilikum entstielen, die vier schönsten Spitzen als Garnitur beiseite legen. Die restlichen Basilikumblätter in dünne Streifen schneiden.
(4) Ofen auf 180°C vorheizen.

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vor dem Backen

(5) Die Hälfte der Auberginenscheiben auf einem gefetteten Kuchenblech mit den Tomaten und Ziegenkäse belegen. Dazwischen die Basilikumstreifen verteilen. Mit Zahnstochern fixieren. Mit den restlichen Auberginenscheiben belegen. Wenn man die Scheiben dünner schneiden würde, reichte es auch für Doppeldecker.
(6) Die Sandwichs im vorgeheizten Ofen wärmen bis der Käse schmilzt.
(7) Servieren auf Tellern mit frischen Kräutern und Tomatenwürfeln, gezeichnet mit wenig Basilikumöl.

Die Knoblauchchips sind auf dem Bild nicht zu sehen. Sie sind dem Koch verbrannt 😉

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Confettura di cipolle di tropea

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Konfierte rote Zwiebeln aus Tropea. Diese Zwiebeln schmecken mild und delikat, fast etwas süß. In Italien findet man süsse Versionen der Marmelade, die mit mehr Zucker und mit Wein gekocht sind. Aber auch herbere Versionen, die mit Essig gekocht werden. Ein Rezept aus dem Buch La cucina verde von Carlo Bernasconi und Larissa Bertonasco. Hier die Rezension. Überrascht war ich von der zartrosa Farbe der Marmelade, die sich auch bei der Lagerung hält. Der Zwiebelconfit eignet sich sehr gut als Begleiter zu einer Käseplatte, zu einer Burrata, zu kaltem Fleisch, zu Raclette, Terrinen usw.

Confettura di cipolle 1_2010 08 27_9143

Zutaten
600 g rote Zwiebeln aus Tropea
4 Elf. Olivenöl extra
100 g Zucker
100 ml Rotweinessig (Zweigeltessig von Gälles)
1 Zimtstange (5 cm)
2 Lorbeerblätter, Druckfehler im Buch: dort steht 1 Esslöffel Lorbeerblätter, die Blätter sollen aber wieder entfernt werden
Salz, schwarzer Pfeffer

Confettura di cipolle 2_2010 08 27_9147

Zubereitung
(1) Zwiebeln schälen und auf dem Gemüsehobel in hauchdünne (1 mm) dicke Scheiben hobeln. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, die Zwiebeln dazugeben und wenige Minuten dünsten.
(2) Zucker und Rotweinessig sowie die Zimtstange und die Lorbeerblätter zugeben, umrühren und auf kleinstem Feuer zugedeckt etwa eine Stunde garen. Wenn notwendig wenig Wasser zugeben, damit die Zwiebeln nicht anbrennen.
(3) zum Schluss Zimtstange und Lorbeerblätter entfernen, abschmecken mit Salz und Pfeffer und heiss in verschliessbare Konservengläser abfüllen.

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Barolo-Hauswurst, hausgemacht

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Die Hauswurst im Hause erspart...

Im Fleischkurs von Lucas Rosenblatt wurde erstmalig auch gewurstet. Eine Hauswurst und orientalische Lammwürstchen. Schade, dass sich die Hauswurstfabrikation für zwei Personen kaum lohnt. Selbstgemachte Würste haben einen unvergleichlichen Geschmack. Die kann man nirgendwo kaufen. Was so einfach aussieht, hat aber durchaus seine Tücken.

Zutaten
300 g mageres Schweinefleisch
300 g Kalbfleisch
200 g Spickspeck
50 ml Rahm
2 geschälte, gehackte Schalotten
1 geschälte, zerdrückte Knoblauchzehe
100 ml kräftiger Rotwein (zB Barolo oder Barbera)
1/2 Elf. Butterschmalz
1/2 Bund gehackte Petersilie
1 Elf. fein gehackte Rosmarinblätter
1 Elf. fein gehackte Thymianblättchen
1 Tlf. Gewürzsalz für dunkles Fleisch
1/2 Tlf. weisser Pfeffer
Hauch Muskatnuss
ca. 2 m Schweinedarm vom Metzger

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Grob wolfen
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Darm über Wursttrichter ziehen

Zubereitung
(1) Das Fleisch und den Spickspeck in 1/2 cm grosse Würfel oder besser in dünne Streifen schneiden.
(2) Die Schalotten und den Knoblauch im Butterschmalz glasig dünsten. Gewürze (Pfeffer, Muskat, Petersilie, Rosmarin, Thymian) zugeben und mit dem Rotwein ablöschen. Einreduzieren, erkalten lassen und zum Fleisch geben. Gut vermengen, auf einem Kuchenblech verteilen und 1 Stunde (besser über Nacht) sehr kalt (< 5°C) stellen.
(3) Das marinierte, kalte Fleisch durch die grobe 8 mm Scheibe des Fleischwolfes treiben (Drehzahl 7 bei der Kenwood).
(4) Fleisch wiederum auf dem Kuchenblech verteilen und einige Zeit kalt stellen. Das Fleisch lässt sich viel besser wolfen, wenn Fett und restliche Sehnen eiskalt oder sogar leicht angefroren sind. Der Druck der Schnecke beim Wolfen sorgt eh dafür, dass sich das Fleisch rasch erwärmen wird.
(5) Einen Viertel bis einen Drittel des Fleisches ein zweites Mal durch dieselbe Lochung drehen. Fleisch in einer Chromstahlschüssel der Küchenmaschine kaltstellen, mit dem Gewürzsalz salzen und mit dem K-Haken oder dem Flexirührelement etwa 2 Minuten mit voll durchgedrücktem Gashebel mischen. Dabei soviel Rahm zum Binden zugeben, dass die Masse streichfähig bindet. Bindung ist wichtig, sonst wird die Masse nach dem Garen bröselig, weil sich das Fett trennt.
(6) Den Darm eine Stunde in lauwarmem Wasser wässern. Den Darm über den mittleren Wursttrichter stülpen. Das überstreifen des gesamten Darms auf den Trichter geht am besten, wenn der Trichter in eine Schale mit Wasser gestellt wird. Der entstehende Überdruck erleichtert das Überziehen des Darmes.
(7) Aus der Masse eine kleine Probefrikadelle formen, ausbraten und probieren. Die wurstdrehenden Damen entschlossen sich, die Masse mit etwas Limonenöl nachzuwürzen.
(8) Den Fleischwolf für die Wurstfüllung vorbereiten. Für die Füllung braucht es vier Hände. Mit einer Drehzahl von 5 etwa 90-100 g schwere Würste füllen. Das geht Tempo Teufel.

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Profi Wurstfüllmaschine

Wie unter (8) beschrieben, wird die Wurstmasse für die Füllung ein drittes Mal durch den Fleischwolf gedrückt. Das ist wegen der damit verbundenen Erwärmung nicht ideal. Profis benutzen zum Wurstfüllen spezielle Maschinen, bei denen die Wurst mit einem Minimum an Druck sanft und schonend in die Wursthülle befördert wird.

Weiterführende Informationen zur Wursterei gibts bei Herrn Paulsen und im kochtopf

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Der unvermeidliche, traurige Schluss der Verwurstung, alles hat halt doch ein Ende...

Zum Geniessen die Würste in etwas Fett bei gelinder Hitze langsam, langsam anbraten. Nicht umsonst  warnt das Sprichwort vor dem Platzen aus Ungeduld.

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Wurstherrlichkeit in der Pfanne

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CH-5630 Muri: Kloster

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Die Klosteranlage von Muri gehört, mit den Klöstern Königsfelden und Wettingen, zu den wichtigsten Kulturdenkmälern des Kantons Aargau. Die Gründung geht auf das Jahr 1027 zurück. Ita, Gräfin von Lothringen, Gattin des Grafen Radbot von Habsburg, stiftete ihre Morgengabe in Form von Grundbesitz zur Gründung des Klosters. Ein Sühneopfer, weil dieser Besitz unrechtmässig in die Hände der Habsburger gelangte,  anders gesagt geklaut war.  Benediktinermönche aus Einsiedeln besiedelten das Kloster. Während acht Jahrhunderten entwickelte sich die Benediktinerabtei zur heutigen Form und Grösse.

Das Herzstück des Klosters ist ein im Barockstil gebauter, oktogonaler Zentralbau aus dem 17. Jahrhundert, der der Kirche ihre einzigartige Ausstrahlung gibt. Dazu musste die aus dem 11. Jhdt. stammende romanische Basilika teilweise abgerissen werden. Querschiff, Chor und Krypta sind romanischen Ursprungs. Die weiss schimmernde Kuppelkirche, einer der grössten Kuppelzentralbauten der Schweiz, mit ihren ringsum begleitenden Nadelhelmen von Türmen und Dachreitern ist in der Hügellandschaft des Freiamtes weitherum sichtbar.

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Eingangspartie
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links Singisenflügel

Nach der Schlacht von Sempach im Jahr 1386 brandschatzten die Eidgenossen das Kloster; nach der Eroberung des Aargaus im Jahr 1415 übernahmen sie die Schutzherrschaft von den Habsburgern. Während der Reformation wurde das Kloster 1531 durch bernische, reformierte Truppen verwüstet. Die Bekanntschaft des damaligen Abtes mit dem Zürcher Reformator Heinrich Bullinger rettete das Kloster vor der Auflösung..
Unter der Führung von Abt Johann Jodok Singisen (1596–1644) erlebte das Kloster eine zweite Blütezeit. 1701 wurde die Abtei in den Rang einer Fürstabtei (mit Sitz unter den Reichsfürsten) erhoben. Damals galt Muri als das reichste Kloster der Schweiz. 1750 wurde die Klosterkirche mit Rokoko-Elementen ausgestattet. Die Zeit der Aufklärung überstand das Kloster unversehrt.
Nach der Ausrufung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 wurde das Kloster aufgehoben. Die Franzosen beschlagnahmten den Klosterschatz, entliessen die Untertanen in die Freiheit und verboten die Aufnahme neuer Novizen. 1803 erfolgte die Wiederherstellung des Klosters. Nach religiös motivierten Unruhen beschloss das Aargauer Kantonsparlament 1841 die Auflösung des Klosters. Ein Teil der Mönche zog nach Sarnen. Ein anderer Teil des Konvents liess sich 1845 in Gries bei Bozen/Südtirol nieder. Bekannt ist der dortige Ableger u.a. auch durch seine Weine, insbesondere den hervorragenden Lagrein, der von Kellermeister Bruder Christian Werth mit Traditionsbewusstsein und konsequentem Qualitätsdenken produziert wird.  Moment, ich gehe gleich in den Keller. Seit 1961 leben wieder Benediktiner im Hospiz in Muri.

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Probe zur Marienvesper von Claudio Monteverdi

Im Kreuzgang befindet sich die Habsburger-Gruft. Hier ruhen bzw. liegen die Herzen des letzten Kaiserpaars der österreichischen Monarchie, Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita von Bourbon-Parma und einiger weiterer Mitglieder der Habsburgerfamilie. Beeindruckender sind die bedeutenden Renaissance-Glasmalereien, die von geistlichen und weltlichen Würdenträgern, den sieben eidgenössischen Schirmorten, Städten und Privaten dem Kloster geschenkt wurden. 19 dreiteilige Masswerkfenster mit 57 Kabinettscheiben und Masswerkscheiben schmücken die drei Arme des Kreuzganges. Die meisten der Scheiben stammen von Carl von Aegeri (ca. 1510-1562) und Heinrich Leu, seinem ehemaligen Lehrling. Im Gewölbekeller sind die Gemälde des Alpenmalers Caspar Wolf (1735-1783), der aus Muri stammte, zu sehen.

Quelle: wiki und Klosterkirche Muri

 

Hier ein paar Beispiele der prachtvoll farbigen Scherben:

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Gelesen: La cucina verde

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Kaum hatte ich das vom kleinen Verlag Jacoby und Stuart erhaltene Rezensionsexemplar ausgepackt, wurde es mir von Frau L. entrissen, durchgesehen und zuhanden ihrer Kochbuchsammlung beschlagnahmt. Wir führen seit Jahren getrennte Kochbuchsammlungen. Nützliche Kochbücher mit hohem Gebrauchswert enden bei ihr, der Rest, jene berühmter Kochautoren, solche mit schönen Fotos, mit viel Deko und chichi darf ich in mein Regal stellen.

Immerhin wurde es mir für die Dauer unserer Ferien ausgeliehen, die Rezension schreibe schliesslich ich.

Als Bildmensch schaute ich mir erst die hübschen, in naiv-verspielten Stil gehaltenen Zeichnungen von Larissa Bertonasco an, die Bilder haben ihren eigenen Charme. Anders als bei Hochglanz-food-foto-bänden konnte ich mich nicht mit der Betrachtung der Bilder begnügen. Ich musste mich, seit langem zum ersten Mal bei einem Kochbuch, durchlesen.

Dabei ist die praktische Gliederung in 18 Gemüsekapitel ein grosser Gewinn. Unterschiedliche Farben und Symbole erleichtern den raschen Zugriff. Jedes Gemüsekapitel besteht aus einer kurzen Einleitung des Autors mit Informationen über das Gemüse, seinen Gebrauch sowie praktischen Tipps. Danach folgen zu jedem Gemüse 12, 14, 16 oder 18 unterschiedliche Rezepte. Daneben gibt es ein Kapitel mit den Grundrezepten. Die Rezepte sind einfach gehalten, 1-2 Rezepte pro Seite zeugen für den bewundernswert präzisen und knappen Schreibstil von Carlo Bernasconi. Sie sind mit wenigen Ausnahmen auch für Kochanfänger leicht nachkochbar, bestehen aus wenigen Zutaten, die in einem normalen Vorrat vorhanden sind, oder sich leicht beschaffen lassen.

Das macht das Buch zu einem wertvollen Ratgeber für Berufstätige, die abends vor dem Kühlschrank stehen, einen ratlosen Blick ins hoffentlich nicht leere Gemüsefach werfen, und aus dem Vorhandenen rasch etwas Gutes herzaubern möchten. So einfach die meisten Rezepte daherkommen, sie entbehren allesamt nicht einer gewissen geschmacklichen Raffinesse, wie sie nur italienischen Rezepten eigen ist. Einige wenige Rezepte benötigen etwas mehr Zeitaufwand, die meisten eignen sich für die Alltagsküche.

Das Buch verspricht die schönsten italienische Gemüserezepte.  Das Buch verspricht nicht zuviel ! Schade, dass man bei Carlo Bernasconi nur abends essen kann. Wenn wir mal in Zürich sind, dann leider immer nur mittags.

Ein einfaches Rezept habe ich mir aus dem Buch zum Nachkochen vorgenommen: Konfierte rote Zwiebeln aus Tropea. Nächste Woche in diesem Blog.

Buchtitel: La Cucina verde
Autor, Illustrationen: Carlo Bernasconi und Larissa Bertonasco
ISBN 978-3-941087-79-8 , Zweite Auflage, 2010
Gewicht: 600 g
Dimension, Machart:  24x18x1.5 cm, gebunden
Geruch: leicht nach den verwendeten Druckfarben, aber nicht unangenehm
Druckfehler: Einer, Seite 151

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