Alle Beiträge von lamiacucina

Chemie-Ingenieur. Passionierter Koch-Dilettant. Mediterrane Küche, Molekulargastronomie.

Zucchinikuchen mit Peperoni und Melanzane a scapece

Zucchinikuchen 0_2012 08 27_6960

Zucchiniverwertung, wieder einmal als Zucchinikuchen, diesmal nicht inspiriert durch Carlo Bernasconis Cucina verde wie hier, sondern durch einen Gemüsekuchen von Sammelhamster aus dem Jahre 2009. Barbaras Spielwiese hat ihn im selben Jahr rezeptiert und ein Jahr später wurde er sogar durch den grossen Yotam Ottolenghi nachgebacken. Natürlich mit andern Gemüsen und ohne Quellenangabe 😉

Ich habe Kühlschrankreste und Mengen freihändig verwurstelt und herausgekommen ist etwas schmackhaft vegetarisches. Hausmannskost, aber gut. Durch den grossen Zucchinianteil war er auch ohne Ricotta oder Sauerrahm noch genügend saftig.

Zutaten
500 g Zucchini
1 Petersilienwurzel
1 Peperoncino
1 Schalotte, fein gehackt
1 Zehe Knoblauch, fein gehackt
2 Elf. Olivenöl
80 g Weissmehl
2 Eier
1 Tlf. Backpulver
50 g Parmesan
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
1 Msp. Madras Curry
4 Elf. gemischte Kräuter: Basilikum, Oregano, wenig Pfefferminze

Zucchinikuchen 0_2012 08 27_6958

Zubereitung

(1) Backofen auf 220 Grad vorheizen. Eine runde Kuchenform einbuttern und mit Brotbröseln bestreuen. Schalotte, Knoblauch und Peperoncino in Olivenöl andünsten, Zucchini und Peterliwurzel in kleine Stücke schneiden und langsam mitdünsten, salzen, pfeffern. Nach etwa 10 Minuten vom Feuer ziehen, etwas erkalten lassen.
(2) Eier und Mehl mit dem Handmixer verrühren, Parmesan, Backpulver und Kräuter unterühren, würzen und mit dem Zucchinigemüse mischen.
(3) In die Springform verteilen und im Ofen während ca. 30-40 Minuten backen bis der Kuchen goldbraun ist. 10 Minuten abkühlen, dann aus der Form nehmen und mit antipasti servieren.

Peperoni und Melanzane a scapece

Die Art der Haltbarmachung durch Anbraten und Marinieren in Essig stammt vermutlich aus dem arabischen Raum, und gelangte über Spanien nach Italien. Mehr dazu siehe hier:

3 rote Peperoni
1 Aubergine
3 Knoblauchzehen, geschält und fein gehackt
Olivenöl
Salz, Pfeffer
Kräuter: Oregano und Pfefferminz oder Basilikum
100 ml Aceto Balsamico mittlerer Preisklasse
50 ml Olivenöl

Die Peperoni den Einbuchtungen entlang aufschneiden, Kerne und weisses Bindegewebe wegschneiden und (Hautseite nach oben) auf einem mit Backpapier belegten Blech ca. 20 Minuten bei 240°C im Ofen backen, bis die Haut grosse, braune Blasen wirft. Herausnehmen, ein feuchtes Küchenpapier drauflegen und nach Erkalten die Haut abziehen.

Die Auberginen in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden, beidseitig leicht salzen, pfeffern und mit Olivenöl einpinseln. Die Auberginenscheiben in gleicher Weise auf einem Blech (gleichzeitig) im Ofen backen. Herausnehmen.
Beide Gemüse noch warm separat mit einer Marinade aus Essig, Olivenöl, Knoblauch und den fein zerzupften Kräutern mischen. Gefäss abdecken und über Nacht kühl marinieren. Dabei verfärben sich die Kräuter, dafür schmeckt de Marinade danach.

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CH-5200 Brugg: Verhinderte Schneeballschlacht vor der Lateinschule

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Brugg liegt etwas westlich des Wassertores der Schweiz, dem Zusammenfluss von Limmat, Reuss und Aare. Das Städtchen verdankt seinen Namen der Brücke, die zum Schutz des von Süddeutschland über die Jurahöhen in Richtung Alpenpässe führenden Handelsweges über die Aare gebaut wurde. Der sonst bis zu 130 Meter breite Fluss verengt sich hier in einer Schlucht auf lediglich zwölf Meter. An dieser Stelle entstand bereits vor 2000 Jahren eine erste, befestigte Holzbrücke, erbaut durch römische Truppen der nahegelegenen Garnison Vindonissa.

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Brugg: Schwarzer Turm und Brücke über die Aare

Im heutigen Stadtteil Altenburg entstand um 370 n. Chr. ein Kastell (heute eine Jugendherberge) als Teil des Donau-Iller-Rhein-Limes. Anfangs des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer endgültig zurück. Später wurde die Gegend durch Alemannen besiedelt.

Die Stadt Brugg wurde im frühen 13. Jahrhundert gegründet. Ende des 12. Jahrhunderts entstand auf Befehl Graf Albrechts III. von Habsburg der Schwarze Turm, das älteste erhalten gebliebene Gebäude der Altstadt.

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der schwarze Turm, daneben das alte Rathaus

An den schwarzen Turm angebaut ist das im Jahr 1579 im spätgotischen Stil errichtete, alte Rathaus.

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ehemaliges Rathaus mit Brunnen

Im 13. Jahrhundert nahm die befestigte Brückensiedlung immer mehr kleinstädtische Züge an. Ab 1232 wurden Münzen geprägt, 1273 war eine Zollstelle in Betrieb, ab 1278 gab es einen Schultheiss und 1283 wurde erstmals der Markt erwähnt. Rudolf I. von Habsburg, der vor seiner Wahl zum römisch-deutschen König oft in Brugg geweilt hatte, verlieh dem Ort 1284 das Stadtrecht. Obwohl sich das Herrschaftszentrum der Habsburger inzwischen nach Wien verlagert hatte, blieb Brugg eine wichtiges regionales Machtzentrum in den österreichischen Vorlanden. Dennoch gelang es den Stadtvätern, ansatzweise eine eigenständige Politik zu betreiben.

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Altstadthäuser am Spitalrain

Nach der Aufforderung von König Sigismund an die Eidgenossen, den habsburgischen Aargau im Namen des Reiches zu erobern, zögerte Bern nicht lange und entsandte umgehend Truppen. Die Brugger liessen die Berner am 29. April 1415 kampflos in ihre Stadt einmarschieren. Als Gegenleistung blieben die überlieferten Rechte der Stadt unangetastet.

Unter der Herrschaft Berns liess die wirtschaftliche Dynamik aufgrund der Grenzlage nach. Die Brugger hätten sich gerne wieder unter die Fittiche der österreichischen Herrschaft begeben, daraus wurde aber nichts. Dem Berner Untertanenstatus zum Trotz, versuchte die Stadt immer wieder, den eigenen Einfluss auf umliegende Gebiete auszudehnen. Jeder Machtzuwachs wurde jedoch von Bern blockiert.

Im Januar 1528 beschloss Bern die Einführung der Reformation. Gegen den Willen der Bevölkerung von Brugg, die sich bei einer Abstimmung zum Katholizismus bekannte. Die mindestens seit 1396 bestehende städtische Schule auf dem Kirchplatz wurde nach der Reformation in eine obrigkeitliche Lateinschule (eine Art Gymnasium) umgewandelt. Sie diente hauptsächlich zur Vorbereitung auf die theologische Akademie in Bern. Brugg erhielt deshalb den Spitznamen „Prophetenstadt“.

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Das Rad an der Wand stammt vermutlich aus der Neuzeit

Die Monumentalmalerei aus dem Jahre 1640 war ursprünglich in Grisaille gehalten, im 19. Jahrhundert wurde sie rotbraun koloriert. Die acht allegorischen Frauengestalten stellen die sieben freien Künste (Grammatica, Aritmetica, Geometrica, Rhetorica, Dialectica, Astronomia, Musica sowie die Theologia dar. Die Kartuschen unter den Fenstersimsen sind mit Bibelsprüchen in deutscher, lateinischer, griechischer und hebräischer Sprache verziert.

In einem der Fenster der Lateinschule findet sich ein biblisches Gebot, das von Urvater Abraham stammen könnte:

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woher hätte ich auch den Schnee nehmen sollen ?

Quer durch die Gassen führt der Weg zur Hofstatt, dem einzige grösseren Platz der Altstadt:

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Treppengiebel des Salzhauses

Die Südseite der Hofstatt wird dominiert durch das Salzhaus (erbaut 1732), in dem bis Mitte des 19. Jahrhunderts Salz gelagert wurde; abgesehen vom Dachboden gibt es nur einen einzigen Raum mit zwölf tragenden Säulen. Auffallend auch die Landschreiberei der Vogtei Schenkenberg (1606) und das Kornhaus (1697).

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Salzhaus

An der Nordseite de Hofstatt steht das ehemalige, barocke Zeughaus (erbaut 1673). Der Gassenfront vorgelagert ist der Treppenturm mit welscher Haube.

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ehemaliges Zeughaus und Hofstattbrunnen
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Eingangsportal Zeughaus

Wieder auf dem Weg zum Bahnhof passiert man das erste Haus, das ausserhalb der Stadtmauern entstanden ist: das mit Rokoko-Elementen verzierte Stadthaus. Erbaut 1748/49 im Auftrag von Johann Jakob Frölich, der als Privatsekretär von Lord Sandwich zu Reichtum gelangte. Rund um den Bahnhof feiert die Betonwüste der Neuzeit am Neumarkt ihre öden, aber vergänglichen Triumphe.

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Stadthaus

Quelle:
wiki

Dosenfutter

Dosenfutter 2013 06 19_0651

Heiss. Die abendliche Fernsehwetteranalyse versuchte wieder einmal, Temperaturrekorde mit metaphysischen Gedankengängen zu erklären. Die Frage, warum es heiss ist und warum nicht kalt, interessiert mich aber schon lange nicht mehr.  Als berufsmässigem Müssiggänger stellte sich mir einzig die Frage: was koche ich heute ?  Und glaubt mir, es sind keine leichten Entscheidungen, die man Tag für Tag treffen muss. Am liebsten hätte ich den Blog hitzehalber geschlossen und die Küche in die Hände von Frau L. gelegt. Die aber wollte von Küchenarbeit bei diesen Temperaturen nichts wissen. Koch einfach was !

Bitte, ich kochte einfach was. Etwas, das weder Herd noch heisses Wasser benötigt:

Zutaten
1 Dose Maiskörner (abgetropft: 180g)
1 Dose Thon in Olivenöl (abgetropft: 90 g).
2 Handvoll kleine Peperoni dolci (mehrfarbig, etwa 200 g)
2 Frühlingszwiebeln rot, mit Grünzeug
Orangenöl (die Flasche ist nun einmal offen, drum darf sie schon wieder ran)
Paradeiseressig (Gölles)
Salz, Pfeffer

Dosenfutter 2013 06 19_0657

Zubereitung
Peperoni vierteln, schälen. Kerne entfernen. Fein würfeln. Dosen öffnen (von nix kommt nix), abtropfen lassen, mit den übrigen Zutaten mischen, abschmecken und in gereinigte Thondosen abfüllen. Achtung Verletzungsgefahr an scharfen Kanten, falls aus Gewohnheit versucht werden sollte, die Teller abzuschlecken.

Das Orangenöl passt übrigens sehr gut zu dem Peperoni-Mais-Gemüse. Und, Selawie sei dank, ist es wieder kühler geworden.

Zander mit Grünspargel-Linsen

Zander mit Linsen 2013 06 14_0633

In Römerswil (Nähe Hochdorf) habe ich kürzlich in der Fischzucht der Familie Spielhofer einen Zander für 2 Personen gekauft. Der Kauf von Lebendfischen ist bei uns, aus gutem Grunde, Männersache. Dummerweise musste Frau L. ausgerechnet in jenem Moment aus dem Auto steigen, als der arme Fisch sein Leben lassen musste. Wie das bei Fischersleuten so gebräuchlich ist. Danach nützten alle Erklärungen, Hinweise auf frühere Fischgerichte und Beschwichtigungsversuche nichts mehr.

Zander mit Linsen 2013 06 13_0639
Zappelnder Zander im Netz

Zuhause hab ich ihn filetiert und aus den dickeren Teilen vertrauensvoll trotzdem 2 Portionen gekocht: Kross gebratener Zander an Grünspargel-Linsen mit Körnersenfsauce. Und ich hatte richtig spekuliert: Frau L. verzichtete auf ihre extra Spaghetti und liess sich umstimmen, mitzuessen.  Da kann sich der Eckhart Witzigmann, bei dem ich mich teilweise bedient habe, auch ein wenig freuen. Und ich bin froh, dass die Sache wieder eingerenkt ist.

Zutaten
Fisch:
1 (850 g) Zander (frisch gefangen, ausgenommen und geschuppt), davon
2 Rückenfilets, entgrätet. Die Spitzen vakuumiert und für andere Verwendung gebraucht
4 dünne Scheiben Schweinsnierstück, leicht geräuchert, von Maurer bei Migros)
Salz, weisser Pfeffer
2 Elf. Olivenöl
1 Elf. Butter
Zitrone

Linsen:
Orangenöl
70 g Berglinsen
1 kleine Schalotte, geschält, fein geschnitten
1 Stange Stadensellerie, in feinste Würfel geschnitten
1 kleines Lorbeerblatt
1 kleine Prise Gewürznelke (aus der Mühle)
2 Petersilienstengel und 2 Thymianzweige
1 kleine Knoblachzehe angedrückt
50 ml Noilly-Prat
ca. 2 dl Gemüsebrühe
Aceto Balsamico zum Abschmecken

6 Stangen Grünspargel, in kleine Stücke geschnitten
2 Elf. Orangenöl
Salz, weisser Pfeffer

Senfsauce:
1 Schalotte
50 g frische Butter
3 Elf. Weissweinessig
3 Elf. Weisswein, trocken
50 ml Halbrahm
Cayennepfeffer
1/2 Tlf Körnersenf
1/2-1 Tlf. Dijonsenf

Zander mit Linsen 2013 06 14_0632

Zubereitung
Fisch:
(1) Die Zanderfilets mit Salz und Pfeffer bestreuen sowie mit etwas Zitronensaft beträufeln.
Mit Klarsichtfolie abdecken und kühl stellen. Kurz vor Gebrauch werden sie angebraten.

Linsen:
(2 Linsen in kaltem Wasser waschen, Waschwasser abgiessen.
(3) Die Schalotte und den Staudensellerie in wenig Orangenöl andünsten, die abgetropften Linsen zugeben und mit dem Noilly-Prat und der Gemüsebrühe ablöschen. Salz und Gewürze zugeben und ca. 40 Minuten leise köcheln. Am Ende des Kochprozesses soll die Flüssigkeit eben weitgehend verdunstet bzw. aufgenommen worden sein. Ggf. wenig Brühe nachgiessen.
(4) Die Spargelstücke salzen und pfeffern und in 2 Elf. Orangenöl bei gelinder Hitze unter gelegentliche Schütteln langsam anbraten.

Sauce:
(5) Schalotte mit dem Essig und Wein langsam weichkochen, wobei die Flüssigkeit fast gänzlich einreduziert wird. Rahm zugeben, die eiskalten Butterstücke darin aufschlagen, mit Salz, Pfeffer und Cayenne abschmecken, durch ein Sieb passieren, die zwei Senfsorten beigeben und heiss rühren, ohne kochen zu lassen.

Finish:
(6) Zander mit Küchenpapier abtupfen und in heissem Olivenöl auf der Hautseite 5 Minuten anbraten. Hitze stark zurücknehmen, ein Elf. Butter sowie die Speckscheiben zugeben, Fischfilets wenden und auf der Fleischseite weitere 2 Minuten weiterbraten.
(7) Die Spargeln unter die Linsen mischen, abschmecken und auf vorgewärmte Teller schöpfen. Je 2 Zanderstücke drauflegen und etwas Senfsauce umgiessen.
Zander mit Linsen 2013 06 14_0634

Linsen und Grünspargel: tolle Kombination. Bloss den Grünspargel nicht mit Belugalinsen kochen wollen.

Verhext

Fragmente 2013 06 12_0628
Landeplatz für Hexen. Das Eichhorn wundert sich.

Derzeit fügt sich hier nichts mehr zusammen. Seit Wochen kriege ich keinen Reisebericht mehr auf die Reihe. Entweder wollte das Wetter nicht mitmachen, oder, wenn mal die Sonne schien, rief der Garten oder wir waren unpässlich. Und wenn wir endlich mal ausreisen konnten, taugen die Fotos nichts oder reichen für keinen Bericht aus. Bevor hier der Sommer ausbricht, will ich die in den letzten Wochen gesammelten Fragmente loswerden: Emmental. Kühe. Hörner. Schöner Wohnen. Käse. Reben. Garagenwein. Was sich halt so zusammenläppert.

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Bäregg im Emmental

Einer der wenigen Ausflüge galt der Lüderenalp (1144 m) im Emmental. Mitagessen im Gasthaus Bäregghöhe, einem kleinen, ehemaligen Jugendstil-Kurhaus mit schönem Ausblick auf das Emmental. Hier gibts einen der selten guten Hackbraten (handgehacktes Fleisch?, kaum Füllmaterial), gewürzt mit Kräutern aus dem hübschen Kräutergarten hinter dem Haus.

CH-3457 Lüderenalp 2013 05 23_0328
Bäregg: zu kalt, um draussen zu sitzen

Danach fuhren wir auf einem engen Bergsträsschen den Gohlkrachen hoch bis zur Lüdernalp. Frau L. hatte allergrösste Aengste, dass wir auf Gegenverkehr treffen könnten. Aber wo ein Schweizer Postauto durchkommt, kommt auch ein Bayerischer Motorwagen durch und wo der die Hupe hat, weiss ich mittlerweile auch.

CH-3457 Lüderenalp 2013 05 23_0333
Emmental/Aemmitau
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Bewölkte Aussicht auf der Lüdernalp auf den Hohgant

Hörner sind wichtig für das Sozialverhalten, die Rangordnung und die Körperpflege der Kuh und lassen sie zudem aussehen, wie eine Kuh aussehen soll. Doch: Kaum eine Kuh trägt in der Schweiz heute noch Hörner. Das habe mit der problemloseren Milchvieh-Haltung in Freilaufställen zu tun. Mit andern Worten: am lieben Geld. Dass auf den Milchverpackungen der Grossverteiler und der Werbung die Kühe aber fast ausschliesslich mit Hörnern abgebildet werden, hat auch mit dem lieben Geld zu tun. Einzelne Produzenten haben damit begonnen Hornkuhmilch und Hornkuhkäse gegen Aufpreis zu produzieren. Für uns wars eine Freude, wieder einmal eine dieser specie rara in natura zu sehen.

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Seltenes Exemplar der hörnertragenden Rasse

Schöneres Wetter erwischten wir auf der Wiederholung einer Reise ins Wallis. In Les Rossinières steht ein eigenartiges, altes, Holzchalet.

Fragmente 2013 06 11_0601
Le Grand Chalet

Das Grand Chalet ist eines der grössten historischen Holzhäuser in der Schweiz. Die mit Schnitzwerk reich verzierten Fassaden weisen insgesamt 113 Fenster auf ! Das Grand Chalet wurde 1754 von Zimmermeister Joseph Geneyne für den Käsehändler Jean-David Henchoz gebaut, der seine Schätze in den Kellern  lagerte. Ein Käsebaron, der (im Gegensatz zu den Käseproduzenten) vom Handel mit Käse reich wurde. Später wurde das Grand Chalet als Hotel benutzt. 1976 wurde es vom Maler Balthasar Klossowski von Rola (genannt Balthus) gekauft, der dort bis ans Ende seiner Tage im Februar 2001 wohnte. Das Haus wird heute von der Balthus-Stiftung verwaltet.

Fragmente 2013 06 11_0604
Le Grand Chalet, Eingang

Im Anstieg auf den Col des Mosses passiert man das kleine Dörfchen L’Étivaz. Dort empfiehlt sich anzuhalten und sich mit dem Käse aus der Region des pays d’enhaut einzudecken.

Fragmente 2013 06 11_0610

L’Etivaz AOC ist ein Hartkäse aus Rohmilch, der in gut Hundert Alpkäsereien in den Waadtländer Alpen von Mai bis Oktober aus Rohmilch über dem offenen Feuer in Handarbeit nach traditionellem Rezept hergestellt wird. Die Rohmilch wird direkt vor Ort verarbeitet.

Der L’Etivaz AOC hat einen ausgeprägten, würzig-fruchtigen Geschmack: „der bessere Greyerzer“. Jeder Laib schmeckt anders, abhängig von den Kräutern, die auf den Alpwiesen wachsen und dem Geschick des Senns. Hat man das Glück, einen gut geratenen Laib zu erwischen, kann man davon nicht genug mit nach Hause nehmen.  Schmeckt besser als die meisten Greyerzer, die im Talgebiet erzeugt werden. Die Laibe wiegen zwischen 15 und 35 Kilogramm. Vom mi-salé, etwa 12 Monate gereift, nehmen wir viel mit. Vom rezenten bien-salé (24 Monate) etwas weniger.

Produktionsmenge: ca. 400 bis 430 Tonne während der Sommermonate.

Fragmente 2013 06 11_0608
Käselager hinter spiegelnden Fenstern

Und ab ins Wallis, erst zu einem der schönsten Rebberge des Wallis: dem Colline de la Géronde in Sierre. Die Rebberge werden u.a. durch die Familie Rouvinez bewirtschaftet.

Fragmente 2013 06 11_0620

Hinter dem Hügel liegt die Industriezone von Sierre. Hässlich wie alle Industriezonen. Hier, in einer unscheinbaren Lagerhalle, entstehen die für mich aufregendsten Walliser Weine der letzten Jahre. Die Rebflächen der Domaine des Muses befinden sich in der Ebene von Granges. Der Önologe Robert Taramarcaz (ein überaus freundlicher, junger Mann) übernahm nach dem Studium an der Universität „de la Vigne et du Vin Jules Guyot“ in Dijon im Jahr 2002 das elterliche Weingut in Sierre. Inzwischen gehört er zu den am meisten ausgezeichneten Winzern des Wallis, belegte 2010 mit seinem Fendant den ersten Platz beim Grand Prix du Vin Suisse in der Kategorie bester Chasselas und wurde 2011 als Winzer des Jahres nominiert.

Fragmente 2013 06 11_0617

Seit die Weine von Robert Parker entdeckt wurden, sind sie nun auch ins Radar der internationalen Presse geraten. Hoffentlich legt sich das wieder. Die Weine sind nicht billig, aber immer noch bezahlbar. Ich habe meinen Jahresvorrat im Trockenen.

Fragmente 2013 06 12_0623
Fendant mit Gschwellti aus Cheyennekartoffeln und Käse aus L’Etivaz

Rhabarber-Zwieback-Ramequin mit Erdbeeren

Erdbeeren mit Rhababer 2013 06 10_0597

Kürzlich gegessen im Essen’z in Brugg (15 GM): erwähnenswert ein köstliches Rhabarber-Erdbeer-Dessert. Mit Hilfe von Lucas Rosenblatt in Luzern nachgebastelt und zuhause gleich nochmals nachgebacken. Weil es so gut war. Besser noch als das Original. Sogar Frau L., die sonst keinen Rhabarber isst, mochte das Dessert. Wer lesen kann, weiss nun, was es geschlagen hat. Die andern dürfen weiterklicken.

Erdbeeren mit Rhababer 2013 06 10_0592

Zutaten
für 8 Ramequins

200 g Rhabarber (ca. 3 Stangen)
50 g Kristallzucker

30 g Zwieback (kein Mehl !)
25 g Butter [ergänzt 14.06.13]
50 ml Vollmilch
2 Eigelbe
40 Zucker
100 g geriebene Mandeln
½ Msp. Zimt
Prise Macispulver
2 Elf. Kirsch
2 Eiweiss
Prise Salz
2 Tropfen Zitronensaft

reife, gute, feste Erdbeeren
ein paar Himbeeren (TK)
Zucker, Puderzucker
Grand Marnier
Zitronensaft

Erdbeeren mit Rhababer 2013 06 10_0595

Zubereitung
(1) Rhabarber soweit notwendig putzen und fädeln, dann in kleine ca. 5 mm grosse Würfelchen schneiden. Mit 50 g Zucker vermischen und ca. 2 Stunden lang Saft ziehen lassen. Den giesse ich weg wegen der darin enthaltenen Oxalsäure.

(2) Butter und Zucker in der Küchenmaschine mit dem Schlagbesen schaumig rühren, Eigelbe unter rühren langsam zugeben. Mandeln, zerriebener Zwieback und die Milch unterrühren. Kirsch und Gewürze zugeben. Zuletzt die auf einem Sieb abgetropften Rhabarberwürfelchen unterrühren.

(3) Die 2 Eiweisse mit wenig Salz separat zu Schnee schlagen und unter die Rhabarber/Zwieback-Masse ziehen.

(4) In ausgebutterte und -panierte 5cm Muffinförmchen giessen. Diese werden mit Vorteil mit einem Backpapier mit Laschen ausgelegt.

(5) ca. 30-40 Minuten bei 180°C (U/O-Hitze, Mitte) hellbraun backen. In der Form auskühlen lassen. Die Ramequins lassen sich vorbereiten und sind im Kühlschrank 2-3 Tage haltbar.

Pro Teller 2-3 grosse Erdbeeren in feine Scheiben schneiden und zu einem Blüten-Ring auslegen. Ein paar weitere Erdbeeren in feine Würfelchen schneiden, ebensoviele mit ein paar Himbeeren [ergänzt] dem Stabmixer zu Mus mixen. Erdbeerwürfelchen und -Mus vermischen, mit Zucker, einem Spritzer Zitronensaft und Grand Marnier würzen.

In die Mitte des Blütenringes 2 Elf. vom Erdbeercoulis verteilen. Ein aufgewärmtes (schmecken warm  besser) Ramequin drauflegen, so dass die Masse darunter hervorquillt. Minzenblatt, Puderzucker. Das Übliche.

Erdbeeren mit Rhababer 2013 06 10_0598

Ricotta-Roggen-Gnocchi. Gnocchetti di Ricotta e segale.

Gnocchetti di segale 2013 05 09_0248

Während junge foodbloggerinnen in der Heiterkeit des Frühlings schwelgen, von Erbsen, Romanzen mit Romeo, Blumen und Lebenslust erzählen, wandeln wir Alten im Herbst des Lebens: Braun, Grau, Gedeckt, Dunkel. Rheuma statt Julia. Roggen statt Romeo. Schmerz statt Herz. Die kürzlich zubereiteten, offenen Schlutzkrapfen brachten mich auf die Idee, Ricotta Gnocchetti mit Roggenmehl und geröstetem Roggenquellmehl herzustellen. Kaffeebraune Gnocchi brauchen einen Farbtupfer. Weil das rheumatische Zipperlein zwackt, probieren wir statt oxalsäurehaltigem Spinat das Unkraut aus dem eigenen Gärtchen: Giersch. Das allgegenwärtige, Gras- und Blumenüberwuchernde, die Alleinherrschaft im Gärtchen beanspruchende Unkraut soll ja sogar gegen Rheuma und Podagra gut sein.

Gnocchetti di segale 2013 05 09_0241
Giersch, gewaschen

Kein Italiener isst Giersch. Hingegen wird er (der Giersch) von Meerschweinchen und Kaninchen gerne gefressen. Aber so wie ich ihn hier zubereitet habe, hat er auch uns geschmeckt. Die eigentliche Entdeckung sind aber die Roggen-Gnocchetti. Gnocchi, die kräftig nach geröstetem Roggen schmecken. Vielleicht sind sie nicht nach jedermanns Gusto, der Roggengeschmack ist bei Gnocchi etwas fremd und ungewohnt. Ich könnte sie mir ebensogut zu geschnetzeltem Rindfleisch an Biersauce, zu Kalbsleber oder zu Wildgeschnetzeltem vorstellen.

Gnocchetti di segale 2013 05 08_0257
Roggen-Knoggen mit Fingerdelle

Zutaten
Hauptmahlzeit für 2 Personen
300 g frischer Ricotta von der Kuh
50 g Roggenmehl (Typ 1150)
10-20 g Roggenquellmehl geröstet (Backzusatz für Roggenbrot, von mir auch für diesen Zwecke gekauft, aber noch nie gebraucht)
1 Eigelb, bei Bedarf wenig vom Eiweiss
20 g Parmesan, frisch gerieben
knapp ½ Tlf. feines Meersalz
schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
wenig Muskatnuss

Hartweizengriess (Semolina) zum bemehlen

140 g Gierschblätter, Stiele entfernt weil bitter (ersatzweise Spinat verwenden)
½ Peperoncino, entkernt, in Streife geschnitten
2 Knoblauchzehen in Scheiben geschnitten
1 Stange Staudensellerie, klein geschnitten
ca. 8 Elf. Olivenöl
ca. 30 g Parmesan, fein gehobelt
Salz, schwarzer Pfeffer

Gnocchetti di segale 2013 05 09_0245
im ersten Anlauf fehlte, wie bei mir üblich, der Parmesan

Zubereitung
(1) Ricotta aus der Packung nehmen und in ein weisses Passiertuch aus Vlies legen. Mit ein paar Lagen Küchenpapier umwickeln und gut ausdrücken. Ich lege den Packen über Nacht in den Kühlschrank und wechsle die Windeln (das nassgewordene Küchenpapier) ein- bis zweimal am Abend und frühmorgens. So verliert die Ricotta bis zu einem Drittel des Gewichts.
(2) Eigelb, Salz, Parmesan und Roggenmehle dazugeben und alles miteinander vermischen. Die Masse darf, im Unterschied zu weissem Mehl, ruhig durchgeknetet werden.

Gnocchetti di segale 2013 05 08_0255
kleinfingerdick

(3) Die Masse gleicht leicht klebrigem Ton, kann aber auf etwas Semolina problemlos ausgerollt werden. Gnocchimasse auf die mit Hartweizengriess bemehlte Arbeitsfläche geben und zu kleinfingerdicken Rollen formen. Die Rolle in ca. 1 cm große, schräge Stücke schneiden. Schnittflächen in Semolina wenden und bis zum Verbrauch auf Semolina lagern.

(4) Knoblauch, Staudensellerie und Peperoncino sanft im Olivenöl anbraten.
(5) Pastawasser aufkochen, salzen, Gnocchetti zugeben und auf kleinem Feuer ca. 2 Minuten ziehen lassen. Dann den abgetropften Giersch zugeben und nochmals 2 Minuten leise köcheln lassen.

Gnocchetti di segale 2013 05 09_0243
stabile, problemlose Gnocchi

(6) Giersch/Gnocchi mit dem Schaumlöffel herausheben, abtropfen, in die Pfanne mit dem aromatisierten Olivenöl schöpfen und gut durchmischen.
(7) Im Teller mit Parmesanspänen, schwarzem Pfeffer und einem zusätzlichen Spritzer Olivenöl anrichten.

 

Sodala, nun hätte ich endlich das Rüstzeug beisammen, um richtig roggige Schlutzkrapfen zu formen.

Traumpaar: Orangennudeln mit Grünspargel

Orangennudeln mit Grünspargel 2013 05 25_0364

Deutsches Traumpaar des Jahres 2013: Spargel und die Radieschenvinaigrette. Hab ich schon 2007 bei der Grande Dame Irma Dütsch verpasst, weil ich meine Radieschen lieber zu Wurst und Brettljause esse. Werkeln wir halt an der eigenen Traumpaarung weiter: Feinst geriebene Orangenschale, mit frischem pastateig verknetet, ergibt Nudeln, die zurückhaltend zart, aber durchgehend vom Aroma der Orangen imprägniert sind [oh, hätt ich doch in der Grundschule bei den Kommaregeln besser aufgepasst]. Zusammen mit einem Ragout von Grünspargel gibt das eine Paarung von klassischer Schlichtheit und bestem Geschmack. Der weibliche Teil des Paares, die Nudeln, waren perfekt. Trotz tiefem Griff in das Butterfach fehlte aber der Sauce die Masse und Cremigkeit. Bis in 10 Monaten werden wir das auch noch schaffen: das Traumpaar 2014.

Zutaten
Hauptgericht für 2 Personen

Orangennudeln:
150 g Hartweizenmehl (semolina rimacinata)
1 Ei
1 Eigelb
1 Elf. Orangenöl (Olivenöl extra, vom Hersteller mit Orangen gepresst)
2-3 Tlf. Bio-Orangenabrieb (aus dem Tiefkühler, in der Orangensaison auf der feinsten Microplane gerieben und tiefgefroren, entsprechend ca. 2 Orangen)
Prise Salz
2 dl Orangensaft (aus der Flasche) [Erg.: ins Kochwasser für die Nudeln]

Spargel:
1 Bund Grünspargel, 500 g
2 Elf. Orangenöl

80 g frische Butter
Salz
Muskatnuss
weisser Pfeffer

Orangennudeln mit Grünspargel 2013 05 25_0355
selbst gemacht, die gibts nicht im Eierkarton zu kaufen

Zubereitung
Orangennudeln:
(1) den pastateig frisch zubereiten, 1 Stunde kühl stellen. Auswallen (7/9) Nudeln schneiden.

Orangennudeln mit Grünspargel 2013 05 25_0359

(2) Spargelenden abschneiden, unteren Teil je nach Frische schälen. Spargelstangen in schräge, ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden, Spitzen ganz belassen.

(3) Abschnitte und Schalen in ca 4 dl Wasser während 20 Minuten auskochen. Abgiessen und die Spargelbrühe auf ca. 80 ml einkochen. Mit der kalten Butter aufschwingen und mit Salz, Muskatnuss und Pfeffer würzen. Warm halten, nicht mehr kochen.

(4) In einer grossen Pfanne die Spargelstücke in Orangenöl ca. 2 Minuten anbraten. Die Spargelspitzen zugeben, salzen, weitere 5 Minuten braten bis der Spargel gar ist. Ggf. kurzzeitig mit Deckel.

(5) Nudeln in gesalzenem Wasser und 2 dl Orangensaft knapp al dente kochen. 2 Minuten. Die Nudeln abgiessen, zu den Spargeln geben und die Butter-Spargelsauce untermischen. Nach Belieben mit Parmesan (Silbervignette, max. 18 Monate alt) servieren.

Orangennudeln mit Grünspargel 2013 05 25_0363

Wem das zuwenig oranschig schmeckt, kann noch etwas Orangenschale unterziehen. Frau L. fand, dass der zartere, weisse Spargel noch besser gepasst hätte. Mag sein, das wäre farblich aber langweilig geworden und ich hätte womöglich noch Radieschen nehmen müssen. Welches Traumpaar ist schon perfekt ?

Offene Schlutzkrapfen mit Spinat und Bergkäse

Schlutzkrapfen offen 2013 04 28_0136

Beabsichtigt waren normale Schlutzkrapfen. Wie so oft lief mir aber die Zeit davon. Während ich lange werweisste, ob ich das Rezept der Britta Kamafoodra oder das der Magdi kochfelder nachkochen sollte, drohte mir Frau L. an, Hungers zu sterben. Das bedeutet für den Koch fürsi zu machen. Bis zum finish ging alles recht flott und zügig voran. Der Verzicht auf das Formen von Ravioli erlaubte, die verplemperte Zeit wieder einzuholen. Nur das Anrichten war stressig. Abwechslungsweise je 12 brühheisse Teigrondellen, Käse, Spinat und Sauce in 2 Teller aufzuschichten, ohne sich die Finger zu verbrennen und doch die Teller noch heiss auf den Tisch zu bringen, erwies sich als eine hektische Angelegenheit. Vorgefertigte Ravioli servieren geht schneller. Wenigstens waren sie gut, sie schlutzten jedenfalls wie richtige Schlutzerl.

Zutaten
4 Vorspeisen

für den Teig:
70 g Roggenmehl (Typ 1050)
70 g Hartweizendunst (semolina rimacinata)
2 kleine Eier (vom 2. Ei nicht das gesamte Eiweiss verwenden)
1 Elf. Olivenöl extra

für die Spinatfüllung:
400 (L.: 300 g) Blattspinat
150-200 g Bergkäse (L.: Alpkäse aus dem Val Müstair) feinst gehobelt
100 ml Gemüsefond (L.: Geflügelfond)
150 g kalte Butterwürfel (L.: 100 g)
Salz, Pfeffer

zum Anrichten:
Bergkäse fein gehobelt
1 Bund Schnittlauch, fein geschnitten

Schlutzkrapfen offen 2013 04 28_0135
Die roggenbraunen Teigrondellen

Zubereitung
(1) Zutaten zu einem geschmeidigen Teig verkneten, mit Klarsichtfolie abdecken und etwa 1 Stunde ruhen lassen.
(2) Teig dünn ausrollen (7/9) und 10 cm Kreise ausstechen (gibt ca. 40 Stück)
(3) Spinat in kochendem Salzwasser kurz blanchieren und in Eiswasser abschrecken. Auf einem Küchentuch abtropfen lassen.
(4) Gemüsefond (bzw. Geflügelfond) aufkochen, auf die Hälfte einreduzieren lassen, dann die kalten Butterwürfel unterschlagen. Würzen mit Salz und Pfeffer. Davon etwas zum Anrichten beiseitestellen. Spinat in der restlichen Sauce erwärmen.
(5) Teigblätter in Salzwasser 2-3 Minuten kochen lassen. Mit einer Siebkelle herausheben.

Anrichten
Auf den gut vorgewärmten Tellern abwechslungsweise je 12 (Original: 5) Teigplatten, Spinat und Käse zu einer Lasagne aufschichten, mit Sauce beträufeln und mit gehobeltem Bergkäse und Schnittlauch garnieren.

Das Originalrezept stammt von Thomas Haselwanter aus dem Buch Die Neue Südtiroler Küche, Athesiaverlag, Bozen.

In love with lovage (2): Erdbeeren und Liebstöckel

in love with Liebstöckel 2013 05 29_0384

So sehr Frau L. die Zitronen-Liebstöckel-Sauce zu dem Fisch geschmeckt hatte, beim Dessert wollte sie mir nicht mehr folgen. Kürzlich stiess ich bei Ideas in Food auf diese etwas verrückt anmutende Kombination von Erdbeeren mit Liebstöckel. Wieweit die Aromen verwandt sind, weiss ich nicht. Die Seite foodpairing, auf der man das erfahren könnte, ist seit einiger Zeit happig kostenpflichtig. Probieren geht über studieren: der Geschmack ist anfänglich gewöhnungsbedürftig, hier versteckt sich der Liebstöckel überhaupt nicht, aber keineswegs unangenehm oder unpassend. Liebstöckel regt die Verdauung an. Deshalb ist die Kombi interessant als Zwischengang anstelle der in der Gastronomie unausrottbaren, eiskalten, verdauungs-blockierenden Sorbets.

Zutaten
Erdbeeren
wenig Zucker, falls die Erdbeeren zuwenig Sonne gesehen haben
Liebstöckel, fein geschnitten
Zitronensaft

mischen, etwa 15 Minuten marinieren.

Die Wacht am Rhein: Gelände(r) unter

Wacht am Rhein 2013 06 01_0393

Als Folge der andauernden Regenfälle stieg der Pegel des Rheines gestern Samstag so hoch, dass wieder einmal Sandsäcke verteilt wurden und ich, anstelle einer sonnigen Ausfahrt, den Kellerinhalt (Weine, Lebensmittel, Kleider) räumen und in höhere Stockwerke tragen durfte.

Wacht am Rhein 2013 06 01_0395

Die Lebensmittel rettende Tätigkeit verhinderte mich am Kochen. Frau L. packte die Gelegenheit beim Schopf, wieder einmal in der Küche zu wirken. Und es funktionierte ganz ohne meine Tipps und Ratschläge 😉

Wacht am Rhein 2013 06 01_0391

Im Laufe des Abends bleibt der Pegel auf hohem Stand stehen. Wir dürfen relativ beruhigt schlafen gehen. Wird wohl nicht so schlimm werden wie anno 1852, wenngleich ich mich daran kaum mehr erinnern kann. Bald wird auch der Keller wieder eingeräumt sein. Ordentlicher als zuvor.

Wacht am Rhein 2013 06 01_0396