Erst Udo Jürgens mit dem Song Gehet hin und vermehret euch. Den Udo kann ich nicht leiden, meine Zucchetti mögen ihn jedoch ganz gern. Ihnen gefällt er. Sie fühlen sich ihm verbunden. Sie haben wenig Geschmack. Einen wässrigen Kern, der nur für den Kompost taugt. Je älter sie werden, desto aufgeblasener sind sie. Trotz einiger kalter Wochen haben sie sich nicht zweimal bitten lassen. Sie haben sich vermehrt, und wie.
Und nun kommt auch noch katha mit ihrem Aufruf: Gehet hin und kaufet Zucchini. Meine Zucchetti würden sauer in den Tag schauen, wenn ich ihrem Aufruf folgen und Zucchini kaufen täte. Rezepte aus dem Büchlein La cucina verde, so meine Erfahrung mit den bisher nachgekochten Rezepten, kann man blindlings kochen, zumal, wenn sie bereits von Arhurs Tochter getestet sind. Nur der Ricotta fehlte. Und die Petersilie. Ziegenkäse war auch keiner vorhanden.
Gala Halbmond
Dafür waren Gala Doppelrahm Frischkäslein in der Halbmondpackung als Nothelfer im Kühlschrank. Fabrikkäse. Ich weiss. Igitt. In der Schweiz ist das einer der beliebtesten Frischkäse, sozusagen ein Kultkäse, der bei uns im Haushalt immer (immer !) vorhanden ist. Seit 1936 wird er produziert. Zum Siebzig-Jahr-Jubiläum wurde sogar ein Gala-Kochbuch (von Annemarie Wildeisen) produziert. Schwach säuerlicher, cremig-frischer Geschmack. Und wer mich wegen Fabrikkäse steinigen will, darf das tun. Steine beeindrucken einen Bergler nicht. Zudem endeten alle 14 Nothelfer als Märtyrer.
Zutaten
250 g Zucchini
25 g Butter
125 g Ricotta (kein Ricotta im Hause, ich behalf mit mit einem 50 g Gala-Frischkäslein, mit 75 ml Rahm verdünnt)
50 g geriebener Parmesan
2 Eier
1 Elf. gehackte glatte Petersilie (ich nahm stattdessen Gewürzfenchel, dazu ½ Tlf. Fenchelsamen)
½ Elf. frischer Thymian
Olivenöl
Paniermehl
Salz, schwarzer Pfeffer
Fest verbunden mit der Erde, steht der Kuchen braungebrannt
Zubereitung
(1) Butter in einer weiten Pfanne erwärmen, die angedrückten Fenchelsamen darin anziehen lassen, Zucchini grob raffeln, zugeben und 10 min bei niedriger Hitze garen. Allenfalls in ein Sieb geben und mit einem Löffel ausdrücken. War aber nicht notwendig.
(2) Ofen auf 180 Grad vorheizen.
(3) in einer großen Schüssel Eier mit Rahm und dem gehackten Galakäsli mit dem Stabmixer zu einer homogenen Creme mixen, Parmesan, Zucchini und Kräuter untermischen. Salzen, mit schwarzem Pfeffer abschmecken.
(4) Eine 18 cm Springform mit Olivenöl ausstreichen, mit Semmelbröseln ausstreuen.
(5) die Masse einfüllen, mit Pinienkernen bestreuen und ca. 35 Minuten backen.
Zucchinikuchen mit Gewürzfenchel und Salat aus japanischem Senfkohl
Auf unserm Weg ins Jurahäuschen kommen wir regelmässig durch das Städtchen Delsberg. Das liegt so abgelegen in der Nordwestschweizer Ecke, dass ich es hier vorstellen möchte.
Der Ortsname ist eine Kombination des germanischen Namens Tello mit dem lateinischen Wort mons (Berg). Seit dem 7. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Grundbesitz der elsässischen Herzöge. Im 12. Jahrhundert war der Ort Teil der elsässischen Herrschaft Ferrette, die 1271 durch Kauf an den Bischof von Basel ging. Bischof Peter Reich von Reichenstein verlieh der Siedlung 1289 das Stadtrecht.
Der mittelalterliche, beinahe quadratische Grundriss des Städtchens ist heute noch gut ablesbar: zwei Längs- und drei Quergassen. Delsberg war bis ins 18. Jhdt. von einer Stadtmauer mit vier Toren umgeben, von denen die beiden ersteren heute noch erhalten sind: Porte Monsieur (oder de Porrentruy 1756–1759), Porte au Loup (heutiger Bau von 1775), Porte des Moulins und Porte de Bâle).
Roter Turm neben dem Pruntruter Tor, Porte de PorrentruyDie Porte au Loup
Von 1289 bis 1793 war die Stadt Hauptort der Herrschaft Delsberg. Mit der Stadt Basel verband sie ab 1407 ein Burgrechtsvertrag. Während Jahrhunderten war Delsberg Sommerresidenz der Basler Fürstbischöfe. Der Bischof von Basel galt damals weltlich als ein Fürst des deutschen Reiches. Das bischöfliche Schloss wurde im 14. Jahrhundert in der Südwestecke der Stadt errichtet.
Bischöfliches Palais (1716–1721)
Während der Gegenreformation wurden in Delsberg zwei Klöster gegründet, die aber beide 1793 aufgehoben wurden.
Nach der Eroberung durch französische Truppen 1793 wurde Delsberg Hauptort eines Bezirks des Département du Mont Terrible; schon im folgenden Jahr wurde der gesamte Jura dem französischen Département Haut-Rhin zugeschlagen. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam das Städtchen 1815 an den Kanton Bern, als Ersatz für die verlorengegangenen Ländereien in der Waadt und im Aargau. Im Kanton Bern wurde es Hauptort des Distrikts Delsberg. Die Einwohner konnte sich aber mit der Zugehörigkeit zu dem deutschsprachigen, reformierten Kanton Bern nie anfreunden.
Le vieux pont
Im Zuge der Industrialisierung wurde 1846 im nahegelegenen Choindez die von Roll Eisenschmelze errichtet, in welcher Eisenerz aus dem Delsbergertal verarbeitet wurde. Der enorme Energiebedarf wurde mit dem Mischwaldholz der jurassischen Wälder gedeckt. Ein Eingriff, der für den heute so einseitigen Besatz der Jurawälder mit Rottannen verantwortlich ist. Die Arbeiter stammten meist aus der deutschsprachigen Schweiz. 1880 waren in Delsberg beinahe 40% der Einwohner deutscher Sprache. Noch heute gibts eine bayrische Bierhalle, unlängst etwas verkauderwelscht: „La new Bayrische“. Nach dem ersten Weltkrieg sank die deutschsprachige Einwohnerquote kontinuierlich auf heute rund 3 % ab.
1947 wurde der aus dem jurassischen Kantonsteil stammende Kandidat für die Wahl in eine bernische Behörde übergangen. Nach diesem Affront entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der separatistischen Strömungen im Jura. Die kulturell-politischen Spannungen konnten nach mehreren lokalen Plebisziten und der eidgenössischen Volksabstimmung von 1978 (teilweise) gelöst werden. Am 1. Januar 1979 erlangte der nördliche Teil des Juras seine Unabhängigkeit vom Kanton Bern – nach rund 165-jähriger Zugehörigkeit. Der Kanton Jura ist somit der jüngste Kanton in der Schweiz. Am 23. Juni jährt sich das historische Plebiszit. Man besinnt sich „der Befreiung von den Unterdrückern“.
Rue du 23. Juin, die Hauptstrasse
Wer mit der Eisenbahn in Delsberg hält, mag sich über den grossen Bahnhof wundern. Seit 1877 ist die Strecke Delsberg-Porrentruy–Boncourt durchgehend mit dem französischen Grenzbahnhof Delle verbunden. Mit der Abtretung des Elsass 1871 an das Deutsche Kaiserreich wurde Delle zum nördlichsten Grenzbahnhof zwischen der Schweiz und Frankreich. Da somit der Zugang nach Basel durch das Elsass und damit über deutsches Gebiet führte, wurden die Züge bevorzugt über Delle nach Delémont und weiter nach Basel umgeleitet, um die zusätzliche Zollbehandlung zu umgehen. Bis zum ersten Weltkrieg war Delsberg einer der wichtigsten Bahnhöfe der Schweiz.
Teile der ehemaligen Stadtmauer an der Nordostecke der Stadt mit der Tour des Archives (aus dem 13. Jahrhundert). Die Plätze der Altstadt werden durch fünf monumentale Figurenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance geschmückt.
Tour des Archives, angebaut an die ChâtellenieGemütlicher Brunnen-Löwe, das bischöfliche Wappen haltend
Die katholische Kirche Saint-Marcel wurde 1762–1767 erbaut und weist eine Mischung von Stilelementen aus dem Barock und Klassizismus auf. Weitere eindrückliche barocke Baudenkmäler aus der Zeit der Fürstbischöfe sind das Hôtel de Ville (Stadthaus, 1742–1745 erbaut) mit reich verzierten Stuckdecken in den verschiedenen Sälen, die Châtellenie (ehemalige Vogtei, 1717 umgebaut und heute Gerichtsgebäude) und das bischöfliche Palais (1716–1721).
Die Kirche Saint-Marcel und JurafahneHôtel de Ville (Stadthaus, 1742–1745 erbaut)l'ancien Hôpital de la villeAutofahrer aufgepasst, sonst landet man in einem der Bächli
Die Rue des Granges erinnert daran, dass früher die Ställe und Scheunen innerhalb der geschützten Stadtmauern lagen.
Rue des Granges, man sieht es den ehemaligen Scheunen an
In der Früchtesaison wird abends nicht mehr gekocht. Egal ob das Thermometer bei 35°C oder nur bei 16°C steht. Wir leben nur noch von Fruchtsalat. Süsse Früchte: Aprikosen, Pfirsiche, Blaubeeren, Cassis, Himbeeren, Ananas, Passionsfrucht. Mariniert in Orangensaft. Kein Zucker. Ungekühlt. Frisch. Schnell zubereitet. Noch einfacher ist nur, wenn man ihn auf Bestellung kriegt.
Kleine Häkelanleitung für rote Wollmützen: Mit Zucchiniwürfelchen und Stracchino (einem säuerlichen Frischkäse aus der Lombardei) gefüllte Tomaten, aromatisiert mit frischem Majoran. Damit der reife, zähflüssige Stracchino nicht ausläuft, wird die Tomate mit einem Deckel aus gebratenen Auberginenscheiben verschlossen. Ein Rezept von Carlo Bernasconi aus La cucina verde.
Zutaten
4 mittelgrosse Strauchtomaten (ich nahm 3 längliche, aus denen ich letztlich 6 Hälften draus präparierte)
4 Scheiben Auberginen vom gleichen Durchmesser wie die Tomaten (bei mir 6 Scheiben aus einer kleinen Aubergine)
50 g Zucchini in kleinen Würfeln
2 Elf. Butter
1 Elf. frischer Majoran
50 g reifer Stracchino oder Crescenza oder ein anderer, aromatischer, weicher Frischkäse
1 Elf. gehackte Petersilie
Olivenöl
schwarzer Pfeffer, Salz
Käse-Zucchinimasse in die Tomate eingefüllt
Zubereitung
(1) Tomaten kreuzweise einritzen, etwa 1-2 Minuten in kochendem Wasser überbrühen, herausnehmen und auskühlen lassen.
(2) Auberginenscheiben in Olivenöl bei mittlerer Hitze beidseitig goldbraun anbraten. Salzen und auf Küchenpaper abkühlen lassen.
(3) Zucchini in 3 mm grosse Würfel schneiden und 5 Minuten in der Butter in einer Pfanne dünsten.
(4) Tomaten sorgfältig häuten, einen Deckel mit dem Stielansatz abschneiden und die Tomate mit einem Löffel vorsichtig aushöhlen.
(5) Zucchini mit Majoran und dem Frischkäse vermengen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und in die Tomaten füllen.
(6) Die Tomaten mit einigermassen passenden Auberginenscheiben verschliessen, die Tomaten umdrehen und auf den Auberginendeckel stellen. Mit Olivenöl beträufeln, Petersilie aufstreuen und servieren.
Sechs Zipfelmützen. Wer hat die siebente ? und wo ist Schneewittchen ?
Eine wunderbar erfrischende „Buffet“-taugliche, gefüllte Tomate. Wir haben sie zu „Gschwellti“ gegessen. Das Rezept stammt aus dem Bistrot von Marco Fadiga in Bologna.
Diese kleinen Birnen, nur wenig grösser als die Zwetschge im Bild-Vordergrund, werden auf dem Basler Markt angeboten. Bei unserem Obstbauern Stefan Fuchs aus Deutschland, der seine Obstgärten am Tüllinger Hügel bewirtschaftet. Gesunde Birnen, von unseren Baden-Württembergischen Erzeugern zu haben, höre ich in meinen Ohren Hannes jubeln. Stimmt genau. Da konnte ich selbstverständlich nicht anders, als zugreifen 🙂
Mich wundert, dass sich manche Baselbieter Bauern noch heute weigern, den Basler Markt zu bedienen. Später Groll wegen der ehemaligen Leibeigenschaft ?? Die wurde immerhin 1790 abgeschafft. Rache für die bis 1832/33, dem Datum der gewaltsamen Kantonstrennung, erlittenen Zurücksetzungen ?? Jää nusode, dann wird das Geschäft halt von Deutschen übernommen.
Bei den Stuttgarter Gaishirtle handelt es sich um eine alte süddeutsche Sorte, die um 1750 als Zufallssämling von Ziegenhirten in der Umgebung von Stuttgart gefunden wurde – daher der Name. Davon soll es, gemäss Slow-Food nur noch 100 Bäume geben. Mehr darüber hier. Ich befürchtete erst, in eine Holzbirne zu beissen, wie sie in unserm Juragärtchen wachsen, war dann aber angenehm überrascht. Eine frische, knackige Sommerbirne mit angenehmem Aroma.
Herrlich aromatische, farbige Hämiker Tomaten mussten verarbeitet werden. In Chili und Ciabatta fand ich die Idee für einen Tomatenrisotto. Hab ich noch nie gemacht, der Tomatenpüreerisotto meiner Kindheit sitzt mir immer noch schwer und dunkelrot im Nacken. Cascabels Rezept sieht vor, aus roten Tomaten durch Filtration mittels Seihtuch einen farblosen Fond herzustellen. Das war mir zu zeitaufwendig. Ich habe mir aus meiner Hämiker Beute die gelben Tomaten (weisse Tomaten gehen ebensogut) herausgelesen, diese püriert, abgesiebt und den dicken Brei als „Fond“ zum Risottokochen eingesetzt. Damit verliert man weniger Tomatenmasse und -aroma. Hinzu kamen zwei Handvoll farbige, kleine Cherry-tomätchen und Basilikum.
Zutaten
Vollmahlzeit für 2 Personen
für den Tomaten“fond“:
800 g gelbe, aromatische Tomaten, eine war grün, eine andere rötlich, andere orange, egal.
1 Knoblauchzehe
1/2 kleine Zwiebel als Oxidationshemmer
für den Risotto:
2 kleine Schalotten
1 Essl. Olivenöl
200 g Risottoreis (Carnaroli)
Salz, Pfeffer, Piment d’Espelette
30 g frische Butter
30 g Parmesan, frisch gerieben
2 Handvoll kleine (wirklich kleine !) farbige Cherrytomätchen (rot, gelb, orange)
2 Zweige Basilikum, die Blätter
Zubereitung
(1) Die Tomaten samt Blattansatz klein schneiden, ebenso Knoblauch und Zwiebel. Im Mixer pürieren. Den Brei durch ein nicht allzufeines Sieb durchdrücken. Der resultierende, dicke, hellbeige Brei dient als „Fond“ zum Kochen des Risotto.
(2) Die Schalotten schälen, fein schneiden und in einem Topf mit 1 Elf. Olivenöl glasig dünsten, den Reis dazugeben und unter Rühren anschwitzen. Jetzt die Hälfte des passierten Tomatenbreies angießen bis der Reis bedeckt ist, mit Salz und Pfeffer und einem Hauch Espelette würzen und unter häufigem Rühren leicht köcheln lassen. Sobald die Flüssigkeit vom Reis aufgenommen wurde den restlichen Tomatenbrei in Portionen dazugeben. Das Risotto in regelmäßigen Abständen umrühren, der Tomatenbrei sitzt leicht an. Gegen Ende soll der Risotto weich fliessend sein, allenfalls rechtzeitig wenig Wasser einrühren. Nach genau 18 Minuten die Butter und den Parmesan unterrühren. Nun die farbigen Tomätchen und den fein gerupften Basilikum vorsichtig unterziehen und etwa 2 Minuten stehen lassen (damit die Cherries warm werden).
Während in Nordamerika bereits in den 1840er Jahren Tausende Kilometer Bahngeleise gelegt wurden, stritt man im eidgenössischen Staatenbund zwischen den liberal-progressiven und den konservativ-katholischen Kantonen um Konfessionsfragen. Erst als im Jahre 1852 im Eidgenössischen Parlament ein historischer Grundsatzentscheid zugunsten des Eisenbahnbaus auf privatwirtschaftlicher Basis fiel, wurden der Bau einer Vielzahl von Bahnen und Bähnli zügig vorangetrieben. Die Centralbahn sicherte sich die Konzessionen u.a. für die Strecken Basel-Bern, Olten-Luzern. Durch das Vernetzen mit den Linien der Nordostbahn (Zürich-Romanshorn) wurde Olten zum Knotenpunkt der wichtigen schweizerischen Eisenbahnlinien.
Bahnstrecken werden in ihrer Länge bezogen auf die Horizontale präzise vermessen. Das Messergebnis wird als Distanzeinteilung an der Strecke mit Schildern, Tafeln, früher „Abtheilungszeichen“ benannt, festgehalten. Den Anfang zu jeder Skala bildet ein Nullstein, der meist am Sitz der damaligen Bahndirektion gesetzt wurde. Gemessen wurde damals noch in Wegstunden zu 16’000 Fuss, das Ende jeder Stunde (4,8 km) markierte ein Stundenstein. Den Null-Stunden-Stein der Centralbahn habe ich mir in Olten angeguckt. Seine Überreste sind beim Gleis 12 in die Wand einbetoniert. Nach der Einführung des metrischen Systems in der Schweiz, 1875, musste die Vermessung metrisch nachgeführt werden. Basis blieben aber die Nullsteine.
Nullstein: Schweizer Kreuz mit erhabener Null
Das Städtchen Olten wird einer Gründung der Grafen von Frohburg zugeschrieben. 1422 verbrannte das Stadtarchiv. Genaueres ist somit nicht überliefert. Basel, das seinen Herrschaftsbereich gerne ausgedehnt hätte, verzichtete auf einen Kauf der abgebrannten Stadt, so gelangte diese 1426 pfandweise, 1532 definitiv, in den Besitz der Stadt Solothurn.
Olten, Altstadt mit Alter BrückeAlte Holzbrücke, schwarz-weiss, da fehlbelichtet
Die eigentliche Altstadt ist winzig, sehenswert sind die alte Holzbrücke über die Aare, ein alleinstehender, ehemaliger Kirchenturm, ein Kapuzinerkloster.
Alte Holzbrücke
Nach dem Dreissigjährigen Krieg und der Abwertung der Währungen kam es in den Kantonen des westlichen, schweizerischen Mittelandes zu Bauernaufständen. Die Unterstützung der Bauern kostete die Stadt Olten im Jahr 1653 sämtliche politische Privilegien und degradierte Olten zu einem gewöhnlichen Untertanenstädtchen. Stadtrecht und Siegel wurden der Stadt Olten erst wieder durch die Helvetische Republik 1800 übergeben.
Stadtkeller mit Malerei über den BauernaufstandMarktgasse
In der Neuzeit beschleunigte der Eisenbahnknotenpunkt die industrielle Entwicklung des Ortes. Zeitweise zählte die Stadt bis zu 20’000 Einwohner.
Das früher schweizweit bekannte Bahnhofbuffet, ein beliebter Treffpunkt, ist heute eine Ablage der italienischen Autogrill-kette. Pizza, Pangasius und Pasta mit Pomodoro. Trostlos. Sogar der in italienischen Autobahnraststätten meist ordentliche Espresso ist hier um eine Klasse schlechter.
Quellen: wiki, Mittellandzeitung, Ausgabe 15. Juli 2010
Schnelles Sommerrezept. Sommer kurz, Rezept kurz. Gegrillt von Grillexperten (gehöre nicht dazu) im Kochkurs Schlemmerbuffet bei Lucas Rosenblatt.
Zutaten
für 4 Personen
4 Lobsterschwänze
4 Elf. Basilikumöl
fein geriebene Schale einer Biozitrone
1/2 Elf. grob gemahlener, bunter Pfeffer
Salz
Zubereitung
(1) Basilikumöl mit Zitronenabrieb und dem Pfeffer verrühren.
(2) Die Hummerschwänze vom Ende her aufschneiden und das Fleisch sorgfältig aus der Schale lösen. Mit einem Schnitt am Rücken den Darm fassen und herausziehen
(3) Das Schaleninnere und die Schwänze mit der Marinade einstreichen, das Fleisch salzen und wieder in die Schale zurücklegen.
(4) Die Hummerschwänze auf der Schale grillen bis das Hummerfleisch milchig wird. 5-8 Minuten bei mässiger Hitze.
Mit Tandooricreme servieren.
für die Tandooricreme folgende Zutaten verrühren:
1 Becher Sauerrahm
2 Elf. Tandooripaste
1 Prise Zucker
Ich hab einen Eisbecher erfunden ! So genau weiss ich das zwar nicht, ist auch völlig unwahrscheinlich, obwohl sich in google auf die Schnelle nichts dergleichen fand. Vielleicht suche ich falsch. Den Eisbecher widme ich Frau Entegutallesgut aus Wien, die uns selbstverliebten, eitlen food-Bloggern einmal mehr den Spiegel vorhält.
Kürzlich hatte Sie sich in einem meiner Beiträge gewünscht: „Ach, nach mir soll auch ein Eisbecher oder ein Würstel benannt werden“.Genauso, wie Escoffier für viele prominente Damen seiner Zeit Desserts kreierte, zum Beispiel Pêches Melba, Fraises Sarah Bernhard oder Poires Mary Garden. Kann man alle vergessen. Die historischen Damen ebenso wie die Ihnen zugeeigneten Desserts. Mein Eisbecher schmeckt genauso süss 🙂
Das Eis ist sehr cremig, kommt in der Eismaschine kaum über die Konsistenz von Softeis hinaus. Das macht der Fruchtzucker in den Früchten. Es muss vor der Verwendung einen Tag im Tiefkühler reifen. Danach ist es fest, aber immer noch weich. Es schmeckt aromatisch, herb nach den Zwetschgen, süss nach dem Portwein, erinnert an Cassis, dazu die leichte Ingwerschärfe. Nicht schlecht !
Zutaten
1 kg aromatische Zwetschgen (Bühler), entsteint, halbiert
160-200 g Kristallzucker (je nach Süsse der Zwetschgen anpassen)
etwas Zitronensaft (30-50 ml, die Bühler zählen zu den sauren)
ca. 1 cm frischer Ingwer, fein gerieben
100 ml roter Portwein (1994, ein besonders guter Jahrgangs-Port, es werden keine Kosten gescheut)
100 g Invertzuckersirup, Rezept siehe hier
Das Rohmaterial im Dampfkocher
Zubereitung
Zwetschgen, Zucker und Zitronensaft im Dampfkochtopf 1-2 Minuten (oder 10 Minuten offen) kochen. Sofort abkühlen, Deckel öffnen und den Invertzucker und den geriebenen Ingwer unterrühren. Die Zwetschgen samt Flüssigkeit im Mixer fein pürieren. Durch ein feines Spitzsieb passieren, mit dem Portwein abschmecken. Vorkühlen, dann in der Eismaschine (bei mir ein Kühlakku zur Küchenmaschine) zu Eis drehen.
Für den Eisbecher ein paar entsteinte, halbierte Zwetschgen und Aprikosen in wenig Portwein und etwas Zucker (nach Gusto) kurz aufkochen, auf lauwarm abkühlen, in ein Glas legen und eine Sorbetkugel drauftun. Mit gehackten Pistazien garnieren. 1-2 Minuten stehenlassen, dann wird das Sorbet weich und perfekt. Für mich ohne Obers/Rahm.
Nachmachen darf jede/r, auch Konditoren oder die Grossfirmen Firmen Nestle und Unilever, aber nur mit dem Namenszug Ente ! Alternativ lasse ich auch Coupe LillY gelten, hört sich ebenso edel an, passt auch, nicht zuletzt, weil Frau L. so heisst 🙂
Weitere Beiträge aus der Endlos-Serie Wunschkochen
Die internationale 08/15 Einheitstomate ist rund, rot, übersteht Transporte von Holland oder Marokko quer durch ganz Europa, liefert hohe und höchste Erträge, ist schüttfest und wochenlang haltbar. Schmecken tut sie nach nichts. Um sie in verzehrfähigen Zustand zu bringen, würzt man sie mit Salz oder dem gelben Pulver im gelb-grünen Döschen.
Seit etwa 2, 3 Jahren ist eine gegenläufige Entwicklung spürbar. Alte, vernachlässigte und beinahe vergessene Sorten werden wieder angebaut, nicht nur von begeisterten und leidenschaftlichen Hobbygärtnern. Selbst das grosse Warenhaus im Kleinbasel hat derzeit eine ganz respektable Auswahl an guten Tomaten. Auf dem Luzerner Markt bin ich am Stand des Kulinarikers schon mehrfach den farbigen Hämiker Tomaten begegnet. Eine Pracht. Kürzlich sind wir bei einer Ausfahrt zwischen Muri und Hitzkirch durch ein Dorf gefahren, als mich am Strassenrand plötzlich die Affiche „Farbige Hämiker Tomaten“ anspringt. Sind das nicht….?
Hinweis-Affiche in Hämikon
Doch. Leider war niemand anzutreffen. Also haben wir es ein zweites Mal auf telfonische Anmeldung probiert. Hämikon liegt auf der Sonnenterasse des Seetales, oberhalb des Baldeggersees. Hier baut Monika Fessler in ihrem grossen Treibhaus (nein, Hämikon liegt nicht in Süditalien) derzeit über 90 Sorten Tomaten an. Weil es sich um einen Nebenerwerb handelt, ist das betriebliche Risiko einigermassen verteilt. Der kleine Bauernhof muss nicht auf Gedeih und Verderben Ertrag abwerfen, obwohl ein solcher auf Dauer unabdingbar ist. Das Projekt von Monika Fessler hat sich in den vergangenen 4 Jahren so gut entwickelt, dass die Vermarktung professionalisiert wurde.
Farbige Tomaten im Hofladen in Hämikon
Erhältlich sind die Hämiker Tomaten auf dem Luzerner Wochenmarkt beim Kulinariker, auf dem Oerlikoner Markt und neuerdings sogar beim Globus. Eben sah ich welche in der Basler Filiale. Wer die ganze Palette einmal sehen will, pilgert nach Luzern oder Hämikon. Unter kundiger Anleitung der beiden kleinen Mädchen von Frau Fessler „Wir essen jeden Tag Tomaten„, haben wir unsere Auswahl getroffen. Unsere Favoriten: Feuerwerk und Green Zebra. Alle andern Namen habe ich vergessen 🙂
Tomate Feuerwerk, in zwei Hälften geschnitten
Der Hofladen in Hämikon (Adresse in Bild 2) ist Juli bis Mitte Oktober jeweils Freitag, 17.00 – 19.00 Uhr und Samstag 9.00-12.00 Uhr oder auf telefonische Anmeldung: 041 917 48 13 geöffnet. Heuer wegen Umbauten ab ca. Mitte September temporär geschlossen. Im Winter gibts selbstgemachte Konserven, Zwiebeln etc.
Farbige Tomaten im Hofladen in Hämikon
Und wer nächstes Jahr Tomaten selber ziehen kann und will: In Deutschland findet man die umfassendste, schön bebilderte Saatgutbank bei Reinhard Kraft, in der Schweiz (weniger Sorten) u.a. bei Zollinger
Ein Teil unserer Beute
NB: Eben habe ich daraus einen wunderbaren Bunten Tomaten Risotto gekocht. Demnächst auf meiner Seite.
Tomatensuppe in Dosen scheint bei Künstlern ein beliebtes Motiv zu sein. 1929, lange vor Andy Warhol, beklebte Adolf Wölfli, der ehemalige Verdingbub und Knecht aus dem Kanton Bern, eine seiner vollgekritzelten Makulaturpapierseiten mit einer ausgeschnittenen Annonce. Adolf Wölfli, der von 1895 bis zu seinem Tod wegen Schizophrenie in der psychiatrischen Heilanstalt Waldau bei Bern interniert war, begann 1899 zu zeichnen und zu schreiben. Auf über 25’000 Seiten schuf er sich eine grossartige, imaginäre Welt: die „Sankt-Adolf-Riesen-Schöpfung“. Hier gehts zu der Stiftung im Kunstmuseum Bern, die seine Hinterlassenschaft verwaltet und mehr über ihn und seine Werke weiss.
Adolf Wölfli: Campbell’s Tomato Soup, 1929
Ob Campbell’s Dosensuppe mit meiner Suppe mithalten kann, bezweifle ich. Ich habe sie aus im Ofen confierten, voll gereiften Tomaten ohne Wasser hergestellt. Angelehnt an das Rezept von Meta Hildebrand. Und an die Paradeisersuppe der Turbohausfrau. Die Zapfenlocken aus Bauernspeck sind eine hommage an die kurzgelockte, schwarzhaarige und behütete Seefahrerin auf dem Bild. Die Aromabrösel (Idee aus dem letzten Manor-Food) brauchts nicht unbedingt, sie verzögerten immmerhin das rasche versinken der Zapfenlocken in der Suppe 🙂
Zutaten
für 2 Personen
1 kg reife Tomaten mit dem Grün
50 ml Olivenöl extra
1 Elf. Meersalz
2 Knoblauchzehen
1 Handvoll frische Kräuter (Rosmarin, Basilikum, Oregano, alles frisch)
Piment d’Espelette
für die Aromabrösel:
2 Elf. Pinienkerne
1 Elf. Sesamkerne
Abrieb einer halben Biozitrone
1/2 Tlf. Fenchelsamen
1 Tlf. getrockneter Oregano
6-8 magere Speckscheiben
ohne Haut und Kerne
Zubereitung für die Suppe:
(1) Die Tomaten an den Rispen lassen, mit einem Messer einritzen und in eine tiefe, hitzebeständige Form legen. Mit Olivenöl beträufeln. Mit Meersalz und den Kräutern bestreuen. Die ganzen Knoblauchzehen zwischen den Tomaten verteilen. Form in den Ofen schieben und die Tomaten bei 200°C während ca. 30 Minuten backen, bis sie weich und an der Oberseite leicht bräunlich angeschmurgelt sind. Anschliessend mit einem Stabmixer kurz mixen und durch ein Sieb drücken.
(2) Mit Salz, Pfeffer und Piment d’Espelette abschmecken und warm halten.
für die Aromabrösel:
(3) Pinien- und Sesamkerne ohne Fett anrösten, mit Fenchel, Zitronenabrieb und Oregano in einem Blitzhacker zerkleinern.
für die Speckscheiben:
(4) Speckscheiben spiralförmig um eine Holzkelle wickeln und ca. 8 Minuten im noch heissen Backofen bei 200°C kross backen.
Notwasserung eines Speckflüglers in Tomatensuppe ?
Die Speckspiralen, obwohl anfänglich nur als Alibispeck geplant, haben sehr gut zu dieser Suppe gepasst. Auch wenn sie, im chichi-Glas aufgestellt, hübscher aussehen. Mein Beitrag zum Event, betreut von Alex von Chef Hansen
Das Obertor von 1574. Das Untertor wurde nach einem Brand geschleift.
Unser Wochenausflug führte uns ins liebliche Klettgau. In das Landstädtchen Neunkirch. Der Name weist auf die Nüwenkilch, die neue Kirche, die im 12. Jhdt. auf einem karolingischen Vorgängerbau ausserhalb des Städtchens auf einer Anhöhe erstellt wurde, hin. Nicht etwa auf auf neun Kirchen. Dafür ist die Gemeinde zu klein.
Giebel des Gemeindehauses und Brunnen mit dem Hoheitszeichen der Stadt
Zum ersten mal wird Neunkirch in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Rheinau erwähnt. Die Schenkung erfolgte während der Regierungszeit von König Ludwig (843-876). Danach verliert sich die Geschichte bis ins 12. Jahrhundert im Dunkel. Ende des 13. Jhdts. wurde Neunkirch durch Brand oder Krieg zerstört. Bischof Eberhard von Waldburg kaufte die Vogtei Neunkirch und gründete unmittelbar nach 1260 das heutige Städtchen als militärischen Stützpunkt seiner Klettgauer Besitzungen.
Gemeindehaus
Noch heute ist der alte Stadtkern, ein Rechteck von 256 x 138 m, in den Strassen und an den Häusern ablesbar. Vier Hauptgassen: Hintergasse, Vordergasse, Mühligasse und Herrengasse, einst rundum umgeben von einer an die Häuser angebauten Stadtmauer, davor ein Graben. Wegen der Konkurrenz des nahegelegenen Schaffhausen blieb die Entwicklung des Städtchens aber früh stecken. Übliche Stadtrechte wie das Markt- und Münzrecht sowie ein freies Stadtbürgertum blieben ihr verwehrt.
Oberhofgasse mit Brunnen
1440 fielen feindliche Truppen in das Klettgau ein und plünderten Neunkirch. Darauf schloss der Bischof von Konstanz ein Bündnis mit den Eidgenossen, worauf auch seine Besitzungen im Klettgau unter diesen Schutz kamen. 1499, nachdem Maximilian I. durch den Reichstag von Mainz die Reichsacht und den Reichskrieg gegen die Eidgenossenschaft verhängt hatte, kam es im Laufe des Schwabenkrieges zur Plünderungen der Stadt durch zürcherische Truppen.
Mühlengasse
Mit der Reformation, 1525, endete die Herrschaft der Bischöfe von Konstanz über Neunkirch. Das verschuldete Bistum veräusserte Neunkirch an Schaffhausen. Neunkirch wurde zu einer Schaffhauser Obervogtei, die rechtlich bis 1798 Bestand hatte.
Oberhof, der bischöfliche Dinghof
Im Städtchen gibts ein gutes Restaurant. Das Gemeindehaus. Leider ist das Lokal im Juli und August geschlossen, so dass wir nach Diessenhofen in den Schupfen ausgewichen sind. Traumhaft schön gelegen. Die Küche, zumindest jene Abteilung die den Bistrotteil versorgt, war leider nicht fähig, die schöne Lage des Lokals zu nutzen. Ein uraltbackener baked-potatoe, ein dünnes, nicht gerade zartes Entrecote, tiefgefrorene Kräuterbutter. Teuer. Lieblos. Muss nicht sein.
Gasthof SchupfenGasthof Schupfen, Blick Rheinabwärts Richtung Schaffhausen