
Vom Verkehr der naheliegenden Gotthardautobahn umbraust, steht hier, inmitten eines Weinberges, eines der schönsten Kleinode der Südschweiz: die Kirche San Nicolao in Giornico. Wahrscheinlich Anfang bis Mitte des 12. Jhdts. erbaut. Geweiht dem legendenumwobenen Bischof Sankt Nikolaus von Myra, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Kleinasien gelebt hat.
Betritt man die Kirche durch das Hauptportal, wird auch der nichtreligiöse Betrachter sofort von der gewaltigen Architektur von Chor und Krypta am hintern Ende des Raumes gefangengenommen. Vorausgesetzt, man findet im Dunkel den Lichtschalter hinten links beim Aufstieg in den Chor. Der Chor liegt sehr hoch und verengt sich hinten zu einer halbkreisförmigen Apsis. Die tief darunter liegende Krypta ist gleichzeitig in voller Breite einsehbar.
Die spätgotischen Fresken der Apsis stammen von Nicola da Saregno, 1478. in der Wölbung eine Majestas Domini mit Mandorla und den Evangelistensymbolen (Löwe, Mensch, Stier, Adler), an den Wänden die heiligen Godehard, Viktor und Petrus. Nikolaus von Myra wird mit einem Bottich gezeigt, in dem drei Knaben sitzen. Der Legende nach hat Nikolaus drei von einem Wirt zerstückelte und eingepökelte Jünglinge wieder zum Leben erweckt.



Die Kapitelle der acht Säulen sowie der Wandvorlagen der Krypta tragen eigenartige, plastisch gehauene Tiergestalten, Tierfratzen oder geometrische Motive.





Die Chiesa San Nicolao gibts sogar in verflüssigter Form: als Rotwein aus den Rebhalden von Giornico. Ein guter, herzhafter Merlot, obwohl hier oben im engen Tal die Sonnenscheindauer merkbar kürzer ist als weiter unten im Tal oder im Mendrisiotto. Ein Reisebericht von Ende September, den ich mir auf Allerheiligen aufgespart habe.






























