Wieder einmal ins geliebte Emmental. Ziel war das kleine Kirchlein in Würzbrunnen. Weit hinten im Emmental bei Röthenbach. Hier wimmelt es nur so von Bären, mindestens so viele, wie weisse Siloballen auf den Wiesen herumliegen. Unverständlich, warum sich die Gegend hier nicht gleich Bärental nennt. Kaum ein Dorf ohne Bären, aber nicht jeder Bär ist so gastfreundlich wie dieser hier in Langnau. Wir haben uns in seiner Gaststube nachhaltig gestärkt.
Gleich gegenüber steht seit 1526 das Chüechlihus, eines der ältesten Gebäude der Region. Seit 80 Jahren ist es ein Museum, in dem die Geschichte des Emmentals, Gewerbe, Handwerk, Alt-Langnauer Keramik und Flüehliglas sowie wichtige Personen der Region vorgestellt werden.
Auf dem Weg nach Würzbrunnen ein Abstecher zum Sahlenweidli, ein 1762 erbautes, bescheidenes Kleinbauernhaus, das zur Mitte des 19. Jahrhunderts den beiden Töchtern von Jeremias Gotthelf gehörte und vor einigen Jahren Handlungsort der TV-Serie „Leben wie zu Gotthelfs Zeiten“ war. Wer willig ist, im Lichte von Kerzen und Petroleumlampen in einer offenen Rauchküche mit Holzwedelen (Reisigbündeln) einzufeuern, Teller und Chacheli mit Soda und Sand zu scheuern, im ungeheizten Gaden neben dem Nachttopf zu schlafen, der kann das Haus mieten. Die Ruhe hier oben wäre schon schön, aber ein Leben ohne elektrische Steckdosen ?


Auf der steilen Strasse zum Chuderhüsi (Chuder: Nebenprodukt vom Hecheln von Hanf und Flachs) öffnet sich eine grosse Lichtung mit dem etwa tausend Jahre alten Kirchlein. Friedhofmauer, Dach, Vorschärm und Dachreiter sind mit Holzschindeln gedeckt.
Die Wandmalereien beim Haupteingang stammen aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts. Rechts neben dem stehenden Christus wird Stephanus gesteinigt. 1494 brannte die Kirche ab, nur das Mauerwerk blieb stehen, die Kirche wurde im selben Jahr aber wieder aufgebaut.
Im Innern ist die Holzdecke mit gotischen Flachschnitzereien und farbiger Bemalung geschmückt. Das Kirchenwände wurden im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts mit ornamentalen Malereien und Bibelsprüchen verziert.
Im Chor fallen drei mit Türchen vom gemeinen Volk abgesonderte Sitzbänke auf. Die waren Hochwohlgebornen, Wohledelgebornen, Wohledelwürdigen und Hochgeehrten Personen wie Land- und Kastvögten sowie dem Chorgericht vorbehalten.
Die Verlegung einer elektrischen Bodenheizung vor einigen Jahren scheint der Teufel benutzt zu haben, seine Klaue in den Bodenplatten zu verewigen.
Die Orgel wurde 1785 gebaut und ist noch weitgehend im originalen Zustand.





































































