Der Satz macht mich nachdenklich. Er stammt aus einer Rezension von Wolfgang Fassbender. Journalist und Zeitungs-Food-Blogger der Neuen Zür(i)cher Zeitung.
Mit „sie“ ist eine mir unbekannte foodbloggerin [Murielle Stadelmann] gemeint, die jüngst offenbar ein Büchlein mit eigenen Kochrezepten herausgegeben hat. Und es kommt noch besser: „Am allerfragwürdigsten aber wird die Sache mit dem Kochbuch, wenn Leute schreiben, die besser nicht schreiben sollten. Bloggerinnen und Blogger fühlen sich bisweilen ermutigt, ihre Privatkocherfahrungen in gedruckte Form zu gießen – was leider nur manchmal zu bemerkenswerten Ergebnissen führt….“
Auch wenn man die Dame Stadelmann kaum als foodbloggerin bezeichnen kann, auch wenn das „nur manchmal“ die Aussage relativiert, hier werden unterschwellig wieder einmal Gräben aufgerissen. Ja, diese Blogger ! Veröffentlichen dummes, belangloses Zeug ! Sind schon zufrieden, wenn sie ihre Texte und Amateurbildchen gratis veröffentlicht sehen. Gefährden damit die etablierten Verlage und kosten professionell arbeitenden Journalisten die letzten Arbeitsstellen.
Ich kenne das Büchlein der Dame Stadelmann nicht, mags auch nicht lesen, AlleskönnerInnen sind mir immer suspekt. Was mich stört, ist der herablassende Umgang mancher Print-Journalisten mit Bloggern. Fakt ist, dass sich gute Kochbücher zur Freude der Verlagshäuser ungebrochener Nachfrage erfreuen. Schlechte oder weniger gelungene Kochbücher gibts zuhauf, hat es immer gegeben, wird es immer geben, egal ob sie von dekorierten Küchenchefs, Jungköchen, deutschen Fernsehstars, Landfrauen, Schweizer Cervelatprominenz oder wem immer auch geschrieben werden.
Wo Schatten fällt, gibt es gottseidank auch Licht: Die von Koch-Bloggern verfassten Bücher, die mir bis jetzt zu Gesicht gekommen sind, habe ich allesamt mehr als nur bemerkenswert gefunden. Gut geschrieben. Lesenswert. Punkt. Auch wenn kaum einer der nachfolgend erwähnten Autoren der Gilde der reinen Hobbyköche zugerechnet werden darf. Ja, vielleicht auch deswegen.
Hier ein paar aktuelle Leseempfehlungen zuhanden der NZZ-Redaktion. Allesamt von Kochbloggern geschrieben:
Claudio Del Principe: Anonyme Köche, Lese- und Kochbuch. G&U Verlag, 2009, leider vergriffen.
Astrid Paul: Arthurs Tochter kocht, ein B-Logbuch. Eher Lesebuch und Autobiografie als Kochbuch. Collections Rolf Heyne, 2011
Stevan Paul: Schlaraffenland. Kochgeschichten. mairisch Verlag, 2012
Petra Foede: Wie der Earl das Sandwich entdeckte. Bekannte Gerichte und ihre Geschichte, Kindle Edition. e-book, 2012
Katharina Seiser, Meinrad Neunkirchner: Oesterreich vegetarisch. Kochbuch. Brandstätter Verlag, 2012
Stevan Paul, Katharina Seiser: Deutschland vegetarisch. Kochbuch. Brandstätter Verlag, 2013
Lutz Geissler: Das Brotbackbuch. Eugen Ulmer Verlag, 2013
Eben ist ein weiteres Buch hinzugekommen, geschrieben und fotografiert von der Kochbloggerin
Ariane Bille: Food Blogs und ihre beste Rezepte, eine Momentaufnahme der deutsch-sprachigen Foodbloglandschaft. Haedecke-Verlag, 2013.
In diesem Lese- und Kochbuch porträtiert Ariane Bille, diplomierte Kommunikationsdesignerin, zwölf Koch-Blogger. In individuell geführten Interviews erzählen diese über ihre Leidenschaft fürs Essen, warum sie so gerne darüber schreiben, warum sie sich von wildfremden Menschen in die Töpfe blicken lassen, warum sie sich für Qualität beim Einkauf einsetzen und wie im einen oder andern Fall aus virtuellen Bekanntschaften echte Freundschaften entstanden sind. Dazu steuert jeder Kochblogger vier Lieblingsrezepte bei, die von Ariane nachgekocht und bebildert wurden (je zwei davon exklusiv für dieses Buch). Ein bunter Querschnitt durch die Vielfalt der Kochblogsphäre. Lesenswert.
Als thumber Hobby-Kochblogger wünsche ich der NZZ viel Freude bei der Lektüre und immer genügend Papier und Druckerschwärze auf ihrer Titanic. Und immer schön aufpassen auf den nächsten Eisberg. Der wird digitaler Natur sein.























































