Weinrallye 20: Wein zum Fisch und Fisch zum Wein

Stellprobe bei -5°C im Schnee
Stellprobe bei -5°C im Schnee

weinrallye_200 Heute ist Weinrallye, der Tag, an dem von an Wein interessierten Weblogs über ein zuvor bestimmtes Thema geschrieben wird. Thema: Wein zum Fisch, alles, nur keine trockenen, weissen Weine sind zugelassen. Der event diesmal ausgerichtet durch Wolf von Hausmannskost.

Der ganze Wolfsbarsch war eingekauft, als Wein hatte ich einen roten Tessiner Merlot vorgesehen. Doch kam alles anders. Die in einer andern Wohnung des Hauses derzeit tätigen Handwerker übten sich schon frühmorgens in lärmendem Wettstreit ihrer Betonschleifmaschinen, so dass wir einmal mehr spontan unser Bündelchen samt Fisch und Zutaten packen mussten: ab ins Wochenendhaus. Darin hat es nur eine winzige Kombüse, darum habe ich den Fisch filetiert, die Abfälle holten sich hungrige Raben.

Beim mise en place die Ernüchterung: der Wein ? Wo ist der Wein ? In der Eile des Aufbruchs vergessen. Im kleinen Keller des Häuschens, der gleichzeitig als Garage dient, fand sich dann noch eine Notflasche, ein St. Estèphe, Le Boscq, 1998, sozusagen mein Garagen-wein aus einer kernigen Appellation, die ich wachen Sinnes nie mit meinem Fisch kombiniert hätte. Aber Fantasie haben heisst nicht, sich etwas auszudenken, sondern aus vorhandenen Dingen etwas zu machen. Also habe ich aus den greifbaren Zutaten einen rustikalen Fisch zubereitet, der Le Bosq dankte es mit Entgegenkommen: dunkles Granat, schokoladige, breite, lang anhaltende Aromatik, weiche, burgundische Tannine. Eine geglückte mariage des cru bourgeois mit dem bourgeois zubereiteten Fisch. Dass der Fisch beim servieren in Brüche ging, liegt an der Hektik: Kochen-warme-Jacke-anziehen-Fisch-ohne-Fischpalette-umladen-Teller-im-Schnee-deponieren-zurück-ins-Haus-Fotoapparat-holen-klicken. Wintersport.

Leicht lädierter Wolfsbarsch an Olivenöl-Kalbsfond-Mixtur
Leicht lädierter Wolfsbarsch an Olivenöl-Kalbsfond-Mixtur

Zutaten
ein Wolfsbarsch, filetiert
natives Olivenöl, extra
4 Elf. konzentrierter Kalbsfond oder guter, klarer Bratenfond
Salz, Pfeffer

Fisch im Schnee
Fisch im Schnee
Pak Choy am anbraten
Pak Choy am anbraten

Zubereitung
(1) etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Wolfsbarschfilets auf der Hautseite in die Pfanne legen. Sobald die Ränder hell werden, vom Feuer ziehen und auf eine Holzbrett legen, Filets umdrehen, Deckel drauf und 3 Minuten liegen lassen. Salzen, Pfeffern.
(2) In einem separaten Pfännchen den Kalbsfond mit dem Olivenöl leicht erwärmen und etwas schütteln, damit der Fonds heterogene, fleckige Augen im Öl bildet. Auf keinen Fall eine homogene Sauce mixen wollen, im Ernst !
(3) Mixtur auf die Teller verteilen, Fisch drauflegen.

Anmerkung
Danke an Bolli für die Anregung, einmal etwas mit Wolfsbarsch zu machen (sorry weil mit Sauce). Hingegen ist dies kein Beitrag für den von kulinaria katastophalia vorweggenommenen Fotoklecksevent CXII, für die Kleckse auf meinem Teller habe ich mich mächtig ins Zeug gelegt, jeder ist sorgfältig arrangiert. Der Pak Choy war übrigens 8 Minuten im Dampfsieb vorgegart, danach in Olivenöl angebraten, zusammen mit schwarzen Oliven, Knoblauch und Peperoncino.

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Apfelkuchen für einen Bären

Apfelkuchen Birch

Apfelkuchen Birch 0_DSC06521Vor bald einem Jahr wurde Bär JJ3 meuchlerisch erschossen. Erschossen wegen eines Apfelkuchens. Das hat nicht nur mir die Freude an Apfelkuchen nachhaltig verdorben. Zu seinem Todestag wollten wir einen Apfelkuchen backen. Inzwischen haben aber unsere Lieblingsäpfel ihren Zenith überschritten und mussten dringend verwertet werden. Glücklicher Zufall, dass Frau L. sich ihres einst vielgebackenen Apfelkuchenrezeptes aus der Mädchenkochschule entsann, ein einfaches Rezept aus einem Schulkochbuch, doch das Kochbuch war nicht mehr auffindbar. Beim Suchen fand sich im Gestell ein uns unbekanntes Büchlein, 75 Apfelrezepte, eine Zusammenstellung eines Rezeptwettbewerbs unter Haushaltlehrerinnen, herausgegeben von der Schweizerischen Zentralstelle für häusliche und bäuerliche Obstverwertung. Dem Umschlag nach aus den 60-er Jahren. Darin ein Rezept, das dem gesuchten nahekam. Der Kuchen entstand dann teils aus dem Gedächtnis, teils nach diesem Rezept, teils improvisiert. Wir verwendeten unseren Standardmürbeteig mit geriebenen Mandeln als Boden, geraffelte Äpfel und überdeckten diese mit einer zitronigen Quarkmasse. Im Schulkochbuch war bestimmt gehärtetes Fett vorgeschrieben und von Calvadosrosinen stand sicher auch kein Wort drin. Wie immer hier: ein Minimum an Zucker, das Leben ist süss genug.

Mein Beitrag zum nächsten DKduW-event, die Januar-Zusammenfassung gibts hier.
DKduW

Zutaten
für den Teig:
200 g Weissmehl
100 g sehr kalte Butter
1/2 Tlf. Salz
eine Prise Zucker
ca. 0.5- 1 dl Wasser oder Milch

für den Belag:
ca. 80 g Mandeln, frisch und fein gerieben
400-500 g Äpfel geschält, Kernhaus entfernt
1 Biozitrone, davon der Saft (der Abrieb wird für den Guss benötigt)

für den Guss:
250 g halbfetter Quark (Topfen)
2 Elf. Zucker
Zitronenabrieb einer Biozitrone
1 ganzes Ei getrennt (wenig Eigelb für das Bestreichen des Teigrandes reservieren)
1,5 Elf. Maizena, in möglichst wenig Wasser angerührt
2 Elf. Rosinen, einige Tage in Calvados oder Cognac eingelegt

Apfelkuchen Birch 0_2009 02 09_8305

Zubereitung
für den Teig:
(1) Gesiebtes Mehl, Salz und Zucker in eine vorgekühlte Teigschüssel des Rührwerks geben. Kalte Butter in Flöckchen unter das Mehl mischen und mit dem Flachschläger zunächst langsam, dann schnell zu einer krümeligen Masse verrühren. Dann die Milch unter Rühren zugeben, bis der Teig klumpt. Den Teig nicht lange kneten und quälen. Von Hand rasch zu einer Kugel formen, etwas flach drücken und in eine Folie eingewickelt zwei Stunden in den Kühlschrank stellen. 1/2 Stunde vor Gebrauch herausnehmen.
(2) Kuchenteig dünn ausrollen, ein rundes Kuchenblech von ca. 22 cm Durchmesser damit belegen. Teig Stupfen. Mandelpulver verteilen. Rand mit wenig Eigelb bestreichen.

Apfelraffel auf Mandel
Apfelraffel auf Mandel
Stop, sonst überläufts
Stop, sonst überläufts

(3) Äpfel schälen, Kernhaus entfernen und auf der gröbsten Röstiraffel zu feinen Streifen reiben und sofort mit dem Zitronensaft vermischen.
(4) Zutaten für den Guss, das Eiweiss und das unverbrauchte Eigelb vermischen und über die Apfelstreifen verteilen.
(5) im auf 220°C vorgeheizten Ofen (Ober-/Unterhitze, Schiene 1) ca. 30 Minuten backen, dann auf Rille 3 nochmals 10 Minuten überbacken. (Nachtrag: Temperatur nach den ersten 10 Minuten auf 200°C senken. Lauwarm essen.

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Saltimbocca Toast

Toast Saltimbocca

Da wir nicht so arg süss gelagert sind, gabs das jüngst gebackene Toastbrot nach Bäcker Süpke nicht mit Butter und Konfitüre, sondern herzhaft belegt. Rohschinken, Salbei und Bergkäse. Kurz im Ofen überbacken.

Zutaten
12 Scheiben Toastbrot kleines Format, meins rund, Durchmesser 7cm
6 Tranchen Tessiner Rohschinken
12 Salbeiblätter aufgetaut oder frisch (im Bild selbst eingefrorene)
etwa 100 g Bergkäse, mit dem Sparschäler in feine Scheiben geschnitten
Butter
Pfeffer

Toast Saltimbocca

Zubereitung
(1) Toastbrot leicht antoasten. Abkühlen lassen.
(2) Unterseite (Boden) mit wenig Butter bestreichen, mit einer halbierten, gefalteten Tranche Schinken, dann einem Salbeiblatt und Käse belegen, mit Pfeffer würzen.
(3) Im auf 220°C vorgeheizten Ofen (Ober-/Unterhitze, Mitte) ca. 10 Minuten überbacken bis der Käse geschmolzen ist.

Als Beilage ein Salat aus Pfaffenröhrli (gebleichter Löwenzahn), Nüssler (Feldsalat) und offenblättrigem Radicchio.

fertig belegt, ungebacken
fertig belegt, ungebacken
Salatbeilage
Salatbeilage

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Schweizer Wurstweggen

Wurstweggen 0_2009 02 01_8111
Das sind weder hotdogs, noch deutsche Wurstwecken mit eingelegten Würstchen, sondern mit gutem Fleischbrät gefüllte Blätterteigkrapfen. So gut schweizerisch, dass sie im Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz Aufnahme gefunden haben. Wurstweggen waren neben Wähen das erste Take-Away-Produkt, das von hiesigen Bäckereien kalt oder aufgewärmt angeboten wurde. Lange bevor amerikanische Imbissketten das Verpflegungsmonopol der Bevölkerung zu erringen versuchten. Als Schlüsselkind hatte ich kein geregeltes Mittagessen, dafür durfte ich mir in einer Bäckerei mein Mittagessen kaufen. In loser Folge waren das Cremeschnitten, Salami-silserli, Wurstweggen, Mohrenköpfe und Nuss-schnecken. Deshalb habe ich mich schon in Kindesjahren als Degustationskapazität auf diesen Produkten, speziell der Wurstweggen, verstanden. Was Bäckereien, später auch Metzgereien anboten, fand aber nur selten meinen Beifall: kaltes, am Gaumen klebendes Schweinefett, kompakte Wurststöpsel, Blätterteig zum Heulen, mit Milchwecken nach den Verdünnungsregeln der Homöopathie gestrecktes Fleisch. Meine damaligen Favoriten sind längst verschwunden. Was die hiesigen Edelconfiserien als Wurstweggen heute anbieten, ist zwar teuer, essbar, aber nicht das, was ich mir unter einem guten Wurstweggen vorstelle.
Die Küche der Frau L. hat mich dann für Jahrzehnte von Wurstweggen ferngehalten. Bis letzten Sonntag auf ihren Vorschlag selbstgemachte Wurstweggen auf mein Kochprogramm gerieten.

Zutaten
Mengen für 12 Wurstweggen und als Bonus 10 kleine Buletten
1 Paket ausgewallter Fertigblätterteig (2 mal 25×42 cm)
300 g Kalbfleisch gehackt (2mal gehackt)
3 Schweinsbratwürste zu je ca. 120 g, unerwellt
1 mittlere Zwiebel, wenig Butter zum Andünsten
2 ganze Eier
1/2 Peperoncino
6 kleine Cornichons
1 Bund Petersilie
4 Minzblätter
2 Zweiglein Zitronenthymian
Abrieb einer halben Biozitrone
Salz, Piment d’Espelette
Pfeffer, Korianderkörner, Piment alle frisch gemahlen
3-5 Elf. selbstgemachte Weissbrotbrösel
1 Eigelb mit ein paar Tropfen Öl versetzt zum Bestreichen

Hackepeter
Hackepeter
gemischt mit Ei&Kräutern
gemischt mit Ei&Kräutern

Zubereitung
(1) Peperoncino, Cornichons und die Kräuter fein hacken und mit den Eiern vermischen.
(2) gehackte Zwiebel in wenig Butter andünsten und dazugeben.
(3) Kalbshack und die aus der Darmhülle ausgedrückte Bratwurstmasse von Hand dazumischen, mit den Brotbröseln ergänzen und würzen.
(4) Blätterteigplatten in je 6 Rechtecke (ca.12x14cm) schneiden, Längskanten mit wenig Wasser bepinseln. Fleischmasse mit einem Dressiersack (ohne Tülle) als dickes Würstchen auf die Platte drücken. An den Enden 1 cm Rand freilassen. Zusammenklappen, mit einem Gabelrücken etwas andrücken, die Enden bleiben offen.
(5) Backblech mit Backpapier belegen, die Krapfen drauflegen, mit etwas Eigelb bestreichen und im auf 200°C vorgeheizten Ofen ca. 25-30 Minuten ausbacken (Ober-, Unterhitze, Schiene 2).  Gegen Schluss mit einem Backpapier abdecken.

Würstchen
Würstchen
eingeweggt
eingeweggt

Anmerkung
Sehr gut, in dieser Bäckerei wäre ich sofort Stammkunde geworden. Die Farce leicht krümelig, nicht zu kompakt. Gut gewürzt. Und wer ein eigenes Lieblingsbulettenrezept hat, darf auch das einfüllen.

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Val de Travers: Im Reich der grünen Fee (2)

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Môtiers, ehem. Markthalle, heute Hôtel des Six Communes

Im zweiten Anlauf hat es doch noch geklappt. Die Reise ins Val de Travers,  der Wiege des Absinth, „le bercau de l‘ absinthe“.
Das den Jura durchquerende Val de Travers erstreckt sich vom Neuenburgersee quer durch den Jura bis hin zur Grenze zu Frankreich. Einst der direkte Juradurchgang zwischen Bern und Paris, im 19. Jhdt. ergänzt um die wichtige  Bahnlinie Mailand-Paris und heute noch vom TGV Bern-Paris durchfahren. Sehenswürdigkeiten sind u.a. der gewaltige Felsenzirkus des Creux-du-Van, die wilde, abenteurliche Areuse-Schlucht sowie die Asphaltminen von Travers, ein ehemals 100 km langes Labyrinth von Stollen und Gängen, aus denen 1712 bis 1986 Naturasphalt bergmännisch gefördert wurde. Im Minencafé (geöffnet im Sommerhalbjahr)  ist der in Asphalt gekochte Schinken zu empfehlen. Wir sind jedoch wegen der «Grünen Fee» hieher gekommen. Môtiers (NE), die älteste Gemeinde des Val de Travers ist unser Ziel. Ihr Name, wie Mustair, ist auf das lateinische monasterium zurückzuführen.

Ende des ersten Jahrtausends begannen Benediktinermönche mit der Urbarmachung des zum Königreich Burgund gehörenden Tals. Das von ihnen gegründete Benediktinerkloster Saint-Pierre war anfänglich eine Niederlassung des Klosters Cluny.

Prieuré Saint-Pierre
Prieuré Saint-Pierre
Prieuré Saint-Pierre
Prieuré Saint-Pierre

Um das Kloster entwickelte sich allmählich das Dorf Môtiers. Das Priorat hatte anfänglich die kirchliche als auch die weltliche Herrschaft über das Val de Travers inne, bis die Talschaft 1237 von der Freigrafschaft Burgund als Lehen an die Grafen von Neuenburg abgetreten wurde. Diese verdrängten die Mönche sukzessive von den Schalthebeln der Macht. Môtiers entwickelte sich zum regionalen Zentrum des Tales. Mit der Säkularisierung 1536 wurde das Kloster aufgelöst, die Mönche zogen sich in ihr Mutterhaus zurück. Die Gebäude wurden im 19. Jhdt. von einem Schaumweinfabrikanten erworben und beherbergen in den geräumigen und tiefen Kellern heute die grösste Schaumwein-Produktion der Schweiz.

Am Dorfplatz steht die imposante, ehemalige Markthalle der Talschaft (Titelbild), in der vierteljährlich ein Wochenmarkt abgehalten wurde. Der heutige Bau mit Rundbogenarkaden und gotischen Fenstern im Obergeschoss stammt aus dem Jahre 1612.

Die Talschaft gehörte bis 1806 zu Neuenburg, das 1648 Fürstentum wurde und ab 1707 durch einen schlauen Schachzug der Berner mit dem Königreich Preussen verbunden wurde und so den Begehrlichkeiten der Franzosen entzogen wurde. 1806 wurde Neuenburg von Napoleon I. einverleibt, aber 1815 durch den Wiener Kongress der Schweizerischen Eidgenossenschaft zugesprochen, wobei die Könige von Preussen erst 1857, unwillig, auf ihr Sonderrecht als Fürsten von Neuenburg verzichteten.

Maison des Mascarons Museum
Maison des Mascarons Museum
Chateau d'Ivernois
Chateau d'Ivernois

Môtiers war in früheren Jahrhunderten ein beliebter Sommersitz von Neuenburger Adligen. Davon zeugen heute noch verschiedene, repräsentative Gebäude an der Grande Rue. Jean-Jacques Rousseau lebte hier für 3 Jahre im Exil. Das Dorf (heute 800 EW) hat heute den Charme eines verschlafenen französischen Provinzstädtchens.

Der Barbier von Môtiers
Der Barbier von Môtiers
Ländliche Biederkeit
Ländliche Biederkeit

Neben dem Jean-Jacques Rousseau-Haus steht das Maison des Mascarons. Darin untergebracht das Musée Regional d’Histoire et d’Artisanat, das im Winterhalbjahr aber geschlossen ist. Das Museum zeigt das tägliche Leben und die Industrie im Val-de-Travers vom 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, ein Raum ist der Geschichte und der Herstellung des Absinthe gewidmet.
In Môtiers gibts es heute nach meiner Zählung ein paar Absinth-Brenner, alle nahe dem Zentrum: La Valote, Blackmint (Kübler), Absintherie du Père François etc. Zufällig stolpere ich über die Schwelle einer Kleindestillerie: La Valote, ein Zusammenschluss dreier ehemaliger Schwarzbrenner, die heute, jeder nach eigenen Rezepturen, aber unter gemeinsamer Marke, verschiedene Stilrichtungen des Absinthe in Kleinproduktion verkaufen.

Eine von 3 Alambics
Eine von 3 Alambics
nur der Katze wegen gekauft
nur der Katze wegen gekauft

Die vorangegangenen Beiträge zum Thema

Grüne Fee:

Val de Travers: Im Reich der grünen Fee (1)
CH-2314 La Sagne: Mittagessen in der Vergangenheit

 

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Kulinarisches Gruselkabinett (41)

Gruselkabinett (41) Petragesehen im Tessin von Petra, Chili und Ciabatta

Ich habs befürchtet, die Bäcker werden sich mit dem wiederaufgefundenen Bernd nicht zufriedengeben. Etwas bleich, übernächtigt, das Gesicht voller Mehlstaub, hat sich dieser Bäcker vor seine Backstube hingestellt. Und doch wirkt er sympathischer als seine Berufskollegen von der Küchenzunft. Das mag am Daumen liegen, der bei ihm nicht obszön in die Höhe gereckt ist, sondern an der Last einer Replika von Bernd mitträgt.

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Risotto alla milanese puristisch

Risotto alla milanese

Ein Risotto, der seit 20 Jahren heftige Kontroversen auslöst. Der übliche, klassische Safranreis nach Mailänder Art wird mit Safranfäden gefärbt, zum Anschwitzen der Zwiebeln wird Rinderknochenmark verwendet, was dem Gericht zusammen mit dem Safran sein typisches Aroma verleiht. Gerührt wird mit einer kräftigen Fleischbrühe, zum Schluss kommen noch Butter und reichlich Parmesan hinzu.

Sigrid von Il cavoletto di Bruxelles hat kürzlich eine Version gekocht, die letztlich auf Gualtiero Marchesi zurückgehen soll. Vor etwa 20 Jahren habe ich den Risotto im damaligen Mailänder Restaurant von Marchesi gegessen. Davon ist mir aber nur noch die Erinnerung an ein kleines, quadratisches Stück Blattgold geblieben, mit dem der Risotto verziert war.

Um einem Gericht eine würzig-rassige Note zu verleihen, brauchts etwas Säure: in Italien macht man das klassischerweise gerne mit Tomaten oder/und mit Parmesan. Gualtiero Marchesi versucht einen französischen Ansatz, mit viel Wein statt Parmesan, Wasser anstelle von Brühe, ohne das typische Zwiebelsoffrito, Butter anstelle von Mark. Und erhält einen leichten Risotto, dessen Geschmack nicht von Parmesan überdeckt ist. Der Risotto wird anders zubereitet und schmeckt anders, als ich es vom klassischen risotto giallo gewohnt bin: Reis und Safran. Puristisch, elegant und leicht.

Zum Risotto habe ich als Beilage (italienische LeserInnen bitte überlesen)  eine gute, saftige Kalbshaxe serviert, wie sie hier kürzlich schon vorgestellt wurde. Damit lässt sich gut puristisch leben 🙂

Zutaten
200 g Carnaroli Reis
1 Schalotte
Safranfäden 1 reichliche Messerspitze
2.5 dl Weisswein
2 Elf. gute Butter
1 Elf. Parmesan frisch gerieben
Wasser, Salz

Zubereitung
(1) Den Wein in einem Topf 5-10 Minuten kochen um den Alkohol abzudampfen.
(2) Die Schalotte schälen, hacken und in einer Pfanne mit wenig Butter und 2-3 Elf. Wasser auf kleinstem Feuer insgesamt 20 Minuten weichköcheln. Wenig Wasser zufügen und glatt mixen. Beiseitestellen.
(3) Einen Topf mit ca. 8 dl kochendem, leicht gesalzenem Wasser bereithalten.
(4) In einem weitern Topf den Rest des Butters mit den Safranfäden erhitzen, den Reis zugeben und ein paar Minuten leicht anrösten, ablöschen mit dem Wein und unter fortwährendem Rühren und leisem Kochen die verdunstete Flüssigkeit immer wieder mit kleinen Portionen von heissem, gesalzenem Wasser ergänzen.
(5) Nach 20 Minuten Kochzeit die gemixte Schalotte, den Parmesan und die Butter unterrühren.

Anmerkung
Ich hatte nur noch ein wenige Safranfäden und habe darum zum Strecken dem Salzwasser, das zum Risotto gerührt wird, einen halben Beutel Safranpulver zugegeben.

Risotto alla milanese
Risotto alla milanese mit Beilage

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Potage Malakoff

Potage Malakoff

Weit hat ers gebracht, der Sohn einfacher, tschechischer Eltern, Aimable Pélissier. Erst Lieutenant, Aide-Major, Major, General, Generalstabschef, später Oberbefehlshaber der französischen Truppen während des Krim-Krieges (1853–1856), in welchem der Versuch Russlands, sein Gebiet auf Kosten des zerfallenden Osmanischen Reiches zu vergrößern, durch allierte Truppen (Türken, Franzosen, Engländer, ab 1855 auch Piemont-Sardinien mit einigen Schweizer Södnern) vereitelt wurde. 1855 eroberte er nach verlustreichen Kämpfen die Festung Fort Malakow (franz. Malakoff) vor Sewastopol. Potage Malakoff Aimable_Pelissier

Nach Frankreich zurückgekehrt wurde er zum Marschall von Frankreich, später zum Duc de Malakoff geadelt. Höhepunkt seiner Karriere (aus meiner Sicht) war die Verwendung seines Namens für diverse kulinarischer Spezialitäten. Eine davon das Malakoff-püree, bzw. die Malakoffsuppe, einer Suppe, die ihre Bindung durch Purieren der Hauptbestandteile (Kartoffeln, Gemüse) erhält. Wir essen derzeit fast jeden Abend Suppe. Bewährtes Schlankheitsmittel gegen Weihnachtsspeck, füllt den Magen. Andererseits verunmöglicht der Lärm im Haus und die häufigen Fluchtabwesenheiten im Moment einen geregelten Kochbetrieb. Deshalb schnelle Küche.

Zutaten
für 4 Portionen
500 g Kartoffeln, geschält (Nachtrag: festkochende)
400 g Champignons, gewaschen, geschnitten (ich habe nur 250 g verwendet)
1 Zwiebel, gehackt
1-2 Elf. Butter
2 Elf. Tomatenpüree
100 g Blattspinat (meiner tiefgekühlt)
1 l Gemüsebrühe
2 dl Rahm (habe ich weggelassen, beisst sich mit dem Weihnachtsspeck)
1 Prise Salz
1 Prise Pfeffer aus der Mühle
etwas frischen Basilikum
etwas frischen Majoran (anstelle der beiden Kräuter habe ich Anna Fornos Kräuterpaste verwendet)

Garnitur: Kräuter, Cherry-tomätchen geviertelt (waren bei mir alle, ich habe einen halben Peperoncino verwendet) sowie 2  Champignons.

Potage Malakoff ungemixt

Zubereitung
(1) Zwiebeln in Butter leicht andünsten, Kartoffeln und Champignons (2 schöne beiseite legen) zugeben und weiterdünsten. Tomatenpüree beifügen und mitdünsten, dann mit der Gemüsebrühe auffüllen.
(2) würzen und etwa 30 Minuten weichkochen, am Schluss die Kräuter dazugeben. Die Suppe in einem Mixer fein pürieren. Durch ein Sieb in die Pfanne passieren, aufkochen lassen und den Rahm unterziehen. Abschmecken.
(3) Spinat grob hacken, in wenig Butter anziehen und unter die Suppe ziehen.
(4) Anrichten und garnieren mit Kräutern, lamellierten Champignons und Tomätchen.

Anmerkung
Eine dicke, kräftige und doch feine Gemüsecreme. Das Rezept hab ich von hier. Im Rezept meiner Quelle soll der Spinat angeblich mitgemixt werden, was aber nicht stimmen kann, da die Suppe sonst grau-braun würde und bei einer Malakoffsuppe auch nicht üblich ist. Ich habs gerade noch gemerkt und konnte ihn grösstenteils wieder herausfischen 🙂 Rezepte, bei denen food-stylist und Autor in verschiedene Richtungen losgehen, sind für den Leser ärgerlich.

Neben der Malakoffsuppe wurde dem Feldherrn noch die Malakofftorte gewidmet. Von Schweizer Södnern, die im Krimkrieg mitwirkten, sind die Käsebeignets, die Malakoffs, auf uns gekommen.

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Schweizer Trüffel im Kuhpelz

Belper Knolle
Fettuccine mit Belper Knolle

Seit Monaten begegnet mir die Belper Knolle in Käsefachgeschäften. Selbst in Wien wurde sie bereits von titiflora gesichtet. Eine Schweizer Käsespezialität in Form eines weissen Trüffels. Weisser Trüffel ? Da war doch was ? Ach…., der Schmuck in der Pfandleihe. Bei einem Besuch in Belp zum Jahreswechsel habe ich mir beim Hersteller eine Belper Knolle erstanden. Nicht gerade billig, aber bei Weitem billiger als weisser Trüffel.

Belper Knolle
Belper Knolle "Diamant"
Belper Knolle
Belper Knolle Brösel & Hobel

Im Käseladen Glauser (Chäs Glauser) in Belp kann man durch eine Glasscheibe vom Labor getrennt zuschauen, wie die Trüffel hergestellt werden. Die Belper Knolle ist ein pasteurisierter Frischkäse aus Kuhmilch, der zu einer Knolle geformt und so lange ausgereift wird, in der jüngsten Version 9 Wochen, bis er sich zu einem Hartkäse entwickelt hat. Er ist mit gemahlenem schwarzem Pfeffer, Knoblauch und Himalajasalz  umhüllt. Wenn ich auf einer Zusammensetzung Himalajasalz lese, lege ich das Produkt gleich wieder zurück. Hier siegte für einmal meine Neugier. Der Käseteig sei mittelbrüchig, zartschmelzend, schmecke fast wie ein Gewürz, angenehm pfeffrig-prickelnd und habe ein leicht saures, schwach pflanzliches Aroma, verspricht der Produktbeschrieb.
Die Belper Knolle wird auf Pastagerichte, Salate usw.  gehobelt. Je länger er gelagert werde, desto härter soll er werden. Erfunden wurde er schon vor bald 20 Jahren. Mit verstärkten Marketinganstrengungen von Mike Glauser, einem jungen Käser und Lebensmitteltechnologen, ist es gelungen, ihn in der Schweizer Gourmetszene zu etablieren.

Belper Knolle
frisch geknollt
Belper Knolle
Chäs Glauser Belp

Zutaten
250 g breite Nudeln, selbstgemacht oder gekauft
für die Parmesan-Butter-creme:
1 dl Vollrahm
50 g Parmesan, beste Qualität, frisch und fein gerieben
50 g Butter, weich
Salz, weisser Pfeffer, ein Hauch von Knoblauch

Zubereitung
für die Parmesancreme: siehe hier
Fettuccine in Salzwasser al dente kochen, in die heisse Pfanne zurückgeben, mit der Parmesancreme mischen und sofort auf die vorgewärmten Teller verteilen. Die Belper Knolle auf den Teller raffeln.

Anmerkung
Trotz Kauf einer gereiften Knolle war meine Diamant-Knolle noch zu jung, zu weich und konnte mit dem Trüffelhobel nur zerbröselt statt gehobelt werden.  Vielleicht hätte ich den mitangebotenen Originalhobel und die Holzspandose zur heimischen Nachreifung mitkaufen müssen. Der Käse schmeckt nach einem gereiften Frischkäse, Typ Boursin mit Pfeffer und wenig Knoblauch, ist trockener und brüchiger, nicht so cremig wie jener. An sich ausgezeichnet. Wirklich. Mit einem weissen Trüffel hat er natürlich nur die Form gemeinsam. Auf meinen köstlichen Parmesan-Nudeln wirkte er aber eher als Fremdkörper. Hätte ich mir ja denken können. Nun weiss ich es: eine Kuh macht keinen Trüffel. Nudeln mit etwas Olivenöl wären eine geeignetere Unterlage gewesen.

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Soljanka Mjasnaja

Soljanka

Ukrainische Fleischsuppe.  Eine mir bis anhin unbekannte Wintersuppe, die durch ihre Kombination kräftiger und säuerlicher Bestandteile ungewöhnlich, aber sehr gut schmeckt. Gekocht in der Vorspeisengruppe im Kochkurs der Berufsfachschule Basel. Quelle: Saisonküche, 12, 2006

Zutaten
für 4 Portionen:
1 Elf. Butter
100 g Zwiebel
2 Elf. Tomatenpuree
150 g gemischtes Fleisch: z.B. Schinken, gekochte Rippchen, Schweinswürstchen
2 Essiggurken, längs halbiert, fein geschnitten
1 Elf. Mehl
1 L Wasser
je 10 grüne und schwarze Oliven
1 Tlf. Kapern, abgespült
2 Lorbeerblätter
Salz, Pfeffer
1/2 Zitrone, ohne Schalen in dünnen Scheiben oder Filets
2 Dillzweige gehackt
2 Elf. saurer Halbrahm
glattblättrige Petersilie

Soljanka

Zubereitung
(1) Zwiebeln hacken. Fleisch und Wurst in Würfel schneiden. Gurken halbieren und in Streifen schneiden.
(2) Zwiebeln in der Butter in einem grossen Topf andünsten, Tomatenpuree zugeben und bei kleiner Hitze mitdünsten, Fleisch/Wurst und Essiggurken zugeben, weiterdünsten, alles mit dem Elf. Mehl bestäuben, kurz mitdünsten, dann mit 1 L Wasser ablöschen und aufkochen.
(2) Halbierte Oliven, abgespülte Kapern und Lorbeer zugeben und 30 Minuten köcheln lassen. Würzen. Mit Zitrone, Dill, Petersilie und dem Rahm anrichten.

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Sauerkraut-Tortellini an Wacholderschaum

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Tortellini con crauti. Als Sauerkrautravioli hatte ich sie vor Jahren einmal beim damals besten italienischen Koch der Schweiz in Oberägeri (Carlo Delmaestro aus Levanto in den Cinque Terre, 2005 verstorben) gegessen. Seither mache ich sie jedes Jahr einmal im Winter. Die ersten Versuche hatte ich mit einer Mischung aus gehacktem Sauerkraut und Ricotta gemacht, was aber keine gute Bindung der Füllmasse ergab. Heute stelle ich sie mit etwas Kartoffelpüree und Mascarpone her. Bislang überschmelzte ich sie mit brauner Butter, heute habe ich dazu einen Wacholderschaum erfunden, der auch Frau L. zu einem mmmh… Anlass gab. Wenig Worte, aber man versteht sich ja.

Tortelloni ai crauti 0_2009 01 25_8015

Zutaten
für etwa 30-35 Stück
für den Teig (davon wurde nur knapp die Hälfte benötigt, Rest gab Kartoffelravioli):
400 g Weissmehl
100 g Hartweizendunst
4 Eier
3 Eigelb
2 Elf. Olivenöl
1 Tlf. Salz

für die Füllung:
300 g gekochtes Sauerkraut
40 g Kartoffelschnee (von den Kartoffelravioli abgezweigt)
2 Elf. Mascarpone
1 Elf. getrocknete Wacholderbeeren
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

für den finish:
12 Tortelloni für 2 Personen als Vorspeise
60 ml Vollrahm (auch Halbrahm geht)
½ Tlf. (4 g)  Wacholderlatwerge siehe Latwerge, Menge je nach Süsse anpassen
½ Tlf. frisches Eigelb (Schaumstabilisator)
1 Tlf. Kalbsfond
Salz, Pfeffer

vom Dreieck zum Tortelloni
vom Dreieck zum Tortelloni
Rosen für Madame
Rosen für Madame

Zubereitung
für den Teig:
(1) Mehl und Salz in der Kenwoodschüssel vorlegen. Kneter laufen lassen und Eier zugeben, kneten bis eine krümelige Masse entsteht, Eigelb und Olivenöl zugeben. Sobald der Teig klumpt (nötigenfalls noch etwas Eiweiss zugeben) herausnehmen, in Küchenfolie einwickeln und über Nacht im Kühlschrank reifen lassen.
für die Füllung:
(2) Sauerkraut in einem Sieb abtropfen lassen und von Hand gut ausdrücken.
(3) Sauerkraut hacken, Mascarpone und den frisch durchgedrückten Kartoffelschnee sowie die fein gehackten Wacholderbeeren untermischen. 30 Minuten kühl stellen.
(4) Pastateig maschinell feinstmöglich auswalzen (Stufe 8/9, meine 7/9 da ich sie einfrieren wollte), Vierecke zuschneiden von ca. 8 cm Kantenlänge
(7) 2 Seitenränder mit wenig Eiweiss bestreichen
(8 ) ein Tlf. der Sauerkrautmasse auf das Viereck platzieren
(9) Tortelloni formen, gut andrücken und auf eine mit Hartweizengriess bestreute Platte legen und so tiefkühlen. Danach in eine gutschliessende Plasticbox umlagern.

für den finish:
(10) Tortelloni in heissem, aber nicht siedendem Salzwasser gar kochen (6-7 Minuten, wenn tiefgefroren)
(11) derweil Rahm, Latwerge, Kalbsfond auf ca. 70°C erhitzen, würzen, wenig Eigelb zugeben und mit dem Zauberstab aufschäumen. Servieren.

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