Taccole e fagioli, eine Metamorphose

Taccole e fagioli

Pasta e fagioli, vor 3 Monaten gegessen im Ristorante Malakoff bei Signora Fuso in Bellinzona, erwartet habe ich suppige Bohnenkerne und pasta wie hier, im Teller waren tatsächlich braune Bohnen, die pasta aber in Form  grüner Zuckerschoten (Kefen). Das hat so hübsch ausgesehen und so gut geschmeckt, dass ich es nachmachen musste.

Die Herstellung grüner Zuckerschoten aus Pastateig war dann aber doch viel aufwendiger. Unter den Weihnachtsplätzchenausstechern wollte sich einfach keine Zuckerschote finden. Da habe ich dann eine Ente genommen, den Teig damit ausgestochen, Ente geköpft, dann mit einem ovalen Holzplättchen einen Wulst in den Bauch gedrückt: schönste Pasta-Zuckerschoten.

Taccole e fagioli: Enten mit Köpfchen
Enten mit Köpfchen
Zuckerschoten am Fliessband
Zuckerschoten am Fliessband

Dem sagt man in Natur und Kunst Metamorphose.  Der bekannte holländische Künstler Maurits Cornelis Escher hat sich in seinem Lebenswerk mit der Verwandlung von Vögeln in Fische und anderen Transformationen intensiv beschäftigt.

Taccole e fagioli

Frau L. wollte mich beim Ausstechen tapfer unterstützen. Mangels geeignetem Ausstecher hat sie ihre Zuckerschoten etwas anders, moderner interpretiert. Sieht ja aus wie Hundekuchen hab ich ihr gesagt, daraufhin hat sie mich alleine weiterarbeiten lassen. Frau L. fehlt einfach das Verständnis für meine Ernsthaftigkeit beim Kochen. Nach 200 massakrierten Enten hab ich den gefühlten restlichen 800 den Kopf belassen. Später habe ich bei mestolo gesehen, dass ich für meine Arbeit auch ein Teigrädchen hätte verwenden können. Zuviel Ernst ist hinderlich.

Zutaten
für 3 Suppenteller
150 g rote Bohnen oder braune oder Borlotti
30 ml Olivenöl extra
1 Stangensellerierippe
1/2 Peperoncino
2 Knoblauchzehen, gescheibelt
2 Elf. Tomatenpüree
1 Elf. Speckwürfelchen
Pfeffer, Salz, oder an dessen Stelle 1 Tlf. Anna Fornos Kräuterpaste
120 g Pasta-Zuckerschoten

für die Pasta:
400 g Hartweizengriess
1 Tlf. Salz
3 Eier
1 Elf. Chlorophyllextrakt,  aus Spinat extrahiert, Rezept siehe
Spinatmatte

Taccole e fagioli: Soffritto
Soffritto
Taccole e fagioli: Bohnen eingeweicht
Bohnen eingeweicht

Zubereitung
(1) Bohnen in einem Mehrfachen an Wasser über Nacht einweichen. Am andern Tag abspülen.
für die pasta:
(2) Mehl und Salz in der Kenwoodschüssel vorlegen. Kneter laufen lassen und Eier zugeben, kneten bis eine krümelige Masse entsteht,  das Spinatgrün und Olivenöl zugeben. Sobald der Teig klumpt (nötigenfalls noch etwas Eiweiss zugeben) herausnehmen, in Küchenfolie einwickeln und über Nacht im Kühlschrank reifen lassen.
(3) Pastateig maschinell auswalzen (Stufe 5/9), mit Plätzchenausstecher oder dem Teigrad kleine Formen oder Maltagliati ausschneiden, auf einer mit Hartweizengriess bemehlten Platte leicht antrocknen lassen, dann den nicht sofort benötigten Teil einfrieren.
für die Bohnen:
(4) In einer Pfanne Olivenöl, Knoblauch, Peperoncino und die Sellerierippe sanft erhitzen und 10 Minuten leicht andünsten (Soffritto). Dann das Tomatenmark zugeben und kurz mitdünsten.
(5) abgetropfte Bohnen zugeben, mit frischem Wasser (7 dl) zu etwa einem Drittel überdecken, Salz oder Anna Fornos Paste zugeben und ganz langsam köcheln lassen, bis sie weich sind. Bei meinen Bohnen ging das 20 Minuten. Dann mit Pfeffer würzen.
(6) ca. 120 g der grünen pasta zugeben und nochmals 3 Minuten leise kochen lassen.

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Holunderblütendrink mit C

Holunder mit tiefem C 0_2009 06 14_0751

Drinks und Cocktails werden hier sozusagen nie gemischt. Wir bevorzugen Wein. Nach der Gartenarbeit vor einer Woche habe ich dennoch versuchshalber ein paar Dolden Holunderblüten nach Hause genommen. Holunder ist  im Juragärtchen eben erst am blühen. Zwei Dolden habe ich analog  dem Holunderblütenkaltauszug von rike in Genial lecker in kaltem Wasser angestellt, zusätzlich mit 3 Melissenblättchen versetzt und das aromatiserte, duftende, zuckerfreie  Wasser am nächsten Tag mit etwas (C)ampari und frischem Mineralwasser als Aperitiv getrunken. Ausgezeichnet. Schade, dass ich nicht mehr mitgenommen habe, dieses Wochenende soll es wieder regnen.

Mit dem Holunderblüten-Zitronenmelisse-sirup der buntköchin könnte man die Blütezeit etwas verlängern. Die Mischung von Holunderblüten und Zitronenmelisse hat hier schon seit etwa zwei Jahren in einem Sprudelgetränk einer kleinen Mineralquelle in der Ostschweiz grossen Erfolg auf dem Markt als heimlicher Renner unter den Erfrischungswässern (Flauder, Mineralquelle Gontenbad).

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Kartoffel-Thymian-Triangoli

Kartoffel-Thymian-Triangoli 0_2009 05 19_0190

Seit etwas über einem Jahr kocht Gianluca Garigliano in der Osteria Tre, Bad Bubendorf in der Nähe von Basel. Der junge Koch ist schön ehrgeizig: 3 Michelinsterne strebt er an. Die Saisonküche 01/2009 war von seinen Kreationen begeistert und druckte eines seiner Rezepte ab. Das heisst für mich nachkochen, für einen pastakoch kein Problem. Vielleicht fällt dann dereinst auch ein klitzekleiner Schimmer des (künftigen) Sternenglanzes auf mich. Gegessen habe ich in dem Restaurant noch nicht, ich warte noch etwas zu, bis ich das Geld beisammen habe und die Tre Stelle des Michelin am Eingang auch wirklich angeschlagen sind.
Den Teig habe ich nach meinem Rezept (Klammern) gemacht, ich habe die Triangoli am selben Tag im Januar hergestellt wie die Sauerkrauttortelloni. Frau L. half mit, sie zu formen, Triangoli, statt Tortelloni. Seither lagen sie wohlverwahrt und vergessen im Tiefkühler und dienen mir jetzt als schnelle Küche.

Kartoffel-Thymian-Triangoli 0_2009 01 25_8022

Zutaten
für etwa 30-35 Stück
für den Teig (davon wurde nur die Hälfte benötigt, mit der andern Hälfte habe ich Sauerkrauttortelloni gemacht):
400 g Weissmehl
40 g Hartweizengriess (100 g)
2 grosse Eier (4 Eier)
4 grosse Eigelb (3 Eigelb)
5 Elf. Olivenöl (2 Elf.)
1 Tlf. Salz

für die Füllung:
1 L Milch (ca. 5 dl)
6 Zweige Thymian
400 g Kartoffeln, mehligkochend
50 g Butter
100 g Ricotta, über Nacht gut abgetropft in einem Tuch
Salz (im Rezept ist kein Salz angegeben), Pfeffer, Muskatnuss

für den finish:
10 Triangoli für eine Person als Hauptspeise
1 Handvoll dicke Bohnen (fave)
1 kleiner Bund Kerbel
0.3 dl Hühnerbrühe (aus dem Glas)
50 g Butter
Salz, Pfeffer

Kartoffel-Thymian-Triangoli Viereck schneiden
Viereck schneiden
Kartoffel-Thymian-Triangoli Warten auf den Tiefkühler
Warten auf den Tiefkühler

Zubereitung
für den Teig:
(1) Mehl und Salz in der Kenwoodschüssel vorlegen. Kneter laufen lassen und Eier zugeben, kneten bis eine krümelige Masse entsteht, Eigelb und Olivenöl zugeben. Sobald der Teig klumpt (nötigenfalls noch etwas Eiweiss zugeben) herausnehmen, in Küchenfolie einwickeln und über Nacht im Kühlschrank reifen lassen.
für die Füllung:
(2) Milch mit Thymian aufkochen, Topf vom Herd ziehen und 30 Minuten ziehen .
(3) Kartoffeln ungeschält in Salzwasser weichkochen, abtropfen lassen, schälen, in grobe Würfel schneiden und zweimal durch eine Kartoffelpresse drücken.(4) Kartoffelschnee mit der Thymianmilch und Butter verrühren. Ricotta zugeben. Füllung mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. 30 Minuten kühl stellen.
(4) Pastateig maschinell feinstmöglich auswalzen (Stufe 8/9, meine 7/9 da ich sie eingefroren habe), Vierecke zuschneiden von ca. 8 cm Kantenlänge
(7) 2 Seitenränder mit wenig Eiweiss bestreichen
(8 ) ein Tlf. der Kartoffel-Thymian-Füllung auf das Viereck platzieren
(9) Triangoli formen, gut andrücken und auf eine mit Hartweizengriess bestreute Platte legen und so tiefkühlen. Danach in eine gutschliessende Plasticbox umlagern.

Kartoffel-Thymian-Triangoli 0_2009 05 19_0192

für den finish:
(10) Triangoli in heissem, aber nicht siedendem Salzwasser gar kochen (6-7 Minuten, wenn tiefgefroren)
(11) derweil Brühe aufkochen, kalte Butter in Flocken unterschlagen. Bohnen und grob gehackten Kerbel zugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Zu den Triangoli servieren.

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Couscous gartenfrisch und grünlich

Couscoussalat grün 0_2009 06 11_0685

Ein schnelles Couscous aus gartenfrischen Hülsenfrüchten, Kräutern und griechischem Feta. Ich gebe zu, dass mich bei diesem Gericht zunächst nur die Farben gelockt haben. Frau L. hats aber ausgezeichnet geschmeckt und auch mir mangelte keine Wurst. Ganz oben in der Liste unserer Sommergerichte. Nach einer Idee in der Saisonküche Juni 2009. Von mir leicht umgebaut. Der Beitrag ist mir letzte Woche kurzzeitig rausgerutscht. Save und Schedule verwechsle ich immer wieder. Wenn ich nur nicht versehentlich den Knopf Delete Blog erwische.

Zutaten
Leichte Vollmahlzeit für 2 Personen
130 g Couscous mittelfein
190 ml Gemüsebrühe
25 g Butter
150 g Kefen (Zuckerschoten) gerüstet
120 g Erbsen, ausgelöst
2 Frühlingszwiebeln (Bundzwiebeln)
2 Zweiglein Dill
1/2 Bund Petersilie glatt
1/2 Biozitrone, Saft und Abrieb
2 Elf. Olivenöl extra
2 Elf. Weisser Balsamessig Gölles
1/2 Tlf. Kreuzkümmel, frisch gemahlen
Salz, Pfeffer
100 g griechischer Schaf-/Ziegenmilchfeta (barrel stored)

Couscoussalat grün 1_2009 06 11_0681

Zubereitung
(1) Couscous in eine Schüssel geben, mit kochender Gemüsebrühe übergiessen, 5-8 Minuten quellen lassen. Mit einer Gabel auflockern und die Butter unterziehen.
(2) Kefen fädeln. In kochendem Salzwasser 2-3 Minuten blanchieren. Mit der Siebkelle herausholen, in kaltem Wasser abschrecken und in grobe Stücke schneiden. Erbsen im gleichen Wasser ca. 1-2 Minuten blanchieren, abgiessen und in kaltem Wasser abschrecken.
(3) Bundzwiebeln samt brauchbarem Grün fein schneiden. Kräuter zerzupfen.
(4) Zitronensaft, -abrieb, Olivenöl und Essig sowie die Gemüse und Kräuter unter das Couscous mischen. Würzen mit Salz, Pfeffer und Kreuzkümmel.
(5) Fetakäse darüber bröseln.

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Spargelrösti kopflos

Grünspargelrösti 0_2009 05 27_0421

Von meiner Grünspargelchartreuse her sind ein halbes Pfund kopflose und deshalb trostlos anzusehende Spargelstangen übrig geblieben. Die Kehrseite der „Spitzen“-küche. Spargelsuppe wie bei Johannes ? Spargelpizza wie bei Bollis kitchen ?
Nein, Spargelstreifenrösti, gesehen in der Saisonküche 04/2008 und vor drei Wochen in veredelter Form bei Alex von Cuoche dell’altro mondo. Die Stangen mit dem Sparschäler in Streifen geschnitten und zusammen mit Kartoffelstreifen eine Rösti gebraten. Ok. Keine richtige Rösti, aber als Restenverwertung gar nicht schlecht.

Zutaten
für 2 Portionen
400 g festkochende Kartoffeln letztjährige Charlotte
250 g Spargelstangen, 5 hatten noch die Spitze dran, zur Deko verwendet
Salz, Pfeffer, Muskatnuss
2 Elf. Butter
2 Elf. Olivenöl

Grünspargelrösti 1_2009 05 27_0409

Zubereitung
(1) Spargelstangen im untern Drittel schälen, Enden frisch anschneiden. Mit einem nicht allzusparsamen Sparschäler vom dicken Ende her Streifen abziehen.
(2) Kartoffeln im Dampfsieb halbgar kochen und über Nacht offen ausdampfen lassen.
(3) Kartoffeln schälen und längs durch eine Röstiraffel reiben, möglichst lange Streifen sind erwünscht.
(4) Kartoffeln mit den Spargelstreifen mischen, mit Salz und Pfeffer würzen.
(5) Das Öl in zwei grossen, beschichteten Pfannen heiss werden lassen, Kartoffeln und Spargeln zugeben, etwas flach drücken und die beiden Kuchen ca. 8 Minuten bei mittlerer Hitze anbraten, mit Hilfe eines flachen Pfannendeckels wenden und nochmals 8 Minuten anbraten. Die Butter nach und nach zugeben.
Die längs halbierten Spargeln mit Kopf, hab ich am Rand mitbraten lassen.

Anmerkung
Die Kartoffeln hatte ich leider ganz und gar durchgekocht, mein Kopf war nicht voll bei der Sache. Es hat trotz der verunglückten Kartoffelspäne gut geschmeckt, Nur Frau L. hats gemerkt.

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Gâteau chocolat mit Olivenöl und Rosmarin

Gâteau chocolat 0_2009 06 08_0668

Schokoladekuchen mit flüssigem Inhalt sind schon vor Jahren erfunden worden, eine Entwicklung, die ich als Wenigsüss-Esser völlig verschlafen habe. Erst waren es die halbgegarten Biskuits, die gâteaux moelleux, die punktgenau gegart werden müssen, später der Biscuit au chocolat coulant von Michel Bras, mit einem gefrorenen, eingebackenen Kern aus Ganache, heute state of the art. Petra von Chili & Ciabatta und Claudia von foolforfood haben die Version mit dem Kern längst eindrucksvoll umgesetzt.

Endgültig ins Netz der Versuchung gegangen bin ich aber erst einem verführerischen Schokoladeküchlein mit Olivenöl und Rosmarin (Rezept aus effilee #3/2009). Unwiderstehlich. 30 Minuten nach Beschlussfassung standen die Küchlein auf meinem Teller. Supereinfach. Supergut. Gutes Olivenöl vorausgesetzt, dominiert es die Schokolade keineswegs, das Küchlein ist ein ausgezeichneter, zarter, eher herber Schokoladekuchen. Notabene mit nur 1 g Mehl pro Küchlein. 2 Küchlein hätten es werden sollen. 3 sind es geworden. Es gibt hier aber keine Konkubine zu vermuten. Meine Förmchen waren einfach zu klein.

Zutaten
50 g dunkle Schokolade (Lindt 70%)
25 g gute Butter
25 g Olivenöl, mildes aus Ligurien
10 Rosmarinnadeln, fein gehackt
20 g Zucker
1 Ei
1 Eigelb
3 g Mehl (anstelle von Mehl habe ich Maisstärke, Maizena/Mondamin verwendet)
Kakao zum bestäuben.

Gâteau chocolat 1_2009 06 08_0663
Ei-Zucker schlagen
Gâteau chocolat 2_2009 06 08_0664
bereit zum backen

Zubereitung
für 2 Förmchen
(1) 2 Förmchen, vorzugsweise aus Silikon, gut einfetten und mehlen. Besitze ich nicht, ich verwendete ein beschichtetes Alu-Muffinblech mit 7cmx2.5cm Vertiefungen, ergab 3 Küchlein.
(2) Butter, Olivenöl, Rosmarin und Schokolade in einem kleinen Topf im Wasserbad (40°C) oder über kleinster Flamme unter gelegentlichem umrühren schmelzen.
(3) Ofen auf 240°C (U-/O-hitze, Schiene 2) vorheizen.
(4) Ei, Eigelb und Zucker mit dem Schneebesen schlagen, bis die Mischung dickflüssig und hell wird. Nicht mit einer Küchenmaschine, da sonst der Schaum zu viel Luft enthält und die Küchlein stark aufgehen und platzen könnten.
(5) Die geschmolzene Schokoladenmischung in das Eigemisch rühren, am Schluss das Mehl, bzw. die Stärke einsieben und unterziehen. Dann in die Förmchen füllen.
(6) Die Förmchen in den Ofen geben und ca. 6 Minuten ausbacken. Wenn oben eine zusammenhängende Kruste entstanden ist, sind die Küchlein fertig. Ich hatte sie 6.5 Minuten drin, einen tick zu lange.
(7) Die Förmchen mit einem Handschuh in die linke Hand nehmen und sie beherzt in die rechte Hand in ein Tüchlein kippen. Mit Förmchen geht das einfacher als mit einem Muffinblech, bei dem alle 3 Küchlein gleichzeitig rausspringen wollen. Aber es geht, wenn die Hand genug gross ist 🙂
(8) Mit Kakao bestäuben und sofort servieren.

Weitere Rezepte mit Schokolade und Olivenöl:

Tortina di cioccolato

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Chartreuse von Grünspargel und Morcheln

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Und noch eine Chartreuse. Ein post von Gérald Rabaey, einem Schweizer Sternekoch, hat mich darauf gebracht, mich überhaupt mit diesen kapriziösen Dingern zu befassen.
Der erste Versuch, ziemlich der Vorgabe entlang gekocht, ging total daneben. Die aufrecht gestellten Spargelstangen stürzten beim abheben des Ringes ein, wie Tannen in einem schweren Sturmwind. Die Fülle lief aus dem Ring, bevor die Ei-Rahmmasse gestockt war. Der zweite Versuch war schon besser, aber auch hier drückte die Füllung zwischen den Spargelstangen durch und verunstaltete den Anblick. Erst die mit der Mairübchen-Karotten-Chartreuse gewonnenen Erkenntnisse brachten den Durchbruch: runde Spargeln lassen sich mit einem Messer begradigen 🙂  und im Formring mit wenig Kartoffelpüree fest aufstellen. Die saucenverkleckerten Spargelspitzen: kleiner Betriebsunfall.

Grünspargelchartreuse3_3_2009 05 24_0298

Zutaten
für 2 Chartreusen in 2 Metallringen 8cm/4.5cm
30 feine Grünspargeln (ca. 600 g)
100 g frische Morcheln
ca. 30 g Butter
100 g Vollrahm
20 g Schalotten, fein gehackt
1 kleine Knoblauchzehe, gehackt
1 Zweig Thymian
0.5 dl weisser Portwein
150 g Kartoffeln, festkochend
wenig Milch, 1 Elf. Butter
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung
für die Spargelkrone:
(1) 1-2 cm der Spargelenden abschneiden, das dicke Ende bei Bedarf schälen. Mit einem feinen Sparschäler die Spargeln auf zwei gegenüberliegenden Seiten einmal durchziehen, damit eine glatte Fläche entsteht, wenn man die Stengel nebeneinander aufstellt. Stichwort: gleichschenkliges Trapez. Spargelspitzen genau 7.5 cm lang abschneiden. Die Spitzen in kochendem Salzwasser 1-2 Minuten blanchieren, herausheben und in kaltem Wasser abschrecken, gut abtropfen und mit Küchenpapier trocknen. Die verbleibenden Stengel im kochenden Wasser ca. 3-4 Minuten knackig garen, in kaltem Wasser abschrecken, gut abtropfen und mit Küchenpapier trocknen. Aus den Stengeln genau 4.5 cm (Höhe der Ringe) lange Stücke schneiden.
(2) Die Kartoffeln ungeschält in Salzwasser garen. Schälen und durch eine Presse zu Püree drücken. Einen Elf. Butter und wenig Milch hinzu, mit Salz, Pfeffer, Muskat würzen und mit einer Gabel zu einem eher dicken Püree verrühren.
(3) Die beiden Formringe sehr gut einbuttern, dann auf einem runden Kuchenblech auf ein Stück gebuttertes Backpapier abstellen. Abwechslungsweise 1 Spargelspitze und 1 Stengel dem Rand entlang satt aufstellen bis der Rand des Ringes palisadenartig gefüllt ist. Mit Hilfe eines kleinen runden Ausstechers als Haltehilfe kann man das umfallen vermeiden. Den inneren Ausstecher hochziehen, das Spargelrund steht jetzt wie eine römische Bogenbrücke von alleine.
(4) Einen Teil der Spargelresten in feine Scheiben schneiden und auf dem Boden der Ringe flach verteilen.
(5) Kartoffelpüree möglichst dünn auf Boden und Wände der Form streichen, das stabilisiert die Palisadenwand.

Grünspargelchartreuse3_4_2009 05 24_0306

für die Füllung:
(6) Morcheln der Länge nach entzweischneiden, unter fliessendem Wasser waschen, auf Küchenpapier gut antrocknen.
(7) Gehackte Schalotte, Knoblauch und grob geschnittene Morcheln in 20 g Butter dünsten, mit 0.5 dl Portwein ablöschen, salzen, pfeffern, Thymianblättchen zugeben und leise köcheln bis die Flüssigkeit weitgehend verdampft ist.
(8) den Rahm hinzugeben, leicht reduzieren, bis eine dickflüssige Creme entstanden ist.

für den finish:
(9) Die Spargelkrone auf dem Kuchenblech in einen auf 150°C vorgeheizten Ofen schieben, und etwa 5 Minuten heiss werden lassen. Herausnehmen und auf dem Backpapier auf den vorgewärmten Teller stellen, Backpapier unter der Form wegziehen, die Morchelfüllung vorsichtig einfüllen und den Formring vorsichtig hochheben.

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Gaertnergurken

Gaertnergurken 0_2009 06 06_0591

Die Gurken haben ihren Namen nicht etwa von der Jumbo-sorte Gaertnerstolz, sondern von Pierre Gaertner, dem ehemaligen Patron des Restaurants Aux Armes de France, einem Schüler des berühmten Fernand Point. Wir haben damals hin und wieder in seinem Restaurant gegessen, das heute von seinen Söhnen geführt wird. Unvergessen die von Fernand Point beeinflussten filets de sole aux nouilles façon Gaertner. Wie wir zu dem Gurken-Rezept gekommen sind, weiss ich nicht mehr. Die von uns so benannten Gaertnergurken (concombres selon Pierre Gaertner) werden in einem Gewürzsud mariniert. Eine einfache, aber wirklich köstliche und knackige Beilage zu kaltem Fleisch, und das ohne ein einziges Blättchen Dill ! Wir haben sie hier zu unserer Terrine aux Herbes de Provence serviert.

Zutaten
2 mittlere, knackige Gartengurken, bei uns vom Typ Nostrano, nicht vom Typus hors-sol Schlangengurke aus Holland
0.5 dl Weisswein
0.5 dl Sherryessig
1 dl Wasser
1/2 Tlf. Salz
1/2 Elf. Zucker
1 Zweig Basilikum
1 Zweig Estragon (wenn möglich französischer)
1 kleines Lorbeerblatt zerrieben oder mehrfach eingeschnitten
1/2 Elf. Moutarde de Dijon

Gaertnergurken 1_2009 06 06_0587
schälen geht schneller als fotografieren
Gaertnergurken 2_2009 06 06_0589
Sud, gar nicht geheimnisvoll

Zubereitung
(1) Gurken schälen, längs halbieren, Kernhaus entfernen, 4 cm lange Stücke schneiden.
(2) In ein Sieb geben, salzen, gut mischen und eine Stunde abtropfen lassen. Mit Küchenpapier abtupfen und in einer Schüssel mit dem Senf mischen.
(3) Essigwasser aufkochen, Gewürze und Zucker zufügen, nochmals aufkochen und heiss über die Gurken schütten. Zugedeckt an einem kühlen Ort über Nacht marinieren lassen. Danach sind sie essbereit.

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