Alle Beiträge von lamiacucina

Chemie-Ingenieur. Passionierter Koch-Dilettant. Mediterrane Küche, Molekulargastronomie.

Junge Erbsen. Junges Kalb. Junge Kartoffeln.

Junge Erbsen 2013 06 30_0810

Was heisst schon, mit Anstand alt zu werden ? Lieber unanständig jung bleiben (frei nach Olga Tschechova). Zum Beispiel mit: T-Bone-Steak vom jungen Kalb, jungen Ofenkartöffelchen und mit jungen Erbsen an Haselnuss-Pfefferminz-Vinaigrette. Einzig die Haselnüsse waren noch vom letzten Jahr und wenn ich diesen post nicht einem Stapel von Liegengebliebenem entrissen hätte, sähe er wohl ziemlich alt aus.

Junge Erbsen 2013 06 30_0811

Zutaten
für das Fleisch:
400 g T-Bone Steak vom Kalb
Olivenöl
Knoblauch, Rosmarin
Fleur de Sel

für die Erbsen:
500 g Junge Erbsen
Fleur de Sel
schwarzer Pfeffer

für die Vinaigrette:
50 g zerdrückte Haselnusskerne
1 Handvoll Pfefferminze, grobgehackt
1 dl Weisswein
1/2 Peperoncino, entkernt, fein geschnitten
1 Elf. Zucker
1 Elf. Zitronensaft
1 dl Zitronenöl
50 ml Apfelbalsamessig
Kräutersalz
Schwarzer Pfeffer
Pfefferminz in Streifen

für die Kartoffeln:
Junge Kartöffelchen für 2 Personen
Olivenöl
Fleur de Sel
Rosmarin

Junge Erbsen 2013 06 30_0813

Zubereitung:
(1) Erbsen pulen. In kochendem Salzwasser 2 Minuten lang knackig blanchieren. Abschütten, Abtropfen.
(2) Wein aufkochen, gehackte Minze und Peperoncino zugeben und zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Danach durch ein feines Sieb passieren.
(3) Den Zucker leicht karamellisieren. Mit dem Pfefferminz-Fond und Zitronensaft ablöschen und auf ca. 4 Elf. einkochen lassen. Mit Zitronenöl und Essig aufmixen.  Kurz vor dem Servieren mit den zerdrückten Haselnüssen unter die Erbsen mischen und die Pfefferminzstreifen unterziehen.

Der Rest ist Beilage:
Fleisch über Nacht mit etwas Olivenöl, Rosmarin, Knoblauch marinieren. In der Pfanne anbraten.
Junge Kartöffelchen waschen, trocknen, mit Olivenöl einreiben, mit Fleur de Sel bestreuen und mit Rosmarin und Knoblauch im Ofen be 210°C ca. 25 Minuten backen

Junge Erbsen 2013 06 30_0814

Tomaten-Auberginen-Peperoni-Confit

Tomaten-Auberginen-Confit 2013 08 17_1426

Die einen schwören auf ihre gerösteten Ofentomaten für den Winter. Die andern auf ihre Sommergemüsecrème. Da nicht alle auf dasselbe schwören können, schwöre ich halt auf meinen herbstlichen Tomaten-Auberginen-Peperoni-Confit. Mein Maschinchen macht den beinahe von alleine. Das Gemüse wird mit Haut und Kernen grob gewürfelt in das Maschinchen geworfen und dreht dort bei Temperaturen knapp über 100°C während ca. 2 Stunden. Heisser werden auch Ofentomaten nicht. Das hat physikalischen Gründe. Das Gemüse konzentriert sich dabei auf, wird immer weniger und weniger und schmeckt dadurch immer besser, vorausgesetzt, es ist reif und aromatisch. Was schlecht schmeckt, oder nach nichts schmeckt, wird durch das Aufkonzentrieren nicht besser. Durch die Reibung beim Drehen der Paste werden die Häute der Gemüse teilweise zerrieben und aufgelöst.

Und wer kein Maschinchen (Ken.wood Coo.king Chef) hat, wende sich vertrauensvoll an die oben genannten Bloggerinnen. Mit deren Rezepturen wird es mindestens so gut.

Tomaten-Auberginen-Confit 2013 08 17_1422
das Ausgangsmaterial

Zutaten
2 Elf. Olivenöl
400 g Aubergine (vorzugsweise Sorte Viola oder die getigerten, mit dunkelvioletten wird der Confit eher braun-rot)
1 rote Zwiebel (100 g)
1 Peperoni, entkernt
2 Knoblauchzehen
1 kg allerbeste Tomaten
3-4 dl beste Tomatenpassata
Salz, Pfeffer
Kräuter nach Belieben

Tomaten-Auberginen-Confit 2013 06 24_0803
Der fertige Confit mit Haut und Haaren Kernen

Zubereitung
Zwiebel und Knoblauch hacken, das geputzte Gemüse in ca. 2cm grosse Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch in der Maschine bei 120°C 2 Minuten mit dem Flexihaken auf Stufe 1 andünsten. Auberginen und Peperoni zugeben und weitere 10 Minuten bei 120°C dünsten. Temperatur auf 100°C stellen. Anschliessend einen Teil der Tomatenwürfel zugeben. Bei offenem Schild und nur soviel auf einmal, dass die Flüssigkeit verdampfen kann und eine dicke Paste entsteht. Dann die nächste Portion Tomaten zugeben u.s.w. Die Passata benutze ich erst, wenn die Pasta zu dick (trocken) wird und glaciere damit portionsweise. Stattdessen könnte man auch die Temperatur niedriger stellen. Gegen Ende ggf.  Kräuter nach Bedarf hinzugeben. Zum Schluss abschmecken mit Salz und Pfeffer.

Wer die Kerne und Häute völlig weg haben will, kann die Passata aufs Mal zugeben und den dünnflüssigeren Confit danach durch ein mittelfeines Sieb passieren.

Tomaten-Auberginen-Confit 2013 08 17_1434
Der Confit, mit Passata verdünnt und filtriert

Verwendung: der dicke Confit als Pizza- und Kuchenbelag, als Zusatz zum aromatisieren von Béchamel (köstlich), der dünne Confit als Pastasauce für Nudeln und Lasagne und… und…

Tomaten-Auberginen-Confit 2013 06 25_0800
Der Confit auf einem Kuchen, mit frischen Peperoni aufgekocht

Mit diesem Prinzip müsste es möglich sein, „sonnengetrocknetes“ strattù aus Tomaten herzustellen. Wahrscheinlich muss man sehr lange rühren lassen bei 40-50°C. Vielleicht wage ich mich einmal daran.

Nachgekocht: Holunderkapern

Holunderkapern 2013 08 21_1490

In Holunder-Bäumen hausen die guten Hausgeister. Auch wenn mein Holunder während der letzten 10 Jahre an Grösse derart zugelegt hat, dass das Gewürzbeet teilweise im Vollschatten liegt: er darf bleiben und weiterwachsen und den Vögeln (Elstern und Krähen) als Futterbaum dienen. Holunderbeeren konnte ich noch nie ernten. Die Vögel waren immer schneller. Schade, dass sie sich an keine Spielregeln halten wollen. Statt Dolde um Dolde in Angriff zu nehmen, werden immer alle Dolden gleichzeitig angefressen. Und das nicht erst, wenn die Beeren rot und reif sind. Schon lange vorher nimmt der Behang laufend ab.
Aber diesmal hab ich das liebe Vogelpack überrumpelt. Ein junger Wildtrieb, der aus einer Weissdornhecke empordrängt, war geragelt voll von Fruchtdolden, immer noch grün mit vereinzelt roten Bäckchen, und das Ende August. Danke an die Wilde Henne, dass sie mich per email an das Rezept von tomatenblüte erinnerte. Ich habs nachgekocht.

Das Abbeeren ist mühevolle Arbeit. Ich wollte besonders schlau sein, hab sie mit einem Heidelbeerkamm abgerupft und hoffte, sie nach dem Kochen leichter von den feinen Stielen separieren zu können. Aber damit war nichts, das Abbeeren ist und bleibt mühevolle Handarbeit. Beere um Beere. Die ganz dünnen Stielchen habe ich deshalb dran belassen.

Holunderkapern 2013 08 19_1464

Zubereitung
Kursiver Text von tomatenblüte kopiert:

Ein paar grüne Dolden abschneiden.
Die grünen Beeren abzupfen. (Viel Spaß… das ist echt mühsam).
Die Beeren mit
(L.: befeuchtetem) Meersalz in ein Glas füllen.
Eine Nacht stehen lassen.
Abspülen und in Salzwasser 4 Minuten kochen.
Abseihen und wieder in ein Glas füllen (das Ganze ist mächtig geschrumpft).
Mit Essig und einem TLf. Salz auffüllen.
Fertig.

Ich hab zudem die Flüssigkeit nach einem Tag abgesiebt, nochmals aufgekocht und heiss weder über die Beeren gegossen.

Holunderkapern schmecken leicht sauer, nach reifem Holunder und ein ganz wenig nach Kapern. Ein Rezept aus dem LiebeLandHeimatLust-Segment,  Wirds zu Siedfleisch geben, sobald Siedfleischwetter ist.

CH-5466 Kaiserstuhl: wo sitzt der Kaiser ?

CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 12_1355

Das Zwergenstädtchen Kaiserstuhl liegt am Rhein zwischen Basel und Schaffhausen und zählt zu den zwei kleinsten Gemeinden der Schweiz. Einen richtigen Kaiserstuhl wie in Goslar gibt es hier nicht zu besichtigen, und ob sich hier einmal ein deutscher Kaiser auf einen Gerichtsstuhl gesetzt hat, wie etwa Otto III. im badischen Kaiserstuhl, weiss die Geschichtsschreibung nicht zu berichten.

Name und Wappen gehen auf die Freiherren von Kaiserstuhl (Keisuresstuol) zurück. Im «Kleinen Urbar» des Klosters Wettingen wird die Ortschaft 1227 erwähnt. Die Stadtgründung geht auf das Jahr 1254 zurück. Ende des 13. Jahrhunderts war das habsburgische Lehen im Besitz der Regensberger, diese, in Geldnöte geraten, mussten es letztlich samt Brücke, Burg und weiteren Rechten in den umliegenden Dörfern  an den Bischof Heinrich II. von Konstanz verkaufen. Kaiserstuhl diente danach bis 1798 als Zentrum der konstanzischen Landesverwaltung. Kaiserstuhl hatte dadurch den Rang einer Landstadt des Heiligen Römischen Reichs. Die Konstanzer Landvögte residierten auf der Burg Rotwasserstelz (Rötteln).

CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 12_1358
Blick in die stotzig abfallende Hauptgasse

Kaiserstuhl liegt am südlichen Brückenkopf einer mutmasslich schon seit Römerzeiten bestehenden Brücke über den Fluss. 1294 ist eine hölzerne Rheinbrücke verbürgt. Das Städtchen liegt in Form eines Dreieckes am steil abfallenden Rheinufer. Überragt wird es durch den Oberen Turm, der Mitte des 13. Jahrhunderts als südlicher Eckpfeiler der Stadtbefestigung erbaut wurde. Die Stadtmauern und die zwei unteren Türme am Rheinufer existieren nicht mehr. Am nördlichen Rheinufer (heute auf deutschem Gebiet) steht das Schloss Rotwasserstelz.

CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 20_1461
Burg Rotwasserstelz

1415 eroberten Berner und Eidgenossen weite Teile der habsburgischen Gebiete im heutigen Aargau. Die Landeshoheit ging damit an die gemeineidgenössische Grafschaft Baden über. Verwaltet wurde Kaiserstuhl weiterhin durch Konstanzer Landvögte, die bischöfliche Herrschaft war durch die neuen Landesherren aber entscheidend geschwächt.

CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 12_1359
Widderbrunnen an der Hauptgasse

Als katholischer Ort an der konfessionellen Grenze gelegen, bildete Kaiserstuhl einen wichtigen Vorposten für die katholischen Orte. In beiden Villmergerkriegen 1655/56 und 1712 wurde der Ort durch die reformierten Zürcher besetzt. Durch gezielte Verlagerung des rheinquerenden Landverkehrs auf eigenes Gebiet (über die Brücke von Eglisau) versuchten die Zürcher erfolgreich, dem Städtchen Kaiserstuhl die Zolleinnahmen abzugraben. Von der Schifffahrt auf dem Rhein profitierte Kaiserstuhl kaum, da es kein Stapelrecht (das Recht einer Stadt, von durchziehenden Kaufleuten zu verlangen, dass sie ihre Waren in der Stadt für einen bestimmten Zeitraum anboten). Dennoch gelangte die Stadt zu erstaunlichem Wohlstand, den die Bewohner durch Fleiss, Weinbau und Viehzucht, in bischöflichen Ämtern, fremden Sold-Diensten und im Kreditwesen erzielten. Davon zeugen heute noch die prachtvollen historischen Bauten.

CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 12_1367
ehemaliges Wirtshaus zur Krone, um 1550

1563 erbaut, diente das St. Blasieramtshaus dem Benediktinerkloster St. Blasien, das mehrere Gutshöfe um Kaiserstuhl besass, als Sitz des Klosterschaffners und als Zehntenscheuer.

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Ehemaliges Amtshaus des Klosters St. Blasien, 1563
CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 12_1365
Ehemaliges Amtshaus des Klosters St. Blasien, 1563

An ein französisches Stadtpalais erinnert die repräsentative Dreiflügelanlage mit Ehrenhof, die 1764 für Marschall Johann Jakob Mayenfisch, der im Solddienst Frankreichs zu grossem Vermögen gekommen war, erbaut wurde.

CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 12_1364
Mayenfisch- oder Marschallhaus 1764

Südlich angrenzend an den oberen Turm liegt das 1764 im Auftrag des Schultheissen Moritz Buol als Gasthaus erbaute Haus zur Linde. Heute als Wohnsitz genutzt.

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ehemaliger Gasthof „Weisses Kreuz“. Heute Haus zur Linde.
CH-5466 Kaiserstuhl 2013 08 12_1369
Hauseingang zur Linde

Mit der Errichtung der helvetischen Republik und durch den Friedensschluss von Lunéville zwischen Frankreich und Oesterreich verlor Kaiserstuhl 1798 das gesamte rechtsrheinische Gemeindegebiet an das 1806 gegründete Grossherzogtum Baden. Die verlorenen Gebiete umfassten die fünffache Fläche des Städtchens  (u. a. das Dorf Hohentengen mit der ehemaligen Pfarrkirche). Vorerst blieben grosse Teile des Rebbergs in Hohentengen in Besitz von Kaiserstuhler Einwohnern. Die Bewirtschaftung über die Grenze hinweg stiess aber auf unüberwindbare Probleme, ab 1910 war Schluss mit Weinbau. Ab 1983 wurden die ehemaligen Reblagen wieder neu bepflanzt,  Heute ist mit dem Engelhof wieder ein blühendes Weingut entstanden, das sich mit seinen südlichsten Weinen Deutschlands im untern Preissegment eines guten Rufes erfreut. Da der Kofferraum schon mit Wein gefüllt war, beliess ich es dabei.

Quellen:

Kaiserstuhl wiki
Historisches Lexikon der Schweiz

Mandilli di Seta und etwas Halbwissenschaft

Mandilli di seta 2013 08 15_1407

Eine wenig bekannte Spezialität Liguriens sind Mandilli di seta: hauchdünne Pastatücher, mit Basilikumpesto serviert. Mandilli di seta (im Dialekt: Mandilli di saea) sind Seidentaschentücher, für deren Herstellung die Stadt Genua seit dem Mittelalter bekannt ist. Der Begriff Mandilli stammt ursprünglich aus dem Arabischen منديل (mandiil), gelangte von dort nach Spanien, Frankreich (alt-Fr. mandil) und Italien (lat. mantile) und steht für ein kurzes Tuch.
Wie herrlich doch allereinfachste Gerichte schmecken können. Dafür lasse ich mit Freuden 5 Gänge eines miniportionierenden Sternekochs stehen. Nur Lasagneplatten aus der Fabrik kann man gleich vergessen. Diese pasta muss man selber auswalzen.

Zutaten
für den Pastateig (ein weicher Ravioliteig):
120 g Weissmehl
30 g Hartweizendunst (Semolina di grano duro rimacinato)
1 Ei
2 Eigelb und evtl. noch wenig Eiweiss
1 Elf. Olivenöl
Prise Salz

für den Basilikumpesto:
50 g Basilikumblätter
2 Elf. leicht geröstete Pinienkerne
2 zerdrückte Knoblauchzehen
1 dl kalt gepresstes, ligurisches Olivenöl (L.: südfranzösisches)
30 g geriebener Parmesan
20 g Pecorino
1/2 Elf. Fleur de sel
schwarzer Pfeffer

Mandilli di seta 2013 08 15_1403

Zubereitung
für den pastateig:
(1) nach diesem Rezept: Ravioliteig. 1 Stunde, in Folie eingewickelt, kühl stellen. Dann bis auf die drittfeinste Stufe der pastamaschine herunter auswalzen. Die Teigplatte mit Folie zugedeckt sich entspannen lassen, dann weiter auswalzen auf die feinste Stufe.  Also bis dahin, wo billige pastawalzen beim Walzen zu eiern beginnen und unregelmässige Spuren im Teig sichtbar werden. Stücke von ca. 10×10 cm abreissen oder abschneiden.

In meinem Warenhaus hab ich ein frisch angeliefertes Öl entdeckt. Das kam mir von Beiträgen aus Bollis Kitchen und marqueee her bekannt vor. Ein Vergleichstest mit meinem bisherigen Öl fiel zugunsten von Montfrin aus. Ein zahlbares, gutes Alltags-Olivenöl. Zu diesem Preis darf man jedoch kein artisanal hergestelltes Öl erwarten.

Mandilli di seta 2013 08 15_1402

für den Basilikumpesto:
(2) Basilikumblätter ohne Stiele grob zerkleinern, mit den Pinienkernen, dem Knoblauch und dem Käse mit eiskaltem Olivenöl im Cutter in kurzen Impulsen grob pürieren.
(3) Mit fleur de sel und Pfeffer würzen

finish:
(4) pastatüchlein in kochendem, gesalzenen Wasser al dente kochen.
(5) pasta abgiessen, in den Topf zurück geben und den pesto vorsichtig einrühren, so dass die Teigtüchlein allseitig von pesto überzogen sind. Servieren und den restlichen pesto oben drauf geben.

Entgegen dem üblichen Rezept habe ich noch 100 g feinste, 2×2 mm grosse Zucchiniwürfelchen mit 1 Tlf. Salz gemischt, 1/2h stehen gelassen, dann gut ausgedrückt und roh in den pesto gemischt. Schon wieder ein Zucchino weg.

Warum eiskaltes Olivenöl ?

Frischer Basilikum enthält phenolische Substanzen. Durch Verletzung der Pflanzenzellen: schneiden mit dem Messer oder mörsern, dringt Luftsauerstoff in die Zellen. Die pflanzlichen Diphenole werden von Luftsauerstoff und einem Enzym, der Polyphenoloxidase, zu braunen Chinonen oxidiert. Das Basilikumblatt verfärbt sich braun, unansehnlich, dunkel. Wärme beschleunigt diesen Prozess. Erst Hitze zerstört das Enzym. Das betrifft nicht nur Basilikum, auch Aepfel, Auberginen und andere Pflanzen. Nach einem ähnlichen Prinzip verläuft übrigens auch die Bräunung menschlicher Haut an der Sonne. Braunen pesto mag niemand. Schrumpelig braun gilt hingegen immer noch als Schönheitsideal.
Die Pestoherstellung ist also ein Wettlauf gegen die Zeit, das Altern. Der Prozess des Braunwerdens kann durch Kälte und Ausschluss von Luftsauerstoff gebremst werden. Darum:
1) das Olivenöl samt Cutter oder Mörser im Kühlschrank vorkühlen und
2) die Basilikumblätter wenn möglich immer unter Olivenöl vor Luftsauerstoff geschützt mörsern, schneiden, cuttern.

Rote Bete an fruchtiger Pinienkern-Vinaigrette

Randen an fruchtiger Vinaigrette 2013 07 04_0861

Die ersten jungen Randen finden sich schon seit vielen Wochen auf dem Gemüsemarkt. Da man im Département Drôme gerne Gemüse mit Früchten kombiniert, wollte ich mich auch mal in Richtung fruchtig-gemüsig versuchen. Mit einer Himbeer-Tomaten-Pinienkern-Kapern-Vinaigrette. Mehr Zutaten gingen nicht mehr in die Vinaigrette 😉

Zutaten
4 junge Randen

für die Himbeer-Pinienkern-Vinaigrette:
80 g Pinienkerne, angeröstet
1 Handvoll fein gehackte, glatte Petersilie
50 g Dörr-Tomaten
1 dl Weisswein
2 Elf. Salzkapern, gewässert
2 Elf. Orangenöl
4 Elf. Olivenöl
100 g Himbeeren
80 ml Kräuter-Weinessig
30 ml Weisser Balsamessig Gölles
Meersalz, Pfeffer

Zubereitung
(1) Randen auf dem Dampfsieb garen (ca. 30-40 Minuten). Noch warm schälen und in Spalten schneiden. Mit Meersalz würzen.
(2) Pinienkerne trocken rösten, grob hacken.
(3) Dörrtomaten in Weisswein aufkochen (um sie zu rehydratisieren und um das Salz teilweise zu entfernen), heraunehmen und hacken.
(4) Himbeeren im Essiggemisch aufkochen. Vom Feuer ziehen, zerdrücken und 5 Minuten ziehen lassen. Durch ein feines Sieb drücken.
(5) den „Himbeeressig“ mit den Pinienkernen, Dörrtomaten und Kapern mischen und ca. 5 Minuten leise köcheln. Die beiden Öle hinzurühren, zum Schluss die Petersilie unterziehen. Würzen mit Meersalz und Pfeffer.

Eine kräftig-würzige Vinaigrette, die aus der Gemüsebeilage ein Hauptgericht macht.

Randen an fruchtiger Vinaigrette 2013 07 04_0863

CH-8253 Diessenhofen: am Hochrhein

CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0884
Hauptstrasse mit Zeitglockenturm (1545)

Gute 20 Fussminuten oberhalb der ehemaligen Klosteranlage Paradies, Nähe Schaffhausen, liegt Diessenhofen am Hochrhein.
In Zeiten des Rhein-Iller-Donau-Limes stand hier auf dem Sporn der Burg Unterhof ein römischer Wachturm. Als Nachfolger der abziehenden römischen Truppen besiedelten Alemannen die Gegend. Im Jahr 757 gelangte die Siedlung als Schenkung in Besitz des Klosters St. Gallen. Graf Hartmann III. von Kyburg erhob den Ort 1178 zur Stadt, die er Truchsessen zur Verwaltung übergab.

CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0894
Burg Unterhof, Sitz der Ministerialen von Kyburgern und Habsburgern
CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0892
Burg Unterhof und Schifflände von der deutschen Rheinseite aus gesehen
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Bannerherr (mit blauem Auge ?) und dem (Kyburger) Stadt-Wappen.

Verglichen mit Schaffhausen und Stein am Rhein blieb Diessenhofen aber immer ein bescheidener Marktort. Die Stadt diente den Machthabern vor allem zur Sicherung ihrer Besitzungen beidseits des Rheines und genoss deshalb wenig Freiheiten. Das Gewerbe deckte wohl die einfachsten Bedürfnisse der Stadt und ihres kleinen Marktgebiets, war aber zahlenmässig zu klein, um sich in Zünften zu organisieren. Die Bevölkerung lebte von Landwirtschaft und Fischerei. Die Stadt bezog ihre Einnahmen aus der Besteuerung des Salzhandels, Brücken- und Durchgangszöllen. 1264 gingen mit dem Aussterben der Kyburger deren Besitzungen an Habsburg über, die damit ihre Vorlande hübsch arrondieren konnten.

CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0891
Stadtsicht von der deutschen Seite her
CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0882
Oberes Amtshaus und Blick auf deutschen Badestrand

Seit 1292 führt eine Holzbrücke über den Rhein, die 1814 überdacht wurde. Nach einem Grossbrand 1371 wurde das meist aus Holzhäusern bestehende Städtchen neu aufgebaut. Grosszügig erliessen die Habsburger für ein paar Jahre die Steuern. Nach den militärischen Niederlagen gegen die Eidgenossen verloren die Habsburger allmählich ihren Einfluss. Den Bürgern gelang es, ihre Rechte auszuweiten. Ab 1415 wurde Diessenhofen reichsfrei. Bei der Eroberung des Thurgaus durch die Eidgenossen, 1460, wurde das Städtchen belagert und eingenommen, durfte jedoch seine Stadt- und Zollrechte weitgehend behalten.

CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0883
Wohnhaus Oberhof
CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0880
Rathaus (1760)

In der Zeit der Helvetischen Republik wurde der Bezirk Diessenhofen 1798 dem Kanton Schaffhausen angegliedert. Zwei Jahre später kam der Bezirk dann definitiv zum Kanton Thurgau. Um 1830 setzte die Industrialisierung mit den ersten Stofffärbereien und -druckereien sowie zwei Ziegelfabriken ein.

Direkt am Rhein findet sich ein ehemaliger Verteidigungsturm aus dem Jahre 1391. Ab 1616 als Gefängnis, im 19. Jahrhundert von einer Stoffärberei zum Aufhängen und Trocknen von Textilien  genutzt.

CH-8253 Diessenhofen 2013 08 05_1268
Hänkiturm

Zwischen Diessenhofen und Schaffhausen liegen die im 13. Jahrhundert gegründeten Klosteranlagen St. Katharinental und Paradies, die bis zu ihrer Aufhebung im 19. Jahrhundert von Frauenkonventen besetzt waren. Nachdem das Kloster Katharinental die existenzgefährdenden Wirrungen des Reformationszeitalters überstanden hatte, erlebte es unter der Priorin Josepha Dominica von Rottenberg eine neue Blütezeit. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ die Priorin durch Vorarlberger Baumeister anstelle des alten Klosters die heutige barocke Klosteranlage errichten; Sie gilt als ein bedeutendes Beispiel des süddeutschen Barocks.

CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0895
Klosterkirche St. Katharinental
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In der Cafeteria der Anstalt gibts Automatenkaffe und schöne Aussicht
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Eingangsportal der barocken Klosteranlage
CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0900
Auch an Schatten haben die Barock-Architeken gedacht

Gleich gegenüber, auf der deutschen Seite thront das Schlösschen Rheinburg, eine 1866 im Stil der Neo-Renaissance erbaute Privatvilla eines Schaffhauser Unternehmers. Nach einer wechselvollen Geschichte als vegetarische Kolonie, Erziehungsanstalt für Töchter aus höheren Ständen, Klinik, Sanatorium, Unterkunft für Kriegsevakuierte, Kinderheim, Kibbuz für Überlebende des deutschen Albtraums und letztlich als neurologische Klinik, wurde die baufällige Anlage durch die deutsche Unternehmerfamilie Gross erworben und mustergültig renoviert. Ehemalige Rebberge unterhalb des Landgutes wieder angepflanzt und in 20-Jähriger Aufbauarbeit hervorragende Weine gekeltert, an die ich mich heute noch mit Vergnügen erinnere. 2003 wurde das Weingut an den Markgrafen von Baden verpachtet, der die Gailinger Weine separat ausbauen lässt. Da ich mich seither vermehrt den Schweizer Weinen zugewandt habe, ist der Draht zu den Gailinger Weinen leider abgerissen.

CH-8253 Diessenhofen 2013 07 09_0903
Klostergarten am Rhein und Blick auf die Rheinburg in Gailingen (D)
CH-8253 Diessenhofen 2013 08 05_1273
passt genau ! Bei hohem Wasserstand muss umgestiegen werden

Quellen:
wiki Diessenhofen
wiki St. Katharinental

Himbeersenf: Die deutsche Versuchung

Himbeersenf 2013 08 01_1250

Süsse Senfsorten lassen mir Durchschnittsschweizer normalerweise die Haare sträuben. Kürzlich kam ich in einem Kochkurs in Lucas Rosenblatts Werkstatt in Genuss von Pulpo-Lollipops mit Himbeersenf. Ei, schmeckte das gut ! Ich habe den Senf mit reduziertem Zuckergehalt zuhause nachgekocht. Nicht mit Pulpo, den isst hier ausser mir niemand: mit fein aufgeschnittenen Scheiben von kaltem (gekauftem) Roastbeefaufschnitt. Dabei habe ich alle Bemerkungen von Frau L. zu süssem Senf und blutigem Fleisch tapfer schweigend hinuntergeschluckt. Und wer verlangte Nachschlag ?

Zutaten
für 2 Portionen

15 g Senfpulver (gelbe Senfsaat, frisch gemahlen und gesiebt oder Coleman’s Mustard powder)
50 g Pommerysenf (Körnersenf)
1 kleine Prise Kardamompulver
3 dünne Scheiben Ingwer frisch
30 g Himbeeressig
30 g Honig
100 g Himbeeren

Himbeersenf 2013 07 28_1230

Zubereitung
(1) Honig mit den Himbeeren, Gewürzen und der Hälfte des Essigs ca. 5 Minuten leise kochen lassen, bis die Himbeeren zu Mus zerfallen sind.
(2) Senfmehl mit dem restlichen Essig verrühren, zum Himbeer-Essigmus geben und je nach gewünschter Schärfe 2-3 Minuten bei milder Hitze weiterköcheln.
(3) Etwas abkühlen,  den Körnersenf zugeben, mit dem Stabmixer kurz durchmixen und durch ein Sieb streichen.
(4) mit Salz und ggf. Himbeeressig abschmecken.

Je länger frisch gemahlenes Senfpulver mitkocht, desto milder wird der Senf (Die Schärfe verursachenden Senfölglykoside zersetzen sich). Eine Art Schnellreifung, so dass der Senf ohne zusätzliche Lagerung sofort verwendet werden kann. Im Kühlschrank aufbewahren.

Frau L. befand, solch blutrünstige Bilder wie das folgende, dürfe ich Salat essenden Mädchen nicht vorsetzen. Also Augen zu und wegklicken ! Und ich musste Tage später alles ein zweites Mal kochen. Ohne dass das Bild wesentlich anders geworden wäre. Siehe Bild 1.

Himbeersenf 2013 07 28_1227
Bild aus dem Ausschuss bzw. outtake, wie das heute heisst

Errötete Zucchini-Feta-Burger

Zucchini Fritter 2013 08 13_1380

Und ich habe es geahnt. Noch ist nicht fertig mit Zucchetti. Wer wohl den längeren Atem hat ? Heute mit Zucchini-Feta-Burgern, die ich in einer Rote Bete-Panko-Panade paniert habe. Ich hoffte, dass das giftige Pink der Panade die Zucchini erschrecken und zu einer vorzeitigen Einstellung des Wachstums veranlassen würde. Doch der Teller schmeckte wohl viel zu appetitlich, als dass sich die grünen Gesellen von fleischigem Aussehen schrecken liessen.

Zucchini Fritter 2013 08 10_1291
Rote Bete-Panko-Brösel-Mischung beim Trocknen im Ofen. Schmeckt gut !

Zutaten
für die Rote Bete-Panko-Brösel:
100 g Panko
1-2 dl Biotta Randensaft
Prise Salz

für die Zucchini-Burger:
total 700 g kleine Zucchini, davon das Zucchini-Innere, ca. 400 g
20 g Couscous
1 Elf. Salz
40 g Brotbrösel, selbstgemacht
1 Frühlingszwiebel, fein gehackt
80 g Fetakäse
3 Elf. Petersilie, glatt, fein gehackt
ca. 1 Tlf. Mekeleischagewürz, für die äthiopische Vier-Gewürzmischung fülle ich folgende Zutaten in eine Gewürzmühle: gleiche Teile Bockshornklee, Kreuzkümmel, Fenchel und Ajowansamen (Ajowan gibts bei I. Holland)

zum Panieren:
1 Ei, verkleppert
Mehl

für den Zucchinikaviar:
ca. 250 g der obigen Zucchini, der grüne, äussere Anteil
2 Elf. Olivenöl mit Zitrone
2 Elf. weisser Balsamessig (Gölles)
Salz, Koriander gemahlen, weisser Pfeffer

Zucchini Fritter 2013 08 13_1378
Zucchini Burger unpaniert

Zubereitung:
für die Rote Beten-Panko-Brösel:
(1) Panko mit soviel Randensaft tränken, das dieser eben aufgenommen wird und die Brösel gleichmässig rot sind. Salzen. Auf ein beschichtetes Kuchenblech ausbreiten und bei 110°C Umluft ca. 1-2 Stunden trocknen. Die Masse gelegentlich zerhacken und wenden. Die Masse, sobald sie trocken ist, in einer Mandelmühle mahlen und nochmals kurz nachtrocknen. Trocken aufbewahren.

für die Zucchini-Burger:
(2) Zucchini waschen und auf der Mandoline die äussere, grüne Schicht zu Julienne abhobeln (reservieren für den Zucchinikaviar). Das weisse, Innere, auf der Röstiraffel hobeln, mit dem Salz mischen und 30 Minuten Wasser ziehen lassen. In einem Vliestuch gut ausdrücken. Die Zucchiniraspel mit Couscous, Bröseln und den restlichen Zutaten mischen. Würzen. 20 Minuten ziehen lassen. Dann 50 g schwere Burger formen.

Zucchini Fritter 2013 08 13_1379
Fleischpflanzerl ?

(3) Burger im Mehl wenden, durchs Ei ziehen und mit den roten Pankobröseln panieren. In Olivenöl langsam bei niedriger Hitze (werden rasch dunkel) allseitig anbraten.

für den Zucchinikaviar:
(4) Die Zucchini-Julienne in quadratische Würfelchen schneiden, gut salzen und 30 Minuten stehen lassen. In ein Vliestuch geben und das Wasser auspressen. Die Würfelchen mit wenig Zitronenöl und Essig anrühren und würzen.

Zucchini Fritter 2013 08 13_1381
ergibt 10 Burger

finish:
Zucchinikaviar (im Prinzip ein feingewürfelter Salat) in einem Metallring flach auf die Teller verteilen. Burger drauf. Fertig. Nein, die Burger brauchen nicht zu erröten. Kein Grund, sich zu schämen.

Zitat aus dem Buch Eiholz, Eine Kindheit im Zentrum der Welt, Otto Scherrer, Limmatverlag, 2005, Erinnerungen aus den 40-er Jahren aus einer vergangenen, bäuerlichen Umwelt:
„Mit 40 cm langen Zucchetti war kein Geschäft mehr zu machen…. Wir mussten sie selber essen. Wir verabscheuten das gewürfelte, verkochte Zeug, das aus diesen Gewaltsdingern produziert wurde, wie kaum etwas anderes. Es musste weggeputzt werden. Brechreiz hin oder her“.

CH-8500 Frauenfeld: Hip-hop, Energiewende, Kunst und Häuser

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Kühlturm der Thurgoil ?

Nein, wir waren nicht am Frauenfelder hip-hop-open-air-festival. Viel mehr als hippiges Gehoppe interessierten mich die Bemühungen der Schweiz, die Energiewende doch noch zu schaffen. Angekündigt war die Energiewende nach Fukushima von den Damen im Bundesrat ja sehr schnell. Mit der Umsetzung scheint es jedoch 2 Jahre später zu harzen. In Warth, gleich hinter Frauenfeld, versucht man das Problem mit einem Turm aus Holzscheiten zu lösen. Der wurde im Auftrag des Thurgauer Kunstmuseums vom japanischen Künstler Tadashi Kawamata aus Oil of Thurgau (Thurgauer Holzscheiter, D: Scheite) kunstvoll hoch geschichtet.

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würde meinen Energiebedarf im Jura für die nächsten zehn Jahre decken

Daselbst assen wir zu Mittag. Eingekesselt von lauter Assekuranzvertretern der Basler Versicherung, die hier an einer Tagung der Versicherungsvertreter zwei Tage Ferien vom Vertreten machten. Bei Wasser. Ganz im Gegensatz zu uns, die wir uns ein halbes Fläschchen Wein gönnten. Danach noch ein paar Schrittchen durch den Rosengarten an den ehemaligen Klausen der Kartäusermönche vorbei. Siehe auch meinen früheren Bericht über das Kloster Warth.

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Kloster Warth, jedem Mönch sein Häuschen
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Fischweiher und Rebberg des Klosters

Nach dem essen ins nahegelegene Frauenfeld, der Hauptstadt des Thurgau, erbaut auf „unserer lieben Frau [Maria]“ geweihter Flur. Hier in einer Ansicht aus „Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen und Voelckeren, Chronick wirdiger thaaten Beschreybung“ (Stumpfsche Chronik, aus wiki). Heute sieht die „geweihte Flur“ jedoch eher „entweiht“ aus:  Bild NZZ

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Frauenfeld, Holzschnitt aus der Stumpfschen Chronik, 1547/48

Die Siedlung „frowinfelt“ entstand im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Jahrzehnte zuvor erbauten Turm des Frauenfelder Schlosses. Ab 1286 ist Frauenfeld als Stadt bezeugt, die damals unter habsburgischer Landesherrschaft stand.

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Schloss Frauenfeld, so sah es schon vor  beinahe 500 Jahren aus

Während einer kurzen Periode der Reichsunmittelbarkeit des Thurgaus zwischen 1415 und 1442 stand Frauenfeld unter der Schirmherrschaft eines Reichslandvogts, danach gehörte es bis 1460 zu Österreich. 1460 wurde die Landgrafschaft Thurgau von den sieben eidgenössischen Orten Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus erobert und als „gemeine Herrschaft“ verwaltet. Ab 1504 residierte der von den Eidgenossen gewählte Thurgauer Landvogt in Frauenfeld.

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Katholische Stadtkirche St. Nikolaus, Frauenfeld

Frauenfeld trat bis 1531 überwiegend zum reformierten Bekenntnis über. Ab 1720 wurden die Katholiken nicht mehr in städtischen Ämtern geduldet. Pfarrkirche der Stadt Frauenfeld war ursprünglich die Laurentiuskirche in Oberkirch. In der Stadt gab es nur die bei dem Stadtbrand 1771 abgebrannte St. Nikolauskapelle. Die heutige Kirche wurde 1904–06 erbaut und bestimmt mit neo-barockem Pomp die heutige Stadtsilhouette.

Von der eidgenössischen Tagsatzung genehmigt, der Thurgau war ja gemeine Herrschaft, wurde 1641 an der jetzigen Stelle die evangelische Kirche erbaut. Das Kirchenschiff und der obere Teil des Turmes wurden wegen Baufälligkeit 1927 abgebrochen und durch einen im Bauhaus-stil gehaltenen, langweiligen Neubau ersetzt. Das rot leuchtende Chorfenster stammt von unserem Lieblingsmaler, Augusto Giacometti (1877 – 1947) und zeigt den Weg Christi von der Geburt bis zur Erhöhung.

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Kirchenfenster Augusto Giacometti

Seit 1712 wurden in Frauenfeld mehrmals Tagsatzungen abgehalten (in regelmässigem Wechsel mit Baden), von 1742 bis 1797 tagten die Eidgenossen schliesslich ständig hier.
In den Jahren 1771 und 1788 wurde die Stadt von verheerenden Feuerbrünsten heimgesucht, bei denen die meisten alten Häuser zerstört wurden. Das heutige Stadtbild wird daher durch spätbarocke und klassizistische Repräsentationsbauten geprägt, die teils durch die an den Tagsatzungen teilnehmenden Stände erbaut wurden  (Luzerner Haus, Berner Haus).

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Haus zum Schwert
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Berner Haus (zur Gedult)
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Luzernerhaus
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Noch mehr Autos als in der Altstadt gibts vor dem Postamt zu sehen

Zucchini total: mein Kampf wider die gelbe Gefahr

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Zucchini auf drei Arten

Anfangs kämpften sie mit der Kälte, wollten nicht mehr wachsen. Dann waren eines Tages die wenigen Blätter von Hagel zerfetzt. Mit der Hitze der letzten Tage sind sie nun erwacht: meine Zucchetti(ini). Doch diesmal hab ich euch erwischt. Klein, teils noch mit Blüten. 10 Stück (600 g) auf einmal. Weg damit.

Zucchini auf dreierlei Art

als Zucchinipesto, Zucchinikaviar und gebratene Zucchinischeibchen. Drei Texturen. Drei Geschmäcker. Serviert mit Minze-Basilikum-Orangen-Taboulé.

Zutaten
Hauptmahlzeit für 2 Personen

für das Taboulé:
150 g Bulgur (oder couscous)
1 dl Orangensaft (aus der Flasche)
1/3 Tlf. roter Pfeffer geschrotet
Salz
2-3 Elf. weisser Balsamessig (Gölles)
2-3 Elf. Orangenöl (Olivenöl mit Orangen gepresst)
etwas Zitronensaft
10 Pfefferminzblätter
10 Basilikumblätter

für den Zucchinikaviar:
150 g mit der Mandoline gut zündholzdick geschnittene Zucchinistreifen vom äusseren (grünen) Teil
Salz
weisser Pfeffer
1 Elf. Olivenöl
1 Elf. weisser Balsamessig

für den Zucchinipesto:
250 g Abschnitte vom innern (weissen Teil) der Zucchini
eine Handvoll Basilikumblättchen
25 g Pinienkerne
1 grosse Knoblauchzehe
30 g Sbrinz oder Parmesan, frisch gerieben
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
ca. 70 ml Olivenöl extra

für die gebratenen Zucchini:
5 der kleinsten Zucchini quer in Scheiben geschnitten
Salz
weisser Pfeffer
Olivenöl

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Orangen-Minze-Basilikum-Taboulé, vor dem Dämpfen

Zubereitung
für das Taboulé:
(1) Bulgur in reichlich Wasser ca. 10 Minuten einweichen. Wasser abgiessen. Bulgur mit dem Orangensaft versetzen und nochmals 10 Minuten quellen lassen. Dämpfeinsatz in einen Topf mit etwa 2 dl kochendem Wasser stellen und den Einsatz mit einem Vliestuch auskleiden. Bulgur samt Orangensaft auf das Tuch schütten, Deckel drauf und ca. 10 Minuten dämpfen.
(2) Den gegarten, lockeren Bulgur entnehmen und mit dem Öl und Essig mischen. Würzen mit Salz und Zitronensaft. 10 Minuten vor dem Servieren die gehackten Kräuter unterziehen.

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Zucchinikaviar

für den Zucchinikaviar:
(3) Die Zucchini-Julienne in quadratische Würfelchen schneiden, gut salzen und 30 Minuten stehen lassen. In ein Vliestuch geben und das Wasser auspressen. Die Würfelchen mit wenig Öl und Essig anrühren und würzen.

für den Zucchinipesto:
(4) Die Zucchiniabschnitte in 2 cm grosse Würfel schneiden, gut salzen und 30 Minuten stehen lassen. Mit Küchenpapier trocknen und in heissem Olivenöl allseitig anbraten. Vollständig abkühlen lassen.
(5) Pinienkerne ohne Fett anrösten.
(6) Zucchini, Knoblauchzehe, Basilikumblättcher, Pinienkerne, Pfeffer und etwas Meersalz in den Mixbecher geben. Das Olivenöl auf langsamer Stufe untermixen. Den Käse zum Schluss untermixen. Abschmecken. Mit wenig Olivenöl überdecken. Im Kühlschrank lagern.

Zucchini total 2013 08 07_1280
Zucchini und Blüten gebraten

für die gebratenen Zucchini:
(7) Zucchinischeiben einsalzen, 30 Minuten stehen lassen. Mit Küchenpapier trocknen und in in heissem Olivenöl beidseitig anbraten. Salzen, pfeffern. Die verwertbaren Blüten hacken und kurz mitgehen lassen.

Zucchiniblüte 2013 08 03_1253
im Urwalddunkel lauert ewig dräuend die gelbe Gefahr

Die Zeit wird zeigen, ob der Gegner endgültig besiegt darniederliegt oder ob er sich von diesem dreifachen Schlag je wieder erholen wird.

Spaghetti mit Oliven und Ricotta salata

Spaghetti alle Olive 2013 07 26_1150

Bei Temperaturen über 30°C wird hier kaum mehr gekocht, und wenn doch, dann muss es einfach gehen: Spaghetti kochen, abgiessen und mit Zutaten mischen. Fertig.  Die Idee hiezu hab ich im letzten Konsumblättchen gefunden. Drei Voraussetzungen sollten jedoch dazu erfüllt sein:

1) die Hitze darf nicht so hoch sein, dass an das Kochen von Spaghettiwasser nicht zu denken ist.
2) gute Taggiasca-Oliven, meine waren von Nicolò Polla, eingelegt in gutem Olivenöl.
3) die selbstgemachte Ricotta salata, Damit muss etwa 2 Wochen vorher begonnen werden. Sonst halt Parmesan verwenden.

Zutaten

für 2 Portionen

250 g Spaghetti
1/2 Bund glatte Petersilie, klein geschnitten
1/2 Bund Basilikum, zerzupft (im Original: Petersilie)
50 g Taggiasca Oliven, entkernt, in Olivenöl, grob gehackt
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
1/2 Biozitrone, Rinde gerieben und Saft
4 Elf. Olivenöl (aus dem Olivenglas)
Salz fürs Kochwasser, Pfeffer

Spaghetti alle Olive 2013 07 26_1155

Zubereitung
Die gekochten Spaghetti mit den Zutaten vermischen. Mit Ricotta salata bestreuen.

Die Ricotta salata hab ich aus 300 g käuflicher Ricotta selber gemacht: Den Schritt, die Ricotta auch noch selber zu machen, spare ich mir. Mein Warenhaus um die Ecke hat den besten, den man in der Schweiz kaufen kann. Im Netz sind genügend Anleitungen zu finden, wie man aus Milch und Zitronensaft oder Calciumlactat oder Lab Ricotta herstellt.

Spaghetti alle Olive 2013 07 24_1148

(1) Ricotta aus der Packung nehmen und in ein weisses Passiertuch aus Vlies legen. Mit ein paar Lagen Küchenpapier umwickeln und gut ausdrücken. Ich lege den Packen über Nacht in den Kühlschrank und wechsle das nassgewordene Küchenpapier ein- bis zweimal am Abend und frühmorgens. So verliert die Ricotta bis zu einem Drittel des Gewichts.
(2) Die Ricotta mit Hilfe einer Gabel zerdrücken und mit 1-2 Tlf. Fleur de sel mischen (gut salzen, aber nicht versalzen) und nochmals während dreier Tage mit Küchenpapier auf dieselbe Weise weiter trocknen.
(3) Die brösetrockene Ricotta in eine mit Küchenfolie ausgelegte Darioleform pressen, herausnehmen und in einem Stück frischem Vliestuch offen im Kühlschrank ein paar Tage weiter reifen lassen.

Danach hat man ein würziges Zigerstöckli, das man über Pasta reiben kann.